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Oie glückhafle Flotte.

Wenn am Mittwochoormittag unter dem Jubel einer begeisterten Menge, in Anwesenheit von Zehn- tausenden deutscher Arbeiter, das erste .Kraft- durch'Freude"- Schiff, welches van der Deutschen Arbeitsfront eroaut worden ist. vom Sta­pel läuft, bann können wir mit Stolz bekennen, wiederum eine Leistung für den deutschen Arbeiter vollbracht zu haben, wie sie sie bislang keine Na­tion aufzuweisen vermag ,.Kraft durch Freude"! Drei Worte, von denen, als sie geprägt wurden, wohl die wenigsten angenommen hatten, daß sie schon in so überraschend kurzer Zeit mehr als nur ein paar Worte darstellen würdenKraft durch Freude" ist heute ein Programm, ist eine sozia­listische Höchstleistung, die m der Welt ihresgleichen sucht. Fragt man heute einen Ausländer, was ihn an dem neuen Deutschland am meisten interessiere, so wird man° stets die Antwort bekommen: die neue Wehrmacht, der Reichsarbeitsdienst, das Win- terhilfswerk undKraft durch Freud e" Wir verzeichnen es mit Genugtuung, daß gerade das Ausland mehr und mehr sich mit dieser Gemeinschaft beschäftigt und daß die Stimmen, die wir darüber vernehmen, jetzt durchweg einen freundlichen Grund­ton aufweisen, aus dem Anerkennung, Bewunde­rung und Neid sprechen.

Und nun läuft das e r ft e eigeneK d F." - Schiff vom Stapel, nachdem bislang die Fahrten auf anderen Schiffen, die aber nahezu ausschließlich im Dienst dieser Organisation standen, durchgeführt waren. Deutsche Arbeiter haben auf einer deutschen Werft ein Schiff für deutsche Arbeiter gebaut! In dieser Tatsache offenbart sich so recht die tiefere Bedeutung, welche diesem Stapellauf zukommt. Dieses Schiff, das mit den modernsten technischen Errungenschaften versehen ist und gerade unter be­sonderer Berücksichtigung der Aufgaben, denen es zu dienen hat, gebaut worden ist, wird nun Jahr um Jahr Zehntausende von deutschen Arbeitern hinausführen auf das Meer, wird ihnen die Schön­heit dieser Welt zeigen und ihnen all jene Kultur­güter erschließen, die kennenzulernen der deutsche Arbeiter in erster Lime Anspruch hat.

Noch eine weitere besondere Bedeutung kommt diesem Stapellauf zu: An ihm nehmen aus allen Teilen des Reiches nahezu 10 000 Volksgenossen teil, welche am gleichen Tage mit sechsKdF."- Dampfern die erste Seefahrt dieses Jah­res antreten, die nach Norwegen führt. Wenn der Stapellauf vorüber ist, dann werden diese Tausende, noch ganz im Bann des soeben Erlebten, auf den sechs Dampfern den Hamburger Hafen verlassen, um diese große Reise, die für die meisten von ihnen wohl überhaupt die erste Seereise darstellt, anzu­treten. Wir können jetzt getrost behaupten, daß keine Nation der Erde es wagen könnte, sechs Schiffe mit Tausenden von Menschen, Arbeitern aus allen Berufen hinauszuschicken in die Welt. Das ist das Große,«michl daß sie fahren, damit sie sich einmal erholen, sondern daß wir der Welt und uns selber den hohen Grad der Kultur unseres deutschen Volkes beweisen und den Weg zeigen, den wir dieses Volk führen wollen. Wie wir unsere neue soziale Ordnung bauen wollen, wie wir uns die Gemeinschaft denken, was wir aus uns selber machen, das ist in der Tat das Werden einer neuen Ordnung, die mit den Vorurteilen einer vergangenen Epoche restlos aufgeräumt hat.

Niemand kann das neue Deutschland besser ver­treten als- der deutsche Arbeiter, der mitKraft durch Freude" reist. Die Wahrheit dieses Satzes hat, da wir gerade von den Seereisen sprechen, auch ihren Niederschlag in der Presse der Länder gesunden, welche von denKraft-durch-Freude"- Schifsen angelaufen worden sind. Nur zwei Stim­men seien herausgegriffen. Die portugiesische Zei­tungD i a r i o da M a n h a" schrieb, als die deutschen Arbeiter anläßlich einer Madeirafahrt in Lissabon Halt machten:Das ist die Revolution, die Deutschland sich anschickt, mit dem festen und disziplinierten Willen feines Volkes, geschart um Adolf Hitler, durchzuführen. Was werden die Wir­kungen und die endgültigen Folgen sein? Jetzt ist es noch zu früh, um das abschätzen zu können, aber eins ist sicher, nämlich, daß der germanische Geist daran arbeitet, neue Lebensbegriffe zu schaffen und die beunruhigendsten Probleme unserer Zeit zu lösen." Der Schweizer Dichter Jakob Schaffner, dessen Werke Weltgeltung haben, nahm, ohne daß ihn jemand von den Urlaubern kannte, an einer Norwegenfahrt mit dem DampferDer Deutsche" teil und schreibt in der Schweizer ZeitschriftNa­tionale Hefte" u a. folgendes: . Alles macht nicht etwa eine Wohltäterei aus, sondern heute ist es ein Teil des Lohnes, die Erfüllung eines selbst­verständlichen Anspruches an Lebensfreude und an die Güter des Daseins ebenso, wie diese Menschen ihren selbstverständlichen Anteil an den Plagen, Mühen und Gefahren der nationalen Arbeit tragen. Und so wird die Volksgemeinschaft vollständig ... Wo hat sich überhaupt ein Volk vorher erleben können? Es ist nicht anders: hier wächst etwas 91 e u e s , und es wächst nicht aus Worten, sondern aus Gefühl, aus Traum, aus Freude. Sie ge­winnen wirklich neueKraft durch Freude", das ist eine geniale Erfindung, aber es hat viel

Not und Elend dazu gehört, um sie reif zu machen. Der hohe Wandel von Sonne und Mond über der leuchtenden Unendlichkeit der See weiß nichts von Not Der Salzwind weht ihnen Kummer und Niedrigkeit aus Den Augen Möven sind keine Sor­gen Ihre Lebensfragen wiegen sich auf strahlen­den Wolken!"

Besonders hervorgehoben wird von Der Ausland- presse stets die Tatsache, daß die deutschen Arbeiter der Faust immer so sauber gekleidet sind und genau so kultiviert aussehen wie etwa ein Angestellter oder Beamter. Daran wird bann oft die Frage geknüpft, ob die Teilnehmer an den Reisen denn wirklich in der überwiegenden Mehrzahl Handarbeiter sind und nicht vielleicht lauter Angestellte ober Beamte Ein paar Zahlen sollen biete Behauptung roiberlegen: Ein

Drittel sämtlicher Urlauber hat ein Einkommen un­ter 100 Mark ein weiteres Drittel verdient mo­natlich zwischen 100 und 150 Mark, also zwei Drittel sämtlicher Urlauber haben ein Einkommen unter 150 Mark im Monat Der Rest liegt darüber, bleibt aber im Durchschnitt zwischen 200 bis 250 Mark lieber 250 Mark verdienen etwa nur 6 o H Jahr um Jahr wächst die Zahl der Teilnehmer an den KdF."°Reisen, Jahr um Jahr erfahren die Reisen, insbesondere zur See, einen weiteren Ausbau Was Jahrzehnte hindurch am deutschen Arbeiter gesün­digt worden ift das wird von dem nationalsozialisti­schen Staat wieder gutgemacht Verwirklicht worden ist das, was bisher als unmöglich galt und ichon lange Jahrzehnte ein Traum aller Sozialisten der Welt gewesen ist.

Anarchistenausstand in Barcelona.

Blutige Gtraßenkämpfe. Oie Bolschewisten in der Klemme.

Paris. 4. Mai. (DNB.) Nach einer Havas- melDung aus Perpignan haben die blutigen Auseinandersetzungen in Barcelona zwischen den bolschewistischen und den anarchisti­schen Elementen die Oberhäuptlinge in Valencia veranlaßt, von den katalanischen Machthabernso­fortige Maßnahmen" zu verlangen. Den Anarchi­sten sei eine Frist gesetzt worden, ihre Waffen abzuliefern. Als sie sich weigerten, seien in aller Eile Verstärkungen gegen die Anarchisten ein­gesetzt worden. Bei der Zurückeroberung des von den Anarchisten besetzten Telegraphenamtes sei es zu einer blutigen Schlacht gekommen, in deren Verlauf die bolschewistischen Streitkräfte gezwungen wurden, sich zurückzuziehen. Dann seien die Anarchisten zum Angriff vorgegan­gen, und hätten diePolizei" Der Bolschewisten in die Vorstädte zurückgedrängt. Die Machthaber von Katalonien seien infolgedessen ihrer bewaffneten Streitmacht beraubt. Im Sender Barcelona wurde ein Aufruf der katalanischen Machthaber verlesen, der die Bevölkerung auffordert, denblutigen Kampf" in den Straßen von Barcelona zu been­den. Die Hospitäler seien überfüllt mit Toten und Verwundeten. Während der Aufruf verlesen wurde, hörte man im Rundfunk deutlich Gewehrschüsse und das Knattern der Maschinengewehre.

Wie dasJournal" berichtet, hat den Ausbruch des Konfliktes ein Ultimatum des anar­chistischen Ausschusses an Companys ver­ursacht. In diesem Ultimatum hätten die Anar­chisten die Uebergabe der gesamten Macht gefordert mit der Begründung, daß sie es seien, die von Anfang an denKrieg" geführt hät­ten, weshalb ihnen auch die tatsächliche Kommando­gewalt über ganz Katalonien zufallen müsse. Die bolschewistische Generalidad beantwortete diese Forde­rungen damit, daß sie die E n t w a f f n u n g aller Z i v i l i st e n anoronete und die katalanischen Bol­schewistenhaufen von der Aragon-Front zu Hilfe herbeirief. Dies wiederum beantwortete die Anar-

chisten-Vereinigung mit einer regelrechten Ein­schließung des Generalidad-Palastes. Bewaffnete Anarchisten verhafteten auf den Stra­ßen alle Milizmänner ,.Sturmgardisten" usw., die sich als Anhänger der Generalidad erklärten. Unter Bedrohung mit Gewehren und Handgranaten führ­ten sie diese Leute in abgelegene Vorstädte, wo sie sie an mit Maschinengewehren ausgerüstete Anar­chistenhaufen auslieferten Die Generalidad so­mit aller Unterstützung beraubt mußte die ver­hafteten Anarchisten freilassen. Der Versuch der Generalidad, durch eine AbteilungSturmgardi- sten" das Hauptpostamt, das sich in den Hän­den der Anarchisten befindet, besetzen zu lassen, schlug unter schweren Derlusten fehl. Es kam dort zu heftigen Kämpfen, desgleichen etwas später vor dem Generalidad - Ge­bäude, wo die Anarchisten schließlich mit Gewehr­feuer auseinanbergetrieben wurden. Der katalanische Oberbolschewist Companys erschien auf dem Balkon, um einenAppell zur Ruhe und Einigkeit" zu erlassen, wurde aber verhöhnt und ausge­pfiffen.

Die Telephonverbindungen mit Barce­lona sind unterbrochen. Die Beunruhigung bei der kommunistischen Partei in Frankreich uno bei der sowjetrussischen Botschaft in Paris soll sehr groß gewesen sein, da ein Sieg der Anarchisten der Sowjetpropaganda in Spanien ernste Schwierig­keiten bereiten würde. Es verlautet, daß zwischen Paris und den im Hafen von Barcelona und Valencia befindlichen Sowjetschiffen die ganze Nacht Funkmeldungen hin und her gegangen seien, um die Befehle Moskaus den diplomatischen Sowjetvertretern in diesen beiden Städten zu über­mitteln. DasEcho de Paris" schreibt, Katalonien sei seit Dienstag früh in der Gewalt der A n a r ch i st e n. In allen Ortschaften lieferten sich die Anarchisten mit den Marxisten regelrechte Straßenschlachten.

Bombenwürfe in Waziristan.

England führt in der nordwestindischen Provinz W a z i r i st a n einen scharfen Unterjochungskrieg gegen freiheitliebende Bergstämme. Nicht weniger als 30 000 wohlbewafnete Soldaten hat England gegen diese Stämme aufgeboten, deren Angehörige nur eine Flinte auf der Schulter, im Herzen aber einen glühenden Haß gegen England haben, weil sie Mitte des vorigen Jahrhunderts gewaltsam in das Britische Weltreich eingegliedert wurden. Um den Widerstand dieser Grenzbewohner zu brechen, steigen immer wieder Bombenflugzeuge auf, die ihre verderbenbringenden Ladungen über den Eingeborenensiedlungen abwerfen Mehr als ein Dorf ist in Trümmer gegangen oder ein Raub der Flammen geworden. Und unter diesen Trümmern liegen die Leiber von Männern, Frauen und Kin­dern der Bevölkerung Waziristans Darüber spricht der Engländer nicht viel. Er zuckt nur nervös zu­sammen, wenn nationale Spanier ihre Freiheit gegen den Bolschewismus verteidigen. Verwunder­lich ist das allerdinas nicht, denn allgemein gültige Begriffe finden jenseits des Kanals stets die über­raschendsten Auslegungen. Das hat uns ein F r a g e- undAntwortspielim Unterhaus gezeigt, das durch einen Abgeordneten wegen der Bomben­würfe in Waziristan ausgelöst wurde. Dieser Par- lametarier, der sich als Außenseiter entpuppte und das ganze Guernica- Konzept gewisser Aufrüstungs­politiker in Unordnung brachte, hat sich natürlich die allgemeine Verachtung zugezoaen. Wie konnte er auch im Unterhaus behaupten, daß englische Flugzeuge Bomben auf friedliche Zi­vilisten abwerfen, nachdem eben erst die Londoner Regierung selbst diese Art Kriegsführung als verbrecherisch angeprangert hatte. Im­merhin mußte der Regierungsvertteter antworten, Doch was sagte er? Die Bombenabwürfe in Indien wären nur wirtschaftliche Druckmaß - nahmen! Wir sind angesichts dieser Erklärung

einigermaßen verwirrt. Wirtschaftliche Druckmaß­nahmen sahen bisher etwas anders aus, sind sogar vor einiger Zeit unter Anführung der auf den Völ­kerbund schwörenden Engländer getreu den Satzun­gen dieses Bundes inszeniert worden. Plötzlich er­fährt nun die aufhorchende Menschheit, daß man an der Themse auch Bombenabwürfe aus dem Flug­zeug zu wirtschaftlichen Druckmaßnahmen Sank­tionen nennt man diese Druckmaßnahmen in Gens rechnet. Damit eröffnen sich der Genfer Politik neue Perspektiven und das Völkerrecht wird um einen neuen Begriff bereichert. Sollte aber ein Nichtengländer, ein Fremder also, der Englands Sympathien nicht besitzt, auch nur Aehnliches an- beuten, er würde von der Themse her als Feind der Menschheit gebrandmarkt, man würde seine und seines Volkes Ausrottung fordern. Was wir dann wieder nicht verstehen würden. Aber was den Engländern recht ist, ist den anderen noch längst nicht billig ... Sbt.

Ausbau Der italienischen Flotte

Rom, 5 Mai. (DNB.) Die italienische Kammer hat den Wehrmachtshaushalt ohne Aussprache an­genommen Marine-Staatssekretär Cavagnari erklärte, das entscheidende Moment für das Wett­rüsten sei die Entschließung jenes Staates,der be­reits die stärkste Seemacht der Welt besitzt". Die Eroberung des Imperiums fordere eine beträchtliche Vermehrung der italienischen Seestreitkräfte und eine Verstärkung ihrer Stützpunkte. Die italienische Marine werde die Anzahl ihrer Großkampf- schiffe erhöhen. Das faschistische Italien werde keine Anstrengungen scheuen, um eine Kriegsflotte zu bauen, die ihrer Aufgabe zum Schutze seines Besitzes, für seine Expansion und für fein Anfehen in der Welt entspreche. Italien brauche eine Hoch­seeflotte für b i e Weltmeere.

Nack den Wahlen in Japan.

Das äußere Ergebnis Der japanischen Wahlen geht dahin, daß die führendenalten" Parlaments­parteien, die Minseito und Seiyukai, sich behauptet haben, daß diesoziale Massenpartei" (Sozialdemokratie mit stark kommunistisch-radikalem Einschlag) ihre Mandatszahl gut verdoppelt und die eigentliche Regierungspartei sich nur gerade behaup­tet hat. Das innere Ergebnis Der Wahlen steht noch völlig aus. Die Aeutzerungen währenD der Wahl­schlacht, besonDers aus Dem MunDe Der alten Partei­politiker, Dürfen nicht übertrieben ernst genommen roerDen. Es handelt sich ja um eine Art von Straf­wahl, in der die alten Parteien zunächst ihrGe­sicht bewahren" mußten, was im ganzen fernen Osten als eine Grundregel menschlicher Haltung gilt. Es wird sich erst in Den nächsten Monaten Heraus­stellen, ob Die Parteien einige Pflöcke zurückstecken oDer es auf einen wirklich ernsten Konflikt ankom­men lassen. Es ist bezeichnend, daß Die Times, Die selbstverständlich den westeuropäischen Parlamenta­rismus wenigstens in einem Abglanz in Japan er­halten haben möchte, mit der Möglichkeit eines Kompromisses rechnet, der durchaus nicht bei 50 zu 50 stehen bleiben müsse. Es sei vielmehr wahrschein­licher, daß ein solcher Kompromiß mit 80 v. H. zu­gunsten der Armee und mit 20 v. H. zugunsten der Parteien ausgehe.

Der japanische Ministerpräsident General Haya- s h i hat den Parteien diese Möglichkeit auch mit väterlich eindringlichen Worten bereits ans Herz gelegt, indem er den Wählern nahelegte, Männer zu wählen, dieeinen klaren Ueberblicf über die gegenwärtige Lage" haben, oder indem er seine konstitutionelle Gesinnung betonte, aber hervorhob, daß eine verfassungsmäßige Politik den besonderen japanischen Bedürfnissen angepaßt sein müsse, oder indem er die Ausschreibung der Neuwahlen damit rechtfertigte, daß sie den Parteien eine Gelegenheit bieteüber ihre Haltung nachzudenken" oder indem er die Erwartung aussprach, daß der neue Reichs­tag nicht sounaufrichtig" fein werde wie der alte. Man merkt deutlich den Zaunpfahl, mit Dem hier gewunken wird!

Selbstverständlich ist die hier skizzierte Möglich­keit nur eine Möglichkeit unter anderen. Sie darf deshalb nicht außer acht gelassen werden, weil das japanische nationale Denken in einem ganz er­staunlichen Maß^ familien- und sippengebunden ist. Die innenpolitischen japanischen Auseinander­setzungen dürfen daher nicht mit grundsätzlichen europäischen Maßstäben gemessen werden. Der Grundgedanke ist, daß gewissermaßen im Familien­räte die Meinungen aufeinanderplatzen und u. U. außerordentlich schwer aufeinanderplatzen, daß aber, von einigen Heißspornen abgesehen,. Die weitaus überwiegende Zahl Familienmitglieder mit einer schließlichen Einigung rechnet, die bann allgemeines und oberstes Gebot ist. Allerdings muß hinzugefügt werden, daß die ideologische europäische Prinzipien­reiterei des liberalen Parlamentarismus sich weit­gehend auch der japanischen Intellektuellen bemäch­tigt hat und daß hinter dieser Prinzipienreiterei häufig anonyme Wirtschaftskräfte stehen, die die Parteiklüngel alten Stils für ihre Zwecke auszu­nutzen versuchen. Sollten sich diese versipptenPrin­zipien" undJnteressenwünsche" in den Parteien durchsetzen, so ist wohl kein Zweifel daran, daß die Regierung, gestützt auf die Armee, dem Kaiser ent­sprechende Vorschläge unterbreiten wird. Für diesen Fall sei darauf hingewiesen, daß die japanische Ver­fassung sehr viele Bestandteile der Vorkriegsverfas­sung Preußens und des Reiches übernommen und zugunsten der Regierung sogar weitergebildet hat. Die Verfassung sieht nicht vor, daßparlamenta­risch" regiert wird, d. h. daß die Berufung der Mi­nister von der nachträglichen Zustimmung des Reichstages abhängig ift? Diese Neuerung wurde erst nach dem Kriege ohne formelle Verfassungsän­derung tatsächlich durchgeführt. Sie kann ebenso tat­sächlich' wieder verschwinden. Außerdem ist auch die Wahlordnung kein Teil des japanischen Verfas­sungsgesetzes.

Versckärfie Neutralität.

Am 1. Mai 1937 lief das im August 1935 be­schlossene erste Neutralitätsgesetz ab. Seit Monaten'beschäftigte sich die amerikanische Oeffent- lichkeit mit der Neuformung des Gesetzes, und beide Häuser des Kongresses haben sich jetzt auf ein Kom­promiß geeinigt, das die Neutralität der Vereinig-. ten Staaten verschärft, allerdings mit einer Aus­nahme. Der Präsident Der USA. kann Aus­nahmebestimmungen zugunsten Ka­nadas treffen, und in Der Begründung heißt es, man wolle Die Fortsetzung des Handelsverkehrs auf dem amerikanischen Festland im Falle eines europäischen Krieges ermöglichen. Also wird Ka­nada als Bestandteil des britischen Empires sicher­lich sofort in einem solchen Falle einen ausgedehn­ten Handel mit den USA. treiben und die erworbe­nen Rohstoffe nach Großbritannien weiterleiten; eine Bestimmung, deren Folgewirkung klar auf der Hand liegt und die eine Durchlöcherung des Neu­tralitätsgesetzes zugunsten Großbritanniens bedeu­tet. Diese Ausnahme ist folgenschwer. Sonst können

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