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Manchester City stellt sich vor.

Der englische Meister Manchester City, der in Deutschland fünf Gastspiele gegen Nachwuchsmann­schaften in Duisburg, Wuppertal, Schweinfurt, Berlin und Stuttgart austrägt, beginnt diese Reise am Himmelfahrtstag mit dem Spiel in Duis­burg, das von Schiedsrichter B e st (Frankfurt- Höchst) geleitet wird. Die deutsche Elf für dieses erste Spiel der Engländer steht mit Klodt (Schalke 04); Janes (Fortuna Düsseldorf), Schulz (Arminia Hannover); Gellesch (Schalke), Sold (Saarbrücken), Heermann (Waldhof); Eibern (Beuel), Sikfling (Waldhof), Eckert (Worms), Szepan, Urban (beide Schalke 04). Der Wormser Eckert, der beim sonn­täglichen Länderspiel gegen die Schweiz die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen konnte, er­hält hier eine zweite Gelegenheit, zu beweisen, was er wirklich kann. Der Schalter Tormann Klodt und der Waldhöfer Heermann erhalten erstmals Ge­legenheit, in einem internationalen Treffen sich die Sporen zu verdienen. Im übrigen besteht die Mannschaft nur aus Spielern, die schon wiederholt das Trikot der Nationalmannschaft getragen haben. Der englische Meister ist seit Weihnachten ungeschla­gen und wird sicherlich alles daransetzen, seine erste Niederlage nach dieser langen Zeit nicht aüf der Deutschlandreise einzustecken, also sicherlich mehr bieten, als die englischenReisemannschaften" wie­derholt zeigten. Die deutsche Mannschaft wird sich auf einen schweren Kampf gefaßt machen müssen.

Spiele in der Bezirköklaffe.

6. Mai: NaunheimSinn.

9. Mai: Sinn VfB.-R. Gießen; Naunheim Frohnhausen; Burg Dillenburg.

Die beiden Vereine Naunheim und Sinn haben sich geeinigt, das für den 16. Mai angesetzte Pflicht­spiel bereits am 6. Mai (Himmelfahrtstag) auszu­tragen. Aller Voraussicht nach wird Sinn in Naun­heim verlieren.

Ihr schwerstes Spiel trägt die Mannschaft des DfB.-R. Gießen in Sinn aus. Auf dortigem Ge­lände ist schlecht zu gewinnen. Wenn VfB.-R. sich so anstrengt, wie in dem Spiel gegen 1900 Gießen, wird er es packen können.

Frohnhausen wird in Naunheim nichts zu be­stellen haben. Die Mannschaft der Naunheimer hat wieder eine Formverbesseruklg aufzuweisen.

Das Spiel Burg Dillenburg ist als Lokalspiel zu betrachten, darum ist keine Vorhersage über den Ausgang des Spieles zu treffen. Da aber Dillen­burg durch Ausfall einiger Spieler geschwächt ist, so könnte man das Spiel für Burg als gewonnen tippen.

Um den Aufstieg zur Bezirksklasse.

Die am Sonntag durchgeführten Aufstiegspiele brachten die erwarteten Ergebnisse. Steinberg ge­wann gegen Offenbach (Dillkreis) 4:0 und Heuchel­heim unterlag in Nieder-Girmes mit 1:4.

Rieder-Girmes Heuchelheim 4:1 (2:1).

Für beide Mannschaften hatte dieses Spiel die gleiche Bedeutung. In den seitherigen Aufstiegspielen war noch keiner ein Punktgewinn vergönnt, und so galt es, die Frage zu lösen, wer an das Ende der Tabelle kommt. Nieder-Girmes konnte sich durch einen glatten Sieg dieser Gefahr entziehen. Für die Heuchelheimer wird die Sache'nun bedenklich, und wenn nicht bald ein großer Umschwung eintritt, wird es auch in diesem Jahre nichts mit dem Auf­stieg werden.

Steinberg Offenbach 4:0 (0:0).

Die erste Mannschaft empfing den Kreisklassen­meister der Gruppe Dill zum zweiten Aufstiegspiel. Man war allgemein gespannt auf die Leistungen der Gäste, die in unserer Gegend wohl kaum be­kannt waren. Getäuscht hatte man sich nicht, denn die Gäste lieferten einen anständigen, ritterlichen Kampf, und erst in der zweiten Halbzeit konnten die Teutonen mit dein Wind im Rücken ihren Sieg mit 4:0 herstellen, obwohl auch die Gäste zum min­desten das Ehrentor verdient hatten; aber die Ver­teidigung mit Jung und Schmandt ließ sich mit ihrem bewährten Schlußmann (Happel) nicht schla­gen. Bei den Teutonen war wohl, wie auch bei den Gästen, der Sturm der schwächste Mannschaftsteil, denn bei dem Teutonensturm konnten nur O. und

K. Haas gut gefallen. Die erste Halbzeit sah man ein abwechselungsreiches Spiel, denn die Einhei­mischen kämpften gegen den Wind und konnten auch wirklich diesen Kampf bestehen, während in der zweiten Halbzeit die Gäste gegen den Wind und den Ansturm der Einheimischen kämpften, aber nicht bestehen konnten. Das Spiel in seiner Gesamtheit war interessant. Die Gäste hinterließen einen guten

Spielabt. des $».1889 Klein-Linden.

Eindruck.

Verl.

*Pkte.

Der

Stand nach dem 2. Mai.

Spiele Gew. Unentfch.

Steindorf

3

3

0

0

6:0

Steinberg

2

2

0

0

4:0

Nieder-Girmes

3

1

0

2

2:4

Offenbach

3

1

0

2

2:4

Heuchelheim

3

0

0

3

0:6

Klein-Linden I Launsbach I 7:2 (3:1).

Diese Mannschaften standen sich am Sonntag in Klein-Linden gegenüber. Die Einheimischen konn­ten einen, auch in dieser Höhe verdienten Sieg er­ringen. Vom Anstoß an entwickelte sich ein flottes Spiel, bei dem die Gäste ganz aus sich heraus gingen und durch einen überraschenden Schuß die Führung übernahmen. Jetzt fanden sich die Gast­geber besser und Launsbach wurde mehr in seine Hälfte gedrängt. Der Halbrechte erzielte durch schö­nen Schuß den Ausgleich. Der Mittelstürmer stellte durch zwei weitere Tore das Halbzeitergebnis her. Nach dem Wechsel setzten sich die Klein-Lindener sofort in der Hälfte des Gegners fest. In der Folge konnte der Halblinke durch drei weitere Tore auf 6:1 erhöhen. Dann entschied der Schiedsrichter (aus Launsbach) einen mehk als fraglichen Elfmeterball, verursacht dur chdas Zusammenprallen eines ein- heimischen Verteidigers Mit einem Gästestürmer. Hierdurch kamen die Gäste auf 6:2 heran, doch konnte Klein-Linden wenig später durch seinen Mittelstürmer die alte Differenz wieder herstellen.

Fußballabteilung

des Turnvereins Alten-Buseck.

Alten-Buseck I Großen-Linden I 4:2.

Auf dem Waldsportplatz zu Alten-Buseck standen sich diese Mannschaften im Freundschaftsspiel gegen­über. Trotzdem Alten-Buseck mit Ersatz spielte, konnte es einen sicheren Sieg erzielen. Der Sturm spielte zu zaghaft, sonst hätte der Sieg noch höher ausfallen können. Alten-Buseck hatte Anstoß und konnte auch leicht überlegen werden, was aber vor­erst nichts einbrachte. Großen-Linden konnte durch einen schnellen Durchbruch das erste Tor erzielen. Kurz darauf hieß es schon 1:1, als der einheimische linke Verteidiger den Ball aus 40 Meter Entfer­nung ins Tor schoß. Bis zur Halbzeit mußte sich der Gästehüter noch zweimal geschlagen bekennen. Nun war Alten-Buseck zu siegessicher, und die Gäste verkürzten auf 2. Dann konnte durch eine schöne Kombination durch den linken Flügel der 4. Treffer für die Einheimischen erzielt werden. Außer eini­gen Ecken konnte nichts mehr erreicht werden.

I6. Teutonia" Watzenborn-Steinberg

2. Mannschaft Wieseck I 1:4 (1:2)

1. Jugend Offenbach 1. Jugend 5:0.

Die erste Mannschaft von Wieseck konnte die zweite Mannschaft auf eigenem Platze mit 4:1 To­ren schlagen, obwohl dieses Resultat etwas zu hoch ausgefallen ist. Es.fehlte diesmal der zweiten Garnitur der Teutonen der richtige Mannschafts­geist und etwas mehr Verständnis zum Zusammen­spiel.

Zum Schlüß traten die beiden Jugendmannschaf­ten von Offenbach und Watzenborn-Steirrberg auf den Plan und erfreuten mit schönen Leistungen. Obwohl die Gäste mit 5:0 verloren, war das Spiel zu jeder Zeit abwechselungsreich und von Anfang an interessant.

Spielvereinigung 1900 Sieben.

1900 1. Igd. Großen-Vuseck 1. Igd. 11:0. 1900 2. Igd. Luftgaukommando 1. Mannsch. 1:0.

Beide Jugendmannschaften der Spielvereinigung 1900 waren am Sonntag ganz groß in Fahrt. Nach der Niederlage gegen Union Niederrad raffte sich die neuaufgestellte 1. Jugend der Blauweißen ein­mal zu einer gewaltigen Leistung auf. Großen-

Buseck, die bekanntlich die wohl beste Jugendmann­schaft ihrer Gruppe sein dürfte, konnte noch von Glück sagen, daß das Ergebnis nicht noch höher ausfiel. Den Wind als Bundesgenosse begannen die Blauweißen das Spiel. Schon gleich von Anfang an entwickelte sich ein schönes Feldspiel. Die erste Jugend der Spielvereini­gung 1900 war dem Gegner glatt in jeder Hinsicht überlegen und verdrängte die Gäste immer wieder in ihre Spielhälfte. Mit schönen Kombinations­zügen eröffnete der Sturm der Blauweißen den reichen Torlegen. Mit dem Ergebnis von 5:0 ging es in die Pause. Nach der Halbzeit sah das Spiel allerdings etwas anders aus. Die Gäste wurden ge­fährlich und bedrängten sogar einige Male das Tor der Blauweißen, um das Ergebnis etwas besser zu gestalten. Aber die Hintermannschaft war auf dem Posten. Kurz vor Schluß gingen die Blauweißen nochmals aus sich h-raus und schossen innerhalb zehn Minuten noch fünf Tore. Am Schlußpfiff mußte der Gegner sich mit 11:0 geschlagen be­kennen.

Da die erste Handballmannscbaft der Spielvereini­gung 1900 nicht vollständig erschienen war, konnte das Spiel gegen das Luft'gaukommando nicht aus- getragen werden. Als Ersatz dafür erlaubten sich die Soldaten einen kleinen Scherz, indem sie die zweite Jugend zu einem Freundschaftsspiel auffor­derten. Die Zuschauer, die erschienen waren, sahen einen abwechslungsreichen Kampf. Was die Sol­daten teils an Körperstärke voraus hatten, glichen die Blauweißen durch Technik aus. Kurz vor Schluß fiel der Siegestreffer für 1900.

DfB.-Reichöbahn Zugendabieilung.

Saasen 1. Igd. VfB.-R. 1. Jqd. 2:4 (0:1). Göbelnrod 1. Igd. VfB.-R. 3. Igd. 2:6 (1:2).

Zum fälligen Rückspiel fuhr die 1. Jugendmann- schaft nach Saasen, traf dort auf einen starken Geg­ner, der die Gäste zur Hergabe all ihres Könnens zwang. Trotzdem vier Ersatzspieler eingestellt wer­den mußten, lieferten die Jungens ein schönes Spiel und konnten auch knapp gewinnen. Die 3. Jugend weilte in Göbelnrod bei der neu aufgestellten Ju­gendmannschaft und konnte durch technisch besseres Spiel gegen die körperlich stärkeren Gastgeber einen sicheren Sieg heraueholen.

VfB.-R. 1. Igd. $pv. Groß-Karben 1. Igd.

Am Himmelfahrtstag erwartet die 1. Jugend­mannschaft die gleiche des Sportvereins Groß-Kar­ben zu einem Freundschaftsspiel. Die Gäste, die in der Gruppe Friedberg spielen, sind als spielstark bekannt.

Fußballklub 1936 Saasen.

Die neuaufgestellte zweite Jugend hatte die zweite Jugend von Ettingshausen zu Gast und siegte mit 4:2 Toren.

Handball im Kreis Gießen.

Die Endspiele der Jugendklasse brachten insofern eine Ueberraschung, als das in Münchholz­hausen angesetzte Treffen abgebrochen werden mußte. Man hatte lange Zeit feine Freude an dem schönen und anständigen Spiel der Jugend, bis dann der Abbruch kam. Zu der erwarteten Vorentschei­dung ist es unter diesen Umständen nicht gekom­men. Beide Mannschaften waren sich in jeder Be­ziehung gleich (bei Halbzeit stand es 2:2, während es bei Abbruch 4:4 hieß), so daß es müßig ist, sich jetzt über die Aussichten zu äußern.

Die Jugendmannschaft des Tv. Londorf wahrte ihren guten Ruf, ohne allerdings an ihre vorsonn­tägige Leistung heranzukommen. Lützellinden leistete tapferen Widerstand, hätte sogar nach Tor­chancen zu urteilen ein Unentschieden verdient gehabt. Endergebnis 8:6 (4:5) für Londorf.

Freundschaftsspiele.

To. Lützellinden Tv. Hörnsheim 13:7.

Leider bekamen die zahlreichen Zuschauer nicht das Spiel zu sehen, was man sich unter einem Lokaltreffen versprach. Die Gäste machten einen übermüdeten Eindruck, spielten in allen Teilen sehr zerfahren, waren mit anderen Worten nicht wieder­zuerkennen. Anders der Gegner. Lützellinden raffte sich zu einer Leistung auf, die zu berechtigten Hoff­nungen Anlaß gibt.

Tv. Münchholzhausen Tuspo Wetzlar-Niedergirmes 15:3.

Münchholzhausen raffte sich endlich wieder ein­mal zu einer Leistung auf, an der auch die best­gemeintesten Angriffe des Gegners, der allerdings ersatzgeschwächt antrat, zerschellen muhten.

Skandal um Dr. Vandergruen Roman von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.

32. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

21.

Nach ausgedehnten Nachforschungen ist es Dr. Michaels gelungen, die Quelle ausfindig zu machen, deren sich das französische Nachrichtenbüro bei der Veröffentlichung der für Dr. Vandergruen so ver- hänynisvollen Nachrichten bediente. Die Spur weist so eindeutig auf den Kreis um Jesters, daß unver­züglich einige Beamte mit einem Haftbefehl in die Georgenkirchftraße geschickt werden.

Aber die Vögel sind ausgeflogen, wahrscheinlich haben sie rechtzeitig von der drohenden Gefahr Wind bekommen.

Werner Michaels sitzt in feinem Arbeitszimmer, als diese Meldung eintrifft. Er kratzt sich ärgerlich den Hals.Wir hätten schon früher zupacken sollen.

Der Referendar hebt seine blauen Augen.Und wenn wir uns geirrt hätten?"

Dann hätte man sie ja wieder laufen lassen können!"

In diesem Augenblick wird ein Blitzgespräch aus Hamburg gemeldet. Dort ist der Schlupfwinkel einer geheimen Organisation entdeckt worden, und eine erste Untersuchung hat ergeben, daß die Fäden dieser Organisation auch nach Berlin reichen. Meh­rere überraschend oorgenommene Haussuchungen haben zur Beschlagnahme beträchtlicher Mengen von Opium und Kokain geführt.

Es scheinen da auch Zusammenhänge mit Ihrem Fall Vandergruen zu bestehen. Jedenfalls befinden sich unter den Festgenommenen auch einige Herr­schaften aus Berlin. Am besten wäre es, Herr Dok­tor, wenn Sie selbst mal 'raufkommen würden. Heute um drei Uhr findet ein Verhör statt, viel­leicht könnten Sie .es einrichten, hier zu fein!"

Dr. Michaels sieht auf die Uhr.Halb elf! Um

elf fährt derFliegende Hamburger"! Den kann ich zur Not noch erwischen. Gut, ich komme!"

Nun aber rasch! Packen Sie mir die Akten Van­dergruen zusammen! Und bleiben Sie für alle Fälle heute nachmittag im Dienst, bis ick Sie an« rufe! Man kann nicht wissen. Ist sonst noch etwas? Ich kann natürlich nicht sagen, wie lange ich in Hamburg ausgehalten werde, möglicherweise mehrere Tage!"

Wenige Minuten später saust Dr. Michaels zum Lehrter Bahnhof.

Zehn Minuten vor fünf Uhr kommt endlich der Anruf aus Hamburg. Der Referendar stürzt auf­atmend an den Fernsprecher.

Ah, großartig, daß ich Sie noch antreffe, mein junger Freund! Hätte Ihnen soviel Heroismus gar nicht zugetraut. Also schwören Sie: Doktor Vander­gruen ist sofort aus der Untersuchungshaft zu ent­lassen! Eine tolle Geschichte, kann ich Ihnen sagen. Jeffers und Kyltschew sind in Hamburg festgenom­men worden. Wie? Nein, nein, Vandergruen hat mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun. Vollkommen schuldlos!"

«

Die Frau eines Kollegen von Dr. Vandergruen hat an diesem Tag ein Baby bekommen. Maria wird angeklingelt und flehentlich um ihren Besuch gebeten.

Es kann sein, daß ich über Nacht draußen in Erkner bleibe!" läßt Maria auf einem rasch hin­gekritzelten Zettel zurück.Du kannst dich also heute abend mal ganz als Herrin des Hauses fühlen! Laß dir durch Else das Abendbrot besorgen, bevor sie weggeht! Bis morgen nachmittag bin ich dann be­stimmt wieder hier!"

Uck halb fünf Uhr nachmittags kommt Gisch von der Arbeit und findet den Zettel auf dem Tisch, und ihre erste Empfindung ist ein Gefühl der Angst. Sie verspürt nicht die geringste Freude über ihre Allein­herrschaft.

Sie brüht sich Tee auf, liest eine Weile und träumt vor sich hin.

Als Else gegangen ist, gibt Gisch der Lockung nach, geruhsam durch die Räume zu schlendern.

Sie kommt die Treppe hinab, verweilt da und dort vor einem Bilde, unterhält sich eine Zeitlang im Flüsterton mit der bronzenen Pagode, die neben dem Eingang zum Bibliothekszimmer steht.

Weißt du, ich hab' ihn lieb, sehr lieb. Schau, er ist ein so guter Mensch, und er hat soviel kämpfen müssen, ist immer einsam gewesen. Ob er mich auch einmal ein ganz klein wenig gern haben wird? Nein, ich glaube es nicht. Ich bin so klein gegen ihn, ein ganz dummes Mädchen, das reine Nichts. Aber, schau, ich möchte ihm alles schenken dürfen, um ihm zu helfen, damit er eine Freude hat. Jetzt lachst du mich aus, jawohl, ich seh es ganz genau, wie sich dein Mund verzieht. Ich laß mich aber durchaus nicht verlachen, verstehst du!"

Dann setzt sie ihre Wanderung fort und gelangt schließlich auf Umwegen, die sie sich absichtlich auf» erlegt hat, in Vandergruens Studierzimmer.

Oh, sie kann niemand sagen, wie sehr dies nüch­terne Gemach mit seinen Bücherregalen ihr vertraut und zu eigen geworden ist, ein Heiligtum!

Jetzt kostet sie das Alleinsein völlig aus. Sie durchschreitet den Raum von einer Wand zur andern, blickt durch das Fenster, atmet den schwa­chen Geruch von Tabakrauch ein, der den Gardinen anhaftet.

Nun setzt sie sich in den Schreibttschsessel, stützt den Kopf in die ausgestellten Arme und lächelt glücklich.

Stefan!" flüstert sie unb erschauert, als sie den geliebten Namen von ihrem Munde ausgesprochen hört.Wenn du da an deinem Schreibtisch sitzest und von der vielen Arbeit müde bist, dann möchte ich hinter dir stehen, meine Hände um dich legen und dir immer wieder das eine Wort ins Öhr flüstern: Ich liebe dich! Ich liebe dich!

Wenn du dann aufblickst und meine Hände zu dir nimmst, dann möchte ich deine Augen küssen und meine Wange an die deine legen und dir sagen, wie lieb ich dich habe.

Wirst du dann aufstehen und mich in deine Arme nehmen und mir sagen, daß ich immer bei dir bleiben darf...?"

Plötzlich horcht Gisch erschreckt auf. Was ist bas?

Von draußen nähern sich Schritte, rasche, stür­mende Männerschritte.

Mein Gott! Das ist der Doktor. Sie haben ihn freigelassen.

Sie möchte aufspringen, jubelnd, aber die Beine versagen ihr den Dienst.

Alle Farbe weicht aus ihrem Gesicht.

Angst! Angst!

Tv. Dutenhofen I Tv. Wetzlar komb. 6:18.

Tv. Dutenhofen Igd. Tv. Wetzlar Jugend 3:7.

Wenn auch Wetzlar verstärkt antrat, so ist trotz­dem nicht zu verkennen, daß Dutenhofen im Augen­blick nichts mehr von seiner ehemaligen Spielstarke übrigbehalten hat.

Kurze Sportnotizen.

Die Deutschland-Rundfahrt wird am 20. Juni im Berliner Olympia-Stadion chr Ende finden, wo zu dieser Zeit das Endspiel zur deut­schen Fußballmeisterschaft stattfindet.

Mar S ch m e l i n g ist mit dem deutschen SchnelldampferBremen" am Montag in Neuyork eingetroffen. Er hat das feste Zutrauen, daß fein Kampf gegen Braddock am 3. Juli zustandekommt und wird schon in den nächsten Tagen mit dem Training beginnen.

Zwei neue Mei st er wurden bei der Berufs­box-Veranstaltung im Berliner Sportpalast ermit­telt. Der Kölner Esser scklug den Titelträger im Leichtgewicht, Kretzschmar (Dresden), in der neunten Runde k. o. und in der Federgewichtsklasse mußte sich im Kampf um Becks Erbe der Berliner Leo- pold durch Kurt Bernhardt (Leipzig) in der zehn- ten Runde entscheidend geschlagen bekennen. Adolf Heuser gewann gegen den Rumänen Petruscu nach Punkten und Meister Besselmann mußte sich mit einem Unentschieden gegen den Franzosen Candel begnügen.

DasGoldeneRadvon Nürnberg", ein Dauerrennen über eine Stunde, gewann Lohmann mit 68,800 Kilometer vor Lemoine, Umbenhauer, Krewer, Stach und Lauer. Das Kleine Goldene Rad in zwei Läufen zu je 25 Kilometer gewann der Hannoveraner Käb.

Neuen Weltrekord lief die amerikanische Olympiasiegerin Helen Stephens bei einem Sport­fest in Neuyork. Sie durchlief die 80-Meter-Strecke in 9,3 Sekunden. Den alten Weltrekord hielt die Polin Walasiewicz mit 9,6 Sekunden.

SportamtKraft durch Freude".

Heute folgende Kurse:

Boxen, Schillerschule, Schillersttaße (Schul- saal), 20.30 bis 21.45 Uhr.

Allgemeine Körperschule, Schillerschule, Schillerstraße, 20.15 bis 21.45 Uhr. Nur für Ange­hörige der SS.

Fröhliche Gymnastik und Spiele, Lyzeum, Dammstraße 26. 20 bis 21 Uhr.

Schwimmen, Volksbad, Seltersweg für Männer und Frauen gemeinsam 20 bis 21 Uhr; nur für Frauen: 21 bis 22 Uhr.

Reiten, Reitinstitut, Brandplatz. 21 bis 22 Uhr.

Üunbfunfprogramm.

Mittwoch, 5. Mai:

6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.05: Wet­terbericht. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 10: Schulfunk. 11.15: Hausfrau, hör zu! 11.50: Land­funk. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14.10: Beliebte Kapellen und Solisten. 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Dichterstimmen aus Kurhessen. 15.40:Ich hab' gebaut nach meinem Sinn." 16: Unterhal­tungskonzert. 17: Unbekannter Schubert. 17.30: Sport zeitgemäß belauscht. Bei den Segelfliegern. 18: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 19 40: Tagesspiegel des Weltwirtschaftstages. 2015: Reichssendung: Stunde der jungen Natton. 20.45: Ach hätt' ich, ach könnt ich, ach wenn es doch wär'. Eine heitere Hörfolge über törichte Wünsche. 22 20: Kamerad wo bist du? 22.30: Kammermusik. 23: Unterhaltungen und Tanzmusik. 24 bis 2: Nacht­konzert.

Donnerstag, 6. Mai (Christi Himmelfahrt):

6 Uhr: Bremer Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Morgenmusik. 9: Christliche Morgenfeier. 9.45:Kleine Rede vom Glück." Von Herbert Scheffler. 10: Konzert. 10.30: Heitere Chorlieder. 11.15:Von Blumen und Gärten". Funkfolge aus Dichtung und Musik. 12: Mittagskonzert. 14: Ein Strauß oberdeutscher Maienlieder. 14.30: Der We­sterwald wird Herr des Wassers. 15: Man sagt wohl in den Maien. 16: Nachmittagskonzert. 18: Steht ein Kirchlein im Dorf ..." 18.30: Volks- mufik. 19:Die Herrenpartie". 19.40: Sportspiegel. 19.50 Funkbericht vom Ostpreußenturnier 1937 in Insterburg. 20: Tanz im Maien. 22.15: Sport­bericht. 22.30: Unterhaltungsmusik. 24 bis 2: Nacht­konzert.

Ob er sich freuen wird, daß sie da ist?

Stefan Vandergruen öffnet die Tür.

Gisch wagt sich nicht umzusehen.

Jetzt? Jetzt?

Jetzt sieht er sie.

Nanu? Wie kommen Sie was wollen Sie denn hier?"

Die Zornadern schwellen ihm. Sein Unterkiefer schiebt sich vor. Seine Hände ballen sich in der Jackentasche.

Schon wieder hevumschnüffeln? Schon wieder nach Dokumenten suchen?"

Es ist Gisch, als hätte ein Fausthieb sie zu Boden gestreckt. Ihre Augen sind entsetzt geweitet, starren in irrsinniger Angst auf den Mann, der diese un­faßbaren Worte sprach.

Ihre Wehrlosigkeit stachelt seine Wut noch mehr an.

,,'Raus!" brüllt er.Sofort 'raus hier oder ich vergreife mich an Ihnen! Noch nicht genug, wie, daß Sie meinen Namen in den Dreck gezogen haben? Noch nicht genug, daß Sie mir fünf Tage Untersuchungshaft einbrocken?"

Gisch will reden, sie muß doch reden, der Mann ist ja wahnsinnig geworden!

Stefan springt zur Tür und reißt sie auf.Nun aber wirklich 'raus!"

Gisch schreit gellend auf. Er hat sie mit grobem Zugriff am Arm gepackt und zerrt sie neben sich her, durch das Zirner, durch die Diele, sie vermag kaum Schritt zu halten.

Mein Gott, Herr Doktor, bitte, hören Sie"

Sparen Sie sich Ihre Worte! Ist ja doch alles Lüge! Und nun machen Sie, daß Sie 'raus- kommen!"

Gisch ist oerftummt.

Stefan Vandergruen öffnet die Haustür und wartet mit verzerrten Zügen, bis das Mädchen draußen ist.

Und lassen Sie sich nicht mehr hier blicken!" schreit er ihr nach und schlägt die Tür hinter ihr zu.

Ein tiefer Atemzug entringt sich seiner Brust. So, das hätten wir. Da bin ich ja gerade zur rechten Zeit heimgekommen. Hat sich also die Ma- rianbl von dieser abgefeimten Gaunerin noch ein­mal übertölpeln lassen!"

(Fortsetzung folgt!)

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