schäft eine starke pappe als Unterlage für die Dettkampfliste und ein Bleistift.
Vetr.: Reichssporlwettkampf sUnterbann 1/116).
Alle Einheitsführer (vom Scharführer aufwärts) und Mitarbeiter haben am 6. Juni, pünktlich 7.45 Uhr, auf dem Universitätssportplatz anzutreten.
Die Siegerehrung für alle Gießener Einheiten (Ges. 1/116 bis 5/116 und Sonderformationen) findet am 6. Juni, um 12.30 Uhr, auf dem Universi- tatssportplatz statt.
BOM., Llntergau 116, Sieben.
Dienstbefehl!
Am Samstag, 5. Juni, um 20.15 Uhr, treten sämtliche Gruppen-, Schar- und Schaftsführerinnen des Standortes Gießen und Wieseck am Ludwigs- platz an. Turnzeug ist mitzubringen bzw. unterzuziehen.
Am Sonntag, 6. Juni, um 9 Uhr, treten die Handballmannschaften der Gießener Mädelgruppen zum Training und Vorentfcheid für das Untergausportfest am BDM.-Sportplatz (Eulenkopf) an.
Der 13. Juni ist von jedem BDM.- und JM.- Mäüel freizuhalten, da zum Untergausportfest jedes Mädel und Jungmädel antreten muß.
Vetr.: Deidig-Verglurnfest am 12. und 13. 3uni in Buhbach.
Alle Mädel, die an dem Weidig-Bergturnfest in Butzbach teilnehmen, melden sich unverzüglich bei der Gruppenführerin.
Pfarrerwechsel in Sieben.
Durch Entschließung des Landeskirchenausschusses wurde Pfarrassistent Walter Bangert zu Gießen die mkarische Verwaltung der Reformationsgemeinde zu Darmstadt mit Wirkung vom 16. Mai ab übertragen. Mit Wirkung vom 1. Juni ab wurde Pfarrvikar Walter C o r o i n u s zum Verwalter der Pfarrei Königstädten, Dekanat Groß-Gerau, ernannt. Die Verwaltung der Pfarrassistentenstelle der Gesamtgemeinde zu Gießen wurde mit Wirkung vom gleichen Tage dem Pfarramtskandidaten Walter Paetow zu Rixfeld (Oberhessen) übertragen. Die Matthäusgemeinde zu Gießen wurde mit Pfarrer Karl Schmidt in Alzey besetzt; auf die dortige zweite Pfarrstelle kommt als Verwalter Pfarrverwalter Rudolf D a m e r a u zu Gießen, Matthäusgemeinde.
Hundertjahrfeier des Gleiberg-Vereins
Am heutigen Freitagabend bringt der Gleiberg- Verein den Auftakt zu seiner Hunüertjahr-Feier in Gestalt eines Festabends in Gießen im Cafe Leib. Der Landschaftsleiter des Landschaftsbundes „Volkstum und Heimat", Ministerialrat Ringshausen, wird eine Ansprache an die Besucher richten. Hierauf wird das von Oberstudiendirektor Philipps (Friedberg) verfaßte Volksspiel „Im Gasthaus zur Spießpforte zu Gleiberg" aufgeführt. Diese Aufführung wird am morgigen Samstag in Krofdorf- Gleiberg ihre Wiederholung finden. Am Sonntag wird die Jubiläumsfeier mit Volksfest auf Burg Gleiberg abschließen.
Heichsfachschast
Deutscher Werbefachleute NGROW.
Man berichtet uns: Am Mittwoch hielt die Re-ichs- fachschaft Deutscher Werbefachleute im „Auerhahn- Bräu" ihre Monatsversammlung ab. Rach Begrüßung durch den Ortsfachgruppenleiter B r i o l a gedachte man der Toten des Panzerschiffes „Deutschland".
Hierauf erteilte der Ortsfachgruppenleiter dem Kollegen Schuster, einem Werbefachmann unserer Stadt, das Wort zu einem Vortrag über die von kurzem eröffnete Höhere Reichswerbeschule in Berlin. Der Vortragende, der einen Kurzlehrgang an der Höheren Reichswerbeschule mitgemacht hat, betonte vor allem, daß es Zweck dieser Schule sei, den Werbefachleuten, gleich ob sie Gebrauchswerber, Betriebswerber oder Verkehrswerber sind, eine 100- prozentige Ausbildung zu geben, damit der Werbefachmann den Anforderungen des Staates und der Wirtschaft vollauf gerecht werden könne. Gerade in einem Staate, der ein Propaganda- und Werbeministerium besitze, würden an den Werbesachmann hohe Anforderungen gestellt. Mit Begeisterung sprach Kamerad Schuster von der Kameradschaft in dieser Schule, von dem wirklich nationalsozialistischen Geist, der die Grundlage dieses Werbehauses sei. Er erzählte seinen Kameraden, daß Dozenten aus der Praxis den Lehrplan bestritten.
Alarm um Tränengas.
Erlebnisse beim Lustschutz-Lehrgang des BOM.-Obergaue
NSG. Der viertägige Luftschutzkurs des Obergaues war zu Ende. Wir hatten geübt und gelernt — und wieder geübt und gelernt: Masken auf, Masken ab, Filterwechsel, Fliegerdeckung! Und wer beim Hinlegen nicht hübsch die Nase zur Seite drehte, brachte sie in unangenehme Berührung mit dem „Schnuller", das ist der Filter an der Gasmaske. War die Praxis vorbei, gings gleich wieder zum theoretischen Unterricht. Was haben wir nicht alles kennen gelernt: Fliegerbomben aller Art, die verschiedenen Kampfstoffe und ihre Wirkung, die Organisation des Luftschutzes und vieles andere, was mit dem Luftschutz zusammenhängt.
Am schönsten und aufregendsten waren natürlich die praktischen Uebungen, die immer ganz überraschend kamen. Einmal besichtigten wir gerade einen vorbildlich eingerichteten Luftschutzraum und ließen uns von unserem Schulungsleiter alles erklären. Plötzlich knallen Schüsse in den Raum und ehe wir uns recht überlegen, weshalb hier eine Schießerei stattfindet, quellen uns schon die Augen über und „tröppeln" wie ein undichter Wasserhahn. Man hatte Tränengaspatronen in den Raum geschossen. Nun aber raus aus diesen unfreundlichen Gemächern! Kehrt, marsch, Richtung Eingangstür! Ja Kuchen! Die ist von außen zugesperrt! Bleibt nur der Notausgang, aber der ist außen mit Brettern abgedichtet! Das ist für uns aber kein Hindernis! Schnell sind die Bretter abgerissen und mit affenartiger Geschwindigkeit flitzt alles an die frische Luft. Einige Mädel hatten zufällig ihre Gasmasken mit, die konnten sie gleich drinnen aufsstzen und blieben so von dem großen Weinen verschönt.
Die interessanteste Uebung hatten wir am Schluß des Lehrganges. Es wurde dabei das geübt, was im Ernstfälle die verschiedenen Hausbewohner (Luftschutzhauswart, Hausfeuerwehr, Laienhelfer) zu tun
to.
haben. Alte Leute, Frauen und Kinder, überhaupt alles, was nicht zu einer bestimmten Tätigkeit eingeteilt ist, geht, mit Lebensmitteln und Wasser versorgt, in den Schutzraum. Dor dem Schutzraum befindet sich die „Gasschleuse", das ist ein Dorraum, in dem Verwundete und Kampfstoffvergiftete, die von der Straße hereingebracht werden, die erste Hilfe erhalten.
Bei unserem Fliegeralarm eilte jeder auf seinen Posten. Da öffnet sich auch schon die Tür der Gasschleuse und „Annemarie" wird hereingetragen. Sie muß einen Gasvergifteten spielen. Schnell werden die „vergifteten Kleider" ausgezogen und ins Wasser gesteckt. Dann wird sie in warme Decken gehüllt und hinaelegt. Es ist viel Betrieb hier unten, aber oben auf dem Dachboden geht es noch ganz anders her! Dort ist das Wirkungsfeld der Hausfeuerwehr. Stellt euch einmal vor, wie wir „Feuerwehrleute" ausgesehen haben, in Schutzanzügen, Gasmasken und Stahlhelm. Unsere vier Feuerwehrleute waren vorerst auf die verschiedenen Stockwerke verteilt, um aufzupassen, ob irgendwie eine Brandbombe einschlägt. Meistens fallen die Brandbomben auf den Dachboden, und dort sitzt „Mimi", unser „Feuerwehrhauptmann", in der Hand das Alarmgerät (eine Bratpfann und ein Kochlöffel). Damit gongt sie jetzt feste, mehr laut als melodisch, um Hilfe herbeizurufen, denn ein Feuerwehrmann (diesmal ein richtiger) hatte an verschiedenen Stellen des Gebälks Brandsätze zur Entzündung gebracht, und für die Hausfeuerwehr gilt es jetzt, diese Brände vorschriftsmäßig zu löschen. Gerade sind wir damit fertig, da heult eine Sirene auf. Der Fliegeralarm ist beendet. Autatmend versammeln wir uns im Schulungsraum und stellen mit Befriedigung fest, daß die Sache prima geklappt hat.
Ruth Harbauer.
daß man Vorträae höre über die wirtschaftliche Bedeutung der Werbung, Textgestaltung, Wettbewevbs- recht, „Deutsche Werbung", Bedeutung des Films als Werber usw. Besichtigungen, die die Ausführungen der Dozenten unterstreichen sollten — wie 3um Beispiel: Messeausstellung, Funkgebäude, 3n= oustriewerke, Haus der deutschen Presse, Ufa usw. —, seien im Lehrplan festgelegt. Die Reichswerbe- schule, so betonte der Vortragende, sei der Typ des neuen deutschen Lehvinstituts. Zum Schluß seiner Ausführungen gab Herr Schuster der Hoffnung Ausdruck, daß möglichst viele seiner Kollegen diese Schule besuchen möchten, da der Werbesachmann in vorderster Front tätig sein soll am Aufbauwerk unseres Führers. Die Ausführungen wurden mit großem Beifall auf genommen.
Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten schloß der Ortsfachgruppenleiter die Versammlung in Üblicher Weise.
Gießener Frauen auf der Ausstellung „Die Familie"" in Frankfurt.
Die Mitglieder der Gießener Frauenschaft und des Frauenwerks unternahmen am Mittwoch eine Fahrt nach Frankfurt, um die Ausstellung zu besichtigen, die auf dem Messegelände vom Reichsausschuß für Volksgesundheit gezeigt wird. Eine Vertreterin der Gaufrauenschaft begrüßte vor der Ausstellungshalle die Teilnehmerinnen und erklärte auf einem Rundgang durch die Säle die verschiedenen Darstellungsgebiete.
In den ersten Räumen sieht man in anschaulicher Art alle bevölkerungspolitischen Fragen behandelt, wie die Erb- und Rassenpflege, die Sippenforschung und die (Einrichtung eines Familienarchivs. Hier wird ein Ahnenschrein gezeigt mit Bildern der Vorfahren und ihrer Heimat, mit Wappen und Dokumenten, der in der Familienecke des deutschen Hauses seinen Platz finden soll und bei festlichen Gelegenheiten geöffnet wird. Besondere Aufmerksamkeit verdienten die Darstellungen des Deutschen Frauenwerks, bei dem vor allen Dingest die Leistungen und Bestrebungen des Reichsmütterdienstes umfassend gezeigt wurden. Nachdem in einer Abteilung, die dem Siedlungsgedanken gewidmet ist, ein großes Modell eines Siedlerhauses für die kinderreiche Familie betrachtet wurde, sah man in den folgenden Räumen die praktischen, einfachen Möbel zur Einrichtung einer Wohnküche, eines Kinderzimmers und eines Wohnzimmers. Hier sollte einmal gezeigt werden,
wie eine Vollfamilie sich mit beschränktem Wohnraum und bescheidenen Mitteln doch sehr behaglich und praktisch einridjten kann. In den weiteren Räumen zeigten Tabellen und Bilder die Arbeit und die Aufgaben der Gesundheitsämter und der Organisationen der Partei, wie der NSV., der Arbeitsfront, des Amtes „Kraft durch Freude", die alle Hand in Hand wirken, um die Erstarkung der Volksgesundheit zu fördern. In einem Nebensaal wurden Filme vor- Ä. Die Teilnehmerinnen aus Gießen sahen den n* über Krebserkrankungen mit an.
Äm Abend kehrten die Frauen heim, befriedigt Über diese Fahrt, die ihr Wissen über wichtige Fragen in angenehmer Weise bereicherte. F. K.
*
** Ausgezeichnete Arbeitskameraden. Bei dem Reichswettbewerb für Unfallverhütung in der Eisen- und Metallindustrie, der durch die Reichsbetriebsgemeinschaft „Eisen und Metall" der Deutschen Arbeitsfront durchgeführt wurde, fiel je ein 12. Preis im Werte von 10 Mark auf die Arbeitskameraden Karl Bonn, Großen-Linden, Alte Heerstraßei, bzw. Walter Schmitt, in Firma Röchling-Buderus in Wetzlar.
Schöffengericht Gießen.
Unter Ausschluß der Oeftentlichkeit wurde der 26 Jahre alte F. V. aus Gießen wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an einem Jugendlichen zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monate n, sowie zur Kostentragung verurteilt. Die Strafe fiel deshalb so hoch aus, weil sich der Angeklagte als früherer Jugendführer der Tragweite seiner Handlungen bewußt war.
Amtsgericht Gießen.
Wegen falscher Anschuldigung wurde der L. L. aus Aubing bei München durch Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat und der Th. D. aus Aubing bei München wegen Beihilfe hierzu zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt.
In der Hauptverhandlung auf ihren Einspruch hin wurden die Angeklagten überführt, einen Berufskollegen bei einer Behörde fälschlich angezeigt zu haben, er habe während feiner Tätigkeit in der Bü- dinger Gegend ein Mädchen entführt und an diesem ein Sittlichkeitsverbrechen verübt. Die Beweisaufnahme ergab die Haltlosigkeit der Anzeige. Das seinerzeit auf die Anzeige hin eingeleitete Verfah
ren wurde eingestellt. Da der Angeklagte L. bereits vorbestraft ist, erkannte das Amtsgericht auf die gleiche Strafe, wie im Strafbefehl. Gegen den noch nicht bestraften Angeklagten D., der den Brief geschrieben und Kenntnis von der Sache hatte, erkannte das Gericht auf eine Geldstrafe in Höhe von 50 Mark, hilfsweise zehn Tage Gefängnis. Außerdem wurden den Angeklagten die Kosten des Verfahrens auferlegt.
Wirtschaft.
Ishein-Mainische Börse.
THittagsbörfe: Gut behauptet.
Frankfurt a. M., 3. Juni. Die Börse behauptete ihre feste Grundsttmmung, das Geschäft ist aber im ganzen etwas ruhiger geworden. Nach den scharfen Kurserhöhungen der beiden letzten Tage zeigte sich innerhalb des berufsmäßigen Handels etwas Zurückhaltung und Neigung zu kleinen Abgaben. Das noch vorhandene Publikumsinteresse konnte daher ohne größere Kursausschläge voll befriedigt werden.
Am Aktienmarkt war die Kursentwicklung etwas unregelmäßig, die Schwankungen nach beiden Seiten gingen aver kaum über 0,50 bis 1 v. H. hinaus. Fest lagen Conti Gummi mit 190,75 (188), RWE. mit 130,65 (129,50) und Feldmühle Papier mit 150,75 (149,50). Von Montanwerten bröckelten Hoefch und Klöckner je 0,25 v. H. ab, Mannesmann gewannen 0,25 v. H. auf 126,25 und Verein. Stahl notierten mit 123 bis 122,75 (122,50). Chemiewerte eröffneten überwiegend 0,25 bis 0,50 v. H., Deutsche Erdöl 0,75 v. H. leichter, Th. Goldschmidt voll behauptet mit 138,75. Maschinen- und Motorenaktien blieben bei mäßig höheren Kursen gefragt, auch Elektrowerte zogen meist 0,50 bis 0,75 v. H. an. Etwas höher lagen ferner Reichsbank mit 216,25 (215,50), Zement Heidelberg mit 159 (158,50), Westdeutsche Kaufhof mit 63,13 (62,75). Feinmechanik Aetter waren auf den unv. Dividendenvorschlag an- geboten und mit dem Minus-Zeichen versehen, während am Einheitsmarkt Rhenser Mineral weiter gesucht wurden.
Renten lagen still. Reichsaltbesitz vor der Ziehung letztmals notiert mit 127,25 (127,40). Reichsbahn-VA. gefragt und 0,40 v. H. höher mit 125,40, Kommunal - Umschuldung mit 94,15 behauptet.
3m Verlaufe blieb die Umfatztätigkeit klein. Dis Kursveränderungen am A k t i e n m a r f t hielten sich in engen Grenzen, es Überwogen kleine Rückgänge. Für einzelne Elektrowerte verblieb etwas Nachfrage bei etwas höheren Kursen. Die erst später zur Notiz gekommenen Werte wiesen auch nur minimale Veränderungen zum Vortag auf. Feinmech. Setter kamen mit 101,50 (106) und Rhenser Mine- ralbrunnen mit 95 (92) zur Notiz.
Im Freiverkehr galten Adlerwerke Kleyer anfangs 113,50 bis 115,50, später 112,75 bis 114,75. Neue Wayß & Freytag 150 bis 152 auf die 6pro- Zentige Dividende, Verein. Deutsche Metall 167 bis 169. Tagesgeld unv. 2,50 v. H.
Abendbörse: Gut behauptet.
An der Abendbörse war das Geschäft in einigen Spezialwerten recht lebhaft, im übrigen erreichte es bei gut behaupteten Kursen keinen besonderen Umfang. Die Tendenz war jedoch allgemein etwas fester, die Frankfurter Schlußkurse wurden größernteils in Anpassung an Berlin überschritten. Lebhafter waren von Maschinenaktien Muag mit 150 bis 150,25 (149,25), von Versorgungswerten Ges- fürel mit 161,50 (161), RWE. mit 132,25 (131,75) und Bekula mit 166 (165,25). Am Montanmarkt lagen Buderus etwas schwächer mit 129 (129,75), die übrigen Werte konnten sich behaupten, Otavi Minen weiter erhöht auf 33,25 (32,90). Chemische Werte lagen still und unverändert, IG.-Farben 167, Scheideanstalt 263, Goldschmidt 138,75. Etwas schwächer in Angleichung an Berlin notierten u. a. AG. für Verkehr mit 126 (127), Deutsche Erdöl mit 158,75 (159,50), Conti Gummi mit 190 (190,75, aber 189,25 in Berlin). Im Freiverkehr waren Auto-Union auf die Vilanzziffern mit 139 (137) beachtet, Adlerwerke unv. 113,75. Am Rentenmarkt wurden Altbesitz vor der Ziehung letztmals mit 127,40 notiert, die Auslosungschance stellte sich auf 1 v. H. Kommunal-Umschuldung unv. 94,15, 6proz. JG.-Farben 135,75, Reichsbahn-VA. 125,40, 5,5- prozentige Franks. Pfandbriefbank Liquid. 100,75.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 3. Juni. Auftrieb: Rinder 864 (gegen 927 am letzten Donnerstags-
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Vornan von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H.. Berlin.
12 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Die geduckten kleinen Häuser mit ihren vorspringenden Schindeldächern und dem hölzernen Umlauf blickten ihn vertraut an. Siehst du, der Scheidenwimmer hat aufgestockt! Und der Breit- samer hat sich einen neuen Kamin geleistet! Was es alles Neues gibt! Da und dort stand ein Haus zwischen den alten, das er nicht kannte. Die meisten Anwesen waren verlottert, feucht und hatten die Fensterscheiben mit Pappe geflickt. Es waren zuweilen trostlose Anblicke.
Die Schellenberger erkannten ihn, grüßten, fragten, schüttelten die Hand. Man bat ihn, in die Stube zu kommen, und jammerte ihm vor. Die Frau wischte mit der Schürze den Stuhl ab und dann die Augen. Es stand mit Schellenberg nicht, wie es sollte; keinesfalls. Es gab Schulden, es gab junger, und das graue Gespenst der Arbeitslosiq- kett ging um. Fogg hörte überall dieselbe Litanei, grauen, die damals Spielgefährtinnen von ihm gewesen waren, sahen wie Greisinnen aus, faltig bekümmert, überanstrengt. Diele waren unterleibskrank oder schleppten Schwindsucht mit sich herum und husteten sich langsam zu Tode. Aber wer von diesen Kranken noch nicht reif für das Bett mar saß hinterm Klöppelsack und lieh die müden fleißigen Finger spielen. Die Männer aber machten verbissene Mienen und Holzschuhe, Teller, Zündholzdraht und rührend unbeholfene Krippenfiguren etwa eine Kuh oder ein steifbeiniges Lämmchen! Das ging alles noch an, aber die Kinder--!
Mein Gott, diese Kinder. Blaß, unterernährt, barfuß mitten im April, große Augen in den kleinen Gesichtem — Fogg krümmte sich vor Scham und dachte: Ich weiß nicht, wer an all dem schuld ist, aber so etwas dürste es nicht geben. Wir haben ja früher auch nicht gerade Torte gegessen, aber bloß diese Brühe, die sie Kaffee heißen, und Kartoffeln unh immer wieder Kartoffeln ...
Einmal stieß er auf eine Hütte, windschief, ohne
Dach, ohne Fensterscheiben. Man klärte ihn auf, daß der Gürtler Braunmändl im Jahr 32 wegen Mißernte und dem Gerichtsvollzieher sein Anwesen einfach in Stich gelassen habe und zu seiner Tochter in die Stadt gezogen fei. Wenn ein Bauer sich zu dem oerftieg, mußte Mathäi am letzten fein.
Daß es so schlimm mit Schellenberg stand, hatte Fogg nicht gewußt. Er setzte sich zerschlagen auf einen leeren Brunnentrog und dachte nach. Konnte man denn gar nichts tun, um diesem Elend zu steuern? Andere Orte im Wald hatten Graphitwerke, Zündholzfabriken, Glasbläsereien ober Porzellan- und Keramikbetriebe. Das alles kam für Schellen berg nicht in Betracht. Was war mit einem Ort zu wollen, der sich aus lauter kleinen Frettern zusammenfetzte, der abgedrosselt war vom Verkehr, ein paar Stunden hinter der böhmischen Grenze lag, der schauderhafte Wege und einen armseligen Boden besaß, der sein Mark, feine Wälder, preis- gegeben hatte und fernab lag von allen größeren Plätzen, wo es Arbeitsmöglichkeiten geben könnte?
Fogg hatte in der Bahn die Zeitungen studiert. Da war zu lesen, daß eine Hilfsaktion für die notleidende Ostmark im Gange fei. Nun ja, das war immerhin eine Hoffnung. Aber bis der Segen nach Schellenberg vordrang, hieß es Geduld üben. Besser als dieses tatenlose Hinwarten auf fremde Hilfe wäre Selbstzupacken. Aber wo? Er erwog ein halbes Dutzend Möglichkeiten und verwarf sie wieder als undurchführbar. Er schüttelte unzufrieden den Kops, weil ihm so gar nichts Brauchbares einfallen wollte, erhob sich und nahm sich vor, den Fenz! zu besuchen. •
Das kleine Fenzlanwesen lag ein wenig außerhalb des Dorfes gegen das Schloß zu. Nahebei blinkte em Weiher, auf dem Wasserlinsen und Enten schwammen. Einige Buben, barfuß und mit laufender Nase, ärgerten die Enten, indem sie Steinchen nach ihnen warfen. Das Fenzlhaus war komisch gebaut, da ein Vorsprung, dort einer. Das kam von den vielen Anbauten, die wiederum von den vielen Kindern herkamen, deren jedes ein Bett und em paar Kubikmeter eigenen Raum beanspruchte.
„Ist der Vater daheim, ihr Buben?"
Nachdem sie Fogg genugsam gemustert hatten erklärte der größte: „Mit dem kannst keine Geschäfte machen, der kauft nix, das sag' ich dir gleich. Es waren heute schon ein paar solche da."
Fogg lachte.
„Ich bin fein Reisender. Ich bin der neue Doktor."
„Warum sagst du denn das nicht eher? Dort hinten kommt er."
Fogg drehte sich um. Eine himmellange, breitbeinig wankende Gestalt schob sich aus der Richtung Schloßwald herüber. Sie trug einen Baum auf der Schulter, der auf und nieder wippte. Mußte ordentlich schwer fein, die Last. Endlich war der Fenzl in Gesprächsweite. Sein Hemd stand vorn offen, und auf seiner braunen Brust konnte man Zöpfe flechten. Die Sorte Pan und Waldschrat mußte so aus- gesehen haben.
„Himmelseiten, daß ist ja der Fogg-Joses! Da legst dich nieder! Gleich hab' ich die Hand frei. Weißt, so eine Buchen hat ein höllisches Gewicht. Und das muß man immer um Mittag machen, weil da der Tutschek beim Essen ist. Los, ihr Kadetten, wißt schon, was!" orgelte er seinen Buben zu, die flink wie junge Dachse den Baum hinter das Haus schleiften, um ihn zu zerkleinern. „Also der Josef! Bist es oder bist es nicht? Und pfeilgrad aus Amerika? Aber jetzt 'rein in die gute Stube; muß dich doch meiner Alten präsentieren. Das heißt, gar so alt ist sie nicht; es ist schon die zweite."
„Du bist noch ganz der frühere, Fenzl. Immer Humor, was? Wieviel hast denn fintier?"
„Werden so Stücker zwölfe fein. Genau weiß ich's selber nicht. Man verliert allmählich die Uebersicht", lachte der Fenzl. „Das Kleinste ist fünf Monate, der Aelteste wird auf Pfingsten neunzehn." Dem Fenzl seine Vorfahren waren aus dem Österreichischen zugewandert, aus Oedlarn an der Enns. Von ihnen hatte er das Raubvogelgesicht und seine kecken Manieren. Auch sonst stach er von den Eingesessenen ab. Er war redelustig, zu verrückten Streichen aufgelegt und von lockerer Lebensauffassung. Seine Buden waren ein Kapitel für sich. Ueber die Fenzl- bauöe, wie Tutschek die Familie am Dorfweiher gehässig getauft hatte, gingen eine Menge Geschichten um. Nach ihnen wären die Buben die reinsten Teufel gewesen. Einmal hatten sie in einer rabenschwarzen Sturmnacht einen Leiterwagen auf Tut- fdjefs Scheller praktiziert, indem sie 'unter Mühe und Lebensgefahr droben Teil um Teil zusammen- setzten. Ein andermal hatten sie dem Pfarrer, weil er sie in der Predigt zusammenstauchte, das höl-I
zerne Oertchen abmontiert und zum Gaudium der Schellenberger aus dem Pfarrgarten auf die Bücht- famer Straße getragen, wo es zweckwidrig die Gegend verschandelte, bis sich der Schreiner und der Mesnerpeter erbarmten und es wieder zurück- transportierteu. Kurz, es schien durchaus nicht geraten, sich ihre Abneigung zuzuziehen.
„Da bring ich einen Feldzugskamerad, Sofie. Unfern neuen Doktor. Gib ihm das Pratzerl!" schrie Fenzl beim Eintritt in die Stube.
«Mein Mann hat mir schon von Ihnen erzählt", kicherte die rundliche Frau.
„Hoffentlich nur Gescheites", lächelte Fogg.
„Was den Mannsbildern halt so einfällt, wenn man sie nicht unter der Fuchtel hat." Sie trug ein Kind am Arm, und zwei weitere hingen an ihrem Rockzipfel. Die anderen aber, denn die bis zwölf war noch weit, standen durcheinander, starrten neugierig und verlegen und füllten die mittelgroße Stube in erschreckendem Maße.
„Antreten in Linie, marsch, marsch!" kommandierte der Fenzl, und das Chaos formierte sich. „Stillge- standen! So, Josef, jetzt kannst du sie in Ruhe an- schauen; jetzt sind sie ungefährlich."
Fogg lachte Tränen und beglückwünschte Fenzl zu diesem militärischen Drill.
„Ja mei, was willst? Anders wirst der Bande ja nicht Herr. Sauber gewaschen, was? Wie die Orgelpfeifen. Weggetreten!" Der Haufe verzog sich aus der Stube und belagerte draußen das Fenster. Fenzl nahm ein verstaubtes Rähmchen von der Wand, in dem eine" vergilbte Photographie stak, die die Gruppe Fogg im Quartier zeigte. „Das waren wir einmal, Josef. Schön roar’s doch. Bleibst zum Essen da? Es gibt Kartoffelknödel und Sauerkraut; das Fleisch muß dir halt denken."
„Ich dank' dir schön, ein andermal. Heut geht's nicht. Wir treffen uns am Abend in der „Sonne". Wir müssen doch den Einstand feiern. Gel, bu kommst?"
„Natürlich komm' ich. Erzählst uns dann von drüben. Wie, ift’s denn bei den Indianern? Haben sie auch saubere Dirndl? So eine Kupferbraune wär' als Abwechselung nicht zuwider, was, Alte?"
„Du wirst auch deiner Lebtag nimmer gescheit", brummte Frau Fenzl und ging aus der Stube.
Fortsetzung folgt.


