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Nr.128 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 5. Zuni 1937

Die Einweihung

des Adols-Hiiler-Poiyiechnikums Friedberg.

(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.)

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* Friedberg, 5. Juni. Für die Stadt Fried­berg brachte der gestrige Freitag ein Ereignis von besonderer Bedeu­tung. Der Neubau des Adolf Hitler-Po­lytechnikums wurde feierlich seiner Bestim­mung übergeben. Der Neubau, ein Gebäude von imponierender Größe und einer klaren, zweck- mäßigenGestaltung zeigte- sich im Schmuck vieler Flaggen und bot im Schein der sommerlichen Sonne einen großartigen Anblick. An der Feier nahmen Zahlreiche Ehren­gäste, zahlreiche auswär­tige Gäste und viele ehe-

Zu Beginn der Feier marschierten die Formatio­nen der Partei und ihrer Gliederungen mit Fah- ne£ und Musik vor dem Technikum auf, Jungvolk und BDM. standen auf der Zufahrtstraße in lan­ger Reihe Spalier, um den Gauleiter zu erwarten. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger wurde bei sei­nem Kommen herzlich begrüßt. Mit dem Hohen- friedberger Marsch, gespielt vom Musikzug des HJ.- Bannes 254, mit dem Marsch und dem Chor aus der OperTannhäuser" von Richard Wagner fand die Feier ihren Auftakt.

Bürgermeister Vieth

hielt^die Begrüßungsansprache. Er kennzeichnete die Stadt Friedberg als den alleinigen Träger der Schule, gab seiner Freude Ausdruck über die Teil­nahme der vielen Gäste und betonte, daß die An­wesenheit des Gauleiters nicht nur als eine Aner­kennung, sondern vor allem als eine Beipflichtung für die Stadt und die Schule aufgefaßt werde. Der Redner dankte Ministerialrat Ringshausen für die stete Hilfe, und dankte auch allen denen, die mit Kopf und Hand an diesem Bau mitgearbeitet ha­ben. Der Bau stehe vollendet da, und jeder habe seine Pflicht getan. Besonderer Dank gebühre dem Architekturdozenten der Anstalt, Baurat S ch w a r z, der in ehrenamtlicher Arbeit die Entwürfe für das neue Gebäude schuf. Es sei bewußt in dieser Ein­fachheit, in dieser Solidität, in dieser Geradheit gebaut worden, weil es sich so gezieme für ein Haus, das den Namen des Führers trage.

Ministerialrat Nmqshausen

bezeichnete den Tag der Einweihung des neuen Adolf-Hitler-Polytechnikums als einen Tag der Ehre und des Stolzes für die Stadt Friedberg. Hinter dem Zweck dieses Hauses stehe groß und bestimmend der Begriff: Deutschland! Der Weg sei nicht leicht gewesen bis zur Vollendung dieses Wer­kes, aber das reiche Leben der Anstalt habe Raum

Das neueAdolf-Hitler-Polytechnikum" Friedberg im Schmuck der Fahnen zur Feier der Einweihung. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

malige Schüler des Tech­nikums teil. Die beson­dere Bedeutung der Feier kam dadurch zum Aus­druck, daß Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger und Ministerialrat R i n g s h a u s e n zu der Feierstunde erschienen waren.

Zwischen Dozenten- und Studentenschaft möge das Große erstehen, das vom Nachwuchs der deutschen Technik erwartet werden dürfe.

Nachdem das Friedberger Doppelquartett das Deutsche Kredo" von Anacker gesungen hatte, hielt

Gauleiter Sprenger

eine richtungweisende Ansprache, in der auch er zu­nächst auf die großen Unterschiede in der jüngsten Entwicklung unseres Volkes hinwies und in auf- schlußrechen Gegenüberstellungen dartat. wie sehr sich die Perhältnisse seit 1933 zum Besseren gewan­delt haben. Es sei wahrhaft ein Weg durch Nacht zum Licht gewesen! In seinen weiteren Darlegun­gen sprach Gauleiter Sprenger davon, wie heute nicht mehr Bildung und Herkunft eines Menschen sein Ansehen bestimmten, sondern allein die Lei­stung für die Gemeinschaft. Der Redner sprach fer­ner über die Notwendigkeiten der Erziehung des Facharbeiternachwuchses und über die damit ver­bundenen Umstellungen im Schulwesen. Er dankte dem Bürgermeister der Stadt Friedberg für die tat­kräftige Förderung des Neubaues desAdolf-Hitler- Polytechnikums", das im Dienst des ganzen Volkes stehe. Er gab aber gleichzeitig dem Polytechnikum die Verpflichtung auf, nicht nur Fachleute heranzu­bilden, sondern Menschen zu formen, die sich in der Gemeinschaft zu bewähren vermöchten, feste Cha­raktere seien, damit sie sich in der Wirtschaft und in den Betrieben als Führer erweisen könnten. Die heutige Jugend werde, so sagte er, nachdem sie durch Hitler-Jugend, SA., Arbeitsdienst und Wehr­macht gegangen sei, den Anforderungen gewachsen sein. Er gab der Schule auf, die sportliche Er­tüchtigung nicht zu vernachlässigen, und empfahl der Stadt, die Voraussetzungen dafür zu schaffen Gau­leiter Sprenger wies noch darauf hin, welche außer­ordentlichen Leistungen die Zukunft unseres Volkes verlange, und er gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Nachwuchs der deutschen Technik die Erwar­tungen des Führers erfüllen möge. (Anhaltender Beifall!)

gefordert. In seinen weiteren Darlegungen sprach Ministerialrat Ringshausen grundsätzlich über die großen Wandlungen, die unser Volk im Laufe der jüngsten Vergangenheit erlebte Die Aufgabe der Anstalt sei es, so fuhr er u. a. fort, frucht­bringende Arbeit zu leisten im Dienste der Frei­heit unseres Volkes Aus der Arbeitskameradschaft

Rektor (SöM

als Leiter der Schule, betonte in seiner Ansprache, daß alles erfüllt werde, was der Gauleiter der Schule als Pflicht auferlegt habe. Der Bau bedeute Ansporn, und die Schule werde alles tun, um Men­schen zu erziehen, die sich im Leben zu behaupten

Aus üen Spuren der Götter

Von Sofie von Llhde.

Karthago! Das Meer, blau und ohne Grenzen, brandet tief unten an die steile Küste, und aus den üppigen Gärten von Sidi-Bou-Said, dem Sommer­sitz der vornehmen Araber, leuchten die Orangen zwischen dunklem Laub.

Ich liege auf den besonnten Steinen mitten im würzigen Thymiankraut und sehe den weißen Wölk­chen zu, wie sie zwischen den gesprungenen Säulen aus kararischem Mämor hinsegeln

Hier hat der Tempel der Jungo gestanden, von diesen Stufen hat die Göttin des himmlischen Lichtes über das lärmende Meer hingeschaut mit ihren Marmoraugen.

Sie hat's nicht leicht gehabt, die arme Frau, weder als römische Juno mit ihrem ewig donnern­den Jupiter, noch als griechische Hera mit ihrem Zeus, der ihr immer auskniff: man henkt ihrer mit Bedauern. Trotzdem ruht fich's angenehm zwi­schen ihren zertrümmerten Architraven; sie sind ja solange vorbei, diese ehelichen Katastrophen.

Man wandert über die Hänge, auf denen einst die punischen Kriege gerast haben, und wo nun Ziegen und Eselchen weiden in der blauen Stille. Man wandert im Dust von Thymian und im fer­nen Branden der See und sucht nach den Spuren dreier Zeitalter.

Aus den Grabkammern der Punier steigt der Hauch der Jahrtausende. Man sieht zu Häupten der Sarkophage die Nischen, in welchen einst die Toten­lampen gebrannt haben für den letzten, dunklen Weg. Alle anderen Zeugen dieser Zeit hat die rö­mische Epoche verschluckt.

Sie hat sich besser behauptet. Man streift zwischen Säulen hin, deren reine Linien von Schönheit und Lebensfreude leuchten, man hört um zierliche Kapi­telle die gewaltige Heiterkeit der Götter schallen und das Meer lärmt dazu an seiner felsigen Küste.

Aus römischen Villen locken noch die üppigen Bäder in die aus erhöhten Reservoiren das er­wärmte Wasser floß über den strahlenden Marmor. Sie hatten Stil, diese Herrschaften. Wir baden in emailliertem Weißblech und bilden uns noch was ein, zwei Jahrtausende später

Das Theater. Vielleicht das schönste von allem, was hier zu sehen ist, eingebettet in die weiche Mulde der Hügel, mit der fernen Kulisse des blauen Meeres im Hintergrund.

Ich setze mich in den Orchesterfauteuil, wie ich das so von besseren Zeiten her gewöhnt bin, und über­lasse mich der göttlichen Stille. Dabei mache ich sehr.

bald die Entdeckung, daß die alten Römer unge­mein abgehärtete Kerle gewesen sind. Denn es ist das ein ganz verdammt kühles Glück, fünf Akte hindurch auf Marmor zu fitzen, fei er auch so makel­los weiß wie dieser.

In den Katakomben herrscht bedrückende Fin­sternis; man findet etwas von dieser Stimmung auch in der Arena wieder, wo aus unterirdischen Verließen die wilden Tire heraufgesprungen sind zu den erschreckten Märtyrern.

Auf einem gestürzten Kapitell sitzend und mit den Füßen in Sande spielend, werfe ich eine byzanti­nische Münze hoch aus dem Schutt der wandelnden Geschichte. Auf der fast unkenntlich gewordenen Bronze ist nur noch das strenge byzantinische Kreuz zu sehen. Eine neue Aera, die alten Götter ziehen sich mißvergnügt in ihre Himmel zurück.

Ans dieser Epoche sind eine Fülle ausgezeichnet erhaltener Reste zu sehen, Mosaikböden von großer Vollendung in Farbe und Form und byzantinische Villen mit prunkvollen, kleinen Hauskapellen.

Aber ich mag diese Zeit nicht und ihre Aus­drucksform. Ich kehre zu meiner Göttin zurück und ihrem unsicheren Kantonisten von Ehemann, zu dieser schönheitstrunkenen, sinnenfrohen Welt der Antike. Und hingestreckt zwischen die Säulenreste aus tunesischem Porphyr und den kleinen, weißen, wuchernden Sternblumen, höre ich dem Branden des Meeres zu, diesem unsterblichen Lachen der Götter.

Bad am Samstag.

Von Karl Ude.

Arn Samstagabend, wenn wir Brüder gemein­sam in der großen weißen Wanne abgeseift waren und, mit frischen Nachthemdchen versehen, wohlig unfern Kakao schlürften, machte sich die vielbeschäf­tigte Mutter daran, das noch warme Wasser in eine kleine Blechwanne zu schöpfen, die neben der großen stand; Ströppi aber, unser braungefleckter Drahtfox, dem dieses plätschernde Geräusch nicht ent­ging, verkroch sich währenddessen ahnungsvoll im Schlafzimmer unter den Betten. Nur dadurch, daß wir in der Küche mit den Türen der Anrichte klap­perten und deutlich vernehmbar ein Stück Zucker aus der Dose schüttelten, war er wieder herbeizu­locken, und wenn er dann, behutsam nach dem dar­gebotenen Stückchen schnuppernd, herankam, faßten wir den Vorsichtigen plötzlich und trugen ihn, die­weil er den Zucker zwischen den Zähnen zerknackte, ins Badezimmer. Er sträubte sich nun nicht mehr und ließ sich mit artiger Bereitschaft in das blaue

vermöchten. Alle Arbeit gehe darauf hinaus, Per­sönlichkeitswerte zu schaffen, zu intensivster Arbeit anzühalten und Pflichtbewußtsein in den jungen Menschen wachzurufen. Die Jugend habe sich der Schule als treu erwiesen, und sie werde das Haus mit ihrem Idealismus erfüllen. In würdiger Form gedachte Rektor Gödl dann der Gefallenen des Weltkrieges, der Bewegung, insbesondere der im Weltkrieg gefallenen ehemaligen Schüler des Poly­technikums. Am schlicht gehaltenen Ehrenmal in der Weihehalle des Technikums wurden Kränze nieder­gelegt.

Zum Schluß legte

Gtudentenführer Girrnscheid

für die Studierenden der Anstalt das Gelöbnis ab, mit Ernst und Eifer beim Studium zu sein, um einsatzbereit zu stehen, wenn sie an den Arbeits­platz in die Praxis berufen werden. Der Student werde seinerseits alles tun, um sich nicht nur als Fachmann, sondern auch als Nationalsozialist zu be­weisen. Er schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer. Das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied beschlossen die Feier.

Im Anschluß daran besichtigten die zahlreichen Gäste die vorbildlichen Einrichtungen des Adolf- Hitler-Polytechnikums

Aus der Stadt Gießen.

Ein Gänger des Gleibergs vor hundert Jahren.

Die schöne Burg Gleiberg, die jetzt im Mittel­punkt der Feiern des hundertjährigen Gleibergver- eins steht, hat schon manchesmal Menschen mit be­geisterungsfähigen Herzen zum Singen und Sagen von heimatlicher Schönheit angeregt. Da lebte bei­spielsweise vor hundert Jahren der mit schrift­stellerischem Können begnadete, 1809 in Wien ge­borene Eduard Duller eine Zeitlang in Gie­ßen, und er sammelte hier und in der Umgebung unvergeßliche Eindrücke und wob sie zu literarischen Gebilden in Prosa und Poesie, die man heute, kaum noch bekannt, gerne liest.

In der Einleitung zu seinen heimatlichen Schrif­ten, unter denen ein Büchlein dem Gleiberg und Vetzberg gewidmet ist, sagt er in Erinnerung seiner Erlebnisse:Wenn ihr im Winter, des Abends ein­sam am Kamin sitzend, während euch der Frost Eisblüten an die Fensterscheiben malt, eines eurer Lieblingsbücher aufschlagt, so findet ihr wohl zu­weilen eine verblichene Blume oder ein dürres Laub, wie alte Gefangene, zwischen den Blättern. Ihr hattet sie vielleicht längst vergessen, und nun, da ihr sie plötzlich wiedersehet und aus ihrer Haft erlöset, dünkt euch: sie sprächen ganz leise und doch so bekannt zu euch. Da wird das zarte Geäder des Laubes zu Hieroglyphen eurer eigenen Vergangen­heit, und ihr leset so manchen schönen Augenblick, den ihr mit frischen Sinnen genossen habet, als die Blume noch in der Muttererde wurzelte, als das Laub noch saftig am Zweige hing, der sich gastlich über euch wölbte. Ihr pflücktet die Blume, ihr brächet das Laub, als ihr von einem Heben Orte oder von lieben Freunden Abschied nähmet; ihr brachtet sie heim als einstige Merkzeichen der Er­innerung. Und jene Zeit, jener Ort nun so fern , wie nahe werden sie euch plötzlich wieder! Wie eigen traulich umfriedet euch jetzt der magische Kreis dieser nahen Ferne, dieser gegenwärtigen Ver­gangenheit ...

Von solcher Art nun wie jenes Laub und jene Blume sind auch die folgenden Blätter, nämlich an­spruchslose Merkzeichen der Erinnerung an reizende Landschaften, welche man einst das Herz voll frischer Jugendlust, die Scheitel von tausend Hoff­nungsrosen umduftet Arm in Arm mit dem Jugendgenossen oder Gastfreunde durchwanderte, an freie Bergesgipfel, auf denen man die ragenden Burgen, wie greife Hochwächter der Geschichte uäd Sage, weithin überschaute."

Den Lobgesang auf den Gleiberg, in dem er sich in das Leben und Sein, das Denken und Fühlen früherer Tage zurückzuversetzen weiß, beginnt Eduard Duller mit einem Gedicht auf die alte Burg:

Da stehst du ernst und blickst ins Tal hernieder, Das wie ein holdes Kind sich dir zu Füßen schmiegt!

Die Freude sendet dir den Schall der schönsten Lieder;

Er scheucht dir wohl das dunkle Raubgefieder, Doch nicht den Trotz, der auf dir liegt!

Was sinnst du denn, du greiser Bergeswächter?

Vergangner Herrlichkeit? Und schmerzt es dich so tief,

Daß du noch stehen mußt in alter ungeschwächter Urkraft, da längst gewaltige Geschlechter

Die Mutter Erde zu sich rief?

Ein treuer Knecht sahst du vom edlen Stamme den Letzten in die Gruft mit Schild und Helm versenkt.

Wähnst du, du wehrtest ab, gleich einem Felsen­damme,

Die neue Zeit, die herwogt, Strom und Flamme, Zugleich, und tötend Leben schenkt?

Du wardst nicht müd, bist, Riese, nur verdrossen Und denkst im alten Stolz:Wie klein die

Gegenwart!

Wo kriegerisches Volk einzog aus starken Rossen, Jetzt wird das Tor dem Bürger nicht verschlossen. Vor dem er einst umsonst geharrt!"

Ja frei und froh, so heben wir die Becher, Und ebenbürtig zieh'n wir in das Schloß hinein; Wir klingen wacker an mit goldnem Sorgenbrecher, Es gilt der alten Zeit, ihr toten Zecher, Wir bringens ihr im alten Wein.

Wir ehren sie, da wir, der eignen Kräfte

Uns vollbewußt und froh, sie auch zu üben, stehn;

Wir fühlen noch in uns gesunder Ahnen Säfte Und schaffen am begonnenen Geschäfte, Daß Enkel es vollendet seh'n.

Was ist's?" Du fragest noch, o Greis von Steine, O sähst du wie dies Tal das ganze Vaterland! Wie hier durchs Tal der Strom, der klare, silberreine.

So winde sich um Hohe und Gemeine Sttll des Vertrauens lebendig Band.

Dann wird der Mensch den Menschen höher achten Als einst des Standes Schein; ein jeder Schein verbleichet;

Dann adelt nur die Lieb' und stellt als ew'ge Wachten

Die Geister aus, die sich zum Opfer brachten

Und so der Menschheit Ziel erreicht."

Dann preist Duller in schwunghaften Sätzen den greifen Bergfried als ernsten Prediger, dessenun­bedeutendster Stein, der uns aus der Vergangen­heit übrig blieb, eine goldene Ader der Poesie in sich trägt". Gleich einem Zauberer lockt der Turm einen jeden zu sich.Und wir können nicht wider­streben. Wir kommen schon!"

Damals war gerade der Gleibergverein ins Leben gerufen worden, der als erste Aufgabe den Einbau der Treppe im Turm ausfuhrte. Die Gebäude der Unterburg standen noch lange verwahrlost und öde

unreine

Wasser stellen, das nichts als seinen Kopf, einen schmalen Streifen seines Rückens und sein kurzes struppiges Schwänzchen unbedeckt ließ.

Unbeweglich blieb er in der Mitte der kleinen Wanne stehen, und das Wasser sog sich in fein Fell und preßte die Haare so eng an seinen Kör­per, daß er uns mit einmmal bedauernswert mager erschien und seltsam fremd. Als leide er an einer auszehrenden Krankheit, so dünn wurde nun sein Hals, der sich mühsam aus dem Wasser hob; so spindeldürr wirkten seine Beinchen, die uns sonst mit starke zottige Säulen vorkamen; und seine Schnauze, breit und gutmütig drollig zuvor, sah nun aus wie die eines bissigen strengen Spitzes, mit dem nicht zu spaßen ist. Verzauberte, verhöhnte das Wasser seinen stämmig gesunden Hundekörper oder ließ es seine Gestalt erst wirklich erkennen? so fragten wir, immer wieder schmerzlich berührt von dieser offenkundigen Verwandlung, die das Wasser dem vierbeinigen Kameraden antat, und wir streichelten ihm das vom Seifenschaum unwahr­scheinlich glatte Fell und klopften seine atmende Flanke, um ihn zu versichern, daß er uns auch in dieser peinlich feuchten Nacktheit noch lieb sei.

Wenn er dann überall an seinen braunen Ohr­deckeln nicht minder als an seinem Schwänzchen und den vier dünnen Beinen, tüchtig geseift war, schwenkte die Mutter den geduldig Ausharrenden durch das Wasser, dem sie eine scharf und erfri­schend riechende Essenz beigefügt hatte, die für die Gesundheit und Sauberkeit feines Fellchens gut war; schwenkte ihn so mächtig, daß er nur noch mit der Nasenspitze hervorschaute und heftig niesen mußte. Dann aber hob sie ihn heraus, setzte ihn auf die Trockentücher, die für ihn bereitlagen, und unvermittelt erwachte in dem nassen Dulder der eigene Wille. Er schüttelte sich mit solcher Ange­spanntheit, daß seine Ohrdeckel knallten wie kleine Fahnen im Wind, und das Wasser spritzte so weit umher, daß etliche Tropfen uns, die wir eilig zurück­getreten waren, an Hand und Gesicht erreichten und uns vergnügt aufschreien ließen. Mit wildem Ungestüm wühlte er sich in^bie Tücher, schüttelte sich abermals, lief schwanzwedelnd davon, galop­pierte polternd durch den Flur, durch die Zimmer, daß die Gläser in den Schränken aneinanderklirr­ten, kehrte zurück, kopfüber in die aufgebauschten Tücher stürzend, und bellte vor Freude und vor lauter frischgewaschener Lebendigkeit. Ein weißer Schelm, der vor Uebermut nicht weiß wohin, raste er umher, sprang er uns an und machte uns tau­meln, und war im gleichen Augenblick wieder ver­schwunden, tollte irgendwo um einen Tisch, wälzte sich auf einem Teppich und erschwang einen Sessel,

nur um über die Lehne hinweg noch weiter sprin­gen zu können. Sein Fell lockerte sich wieder auf, die Haare spreizten sich in weißer Unordnung, und wenn die Mutter nun feinen Kamm hervorholte, dann bezwang er seine ungebrochene Munterkeit und lief heran, wohlwissend, was nun noch zu tun sei, und ließ sich geduldig sein krauses Fell käm­men. Wieder wurde er der alte kräftige und saubere Kerl, den wir nur mit Wohlgefallen anzusehen ver­mochten und nicht ohne den Glauben, daß der Schöpfung keine herzigere und liebenswertere Krea­tur gelungen sei als dieser übersprudelnd fröhliche weiße Hund mit den braunen Ohren und den braunen Flecken an Schwanz und Flanken und der Nase, so schwarz und glänzend, als sei sie mit einer Schuhwichse blank gebürstet ...

An diesem Abend auch, an diesem einen Abend durften wir ihn zu uns ins Bett nehmen; nicht unter die Decke, aber doch zwischen Federkissen und Bettuch, wohin ihm eine besondere Decke gelegt wurde. Gern kam er mit, denn ihn verlangte jetzt unbändig nach Wärme, er schmiegte sich ganz innig an uns, so daß wir seinen weich gebogenen Rücken durch die Tücher hindurch spürten, und sein feuchtes Fellchen duftete so frisch und fühlte sich so seidig an, daß wir nicht einschliefen, ohne eine Hand darin zärtlich zu vergraben. Leise löschte die Mut­ter die blaue Ampel aus die stets anheimelnd sanfte Lichtkreise an die Decke warf, und im Bewußt­sein einer herrlichen Kameradschaft schlummerten wir in das Dunkel hinüber, alle drei, zwei Jungen und ein Hund, und wenngleich dieser am Morgen beim Aufwachen längst nicht mehr an unserer Seite lag ein Abglanz dieses glückhaften Abends fiel noch weit in den Sonntag hinein ...

Zeitschriften.

Das zweite Heft derNeuen Moden­welt", der neuen großen Moden-Zeitschrift für Kleidung, Wäsche, Handarbeit (Verlag Ullstein, Berlin) gibt ein umfassendes Bild der Mode dieses Sommers An hundert Modelle findet man Klei­der für Damen und Kinder, für Vormittag, Nach­mittag und Abend, dazu Modelle für nicht ganz schlanke Frauen, Beispiele, wie aus einem Schnitt mehrere Kleider werden können, wie man feine Kleidung vielseitig gestaltet, praktische Winke, mo­dische Neuigkeiten usw. Neben dem großen Hand­arbeitsteil und acht Seiten Roman gibt es dis ständigen Beilagen: drei doppelseitige Schnitte- Bogen mit allen Schnitte-Modellen des Hefts, einen Handarbeitsbogen und das bunte Extra-BlattDie kleine Zeitung."