Dornotszen.
Tageskalender für Dienskag.
Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen- Mitte: 20 Uhr, Gasthaus „Zum Löwen", Neuen- weg, Amtswalter-Appell. — Stadttheater: 20 bis gegen 23 Uhr: „Maß für Maß." — Gloria-Palast (Seltersweg): „Spiel auf der Tenne." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Wenn du eine Schwiegermutter hast."
Stadtthealer Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die letzte Wiederholung der Eröffnungsvorstellung der Winterspielzeit „Maß für Maß", Tragikomödie von Shakespeare, statt. Die Spielleitung hat Hermann Schultze-Griesheim. Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 2. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr.
7!SD., Ortsgruppe Mitte.
Die Annahme der Unterstützungsanträge für das Winterhilfswerk 1937/38 für den Bereich derOrt s- gruppe Gießen-Mltte erfolgt nach folgendem Plan:
Mittwoch, 6. Oktober, von 9 bis 12 Uhr: Seltersweg; von 15 bis 18 Uhr: Sand gaffe, Teufelslustgärtchen, Tiefenweg, Wagengasse, Weidengasse, Wolkengasse.
Vorzulegen sind Mietbuch und Belege über Einkommen, Unterstützungen und sonstigen Verdienst; ferner Meldekarte des Arbeitsamtes.
Heil Hitler!
gez. S ch e l h o r n, Ortsgruppenamtsleiter.
BOM.-Untergau 116.
Zn dieser Woche sind folgende Appelle angesetzt:
Dienstag, 5. Oktober, in R ü d d i n g s h a u s e n, 20.30 Uhr, Standortappell.
Mittwoch, 6. Oktober, in Ruttershausen, 20 Uhr, Neugründung eines BDM.^Standorts. Alles Nähere bei dem Bürgermeister.
Mittwoch, 6. Oktober, in D a u b r i n g e n, 21 Uhr, Standortappell.
Donnerstag, 7. Oktober, Standortappell in Grünt n g e n , 20.30 Uhr.
Donnerstag, 7. Oktober, GA.-Abend in Hungen durch die GA.-Referentin des Untergaues.
Gießener Wochen Marktpreise
♦ Gießen, 5. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 12%, Klasse B 12, Wirsing, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 8 Mark, Weißkraut, % kg 6 Pf., 50 kg 5 Mark, Rotkraut, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 8 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 8 bis 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 15 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Erbsen 25 bis 35, Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 12 bis 17, Zwiebeln 6 bis 7, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 25, Kürbis 5 bis 6, Pilze 40 bis 50, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,45 Mk., Falläpfel, % kg 5 bis 6 Pf., Birnen 10 bis 25, Preiselbeeren 35, Zwetschen 15 bis 16, Suppenhühner 80 bis 90, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 9 bis 11, Endivien 9 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf.
*
** Ein Fünfundsiebzigjähriger. Am morgigen Mittwoch, 6. Oktober, kann der Rentner Karl Dechert, Neuen Bäue 2 wohnhaft, in geistiger und körperlicher Frische seinen 75. Geburtstag
it dem Auto in den Straßen
graben. Am gestrigen Montagmittag fuhr auf der Landstraße Gießen—Steinbach zwischen dem Forsthaus Hochwart und der Waldkaserne ein Personenauto in den Straßengraben, überschlug sich und wurde stark beschädigt. Von den Insassen wurde der Autobesitzer verletzt, so daß er nach der Chirurgischen Klinik gebracht werden mußte. Der Fahrer blieb unverletzt.
** Unfälle mit dem Motorrad. Am Os- waldsgarten rannte ein Motorradler, auf dessen Soziussitz ein Beifahrer saß, mit einem Lastauto zusammen. Dabei wurde der Motorradler so erheblich verletzt, daß er nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden mußte. — Ein 22 Jahre alter Mann aus Mainzlar, der in Gießen beschäfttgt ist,
begehen.
** M
Oie Universität vor den Abiturienten.
Am gestrigen MontaAvormittag besuchten je ein Vertreter der Universität, der Studentenschaft und des Stuüentenwerks die Abiturienten der Gießener höheren Schulen, um über Studium und Universität Aufklärung zu geben. In der Aula des Gymnasiums hatten sich Die Schüler der Oberklassen des Gymnasiums und der Oberrealschule versammelt. Oberstudiendirektor Dr. W o l k e w i tz eröffnete die Aussprachestunde und begrüßte die Vertreter der Universität.
Prof. Dr. Anke! (Gießen) nahm als erster das Wort, dankte für die Möglichkeit, vor den Abiturienten sprechen zu können, und schilderte von dem Standpunkt des Professors und Dozenten die Universität im neuen Reich. Heute sei der akademische Nachwuchs sehr notwendig, denn neben anderen Umständen sei es gerade der Vierjahresplan, der erhöhten Bedarf an Akademikern und Wissenschaftlern verlange. Fast alle Fakultäten könnten heute zum Studium empfohlen werden, weil der Aufbau oes Dritten Reiches tüchtige Mitarbeiter auf allen Gebieten fordere. Das Gesicht der Universität im nationalsozialistischen Staat habe sich gegenüber den früheren Jahrzehnten sehr gewandelt, eine lebendige Wissenschaft sei auf den Plan getreten, und besonders das Verhältnis zwischen Dozenten und Studenten habe sich immer mehr zu einem kameradschaftlichen ausgestaltet.
Studentenführer Frank knüpfte an die Ausführungen Prof. Ankels an und gab ein Bild, wie die heuttgen Studenten ihre Universität oder Hochschule sehen. Ausgehend von der Geschichte der deutschen Studentenschaft sprach der Gießener Studen- tenführer von den großen Aufgaben und Zielen, die sich die heutige studierende Jugend gesteckt habe. Vorbild bei allem Tun und Handeln sei der Führer und das Vaterland. Heute sei die Studentenschaft und der NSDStB. in einer Spitze geeint, und der Reichsstudentenführer Dr. G. A. Scheel habe den Neuaufbau der deutschen Studentenschaft vollendet.
Auf dem Parteitag der Arbeit habe der Stellvertreter des Führers den NSDStB. als einen starken Sproß der Bewegung bezeichnet und die Parole für die künftige Arbeit gegeben. Nachdem Herr Frank noch den Aufbau und die Organisation der Studentenschaft, des NSDStB., des Studentenwerks und der NS.-Studentenkampfhilfe erklärt hatte, schloß er seine Ausführungen mit einer Verpflichtung der studierenden jungen Mannschaft auf Adolf Hitler.
Aufklärung über wirtschaftliche und soziale Fragen des Studiums gab dann Herr Adam vom Studentenwerk Gießen. An dem Tag der nationalen Arbeit und an dem Erntedanktag komme der Wille des ganzen deutschen Volkes als einzige große Arbeitsgemeinschaft klar und offen zum Ausdruck. In dieser Gemeinschaft sei jeder notwendig, gleichgültig, wo er stehe und ob er Arbeiter der Faust oder der Stirn sei. Jeder trage die gleiche Verantwortung. In Erfüllung des Punktes 20 des Parteiprogramms gebe der nationalsozialistische Staat jedem die Möglichkeit, höhere Bildung sich anzueignen. Wie in den höheren Schulen es die Freistellen gebe, so gebe es an der Hochschule die Kameradschaftsförderung. Diese Hilfe, die keinen charitativen Charakter trage, werde jedem zuteil, der nicht aus eigenen Mitteln .ein Studium ergreifen könne, der aber auf Grund feiner Leistungen und charakterlichen Eigenschaften auf Vorschlag der Schule und der Parteigliederungen in diese Studienförderung ausgenommen werde. Herr Adam faßte nochmals den Zweck der Aussprache zusammen, der ein Appell an alle diejenigen sei, die sich zur Akademikerlaufbahn berufen fühlten.
Oberstudiendirektor Dr. Wolkewitz dankte, auch im Namen der Oberrealschule, den Vertretern der Universität für die Aufklärung, die durch die Vorträge den Abiturienten von der Universität gegeben worden sei.
stürzte auf der Heimfahrt in der Nähe der Karlsruhe mit seinem Motorrad. Mit einer Gehirnerschütterung und Kopf- und Beinverletzungen mußte er zur Chirurgischen Klinik gebracht werden.
** Auf der Baustelle schwer verun- glückt. Am heutigen Dienstagvormittag verunglückte der 25 Jahre alte Bauarbeiter Willi R ö - m e r aus Vetzberg auf feiner Arbeitsstätte an einer Baustelle in Gießen. Der junge Mann, der an der Baumaterial-Feldbahn zu Schaden kam, mußte mit schweren Kopfverletzungen in die Klinik gebracht werden.
** „Biohum" - Derteilungsstellen. Der in Gießen und in etwa 60 weiteren Orten erfolgreich eingeführte Natur-Humus-Dünaer „Biohum" soll auch in der hiesigen Gegend der Landwirtschaft, dem Obst- und Gartenbau zugängig gemacht werden. Durch die in allen Orten neu zu errichtenden Derteilungsstellen sollen die Transportkosten verbilligt und die Derpackungsspesen erspart werden.
Aus her engeren Heimat.
Würdige Erniedankfeiern.
Aus einer Reche von Landorten liegen uns Berichte über den Verlauf des Emted an Festtages vor. Da der Verlauf der Feiern in allen Orten nahezu gleichartig war, müssen wir — auch im Hinblick auf die starke Inanspruchnahme des Raumes — von dem Abdruck der einzelnen Berichte absehen. Zusammenfassend ist zu sagen, daß der Erntedanktag in den mit Fahnen reichgeschmückten Orten, Feiern in den Kirchen und um die Mittagszeit große Gemeinschaftsfeiern aller Volksgenossen mit der Uebertragung vom Bückeberg, ferner in einer Reihe von Ortschaften Festzüge und allenthalben schließlich frohes Volksfesttreiben brachte. Sämtliche Veranstaltungen ließen die enge Verbundenheit aller Bevölkerungsschichten untereinander und mit dem Bauerntum, den tiefen Dank für die gute Ernte und die herzliche Dankbarkeit für den Führer und sein Werk eindrucksvoll erkennen.
Oer Grünberaer Sallusmarki.
+ Grünberg, 5. Okt. Am Montagabend fand eine Sitzung der Gallus-Markt-Kommission statt, in der nochmals die einzelnen Veranstaltungen für den diesjährigen Markt besprochen wurden. Der Heimatabend am Sonntag in der
Turnhalle steht unter dem Leitgedanken „Unser Wald" und wird einen Lichtbildervortrag über den Stadtwald, Szenen aus dem Holzhauerleben, Lieder vom Wald u. a. bringen. Der Dienstag abend, an dem die offizielle Markteröffnung auf dem Marktplatze am Rathause ftattfinbet, wird dieses Jahr besonders wirkungsvoll gestaltet. Ein Eröffnungsspiel von Henner Bücher, einem geborenen Grün- berger, das den Gallusmarkt in seiner geschichtlichen und wirtschaftlichen Bedeutung aufzeigt, wird auf einer Freilichtbühne xur Aufführung kommen. Die Begleitmusik hat der frühere Kapellmeister des Gießener Stadttheaters, Herr Bräuer, geschrieben. Der Ablauf der Markttage, Mittwoch und Donnerstag, vollzieht sich in der gewohnten Weise. Die für den zweiten Tag vorgesehene Preisverteilung für den Schülerwettbewerb, „Ein Vierzeiler zum Lob des Gallusmarktes" wird ein Hauptanziehungs- mittel für die Jugend werden, aus mehr als 120 Einsendungen werden die 12 Preisträger ermittelt, die an diesem Tage öffentlich verkündet werden.
Flobertschuß in den Hols.
* Obbornhofen (Kreis Gießen), 4. Okt. Zwei 16 Jahre alte Jungens von hier beschäftigten sich heute mit einem Flobert. Als der eine der Jungen, der Richard L., die Schußwaffe von dem anderen, dem Reinhard E., entgegennehmen wollte, um auch einmal zu schießen, entlud sich die Waffe und das Geschoß drang dem L. in den Hals ein. Der Verletzte mußte nach Gießen in die Klinik gebracht werden, wo sich glücklicherweise ergab, daß die Verletzung nicht allzu schwer ist.
Unfälle auf dem ianbe.
Bei Drescharbeiten stürzte der 68 Jahre alte Landwirt Wilhelm Harbach in Großen-Buseck von der Leiter. Mit Verletzungen am linken Oberschenkel und an der Hand, sowie mit Prellungen mußte er nach Gießen in die Klinik verbracht werden. — Der 40 Jahre alte Bergmann Heinr. Rohn erlitt bei der Arbeit einen Oberschenkelbruch, so daß er zur Behandlung nach Gießen in die Klinik gebracht werden mußte. — Der 19 Jahre alte Hilfsarbeiter Wilhelm Vogel aus Vetzberg stürzte oei der Arbeit und mußte mit einer schweren Gehirnerschütterung nach Gießen in die Klinik gebracht werden. — Der 38 Jahre alte Maurer Wilh. Fey aus Allendorf (Kreis Wetzlar), der mit seinem Motorrad gegen eine Telegraphenstange gefahren war
und dabei einen Schädelbruch erlitten hatte, ist ht der Gießener Klinik an den schweren Verletzungen gestorben.
Landkreis Gießen.
> Allendorf a. d. Lumda, 4.Okt. Gestern gegen 21 Uhr fuhren zwei mit je zwei Per- jenen besetzte Motorräder zwischen der Apotheke und der Postagentur aufeinander, wobei von dem einen Motorrad der Lenker und der Soziusfahrer verletzt wurden. Der Soziusfahrer, namens Pfeil aus Treis a. d. Lda., wurde auf Veranlassung von Dr. Augst durch die Gießener Sanitätskolonne der Klinik in Gießen zugeführt, während der Lenker nach Anlegung eines Verbandes nach Lumda gebracht wurde. Die beiden Fahrer oes andern Motorrades kamen mit dem Schrecken davon. An den Motorrädern ist nur geringer Sachschaden zu verzeichnen. Die beiden Motorräder waren auf der gafjrt von Lumda nach Treis a. d. Lumda.
+ Grünberg, 3. Okt. Die beiden Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, Metzger- meister Aug. Mohr und Spenglermeister Otto Pfeffer wurden für ihre 25jährige Zugehörig-
Det ist da!
Und mit ihm das Großreinemachen
gründlich W schonend
VIM
PUTZT ALLES
Ä7 1
kett zur Wehr mit dem Reichsfeuerwehr-Ehrenzeichen 2. Klaffe ausgezeichnet. Der erste Beigeordnete A l b a ch überreichte im Beisein des Wehrleiters Reinhard Haas den beiden Wehrmännern die Auszeichnung nebst Urkunde. Die vom Reichsministerium des Innern ausgefertigte Urkunde trägt die Unterschrift des Reichsführers SS. Himmler, als Chef der Polizei. Es sind dies die beiden ersten Ehrenzeichen, die nach der Neuordnung der Freiwilligen Feuerwehren an hiesige Wehrmänner verliehen wurden.
D Watzenborn-Steinberg, 4. Okt. Deik hiesige Männergesangverein Jugendfreund" kann im kommenden Jahr auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Dieses Jubiläum soll in Form eines Sängerfestes gefeiert werden. Im Hinblick auf das große Gau-Sängerfest im kommenden Jahre in Gießen hat die Vereinsführung die Jubiläumstage auf den 5. und 6. Juni end- gültia festgelegt.
* Lich, 4. Okt. In einer der letzten Nächte drang ein Marder in den Geflügel st all eines hiesigen Einwohners ein und tötete 15 Tauben u nb 3 Fasanen. Am anderen Morgen wurde der Räuber gefangen und getötet, ebenso auch ein Wiesel, das sich in der Nähe des Stalles herumttieb.
Rundfunkprogramm
Dienskag, 5. Oktober.
12 Uhr: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: O holde Frau Musika! 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Liebe Nichte, hör einmal zu! Ein Rundfunk-Zwiegespräch. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Konzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Musikalische Stapelläufe! 20: lieber« tragung aus der Deutschlandhalle: Eröffnung des Winterhilfswerks 1937/38. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Sportbericht. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 1.15: Nachtmusik.
Mittwoch, 6. Oktober.
6 Uhr: Morgenlied, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 9.45: Hausfrau, hör zu! 11.45: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Was wir lieben! Ein Reigen schöner Melodien. 15: Volk und Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. Fröhliche Weisen von der Mosel. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.15: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 21.15: „Alles nach Wunsch." Einmaliges Gastspiel des Kasperl Larifari für die Erwachsenen.
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz:
Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.
33 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Sie bettachten meine sogenannte Schmeichelei offenbar als eine Taktlosigkeit. Aber ich befinde mich dabei eigentlich in recht guter Gesellschaft: der Herr Geheimrat hat sich vorhin — allerdings wohl unbewußt — eine noch viel größere Taktlosigkeit geleistet. Oder sind Sie ihm gegenüber nachsichtiger? Dann würde ich gern den Grund dafür wissen."
Annelore rührte sich auch jetzt nicht, aber eine flammende Rote schoß ihr urplötzlich ins Gesicht. Ihr Denken wollte im Augenblick aussetzen. Der Geheimrat hatte sie für die junge Frau von Achenbach gehalten — warum beschwor Stefan diesen unsagbar peinlichen Augenblick noch einmal herauf? Daß es absichtlich geschah, stand fest. Aber ebenso fest stand, daß er damit nicht eine Kränkung und Demütigung beabsichtigte. Warum aber tat er es bann? Ueberhaupt — er mar heute so ganz anders ... Was ging in ihr vor?
Sie fühlte ihr Herz bis in den Hals hinauf schlagen, aber sie zwang sich mit aller Gewalt zur Ruhe. Sie hob die schweren Wimpern, kühl und unnahbar sah sie ihn an.
"2ch kann den Irrtum des Herrn Geheimrats beim besten Willen nicht als Taktlosigkeit bezeich- neu. Seme Verlegenheit wird Ihnen ja selbst be- miefen haben, daß es wirklich nur ein Irrtum war und nicht etwa eine fade, sinnlose Schmeichelei oder gar ein übler Scherz. Ich habe infolgedessen auch keine Veranlassung, mich empfindlich zu zeigen. Und wenn jetzt auch die .Erzieherin' ein Wort dazu sagen darf: Ick finde es nicht sehr geschmackvoll, an diese immerhin unangenehme Situation erinnert zu werden."
Stefan war versucht, vor ihrem Blick die Augen zu senken. Aber er tat es nicht, saß ganz still. Seine Stimme klang heiser und gepreßt.
„Weiter haben Sie nichts dazu zu sagen —?" ^2ch wüßte nicht", erwiderte sie mit der gleichen
Kühle und herben Unnahbarkeit. Aber ihr Herz schlug rasend, als wenn es zerspringen wollte.
Plötzlich flutete das Rot auf ihrem Gesicht zurück und machte einer tiefen Blässe Platz. Ein jähes Schwindelgefühl überkam sie.
Stefan bemerkte es nicht. Mit einem leeren Lächeln ließ er sich zurücksinken.
„Natürlich! Es war eine Geschmacklosigkeit. Man fällt von einem Extrem ins andere. Woraus Sie ersehen können, daß Sie es mit Ihrem Erziehungswerk nicht leicht haben werden. Ihr Zögling Stefan von Achenbach ist in Grund und Boden verdorben."
Da zwang auch Annelore wieder ein Lächeln auf ihr Gesicht.
„Nun, das ist natürlich zuviel gesagt —"
In diesem Augenblick erschien Fräulein v. Birkhammer wieder und bat zum Abendessen.
Mit auffallend müder Bewegung erhob sich Stefan. Annelore war schon ein paar Schritte vorangegangen. Sein Blick ruhte auf ihr, während er ihr langsam folgte. Kamerad Annelore! dachte er. Wie lange noch Kamerad? Immer, immer nur der Kamerad ...? — — —
Der Abend war sternklar und schneidend falt. Glorias Zimmer lag im Dunkel Gleich nach dem einsamen Abendessen hatte sie das Licht wieder ausgeschaltet. Sie hatte es nicht ertragen können. Nicht ihrer Augen wegen — o nein, die waren geheilt. Wenn sie auch noch der Schonung bedurften, so hätte man doch getrost abreisen können. Man sollte es tun, denn man war hier überflüssig. Mehr noch: man war zuviel! Täglich, stündlich bekam man es zu spüren. Daß man das überhaupt ertrug!
O ja, man ertrug es — es gab noch Schwereres, was man vielleicht zu ertragen haben würde: die Gewißheit, daß alle Hoffnung vergebens war! Und wenn man Wolfersdorffs ziemlich durchsichtigen Andeutungen glauben wollte, so bestand daran kaum noch ein Zweifel.
Sie hatte Wolfersdorfs getroffen, als er aus dem Arbeitszimmer des Schloßherrn herabgekommen war. Mit einer übertrieben höflichen Verbeugung und einem Lächeln, das ihr das Blut ins Gesicht getrieben hatte, war er an ihr vorbeigegangen. Nach kurzer Ueberlegung hatte sie ihn angehalten. Er' mußte ja einigermaßen über die Verhältnisse im Hause Bescheid wissen, und sie hatte gehofft, von Hm etwas über Annelore erfahren zu können. Wie
zwei übervorsichtige Fechter, die dem Gegner nur tastend die blanke Degenspitze zeigen, hatten sie zunächst ein paar Worte über die Vergangenheit gewechselt. Mit aut gespielter Gleichgültigkeit war Gloria dann auf ihr Ziel losgegangen. Sie war sich darüber klar, daß sie Wolfersdorfs nicht hatte täuschen können, aber sie hatte ihren Zweck doch erreicht. Nach dem, was sie gehört hatte, galt Annelore Hildach hier als Haustochter. „Der alte Herr ist ganz vernarrt in sie", hatte Wolfersdorfs geäußert. „Und der junge Herr?" hatte sie geforscht. „Das, Frau Konsul — das werden Sie schon noch selber sehen. Wenn Sie es nicht schon wissen und wenn Ihnen daran liegt, es zu sehen."
Das war deutlich genug gewesen. Also wirklich diese Annelore Hildach! Wieder war eine dumpfe Welle von Haß über Gloria hingegangen, erstickend bis zur Ohnmacht. Nur nebelhaft erinnerte sie sich daran, daß sie sich vor kurzem eingeredet hatte, nicht schlecht zu sein und Annelore Hildach nicht zu hassen. Wenn man sie schon nicht hassen sollte und wollte — sie war doch da, sie stand doch im Wege!
Haß oder nicht — das war so gleichgültig, war nur ein Spiel mit Worten. Darüber mochten sich Menschen unterhalten, die unbeteiligt waren, kalte Menschen, satte Menschen. Man war weder kalt noch satt. Man hungerte. Nach Liebe. Bruckner...? Gewiß, er gab, was er an Liebe hatte, und das war nicht wenig. Aber machte nicht satt — weil man ihn nicht liebte. Nie war das so deutlich geworden wie in diesen Tagen und Wochen.
Ganz von einer schweren, bohrenden Gereiztheit beherrscht, stand Gloria im Dunkeln am Fenster. Die Sterne flimmerten frostig über dem Walde. Wie angefroren hingen ein paar matte Lichter am Berghang. Dicht vor dem Fenster schimmerte blau- weiß der alte Park Manches Mal schon hatte Gloria in letzter Zeit hier am Fenster gestanden und Stefan beobachtet, wenn er abends feinen gewohnten Spaziergang durch den Park machte oder zum Walde hinaufstieg. Ein paarmal war sie nahe dran gewesen, hinauszugehen und sich mit ihm auszusprechen, es bot sich ja sonst keine Gelegenheit. Nur die Furcht, seinen Unwillen zu erregen, hatte sie davon zurückgehalten.
Mit brennenden Blicken starrte sie in den Park hinaus. Plötzlich bog sie sich zur Seite. Eine männliche Gestatt kam den rechten Mittelgang entlang.
deutlich hob sie sich aus dem schimmernden Schnee- licht heraus. Stefan . .!
Es gab für Gloria fein lleberlegen mehr. Sie mußte Gewißheit haben. Auf jeden Fall, um jeden Preis! Hastig schlüpfte sie im Dunkeln in den Pelzmantel. Wenig später hatte sie unbemerkt den Mittelgang des Parkes erreicht. Sie sah gerade noch, wie Stefan nach links in einen Seitenweg einbog. Der Schnee ging ihr bis über die Knöchel, ballte sich unter den schmalen, hohen Absätzen ihrer leichten Schuhe und machte ihre Schritte unsicher. Aber unaufhaltsam drängte sie vorwärts.
Kurz vor der alten Ruine erreichte sie ihn. Den Kragen des Ulsters hochgeschlagen, die Hände in den Taschen und ein wenig vornübergebeugt, ging er in Gedanken versunken langsam dahin.
„Stefan ...!" rief Gloria ihn mit leiser, verhaltener Stimme an.
Sie konnte sein Gesicht nur undeutlich erkennen. Aber seine Stimme war hart wie der klirrende Frost des Abends.
„Frau Konsul ...?"
Gloria trat vollends heran.
„Sei nicht böse, Stefan, aber ich muß dich endlich einmal sprechen. Und ich habe ja sonst keine Möglichkeit dazu."
Es schien, als schöben sich seine Hände noch tiefer in die Taschen.
„Ich wüßte nicht, was wir uns noch zu sagen hätten."
„Doch, Stefan, es gibt viel zu sagen, viel zu erklären. Und du mußt mich anhören, ich finde sonst keine Ruhe."
Er schwieg und sah über sie hinweg. Dann reckte er sich plötzlich auf. Einmal mußte das ja doch kommen. Es hatte keinen Sinn, auszuweichen. Und es war gut, endgültige Klarheit zu schaffen.
Er wandte sich zur Seite.
„Treten Sie hier hinter den Mauerboaen. Aber fassen Sie sich kurz. Ich kann es als Arzt nicht verantworten, daß Sie Ihre Augen dieser Kälte lange aussehen."
Gloria gehorchte. Ihre Bewegungen hatten plötzlich etwas Hilfloses. Stefans kalte Unnahbarkeit nahm ihr allen Mut.
Fast zaghaft suchte sie seine Augen.
Fortsetzung folgt.


