Wehrdienst auf, da trotz der gegenwärtigen günstigen Ausnahmebestimmungen für Tierärzte Meldungen zum freiwilligen Wehrdienst mit dem Ziel der Anstellung als Deterinäroffizier des Beurlaubten- ftandes bisher nicht in dem Maße erfolgt sind, wie es zur Gewinnung eines ausreichenden Stammes von geeigneten Deterinäroffizieren notwendig ist.
Zachschastsabend der Ortsfachschast Gießen in der NGKOW.
Am gestrigen Mittwochabend fand unter der Leitung des Ortsfachschaftsleiters B r i o l a die Monatsoersammlung der Fachschaft statt. Besprochen wurde u. a. die Lehrlingsausbildung und die Berufsausbildung in der Fachschaft. Dann wurden einige Auswirkungen des Pierjahresplanes, die die Werbung betreffen, erläutert. Mit dem Gruß an den Führer wurde der Abend beschlossen.
Gießener Wochenmarktpreife.
* Gießen, 4. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche Klasse A 13, Klasse B 12, ungezeichnete 10, Wirsing XA kg 10 bis 15, Weißkraut 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 30, Unterkohlrabi 6 bis 10, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat, Vio kg 10 bis 12, % kg 80 bis 90, Tomaten 60, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 35, Kartoffeln, kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,70 Mk., Aepfel, kg 15 bis 20 Pf., Tafeläpfel 25 bis 40, Birnen 15 bis 25 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15 Pf.
** D i e Polizei ft unde zuFa st nacht aufgehoben. Anläßlich der diesjährigen Fastnacht ist die Polizeistunde in allen Gemeinden des Kreises an den Tagen Samstag, 6. Februar bis Dienstag, 9. Februar, allgemein aufgehoben.
♦* Die Bezahlung der rückständigen Strom- und Gasgelder betrifft eine Bekanntmachung der Direktion der städtischen Betriebe in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die besonders hingewiesen sei.
** Reifeprüfung an der Oberreal- schule. Unter dem Vorsitz von Oberstudiendirektor Leonhard wurde am Dienstag die Reifeprüfung der Oberprima der hiesigen Oberrealschule durchgeführt. Sämtliche Teilnehmer, 11 Knaben und 7 Mädchen, bestanden die Prüfung. Ein Prüfling hatte bereits im Herbst 1936 mit dem Reifezeugnis die Schule verlassen, um als Offiziersanwärter in das Heer einzutreten.
** Vogelschwärme ziehen nordwärts. Am gestrigen Mittwoch zwischen 7.50 und 8.00 Uhr flog ein großer Schwarm Pögel, viele Tausend an der Zahl, in der Richtung von Süden nach Norden, in geringer Höhe über unsere Stadt. Die Pögel waren etwas größer als Sperlinge und flogen in geschlossenen Haufen. Ob es vielleicht nordische Vögel waren, die sich jetzt schon wieder nach ihrer nordischen Heimat begeben wollen?
** Der Reichssender Frankfurt mit seinem Aufnahmewagen in Gießen. Der Reichssender Frankfurt weilte gestern und vorgestern mit seinem Aufnahmewagen in unserer Stadt. Kurze Aufnahmen wurden von dem Künstler- und Pressefest gemacht, ferner wurde eine Unterhaltung bei dem Fischessen der Gießener Studentenschaft am gestrigen Mittwoch mittag ausgenommen. Am gestrigen Vormittag besuchte der Rundfunk noch Bürgermeister Prof. Dr. Hamm und ließ sich über Städtebau und Planungsaufgaben der heutigen Stadt unterrichten.
** Brennholz-Versteigerungspreise. Bei den letzten Brennholzversteigerungen der Stadt Gießen wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Buchenscheiter A 11 RM., Hainbuchenscheiter A 8,50 RM., Eichenscheiter A 7 bis 8 RM., Buchenknüppel A 8,50, Buchenknüppel B 7 RM.; Eichenknüppel A 5, Eichenknüppel B 4 RM. Buchenreiser 2. Klasse 14 RM. je 100 Wellen, Buchenreiser 3. Kl. 13 RM. je 100 Wellen. Buchenstöcke 5,50 RM., Eichenstöcke 5 RM. je Raummeter.
Gießener Studenten veranstalten gemeinsames Fischessen.
Die Reichsstudentenführung hatte gemeinsam mit dem Reichsstudentenwerk für den 3. Februar den einzelnen Studentenschaften ein gemeinsames Fischessen angeordnet. Wie an allen Hoch- und Fachschulen des Reiches, fo war auch die Gießener Studentenschaft dieser Anordnung gefolgt und hat sich tatkräftig bei der Werbung für den Mehrverbrauch an Fischen eingeschaltet. Das Gießener Studentenwerk hat seine jahrelange Erfahrung auf dem Gebiete der Organisation solcher Gemeinschaftsoeranstaltungen eingesetzt und zum größten Teil zum Wohlgelingen dieser Kundgebung am gestrigen Tage mit beigetragen. In der Empfangshalle des Studentenhauses waren die einzelnen Fischgerichte ausgestellt, und jeder konnte sich nach seinem Geschmack das Essen aussuchen. Unter Zuhilfenahme von farbigen Karten, Tafeln und Pfeilen fand dann auch jeder Essenteilnehmer schnellstens seinen Tisch.
Kurz nach Mittag setzte, wie erwartet, ein starker Zustrom in das Studentenhaus ein, und in kurzer Zeit saßen Dozenten, Studenten und Studentinnen, Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht, sowie zahlreiche weitere Gäste in fröhlicher Unterhaltung beim Essen.
Studentenführer Frank
begrüßte und sprach dann kurz über den Sinn des Fischtages der Studenten. Stiefmütterlich sei in den vergangenen Jahren der Fisch behandelt worden. Dieser Tag des Fischessens solle Ansporn sein und zugleich das Gefallen an dieser für unser Volk so wichtigen Nahrung allgemein wecken. Auch die Studenten wollten an einem solchen Tage zeigen, daß sie mittun an dem Werke des Führers, nicht nur durch Worte, sondern auch durch die Tat. Auf gefährlichstem Vorposten und im härtesten Lebenskämpfe ständen die Männer der deutscyen Fischerei, sei es bei der Küsten-, Binnen- oder Hochseefischerei. In ihrem Berufe könnten sie keine Schätze sammeln, sie wüßten nur, daß sie eine große Aufgabe zu erfüllen hätten. Heute gelte es, in jeder Hinsicht durchzuhalten, und wenn es erforderlich sei, auf diesem Wege einen oder zwei Fischtage einzuführen, so
wollten alle in der nötigen Einsicht und Erkenntnis, daß es nur zum Wohle des ganzen Volkes ist, gerne und willig mittun. Jeder müsse einsehen lernen und verstehen, daß das tatsächlich Aufgaben und Probleme von ökonomisch ungeheurer Bedeutung seien. Wenn man sich die Verbrauchsziffern anderer Länder ansehe, so müsse man staunen, in wie weitem Maße diese ihre Lebensbedürfnisse auf den Fischverbrauch eingestellt hätten. So verbrauche z. B. England 24 Kilogramm, Japan 70 und Deutschland bisher nur 14 Kilogramm Fisch auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre. Für die Zukunft laute die Parole: Eßt mehr Fisch!, denn er sei nicht nur gesund, weil er viel Eiweiß enthalte, sondern man spare dadurch Fleisch, weiter sei ein Mehrverbrauch erforderlich, um damit die Verwirklichung der Ziele, die durch den Dierjahresplan, die Sicherung der Ernährungsfreiheit des deutschen Volkes, gesteckt worden seien, tatkräftig zu fördern.
pg. Wagner
überbrachte anschließend die Grüße des am Erscheinen verhinderten Kreisleiters und unterstrich in kurzen Worten nochmals die Notwendigkeit dieser Werbung. Im deutschen Volke müsse das Verständnis dafür geweckt werden, jede Möglichkeit der Ernährung auszunützen. Voraussetzung für die politische Freiheit sei die Nahrungsfreiheit eines Volkes. Gerade das deutsche Volk habe am eigenen Leibe schon verspüren müssen, was es bedeute, wenn die Ernährung nicht sichergestellt sei. Aus diesem Wissen heraus sei die Erzeugungsschlacht durchgeführt worden und werde auch jetzt wieder ein neuer Plan durchgeführt. Bei dem Fisch gelte es zunächst, manches Vorurteil zu beseitigen und mit der Gleichgültigkeit aufzuräumen. Es sei nicht unwichtig, ob die einzelne Familie einmal oder zweimal in der Woche Fisch esse, denn keine Tat sei so gering, wenn es gelte, die Freiheit des Volkes zu sichern.
Auch der Reichssender Frankfurt war <ju dem Gießener Studenten-Fischessen erschienen und machte mitten aus dem gemeinsamen Essen eine stimmungsbildgemäße Aufnahme.
Kartenbestellungen müssen bis zum 6. d. M. auf der Kreisdienststelle eingereicht werden.
Amt Reisen, Wandern und Urlaub.
Omnibusfahrt am Rosenmontag nach Mainz. Am diesjährigen Rosenmontag führen mir eine Tagesomnibusfahrt nach Mainz durch, um auch den Arbeitskameraden aus Oberhessen Gelegenheit zu geben, sich den traditionellen Rosenmontagszug anzusehen. Der Preis der Fahrt beträgt 4,10 RM. Abfahrt 7.00 Uhr am Haus der DAF., Schanzenstraße 18. Einige Plätze sind noch frei, müssen aber umgehend bestellt werden. Die oorbestellten Karten können auf der Kreisdienststelle abgeholt werden.
U.F. 85/37 vom 4. bis 8. März Automobilausstellung Berlin 193 7. Da das Interesse für die Internationale Automobilausstellung in Berlin sehr groß ist, fahren wir in der Zeit vgm 4. bis 8. März einen Sonderzug nach Berlin. Teilnehmerpreis 25,50 RM. In dem Teilnehmerpreis ist enthalten: Fahrt, Verpflegung und Eintritt zur Ausstellung.
Amt Deutsches Volksbitdungswerk.
Lichtbildervortrag „Grönland und Spitzbergen" am 4. Februar. Am Donnerstag, 4. d. M., hält Dr. Hans Poser (Göttingen), in der Aula der Universität einen Lichtbildervortrag „Grönland und Spitzbergen" (auf Grund eigener Reisen). Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde hat uns zu diesem Vortrag verbilligte Eintrittskarten zum Preis von 40 Pf. zur Verfügung gestellt, die auf der Kreisdienststelle erhältlich sind. Der Vortrag beginnt um 20.15 Uhr.
3m Dienste des WHW.
Vom Reicksluftschutzbund, Ortsgruppe Gießen, wird uns geschrieben:
Der Reichsluftschutzbund hat den ehrenvollen Auftrag, sich gemeinsam mit dem Reichskrieaerbund, der NSKOV., dem Deutschen Luftsport-Verband und dem NS.-Studentenbund an der 5. Reichsstraßensammlung zu beteiligen.
Den Auftakt zu dieser Sammlung bildet eine Gemeinschaftskundgebung aller beteiligten Organisationen im Berliner Sportpalast am 5. Februar, bei der der Reichsminister der Lustfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe sprechen wird. Die Veranstaltung wird auf alle deutschen Sender übertragen.
Der Gemeinschaftsempfang der Amtsträger der Ortsgruppe Gießen des Reichsluftschutzbundes findet am 5. Februar im Gasthaus „Zur Stadt Wetzlar", Ludwigftraße 55, um 19.45 Uhr, statt. Pünktliches Erscheinen ist unbedingt erforderlich.
Bon der Universität.
Don der Pressestelle der Universität Gießen wird mitgeteilt:
Der Dozent an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Ludwigs-Universität Gießen Dr. med. vet. habil. Jürgen Witte und der Dozent an der Philosophischen Fakultät, 2. Abteilung, Dr. phil. nat. habil. Wulf Ankel sind durch Entscheidung des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung Berlin zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt worden.
Sieben Tage Appell.
NSG. Im Zuge der Unfallverhütungsaktion vom 7. bis 14. Februar veranstaltet die Reichsbetriebsgemeinschaft Druck gemeinsam mit der Deutschen Buchdrucker-Berufsgenossenschaft und der Papier- verarbeitungs-Berufsgenosfenschaft im Verlaufe der Woche 300 Versammlungen mit Vorträgen und Vorführungen von Unsalloerhütungsfilmen aus dem Betriebs- und Verkehrsleben. Die Peranstaltungen beginnen in den größten Buch- und Druckstädten in den Kinotheatern und werden wellenartig bis zu den Schlußveranstaltungen am Sonntag, 14. Februar, in den einzelnen Orten fortgesetzt, lieber 300 000 Gefolgschaftsmitglieder und Betriebsführer der in Frage kommenden Betriebe sollen auf ihre Verpflichtung zur Schadenverhütung und zur Schonung der Leistungskraft hingewiesen werden.
Wehrdienst der Tierärzte.
Der Reichs- und Preußische Minister des Innern fordert in einem Runderlaß die wehrdiensttauglichen tierärztlichen Beamten und Angestellten im Reichs-, Staats- und Gemeindedienst, sowie in den öffentlichen Körperschaften unter Erinnerung an die dem Vaterlande gegenüber zu erfüllende Ehrenpflicht zu freiwilligen Meldungen zu Uebungen im
Das fremde Gesicht.
Jtoman von (Soren.
84. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Aber Dr. Alland antwortete überhaupt nicht. Sehr bleich, mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Schmerz und Widerwillen, blickte er über Herrn Kühlmann hinweg, der in dieser peinlichen Stille unbehaglich auf feinem Stuhl herumzurutschen begann.
Plötzlich wandte ihm Alland den jetzt wieder ganz Stammelten Blick zu, den klaren, festen Blick eines rztes, der seinen Patienten mit sachlichem Interesse betrachtete.
„Als ob er einem schon für die Operation Maß nehmen wollte", dachte Herr Kühlmann und fuhr sich unwillkürlich wie schützend mit der Hand übers Gesicht.
Aber er hatte den prüfenden Blick des Arztes falsch gedeutet. Denn jetzt sagte Alland mit einer plötzlichen kalten Entschlossenheit, die etwas beinahe Einschüchterndes hatte:
„Genug — lassen Sie dieses alberne Katz-und- Maus-Spiel! Ich weiß nicht, wer Sie eigentlich sind, und was sie nötigt, mich zu konsultieren. Aber ich habe den Eindruck, als ob man mit Ihnen immerhin noch wie mit einem Menschen sprechen könnte. Ich möchte es wenigstens versuchen. Sie werden dann vielleicht doch begreifen, daß und warum ich auf Ihren Vorschlag nicht eingehen kann. Nein, unterbrechen Sie mich jetzt nicht. Sie sollen wenigstens wissen, wie die Situation wirklich liegt, die Sie ausnützen möchten. Sie stellen sich vielleicht vor, daß ich ein geriebener Geschäftsmann bin, dem es nur aufs Geld ankommt, ganz gleich, wie er es sich verdient. Aber ich kann Ihnen mit aller Wahrhaftigkeit versichern, daß ich keine Ahnung hatte, wer dieser Gallatin war, als er sich damals an mich wandte. Ich war des Glaubens, daß es sich um nichts anderes als eine Schönheitsoperation handelte — ein reicher, spleeniger Amerikaner, der sich seiner Braut zuliebe seine Tätowierung und fein Muttermal entfernen lassen und sich dabei gleich noch ein bißchen verschönern lassen will ... Eine durchaus glaubwürdige Sache! Sie nennen Gallatin
Ihren Freund, aber ich kann Ihnen sagen, daß ich ganz gewiß eher einen Pakt mit dem Teufel selber eingegangen wäre, als mich mit diesem Menschen einzulassen, wenn ich gewußt hätte, wer er ist. Ich habe durch einen lächerlichen Zufall gerade erst vor ein paar Wochen hier in einem Polizeibüro den alten Steckbrief gelesen, dessen Photographie mir mit einem Schlag alles klarmachte. Es war dann nicht mehr schwer zu begreifen, was es mit diesem Bertrand auf sich hatte, der. mir durch den sogenannten Gallatin geschickt worden war. das ganze Gesicht von schlecht verheilten Narben zerfetzt. Jetzt erst wurde mir klar, warum auch Bertrand auf einer weitergreifenden Veränderung feiner Physiognomie bestand, als chirurgisch notwendig gewesen wäre. Ich hätte sofort mit alledem Schluß gemacht, wenn nicht ..." Alland zögerte einen Augenblick, aber da fuhr der andere schon mit verständnisvollem Kopfnicken fort:
„... wenn nicht die Sache mit Ihrer Frau gewesen wäre — gewiß doch, ich bin ganz im Bilde."
Alland versuchte sein Erstaunen zu verbergen und möglichst gelassen weiterzusprechen:
„Ganz recht! Um fo besser, wenn Sie auch darüber Bescheid wissen. Sie werden mich dann erst recht verstehen."
„Da meine Frau nun einmal das Unglück gehabt hatte, ganz ohne eigene Schuld mit Gallatin, der damals noch Monno hieß, in Berührung gekommen zu sein, konnte ich nicht den eigentlich einzig gebotenen Weg, den Weg zur Polizei, einschlagen, ohne meine Frau und, worauf es mir an sich weniger angekommen wäre, auch mich zu gefährden. Trotzdem habe ich bei jenem letzten Gespräch mit Monno, das Ihnen ja vermutlich dem Inhalt nach auch bekannt sein wird, alle weiteren Vorschläge oder richtiger Erpressungen von ihm abgeroiefen, obwohl er mir bereitwilligst jede beliebige Summe versprochen und sicher auch wirklich gezahlt hätte. Ich will kein Geld von ihm."
„Kein Wunder, wo Ihnen sein Geld von damals so gut bekommen ist. Eigenes Sanatorium, schönes Prioathaus, zwei Autos... Das kann gar kein ,unrecht Gut' gewesen fein, was fo gediehen ist!"
Dem Arzt schoß das Blut ins Gesicht, feine blauen Augen wurden fast schwarz vor Zorn.
„Ich verbitte mir diese Redensarten!" fuhr er auf, und feine Stimme, nicht übermäßig laut, hatte
eine Schärfe des Tones, die den andern zusammenfahren ließ. „Was ich besitze, habe ich mir erarbeitet. Das Honorar von Monno hat mir die ersten Schritte auf meinem Weg erleichtert — zugegeben, aber auch nichts mehr. Trotzdem habe ich, wenn es Sie interessiert, bereits begonnen, diese Schuld — denn es ist so etwas wie eine Schuld, obwohl ich es damals nur für ein gutes Honorar hielt — wieder zurückzuzahlen. Nicht an Gallatin, der soll es nicht haben, sondern an das Institut für Krebsforschung. So, also damit wäre nun wohl alles klar, Herr Kühlmann, und ich darf Sie jetzt bitten, mich nicht länger aufzuhalten."
Alland schob mit einem Ruck feinen Stuhl zurück und stand auf, aber der andere beachtete diese deutliche Aufforderung gar nicht, sondern blieb ruhig sitzen und schielte den Arzt von unten her mit einem halb verkniffenen, halb unsicheren Lächeln an.
„Sie regen sich ganz unnötig auf, Herr Doktor", sagte er, „fo einfach werden Sie mit unfereinem denn doch nicht fertig. Sie reden immer nur von .Wollen'. Denken Sie lieber ein bißchen ans .Müssen'. Sie meinen, die Partie stünde ziemlich gleich. Aber Sie irren sich. Sie können zwar nichts gegen uns machen, ohne sich selber zu ruinieren. Aber wir — darüber sollten Sie sich immerhin zur Sicherheit vorher klar werden, bevor Sie Entscheidungen treffen —, wir können es auch fo einrichten, daß Sie geliefert find, ohne daß wir selbst etwas dabei riskieren. Wir brauchten zum Beispiel bloß einen netten, kleinen anonymen Prief mit ein paar detaillierten Angaben über Sie und Ihre Frau an die Polizei zu schicken. Das genügt vollkommen, um Sie zu vernichten, Sie und Ihre Frau und — ein Kind haben Sie ja wohl auch noch, wie? Sehen Sie, als Familienvater muß man vernünftig fein und sich nicht zu übereilten Entschlüssen hinreißen lassen."
Frank Alland hatte sich langsam wieder auf seinem Schreibtischstuhl niedergelassen und bedeckte fein Gesicht mit der aufgestützten Hand. Er schämte sich vor dem neugierig-spöttischen Blick dieses Unbekannten, der doch im Grunde nur eine Art armer Unterteufel fein mochte. Er schämte sich bei dem Gedanken, daß seine innere Eregung, der qualvolle Gewifsenszwiespalt, der ganze schreckliche Seelen-
Oberhesfen.
Landesbauernführer Dr. Wagner zum Oberführer befördert.
Lpd. Frankfurt a. M., 3. Febr. Der Reichs« führer SS. und Chef der deutschen Polizei, Himmler, hat Landesbauernführer, SS-Stan- dartenführer Dr. Wagner, MdR., am 30. Januar 1937 zum SS.-Oberführer befördert.
Beisetzung desGrafenBeinhard zuSolmS-Laubach
□ Laubach, 4. Febr. Am Sonntagnachmittag fand auf dem hiesigen Friedhof die feierliche Beisetzung des am 26. Januar bei einem Erholungs- aufenchalt in Oberstdorf plötzlich verstorbenen Majors a. D. Graf Reinhard zu Solms- Laubach, der seither in München wohnte, statt. Der Beisetzung ging ein Trauergottesdienst in der Friedhofskapelle voraus, wo die Förster des Graf zu Solms-Laubachschen Forstamts an der Bahre des Entschlafenen die Ehren- und Totenwache hielten. Pfarrer S ck m i d t gab in seiner Ansprache noch einmal ein Lebensbild des mit seinem Heimatboden und Vaterland eng verbundenen treuen Mannes, der an dem Weltkrieg teilgenommen und auch eine Verwundung erlitten hatte. Nach Gebet und Segen des Geistlichen wurde der Sarg, gefolgt von einer großen Trauergemeinde, zur Erbbegräbnisstätte des Laubacher Grafenhauses getragen, wo nach Einsegnung Oberforstmeister i. R. Eckstein (Grünberg) seinem ehemaligen Klassenkameraden herzliche Abschiedsworte widmete. Mit der Ehrensalve des Laubacher Kriegervereins fand die Trauerfeier ihr Ende.
Hauptversammlung der ^Baumkircher-Gesellschaft" 1937.
□ Laubach, 4. Febr. Die hiesige „Saum« kircher-Gesellsckaf t", die wegen ihrer alljährlichen Zusammenkunft am 3. Februar auch „B l a s i u s g e s e l l s ch a f t" genannt wird, hielt aeftern in althergebrachter Weise ihre Jahreszu- sammenkunft ab. Bereits am Vormittag trafen sich die Mitglieder der alten Wiesenbaugenossenschaft im Gasthaus „Zur Linde" am Marktplatz, um die alljährliche Verteilung des zur Genossenschaft gehörenden Wiesengelärwes in Größe von 25 Morgen, das in 15 sogenannte „Weidteile" geteilt ist, sowie die Wahl des neuen Äorsitzenden, welcher Schultheiß genannt wird, vorzunehmen. Für bas„ Jahr 1937 wurde der Bauer Friedrich Konrad Lower tum Schultheiß gewählt. Nach Erledigung des ge- fchäftlichen Teiles fand eine gemeinschaftliche Feier statt. Gegen 21 Uhr bewegte sich der Umzug der Blasiusgesellschaft unter Dorantritt der fackeltragenden Jugend von her „Linde" aus durch 5>ie Straßen der Stadt zu dem Hause des neuen Schultheißen, wo die Feier bis zu den frühen Morgenstunden fortgesetzt wurde. Bei der Blasiusgesellschaft handelt es^ich um einen alten deutschen genossenschaftlichen Verband, eine sogenannte „Markgenossenschaft", die eine Gemeinschaft von Familien zu gemeinsamem Besitz und gemeinsamer Nutzung von unveräußerlichem Grund und Poden ist. Sie führt ihren Ursprung auf den Untergang des Dorfes Baumkirchen und die Uebersiedlung feiner Äe- wohner nach Laubach zurück und kann auf eine mehr als 500jährige Tradition zurückblicken, die sich in ihrer ursprünglichen Form bis auf den heutigen Tag erhalten hat.
Ratsherrensihung in Alsfeld.
A Alsfeld, 1. Februar. In der jüngsten Sitzung der Ratsherren gelangte die Rechnung der Stadt-, Hospital- und Armenkasse vom Rechnungsjahr 1935 nebst den Rechnungen der städttschen Betriebe zur Vorlage. Die Hauptrechnung der Stadt schließt in der Abteilung für den Betrieb in Einnahme mit 525 026,62 RM., in Ausgabe mit 449 263,03 RM. ab, so daß sich ein Rechnungsrest von 75763,59 R M. ergibt., In der Abteilung für das Vermögen betragen die Einnahmen 53 267,31 RM., die Ausgaben 47 955,70 RM., fo daß hier der Rechnungsrest 5311,61 RM. beträgt. Die Einnahmen des Rj. 1935 aus dem Schlachthof belaufen sich auf 33211,69 RM., die Ausgaben auf 27 888,56 RM., so daß sich ein Restnungsrest von 53.23,13 RM. ergibt. Die Einnahmen aus dem städtischen Wasserwerk ergaben 49 706,49 RM., die Ausgaben betrugen 48 677,09 RM. unter Einrechnung des für den all
kampf dieses Augenblicks ihm am Gesicht abzulesen sein mußte.
Er konnte nicht sehen, daß sogar in dem kalt beobachtenden Blick dieses Herrn Kühlmann eine Spur menschlichen Mitgefühls aufzudämmern begann ...
Ein oder zwei Minuten vergingen in einem gespannten Schweigen, in dem man nur einmal ganz von fern aus dem Park her eine Kinderstimme aufklingen hörte ...
Dann ließ Alland plötzlich die Hand sinken, sie zitterte so stark, daß er kaum den Bleistift halten konnte, den er eben ergriffen hatte. Mit einer seltsam gebrochenen Stimme, den Blick an Kühlmann vorbei ins Leere gerichtet, sagte er endlich:
„Ich will es dieses eine Mal noch tun, ich werde Sie operieren. Aber ich nehme kein Honorar dafür. Ich tue es, um meine Frau und mein Kind zu retten. Es ist das letztemal. Morgen früh um neun Uhr kann die Operation stattfinden."
Herr Kühlman nickte ein wenig betreten, und murmelte im Hinausgehen irgend etwas, das beinahe wie eine Entschuldigung klang.
Die Tür fiel ins Schloß.
„Noch mal, Mutti — mach noch mal böser Bär!"
Wohl ein dutzendmal hatte Evelyn sich auf Karins dringenden Wunsch das Eisbärfell über den Kopf gezogen, um dann unter drohendem Gebrumm auf allen vieren um den Tisch herumzukriechen, was die Kleine immer wieder in einen Taumel des Entzückens versetzte. Sie jauchzte und schrie vor Vergnügen, daß man es im ganzen Hause hörte und Schwester Hanni vergebens zur Ruhe mahnte.
Evelyn war schon ganz erschöpft von der wilden Jagd, die das lebhafte Kind mit ihr anstellte. Da hörte sie Karin plötzlich in die Händchen klatschen und „Äati" rufen. „Vati muß mitspielen! Vati soll auch den Bär jagen!"
Die junge Frau fiel einen Augenblick aus ihrer Tierrolle und streckte lachend den arg zerzausten Kopf unter dem Bärenfell hervor. Aber das Lachen verging ihr sofort, als sie Alland ins Gesicht sah» der eben ins Zimmer getreten war und mit leidendem Ausdruck auf die drollige Szene starrte, als bereite ihm der Anblick einen körperlichen Schmerz.
(Fortsetzung folgt!)


