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Nr. 285 Erstes Blatt

18?. Jahrgang

Samstag, < Dezember (93?

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Ostlandreife.

Der britische Ministerpräsident Neville Cham­berlain hat, nachdem er von Baldwin mit der Führung des Kabinetts auch die Verantwortung für Englands Außenpolitik übernommen hat, das Bedürfnis gezeigt, sich über die weltpolitische Lage so umfassend und zuverlässig zu unterrichten wie nur möglich. Dem diente, da ihm das Verhältnis zur Mittelmeermacht Italien das brennendste Problem zu sein schien, die persönliche Korrespon­denz mit Mussolini und die damit eingefädelten diplomatischen Verhandlungen zwischen Rom und London, die das Ziel haben, die während des ost­afrikanischen Feldzuges durch die von England in Gang gesetzten Dölkerbundssanktionen merklich ge­trübte Atmosphäre zwischen beiden Nationen wieder zu normalisieren, wenn es schon nicht möglich fein sollte, das traditionelle Vertrauensverhältnis zwi­schen beiden Völkern auf einen Schlag wiederherzu­stellen, da die Auffassungen über die Bedeutung des Mittelmeeres für die beiden Imperien im springen­den Punkt weit auseinandergehen. Die Zuspitzung des Konflikts in Ostasten machte es für den briti-

Die Kameradschaft eines Volkes überwindet jede Not! Beherzige es am Tag der nationalen Solidarität

schen Ministerpräsidenten weiter wünschenswert, die Meinung der Vereinigten Staaten ken­nen zu lernen, denn England legt schon mit Rück­sicht auf die Dominions nach wie vor den größten Wert darauf, in allen weltpolitischen Fragen mit Amerika in Tuchfühlung zu bleiben und strebt na­mentlich im Hinblick auf die großen Interessen, die beide angelsächsischen Mächte in China zu wahren lhaben, nach engster Zusammenarbeit mit Washing- iton. Dem sollte die Brüsseler Konferenz »der Unterzeichner des Neunmächteabkommens die- men. Daß hier der amerikanische Delegierte Nor- vnan Davis, gewarnt durch die Abneigung der -amerikanischen Oeffentlichkeit gegen jede mit dem Risiko eines offenen Konflikts belastete Einmischung, sich äußerster Zurückhaltung befleißigte und sogar □uf Anweisung Roosevelts ohne den geplanten Ab­stecher nach London die Rückreise antrat, hat die »englischen Staatsmänner gewiß mehr enttäuscht, □als der recht blamable Ausgana der Konferenz selbst. Es mag jedoch für Englano eine Mahnung gewesen sein, alle Anstrengungen zu machen, mm die Dinge in Europa zu klären, ehe die welt­weiten Interessen des Britischen Reiches die ge­sammelte Aufmerksamkeit Englands an anderer Btelle erfordern.

Dieser Klärung diente der Besuch von Lord «Halifax in Berlin. Daß er seinen Zweck der zuverlässigen Unterrichtung über die allgemeine politische Linie Deutschlands und über die Auf­fassung des Führers von den Deutschland in be­sonderem Maße berührenden Problemen vollauf srsüllt hat, hat Chamberlain im Unterhaus be­friedigt festgestellt. Dem Berliner Besuch des Lord­präsidenten ist der nächste Akt gefolgt. Der franzö­sische Ministerpräsident Chautemps und Außen­minister D e l b o s ließen sich in London über das Ergebnis der Berliner Fühlungnahme informieren, suchten jedoch auch selber den britischen Staats- männern auf den Zahn zu fühlen, denn in Paris hatte man die Versuche des neuen britischen Mini­sterpräsidenten, sich über die politische Lage vor­urteilslos zu unterrichten und nach allen Seiten Fühler auszustrecken, nicht ohne Mißtrauen beob- nchtet. Wir haben hier schon mehrfach gesagt, wie stark nach wie vor in Frankreich das Bedürfnis empfunden wird, nachdem die Fortsetzung des ^riegsbündniffes mit den beiden angelsächsischen Weltmächten, die man in Paris als die sicherste Garantie für die in Versailles errungene Vor­machtstellung Frankreichs auf dem europäischen Festland betrachtet hatte, an der strikten Ablehnung '-es amerikanischen Volkes gescheitert war, wenig- tens in einem engen Bündnis mit England einen Ersatz dafür zu finden. Die französisch-englischen Abmachungen von 1936 haben die französischen ' Mn sche weitgehend erfüllt und aus der Mitteilung ::ber die Londoner Besprechungen dieser Woche geht iervor, wie sehr Chamberlain und Eden es sich ? aben angelegen sein lassen, ihre französischen Zolle gen über das unveränderte Festhalten Englands : n den eingegangenen Bindungen zu Frankreich zu eruhigen. Dabei wird sicher der Gedanke mitge- prochen haben, daß ein Frankreich, das sich in der mgen Anlehnung an das Britische Reich geborgen üihlt, vielleicht eher zu einer großzügigen Betrach- ung der europäischen Probleme zu bewegen sein Ltiinne, denn Frankreichs Bündnisse mit Polen und ixr Kleinen Entente und sein Militärpakt mit der Sowjetunion waren ja dem aus der eigenen Mentalität der Franzosen verständlichen Gefühl Ixr Angst entsprungen, von den angelsächsischen Mächten dem Furor Teutonicus des racheschnau- lLnden Deutschlands gegenüber allein gelassen zu sÜN.

So könnte diese in London erneuerte Versiche­rung, sich auf England verlassen zu können, auch für den Charakter der Besuchsreise von Bedeutung firn, die der französische Außenminister Delbos f. eben nach den Hauptstädten des Ostens angetreten tat. Und insofern könnte auch Deutschland mit dem Crcgebnis der Londoner Besprechungen zufrieden sÄn, da ihm nur daran gelegen sein kann, wenn die französische Politik sich 'aus der fruchtlosen Starrheit ihres Sicherheitskompleres zu lösen be°

Göring ordnet die Lohnzahlung an Feiertagen an.

Anerkennung der Leistungen aller Mitarbeiter am Vierjahresplan.

Berlin, 3. Dez. (DRB.) Der Beauftragte für den Bierjahresplan, Ministerpräsident Generaloberst Göring, erläßt über die Lohnzahlun­gen an Feiertagen folgende Anordnung:

Die Durchführung des Bierjahresplanes stellt er­höhte Anforderungen an alle Gefolgfchafts- angehörigen. Lohnverbefserungen können als Ausgleich dafür n i ch t gewährt werden. Damit aber die Mitarbeiter an dem großen Werke des Führers die Feiertage in Freude verleben können, bestimme ich folgendes:

1. Für die Arbeitszeit, die infolge des Reujahrs­tages, des Oster- und Pfingstmontag sowie des 1. und 2. Weihnachtsfeiertages ausfällt, ist den Gefolgschaftsangehörigen der regelmäßige Arbeitsverdienst zu zahlen. Dieses gilt nicht, soweit der Reujahrstag und die Weihnachts­lage auf einen Sonntag fallen. Durch Tarif­ordnung oder Betriebs- (Dienst-) Ordnung kann be­stimmt werden, was als regelmäßiger Arbeitsver­dienst anzusehen ist.

2. Für den 1. Mai verbleibt es bei der ent­sprechenden Regelung des Gesetzes über die Lohn­zahlung am nationalen Feiertag des deutschen Bottes vom 26. April 1934 (RGBl. I S. 337).

3. Der Reichsarbeitsminister trifft die zur Durch­führung und Ergänzung dieser Anordnung not­wendigen Bestimmungen. Er kann Ausnahmen von der Borschrist der Ziffer 1 für einzelne Be­triebe genehmigen, wenn es ihre wirtschaft­liche Lage zwingend erfordert.

Berlin, den 3. Dezember 1937.

Der Beauftragte für den Bierjahresplan: (gez.) Göring,

Preußischer Ministerpräsident.

Die Frage der Bezahlung der zweiten Feiertage zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten ist ein altes sozialpolitisches Problem. Für die Privatangestell- ten, die Beamten und Hausangestellten, die auf Monatsgehalt bezahlt werden, hat es niemals be­standen, um so dringlicher aber war diese Frage für das Millionenheer der auf Wochenlohn oder Stücklohn angestellten tätigen Arbeitnehmer. Jeder Werktätige freut sich, naturgemäß auf den Tag, der ihm im Jahreslauf der Pflichten eine Feierstunde bereitet oder den Besuch von Verwandten und Be­kannten ermöglicht. Andererseits muß es mancher von ihnen hart empfinden, gerade in den Wochen, die ihm durch Familienfeste, Weihnachts- und Siloestertage besondere Unkosten verursachen, das Lohneinkommen verkürzt zu sehen. Viele Betriebe sind in der Lage gewesen, durch Weihnachtszuwen­dungen an ihre Gefolgschaften diesem Umstande Rechnung zu tragen, aber nicht allen von ihnen ist das möglich gewesen. Auch manche Tarife sahen

gönne. Darauf würde auch die Bereitschaft hin- deuten, selbst die von Deutschland energisch ange­schnittene Kolonialfrage zu prüfen. Freilich, und hier ist der Haken, heißt es in der Mitteilung, könne die Kolonialfragenicht isoliert gelöst" werden, sondern nur im Rahmen einer© e f amtrege» l u n g". Hier verschanzt man sich also wieder ein-, mal aus Angst vor der eigenen Courage hinter eine Formel, die so oft schon eine Verständigung verhindert Ijat, weil man sich nicht damit abfinden wollte, ein Problem nach dem andern anzupacken, sondern alles auf einmal wollte, damit aber nur erreicht hat, daß auf keinem einzigen Feld ein Schritt vorwärts gemacht werden konnte. Denn gerade aus der unnatürlichen Verkoppelung von Problemen, die nichts miteinander zu tun haben, ergaben sich ebenso wie aus der gefährlichen und immer mieber ad absurdum geführten Methode, die allgemeine Sicherheit in einerGesamtregelung" auf kollektiver Grundlage zu suchen, so viele Mög­lichkeiten des Querschießens dritter Mächte oder des Versuchs, im Kuhhandel unerträgliche Forderungen durchzudrücken, daß Deutschlands Mißtrauen gegen die Methode, alle Probleme gleichzeitig oder keines lösen zu wollen, durch den Gang der Dinge in der Praxis vollauf gerechtfertigt ist. Die Kunst der Politik-besteht nach deutscher Auffassung darin, alle Anstrengungen auf das jeweils Erreichbare zu rich­ten und die einzelnen Probleme um ihrer selbst willen anzupacken, nicht aber aus ihnen ein Han­delsobjett zu machen. Durch ein schrittweises Vor­gehen nach dieser Methode wird nach unserer Mei­nung weit eher jene Atmosphäre allgemeinen Sicherheitsgefühls erreicht, die die verantwortungs­bewußten Staatsmänner aller Nationen erstteben müssen, als hoffnungslos dem Phantom einerGe- famtregehmg" nachzufagen.

Herr Delbos hat sich nun gleich nach dem Besuch in London auf den Weg nach Osten gemacht. Seine Reise sollte ursprünglich gleichsam als Gegen­zug zu der Fühlungnahme Chamberlains mit Ita­lien und Deutschland und den daraus in Paris entsprungenen Befürchtungen der Befestigung der östlichen Freundschaften Frankreichs dienen. Von einem Besuch bei dem Sowjetverbündeten hatte l^den in Brüssel bereits abgeraten. So war der Wunsch geblieben, Polen zu einer Annäherung an die Kleine Entente zu bewegen und das schon oft erörterte Militärbündnis der drei Mächte der Klei-

schon die Bezahlung der Feiertage vor, aber es fehlte die einheitliche Regelung.

Es wird daher mit Freude begrüßt werden, daß der Beauftragte des Führers für den Vierjahres­plan, Generaloberst Göring,'durch eiize Ver­ordnung die Bezahlung der zweiten Feiertage an den großen Festen und auch des Neujahrstages Zur allgemeinen Verpflichtung gemacht hat. Es müssen von nun an bis auf weiteres die zweiten Feiertage zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten und der Neujahrstag auch dann für die Arbeitnehmer in den Wochenlohn einbezogen wer­den, wenn an diesen Tagen nicht gearbeitet wurde. Ausgenommen sind selbstverständlich diejenigen Fälle, an denen einer der erwähnten Feiertage auf einen Sonntag fällt.

Die Bedeutung dieser Anordnung geht aus der Tatsache hervor, daß im Jahresdurchschnitt 1936/37 in Deutschland 17,4 Millionen Angestellte und Ar­beiter beschäftigt wurden. Wenn von dieser Zahl die Hausangestellten und die Prioatangestellten ab­zuziehen sind, so bleibt doch ein Heer von über 15 Millionen Werktätiger, denen die neue soziale

nen Entente unter sich zustande zu bringen, womög­lich gar Rumänien und Südslawien zum Anschluß an den französisch-sowjetrussisch-tschechoslowakischen Militärpakt zu überreden. Man sieht, es waren die alten Ziele der Einkreisungspolitik eines Barthou, und es ist gewiß ein Fortschritt, wenn, wie wir oben schon kurz erwähnt haben, die Londoner Be­sprechung anscheinend auch die Reise des franzö­sischen Außenministers in den Dienst der Erkun­dung der Möglichkeiten einer Ausräumung der Differenzen gestellt hat, die bislang einer vertrau­ensvollen Zusammenarbeit zwischen den Mächten der Achse BerlinRom und den beiden Westmäch­ten im Wege standen. Das gilt vor allem für die Aufgabe, die^Delbos in Prag erwartet. Denn die Tschechoslowakei hat bis jetzt, gestützt auf das Mi­litärbündnis mit Frankreich und der Sowjetunion und immer wieder ermutigt durch die Unfreund­lichkeiten der Pariser Presse und die kühle Reserve der französischen Regierung gegenüber allen deut­schen Bemühungen um einen Ausgleich mit Frank­reich, geglaubt, sich dem Sudetendeutschtum gegen­über eine krasse Unterdrückungspolitik leisten zu können, die natürlich ein erträgliches Verhältnis zum deutschen Nachbarn unmöglich machte. Es scheint, als ob man in Paris einzusehen begonnen hat, daß diese Einstellung der Tschechoslowakei zu einer auf die Dauer nicht mehr tragbaren Belastung der europäischen Politik werden muß, und in dieser Auffassung sind die französischen Staatsmänner in London offenbar bestärkt worden. Die englische Presse hat sich schon mehrfach recht kritisch mit den unerhörten Zuständen befaßt, die die tschechische Regierung in den vorwiegend von Sudetendeut­schen bewohnten Gebieten hat groß werden las­sen. So ist auch im englischen Kabinett die Er­kenntnis gewachsen, daß man statt immer wieder in das Feuer zu blasen und der tschechischen Ueber- heblichkeit Rückendeckung zu gewähren, wie es viel zu lange Pariser Methode war, alles tun muß, um die Tschechen von der Notwendigkeit zu über­zeugen, dieses Hindernis auf dem Wege zu einem nachbarlichen Verhältnis zum Deutschen Reich durch einen von Gerechtigkeit und Verantwortungsgefühl diktierten Kurs in der Minderheitenpolitik aus dem Wege zu räumen. Unter diesen Voraussetzungen scheint England Herrn Delbos für seinen Besuch in Prag seinen Segen mit auf den Weg gegeben zu haben.

Tat der nationalsozialistischen Regierung zugute kommt. Es wird damit anerkannt, daß die deutschen Arbeiter sich für das Gelingen des Dierjahresplanes mit vollen Kräften eingesetzt haben und sich auch der Notwendigkeit fügten, auf Lohnverbefserungen zu verzichten, die nach Lage der Dinge nur zu einer Steigerung der Preise und der Lebenshaltungskosten geführt hätten. Wenn die Bezahlung der zweiten Feiertage der Wirtschaft erhebliche Opfer auferlegt, so steht andererseits doch fest, daß sich ihre Lage durch die vom Staat herbeigeführte Konjunktur so gebessert hat, daß die Mehrbelastung erträglich sein wird. Es ist zu erwarten, daß ähnlich wie beim bezahlten Urlaub durch die Vergütung des Lohnes für die erwähnten Feiertage die Arbeitsfreude der Belegschaften steigen wird, so daß im Ender­gebnis auch diese soziale Leistung einen Ausgleich im Interesse der gesamten Wirtschaft findet. Es ist ein Zufall, daß gerade in diesen Tagen die eng­lische Presse feststellen muß, daß in England 13 Mil­lionen Arbeiter ohne bezahlte Ferien sind. Ein Ver­gleich mit den deutschen Verhältnissen stellt unsere Sozialpolitik in das hellste Licht. B. R.

Weniger kompliziert werden vermutlich die Auf­gaben des französischen Außenministers in den an­dern Hauptstädten des Ostens sein. In Warschau gehört die Freundschaft zu Frankreich fo seyr zur außenpolitischen Tradition, daß man es bei der Be­grüßung des Ministers an Herzlichkeit nicht fehlen lassen wird. Sachlich wird Delbos jedoch kaum sei­nem Ziel näher kommen, als einst Barthou. Frank­reich hat sich daran gewöhnen müssen, daß man in Warschau ausschließlich polnische Politik macht. Das deutsch-polnische Abkommen hat auch dem franzö­sischen Bundesgenossen klar gemacht, daß Polen auf eigenen Füßen zu stehen gelernt hat und seine Schlüsselstellung zwischen Ost und West dazu aus­zunutzen gewillt ist, seine Unabhängigkeit nach allen Seiten hin zu wahren. So-lehnte Polen den fran­zösischen Ostpakt ab und wünschte keine Annäherung an die Kleine Entente, da es zwar zu Rumänien die besten Beziehungen unterhält, von der^Tschccho- slowakei aber sich durch die in Prag beliebte Politik gegenüber ^der polnischen Minderheit in Mähren ständig brüskiert fühlt. Nicht besser sind die Aus­sichten für Delbos in Bukarest und Belgrad. In Rumänien ist soeben erst eine Negierungskrisis durch die geschickte Politik König Carols mit der Umbildung des liberalen Kabinetts Tatarescu be­endet worden, womit der außenpolitische Kurs, der ein Bündnis mit der Sowjetunion nicht wünscht, betätigt worden ist. In Südslawien ist die Wendung vom bedingungslosen Vasallen Frank­reichs, der aus der österreichisch-ungarischen Erb­schaft auch die traditionelle Spannung zum großen Nachbarn jenseits der Adria übernommen hatte, zu einer selbständigen und unabhängigen Außenpolitik durch das italienisch-südslawische Abkommen vom März dieses Jahres deutlich geworden, ein Aus­gleich, der gezeigt hat, daß der Wille zur Verstän­digung und zu gutnachbarlichem Zusammenleben auf beiden Seiten auch über große Schwierigkeiten hinweg zum Erfolg führen kann. Mit dem soeben angekündigten Besuch des südslawischen Minister­präsidenten Stojadinowitsch in Rom so kurze Zeit vor dem Empfang des französischen Außenministers in Belgrad unterstreicht die süd­slawische Regierung den steuen Kurs ihrer Außen­politik, die darauf hinausläuft, sowohl zu Frank­reich wie zu Italien freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten, ohne sich in Dinge hineinziehen zu lassen, die die südslawischen Interessen nicht derüh-

Ein Wort -er Besinnung.

Zum Tage der nationalen Solidarität.

Das Wesen unseres Sozialismus ist nicht eine geistlose Gleichmacherei. Kein Nationalsozialist wird die Ansicht vertreten, daß etwa ein Regierungsrat an der Straßenecke Zeitungen verkaufen soll, oder daß ein Zeitungsverkäufer Referent für ein Son­dergebiet in einem Ministerium werden kann. Der Nationalsozialist achtet jeden Beruf, auch den geringsten, aber er bleibt sich dessen be­wußt, daß die Menschen und ihre Gaben ver­schieden sind, und daß es höher bezahlte und geringer bezahlte Berufe geben muß. Aber er läßt deswegen keinen Hochmut des Standes gelten. Wer 600 Mark verdient und sich daher besser kleiden kann, der ist als Mensch und als Volksgenosse darum nicht etwa mehr wert als je­mand, der sich von einem Monatsverdienst von 150 Mark keine Schneideranzüge leisten kann. Und nicht zuletzt damit dies immer wieder in die Erinnerung zurückgerufen wird, schicken ja die Ministerien ihre höheren und mittleren Beamten zur Landarbeit, auf die Baustellen, in die Fabriken. Wer einmal ernsthaft unter Arbeitern geschuftet hat, der wird überhaupt nicht auf den Gedanken kommen, jemals den Arbeiter zu verachten ober gering einzuschätzen. Im Gegenteil, er wird jetzt erst richtig spüren, was eine Volksgemeinschaft ist. Er wird sehen, daß das Leben des Arbeiters, das ihm vordem vielleicht klein und eng erschien, in Wirklichkeit sehr oft reich und stark ist, und daß der Bezirk, in dem er bisher gelebt hat, nicht selten enger und kleiner ist, als der Lebensbezirk des Arbeiters, in den er

nun einen Blick getan hat. Daraus erwächst dann ein neues Gefühl der Volksgemeinschaft, das größer und tiefer ist als das bisherige, weil es den zwei­felhaften Wert eines unkritischen Standesbewußt- seins enthüllt.

Diese Gedanken kommen uns amTag der na­tionalen Solidarität, dessen Sinn niemals darin liegen kann, daß die Nation sich einzig an diesem Tage solidarisch zu fühlen braucht. Nein, das Volk müßte an jedem Tage, zu jeder Stunde sich als eine Gemeinschaft empfinden. Nur dann wäre der Sozialismus bei uns verwirklicht. Wir wissen nun alle, daß wir noch nicht am Ziele sind, und daß wir an uns selbst noch viel Erziehungs­arbeit leisten müssen. Und darum sind solche Tage, wie dieser, für uns nötig, weil sie wie ein mächtiger Paukenschlag in unsere Ruhe hineinhallen. Sie sollen uns immer wieder zur Besinnung bringen: Tustdu deine Pflicht in der Volksgemein­schaft? Bist du in deinem kleinen Lebensbezirk ein vorbildlicher Volksgenosse oder redest du bloß in tönenden Worten vom Nationalsozialismus?

Wenn uns dieser Tag wirklich zur inneren Be­sinnung bringt, dann hat er bei uns seinen Zweck erfüllt. Sonst bleibt er eine leere Geste. Nichts ist ja leichter, als eine schöne Geste der Volksverbunden­heit zu machen, bei der man nur sich selbst im Spiegel sieht. Nichts aber ist schwerer, aber auch notwendiger und dankbarer, als mit sich selbst ins Gericht zu gehen und sich zu prüfen: Hast du recht getan, und was kannst du in Zukunft besser machen?