Wirtschaftskrieg im Pazifik
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(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Singapur, Ende Januar 1937.
Die „Bürde des weißen Mannes" lastet schwer auf den Schultern der Handvoll Engländer, die den Handelsverkehr zwischen dem Stillen und Indischen Ozean kontrollieren und die Geschicke der asiatischen Groß- und Weltstadt bestimmen, zu der sich binnen kaum hundert Jahren ein ehemaliges Fischerdorf nur dank britischer imperialer Führungskunst entwickeln konnte. Man mag sich tagsüber an geschäftlichen Erfolgen berauschen, nachher in lärmenden Vergnügungen Betäubung suchen; das Gefühl wachsenden inneren Unbefriedigt s e i n s wird kein besonnener Engländer in Singapur mehr los. Die Stadt reckt sich und streckt sich, der Weltmarkt braucht wieder in wachsenden Mengen alles, was auf der malayischen Halbinsel einer tropischen Natur fabrikmäßig abgewonnen oder aus unerschöpflich scheinenden unterirdischen Hilfsquellen zutage gefördert wird; die Gummikönige im besonderen können wieder märchenhafte Gewinne einheimsen, während zugleich alle Bevölkerungsschichten bis zu den Kulis ihr Einkommen steigen sehen; unaufhaltsam wächst die Zahl der Schiffe, die an kilomterlangen Kais löschen und laden, während unübersehbare Scharen ma- layischer Praus, chinesischer Dschunken und arabischer Dhaus die Unverwüstlichkeit mittelalterlicher Formen im fernöstlichen Seeverkehr bezeugen.
Und nun ist durch den beschleunigten Ausbau Singapurs als Krieshafen auch alles nachgeholt worden, was zur Sicherung der britischen Herrschaft im Jndiameer versäumt schien. Die Machtousstrahlungen des ausgebauten Flottenstützpunktes sollen ausreichen, nicht nur das Jndiameer vor einem Einbrecher zu schützen, sondern auch alle denkbaren Gefahren abzuwenden, die den Hafen von Hongkong, die Oelquellen auf Borneo, die Goldminen auf N e u - G u i n e ä, den Erdteil A u st r a l i e n und die Insel Neuseeland, nicht minder den niederländisch-indischen Kolonialbesitz bedrohen könnten. Die Manöver sollten die Unangreifbarkeit der Doppelflankenstellung, über die England am Indischen und Großen Ozean verfügt, unter Beweis stellen. Daß unter möglicher Gegnerschaft nur die japanische gemeint ist, braucht nicht betont zu werden. Aber in der Richtung auf Tokio zeigt sich zur Zeit am diplomatischen Himmel kein Wölkchen. Niemals war in der japanischen Presse mehr von einer dauerhaften neuen Verständigung mit England die Rede als gegenwärtig. Auch von London her werden hoffnungsvolle Stimmen über eine Entspannung im Fernen Osten laut, nachdem sich die Furcht vor japanisch-deutschen Geheimabmachungen als unbegründet herausstellte. Wie erklärt sich da die Unsicherheit, die das britische Wesen im indopazifischen Raume verrät?
Es handelt sich in Wirklichkeit um ein schwindendes Vertrauen auf die innere F e st i g k e i t des eigenen Herrschaftsgebäudes. Der britische Imperialismus ist im indopazifischen Raume hoffnungslos teurer als der japanische, und dieses liebel wird durch jeden neuen Rüstungsaufwand verschlimmert. Man sucht Indien gut zuzureden, seinen lächerlich niedrigen Beitrag für das Rüstungswerk in Singapur zu erhöhen, da seine Sicherheit davon heute mehr abhänge, als von der Wacht am Khyberpaß. Indien hat dafür nur taube Ohren. Der indische Bauer ist, nicht zuletzt infolge der Kostspieligkeit britischer Verwaltung, bettelarm. Er war schlecht ernährt, ging barfuß und war zu dürftig gekleidet, um bei schlechter Witterung gegen Erkältung geschützt zu sein. Da kamen Schuhe, Hemden und Unterjacken aus Japan auf den Markt, deren Preise niedrig genug waren, um selbst für die unteren Schichten der indischen Bevölkerung erschwinglich zu sein. Das sprach sich herum, und die herkömmliche Ehrfurcht vor dem britischen Sahib geriet dabei von selbst ins Wanken. Die billigen Waren kommen auf japanische Schiffen, die indische Rohstoffe als Rückfracht mitnehmen. Schon besorgen japanische Schiffahrtslinien vier Fünftel des Warenverkehrs zwischen Bombay und Japan.
Dieser Vorgang wiederholt sich in anderen britischen Einflußsphären im indopazifischen Raume. Je mehr England sich gegen japanischen Wettbewerb innerhalb seiner unmittelbaren Herrschaftsgebiete zu schützen sucht, desto rascher wird es auf allen Märkten verdrängt, wo der politische Einfluß Japans überwiegt. Das schlimmste ist, daß England, und nach seinem Beispiel alle abendländischen Großmächte, innerhalb des indopazifischen Raums einseitig die massenhafte Erzeugung von Rohstoffen förderten. Eine sogenannte „Politik der offenen Tür" gab dabei ein
heimische Gewerbe schonungslosem Wettbewerb mit den wohlfeilen Erzeugnissen westländischer industrieller Massenwarenerzeugung preis, was sie größtenteils erbarmungslos zugrunde richtete. Es entstand dadurch eine Zwangsnachfrage nach allem, was außer Nahrung und Wohnung zum notwendigsten Unterhalt gehörte, die nur durch Einfuhr fremder Erzeugnisse gedeckt werden konnte. Das führte im Laufe von Jahrzehnten zu völliger Auszehrung des Wohlstandes fast aller asiatischen Randländer des Indischen und Pazifischen Ozeans. Was Wunder, daß der konkurrenzlos billig arbeitende moderne japanische Industrialismus von seinen günstigeren Standorten aus auf asiatischen Märkten sich spielend leicht Monopol ft ellun- g e n erobern konnte, zumal ihm nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise die Rohstoffüberschüsse abendländischer Kolonial- oder Halb-Kolonialländer zu Spottpreisen zur Verfügung standen.
Was kann England dagegen tun? Es lag am nächsten, die japanische Einfuhr in seinen unmittelbaren und mittelbaren Herrschaftsgebieten möglichst zu drosseln. Man ließ Kanada einen Handelskrieg mit Japan führen, den es glattweg verlor, weil sich herausstellte, daß die Wirtschaftsbelebung in dem Dominion schon von dem stetig steigenden Absatz westkanadischer Boden- und Bergbauerzeugnisse auf den durch den japanischen Wirtschaftsimperialismus im Fernen Osten erschlossenen Märkten zu sehr abhängig geworden war. Günstiger schnitt Australien mit seinen Kampfmaßnahmen ab, weil sich Japan nicht rechtzeitig genügend Ersatzquellen für australische Wolle zu sichern vermochte. Der australische Sieg war aber, wenn es ein Sieg war, ein Pyrrhussieg. Australien setzt auf den Märkten des japanischen Imperiums vier- bis fünfmal mehr ab, als Japan auf dem australischen Markt. Mit der Zeit muß sich daraus eine hoffnungslose handelspolitische Unterlegenheit Australiens entwickeln.
Die Frage ist nun, ob sich England hinter seiner unheimlich verstärkten Flankenstellung in Singapur eine planmäßige Verdrängung japanischen Wettbewerbs an den asiatischen Gestaden des Indischen Ozeans, in seinen afrikanischen Besitzun
gen und im Nahen Osten zu leisten vermag. Was in dieser Richtung schon unternommen wurde, forderte Japan dazu heraus, in Nordchina einen Schmuggel großen Stils zu organisieren. Gegen die moralische Entrüstung auf britischer Seite wehrt es sich mit handelsgeschichtlichen Erinnerungen, wie solche an die Zeiten der englischen Opiumkriege, vor allem aber durch großzügige Angebote seiner Mitwirkung an einer völligen Neuorganisation der gesamten Weltwirtschaft nach den Grundsätzen unbedingten freien Handels und freier Aus- und Einwanderung. „Nichts", erklärte Hirota im Januar vor dem japanischen Reichstage, „kann den Weltfrieden so sehr fördern wie freie Bewegung von Menschen und Gütern auf der ganzen Erde."
Während sich Japan tatsächlich hinter neueroberten Monopolstellungen ebenso verschanzt, wie England hinter überkommenen alten, entfaltet es dasselbe freihändlerische Banner, unter dem das Angel- sachsentum sich die Herrschaft über die Meere und die besten Teile der Kontinente sicherte. Es braucht außerhalb Ostosiens weder britische noch amerikanische Belange machtpolitisch zu bedrohen, weil es Überall anderwärts mit wirtschaftlichen und geistigen Waffen auskommt. England ist nicht wohl dabei zumute, indem es im indopazifischen Raume seine wirtschaftliche und moralische Schwäche hinter schimmernder Wehr zu verbergen sucht. Es fürchtet sich vor dem eigenen Schicksal, das es zwinat, die freiheitlichen, Welterlösung verheißenden Losungen, unter denen es in der Vergangenheit auf dem ganzen Erdball moralische Eroberungen zu machen verstand, die es möglich machten, mit unglaublich geringem Kraftaufwand ein riesiges Imperium zusammenzuhalten, in dem Augenblick zu verleugnen, wo es sein gelehriger ostasiatischer Schüler beim Wort zu nehmen sucht. Das erklärt das große, Gewissenruhe und Schlaf raubende Unbehagen, das man in den Mienen britischer Kulturpioniere und Trägern der „Bürde des weißen Mannes" nirgends deutlicher zu lesen vermag, als hier an der Schwelle zum „Meer der Entscheidungen", unter unmittelbarem Schutz des jüngsten und stolzesten Bollwerks des britischen Imperiums.
Oer Arbeitsdienst als
irtschastsfaktor
200 000 junge Deutsche werden zweimal im Jahre, am 1. April und am 1. Oktober, zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, um in dieser Friedensarmee mit dem Spaten für Deutschland zu arbeiten und mit ihren Kräften zur Sicherstellung der Ernährung des Volkes aus eigener Scholle beizutragen. Große Aufgaben sind dem Reichsarbeitsdienst auch gerade im Rahmen des zweiten Vierjahresplanes gestellt, gilt es doch, gerade die Einfuhr von Lebensmitteln aus dem Auslande noch mehr herabzusetzen als es bislang der Fall war. Dies alles bringt es mit sich, daß die Mannschaftsstärke des Reichsarbeitsdienstes eine erhebliche Erhöhung ersährt, sie wird schon am 1. April dieses Jahres 230 000 Mann betragen und im Jahre 1939 eine Stärke von 300 000 Mann erreicht haben.
Daß bei einer so großen Organisation alle Fragen der Wirtschaft eine besonders wichtige Rolle spielen, liegt auf der Hand. Wenn jeder Arbeitsmann bei seinem Einrücken Tuchröcke, Tuchhosen, Tuchmäntel und Wäsche bekommt, alles Dinge, die naturgemäß im Laufe der Zeit einer Abnutzung unterliegen, dann leuchtet es jedem ein, daß die gesamte Bekleidungsindustrie durch den Reichsarbeitsdienst einen Auftrieb erhalten hat, der keinesfalls unterschätzt werden darf. Jahr um Jahr beläuft sich die Meterlänge der Tuch-, Futterstoff- und Drillichsbeschaffungen auf mehrere tausend Kilometer, Jahr um Jahr finden regelmäßig mehrere tausend Volksgenossen Arbeit, denen nichts anderes obliegt, als für die Bekleidung des Reichsarbeitsdienstes Sorge zu tragen.
Von nicht minder wichtiger Bedeutung ist die Beschaffung der V e r p f l e g u n a, die fast ausnahmslos durch die einzelnen Abteilungen direkt erfolgt, weil es vor allem das Bestreben des Reichsarbeitsdienstes ist, den örtlichen Geschäften Aufträge zukommen zu lassen. Es muß besonders anerkannt werden, wie schnell und mit welcher Sparsamkeit und Sorgfalt sich die Führer des Reichsarbeitsdienstes dieses so überaus wichtigen Beschaffungsgebietes angenommen haben. Und wenn bei jedem Jahrgang von Arbeitsmännern, der das Lager verläßt, erneut die Feststellung getroffen wird, daß die jungen Menschen in diesen sechs Monaten eine zum Teil recht erhebliche Gewichtszunahme verzeichnen konnten, so ist dies der beste Beweis für die Qualität und die Quantität des Essens, welches in den Lagern verabfolgt wird.
Welche Mengen an Lebensmitteln täglich und jährlich durch die erfreulich gesunden Mägen von rund 200 000 Arbeitsmännern gehen, sollen nachfolgende Zahlen erläutern:
1. Pro Mann, pro Tag 0,75 kg Roggenbrot, das find jährlich 54 750 000 kg = 3650 Waggons ä 15 Tonnen mit einer Gesamtlänge von 29 km. Um 54 000 kg Brot herzustellen, werden 36 410 000 kg Mehl gebraucht.
2. Pro Mann, pro Tag 1 kg Kartoffeln, das sind 73 000 000 kg jährlich = 4867 Waggons ä 15 Tonnen mit einer Gesamtlänge von 39 km. In 2-Zentner-Säcken zu 70 cm Durchmesser aneinandergestellt = 511 km.
3. Pro Mann, pro Tag 100 g Fleisch, das sind jährlich 7 300 000 kg = 486 Waggons ä 15 Tonnen.
4. Pro Mann, pro Tag 40 g Butter bzw. Margarine oder Fett, das sind jährlich 2 900 000 kg = 195 Waggons ä 15 Tonnen.
5. Pro Mann, pro Tag 20 g Kaffee-Ersatz, das sind jährlich 1 460 000 kg = 97 Waggons ä 15 Tonnen.
6. Pro Mann, pro Tag 57 g Wurst, das sind jährlich 4 161 000 kg - 277 Waggons ä 15 Tonnen.
7. Pro Mann, pro Tag 35 g S e e f i f ch , das sind jährlich 2 555 000 kg = 170 Waggons ä 15 Tonnen.
8. Pro Mann, pro Tag 30gMarmelade, das sind jährlich 2 190 000 kg = 146 Waggons ä 15 Tonnen.
Für die Verpflegung werden jährlich rund 60 Millionen Mark aus dem Haushalt des Reichsarbeitsdienstes der Lebensmittelwirtschaft zugeführt.
Eine wichtige Rolle spielen weiterhin, alles vom Standpunkt der Förderung der Wirtschaft aus betrachtet, die Unterkünfte. Die Abteilungen des Reichsarbeitsdienstes bleiben nicht immer an demselben Standort, weil naturgemäß jedes Arbeitsprojekt, das eine Abteilung zu erfüllen hat, nach mehr ober minder langer Zeit zu Ende geführt ist. Es würde sich deshalb nicht überall lohnen, eine feste Unterkunft, die dann nicht mehr verwandt werden könnte, zu errichten. Aus diesem Grunde ist man bereits im Jahre 1933 daran gegangen, Baracken zu errichten, welche an jedem anderen Platz neu ausgestellt werden können. Jetzt sind viele Abteilungen sogenannte Reichsbarackenlager, d. h. Lager, die, wenn das betreffende Arbeitsvorhaben ausgeführt worden ist, ohne Schwierigkeiten an jeder anderen Stelle neu aufgebaut werden können. So sind der Holzbauwirtschaft Aufträge zugeflossen, die in viele Millionen gehen und Tausenden von Arbeitern eine Existenz gaben. Von besonders wichtigen Beschaffungen müssen noch
neben den Betten, Spinden sowie den zahllosen Geräten für die Arbeit selbst, für den Küchen- betrieb, Heildienst usw. die Anschaffungen an Kraftwagen und Zubehör erwähnt werden.
Die besonderen Aufgaben des Reichsarbeits- dienstes bringen es mit sich, daß er in bezug auf die Notwendigkeit der Ausstattung mit Kraftfahrzeugen mit kaum einer anderen Organisation, geschweige denn Behörde, verglichen werden kann. Der Führer eines Arbeitsgaues fyat im Durchschnitt 6000 bis 8000 Arbeitsmänner zu betreuen, die sich auf mindestens 35 bis 50 Lager verteilen. Diese Lager liegen oft meilenweit auseinander und fast immer (denn darin liegt ja eine der großen Aufgaben des Arbeitsdienstes) in unwegsamem Gelände. Daß also eine Arbeitsbauleitung und Gruppenführung über eine Anzahl möglichst geländegängiger Personenkraftwagen und eine Gauleitung auch über einige Lastkraftwagen verfügen muß, ist selbstverständlich. Der Reichsarbeitsdienst braucht seine Kraftwagen nicht zur „Repräsentation", sondern aus harten Arbeits- und Führungsnotwendigkeiten heraus.
Diese kurzen Darlegungen werden gezeigt haben, daß der Reichsarbeitsdienst auch als Wirtschaftsfaktor eine recht erhebliche Rolle spielt und Jahr um Jahr Tausenden von Volksgenossen Arbeit gibt. Immer jedoch müssen wir daran denken, daß das Geld, das der Reichsarbeitsdienst ausgibt, darüber hinaus die Wege ebnet für die großen Landeskulturarbeiten, durch die bis jetzt bereits ein Mehrertrag des deutschen Bodens geschaffen worden ist, welcher der Vergrößerung des deutschen Raumes um eine Fläche entspricht, die um etwa ein Viertel größer als das Saarland ist.
Segensreiche Tätigkeit des AG - Hiissvereins.
NSG. Am 5. März 1937 fand im Adolf-Hitler- hause zu Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz des Gauleiters die Jahresversammlung des Nationalsozialistischen Hilfsvereins Hessen-Nassau statt. Der stellvertretende Vorsitzende Gauamtsleiter A v i e n y berichtete über die erfreuliche Entwicklung dieses Werkes, das durch kameradschaftliches Zusammenstehen eine Haftungsgemeinschaft geschaffen hat, die durch Uebernahme von Bürgschaften die Möglichkeit gab, normalen Bank- und Sparkassenkredit in Anspruch zu nehmen. Am 19. November 1934 wurde der Verein von 10 Parteigenossen gegründet. Ende 1936 zählte er 730 Mitglieder: Organisationen der NSDAP., Gemeinden, Banken, Sparkassen, private Unter« nehmen und Einzelpersonen aus fast allen Kreisen des Gaues. Mit ihrer Hilfe konnten bis Ende 1936 in 3 21 Fällen Bürgschaften gegenüber 45 Kreditinstituten übernommen werden. Bis zu dem gleichen Zeitpunkt war hiervon nahezu die Hälfte der in Anspruch genommenen Kredite bereits wieder zurückgezahlt, ein Zeichen für die Sorgfalt, mit der der Verein arbeitet und für die Zuverlässigkeit, mit der die Parteigenossen, die Kredit bekommen haben, sich um die Rückzahlung ihrer Verpflichtungen bemüht haben. Der Durchschnittsbetrag eines garantierten Kredites liegt um 500 Mark. Dies entspricht den gegebenen Richtlinien, wonach einer möglichst großen Zahl von Parteigenossen geholfen werden soll.
Beimischung
Maisbackmehl zum Weizenmehl.
B e r l in , 5. März. (DNB.) Im Interesse der netwendigen Vorratshaltung an Brotgetreide hat die Hauptoereinigung der deutschen Getreidewirtschaft angeordnet, daß bei der Herstellung von Brot und Backwaren 7 v. H. Mais- backmehl dern Weizenmehl beigemischt werden. Das Maisbackmehl wird den Bäckern zu dem gleichen Preis zur Verfügung gestellt, wie das Roggenmehl der Type 997. Die Beimischung ist ab 15 März Pflicht. Probevermahlungen und Backversuche haben ergeben, daß durch die Beimischung von Maismehl zu Weizenmehl die Güte des Brotes und der Backwaren in keiner Weise beeinträchtigt wird, selbst dann nicht, wenn 10 v. H. Maismehl beigemischt werden. Die angeordnete Beimischung beträgt aber nur 7 v. H. Vor dem Kriege wurden in Deutschland in erheblichem Umfange freiwillig und gern Backwaren verbraucht, die viel Maismehl enthielten.
Urquell
Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte
Von Ernst von Niebelschüh.
An die Wahrheit des alten Sprichwortes, wonach „Ehen im Himmel geschloffen" werden, scheint man in dem „sachlichen" Amerika nicht mehr recht glauben zu wollen, was in dem klassischen Lande der Scheidung ja auch begreiflich ist. Anstatt also dem Himmel für ein immerhin zweifelhaftes Unternehmen die Verantwortung aufzubürden, bekennt man sich jetzt in einigen amerikanischen Großstädten zu dem Grundsatz: Ehen werden im Heiratsvermittlungs-Automaten geschlossen! Das ist einer jener vertrauenerweckenden Kurbelapparate, die man auch bei uns kennt, nur daß er dir nicht Streichhölzer und Schokolade, sondern die ersehnte Lebensgefährtin liefert. Sobald du einen Dollar in den Schlitz geworfen hast, wird nämlich unter einer Glasscheibe ein Filmstreifen in Tätigkeit gesetzt, der an deinen entzückten Augen eine ganze Serie holder Frauengestalten vorüberziehen läßt. Hast du die Passende' gefunden, drückst du auf den Stop-Knopf, woraus der Automat dir einen Brief aushändigt, der neben der Photographie deiner Angebeteten alles sonst Wissenswerte über sie enthält: Alter, Haarfarbe, Gemütseigenschaften, Größe und selbstverständlich auch die Höhe der Mitgift. So findet sich, was nach dem Ratschluß des Automaten zusammengehört, ohne die leicht trügende Stimme des Herzens umständlich befragen zu müssen. Denn auch deine zukünftige Gattin ist nicht sentimental; gegen Hinterlegung von fünf Dollar hat sie ihr Heiratsangebot dem geheimnisvollen Schicksalsapparat anvertraut und wartet auf dich mit du auf sie. Es fehlt nur noch der lyrische Dichter, der diese zeitgemäße Methode der Seelenverbindung in entsprechender Form besingt.
Da es noch immer einige unbelehrbare Ideologen gibt, die in der sowjetrussischen Erziehungsweise, die daraus hinausläuft, Menschen in gut funktionierende Maschinen zu verwandeln, so etwas wie ein erstrebenswertes Ziel der Entwicklung erblicken, wird man gut tun, den Tagebuchaufzeichnungen einer emigrierten Russin, Alja Rach- manooa, Aufmerksamkeit zu schenken. Wir meinen, daß diese ehemalige Studentin sehr klar erkannt hat, wohin die im heutigen Rußland mit Hochdruck betriebene Mechanisierung lebendiger Kräfte notwendig führen muß. Sie schreibt: „Politik, Technik und Medizin, das sind die einzigen Wissensgebiete, die übrig bleiben werden. In fünfzig Jahren wird der Russe der unkultivierteste Mensch sein der auf der Erde eriftiert: er wird hinter dem Australneger rangieren. Der Russe mirh — angenommen, daß sich die Träume der Bolschewiken erfüllen — vielleicht die größten Kraftwerke, die schnellsten Eisenbahnen und die meisten Aeroplane haben, aber er wird ein Tier sein. Das hundertprozentig durchtechnisierte Tier, das ist das Ideal, das denen vorschwebt, die jeßt den russischen Menschen formen, indem sie das Menschliche in ihm vernichten".
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Es scheint, als ob der moderne Mensch in dem aufreibenden Kampf um die Sicherung seiner Existenz nur noch die Wahl zwischen äußerster Arbeitsüberlastung und tödlicher Langeweile habe. Das Verhältnis von Arbeit und Muße, dieser beiden Pole, die sich normalerweise ergänzen und in periodischem Rhythmus ablösen sollten, wie das Ein- und Ausatmen in einem aefunben Organismus — es hat seine produktive Spannung verloren. Der Arbeit fehlt gemeinhin das ruhespendende, der Ruhe das zu neuer Tätigkeit anregende Moment. So taumelt man willenlos von einem Ertrem in das andere und fühlt sich in beiden Zuständen unbefriedigt. Jedenfalls ist dies die drohende Gefahr, womit keineswegs gesagt sein soll, daß es nun überall so fein müsse und daß es nicht
Mittel gäbe, dem Unheil zu steuern. „Kraft durch Freude" ist sicher solch ein Mittel und wird mit zunehmender Erfahrung immer mehr dazu beitragen, jenen vernünftigen Gleichge - wichtszustand herzustellen, ohne den eine Zivilisation, die von jedem einzelnen Höchstleistungen fordert, sich selbst zerstören würde.
In Amerika ist man offenbar noch nicht so weit; dort stehen die beiden Faktoren, Tätigkeit und Muße, die sich zur Harmonisierung des Lebensprozeßes zusammenfinden sollten, noch unversöhnt nebeneinander So ist kürzlich in Boston ein Sanatorium gegründet worden, dessen Hausordnung die Patienten zu absoluter Untätigkeit verpflichtet. Niemand darf auch nur einen Finger rühren; alles, auch die Korrespondenz mit den Angehörigen, wird den Eeholungsbedürf- Ligen abgenommen und von fremder Hand erledigt. Sogar Besuche sind unerwünscht in diesem Sanatorium, das sich nicht ohne Stolz das „Haus der Faulheit" nennt. Man sucht hier also ganz radikal den Teufel durch Beelzebub, d. h. das Ueber- maß von Arbeit durch ein Uebermaß von Langeweile auszutreiben, anscheinend doch in dem Glauben, damit besondere Kurerfolge zu erzielen. Man wird sich irren. Die aus dem Hause der Faulheit als „gesund" Entlassenen werden binnen kurzem wiederkommen, falls sie nicht von selbst zur Einsicht gelanaen, daß nicht der plötzliche Wechsel von Mrbeit und lähmender Langeweile, sondern ein richtiger Ausgleich von Arbeit und gehaltvoller Ruhe die wirkliche Genesung bringt.
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Der italienische Buchhandel hat unlängst eine Statistik der mei st gelesenen Bücher veröffentlicht, aus welcher hervorgeht, daß Dantes „Göttliche Komödie" noch immer bei weitem an der Spille stellt. Man versuche sich vorzustellen, was das heißt: ein mittelalterlicher Dichter, dessen Hauptwerk außerhalb Italiens nicht ohne gelehrten Kommentar verständlich ist und als das vielleicht gedankenreichste und schwierigste Buch der
Weltliteratur gilt: dieser Dichter wird in seinem Vaterlande noch heute nach sechshundert Jahren allen späteren Schriftstellern vorgezogen! Er wird nicht nur geehrt und geliebt, wie sich das für einen patriotischen Italiener von selbst versteht, er wird sogar gelesen und rezitiert, nicht selten auch in solchen Kreisen der Bevölkerung, in denen man eine literarische „Bildung" nicht zu erwarten gewohnt ist. Aber das ist ja gerade das Wunderbare und Beglückende: zu sehen, daß Dante in seiner Heimat nicht „Literatur" geworden, sondern Leben geblieben ist, daß man sich auf ihn beruft als auf den ewigen Kronzeugen eines Landes, eines Volkes und einer Sprache, von denen man die lieber« zeuaunq hat, daß sie nicht sterben können. Was weiß heute der Durchschnittsitaliener noch von Bonifaz VIII, von Cacciaguida, von Ugolino und den anderen Personen der Commedia! Aber daß dieser Dante Terzinen von bestrickendem Wohlklang qe- dichtet und sich mit diesen Versen in die Herzen der Nation hineingesungen hat, das weiß in Italien jeder Maultiertreiber, und so erklärt sich die ungeheure Verbreitung dieses Gedichtes in einem Volke, das damit dem eigentlichen Schöpfer feiner Sprache huldigt.
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Ein englischer Anthropologe hat auf einer zehnjährigen Weltreise, die u. a. den Zweck hatte, die guten alten Sitten und Gebräuche der Volker zu studieren, feststellen können, daß es noch rund eine Million Menschenfresser auf der Erde gibt Er hat sie namentlich im Innern Afrikas angetroffen. Wir buchen diesen Fortschritt der Zivilisation — denn was will eine lumnige Million unter so vielen Nullen auf der weiten Welt bedeuten? — und geben uns ber Hoffnung hin, daß auch diese Restbestände der Roheit demnächst zu höflicheren Umgangsformen übergehen werden, llebrigens scheinen sie schon heute mit sich reden zu lassen, andernfalls es dem britischen Forscher wohl kaum erlaubt gewesen wäre, uns unaufgefressen von seiner Entdeckung Kenntnis zu geben.


