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Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz:
Arthur Moewig, Romanoertrieb, Berlin SW 68.
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ich begreife natürlich, daß Sie sich nicht gern daran erinnern", fuhr sie im gleichen Ton fort. „Aber Sie hätten es doch tun sollen, bevor Sie etwas als Unfug erklärten, was Sie selber einmal begangen haben. Und nun bliebe mir wohl nur noch übrig, dieselbe harmlose Frage zu stellen, die Sie vorhin an mich gerichtet haben: Sind Sie mir böse? Aber Sie brauchen mir gar nicht darauf zu antworten. Ich weiß auch so, welche Gefühle Sie mir dafür entgegenbringen, daß ich diese für einen Stefan v. Achenbach sehr peinlichen Erinnerungen heraufbeschworen habe."
Mit offenkundiger Genugtuung lehnte sie sich zurück.
Suse Vollrath hatte ihr entsetzt zugehört. Sie streifte Stefans Gesicht mit einem raschen Blick. Dann wandte sie sich ihrem Gatten zu.
„Das ist ja ein starkes Stück!" sagte sie empört. „Es geht doch nichts über Takt und guten Geschmack!" -
Stefan hatte sich vollkommen in der Gewalt. Nur sein Gesicht war einen Schein finsterer geworden. Er wandte sich Senta knapp zu.
„Sie erlauben, daß ich trotzdem eine Antwort auf Ihre Frage gebe: Nein, ich bin Ihnen nicht böse! Im Gegenteil — ich bin Ihnen sogar dankbar dafür, daß Sie mir Gelegenheit gegeben haben, Sie von einer Seite kennenzulernen, die ich nur mit Rücksicht darauf, daß Sie Dame sind, nicht näher charakterisieren will..."
Senta lächelte spöttisch.
' „Hübsch gesagt! Nun wissen wir wenigstens, was wir voneinander zu halten haben. Glücklicherweise ist die Tafel zu Ende — es wird Zeit, daß man in andere Luft kommt!"
Stefan atmete auf, als jetzt wirklich die Tafel 'aufgehoben wurde. In den anstoßenden Zimmern
wurde Mokka und Likör gereicht. Die Herren rauchten. Dann begann im Festsaal der Tanz.
Auch Stefan war es, als ob er mit einem Male „in andere Luft" gekommen fei. Mit einem Lächeln beobachtete er, wie Senta sich von Lingner umschwärmen ließ. Er war ihr für ihre Taktlosigkeit, mit der sie ihren wahren Charakter deutlich zu erkennen gegeben hatte, wirklich in gewissem Sinne dankbar. Er brauchte sich ja nun keine Dorwürfe mehr zu machen, daß er ihre Hoffnungen hatte enttäuschen müssen. Und dann war das noch etwas anderes. Eine Taktlosigkeit war und blieb die Anspielung auf Gloria Rettners Treubruch natürlich, aber diese nur zu deutliche Anspielung hatte Stefan nicht mehr treffen können, wie er mit einem Gefühl der Ueberraschung und der Dankbarkeit jetzt noch einmal nachträglich feststellte. Die Erinnerung an Gloria Rettner löste wirklich nur noch Verachtung in ihm aus. Und auch diesem Gefühl der Verachtung war der bittere Stachel genommen. Ein Beweis, daß die Angelegenheit tatsächlich abgetan und erledigt war. Endgültig abgetan und erledigt! War das nicht Grund genug, sich frei und zufrieden zu fühlen?
Stefan stand während eines Walzers neben Sufes Stuhl. Er schien den Tanzenden zuzusehen, doch plötzlich zog ein nachdenklicher Schatten über sein offenes Gesicht.
Suse hatte ihn beobachtet.
„Nanu, Stefan...? Wolken auf der Sttrn?" sah sie forschend zu ihm auf. „Hast du dir durch die Taktlosigkeit Sentas wirklich die Laune verderben lassen?"
Er riß sich zusammen.
„Keine Spur! Im Gegenteil!"
„Wirklich...?"
„Wirklich!"
Sie zögerte, schien mit irgendeinem Entschluß zu ringen. Dann griff sie plötzlich nach feiner Hand.
„Komm mal her, mein Junge... Wir haben uns von Jugend auf immer prachtvoll verstanden. Du weißt, daß ich immer durch dick und dünn mit dir gegangen bin. Das stimmt doch, nicht wahr?"
„Jawohl, Suse. Du bist mir immer ein prächtiger Kamerad gewesen."
„Lieb von dir, daß du mir das sagst. Und — sieh mal — da möchte ich dich gern mal etwas fragen...
Ich weiß nur nicht, ob ich es darf, ob es überhaupt gut ist..."
Er begegnete ihrem seltsam forschenden Blick und lächelte ernst auf sie herab.
„Nun —?"
„Wenn die Frage dir unangenehm sein sollte — wenn keiner dich danach fragen darf — ich darf es, Stefan, ja ...?"
Er behielt sein Lächeln bei.
„Du darfst es, Suse."
Ihre Stimme war erfüllt von einer unbegreiflichen inneren Spannung.
„Sag' mal, Stefan, die Geschichte damals — mit Gloria Rettner — hängt dir das wirklich nicht mehr an...? Bist du innerlich wirklich ganz darüber hinweg...?"
Es war nicht nur Sorge, die er aus ihrem Blick las. Es war da noch etwas anderes, was er nicht verstand.
„Es ist gut, daß wir mal davon sprechen", entgegnete er. „Du kannst ganz unbesorgt sein — ich bin darüber hinweg, vollkommen!"
Etwas Helles, beinahe Strahlendes löste sich aus ihrem Blick. Mit festem Druck umschloß ihre Hand die feine.
„Wie. ich mich freue, Stefan! Du ahnst gar nicht, wie sehr ich mich freue! Und ich hatte schon gedacht — weil ich vorhin die Wolken auf deiner Stirn sah..."
Er lächelte wieder.
„Ach so... Das waren im Augenblick nur so etwas wie berufliche Sorgen. Meine Assistentin will nämlich heiraten und ^möchte so bald wie möglich gehen. Ich muß mich schleunigst um Ersatz kümmern."
Suse hatte seine Hand losgelassen. Sie ließ sich wieder zurücksinken und sah vor sich nieder, um sich nicht durch ihren Blick zu verraten, der tiefe Freude und eine jähe Hoffnung widerspiegelte.
„Das ist allerdings unangenehm. Aber — warte mal — ja, vielleicht kann ich dir da helfen... Wir reden in den nächsten Tagen noch darüber, vorläufig ist es ja nur so ein Gedanke."
Das hatte ganz gleichgültig geklungen. Aber Suse wußte, was sie wollte. Und sie war fest entschlossen, die Gelegenheit unter allen Umständen zu benutzen und ein bißchen Schicksal zu spielen. Vielleicht wurde nun doch noch alles gut...!
Die Stunden verrannen. Die Stimmung stieg. Seinen Höhepunkt erreichte das Fest aber, als Schönburg in vorgerückter Stunde Sentas Verlobung mit Lingner verkündete. Sehr überraschend kam das nach dem bisherigen Verlauf des Abends ja nicht mehr, und so löste das Ereignis denn allseitige Befriedigung aus.
Spät erst trennte man sich.
„Also, Stefan, ich kümmere mich um die Sache", sagte Suse, als sie sich von ihm verabschiedete.
Er mußte sich erst besinnen.
„Ach so... Na ja. Aber laß nur bald etwas hören, sonst muß ich selbst sehen."
„Uebermorgen bin ich wieder da", versprach sie mit merkwürdig glänzenden Augen.
Wagen auf Wagen rollte davon. Wenig später erloschen die Lichter im Schloß. Fest und traumlos schlief Stefan bis in den hellen Morgen.
3.
Blaßleuchtende Herbstsonne stand schräg über dem hohen, dunklen Bergwald. Sie ließ das gelichtete Blattwerk der Bäume zu bezaubernd buntem Farbenspiel aufblühen. Welkes Laub raschelte um die Füße der beiden Männer, die eben von der Höhe herabstiegen. Die braune, graugefleckte Hündin neben ihnen peitschte die dürren Blätter mit wirbelnder Rute zu raschelnden Wolken auf.
Es roch nach Herbst und Feuchte. Ganz in der Ferne röhrte ein paarmal kurz ein einsamer Hirsch durch den Vormittag, als müßte er dem Gegner des kommenden Abends schon jetzt den Kampf ansagen.
Wolfgang v. Achenbach trat mit dem alten Re- oierförster jetzt durch die hohe, schwergefügte Mauer, die den Park vom Walde abschloß Sie kamen von Revier 5, in dem der Sturm, der vor einigen Tagen gewütet hatte, erhebliche Verwüstungen angerichtet hatte. Noch fand die Sonne auch den Weg in den alten, wundervollen Park, der schon manches Glück und vielleicht auch manches Leid gesehen haben mochte. Aber die alte Ruine in der Mitte des Parks erreichte sie nicht mehr.
Hier hatte vor Jahrhunderten ein Pavillon gestanden. Jetzt war nur noch ein Fensterbogen übrig, einsam, leer und geborsten. Im Sommer rankten sich blühende Wildrosen um den grauen, verwitterten Stein, aber in diesen Herbsttagen hielt ihn nur blattloses, braunes Gerank umklammert.
Fortsetzung folgt.
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Hauslehrer sind Privatlehrer, die in die häuslichen Gemeinschaft einer Familie ausgenommen sind. Sie bedürfen einer staatlichen Unterrichtserlaubnis. Wenn 'keine Kündigungsfrist ausgemacht ist, kann Hauslehrern nur unter Einhaltung einer Frist von 6 Wochen auf Schluß des Kalendervierteljahres (31. März, 30. Juni, 30. September, 31. Dezember) gekündigt werden. Siehe Dienstvertrag, Kündigung.
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