Nr. ?82 Zweites Matt
Kießener Anzeiger sAeneral-Anzeiger für Gberheffen)
Zreitag.Z. Dezember fyZ?
Deutsches Schicksalsland im Osten.
auch die deutschen Bischöfe unterstützten, und so das Interesse der Kirche mit seinem eigenen zu verknüpfen. Als Schirmer der Kirche konnte er soviel
3u Kaiser Lothars 800. T
Von Annemarie
Bei der Betrachtung des Erbes der Väter unserer nationalen Geschichte sind es immer wieder neue Seiten, die sich dem Blick mit größerer oder geringerer Deutlichkeit darbieten. Jede Zeit kann nicht anders, als an der Vergangenheit am schärfsten das hervortreten zu lassen, was der eigenen Einstellung am tiefsten entspricht. So wandte sich die Geschichtsdarstellung der Generationen vor uns mit besonderer Vorliebe den glänzenden Gestalten und Gestaltern des deutschen mittelalterlichen Imperiums zu, Karl, Otto, den Staufern — allen diesen germanischen Helden, deren Kraft sie mit Notwendigkeit dorthin drängte, wo damals die geschichtlichen Spannungen am stärksten waren, wo die großen, weithin sichtbaren Entscheidungen fielen, wo der Einsatz am schwersten, der Ruhm am höchsten war: ans Mittelmeer, nach Rom. Unsere Zeit dagegen mit ihrem neuen Wissen um die Gesetze wahrer Volkwerdung, um die still wirkenden, aber ewigen Kräfte von Raum und Rasse, von Blut und Boden, blickt mit ehrfürchtiger Liebe auf die Männer, die als erste begriffen, daß das S ch i ck s a l s l a n d des deutschen Volkes nicht der Süden, sondern der Osten sei, und die zuerst die Räume erschlossen, wo das deutsche Schwert, noch mehr aber der Pflug des deutschen Bauern, ein Reich erkämpften, das nach außen hin anfangs zwar weniger glänzend, aber fruchtbarer und dauernder alle wirklichen Volkskräfte zu binden und auszudrücken vermochte.
Als die ersten großen Kolonisatoren des Ostens und damit Wegbahner der Zukunft sind von unserer neueren Geschichtsschreibung bisher vor allem zwei Männer gefeiert worden: der Sachse Heinrich I. und der Welfe Heinrich der Löwe. Darüber wurde meistens der Mann übersehen, der zwischen beiden in der Mitte steht, der Erbe des Sachsen und Ahnherr des Welfen: Lothar von Supp- linburg. Auf diesen Kaiser die Aufmerksamkeit gelenkt zu haben, ist das große Verdienst des bei Georg Stilke in Berlin erschienenen Buches „Kaiser Lothar" von Franz Lüdtke.
Die ganze Geschichte des deutschen Mittelalters ist ein Gewirr von sich überschneidenden Linien und von polaren Gegensatzkräften, die zueinander bald in einem fruchtbaren Spannungsverhältnis, bald in vernichtendem Kampf standen. Stammesgefühl und Reichsgedanke war einer dieser Gegensätze. Das Stammesgefühl, getragen von den Herzögen, schuf vielgestaltige Lebendigkeit, drohte aber die Einheit zu zerreißen, der Reichsgedanke, im Königtum verkörpert, mußte das Auseinanderstrebende binden, war aber in Gefahr, das organische, natürlich gewachsene Leben der Stämme selber zu zerstören. In den drängenden Ereignissen, wo immer gehandelt, immer das Nächste getan werden mußte, waren es nur die wenigen Ueberragenden, die die Fähigkeit des Planens in großen Zusammenhängen und auf weite Sicht behielten, und selbst bei ihnen wuchsen die Folgen der Taten über ihre Absichten hinaus. Jeder fand ein Erbe der Väter vor, das seine Bahn mitbestimmte, und jeder bereitete in seinen Schritten zugleich den Weg der Enkel.
Diese Doppel- und Msttelstellung war für Lothar besonders bezeichnend. Er war als Sechzigjähriger zum König gewählt worden, nach dem Aussterben der Salier, die ebenso wie die Ottonen eine starke Zentralgewalt auf Kosten der Stammesherzöge erstrebt, vielfach die alten Herzogtümer zerschlagen und als Lehen an ihnen ergebene geistliche Fürsten verteilt hatten. Als sächsischer Graf, der allmählich -unter seinesgleichen eine überragende Stellung und die Herzogwurde erreicht hatte, stand Lothar in der Fronde gegen den König. Aber als König war auch er gezwungen, die Reichsmacht zu verteidigen und zu stärken, hauptsächlich gegen den Staufer Friedrich von Schwaben, der als nächster Anwärter auf den Thron bei der Wahl übergongen worden
-destage am 4. Dezember.
von Puftfomer.
war. Um die Königsmacht auf breitem und sicherem Grund verankern, vermählte der' alternde und söhnelose Kaiser seine einzige Tochter und Erbin mit dem Bayernherzog Heinrich dem Stolzen und schuf so durch die Vereinigung der beiden wichtigsten Herzogtümer in einer Hand zum erstenmal eine Hausmacht, die, wäre es ihm gelungen, seinen Eidam als Nachfolger anerkennen zu lassen, wohl stark genug gewesen wäre, das Königtum unangreifbar zu machen. Im übrigen aber legte Lothar durch Belehnung der Askanier mit der Mark Brandenburg, der Wettiner mit der Mark Meißen, der Schauenburger mit der Nordmark statt der alten Stammesherzogtümer den Grund zu einem neuen Landesherrentum, das für viele Jahrhunderte deutscher Geschichte außerordentlich bedeutsam werden sollte.
Die von Otto I. eingeschlagene Politik, die Bistümer mit großen weltlichen Lehen auszustatten, hatte die Kirche auf den gefährlichen Weg weltlicher Herrschaft gedrängt, und die kirchliche „Reformbewegung", ursprünglich zum Zwecke der Entwelt- lichung der Kirche begonnen, hatte sogar durch die Lockerung der königlichen Oberhoheit zu einer noch stärkeren Verweltlichung geführt. So bestand zu Lothars Zeiten eine Kirche, die ihrerseits neben den Herzögen zu einer politischen Macht geworden war und sich gerade unter den letzten Saliern oft genug mit den Herzögen gegen den König verbunden hatte. Aber auch hier gelang es Lothar aufs glücklichste, an Stelle des zerstörenden Gegensatzes den fruchtbaren Ausgleich zu finden, indem er im päpstlichen Schisma für jenen Papst das Schwert zog, den
Aus den Gießer
Schöffengericht Gießen.
Gestern hatte sich der W. Sch. aus Gießen wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälschung vor dem Schöffengericht zu verantworten. Der Angeklagte war im Marburger Bezirk als Vertreter einer Herdplattenfirma in Hildesheim tätig und unterstand als solcher einem Generalvertreter, der in Gießen seinen Sitz hat. Der Angeklagte hatte seine aufgenommenen Bestellungen an diesen weiterzureichen. Dieser gab sie an die Firma weiter, worauf Lieferung und Auszahlung der Provision erfolgte. Im Januar dieses Jahres hatte der Angeklagte in Marburg mehrere Interessenten aufgesucht, jedoch keinen Auftrag erhalten. Dies hinderte ihn nicht, die Bestellzettel mit dem Namen dieser Leute zu fälschen und einzusenden. Daraufhin wurde ihm die Provision von dem Generalvertreter ausgezahlt. Als der Generalvertreter die angeblich bestellten Platten den „Kunden" aushändigen wollte, kamen die betrügerischen Manipulationen des Angeklagten ans Licht.
In der gestrigen Hauptoerhandlung gab der Angeklagte zu, die Unterschriften gefälscht zu haben. Er behauptet jedoch, dies sei auf Anweisung des Generalvertreters erfolgt mit dem Zwecke, diese einzuschicken um sich so in Gießen einen größeren Posten Platten auf Lager legen zu können, weil die Lieferung von der Zentrale fcbr schleppend von- statten gegangen sei. Im gleichen Atemzug behauptete er aber wieder das Gegenteil, nämlich die Bestellzettel sollten vereinbarungsgemäß in Gießen liegen bleiben, bis die Kunden, mit deren Namen er bereits unterzeichnet hatte, fest abgeschlossen hätten. Er habe dem Generalvertreter den ganzen Sachverhalt erzählt und ihn auch gebeten, vorläufig bis zum endgültigen Abschluß von der Auszahlung der Provision Abstand zu nehmen. Daraufhin habe der Generalvertreter auch die Provision einbehalten. Durch die eidliche Aussage des Generalvertreters
an Macht fordern und durchsetzen, als ihm notwendig schien. In allen diesen Dingen war Lothars Vorgehen nüchtern und beharrlich, von maßvoller Einschätzung der Wirklichkeit und des Erreichbaren, dabei unbeirrbar zäh im Festhalten des als notwendig Erkannten. Auch vor einem vorübergehenden Zurückweichen und Stellungswechsel schreckte er nicht zurück, wenn es um ein größeres, dahinter liegendes Ziel ging.
Dieses höhere Ziel aber war stets die Ostmark, die ihm als sächsischen Fürsten heiliges Vermächtnis war. Auch ihn freilich zwang als König die innere Gesetzmäßigkeit, zweimal über die Alpen zu ziehen, in den Brennpunkt der großen Entscheidungen und sich die Kaiserkrone zu holen. Aber er ließ sich niemals dadurch verleiten, den Schwerpunkt des Reiches nach Süden zu verlagern, sondern stets blieb sein Blick nach Osten gerichtet. Dabei muß die unbestechliche Vornehmheit von Lothars Gesinnung, die persönliche Hoheit seines Wesens ungewöhnlich überzeugend gewesen sein, denn in. keiner der zeitgenössischen Quellen finden wir eine Stimme, die anders als mit tiefster Ehrfurcht und Bewunderung von ihm spricht.
Es war ein Unglück für Deutschland, daß diesem Kaiser nur 12 Jahre der Herrschaft gegönnt waren. Nach seinem Tode blieben viele Ansätze, die er gegeben, im Keime stecken. Der Gegensatz zwischen Welfen und Waiblingen, der sich unter seiner Regierung zum erstenmal ankündigt, und den er durch Weisheit, Maß und Festigkeit noch zu überwinden verstanden hatte, sollte das ganze Jahrhundert nach ihm zerreißen. Die bedeutsamste Leistung seines Lebens jedoch, die neue Wendung der deutschen Politik nach dem Osten, sollte von seinem Enkel, Heinrich dem Löwen, glücklich vollendet werden.
wurde der Angeklagte jedoch in vollem Umfange überführt. Es wurde insbesondere festgestellt, daß er die Provision für die fingierten Bestellungen erhalten hat.
Das Gericht billigte dem Angeklagten mit Rücksicht auf seine bisherige Unbestraftheit mildernde Umstände zu, hielt jedoch anderseits auf Grund des hartnäckigen Leugnens eine exemplarische Strafe am Platze und erkannte wegen fünffacher schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug auf eine Gefängnis st rafe von 2 Monaten.
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Ebenfalls wegen Betrugs und Urkundenfälschung stand der W. Sch. aus Groß-Mehlra, der schon wiederholt auch einschlägig vorbestraft ist, vor dem Schöffengericht. Dieser vertrieb in der Gegend von Laubach im Mai 1936 für eine auswärtige Firma Staubsauger. Auch er fingierte, um sein bescheidenes Einkommen zu verbessern, mehrere Bestellungen und unterzeichnete sie mit Namen beliebiger Personen, die teilweise überhauvt nicht existierten. Auf diese Weise hat er seine Auftraggeberin um .120 Mark geschädigt. Der Angeklagte war im wesentlichen geständig, behauptete jedoch, noch einen Provisionsanspruch von 70 Mark an seine Firma gehabt zu haben, so daß diese nur um effektiv 50 Mark geschädigt sei. Diese Frage konnte aber dahingestellt bleiben, da die Höhe der Summe für die Strafbarkeit des Angeklagten ohne Bedeutung ist. Mit Rücksicht auf die vielen Vorstrafen lautete das Urteil unter Einbeziehung einer vor kurzem erkannten Gefängnisstrafe von vier Monaten auf insgesamt ein Jahr Gefängnis.
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Sodann hatte sich der Rudolf Wintersdorf aus Bad-Nauheim wegen räuberischen Diebstahls usw. zu verantworten. Der Angeklagte, der gerade 18 Jahre alt geworden ist, jedoch schon mit Fürsorgeerziehung und Gefängnis wiederholt Bekanntschaft gemacht hat, fand nach seiner Entlassung aus
„Die Warschauer Zitadelle " Lichtspielhaus.
Der Freiheitskampf des polnischen Volkes gegen die russische Gewaltherrschaft hat dem deutschen Film wiederholt fruchtbare Anregungen gegeben. Der „Warschauer Zitadelle" liegt eine polnische Quelle zugrunde: schon vor dem Kriege erschien das Schauspiel „Tantem" („Der Andere") der Gabriela Z a p o l s k a, das auch in Deutschland erfolgreich aufgeführt wurde; eine neue Fassung des Stückes von Alfred M ü h r unter dem Titel „Der weiße Adler" hat im vorigen Jahre in Köln seine Feuerprobe bestanden; Mühr hat mit dem Dramatiker und Regisseur Fritz Peter Buch zusammen auch das Manuskript für den Film geschrieben, der in den Grundzügen der Handlung auf das Drama der Zapolska zurückgeht und eine Episode des polnischen Aufstandes im Jahre 1905 gestaltet. Der sogenannte „zehnte Pavillon" der Warschauer Zitadelle war das Gefängnis der nationalgesinnten Polen, zugleich die Keimzelle immer neuer Versuche, das drückende Joch der zaristischen Militärherrschaft abzuschütteln und das Vaterland zu befreien. Was der Fabel und ihrer filmischen Ausführung ihren eigentümlichen Reiz gibt, ist nicht nur das nationale Thema des Freiheitskampfes, des persönlichen Einsatzes und der selbstlosen Aufopferung, sondern vor allem auch die natürliche dramatische Spannung, die sich bei so klar abgegrenzten gegnerischen Fronten aus der Schilderung dieses Krieges im Dunkel ergibt und eigentlich alle Szenen des Filmes von Anfang bis zu Ende beherrscht. Es scheint uns ein Verdienst der sehr geschickten Spielführung von Fritz Peter B u ch zu sein, daß er die Stimmung eingefangen hat und auf den Beschauer zu übertragen vermochte, welche alle Phasen der Episode beherrscht, die eigentümlich lastende und drohende Atmospäre des vom düsteren Bau der Zitadelle beherrschten Schauplatzes: in der Schilderung einer finstern und mißtrauischen Gewaltherrschaft, der Spionagefurcht, des Verhörs, der überraschenden Haussuchungen, der geheimen Zusammenkünfte und Verschwörungen, der Bespitzelung, der ewigen Angst vor Entdeckung, vor Erschießung oder Verschickung nach Sibirien, der offen ausbrechenden Empörung und des gewaltsamen Handstreichs, mit dem ein paar entschlossene Patrioten die bereits nach Sibirien verladenen, gefangenen Landsleute befreien. Dies alles gestaltet der Film mit einer zwingenden, bis zuletzt fesselnden Eind-'nglichkeit, und ‘es schadet nichts, wenn man zugibt, daß die
Bearbeiter auch rein theatralisch wirksame Elemente im Aufbau des Ganzen nicht verschmäht haben; man denke etwa an die übrigens ausgezeichnet gemachten Szenen im Tingeltangel, oder an die Eifersuchtsaffäre, die, scheinbar völlig privat, im Verlaufe der Ereignisse ihre Fäden zum politischen Hauptthema hinüberspinnt. Ein nicht unerheblicher Anteil an der unmittelbaren Wirkung des Films ist endlich der sehr feinfühlig zusammengestellten und gegeneinander abgestuften Besetzung zuzuschreiben. Man betrachte etwa die ungewöhnlich interessante Skala der Frauenrollen. Da ist die H ö f l i ch in einer ihrer unübertrefflichen Gestaltungen; sie spielt die Mutter eines polnischen Revolutionärs mit der stillen Würde und der fraulichen Wärme, die mit wenigen Worten vollkommen überzeugend ist. Viktoria von B a l l a s k o ferner, wie ein jüngeres Gegenbild der Höflich, eine junge Liebende und polnische Patrotin, sehr schlicht, gläubig und tapfer. Dann die Straub, äußerlich ganz an jene Kneipenwirtin in den „Weißen Sklaven" erinnernd; aber mit Temperament, weiblichem Scharm und natürlichem Humor macht sie hier aus einer Episodenrolle eine der lebendigsten Figuren in diesem Umkreis, die Matalkowska aus der „Blauen Ampel". Endlich Maria S a z a r i n a , die Tänzerin und Chansonette, die eines Tages ihr Herz entdeckt und verliert; sehr pikant, dennoch nicht ohne das echte Gefühl, das die Figur erst menschlich legitimiert. Von den männlichen Darstellern beherrschen Werner Hinz und Paul Hartmann als die eigentlichen Gegenspieler das Feld. H i n z e n s polnischer Student erinnert auch ein wenig an seine große Rolle in den „Weißen Sklaven", wirkt aber hier in feiner revolutionären Leidenschaft gesammelter, besonnener, verhaltener, sehr sparsam in Geste und Wort. Hartmann gibt den russischen Obersten Kornilofs, den Chef der Abwehrorganisation: man muß sich vorstellen, was für ein berserker- hafter Wüterich aus dieser Figur hätte gemacht werden können, um die noble und menschliche Haltung recht zu würdigen, mit der dieser hervorragende Darsteller feine Ausgabe angreift und durchführt. Hans L e i b e 11 (General Horn), Erich ! Ziegel (Dr. Bogdanski), Claire Winter vom Frankfurter Schauspielhaus sind noch zu nennen, 1 auch Wesener, der früher, in Gießen spielte, in ein paar kurzen Szenen. — (Tobis).
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Im Vorproaramm sieht man außer der .Fox- Wochenschau zwei Kulturfilme: Bilder aus Island und eine Werksreportage aus einer Bleistiftfabrik.
Hans Thyriot
Goethe-Bund.
HI. Dichter-Abend: Svend Fleuron.
Der dritte der vom Goethe-Bund und dem Kaufmännischen Verein in Verbindung mit der Volksbildungsstätte der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstalteten Dichter-Abende war dem Dänen Svend Fleuron gewidmet. Seine Bücher, die uns in Thema und Stil oft an die Tier- und Jagdschilderungen von Hermann Löns erinnern, sind in Deutschland in ansehnlichen Auflagen verbreitet, und die Erzählungen vom Dackel Schnipp Fidelius Adelzahn, vom Schäferhund Flax Aedilius, von der roten Fuchskoppel, von Schnock, dem Hecht, von Strix, dem Uhu, voll Tillip, dem Buntfprecht, um nur einige zu nennen, haben auch bei uns viele treue Freunde. Vor nicht langer Zeit ist als vorläufig letztes bas zweibändige Werk „Tjo" erschienen, die Geschichte eines Rehbocks.
Von den vierbeinigen, geflügelten und geschuppten Helden Fleurons hörten'wir in feinem Dortrage nichts, wohl aber von dem langen, schwierigen und umständlichen Wege, der ihn zu diesen Geschöpfen führte. Fleuron erzählte ganz Persönliches, Erinnerungen aus seinem Leben, aus feinen Anfängen; wie er, der von Hause aus zur militärischen Laufbahn bestimmt war, aus dieser wenig geliebten Karriere ausbrach und der Schriftsteller wurde, der heute über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus in hohem Ansehen steht.
Fleuron liest mit unüberhörbarem Akzent aus dem Manuskript, langsam, breit und behaglich schildernd und ausmalend, mit liebenswürdigem Humor und freundlicher Selbstironie rückblickend auf seinen Lebensweg und Antwort gebend auf die berühmte und vertrackte ßeferfrage: Wie wurden Sie eigentlich Schriftsteller?
Es begann mit der Ankunft einer Hundekiste im vierten Stock der „standesgemäßen" Kopenhagener Wohnung, wo der Artillerieleutnant Fleuron mit seiner jungen Frau wohnte, sein Leben zwischen Kasernendienst, weiten Spaziergängen und abendlichen Tivoli-Besuchen teilte und sich in Sehnsucht nach Natur, nach Feld und Wald und Jagd verzehrte. Das Artillerieschießen war der einzige Dienst, der ihm Freude machte, die Kriegsschule und die Generalstabsklasse waren dem jungen Offizier eine Qual, der statt der Bücher lieber die Wäscheleine seiner kleinen Frau ergriff, um sich der Dressur seines ersten geliebten Hundes zu widmen.
Wir erlebten, wie der Artillerist durch die Kriegs- schulprüfungen fommf. wie er aus dem vierten Stock in die Dillenkolonie flüchtet und in Rosen-
der letzten Strafhaft in Bad-Nauheim als Ausläufer eine Stelle. Er sollte eines Tages 200 Mark zur Post bringen. Diese ließ er aber in seine Tasche wandern, setzte sich auf die Bahn und brachte die gesamte Summe in verschiedenen Großstädten restlos durch. Zum Schluß war er in Nürnberg bargeldlos. Dort suchte er mit einer Frechheit sondergleichen ein größeres Lokal auf und bestellte sich ein frugales Essen, nebst Rauchwaren und entsprechenden Getränken, die er in aller Gemütsruhe genoß. Es war ihm bald aufgefallen, daß eine Kellnerin ihre Einnahmen in einer Geldbörse im Nebenzimmer aufbewahrte. Unter dem Vorwand, einmal im Fahrplan nachsehen zu wollen, begab er sich in den Nebenraum, nahm das Geld an sich und war bann gerade im Begriff, sich heimlich zu entfernen, als ihn im letzten Augenblick die Kellnerin bemerkte und durch andere Gäste festhalten ließ. Bei der Festnahme setzte er sich erheblich zur Wehr und feuerte u. a. aus einer S chreckschußpistole mehrere Schüsse ab. Die 100 Mark konnten der Kellnerin sofort wieder zurückerstattet werden. Der Angeklagte war im wesentlichen geständig. Das Urteil lautete wegen räuberischen Diebstahls, Betrugs und Urkundenfälschung auf eine ©efamtge- fängnisftrafe von einem Jahr acht Monaten. Außerdem wurde der Gnadenerweis in einer früheren Sache, in der er unter Bewilligung einer Bewährungsfrist vier Monate Gefängnis erhalten hatte, zurückgezogen, so daß der Angeklagte noch zwei Jahre Gefängnis vor sich hat. Drei Monate gelten als durch die Untersuchungshaft verbüßt.
Amtsgericht Gießen.
Der O. M. aus Watzenborn-Steinberg hatte sich wegen Einbruchdiebstahls vor dem Amtsgericht zu verantworten. Der Angeklagte war am 21. August d. I. in den umzäunten Garten eines Arbeitskollegen in Gießen eingestiegen, hatte dort einen Hasenstall aufgebrochen und zwei Hasen entwendet. Der Angeklagte ist selbst Hasenzüchter und hatte den Bestohlenen einige Tage vorher, allerdings ohne Erfolg, um die Überlassung dieser Hasen gebeten, die er zur Zucht verwenden wollte. In der Hauptverhandlung war der Angeklagte geständig. Er behauptete, an jenem Abend ein paar über den Durst getrunken zu haben. Aus Zorn über die Ablehnung seines Angebotes habe er sich in die fixe Idee verrannt, diese Hasen dennoch zu besitzen. Es sei ihm selbst unerklärlich, wie er dies damals habe tun können. Mit Rücksicht auf fein Geständnis und die Geringfügigkeit der gestohlenen Sachen billigte ihm das Gericht mildernde Umstände zu und erkannte wegen schweren Diebstahls auf vier Monate Gefängnis.
Die nächste Anklage gegen die E. R. aus Gießen lautete auf fortgesetzten Betrug. Die Angeklagte, die verheiratet ist, hatte im Mai d. I. Differenzen mit ihrem Ehemann, worauf dieser sie verließ. Da sie angeblich ohne Barmittel dastand, nahm sie die Unterstützung des Wohlfahrtsamtes in Anspruch.
Am Montag, dem 6. Dezember, beginnen wir in den Familienblätlern nach Beendigung der Novelle „Oer General" von Albrecht Schaeffer mit dem Abdruck einer neuen großen Erzählung. „Oie Insel der 5 Millionen Pinguine" von Cherry Kearton entführt den Leser auf die liebenswürdigste und heiterste Weise in eine bezaubernde ferne Welt; ein Wunderesiand tut sich vor uns auf, ein Tierparadies, das es vielleicht nur einmal aus der weiten Welt gibt. Oer englische Naturforscher und Wettreisende Kearton hat wie Gulliver unter den Zwergen monatelang allein unter den Pinguinen gehaust, ihr Leben belauscht und beschrieben: das Oasein dieser drolligen und merkwürdig menschenähnlichen Geschöpfe ist mit so viel verstehender Liebe, Naturtreue und Humor geschildert, daß die Geschichte, heiter und rührend zügle ch, wie der spannende Boman eines wunderbaren Abenteuers zu lesen ist.
lunb sich der Zucht von Blumen und von Hübnern ergibt, „auf eigenem Grund und Boden", un immer mehr von der Artillerie zur Jagd und zu den bescheidenen Anfängen der Schriftstelleret hinüberwechselt; wie die weiten Streifzüge durch die Natur seine Phantasie beflügeln und anregen, wie er, mit Feder und Kamera, den Weg zur Zeitung findet und da seine journalistische Lehrzeit durchmacht, auf der sich fein späteres Werk gründet und auf baut. Das „Eintagsgeschäft" schasst ihm innerlich Raum und äußerlich die Mittel für die Entfaltung der größeren, wesentlichen Pläne. In einem Hühnerstall entsteht die „Dichterhöhle", ein rechtes Idyll, aber dies Idyll endet nicht nur mit der Beförderung, sondern auch mit der Geburt des ersten Werkes, das den Weg über die dänischen Grenzen fand: „Ein Winter im Jägerhaft".
So reihte sich Bild an Bild, heiter, idyllisch, von der Höhe und Reise eines erfüllten Lebens gesehen, aber man spürte doch die Enge, die Schwere und Schwierigkeiten dieser Anfänge, der frühen Jahre, in denen zuletzt die Sehnsucht nach dem „eigentlichen" Leben über alle Hemmungen und Widerstände triumphiert. Mit einem persönlichen Schlußwort an feine Zuhörer und feine Leser, an das neue Deutschland und eine naturverbundene deutsche Jugend schloß Fleuron seinen mit herzlichem Beifall aufgenommenen Vortrag. Hans Thyriot
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Der frühere Direktor des Hessischen Landesamtes für Wetter- und Gewässerkunde Dr. Georg -©rein konnte sein 50jähriges Doktorjubiläum feiern. In dem von der Hessischen Landesuniversität Gießen überreichten neuen Doktordiplom heißt es: „Dem Herrn Dr. Georg Grein, dem ausgezeichneten akademischen Lehrer und Forscher, dem verdienstvollen Direktor des Hessischen Landesamtes für Wetter- und Gewässerkunde, dem die geographische Wissenschaft zahlreiche ausgezeichnete 'Arbeiten sowohl aus der physischen wie aus der Anthropo-Geographie verdankt, wie besonders die Landeskunde des Großherzogtums Hessen und die Anthropogeographie des Großherzogtums Hessen sowie länderkundliche Arbeiten über Italien, erneuert die Fakultät in dankbarer Anerkennung nach altem Brauch das Diplom."
Der Führer und Reichskanzler hat den Dozenten Dr. Ernst Kelter an der Universität Bonn unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit zum ordentlichen Professor ernannt: ihm ist mit Wirkung vom 1. Oktober ab die Professur für Wirtschaftsaeschichte und Wirtschaftsgeographie an der Universität München verliehen worden.


