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Gruppen 8 und 9/116 Grünberg.
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Gruppen 6 und 10/116 kommen nach Großen-Buseck.
Die Gruppen 11 (halb) nach Lich.
Die Gruppen 14, 15, Großen-Linden.
Betriebsführer und chre Kraft der deutschen Landwirtschaft zur Ver-
Die Sicherstellung der Ernährung des deutschen Volkes erfordert eine ausreichende Bereitstellung von Arbeitskräften für die Bearbeitung des deutschen Bodens.
Eine befriedigende Lösung dieser wichtigen Auf
fügung stellen.
Die bisher beobachtete Neigung eines Teils der ländlichen Bevölkerung, chre auf dem Lande groß gewordenen Kinder zur Abwanderung in nichtland- wirtfchaftliche Berufe zu veranlassen, ist ebenso zu verwerfen, wie die noch bestehende Hebung eines Teils der landwirtschaftlichen Betriebsführer, ihre Arbeiter in den Wintermonaten ohne zwingenden Grund zu entlassen. Vielmehr muß das landwirtschaftliche Arbeitsverhältnis zu einer das ganze Jahr über dauernden Beschäftigung ausgestaltet werden. Nur so erhalten wir einen landverbundenen seßhaften Landarbeiter.
Bei der zunehmenden Verknappung an landwirtschaftlichen Arbeitskräften ist es Pflicht jedes Betriebsführers, soweit als möglich seine Arbeiter auch den Winter über weiter zu beschäftigen und bereits jetzt für das Jahr 1938 Dauerarbeitsoer
träge abzuschließen. Betriebsführer, die in den Wintermonaten ungerechtfertigte Entlasiungen vornehmen, können mit der rechtzeitigen Gestellung von Arbeitskräften nicht rechnen. Das in diesem Jahr von einem Teil der landwirtschaftlichen Betriebsführer geübte Verfahren der selbständigen Hereinholung von ausländischen Arbeitskräften ist im nächsten Jahr im Hinblick auf eine gerechte Verteilung auf die Gesamtlandwirtschast nicht mehr möglich.
Landwirtschaftliche Betriebs sichrer, die für das Jahr 1938 landwirtschaftliche Arbiter benötigen, werden hierdurch aufgefordert, bei dem zuständigen Arbeitsamt auf den Vordrucken ihren Kräftebedarf für 1938 bis spätestens 15. November dieses Jahres anzumelden.
Die Arbeitsämter geben Auskunft über Voraussetzung und Möglichkeiten des Durchhaltens über den Winter und der Wiederverpstichtung von zur Zeit im Betriebe beschäftigten Wanderarbeitern; über die Vermittlung von verheirateten und sonstigen Dauerarbeitskräften; über den Einsatz von Einzellandhelsern und Landhelfergruppen sowie über alle sonstigen Fragen des laichwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes.
Die wir auf Anfrage bei dem fireisbeauf- tragten des DHD. hören, beläuft sich die diesjährige Larloffelfpende unserer Bauern und Landwirte des Kreises Detteran auf etwa 25 OOO Zentner. Bis zum Eingang der Schluß- Meldungen, die im Laufe der nächsten Tage erwartet werden, ist unter Umständen sogar mit einer Gesamt-Lartoffetspende unserer Bauern und Landwirte in Höhe von etwa 30 OOO Zentner zu rechnen.
Mit diesem sehr erfreulichen Ergebnis der Kar- tosfelspende haben sich unsere Volksgenossen in den
Die Gruppen 17, 18, 19/116 kommen nach Klein-Linden.
Die Gruppen 5 unb 7/116 kommen nach Men-
Landorten des Kreises Wetterau erneut um die Forderung des Gemeinwohls verdient gemacht, insbesondere haben sie den hilfsbedürftigen Volksgenossen in Stadt und Land eine wertvolle, mit herzlichem Danke aufgenommene Hilfe zuteil werden lassen.
Aus dieser Kartoffelspende des Kreises Wetterau konnte unser Kreisbeaustragter des WHW. über die Gauamtsleitung
20 000 Zentner Kartoffeln dem Kreisbeauftragten des DhD. für Groh-Frankfurt zur Verteilung an hilfsbedürftige Familien in Frankfurt a. 2TL
zur Verfügung stellen. Diese Menge wird in etwa 100 Waggons, die in diesen Tagen auf den einzelnen Stationen verladen werden, nach Frankfurt am Main rollen. Die übrigen Mengen der Kartoffelspende verbleiben im Kreis Wetterau, um hier in den Stadtbezirken an hilfsbedürftige Volksgenossen ausgegeben bzw. zu einem kleineren Teile als Reserve für unvorhersehbare Anforderungen aufbewahrt zu werden.
Die Führerinnen des Standortes Gießen haben ihre Schulung erst am 13. November, nachmittags 14.45 Uhr in der DJH. bis abends um 20 Uhr, da am 7. die Jugendherberge besetzt ist.
Die Standorte der JM.-Gr. 11/116 Ober-Hörgern, Eberstadt, Muschenheim, Bettenhausen nehmen an der Schulung in Lich teil.
Die Standorte der JM.-Gr. 11/116 Bellersheim, Obbornhofen, Inheiden, Trais-Horloff und Utphe nehmen an der Schulung in Hungen teil.
BDM. Unfergau 116.
Der für Freitag, 5. November, angesetzte Dolks- tanzabend fällt aus, da die M.-Gr. 3/116 Gruppenappell hält. Er wird daher auf Freitag, 12. November, verlegt.
mit sicherem Instinkt der Gefahr entronnen.
Nur seine Herrin besaß diesen Instinkt nicht, und das wäre ihr um ein Haar sehr schlimm bekommen. Woraus sich wieder ergibt, daß es in jedem Falle besser ist, wenn wir uns an die gegebenen Vorschriften halten. Denn es ist immerhin ein Unterschied, ob ein Hund oder seine Herrin einen Sprung ins Ungewisse tut. Und sei es auch nur ein kleiner Sprung auf die Fahrbahn. Sch.
Lornoiizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Stadttheater: 20 bis 22 Uhr 1. Orchesterkonzert „Richard-Wagner-Abend". — Gloria-Palast, Sel- tersweg: ,^Husaren heraus". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Landstreicher".
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet das erste Orchesterkonzert des großen städtischen Orchesters in Verbindung mit dem Konzertverein statt. Das städtische Orchester ist in diesem Jahre auf 50 Mann verstärkt worden und hat im ©ommer im Staatsbad Nauheim vor einem internationalen Publikum große Erfolge erzielt. Der heutige „Richard-Wagner-Abend" ist die erste Sonderveranstaltung des neuen Orchesters unter Leitung des Kapellmeisters Paul Walter. Als Solist wurde Opernsänger Jean Stern vom Frankfurter Opernhaus verpflichtet. Beginn 20 Uhr, Ende 22 Uhr.
„Schneewittchen" im Stadtthealer.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben:
Das Stadttheater hat soeben „Schneewittchen", ein Märchen m 6 Bildern nach den Gebrüdern Grimm von Trude Wehe, zur Aufführung angenommen. Die Erstaufführung findet am 28. November statt. Intendant Hermann Schultze-Griesheim studiert das Märchen ein.
BDM.-u. ZM.-ilntergau 116, Gießen.
Die 4. Morgenveranstaltung des Stadttheaters „Kammermusik von Brahms" kann von allen Mitgliedern des HJ.-Theaterrings gegen Dorzeigen des BDM.-Mitgliedsousweises und des HI.-Theater- ringausweifes zum Preise von 0.25 RM. besucht werden. Beginn: 11.30 Uhr.
Befr.: Arbeitsbesprechung der Mdel Gruppensührerinnen.
Am Freitag um 17.30 Uhr findet auf der Dienststelle des Untergaues eine wichtige Arbeitsbesprechung aller Mädel-Gruppenführerinnen statt. Erscheinen ist Pflicht! Soweit die auswärtigen Gruppenführerinnen bann noch Gelegenheit haben, nach Hause zu fahren, nehmen sie anschließend an der HJ.-Arbeitsgemeinschast teil.
Bett.: BDM.-Schulung.
Am Sonntag, 7. November, findet die 2. Wochenendschulung statt. Beginn in allen Schuluno dorten um 8 Uhr. Es ist auf jeden Fall Turnzeug mit« zubringen.
Die Schulung, die sonst in Lang-Göns stattgefunden hat, ist nach Watzenborn-Steinberg verlegt.
Diejenigen Mädel, die an den Schulungen in Gießen teilnehmen, sind pünktlich um 8 Uhr an der Dienststelle des Untergaues angetreten, und werden von hier aus den beiden Schulungen zugeteilt.
Bett.: J7Il.-Schulung.
Am Sonntag, 7. November, findet die 2. Winter- Wochenendschulung des JM.-Untergaues statt. Alle IM. - Gruppen-, Schar- und Schaftsführerinnen nehmen daran teil. Die Schulung findet in den Heimen statt. Mitzubringen sind: Turnzeug, Liederbücher und Schreibzeug. Für die Werkarbeit: gummiertes Glanzpapier, Klebstoff, kleine und größere Schere, Lineal. Außerdem Brotbeuteloerpflegung für den ganzen Tag und Trinkbecher.
7lSV. Ortsgruppe G eß-n-Mitte.
Bett.: Kohlenabrechnung am 5. November.
Die Kohlenhändler werden ersucht, die Kohlenscheine der Serie A am Freitag, 5. November, 20% Uhr, auf unserer Geschäftsstelle (Zigarrenhaus Moeser), Eingang Löwengasse, einzureichen. Es wird hiermit daraus hingewiesen, daß die Rückseite der Kohlenscheine außer der Unterschrift des Händlers auch die Unterschrift des Empfängers, desien Wohnung, Straße und Hausnummer und die genaue Bezeichnung der Kohlensorte tragen muß. Nach dem 5. November 1937 eingereichte Scheine sind wertlos.
WHW. Ortsgruppe Süd.
Kohlenabrechnung.
Die Kohlenhändler werben aufgeforberf, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine ber Serie „A" am Donnerstag, 4. November, von 19.30 Uhr bis 20.30 Uhr auf ber Geschäftsstelle, Crebnerfttaße Nr. 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen.
Steigende Motorisierung.
LPD. Nach einer soeben vom Statistischen Reichsamt erfolgten Sonderveröffentlichung über den Bestand an Kraftfahrzeugen im Deutschen Reich stieg im Land Hessen Die Zahl der Kraftfahrzeuge im letzten Jahr von 48 337 am 1. Juli 1936 um 8110 Fahrzeuge auf 5 6447 am 1. Juli 1937.
sekunde. Daß er Kaltblütigkeit aenug besaß, das /. .... ... . . .. „
Steuer herumriß unb zugleich Die Bremsen zog, 7— ---- v - . • ■
gedieh Fiffis Herrin zum Segen. So geschah es, Jahren haben die Bauern und Landwirte des Krei- daß sie fasiungslos und an allen Gliedern zitternd fes Wetterau (umfassend die politischen Kreise Gie- mitten auf der Straße stand — eine Verkehrs- 6en und Friedberg) in anerkennenswerter Weise ünDerin. I auch bei den Kartoffel speich en voll und ganz ihren
Natürlich gab es einen kleinen Austaus köpf- Mann gestanden. D4e gleiche vorbildliche und dan- schüttelnder Passanten, die mit allerlei Ausdrücken kenswerte Tatbereitschaft im Kampf gegen Hunger nicht sparten. Unterdessen saß Fiffi schweifwedelnd und Kälte haben die Bauern und Laichwirte im auf dem jenseitigen Bürgersteig wo er mit mun-. Kreise Wetterau auch bei ber biesjafjrißen. Xa r« teren Augen feine Herrin erwartete. Er hatte rasch 10 f f e l s p e nbe für bas W interhilfs« Reißaus aenommen unb wäre sicherlich sowieso werk wieder an den -tag gelegt
Arbeitskräfte für hie SrzeiWNgsschkachk 1038
Anmeldung des Bedarfs.
M.... * e.-.-... « Hu,- Kartoffelspende im Kreis Wetterau
Für die einzelnen Kreise wurden folgende Bestands- Ziffern ermittelt: Kreis Bensheim 2358 (am 1. Juli 1936: 2041), Darmstadt 7406 (6724), Dieburg 2295 (1928), Erbach 1870 (1772), Groß-Gerau 2900 (2868), Heppenheim 2008 (1659), Offenbach 7743 (6193), Alsfeld 1380 (1042), Büdingen 1303 (1078), Friedberg 4104 (3479), Gießen 4648 (3866), Lauterbach 1065 (907), Schot- ten 930 (716), Alzey 1811 (1594), Bingen 1743 (1254), Mainz 7525 (6424), Oppenheim 1449 (1355), Worms 3909 (3437).
Oie Werkschar
der Opelwerke Rüsselsheim in Gießen.
Am Sonntag besuchte — wie man uns berichtet — auf Einladung der Firma Bänninger in Gießen eine Werkschar ber Opelwerke Rüsselsheim in Stärke von 60 Mann diesen Gießener Betti ed.
Die Werkschar Bänninger war zur Begrüßung im Fabrikhof vollständig angetreten, preiswert- schar-Bannführer Schmid t begrüßte die Gäste und wünschte, baß im Laufe des Tages die beiden Werkscharen von Opel und Bänninger echte Kameradschaft schließen möchten. Sodann begrüßte der Stellvertreter des Betriebsführers, H u 11 e l, die Gäste unb betonte, daß man in Zukunft in einem Betrieb nur von einer Gemeinschaft sprechen könne, wenn eine Werkschar vorhanden sei. Er wünschte den Gästen angenehme und frohe Stunden.
Der Haupt-Werkscharführer der Dpehoerfe, Pg. Brunken, dankte der Bettiebsführung für die Einladung, das Werk besichttgen zu dürfen. Er sprach sodann die Hoffnung aus, daß er die Werkschar Bänninger, sowie die Betriebsführung in nächster Zeit auch einmal in Rüsselsheim erwarten dürfe. Anschließend überreichte er dem Betriebsführer als Geschenk ein Buch von ber Entwicklung der Firma Opel. -
Nach der Besichtigung des Betriebes fuhren die beiden Werkscharen zur Besichtigung der Gießener Veterinär-Kliniken und des Anatomischen Instituts. Der Tag fand seinen Abschluß im „Frankfurter Hof".
Bcuw.Lister-Togung in Gießen.
Man berichtet uns: Auf Einladung der Berufs« gruppe der Baumeister und Absolventen der höhe« ren' technischen Lehranstalten fand am Samstag- nachmittag im CafL 11. C. eine Zusammenkunft der Gruppe ber deutschen Baumeister in der Gesellschaft für Bauwesen im NSB. Deutscher Techniker, Bezirk Gießen, statt, zu ber außer hiesigen Berufs- fameraben auch Vertreter aus Frankfurt a. M., Wetzlar und ber weiteren Umgebung erschienen waren.
Pg. Stadtbaumeister Siebte (Berfin) erklärte Zweck und Ziel des Zusammenschlusses in ber Deutschen Gesellschaft für Bauwesen und gab bekannt, baß er den ehemaligen Reichsverband ber Deutschen Baumeister am 31. Juli b. I. in Ehe-mnitz aufgelöst habe, nachdem eine große Anzahl Berufskameraden bereits in die Deutsche Gesellschaft für Bauwesen unb damit in den Nat-Soz. Bund Deutscher Technik überführt waren. Wetter wurde ausgeführt, baß die großen Aufgaben, wie die berufliche, die technisch-wissenschaftliche Arbett und die technisch- politische Schulung in Angriff genommen seien Der Redner forberte alle noch fernstehenden Beruss- fameraöen auf, sich heute noch zur Mitardett anzuschließen.
Der als Letter des NSB. Deutscher Technik, Ortsgruppe Gießen, anwesende Pg. Diplom-Ingenieur Schaffner machte ebenfalls Ausführungen über den Zusammenschluß ber deutschen Techniker. Hiernach ist es nur möglich, über einen Fachverb and, wie die Deutsche Gesellschaft für Bauwesen. Mitglied im NSBDT-zu werden. Nach wetteren Darlegungen des Pg. Schaffner erklärte er die Gruppe ber Deutschen Baumeister in ber DGsB. in Gießen als gegründet unb bestimntte als vorläufigen Leiter Bauoberinspektor Sern.
Nach einer befruchtenden Aussprache trat eine große Anzahl Berufskameraden dem Verband bei mit dem Willen, an dem großen Werk, bas der ge-
Blondine setzt sich durch
Vornan von
Hans-Joachim Zreiherrn von Reihenstein
Copyright by Earl Duncker
16 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Man sprach in den nächsten Tagen viel von den Festtorbereitungen. Des Hausherrn junges Leben war oollständia damtt ausgefüllt, Weine, Liköre, Zigarren und Zigaretten zu besorgen ßueienne kannte kein anderes Gesprächthema mehr in den kurzen Zetten, die sie zu Hause verbrachte.
Blondine hatte neben laufender Arbeit alle Hände voll für das Fest zu tun. Aber sie glühte vor Freude. An den Abenden richtete sie in ihrem Zimmer ihr Gesellschaftskleid her. Sie nähte den Ausschnitt etwas tiefer, damit es festlicher wurde. Sie bügelte es auf unb sah ihre zarteste Wäsche durch. Sie kaufte sich neue seidene Strümpfe. Tagelang überlegte sie, ob sie auch ein Paar neue Schuhe nehmen sollte, entschied sich aber dann Dafür, die schwarzen Wildlederpumps nicht nur zum drittenmal gründ- lich mit ber Gummibürste zu bearbeiten, sondern sie auch noch zu pudern.
Am Mittag des Festtages kam ßueienne, gegen chre Gewohnheit, aus dem Atelier herübergeflitzt. Da sie gerade in Neubabelsberg filmte, so ließ es sich einrichten, daß sie für Minuten abkam.
Blondine hatte die Tafel, wie versprochen, fertig gedeckt, ßueienne war sehr zufrieden.
„Nur noch die Tischkarten, gnädige Frau. Wollen Sie mir bitte die Namen ansagen?"
„Ich schreibe sie Ihnen gleich auf." ßueienne ging durch die offenen Portieren der Zimmerflucht und setzte sich tm Damenzimmer an ihren Schreibtisch.
Blondine war ihr gefolgt unb stand hinter ihr.
„Uebrigens, Fräulein Hertel", sagte ßueienne, den Bleistift in ber Hand haltend, über chre Schul- ter weg, .ehe ich es vergesse. Sie merken ja, wieviel von diesem Abend für mich abhängt. Ich hatte erst gedacht. Sie sollten, wie immer, bei Tisch mit uns essen. Aber dann würde ich zu unruhig sein.
Ich brauche gerade heute jemand, der hinter Den Kulissen alles überwacht. Seien Sie doch so lieb, während des Abends in der Küche zu bleiben und ein Auge auf alles zu hatten. Ich muß den Kopf für unsere Unterhaltung frei haben. Es geht um mehr für mich, als ich Ihnen jetzt sagen Darf. Nicht wahr. Sie passen draußen schön auf alles auf?"
Blondine war erblaßt. „Selbstverständlich, gnädige Frau."
„Bitte, liebes Fräulein Hertel." ßueienne reichte ihr das Blatt.
Und Blondine los die Namen, von denen jeder einzelne die Verwirklichung eines Mädchentraumes bedeutete: drei Filmstars von internationalem Rang. Ein Filmdirektor aus Hollywood. Mr und Mrs. Stone, die von der Weltreise kamen Mit chnen ein ehemaliger Offizier ber englischen Armee, ber als Forschungsreisender einen ' großen Ruf hatte und gerade von Indien zurück war Alles Namen, die jeder kannte. Nomen, die in der Welt eine Rolle spielten. Namen, die sie heute auf Tischkarten schreiben durfte.
ßueienne reichte ihr die Hand. Sie ahnte nicht, was sie _ angerichtet hotte. „Ich muß mich noch etwas fiisch machen. Dann fahre ich wieder zurück ins Atelier."
Als Blandine aus dem Wohnzimmer trat, in dem ßueienne ihr die Namen für die Tischkarten in die Hand gedrückt hatte, begegnete sie in der Diele dem Chauffeur.
Franz Lüdtke hatte gerade die Post abgenommen. Er hatte sämtliche Kuverts geprüft und um und um gedreht. Jetzt war er dabei, eine Karte zu lesen, die auch nicht an ihn mar
Er hatte das Fräulein immer mit Wohlgefallen betrachtet. Heute sah er mit Anteilnahme, baß sie litt. Denn Blandine war blaß, hatte scharfe Züge unb sah vor sich hin, ohne jemand zu sehen.
„Ist Ihnen nicht gut, Frollein?"
Blandine hörte eine mitleidige Menschenstimme. Sie hob den Kopf und sah in ein Paar mitleidige Augen.
Der geschärfte Blick des Mannes umfaßte noch einmal ihre Gestalt. Sie hing in den Seilern Frau Molny hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen,!
nachdem sie ganz gegen chre Gewohnheit plötzlich mittags hereingeschnett war.
„Aerger gehabt, Frollein?" fragte er mit ehrlicher Anteilnahme.
Da traten Blandine die Tränen in die Augen, ohne daß sie es hindern konnte. Sie mußte etwas sagen von dem, was sie litt, sie konnte nicht immer alles hinunterschlucken. Und sie wollte auch freundlich gegen diesen einfachen Menschen fein, der gut zu ihr war.
„Gott, bas kommt doch bei unfereinem gar nicht daraus an." Sie zuckte hilflos die Achseln.
„Na, na Frolleinchen", begütigte er. „Es können ja auch mal andere Zeiten kommen." Und ein sehr warmer Blick traf sie. So warm, nicht nur von Anteilnahme.
Blondine wurde unbehaglich zumute. Sie warf den Kopf auf. „Na, man muß eben sehen, wie man drüber weg kommt." Sie grüßte freundlich und ging.
ßueienne saß in ihrem Schlafzimmer. Sie mußte sich wirklich etwas erfrischen. Ader dos mußte durch äußerliche Mittel unb für Den Augenblick erreicht werben.
Am liebsten hätte sie jetzt ein paar Stunden geschlafen. Wie sollte das bloß heute abend noch werden? Sie fühlte sich wieder einmal vollständig erschöpft und ausgepumpt.
Heber zwanzig Jahre Atelierlust, über zwanzig Jahre rasende Arbeit — Arbeit an sich, um aus der ungebildeten Unteroffizierstochter etwas zu machen. Kein Geld, keine Hilfe, keine Anleitung von einer andern Frau. Hundert Blamagen, die schmerzten. Hundert Fehler, die Geld und Nerven kosteten und nur den Zweck hatten, daß man an ihnen lernte. Fehlschläge im Beruf und im gesellschaftlichen ßeben und Arbeit, unermüdliche Arbett, von früh am Morgen bis spät am Abend, um heraufzukommen. Und bann erst bas Schlimmste: sich oben hatten. Neid unb Intrigen, Mißgunst solcher, die weniger begabt oder einfach weniger fleißig waren. Und bann bie Konkurrenz derer, die jünger und frischer waren als sie. Und bas fortwährende Sichkasteien, bis einem vor Hunger schwindlig wurde. Nicht aus- schlafen Dürfen, wenn einem die Augen vor Müdigkeit zufielen. Alles, damit man dem süffisanten Blick des Regisseurs standhallen konnte, wenn in den
Manuskripten von der knabenhaften Schlankhett ber Heldin die Rede war.
Und wenn es wenigstens frauliche Eitelkeit gewesen wäre, bie sie trieb, sich jung unb schlank zu erhallen. Was sie trieb war einfach ber stets drohende finanzielle Zusammenbruch, ßueienne war in den letzten Jahren nicht dazu gekommen, auch nur einen Pfennig zu ersparen. Bald nach chrer Hettat wuchs der Etat des Hauses jo sehr, baß er sogar ihr großes Einkommen oft überstieg. Der größte Posten Darin aber war Harrys Taschengeld.
Einmal, im Anfang chrer Ehe, war es vorgekommen, daß ihr Mann chr seine Spielschulden beichtete. Mit dem angeborenen und anerzogenen Sinn für Ordnung, Den sie als Militärkind hatte, war sie sofort Daran gegangen, diese Schulden einzulosen. Sie hatte eine große Hypothek auf chr Haus aufnehmen muffen, an Deren Zinsen sie nun wetterzahlte. So mar auch dieses Wertobjekt für sie wertlos geworden.
Und aus dieser Angst heraus schmiedete diese aus kleinen Verhältnissen stammende Frau, Die im Grunde eigentlich immer Das einfache unb bescheidene Mädchen ßueie Müller geblieben war, Pläne bei Tag und bei Nacht Sie ^erarbeitete chr müdes Gehirn und hetzte chre Phantasie. Und heute würde sie mit allen gesunden und ungesunden Mitteln ihre ermattende Seele und ihren müden Körper aufpeitschen müssen, um die unwiderstehlich bezaubernde und schöne ßueienne Molny zu fein — und endlich wieder einen festen Kontrakt zu bekommen, ber sie nicht zu einer Veränderung ihrer Lebenshaltung zwang und sie öon chren ewigen Geldsorgen befreite.
Aber davon konnte sie zu Blandine ja nicht sprechen.
Davon Durften natürlich auch ihre Gäste nichts wissen. Wenn einer wußte, wie es um ihren inneren und äußeren Menschen stand, bann würde man ihr keinen langjährigen Konttakt anbieten.
Sachlich überlegte ßueienne Molny, welches Reizmittel sie heute abend würde anwenden müssen unb wie lange es Vorhalten mußte, um sie als Die gra- ziöse, spielerische, übermütige und geistsprühende Frau erscheinen zu lassen, die sie nicht mehr war.
Fortsetzung folgt


