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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Ein Neuischiumsführer in Südamerika.
Auftakt in Brüssel.
Zwischen den Zeiten.
Englisch-amerikanische Zusammenarbeit auf der Ostasienkonferenz.
daß seine Regierung sich
bereit erklären würde, die
Englische Konsularagenten für das nationale Spanien.
Wie eine
zu erwarten. Es sei englischerseits beabsichtigt, einen Hauptagenten zu ernennen mit dem Sitz in Burgos. Agenten mit Rechten und Pflichten ähnlich denen der Konsuln sollten dann in einer Reihe von Städten Nationalspaniens eingesetzt werden. Dieser Schritt bedeute nicht eine Oe-jure-Anerkennung der Regierung Francos, da aber die nationale Regierung in fast drei Fünftel Spaniens entschließlich der gesamten atlantischen Küste die Lage beherrsche, erscheine ein solcher Schritt notwendig.
Handlung derFreiwilligen-Frage von sämtlichen Mächten angenommen werden solle;
2. Daß der Vorsitzende des Hauptunterausschusses ermächtigt werden soll, sofort an die spanischen Parteien h e r a n z u t r e t e n, um ihre Zustimmung zu dem Entschließungsentwurf zu erhalten. Er soll dabei die Haltung der einzelnen Staaten zu diesem Entschließungsentwurf den beiden spanischen Parteien bekannt geben. In der Zwischenzeit soll der Hauptunterausschuß die konkreten Fragen, die sich aus dem Entschließungsentwurf zur Behandlung des Freiwilligenproblems ergeben, weiter fördern. Ferner soll geprüft werden, welche Folgerungen sich aus der Tatsache ergeben, daß Sowjetrußland der Gewährung von Kviegführenden-Rechte nicht zustimmt, damit die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden können, um den Entschließungsentwurf zu verwirklichen. Es ist also ausdrück- lich festgelegt worden, daß die Haltung Sowjetrußlands geklärt werden muß, und daß eine Kompensation (ein Ausgleich) für eine sowjetrussische Nichtgewährung von Kriegführenden-Rechten festgelegt werden muß, bevor der Entschließungsentwurf endgültig angenommen wird.
Frage der Gewährung Kriegführender-Rechte zu erwägen, bevor eine hundertprozentige Räumung Spaniens durch die Freiwilligen erfolgt fei. Voraussetzung sei allerdings, daß General Franco (wohl gemerkt: nur Franco!) keine Verstärkung mehr erhalte und daß die Einmischung in spanische Angelegenheiten aufhöre (!).
Nach der Rede Maiskys entspann sich eine Ansprache darüber, was eine Stimmenthaltung bedeute; ob sie eine Zustimmung oder eine Ablehnung in sich schließe. Deutscherseits wurde einwand- rei festgestellt, daß eine Klarstellung der sowjetrussischen Haltung oder eine Kompensation (ein Ausgleich) für die Nichtgewährung der Kriegfüh- renden-Rechte gegeben werden müsse. Schließlich wurde über folgendes eine Einigung erzielt: Der Vollausschuß wird am Donnerstag zusammentreten, um die vom Unterausschuß beschlossene Empfehlung zu behandeln. Diese Empfehlung des Hauptunterausschusses sieht vor:
1. Daß der Entschließungsentwurf für die Be-
London, 2.Nov. (DNB.) In der Sitzcküg des Hauptausschusses des Nichteinmischungsausschusses, die sich über drei Stunden erstreckte, fragte zunächst der Vorsitzende Lord Plymouth den sowjetrussischen Botschafter M a i s k y , ob dieser seinen bisherigen Erklärungen etwas Neues hinzuzufügen habe. Der Sowjetbotschafter hielt darauf eine längere Rede, die praktisch nichts Neues enthielt. Maisky erklärte, der einzuschlagende Weg „sei klar". Obgleich seine Regierung der Ansicht sei, daß die Politik der Nichteinmischung, in Spanien gänzlich fehlgeschlagen sei, hindere jedoch seine Stimmenthaltung über einen Teil des britischen Planes, der sich mit den Kriegführenden- Rechten befasse, keineswegs die Fasfung ein- stimmiger Beschlüsse. Sowjetrußland glaube nicht an die Möglichkeit echter Nichteinmischung unter den gegenwärtigen Umständen (!). Es wolle den britischen Plan nicht dadurch töten, daß es eine ablehnende Stimme abgebe, obwohl gewisse Teile des Planes für Sowjetrußland unannehmbar seien. Er wolle gber, erklärte Maisky großmütig, beiseitetreten und sich in den Punkten, wo seine Regierung anderer Ansicht sei, „der Stimme enthalten und den Rest billigen". Es sei möglich,
Bleibt nur die sachgemäße Prüfung der chinesischen Anschuldigung, Japan habe den Neunmächte- vertrag von 1922, den Briand-Kellogg-Pakt und das Völkerrecht vorsätzlich verletzt. Aber auch in dieser Hinsicht kann man den meisten Konferenzteilnehmern eine starke Voreingenommenheit nicht ab sprechen. Müssen die Staatsmänner in Brüssel nicht befangen sein, da sich unter ihnen mit ihrem Willen auch ein sowjetrussischer Delegierter befindet, ein Vertreter jener Macht also, die durch Inbesitznahme der Aeußeren Mongolei und Chine- isch-Turkestans den Neunmächtepakt bereits verletzte, als Japan noch gar nicht daran dachte, aktiv in China einzugreifen? Zwar war Sowjetrußland an der Unterzeichnung dieses Paktes nicht beteiligt, aber wie kommt man jetzt dazu, den Bock zum Gärtner zu machen, den Bolschewismus ein Urteil über die Unverletzlichkeit Chinas sprechen zu lassen? Mit Recht und in Uebereinstimmung mit den geschichtlichen Tatsachen hat die japanische Regierung wiederholt erklärt, daß Moskau zuerst in China eingegriffen habe und daß Japan nur in Abwehr der kommunistischen Gefahr und infolge der chinesischen Uebergrifte zur militärischen Verteidigung seiner Rechte und Interessen geschritten sei. Die Nichtbeteiligung Japans an der Brüsseler Konferenz, die unter den geschilderten Umständen selbstverständlich zu erwarten war, beschränkt den Aufgabenkreis der Genfer Wachtsoldaten noch mehr, als er es ohnehin schon ist. Größte Vorsicht und größte Zurückhaltung wird den Staatsmännern in Brüssel zu empfehlen sein, wenn sie aus ihrer militärischen, politischen und moralischen Zwangslage einen ehrenvollen und anständigen Ausweg sinden wollen. Denn weder mit Gewalt noch mit den Ideologien des demokratisch- kapitalistischen Zeitalters läßt sich hier eine Lösung erreichen. H. Evers.
600 Erschießungen in einem Monat.
M o s k a u, Z. Nov. (DNB. Funtspruch.) In einem neuen Massenprozeß gegen Angestellte der transsibirischen Eisenbahn wurden 16 Angehörige einer „gegenrevolutionären Organisation", die der Vckrbe- reitung terroristischer Akte und der Spionage angeklagt waren, sämtlich zum Tode verurteilt; das Urteil ist bereits v o l l st r e ck t. Weitere Erschießungen melden Blätter aus dem Kaukasus, wo fünf landwirtschaftliche Funktionäre wegen Sabo-
Obwohl sich Herr Eden im englischen Unterhaus als starker Mann, Friedensrichter, Moralprediger und Weltreisender in einer Person produzierte, kann dennoch kein Zweifel darüber bestehen, daß die ideellen und machtmäßigen Grundlagen, auf die sich die gegenwärtige britische Außenpolitik stützen möchte, keineswegs so stabil sind, auch nicht jene universale Geltung besitzen, die ihnen Herr Eden zuzusprechen geneigt ist. Nicht umsonst sandte der Leiter des Foreign Office einen Hilferuf an dos Weiße Haus in Washington, nicht umsonst beschwor er die Vereinigten Staaten, „sich an allem und jedem Schritt zu beteiligen". Diese etwas ungewöhnliche Aufforderung, die ja eine kaum verhüllte Drohung an Japan enthält, ist kennzeichnend nicht nur für die prekäre Lage der „großen Demokratien" im ost- asiatischen Konflikt, sondern auch für die geistige Verfassung, mit der die Hauptmächte des Neunmächtepaktes ihre Arbeit in Brüssel aufnehmen.
Diese Neunmächtekonferenz, die nun in der belgischen Hauptstadt zu tagen begonnen hat, befindet sich in der Tat in einer sehr heiklen Lage. Sie wird charakterisiert dadurch, daß die Wortführer der Weltdemokratie nicht so können, wie sie eigentlich wollen, daß sie noch einmal Grundsätze einer internationalen Politik zur Anwendung bringen möchten, die längst entschwundenen Zeiten angehören, und über die die Geschichte bereits ein vernichtendes Urteil gefällt hat. Wir meinen die Politik des imperialistischen und weltkapitalistischen Eigennutzes, die sich der staatlichen und diplomatischen Handlangerdienste versichert, um ohne Rücksicht auf die Lebensgesetze und Lebensbedürfnisse der Völker den Erdball in die Interessensphären der Pfeffersäcke aufzuteilen. Man weiß auch in den maßgebenden Kreisen der Brüsseler Konferenz um den Wandel der Dinge, aber man hält noch gern an der Fiktion fest, als ob die Verwalter des Weltgoldes zugleich auch die Richter des Weltfriedens sein m-üßten. Man weiß, wie auch Edens • Antwort an Mussolini wegen der deutschen Kolonialforderung bestätigt hat, noch nicht recht zu unterscheiden zwischen Geschäft und Politik, zwischen Eigennutz und Recht.
Die Vorgeschichte der Brüsseler Konferenz ist dafür ein Beleg, denn sie ist belastet mit dem Stigma des Genfer Völkerbundes. Die Resolution der Völkerbundsversammlung vom 6. Oktober, auf Grund deren die Einladung zur Konferenz erging, versicherte China bereits ihrer moralischen Unterstützung und empfahl den Mitgliedern der Genfer Liga, sich aller Handlungen zu enthalten, die ihrer Natur nach geeignet sind, die Widerstandskraft Chinas zu schwächen oder seine Schwierigkeiten im gegenwärtigen Konflikt zu vergrößern. Die Völkerbundsversammlung bat außerdem ihre Mitglieder, individuell zu prüfen, in welchem Umfange sie China ihre Hilfe angedeihen lassen können. Die Genfer Mächte haben sich also von vornherein gegen Japan ausgesprochen, sie haben auf Antrag Chinas ihre Haltung einseitig festgelegt, so daß es ihnen jetzt in Brüssel schwer fallen dürfte, so etwas wie eine schiedsrichterliche Funktion zu übernehmen. Ein großer positiver Friedensbeitrag in dieser Richtung, der die weltpolitischen Spannungen an entscheidender Stelle beseitigt und dem Zusammenleben der Völker ein neues ideales Ziel setzt, ist also von den Brüsseler Verhandlungen nicht zu erwarten.
London, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" meint, ist binnen kurzem _____
Erklärung der englischen Regierung über eine gegenseitige konsularische Vertretung zwischen England und Nationalspanien
EinigungüberdieMarschrouteinLondon
Noch keine Klarheit über die Haltung Sowjetrußlands.
zuführen, die mit dem 732. Jahr nach der Thronbesteigung Dschingiskhans beginnt. Die mongolische Regierung, die hinter dem Prinzen Yun als Vorsitzenden und dem bekannten Prinzen T e h - mang als stellvertretenden Vorsitzenden in Sui- yuan gebildet worden ist, hat die Aufgabe, alle bisherigen Versuche einer Selbstregierung, wie den Mongolischen Rat in Peilingmiau und die Militärregierung vom Mai 1936, zu ersetzen. Auf ihrem Programm steht die Entwicklung der natürlichen Reichtümer des Landes, die Hebung der Volksbildung und vor allem die Errichtung einer starken Schutzwehr gegen den Kommunismus in enger Zusammenarbeit mit Japan.
Antwort an Eden.
Italien ist zu einem selbstlosen Urteil in der Kolonialfrage berechtigt.
R o m, 2. Nov. (DNB.) Die an Italien gerichteten Worte Edens sind, wie die offiziöse Informa- zione Diplomatien betont, in Rom Gegenstand besonderer Beachtung. „Italien hat, so führt die Jnformazione Diplomatien nus, „in den Augen des englischen Ministers die dreifache Schuld, im Weltkriege an der Seite der Alliierten gekämpft und den gemeinsamen Sieg realisiert zu haben, ferner seine nationale Einheit verwirklicht und in Afrika allein mit eigenen Mitteln und mit eigenem Blut ein Imperium erobert und schließlich für das deutsche Volk ein Wort der Gerechtigkeit gesprochen zu haben. Was Italien in Afrika erreichte, seien gegenüber der Aufteilung des großen deutschen Kolonialreiches durch England und Frankreich lächerliche Gegenleistungen gewesen. Der Wert der van England abgetretenen 91000 Quadratkilometer des Djuba-Landes sei sehr fraglich. Die von Frankreich abgetretenen 114 000 Quadratkilometer seien Wüste, für die in Tunis eine entsprechende Gegenleistung gegeben wurde. Und das alles habe nach den feierlichen Kolonialverpflichtungen stattgefunden, die Frankreich und England im Londoner Vertrag gegenüber. Italien eingegangen waren, als es 'sich darum handelte, den Eintritt Italiens in den Krieg sicherzustellen. Was schließlich A e t h i o p i e n betreffe, so sei es van Italien ganz allein erobert worden gegen die früheren Alliierten. Das Foreign Office, in dessen Archiven Herr Eden die ausgiebigste Begründung dessen finden könne, was er und die englische Regierung taten, um das faschistische Italien auf seinem Weg aufzuhalten, sei die letzte Stelle, die in dieser Frage die Stimme erheben dürfe. <Oie von Herrn Eden angeführten Argumente haben daher keinen Wert. Italien kann nach freien Stücken ein selbstloses Urteil über die gerechten Kolonialansprüche des Deutschen Reiches abgeben, gerade weil Italien Deutschland nichts weggenommen hat."
Brüssel, 3. Nov. (DNB.) Die Neunmächtekonferenz wird heute 11 Uhr im Brüsseler Akademie- Palast von dem belgischen Außenminister Spaak in Anwesenheit der 19 Delegationen eröffnet werden. Nach Spaak werden voraussichtlich der englische Außenminister Eden und der chinesische Delegierte Wellington Koo das Wort ergreifen. lieber die Grundlagen der Konferenz haben sich in den Vorbesprechungen erhebliche Meinungsverschiedenheiten ergeben. Einige Mächte halten daran fest, daß es sich um eine völlig selb- st ä n d i g e Beratung auf Grund des Neunmächtepaktes handele, während andere das Mandat der Konferenz von der Entschließung der Völkerbundsversammlung herleiten wollen.
Die Londoner Korrespondenten melden aus Brüssel, daß die interessanteste Unterhaltung zwischen Eden und Davis, dem amerikanischen Vertreter, gewesen sei. „Times" sagt, man könne die Aussprache als Auftakt zu einer denkbar engen und freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Amerika und England auf der Konferenz ansehen. „News Chronicle" schreibt, die Amerikaner legte» Nachdruck darauf, daß die Brüsseler Konferenz nichts mit dem Völkerbund zu tun habe. „Daily Mail" meint, daß schon vor Beginn der Konferenz niemand irgendwelche Hoffnung auf einen praktischen Erfolg habe. Die Bedeutung dieser Sitzung liege jedoch in der Tatsache, daß d i e amerikanische Regierung vertreten sei. Diese aber werde sehr darauf achten, sich nicht in die fernöstliche Lage verwickeln zu lassen. Selbst die Chinesen hätten wenig Hoffnung auf einen Erfolg.
Der selbständige Mongolenstaat.
„Autonome Regierung
der Vereinigten Mongolenstämme."
P e i p i n g, 2. Nov. (DNB.) (Ostasiendienst des DNB.) In der Stadt S u i y u a n ging am Sonntag ein Kongreß zu Ende, zu dem 500' Vertreter der mongolischen und chinesischen'Bevölkerung der Provinzen Suiyuan und Nord-Tschachar fünf Tage lang vereinigt waren. Die Versammlung billigte einstimmig die Schaffung eines unabhängigen Mongolen ft aates, der zunächst das Gebiet einiger innermongolischer Stämme sowie die Städte Suiyuan und Paotau umfassen soll. Der neue Staat strebt die Ausdehnung auf alle Gebiete an, die von Mongolen bewohnt werden. Als Hauptstadt der „Autonomen Regierung der Vereinigten Mongolenstämme" ist Suiyuan ausersehen, das in Zukunft wieder seinen alten mongolischen Namen Kuku - h o t o tragen soll. Um die Verbindung zwischen dem neuen Mongolenstaat und den ruhmreichsten Zeiten der mongolischen Geschichte herzustellen, wurde ferner beschlossen, eine neue Zeitrechnung ein-
Von unserem W. Sz-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Santiago de Chile, Oktober 1937.
Die Millionen und aber Millionen des Auslandsdeutschtums, die über alle Ecken und Enden der Welt verstreut sind, stehen unter den verschiedenartigsten Bedingungen dem Staat gegenüber Dieser Staat ist ja nicht erzwungene Heimat wie in den Deutschland entrissenen Gebieten, sondern oft f r e i- willig gewähltes Vaterland geworden, dem zu dienen und dem zu leben gerade dem Aus- landsdeutschtum heilige Pflicht wurde. Ader wie immer auch dieses Verhältnis gegenüber dem Staat gelagert sein mag, immer steht deutsches Volkstum rm Kampf, ein Kampf, der um die Erhaltung deutscher Sprache und deutscher Kultur, deutscher Art und deutschen Brauchtums geführt werden muß
Nicht immer sind in diesem Kampf die Gegner sichtbar. Zufälligkeiten in der landschaftlichen 'oder geographischen Verteilung, harte wirtschaftliche Notwendigkeiten auch und allzu oft dazu Bequemlich- teiten m der Auslegung der Aufgaben des einzelnen wie der Gemeinschaft — all das und manches mehr mag zuweilen schlimmere Folgen für das Auslandsdeutschtum auslösen als eine gegen das Deutschtum gerichtete Gesetzgebung. Denn ein offener Kampf Zwingt zur Stellungnahme und zur Abwehr. Kaum aber em Kampf mit einem unsichtbaren Gegner.
Es gibt nur noch wenige Länder in der Welt, die dem Deutschtum eine liebevollere Gastfreundschaft geschenkt haben als Chile, dieser endlos lange Streifen Land an der Westküste Südamerikas, dessen Aufbau und Fortschritt auch dem Deutschtum hier zu verdanken ist. Die Deutschen wurden gerufen, sie kolonisierten, sie halfen Handel und Wirtschaft, Schiffahrt und Verkehr aufzubauen, deutsche Offiziere instruierten die chilenische Armee, deutsche Lehrer und Professoren errichteten die Grundlagen des Erziehungswesens: 30 000 Chiledeutsche und Reichsdeutsche mögen es heute sein, denen Chile ein neues Lebensziel, eine neue Lebensverpflichtung geworden ist.
Dieses Deutschtum erfreut sich jeder wohlwollenden Duldung. Die deutschen Schulen blühen, deutsche Kirchen find errichtet, deutsche Vereine schmücken sich mit prachtvollen Vereinsgebäuden, es gibt eine deutsche Zeitung — auf keinem Gebiet steht der Entfaltung des Deutschtums der Gesetzgeber entgegen, unterbindet er dem Chile-Deutschtum, diesem wertvollen Bestandteil des chilenischen Staates, das Bekenntnis zur Sprache und zur Kultur ihrer Väter.
Und dennoch wäre viel vom Erbe der Väter verblaßt, von jenem deutschen Gut verloren, von dem vorübergehende Besucher aus dem Reich immer wieder so begeistert sind, würden diesem Deutschtum nicht bedeutende Persönlichkeiten gegeben, die einerseits alles einsetzten zur Pflege und Förderung des Deutschen, sich andererseits aber auch durch ihre Leistung dem Staat gegenüber das moralische Recht zu diesem Einsatz erwirkten, die diesem Staat immer wieder Achtung abzwingen konnten vor den Leistungen des Deutschtums für ihre neue Heimat. Zu diesen Persönlichkeiten muß Robert Krautmacher gerechnet werden, der Schulmann des deutschen Volkstums in Chile, der vor wenigen Wochen in der Universitätsstadt Concepcion, der Stätte seines Hauptwirkens in Chile, gestorben ist. Krautmacher war vor rund vierzig Jahren als Lehrer nach Chile gekommen, wirkte zunächst im Süden, im Zentrum der deutschen Kolonisationsarbeit, in Puerto Montt. Später ging er an die deutsche Schule nach Valparaiso, dem großen auch von deutschem Kaufmannsgeist erfüllten Hafen am Pazifik. Zwei Jahrzehnte hindurch ist er bann Schulleiter der deutschen Realschule in Concepcion, zwischendurch Vorsitzender des Schulausschusses im Deutsch-Chilenischen Bund, Vertrauensmann in Chile des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland und neben vielem andern Professor an der Universität in Concepcion. Er, der Deutsche, galt als einer der hervorragendsten Kenner der spanischen Sprache, er, der deutsche Philologe, wurde in dem spanischsprechenden Lande dieser Kenntnisse wegen Professor der spanischen spräche. Sein Einsatz wurde beispielgebend für das gesamte deutsche Schulwesen in Chile, lieber seine Tätigkeit in Concepcion hinaus lag ihm besonders das Ge- chick der kleinen deutschen Schulen nn Lande am Kerzen. Wie bemühte er sich, im Norden und Süden Chiles faft verlorene Außenposten des Deutschtums durch Neu- und W.edergrundung von Schulen vor dem Untergang zu bewahren und ihnen einen Pulsschlag zu geben.
Robert Krautmacher war eine ©eleljrtennatur, die ihre Wissenschaft mit der Frischluft des Lebens in Verbindung brachte. Von feinen umfangreichen Reifen und Wanderungen, von seinen Entdecker- ( fahrten etwa mit dem bekannten Geographen Stessens um di- Jahrhundertwende nach P°^- gonien,brachte er ein großes Wissen mit. vornehm sich sind es seine astronomischen, geographychen geologischen, botanischen Kenntnisse gewesen, d neben seinem eigentlichen Fachgebiet - neben .der , spanischen Sprache — dem Gastland Chile viele wertvolle Anregungen gegeben haben. :
ftür feine unermüdliche Tätigkeit tm Dienste be^ , Deutschtums ist ihm noch unmittelbar oor jeinem ■ Xobe bie bronzene Plakette des Volksbundes für das Deutschtum im Auslände überreicht worden , Ader weit über dieser äußeren Anerkennung steht ] der Name Krautmachers mit ehernen Lettern n der Erinnerung seiner deutschen Volfsgeno |en tn < Chile und vieler ihrer chilenischen Mitbürger.


