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Nr. 205 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Zreitag, Z. September 1957

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Wie sieht es in derWirtfchaff aus?

Zu den Wirtschaftszweigen, die in den Nach­kriegszeiten in ihren Grundlagen großenteils er­schüttert worden waren, gehört auch das deutsche Handwerk. Ohne Frage hat sich jedoch auf Grund der Umstellungen in den letzten Jahren die Wirtschaftslage des Handwerks zum Besseren ge­wendet. Gleichwohl gilt es sowohl im Inland wie im Ausland, die Absatzmöglichkeiten zu verbreitern bzw. neue Geschäftssäden anzuknüpfen. Nehmen wir zuerst einmal die Aussuhrseite. Vor dem Kriege war das deutsche Handwerk recht stark an der Aus­fuhr deutscher Waren beteiligt. Die Vernichtung der Kapitalkraft des Handwerks durch die Inflation hat zu einem fast völligen Verlust der früheren Aus- landsoerbindungen des Handwerks geführt. Aber in den letzten Jahren ist dank großzügiger Gemein­schaftswerbung des Handwerks verlorenes Gelände großenteils zurückgewonnen worden. So bezifferte sich der Ausfuhrumsatz des deutschen Handwerks 1936 auf rund 135 Millionen Mark. Was übrigens handwerksmäßig im Außenhandel für die deutsche Gesamtwirtschaft geleistet werden kann, beweist zum Beispiel die Tatsache, daß das seit jeher außerordentlich exportstarke und exportfreudige Drechslerhandwerk zum Beispiel gerade m diesen Tagen auf der Leipziger Messe einen ganzen Posten Drechslerwaren nach Australien in Auftrag nehmen kann, gegen den die deutsche Volks­wirtschaft im Austausch australische Wolle erhält. Auch die Beteiligung des Handwerks an großen Messen des Auslandes, wie beispielsweise in Lem­berg, Saloniki, Agram und Belgrad, auf denen die ausgestellten deutschen Handwerkserzeugnisse un­mittelbar auf den Bedarf dieser Länder abgestellt sind, unterstreichen den Ausfuhrwillen des deutschen Handwerks. Gestützt wird es in diesem Bestreben durch die Ausfuhrförderstelle des deutschen Hand­werks G. m. b. H. sowie neuerdings durch eine Fach­zeitschriftDie Leistung", durch die im Ausland neue Freunde der deutschen Handwerkserzeugnisse geroonnen werden sollen.

Aber nicht nur das Ausland muß wieder Ver­ständnis für deutsche Handwerkserzeugnisse finden, sondern auch das Inland. Auch der deutsche Verbraucher hat sich in den Nachkriegsjahren daran Iewöhnt, über dem Angebot von Massenwaren oft enug über das etwas teuere handwerkliche Quali- ttserzeugnis gering zu denken. Die Reichstagungen, ie die Jnnungsverbände der einzelnen Handwerks- weige veranstalten, sind ein ausgezeichnetes Mittel, ie irrigen Anschauungen zu korrigieren. So wird nanch einer, der in dieser Woche von dem Deut- chen Schneidertag in München hörte, 'erwandert sein, festzustellen, daß allein im deut- chen Herrenschneiderhandwerk 800 000 Menschen, Einschließlich der Familienangehörigen, ihr Brot inden, daß der Jahresumsatz des deutschen Herren- -riaßschneiberhanbwerkes allein eine Milliarde im : Jahr ausmacht, daß in dieser Summe allein 300 Millionen Mark enthalten sind, die das deutsche ^rchneiderhandwerk für den Einkauf von Werkstoffen lusgab, und 130 Millionen, die es für Löhne ahlte, nicht zu reden von der Befruchtung des >! Wirtschaftslebens durch die Erweiterung der ' Schneiderbetriebe, durch die Auftragserteilung auf neue Maschinen und kleineres Handwerkszeug und «ufenderlei andere Dinge mehr. Auch der Aufbau Dieses Handwerkszweiges ist von Interesse: 75 v. H. i er Betriebe sind Einmannbetriebe, 25 v. H. be­schäftigen Gesellen. Eine stattliche Zahl der Letzt- | Genannten hat bereits wieder beachtlichen Umfang, betriebe mit 39, 50, ja bis 100 Gesellen find heute leine Seltenheit mehr. Namentlich im Rahmen des Jierjahresplanes kommt diesem Handwerk größte Zedeutung zu. Ihm liegt es ob, die neuen Werkstoffe nicht nur bei der Kundschaft gut . kinzuführen, sondern sie so sorgsam und oerständ- lisvoll zu verarbeiten, daß der neue Werkstoff von sch aus zum besten Werbemittel wird. Darüber linaus ist sparsamstes Umgehen mit dem vor­handenen Material, sparsame Verwendung von Stoffmustern, sparsamer Zuschnitt, sorgsamste Be­handlung des Materials in der Verarbeitung und Sammlung aller Abfälle gemäß der AktionKampf iem Verderb" Aufgabe und Verpflichtung dieses in seiner Bedeutung oft verkannten Handwerks.

*

Als am 23 März d. I. die Preisfenkungsoerord- rung für Stickstoff- und Kalidüngung Lfanngegeben wurde, wurde vom Reichsnährstand und den maßgebenden Leitern der Erzeugungs- sHlacht innerhalb des Vierjahresplanes zum Aus­druck gebracht, daß diese Verbilligung zumindest zu einer Absatzsteigerung an Handelsdün­gern um etwa 30 v. H. führt. Diese Erwartungen h.iben sich leider, wie die vorliegenden Berichte b*?r deutschen Düngerindustrie zeigen, nur zum Teil erfüllt. Die vor der Tijr stehende Herbstbestel- 0mg wird beweisen, ob die seinerzeitige Preis- slnkungsverordnung von der Landwirtschaft richtig ernannt wird, d. h. ob die Landwirtschaft der Pa­role folgt:Steigerung der Erträge um jeden 5reis!" Während der Absatz an Stickstoff- und 5 hosphorsäuredüngemitteln gestiegen i)c, zeigen die Absatzkurven von Kali und Kalk en weniger günstiges Bild. Der Absatz an Stick- sioffdüngemitteln zeigt eine beachtliche Steigerung, an der Ammoniakdünger, Salpeters or­ten und besonders K a l k st i ck st o f f beteiligt sind. !<er Mehrabsatz an Stickstoffdünger betrug in den b-iden ersten Monaten des Düngejahres gegenüber d-r Vergleichszeit des Vorjahres rund 21 v. H. Mit Rücksicht auf die Nachdüngung des Grünlandes und de Düngung der Zwischenfrüchte mit schnell wir- fmöem Stickstoff zur Erzielung eines möglichst r schen Wachstums und damit eines reichlichen iMteranfaüs haben insbesondere die Salpetersor- tm zu dieser Steigerung beigetragen. Bei der Be-

Hermann Göring spricht zu den Ausländsdeutschen.

Stuttgart, 2. Sept. (DNB.) Am Donners- tag sprach in der neu erstellten Schwabenhalle Mi­nisterpräsident Generaloberst Göring. Der riesige Raum, der mit dieser Kundgebung zugleich seine würdige Weihe erhielt, mar schon längst vor Beginn der Veranstaltung mit mehr als 20 000 Volksgenos- en bis zum letzten Platz besetzt. Auf der Tribüne bemerkte man Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, außerdem eine große Anzahl ährender Männer der Partei, ihrer Gliederungen und der Wehrmacht. Nach Begrüßungsworten Gau­leiter B o h l e s ergriff

Ministerpräsident Göring

das Wort. Er führte aus:

Mein Weg kommt direkt vom Obersalzberg, und ich kann euch deshalb unmittelbar die Grüße eures Führers überbringen, der immer nur an euch denkt und für euch handelt. (Beifall.) Tau­sende sind heute zum ersten Male wieder in ihrem alten angestammten Vaterlande, Tausende, die sicher nichts gewußt haben von Deutschland als das, was ihnen die Eltern und Vorfahren erzählten und was sie entstellt in der Presse des jeweiligen Landes zu lesen bekamen. Ich wünsche, daß ihr alle einen Fun­ken jenen Geistes mitnehmt, der Deutschland neu gestaltet hat. Wenn euch die anderen, die nicht mit­kommen konnten, fragen, dann sollt ihr reden und antworten, mit der gleichen Glut sprechen von den

Kein Land Hal wie das deutsche so den Krieg kennengelernt, kein Land wird so wie das deutsche einen Krieg meiden, solange es kann. Der Führer hat in mehreren eindeutigen Re­den, und was noch viel wichtiger ist in mehreren eindeutigen Handlungen derWelt den Frieden geboten und die Mögttch- feiten des Friedens aufgezeigt. Die Welt soll nun nicht etwa annehmen, daß Deutschland kriegs­lüstern geworden wäre, wenn es einmal einige Monate keine Friedensversicherungen abgibt. Der Führer hat gesprochen. Er hak den Frie­den geboten. An dem Wort des Führers darf nicht gezweifelt werden! (Beifallssturm.)

Ihr Auslanddeutschen sollt es wissen, sollt es je­dem draußen erklären, Deutschland hat seine größ­ten Erfolge im Frieden erreicht und wird sie weiter friedlich verarbeiten. Das Programm des Aufbaues sieht einen absoluten Frieden vor. Ohne den geht es nicht. Dieser Aufbau ist allein das Werk dieser vielgeschmähten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und ihres Führers, ein Werk, wie es wirklich einzigartig in den Zeiten und Völkern ist. Ihr, meine Volksgenossen im Auslande, müßt stolz sein auf dieses Volk, müßt stolz sein auf diese Bewegung und diesen Führer. Und wenn ihr draußen geschmäht werdet, dann zeigt, daß ihr deutsche Nationalsozialisten seid und weist diese Schmähungen zurück.. Und so, wie ihr dank­bar und stolz fein sollt, daß ihr Deutsche seid, so sollt ihr euch auch würdig erweisen, Nationalsozia­listen zu sein. Wenn man euch auch sagt, im Aus­land dürfe diese Pest nicht vorhanden sein, es sei unglaublich, daß die Auslanddeutschen sich als Na­tionalsozialisten organisieren, dann müßt ihr er­klären: In Deutschland ist die nationalsozialistische Partei die alleinige Trägerin des politischen Wil­lens. Der Auslanddeutsche kann also nichts anderes fein a l s Nationalsozialist.

Ls ist nicht so, daß unsere Reichsdeutschen draußen im Ausland die Unruhestifter find. Wenn es sich um Unruhe in der Bevölkerung handelt, sind nicht wir zuständig. Aber wir

großen Dingen, die durch den Führer geschehen sind und geschehen werden. Welche Vorteile euch der Sieg des Nationalsozialismus gebracht hat, das habt ihr im Wandel der Jahre wohl selbst am kräftigsten und besten gespürt. Um dieser Erfolge willen ist es aber auch notwendig, daß ihr das nicht hinnehmt als ein Geschenk der Vorsehung, sondern begreift, daß hier etwas geschaffen wurde, das nicht seinesgleichen in der Geschichte der Zeiten und Völker hat. Das müßt ihr in euch tragen, dann werdet ihr zu jener Demut und Dankbar­keit kommen, die wir von euch fordern mässen, und die Pflichten als Auslanddeutsche erfüllen, die ihr als Repräsentanten unseres Reiches tragt. Die Zei­ten der Schmach und der Schande find vorbei. Eine Volksgemeinschaft ist entstanden, und eine hero­ische Zeit beginnt, lieber ßänberintereffen, Par­lamentsgeschwätz und Willkür entstand ein star­kes Reich, das heute Schutz nicht nur den Deut­schen hier, sondern auch den Deutschen draußen in der Welt zu geben bereit und zu geben stark ge­nug ist. Man darf heute, das muß die Welt zur Kenntnis nehmen, nicht mehr ungestraft deutsche Rechte und deutsche Interessen treten. Wer das tut, der muß die Erfahrung machen, daß deutsche Kanonen uns Genugtuung verschaf- f e n. (Beifall.) Wenn nun wieder gewisse Journa­listen die Federn spitzen und schreiben, er hat ge­donnert und gewettert wie der Kriegsgott, dann er­kläre ich:

leugnen es nicht, daß wir mit Interesse be­obachten, wie heute in den verschiedenen Län­dern sich Bewegungen und Parteien bilden, die in äußeren oder in inneren Entscheidungen vieles gemeinsam mit uns haben. Das find aber keine Reichsdeutschen. Das ist die Reagenz aus der Rot der Völ­ker. Denn wenn eine Regierung zusieht, wie sich im eigenen Lande der Bolschewismus aus- breitet, dann muß eine Gegenbewegung ent­stehen. Richt wir sind es, die diese Gegenbe­wegung Hervorrufen.

Wir legen in Deutschland keinem Ausländer irgend etwas in den Weg; wenn er sich anständig und loyal verhält, mag er tun und lassen was er will. Ja, wir begrüßen es, wenn er sich mit feinen Landsleuten zusammenschließt und unterstützen und fördern dies. Wir fühlen uns dadurch in keiner Weise beunruhigt und empfinden vor allen Dingen kein moralisches Recht, unseren Gästen in dieser Richtung irgendwelche Vorschriften zu machen. Wir können dieses Recht deshalb auch keinem an­deren Land und keiner anderen Re­gierung zubilligen. Ihr Reichsdeutschen im Ausland habt das Recht, wo ihr auch seid, euch als Deutsche und Nationalsozialisten zu bekennen. Eure Pflicht ist es, euch im Gastlande gut zu füh­ren und die Gesetze des Gastlandes zu achten.

Die größte Tat, die das Dritte Reich geschaffen hat, ist die Volksgemeinschaft, die Einheit aller Deutschen. Zeigt auch draußen in der Welt diese Geschlossenheit. Erscheint immer als ein unantast­barer und unangreifbarer granitener Block des Deutschtums. Dann leistet ihr der Heimat den größten Dienst (Lang anhaltende stürmische Zustim­mung.)

Ihr sollt aber auch Künder sein, daß sich dieses Deutschland nicht abschließen will von der Welt. Es will seinen Handel und Wandel mit den anderen Völkern treiben. Wenn sich Deutschland in jeder Beziehung unabhängig gemacht hat, wird es der b e st e Ku nde und der anständigste Konkurrent im Welthandel sein. Wir wollen aus eigener Kraft das Leben dort gestalten,

wo die Mißgunst der anderen es uns verbieten wollte. (Langanhaltender Beifall.) Deutschland hat sich in diesen Jahren politisch und militärisch frei, stark und unabhängig gemacht.

Der Vierjahresplan gibt die Grundlage dafür, um Deutschland auch handelspolitisch und wirtschaftlich in die gleiche Unabhängigkeit und damit tatsächlich in die letzte Freiheit zu sehen. Denn nur dann bin ich frei und unabhängig von der ganzen Welt, wenn ich alt das, was ich zum Leben brauche, selbst besitze oder schaffe. Das wird in diesen vier Jahren ge­schaffen. Darauf dürft ihr euch verlassen.

(Jubelnde Zustimmung.) Ihr sollt daran mitarbei* ten und als Deutsche überall Werber der deutschen Werte und der deutschen Waren sein. Ihr sollt aber auch immer daran denken, daß die Heimat augenblicklich noch schwer mit verschiedenen Rohstoffsorgen kämpft. Hier müßt ihr Träger der Verbindung sein, damit die äugen» blickliche Not in diesem und jenem leichter behoben werden kann. Ihr sollt vor allen Dingen, soweit chr Kaufleute seid und im Wirtschaftsleben steht, mitarbeiten, um b i e deutsche Ausfuhr zu erleichtern. Wir haben kein Gold, keine Devisen. Ich habe sie nicht vergeudet, denn ich habe sie nicht vorgefunden. Aber wir müssen trotzdem leben, und wir werden leben. (Lebhafter Beifall.) Die Völker wollen zueinander und nur einige wenige Interessenten wollen das verhindern. Deshalb müßt ihr es schaffen, die ihr unmittelbar d i e Brücke dazu bildet, die Verständigung durchzu» führen.

Die wirtschaftlichen Sorgen der Reichsdeutschen im Auslande sind mit bekannt. Ich weih, wie schwer es ist, gute Ware zu konkurrenzfähigen Preisen zu erhalten und im Auslande abzu- sehen. Es ist notwendig, dah die Export- freudigkeit unserer deutschen Fir­men gehoben wird, auch dort, wo Firmen allzugut an deutschen Jntandaufträgen ver­dienen. Ich kann eines versichern: Wo es ande­ren an Idealismus fehlt, kann ich mit mate­riellen Dingen und Methoden aufwarten und ich werde davon einen reichlichen Gebrauch machen, wenn ich höre, daß meine Warnungen nicht richtig verstanden werden. 3m allge­meinen aber muß ich dankbar anerkennen, dah meine Warnungen von denen, die sie hören sollten, auch verstanden wurden. (Große Heiter­keit und Beifall.)

In meinem eigenen Arbeitsbereich habe ich die engste Verbindung mit eurer Organisation geschaf­fen und damit euch alle verpflichtet, mitzuhelfen an diesem Werk. (Lebhafte Zustimmung.) Ich muß aber auch die Ausländsdeutschen, die im Handel tätig sind, auffordern, nach den Grundsätzen einer anständigen nationalsozialistischen Wirtschaftsge­barung zu arbeiten, die durchaus genügend Raum für Verdienst läßt. Verdienst soll sein, wo L e i ft u n g i ft. Nirgends aber darf eine Notlage im Inneren oder beim Gastvolk ausgenutzt werden. Das ist nicht nationalsozialistisch. Da habt ihr ZU beweisen, daß ein neuer Geist im neuen Reiche herrscht. (Langanhaltender Beifall.) Nie­mals werde ich dulden, daß durch das Moment der Profite eine größere wirtschaftliche Zukunft ver­schlossen wird. Ein letztes Wort hierzu. Das ist d i e Vertretung durch b i e uns s oteuer" geworbenen Juben. Glauben beutsche Fir­men wirklich, baß bamit ber beutschen Wirtschaft gebient ist? Dort vielleicht, wo ber Jube selbst einen großen Prosit hat unb sein Rassegefühl bavon etwas überlagert wirb (Heiterkeit.) Die anderen Völker werden das nicht verstehen können.

Meine liebe Volksgenossen! Ihr dürft euch dar­auf verlassen. Ich werde alles Erdentkbare tun, um

Deutschlands Ausbau braucht den Frieden.

beutung, bie ber ausreidjenben Düngung aller über= rointernben lanbwirtschaftlichen Kulturpflanzen ein­schließlich bes Gränlanbes mit Stickstoff bereits im Herbst zukommt, bürste für bie für bie Herbst- büngung in erster Linie in Frage kommenben Pro- bukte, schwefelsaures Ammoniak unb Kalkstickstoff, auch weiterhin besonderes Interesse bestehen.

Der Abruf an Phosphorsäuredängemitteln scheint nach den vorliegenden Berichten leicht gestiegen zu fein. Allerdings wird von der Industrie vermerkt, daß die Abrufe infolge der Erntearbeiten langsam eingehen und daß es wünschenswert erscheint, recht­zeitig die Bestellungen aufzugeben um bie Liefe­rungen nicht zusammenzubrängen, sonbern aus wei­tere Fristen zu verteilen. Die Phosphorsaure-Jn- buftrie ist ebenso wie Stickstoff- unb Kalisynbikat in ber Lage ben Bebarf ber Lanbwirtschaft in allen Düngersorten in vollem Umfange 3U beliebigen. Der Ausweis ber amtlichen Statistik über ben Rohphosphatmarkt zeigt, baß bie Einfuhr von Rohphosphaten nach Deutschlanb in ben Mo­naten Januar bis Juni 1937 598 104 Tonnen gegen- über 495 620 Tonnen Januar bis 3uni 1936 be­trägt, ein Deutliches Zeichen bafur, baß bie Lanb­wirtschaft wahrscheinlich mehr Phosphorsaure ver­braucht hat als im vorigen Jahr. Es wäre auch em Pebler wollte bie Lanbwirtschaft einseitig bungen. Die brei Kernnährstoffe Stickstoff Uosphorsaure unb Kali unb nicht zu vergessen Kalk als Boben- verbesserer mässen in einem richtigen Verhältnis weinanber anqeroanbt werben, wenn wir von un­seren Kultursrächten Höchsternten verlangen. Leider zeigt der A b s a tz v o n K a l i in den ersten beiden

Monaten des lausenden Dängerjahres keine Steige­rung. Die bisherigen Absatzzahlen halten sich ange= führ auf der Höhe des Vorjahres Die starke Preis­ermäßigung hat sich also vorerst hier noch nicht ausgewirkt. Es ist aber zu hoffen, daß die Land­wirtschaft im Hinblick auf bie Bebeutung ber Kali­salze bei ber Herbstbängung bes Wintergetreibes noch große Mengen abrufen wirb. Auch ber Kalk­absatz zeigt eine Verschlechterung. Der vorjährige Absatzrückgang von 13,6 v. H. bei kohlensaurem Kalk unb von 2 v. H. bei Branntkalk wirb im lau- fenben Düngerjahr 1937/38, soweit bies sich bis jetzt überblicken läßt, kaum ausgeglichen werben. Be­kanntlich sinb Humus unb Kalk Voraussetzung für eine intensive Düngung mit Stickstoff, Phosphor­säure unb Kali. Es liegt baher im Interesse unserer lanbwirtschaftlichen unb gärtnerischen Erzeugung bei ber Anwenbung aller Betriebsmittel für bie Lanb­wirtschaft, auch hierauf genügend Rücksicht zu neh­men. Die Lanbwirtschaft sollte auch allen anfallen- ben Stalldünger in ber eigenen Wirtschaft verbrauchen. Viehlos wirtschaftenbe Betriebe Gartenbau unb Betriebe mit Spezialkulturen sollten sich nach anberen Humusträgern umsehen. Torfmull komposiert unb aus Torfmull hergestellte Humusbänger vermögen ben Humusbebarf biefer Betriebe burchaus zu becken. Wir haben reichliche Mengen hiervon in ben norbwestbeutfchen Hoch­mooren zur Verfügung. *

Man wirb sich noch gut erinnern, welche trost­losen Zustänbe währenb ber Krise in ber beutschen Handelsflotte herrschten. Kaum ein Wirt­

schaftszweig ist von ber Depression so hart betroffen worben wie gerabe dieser. Alle beutschen Häfen hatten riesige Schiffsfriebhöfe aufgelegter Schiffe, die Abwrackungen nahmen überhand unb sämtliche Schiffahrtsgesellschaften hatten Unterbilanz. Von biesem Nieberbruch hat sich bie beutsche Hanbels- flotte nicht nur erholt, sonbern sie nimmt seit dem letzten Jahre auch eine günstige Weiterentwicklung. Für bas Jahr 1936 z. B. konnte zum ersten Male seit 1931 roieber eine Vergrößerung ber deutschen Handelsflotte festgestellt werden. Die Ver­jüngung der Flotte macht hierbei erfreuliche Fort­schritte, der Schiffsraum war voll in Fahrt und die Abwrackungen haben so gut wie aufgehört. Es mußte sogar teilweise zur Befriedigung des Ton­nagebedarfs auf ben Ankauf ausländischer Schiffe zurückgegriffen werben, ber größer war als die gleichzeitigen Verkäufe an frembe Reeber. Auch hier­in liegt eine Umkehrung ber Verhältnisse, wie sie in ben Vorjahren geherrscht haben. Im einzelnen stellte sich ber Gesamtzugang auf 255 000 Tonnen. Davon entfällt als günstiges Zeichen ber Verjün­gung ber größte Teil von 183 000 Tonnen auf bie Neubauten. Sie haben es ermöglicht, bie Flotte im vergangenen Jahr mit 4,6 v. H. zu erneuern gegen 3,22 v. H. im Jahre 1935. Es sinb damit er­freuliche Fortschritte in bem Bemühen um die syste­matische Verjüngung ber beutschen Hanbelsflotte ge­macht worben. Wirb biefer Satz beibehalten, so reicht er beinahe aus, um bie Flotte, wie es nor­malerweise ber Fall ist, innerhalb von zwanzig Jahren zu erneuern.