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Aus Natur und Technik.

Mit demKmzwellenfender unterwegs.

Neue Wege der Zunkberichterstatiung.

Wer hätte sich bas vor mehr als zehn Jahren vor­stellen können: In einer Marschkolonne marschiert ein Funkberichter, den Kurzwellensenber auf bem Rücken, ben Hörer über bem Kopf unb bie linke Hanb auf bas Koppel gestützt, bas bas Bedienungs- gerät für ben Reportagesender trägt. Eden gibt ber Sendeleiter, zwei Kilometer vom Ort bes Sprechers entfernt, ben BefehlBeginnen Sie!", unb im glei­chen Augenblick, in bem der Funkberichter seine Schilberungen aufnimmt, schaltet sich bas Kurz­wellengerät selbsttätig burch ben Sprechwechselstrom ein. Schweigt ber Funkberichter, so ist bie Anlage automatisch für Empfang bereit, unb ber Regieleiter kann seine Anweisung zurufen:Bitte lauter spre­chen!"

Von einem erhöhten Stanbort aus Überblicken wir bie Menschenmassen. Dort ragt bie Stab­antenne bes Kurzwellensenders über bie Marsch­kolonne hinaus, unb jetzt marschiert ber Bericht­erstatter sprechend an uns vorüber. Aber bas Mikrophon selbst bleibt unsichtbar, denn ber Spre­cher trägt es an einem angeschnallten Lederhals- banb. Es ist ein neues, kleines Berührungsmikro­phon, bas nicht einmal bas Tragen einer Gas­maske behinbert unb bie Hänbe vollkommen frei­läßt. Unb dort brüben entbecken wir bie Empfangs­stelle mit bem Senbeleiter. Sie empfängt bie Kurz­wellensendung bes marschierenden Sprechers auf genau vereinbarter Wellenlänge unb überträgt sie über Kabel auf ben Reichssender.

Wie war es boch in den Anfangszeiten bes Rund- funfs? Da galt ber Funkbericht als ausgefallenes Steckenpferd einiger funfbefeffener Außenseiter, die sich mit dem weißen Marmorblock im stillen Sende- raum nicht begnügen wollten unb versuchten, bas empfindliche, wohl behütete Mikrophon in bie breite Öffentlichkeit unb in bas lebendige Geschehen bes Alltags zu zerren. Der Vorstoß ins funkische Neu- mußte aber irgenbroann einmal gewagt werben, unb gerade jene Vorkämpfer bes Funkberichtes, die vor mehr als zwölf Jahren zu den weniger beliebten Mitarbeitern ber Funkhäuser zählten, haben sich heute bie Herzen ber Millionen Rundfunkhörer er­obert. Niemand mehr möchte ben Funkbericht von politischen, sportlichen und sonstigen aktuellen Er­eignissen im Funkplan unserer Reichssender missen.

Ein erfolgreicher Funkberichter erzählte einmal, über bie früheren Schwierigkeiten bes Funkberichtes befragt, bas Unangenehmste für ben Funkbericht­erstatter fei stets das hemmende Bewußtsein ge­wesen, über ein Kabel zu sprechen, bas irgendeinmal nicht mehr ausreichte unb meistens im allerungün­stigsten Augenblick bie Bewegungsfreiheit bes Spre­chers stark behinderte. Es ist oerftänblich, wie sehr diese starre Bindung bes Mikrophons an ben vor­geschriebenen Uebertragungsort bie sprecherische Lei­stung benachteiligen kann und, wie die Praktiker ver­sichern, auch oft genug benachteiligt hat.

Heute wird der Rundfunkhörer kaum mehr einen mißlungenen oder uninteressanten Funkbericht zu hören bekommen; denn bie technischen Mittel ber Funkberichterstattung sinb inzwischen hinreichend vollendet und verfeinert worden. Wir bewundern die Leistungen jenes berühmt geworbenen Staffel­berichtes vom Avusrennen, die packenden Schilde­rungen von Bord des LuftschiffesHindenburg", bie Hervoragenden Übertragungen ber Reichspartei­tagsfeierlichkeiten und nicht zuletzt bie in aller Well mit großer Begeisterung aufgenommenen Olympia- Funkberichte als großartigste Leistung des deutschen Zeitfunks.

Alle diese Spitzenleistungen bes Funkberichtes wären unmöglich gewesen ohne ben Kurzwel­lenreportagesender, ben ben Funkberichter vom Kabel befreit und ber künstlerischen Gestaltung bes Funkberichtes keine Grenzen setzt. Früher be- förberte man Kurzwellensenber in Reportageautos. Jetzt sind die Einrichtungen schon so klein geworden, baß z. B. bie neue von Telefunken gebauteEin- mann-Kurzwellenstation", wie bie Bezeichnung schon sagt, vom Sprecher selbst wie ein Rucksack auf bem Rücken getragen werden kann. Gar mancher wird über dieses kleine Wunder ber Radiotechnik erstaunt den Kops schütteln, denn es ist tatsächlich ein Mi -

Helium.

Von Raymond Holbrook, Amarillo (Texas) (Copyright byKuliurbeiträge" Berlin.) Die Explosion, die den LustriesenHindenburg" in wenigen Sekunden in ein verbogenes, rauchen­des Skelett von Metallträgern verwandelte, hat auf zwei Erdteilen starken Widerhall ausgelöst. Auf amerikanischer Seite dadurch, daß die an der Luft­fahrt interessierten Kreise unb Mitglieder des Kongresses nichtentzündbares Gas für Luftschiffe aller Nationen zu wirtschaftlichen Zwecken zur Verfügung stellen wollen.

Bisher sind nur zwei Gase mit Erfolg in Luft­schiffen verwandt worden, nämlich das von deut­schen Luftschiffen benutzte brennbare Wasser- ft o f f g a s und das nichtbrennbare Helium, für das die Vereinigten Staaten ein regelrechtes Mono­pol besitzen. Hellumverschiffungen an fremde Länder wurden zuerst durch ein Kriegsgesetz im Jahre 1917 beschränkt. Sie waren gering und unbedeutend. Seit derHindenburg"-Ka1astrophe jedoch ist die Shep- pard-Gesetzvorlage im Senat eingebracht worden, durch die Helium der Kontrolle des Bergwerkamtes unterstellt werden soll. Gleichzeitig sieht diese Bill vor, das Gas mit dem Einverständnis des Präsi­denten fürnichtmilitärische Luftschiffe anderer Nationen" freizugeben.

Durch dieHindenburg"-Katastrophe ist die Auf­merksamkeit sowohl Deutschlands, des Wegbereiters und Führers der Luftschiffahrt, wie der Vereinigten Staaten mehr denn je auf Helium gelenkt worden, auf seine Notwendigkeit für den sicheren Betrieb von Luftschiffen unb auf die einzige Anlage der Welt, die Helium auf wirtschaftlicher Grundlage her­stellt, die Fabrik in der Nähe von Amarillo in Texas. Sofort nach der Explosion erklärte Dr. Hugo Eckener, derHindenburg" sei wahrscheinlich das letzte Luftschiff gewesen, das Wasserstoffgas ver­wandte, und wenn möglich würden alle deutschen Luftschiffe in Zukunft Helium als Tragkraft ver­wenden. Aber auch wenn Helium verfügbar ge­wesen sein würde, wären seine Kosten bis vor wenigen Jahren unerschwinglich gewesen. Dies hat ich geändert, denn heute hält Helium einen Ver- steich mit dem niedrigen Preis von Wasserstostgas ehr wohl aus.

Es lohnt sich, einen kurzen Rückblick auf die Ge­schichte dieses Elementes zu werfen. Helium ist eines der letzten Elemente, die entdeckt wurden, und erhielt seinen Namen von dem griechischen Wort

niatur-Rundfunksender mit allem, was dazu gehört, mit kurzer stabförmiger Sendeantenne, Mikrophon, Modulationsstufe, eingebauten Strom­quellen in Form von Batterien und sogar mit einem 5-Röhren-Kurzwellensuperhet, der dem Sprecher die Befehle bes Sendeleiters übermittelt. Die Reich­weite der Anlage beträgt bei Mikrophonbesprechung fünf Kilometer, bei Telegraphie zehn Kilometer, was für ben praktischen Senbebetrieb bes Rund­funks durchaus genügt.

Unsere deutschen Reichsfenber setzen diese kleinen beweglichen Kurzwellen-Reportagesender jetzt sehr häufig ein. Die Entwicklung bleibt aber nicht stehen. Immer mehr gelingt es, bas Geheimnis der

Ultra kurzwellen zu entschleiern, unb es wäre benfbar, baß einmal ber Reportagesender zum Ultrakurzwellensender wird. Der National Broad­casting Company in Neuyork glückte kürzlich ein spannender Bericht von einem Fallschirmabsprung, bei dem der Sprecher am Fallschirmgurt einen win­zigen Ultrakurzwellensender trug. Die Abmessungen eines solchen Ultrakurzwellensenders könnten viel- teicht auf die Größe einer Zigarrenkiste verringert werden, und in technischer Hinsicht würde sich die Güte unb Störungsfrei! ber ^Übertragung nicht we­sentlich bessern. Dieser Ausblick ist durchaus keine Utopie, denn es find aufschlußreiche Versuche in die­ser Richtung im Gange. W. Diefenbach.

Philipp Lenards Vedenlnng für die Auswertung der Sirahlensorschung.

Zu seinem 75. Geburtstage am 7. Juni 1937.

Von Professor Or. Ferdinand Schmidt, Heidelberg.

Für ben Wiederaufstieg und ben Neuaufbau ber Industrie bes Dritten Reiches werden in den näch­sten Jahren sicherlich zahlreiche ausgebildete Physi­ker benötigt. Diese müssen außer ihrem fachwissen­schaftlichen Können auch Kenntnisse besitzen über oie wichtige Frage, wie man die Forschungsergeb­nisse aus dem Laboratorium zu technischer Anwen­dung bringen kann. In Erkenntnis dieser, bereits heute zur Tatsache gewordenen Lage, wurde schon im Jahre 1933 von Geheimrat Lenard auf eine Anregung des Reiches hin und im Einvernehmen mit dem badischen Unterrichtsministerium eine physikalisch-technische Abteilung in dem von ihm so erfolgreich geleiteten physikalischen und radio­logischen Institut ber Universität Heibelberg ge­schaffen.

Es ist bie Aufgabe ber neuen Abteilung, Män­ner heranzubilden, die ben Willen und die Kraft zu wissenschaftlicher und technischer Betätigung be­sitzen. Zur Erreichung dieses Zieles müssen zu­nächst Forschungsarbeiten in verschobenen Gebie­ten der Physik durch fortgeschrittene Studierende ausgeführt werden, denn auch der in ber Indu­strie beschäftigte Physiker muß als Forscher ge­schult sein unb, was bie Hauptsache ist, auch tätig gewesen sein, um bie Mittel und Wege zu ken­nen, bie zu neuen Entdeckungen und Erfindungen führen. Sodann muß im Unterricht ben jungen ftubierenben Volksgenossen gezeigt werben, auf welche Weise bisher die gutgegrünbeten Ergebnisse ber Forschung zu vielseitiger technischer Anwen­dung in unserer hochentwickelten Industrie gelangt sind. Gleichzeitig müssen bie Studierenden auch darüber unterrichtet werden, wie fast alle techni­schen Verfahren und Einrichtungen, die unser Volk besitzt, in erfolgversprechender Weise zur Ver­teidigung der Grenzen unseres Lan­de s herangezogen werden können und müssen.

Zur Erfüllung der Aufgaben einer Abteilung in dem Institute, bas den Namen Philipp Lenarbs trägt, war es sellbstoerständlich, in ber For­schung hauptsächlich an seine grunblegenben Un­tersuchungen unb Gedankengänge in bestimmten Teilgebieten ber Physik anzuschließen unb weiter­zubauen, um zu erkennen, welche von seinen zahl­reichen Entdeckungen noch in technische Anwendung kommen können, unb in ber ß e b r e an vielen Beispielen zu zeigen, wie ßenarb ein wissenschaft­liches Problem angefaßt, es bearbeitet unb schließ­lich gelöst hat, und in welcher erfolgreichen Weise eine große Zahl seiner Forschungsbefunde in unse­rer Industrie ausgewertet worden ist. Zwei aus- gebehnte Gebiete der Physik, mit benen sich ße­narb von Jugenb an bis in bie heutige Zeit als genialer Forscher beschäftigt hat, wurden als Grundlagen zur Weiterarbeit genommen, bie Phosphoreszenz unb bie Elektronen- strahlung.

Zunächst zur Phosphoreszenz, ßenarb hat schon im Jahre 1889 durch eingehende Untersuchunaen herausgefunben, welches bie Zusammensetzung der damals schon lange bekannten Leuchtstoffe (Phos­

phor) ist. Es gelang ihm bann, sie im Labora- torium immer roieber mit ben gleichen Eigenschaf­ten herzustellen unb feftumriffene Bereitungsvor­schriften für bie mannigfaltigen Farben zu geben, in denen sie während und nach einer Bestrahlung mit ßicht ober Elektronen leuchten können. Damit hat ßenarb bie gesamten Vorarbeiten geleistet, auf bie heute die Industrie bei ihrer Fabrikation ber ßeuchtsubstanzen für Oszillographenröhren, Fern­fehröhren, Beleuchtungsröbren ufro. zurückgreift. Ferner hat er in rastloser und unermüdlicher jahrzehntelanger Arbeit die ßichtemission und -ad- sorption ber Phosphore, bas Abklingen, bas Aus­treiben, das Ausleuchten unb Tilgen ber in ihnen aufgespeicherten Strahlungsenergie erforscht unb gemessen. Auch bie elektrischen Eigenschaften ber Phosphore, wie ihre Leitfähigkeit unb ihr bielek­trisches Verhalten, untersuchte er. Auf Grunb ber erhaltenen Ergebnisse gelang es ihm, sich ein Bild von ben Leuchtoorgängen im Innern ber Phos­phore zu machen, bas nicht nur auf biefe beschränkt blieb, sondern auch für den ßeuchtmechanismus in einem einzelnen Atom der Materie sich als richtig erwies. Viele ber Einzeltatsachen, bie er bei allen diesen Arbeiten beobachtete, haben schon bie Technik wesentlich geförbert, viele harren noch ber Aus­wertung und Anwendung. An seine grunblegenben Erfahrungen Unb Erkenntnisse schloß bie physikalisch-technische Abteilung ihre weiteren Untersuchungen an.

In bem zweiten Hauptgebiet ber wissenschaft­lichen Untersuchungen, bem ber Elektronen­strahlung, ist ßenarb unerreichter Meister ber Forschung gewesen. Hat er boch, ausgehend von der Tatsache, daß die Elektronen sehr dünne, löcher- freie Metallfolien durchsetzen können, sie aus dem Entladungsrohr durch ein Metallfenster in die freie Luft ober in ein angeschlosfenes und luftleer ge­machtes zweites Rohr gelassen unb sie bort in rei­nen Versuchen unabhängig von ben störenden unb verwickelten Verhältnissen im Entlabungsrohr auf ihr Wefen unb ihre Eigenschaften untersucht. Ent­deckungen von großer Tragweite und außerordent­licher Bedeutung für bie Vervollkommnung unseres Weltbilbes gelangen ihm auf diese Weise. Insbesondre sind zu nennen die Ent­deckung ber Massenproportionalität ber Absorption der Elektronen, die Entdeckung der Diffusion oder Streuung ber Elektronen unb bie Entdeckung der sekundären Elektronen, Erscheinungen, bie auftre­ten, , wenn Elektronenstrahlung Materie durchsetzt. Diese Entdeckungen haben uns bie ersten gesicher­ten Kenntnisse vom Aufbau ber Atome unb Moleküle vermittelt, aus denen alle Körper zusammengesetzt sind.

Welch umfassenbe Anwenbung haben die Forschungsergebnisse ßenarbs in dielen Gebieten bereits in der Technik gefunden! Es sei, um aus ihrer großen Zahl nur einige besonders hervor­zuheben, an die Elektronenröhren der Rundfunkgeräte erinnert, die das von Le­nard zuerst zur Steuerung der Geschwindigkeit der

Helios, die Sonne. Am 5. November 1868 beob­achtete der hervorragende englische Astrophysiker Gay Borman L o ck y e r durch sein Spektroskop die Sonne während einer an jenem Tage sich er­eignenden totalen Sonnenfinsternis. Dabei entdeckte er bas Vorhandensein einer beständigen, die Atmo­sphäre ber Sonne umgebenden Schicht. Durch die Sonnenfinsternis trat diese atmosphärische Schicht klar heraus und gab dem Astronomen eine ideale, wenn auch sehr schnell vorübergehende Gelegenheit zu gründlicher Untersuchung. Hierbei kam er zu dem Schluß, daß ungeheure Mengen von Gasen aus dem Sonnenball herausgeschleudert werden, die wenigstens zum Teil aus Wasserstoff bestehen. In dem dem Wasserstoff eigentümlichen gelben Teil des Spektrums bemerkte er jedoch eine Linie. Nach langwierigen Versuchen, diese Spektrumlinie mit Hilfe von Wasserstoff zu erzeugen, kam Lockyer zu der Ueberzeugung, daß sie durch irgendeine Materie in der Sonne hervorgerufen wurde, die zu dieser Zeit auf der Erde unbekannt war. Er nannte bas neue Element Helium.

Nach seiner Entdeckung begann eine eifrige Suche nach diesem Gas auf der (Erbe, aber es dauerte volle 27 Jahre, bevor Sir William Ramsey, Chemieprofefsor des University College in London, Helium in einem Thorium enthaltenden Mineral entdeckte und es auf chemischem Wege freimachte. Zum erstenmal wurde das Helium in den Ver­einigten Staaten in Oelgasquellen bei Dexter, Kansas, entdeckte. Das war Anfang der neunziger Jahre. Zunächst waren die dortigen Einwohner hocherfreut über die Entdeckung von Gasen auf ihrem Grund und Boden. Ihre Freude schlug doch bald in große Enttäuschung um, als dieses Gas nicht brennen wollte. Sie sandten eine Probe an die Universität von Kansas, die einen niedrigen Gehalt von Helium vorfand. Obwohl die Helium­forschungen daraufhin mit erhöhtem Eifer fortgesetzt wurden, fand man lange Zeit hindurch keine prak­tische Verwertung für bas Gas oder eine Methode, es billig herzustellen.

Während bes Weltkrieges in den Jahre 1916 unb 1917 benutzten beide Seiten eine Anzahl von Ballo­nen und lenkbaren ßuftschiffen zu Beobachtungs­zwecken unb zum Abwerfen von Bomben. Diese Luftschiffe waren jedoch mit Wasserstoffgas gefüllt unb konnten vom Feind infolge ihrer leichten Ent­zündbarkeit durch Brandgeschosse leicht in Brand gesetzt und vernichtet werden. Helium wäre als ein­zig möglicher Ersatz in Frage gekommen. Seine Herstellungskosten mit Hilfe der damals bekannten

chemischen Verfahren betrugen jedoch um diese Zeit 2500 Dollars für 1000 Kubikfuß (28,3 Kubikmeter). Um die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Herstellung erschöpfend zu studieren, bewilligte der Kongreß im Jahre 1917 600 000 Dollars. Kurz danach wurde die erste Fabrik gebaut. Sie enthielt Anlagen zur Herstellung von flüssiger ßuft und Laboratorien, wo Versuche mit Helium angestellt werden konnten. Der ganze Heliumvorrat der Welt bestand damals aus 100 Kubikfuß. Um die Zeit des Waffenstillstandes hat dieses Werk bereits 147 000 Kubikfuß mit einem Aufwand von ungefähr 44 Cents für den Kubikfuß hergestellt. Ein anderes Werk wurde in Fort Worth in Texas kurz nach bem Kriege in Betrieb ge­nommen, im Jahre 1927 jedoch infolge Erschöpfung der Gasvorkommen in jener Gegend wieder ge­schloffen. Die Amarillo-Fabrik wurde im Jahre 1928 mit einem Aufwand von 800 000 Dollar gebaut. Die Bundesregierung hatte ungefähr 50 000 Morgen Land in der Nähe von Amarillo gepachtet und Bohrungen vorgenommen, die auch heute noch das Gas für die Heliumfabrik liefern. Die Amarillo- Werke haben bis auf den heutigen Tag 75 Mil­lionen Kubikfuß Heliumgas hergeftellt für einen durchschnittlichen Bruttoherstellungspreis von zwölf Dollar für 1000 Kubikfuß (28,3 Kubikmeter). Der Verkauf von rückständigen Gasen hat diesen Preis auf etwa 9 Dollar heruntergeschraubt. Dr. C. B. Siedel, der Direktor des Werkes, erklärte, dieser Preis könne noch bis auf fünf Dollar für tau­send Kubikfuß heraufgefetzt werden. Das Naturgas auf den nahegelegenen Quellen enthält ungefähr 1.75 v. H. Helium. Es strömt unter Quellendruck in eine sechs Zoll im Durchmesser betragende Röh­renleitung. Das Helium wird dann durch besondere Vorrichtungen, von denen die meisten in ber Fa­brik selbst gebaut werben, ausgeschieben. Eine Tren­nung bes Heliums von den andern Bestandteilen des Naturgases erfordert die Verfüssigung sämtlicher Bestandteile des Gases außer Helium. Während die flüssigen Gase auf den Boden abgelassen werden, wird bas darüber besinbliche Helium aufgefangen. Das Gas wird in die Fabrik unter einem Druck von ungefähr 650 Pfund auf den Quadratfuß ge­leitet, und zwar zuerst nach dem Kohlendioxydge- bäube, wo es in einer Lauge gereinigt wirb. Nach Ausscheidung bes Kohlendioxyds wirb bas Gas auf ungefähr 185 Grab Celsius unter Null abgekühlt, wodurch etwa 95 v. H in flüssigen Zustand versetzt werden. Hierdurch entsteht das sogenannte Roh­helium, das jetzt unter 2000 Pfund auf den Qua­dratzoll Druck gesetzt unb mit Hilfe von teilweise

Elektronen im Innern der Röhre benutzte Gitter in einfacher Weise ober mehrfacher Weise zur Wir­kung bringen, es sei an bie Oszillographen- und Fernsehröhren erinnert, in denen die von Lenard in seinen Untersuchungen so oft er­probte Veränderung der Flugrichtung der Elektro­nen durch elektrische und magnetische Felder zweck­mäßig ausgenutzt wird. Gleichzeitig kommen in die­sen Röhren alle Erfahrungen Lenards aus seinen Phosphoreszenzuntersuchungen bei ber Entwick­lung unb Gestaltung ber dort notwendigen Leucht­schirme zu praktischer Anwendung. Weiter sei er­innert an die vielgestaltigen lichtelektrischen Zellen, an die Vervielfacher und an die Bild- aufnahmegeräte in den Fernseh­sendern, deren Wirkungsweisen auf Erkennt­nissen aus den lichtelektrischen und Sekundärstrah- lungsuntersuchungen Lenards beruhen. Auch auf diesem Geviet der Elektronenstrahlung werden Un­tersuchungen in der technischen Abteilung ausge­führt, die teils fertige Elektronen- und Elektronen- strahlrohren für die verschiedenartigsten Zwecke ver­wenden, teils aber auch gerade an solchen Röhren, insbesondere der letzten Art, weitere Verbesserun­gen erstreben. Hier sind zu nennen Versuche über u11rakurze elektrische Wellen, die mit fabrikmäßig hergestellten Elektronenröhren in geeigneten Schaltungen erzeugt werden, und Versuche zur Steigerung des Wirkungsgrades und der Lebensdauer von Leuchtschirmen in Elektronen­strahlröhren. Auch auf anderen als den beiden genannten Gebieten wird in der technischen Ab­teilung gearbeitet, so z. B. im Gebiete des Ul­traschalls.

Der Unterricht der Abteilung besteht in Vor­lesungen über Strahlungen, über die Lenard-Phos- phore und ihre Verwendung in der Technik, über elektrische Schwingungen und über die praktischen Anwendungen der Ergebnisse der Physik in der Fernmelde- und Funktechnik, und, worauf der größte Wert gelegt wird, in praktischen Hebungen in technischer Physik Letztere werden in ähnlicher Form durchgeführt, wie früher die Uebungen unter der Leitung Philipp Lenards in feinem physika­lischen Praktikum, d. h. jeder Teilnehmer behandelt für sich allein unter der Aufsicht eines Assistenten eine bestimmte Uebungsaufgabe. Die zur Lösung ber Aufgabe benötigten Geräte findet er auf dem Versuchsttsche vor zusammen mit einer schriftlichen Anleitung, welche das zu untersuchende Gebiet, dis Anordnung ber Geräte, ben Gang der Messungen und die spezielle Fragestellung in kurzer und klarer Fassung geschildert enthält. Machen wir im Geists einen Rundgang durch den Praktikums­raum und sehen zu, welche Aufgaben an ben ein­zelnen Arbeitsplätzen ausgeführt werden, so finden wir hier in einfachen und durchsichtigen Versuchen einen Ueberblick über das Gesamtgebiet der Hoch- ftequenzphysik. Bearbeitet werden zunächst alle Ein­zelelemente des Gebietes, wie Widerstand, Konden­sator, Spule, Elektronenröhre, in ihren Eigenschaf­ten. ihren Wirkungsweisen und Anwendungen in verschiedenen Schaltungen unb bie meßtechnische Verfolgung ihrer charakteristischen elektrischen Gro­ßen. Äufbauend auf ben an biefen Einzelheiten ge­wonnenen Erkenntnissen, werden in weiteren Ver­suchen sie zu Anordnuigen bestimmter Wirkung, wie Schwingungskreis, Rohrenvoltmeter, Rohrenoerstär­ker und Rohrensender zusammengestellt unb deren Eigenschaften messend verfolgt. Selbstverständlich ge­hören hierzu auch noch Uebungen, welche das Ar­beiten und die vielseitigen Verwenbungsmöglichk«'!- ten der neuesten Meßmittel ber Hochsrequenzphnsik zum Gegenstand haben. Den Höhepunkt unb Ab­schluß dieses Praktikums bildet ein vollständiger, mehrstufiger und quarzgesteuerter Kurzwellensender mit dem dazugehörenden Kurzwellenempfänger, b. h. also eine betriebsfertige Kurzwei­le n st a t i o n. Mit ihr konnten bereits mehrfach drahtlose Verbindungen mit Stationen in allen Erd­teilen hergestellt werden.

Dieses sind die Arbeitsgebiete der physikalisch- technischen Abteilung. Der Geist ihres Gründers Philipp Lenard lebt und wirkt in ihr, ebenso wie im ganzen Institut weiter fort unb schließt alle ihre Angehörigen zu einer festgefügten Kamerad­schaft zusammen, für bie sein Wirken und Schaffen in Forschung und Lehre leuchtendes Vorbild ist.

flüssigem Stickstoff abwechslungsweise erhitzt und abgekühlt wird. Das auf diese Weise gewonnene zu 98,2 v. H. reine Helium wird dann unter einem Druck von ungefähr 2000 Pfund auf den Quadrat­zoll in Behälter geleitet. Der ganze Prozeß dauert eine Minute. Eine Minute, nachdem ein Kubikfuß Naturgas in die Fabrik geleitet worden ist, ist auch schon das Helium ausgeschieden und das rückstän­dige Gas auf dem Wege nach Amarillo, wo es von den Einwohnern als Brenngas verwandt wird.

Abgesehen von seiner Eigenschaft, nicht ent­zündbar zu fein, weist Helium gegenüber Wasser- ftoffgas noch andere Vorteile auf. Obwohl es zwischen zwei und dreimal soviel kostet als Was­serstoffgas, das für den Preis von 2,50 Dollar für 1000 Kubikfuß hergeftellt werden kann, wird es sich auf die Dauer rentabler erweisen; denn während Wasserstoffgas benutzende Luftschiffe ihre Gaszellen fünf- bis zehnmal im Jahre auffüllen müssen, muß Heliumgas nur um das Anderthalbfache feiner ur­sprünglichen Menge während derselben Zeitspanne ergänzt werden. Nun hat man zwar ausgerechnet, daß 1000 Kubikfuß Wasserstoffgas 76 Pfund heben, während die gleiche Menge Helium nur 65 Pfund hebt, doch der viel größere Sicherheitsfaktor macht die niedrigere Tragfähigkeit bei weitem wett. Zum Preise von fünf Dollar für 1000 Kubikfuß hätte dieHindenburg" mit einer Kapazität von 7 063 000 Kubikfuß für einen Gesamtaufwand von ungefähr 35 315 Dollar mit Helium gefüllt werden können. Das jetzt in Friedrichshafen im Bau befindliche SchwesternschiffLZ 130" würde bei zehn Millio­nen Kubikfuß Kapazität eine Helium-Menge für die Gesamtkosten von 50 000 Dollar erfordern.

Außer der Amarillo-Anlage besitzt die amerikani­sche Regierung zwei Gasoorkommen im Staate Utah, aus denen Helium gewonnen werden konnte. Diese Vorkommen sind jedoch nicht entwickelt worden.

Abschließend seien noch kurz einige andere Verwendungsmöglichkeiten des Heliums angebeutet. Dr. R. R. Sayers, Direktor des Bundesgesundheitsamtes, bezeugt vor kurzem, daß es auch bei der Behandlung von Tuberku­lose, Asthma und von neugeborenen Kindern, deren Lungen sich nach ber Geburt nicht normal ausdehnen, sehr wertvolle Dienste leisten kann. He­lium wird außerdem von Tiefieetauchem und Tun­nelarbeitern gebraucht, die unter großem Druck in Senkkästen arbeiten müssen Es findet auch als Kühlmittel für elektrische Maschinen und als Gas in Radioröhren und elektrischen Signalen Ver- öenbunft