Anfang August steht als Stern Fische und fällt
um 22 Uhr auf. Der Ringplanet erster Größe im Sternbild der in dieser von helleren Fixsternen
Berlin, im Juli.
Unser Sonderberichterstatter hatte in der Berliner Leitung der Deutschen Lufthansa eine Unterredung über die Probleme des sogenannten Stratosphärenfluges, die interessante Aufschlüsse ergab.
Als Jules Verne vor einem halben Jahrhundert die Welt in Ätem hielt mit der Schilderung einer „Reise um die Welt in 80 Tagen", hätte man jeden für einen armen Narren gehalten, der eine solche Reise für möglich gehalten hätte. Heute lächelt niemand mehr, wenn die Kühnsten unter unseren Technikern die Bemerkung fallen lassen, es werde eine Zeit geben und sie sei nicht allzu fern, wo man in einem Tage von sagen wir etwa — Berlin nach Neuyork fliegen kann.
Aha, werden viele denken, jetzt kommt die Geschichte mit dem „Stratosphärenflug". Wir dachten auch ungefähr so, als wir in der Deutschen Lufthansa in Berlin sozusagen vom Schreibtisch des Referenten aus die Sommerreise der Zukunft planten. Er lächelte nur.
„Wozu in die Ferne schweifen, weshalb immer gleich die Stratosphäre beschwören, von der wir im Grunde noch nicht einmal wissen, wie sie eigentlich beschaffen ist? Kein Mensch, nicht einmal P i c c a r d mit seinem Stratosphären-Ballon ist wirklich bis zu ihr vorgedrungen Was wir bis jetzt an Höhen erkundet haben, lag immer nock innerhalb der Lufthülle unserer Erde.
„Welche neuen Erkenntnisse haben sich denn z. B. aus den Flügen über den Atlantik, die wir im vorigen Jahr mit so großem Erfolg durchgeführt haben, für die Frage des Höhenfluges ergeben?"
„Zunächst einmal die, daß zwar der Luftwiderstand in großer Höhe zunehmend geringer wird, denn die Luft wird ja dort oben immer dünner. Das würde an sich zu einer beträchtlichen Erhöhung der. Fluggeschwindigkeit beitragen, wenn nicht der Verringerung des Luftwiderstandes auch eine Leistungsoerminderung der Mo - t o r e n gegenüberstände, die den Gewinn ungefähr wieder wettmacht. Ehe also nicht Motoren entwickelt sind, die in großen Höhen keine Leistungsminderung aufweisen, bringt uns auch der Höhenflug nicht rascher voran als bisher. Wir wissen heute schon, daß es solche Motorengibt, sie sind bereits in verschiedenen Staaten in Arbeit. Die Amerikaner, die nächst den Engländern ja das größte Interesse am Höhenflug haben, sind dank ihrer großen Geldmittel und technischen Möglichkeiten heute mit der Entwicklung dieser Motoren wohl am weitesten."
„Warum haben gerade die Amerikaner am Höhenflug so vordringliches Interesse?"
„Weil für sie der Höhenflug wirklich praktisch verwertbar ist. In ganz Europa gibt es keine direkte Flugstrecke ohne Zwischenlandung im Luftverkehr, auf der sich ein Höhenflug lohnen würde, weil er Zeit erspart. Unsere längste europäische Strecke ohne Zwischenlandung ist die von Berlin nach Kopenhagen mit 600 Kilometer. Würden Sie sich auf dieser Strecke erst in die Stratosphäre hinaufbemühen, so würden Sie beträchtlich später in Kopenhagen anlangen, als jedes unserer heutigen Verkehrsflugzeuge. Die Amerikaner hingegen haben
auf ihrem riesigen Kontinent ganz andere Verhältnisse. Für den Flugverkehr zwischen Neuyork und San Franzisko würde sich ein Höhenflug mit geeigneten Motoren schon lohnen. Ebenso natürlich für Entfernungen, wie wir sie heute mit unseren Postflugzeugen zwischen Bathurst und Natal zurücklegen, wo wir 3000 Kilometer ohne Zwischenlandung überwinden müssen oder für die N o r d a t l antikstrecken, wo ebenfalls nicht weniger als 3000 Kilometer im Direktfluge überwunden werden müssen."
„Welches ist heute denn die größte Höhe, die Sie im normalen Passagierflugverkehr benutzen?"
„Bei unseren Flügen über die Alpen erreichen wir zuzeiten eine Höhe von 5500 Meter, und damit kommen wir zu der zweiten wichtigen Frage, die für den Höhenflug noch ihrer Lösung harrt. Für die wirklichen Höhenflüge ist eine Fleugzeugkabine nötig, die absolut luftdicht abgeschlossen ist und einen höheren Druckwiderstand bietet. Es müssen völlig neue Wege im Einbau der Armaturen und Bedienungshebel usw. beschritten werden, die heute ja die Flugzeugzelle noch allerorten durchbrechen und durchlöchern."
Oie Urlaubsreise -er Zukunst.
Zn einem Tage von Berlin nach Neuyork? — Oie technischen Schwierigkeiten beim $lug in der Stratosphäre.
Von unserem Sonderberichterstatter.
„Sie entwickeln nun ganz bestimmte Flugzeugtypen, die Sie auf dem Nordatlantik erproben und verwenden wollen. Das macht hohe Kosten. Fürchten Sie nicht, daß eines Tages, wenn plötzlich die Technik das Höhenflugzeug herausbringt, mit einem Schlage alle Ergebnisse überflügelt sind und wertlos werden, weil dann eben die nächste Etappe des Flugwesens aktuell geworden ist?"
„Das ist eine Frage, wie sie nur ein Laie stellen kann, für den ja die Errungenschaften unserer Technik immer überraschend kommen. Man weiß zwar selbst in beteiligten Kreisen nur sehr Ungewisses über das Entwicklungsstadium des Höhenfluges, weil sich begreiflicherweise auf diesem Gebiet niemand gern in die Karten gucken läßt. Technisch sind die Amerikaner wohl am weitesten, auch Sowjetrußland arbeitet fieberhaft und hat jüngst mit der angeblichen Ueberfliegung des Nordpols, d. h. also mit der Erprobung eines Flua- weges Rußland—Amerika über die Arktis, teilweise sehr große Höhen erreicht. Das befreit uns aber nicht von der Notwendigkeit, auch hier Schritt für Schritt vorwärts zu gehen, und gegenwärtig bilden die Atlantikflüge, die ja bekanntlich außer von uns auch von Franzosen, Engländern und Amerikanern mit großem Erfolg durchgeführt werden, die jüngste Phase der Entwicklung. Es ist heute schon der Tag abzusehen, wo man — sogar ohne Stratosphäre — den Weg über den Nordatlantik in einem einzigen Tage zurücklegen wird. Alles was darüber hinaus von Stratosphärenflug usw. heute gemutmaßt wird, ist vorläufig entweder Spekulation oder Phantasie. Dr. Bure sch.
Langsam, aber doch recht merklich, nimmt im August die Tageslänge ab. Die Nächte sind wieder dunkel und bieten dem Sternfreund reiche Gelegenheit zur Beobachtung des Himmels. Der hellste aller Sterne, der Planet Venus, ist jetzt Morgenstern. Venus geht im August kurz nach ein Uhr auf und leuchtet mit machtvollem Glanz bis weit in die Morgendämmerung am Osthimmel. Eine besonders schöne Konstellation ereignet sich am 3. August um 3 Uhr morgens, wenn die schmale Sichel des abnehmenden Mondes dicht über der strahlenden Venus steht und beide Gestirne von den prächtigen Wintersternbildern Orion, Zwillinge und Stier umgeben sind und die Kapella im Fuhrmann hoch darüber leuchtet. Während des Monats August wächst die Entfernung der Venus von 146 Millionen auf 179 Millionen Kilometer, eine Strecke, die der Lichtstrahl in zehn Minuten zurücklegt. Mit der zuneymenden Entfernung des Planeten ist jedoch nur eine sehr geringe Helligkeitsabnahme verbunden, da in dem Maße, wie der scheinbare Durchmesser kleiner wird, die Breite der von der Sonne beleuchteten Venussichel zunimmt. Venus ist Anfang August 25mal, Ende des Monats immer noch 23mal so hell wie Kapella. Im nördlichsten Deutschland tritt am 3. August gegen 10 Uhr die seltene Erscheinung der Bedeckung der Venus durch die Mondsichel ein, kann jedoch infolge des Tageslichts nur im Fernrohr beobachtet werden.
Von den übrigen Planeten ist M a r s am Abend- himmel im Südwesten sichtbar, geht aber schon um 22 Uhr unter. Jupiter im Sternbild des Schützen zieht tief am Südhimmel seine Bahn und geht gegen 2 Uhr nachts unter; er ist am südlichen Himmel der weitaus hellste Stern. Saturn geht
freien Himmelsgegend durch sein ruhiges, gelbes Licht auf.
Am abendlichen Fixsternhimmel ermöglicht das von Wega, Deneb und Atair gebildete Sommerdreieck eine rasche Orientierung. Der aus sechs hellen Sternen gebildete Schwan, das Kreuz des Nordens, steht um 23 Uhr nahe dem Zenit. Sein Hauptstern Deneb ist einer der lichtmächtigsten Sterne, die wir kennen. Bei einer Entfernung von 650 Lichtjahren (1 Lichtjahr — 9,5 Billionen Kilometer) besitzt Deneb die 10 000fache Leuchtkraft unserer Sonne. Der Durchmesser dieses ungeheuren Feuerballs beträgt das 30fache des Sonnendurchmessers, seine Oberflächentemperatur 11000 Grad im Vergleich zur Sonnentemperatur von 5 900 Grad. In der Entfernung des Deneb würde uns die Sonne als ein winziges, nur im Fernrohr erkennbares Sternchen elfter Größe erscheinen. Viel näher stehen uns Wega mit 27, Atair mit 10 Lichtjahren Abstand. Wega hat 50fache, Atair lOfache Sonnenhelligkeit. Die blauweiße Farbe kommt namentlich bei der etwa 12 000 Grad heißen Wega zur Geltung, die in dieser Beziehung nur vom Sirius übertroffen wird. Unmittelbar südlich der Wega bilden vier schwächere Sterne ein Parallelogramm, die Leier.
Mitten durch das Sommerdreieck zieht das silberne Band der M i l ch st r a ß e , die steil im Süden z aufsteigt und vom Schützen über Adler, Schwan, Kepheus, Kassiopeia und Perseus zum Fuhrmann im Norden verläuft. In den Sternbildern Schwan, Adler, Schild des Sobiefki und
Venus als Morgenstern
Von Or Erwin Kossinna.
Schütze entfaltet sie ihre größte Pracht. Wer fih Gebirge oder an der See weilt, wo die Luft viÄ durchsichtiger ist als in der dunstigen Ebene, sollte die Gelegenheit nicht versäumen, an Mondschein- losen Abenden die Milchstraße mit dem Fernglas zu durchmustern. Immer wieder ist der Beschauer überwältigt von der unvorstellbaren Sternfülle und der mannigfaltigen Gliederung des glitzernden Licht- bandes, das sich im Schwan in zwei Arme teilt und neben Hellen Sternwolken mit stärkster Der- dichtung der Sterne auch dunkle Sternleeren aufweist, die von lichtabschirmenden Wolken dunkler Materie herrühren. Selbst von den nächsten Milchstraßenwolken trennen uns viele tausend Lichtjahre.
Oestlich der Milchstraße sind die Tierkreis- bilder Steinbock, Wassermann und Fische mit dem Saturn erschienen. Darüber bemerken wir die große geometrische Figur des Pegasus und die sich anschließende Andromeda, in welcher ein mit freiem Auge wahrnehmbarer milchiger Lichtfleck den berühmten Spiralnebel bezeichnet, ein fernes Milchstraßensystem in 900 000 Lichtjahren Abstand. 3m Perseus bietet der bedeckungsveränderliche Stern Algol Gelegenheit zur Beobachtung seiner Licht- minima am 18. August kurz vor Mitternacht und am 21. August um 20.45 Uhr.
Westlich der Milchstraße sehen wir rechts von der Wega den Herkules, die halbkreisförmige Krone mit Gemma als hellstem Stern, und den Bootes, dessen Hauptstern Arkturus schon stark nach Westen gerückt ist. Am südwestlichen Horizont flimmert der rote Riesenstern Antares und in seiner unmittelbaren Nähe der bedeutend hellere, aber ebenfalls rötliche Mars. Dom Arkturus aus rechts wendend, finden wir leicht die sieben hellen Sterne des Großen Bären, der bei der scheinbaren täglichen Umdrehung des Himmelsgewölbes stets vor dem Bootes, dem Bärentreiber, um den Pol wandert. Auf der entgegengesetzten Seite vom Polarstern sehen wir die W=förmige Kassiopeia auf dem lichten Grunde der Milchstraße. Um den Kleinen Bären, dessen Schwanzspitze vom Polarstern gebildet wird, schlingt sich die Sternreihe des Drachen. Sein durch ein Sternviereck bezeichneter Kopf ist auf die Wega gerichtet.
Um den 13. August ist eine Häufung von Sternschnuppen zu erwarten, die aus der Gegend des Perseus auszustrahlen scheinen und daher Perseiden genannt werden. Die winzigen Körperchen, die durchschnittlich in 130 Kilometer Höhe aufleuchten und mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometer in der Sekunde in die obersten Luftschichten eindringen, sind besonders in der zweiten Nachthälfte zahlreich.
Don Mitte Juli bis Mitte August dauern die Hundstage, während welcher Zeit der Hundsstern Sirius in südlichen Gegenden unmittelbar vor der Sonne aufgeht; es ist gewöhnlich die heißeste Zeit des ganzen Jahres.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot (beurlaubt), i. D.: Dr. Fr. W. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck (beurlaubt). Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VI. 37: 9104. Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
Zahlreiche Beteiligung der Kameraden
erwünscht.
5105V
Kameradschaft ehern. 116er.
Die Beerdigung unseres treuen Kameraden
& August Deibel
Bäckermeister
9 findet am Mittwoch, dem 4. August. 14 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt.
GESCHÄFTS-ÜBERNAHME
Der verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend gebe ich hierdurch bekannt, daß ich das seit 1826 bestehende Lebensmittelund Feinkostgeschäft nebst Wein- und Spirituosenhandlung
Aus«« Wallenfels
von der bisherigen Inhaberin, meiner Mutter, ab 1. August 1937 käuflich erworben habe. Das Geschäft, in dem ich über 10 Jahre
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Bekanntmachung.
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Gießen, den 2. August 1937.
Städtisches Hoch- und Tiefbauamt.
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als Geschäftsführer tätig war, wird von mir in der bewährten Weise weitergeführt und bitte ich das meiner Mutter entgegengebrachte Vertrauen auch auf mich zu übertragen. Ich werde jederzeit bemüht sein, allen Wünschen meiner verehrten Kundschaft gerecht zu werden
Marktplatz 17 August Wallenfels Fernruf 2262
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