3. 17 bis 23 Jahre alt,
4. ohne Schuhe mindestens 1,72 Meter groß sein. Zur Musterung sind möglichst folgende Papiere mitzubringen:
a) selbstgeschriebener Lebenslauf,
b) Lungentuberkuloseattest, von der zuständigen Lungenfürsorge ausgestellt,
c) Geburtsurkunde,
d) von minderjährigen Bewerbern Einverständniserklärung des Vaters bzw. des gesetzlichen Vertreters für den Eintritt in die SS.-Ver- fügungstruppe,
e) zwei Paßbilder.
Ehemalige Wehrmachtangehörige werden nicht mehr in die SS.-Verfügungstruppe eingestellt, diese können jedoch in die SS.-Totenkopfverbände ausgenommen werden.
Die Dienstzeit in der SS.-Verfügungstruppe beträgt vier Jahre einschl. drei Monate Probezeit. Die beiden ersten Jahre gelten als Ableistung der allgemeinen Wehrpflicht.
Die Verpflichtungszeit in der SS. - Verfügungstruppe und in den SS.-Totenkopfoerbänden kann verlängert werden. In der SS.-Verfügungstruppe besteht nach Ablauf der vierjährigen Verpflichtungszeit die Möglichkeit bevorzugter Uebernahme in die Polizei, nach zwölfjähriger Dienstzeit eine solche in die Gendarmerie.
Zur Musterung können auch Freiwillige erscheinen, die noch kein Bewerbungsschreiben eingereicht haben.
Auch alte Lustbilder genehmigungspflichtig.
DNB. Die Erteilung der Erlaubnis zur Verwendung von Luftbildgerät in Luftfahrzeugen ist im Luftverkehrsgesetz und in der Verordnung über Luftverkehr vom 21. August 1936 (Reichsgesetzblatt Teil I, Seite 653 folgende) geregelt.
Um jede Unklarheit zu beseitigen, wird noch einmal darauf hingewiesen, daß auch sämtliche alten Luftbilder genehmigungspflichtig sind, gleichgültig, ob sie in Form von Negativmaterial, ober verarbeitet in Büchern als Bilder, Ansichtskarten, Prospekte, Zeichnungen oder dergleichen vorhanden sind.
Jedes Luftbild muß bei Veröffentlichung oder Weitergabe an Dritte folgenden Vermerk tragen: „Freigegeben RLM. .. (hier ist der Hersteller der Luftaufnahme bzw. Firma einzusetzen) Nummer soundso (hier ist die Nummer der Freigabever- füoung einzusetzen)."
Auf jeden Fall sind sämtliche Neu- und Altaufnahmen, die noch nicht den Freigabevermerk trugen, sofort dem Reichsminister der Luftfahrt (Prüfstelle für Luftbilder), Berlin W 8, Leipziger Straße Nr. 7, vorzulegen.
Irauenschast Gießen-Mitte.
Ein gemeinsamer Ortsgruppenabend vereinte die Frauenschaft und die Mitglieder des Frauenwerkes Gießen-Mitte im Burghof. Die Leiterin Frau W e m p e r begrüßte die Frauen und brachte wichtige geschäftliche Mitteilungen. Dann sang Frau Abermann Volkslieder von Löns, die ungeteilten Beifall fanden.
„Vergeßt unsere Kolonien nicht!" So klang die Mahnung, die Pg. Georg Heß seinem Vortrag zugrunde legte. Ebenso lautete der Titel des selbstverfaßten Gedichts, das der Redner als Vorspruch brachte. Durch eine Anzahl sehr guter Lichtbilder veranschaulicht, schilderte Pg. Heß seine Erlebnisse und Eindrücke, die er während eines zwölfjährigen Aufenthaltes in Deutsch - Südostafrika gewonnen hatte. Von der Erwägung ausgehend, daß der Besitz von Kolonien für jede Großmacht eine Notwendigkeit ist, nicht nur um ein Absatzgebiet für die eignen Industrie-Erzeugnisse und ein Aufnahmeland für Auswanderer zu haben, sondern auch um dem Mutterland die unbedingt notwendigen Rohstoffe zu verschaffen, betonte der Redner die Pflicht jedes Deutschen, sich für die Forderungen unseres Führers nach Kolonialbesitz vorbehaltlos einzusetzen.
Der Abend war sehr gut besucht, sowohl von der
Das Mädchen mit dem Gilberhaar.
Roman von Anny von panhuyek.
18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Erst im Zuge nach Frankfurt kam Franziska nach der Aufregung und dem Trubel der letzten Tage-zu sich. Sie nahm die Hände ihres Mannes und sagte weich: „Ich bin so herzensfroh, mit dir in die Welt hineinzufahren, Berthel. Bedenke, ich bin bisher noch niemals über unser Städtchen hinausgekommen."
„Er lachte: „Dann wirst du staunen, rote groß schon das Stückchen Welt ist, das wir uns jetzt ansehen werden, Fränzelein. Der Rhein, der Bodensee und der Schwarzwald stehen auf unserem Programm. Ein paar Tage Schweiz nehmen wir auch noch dazu, denke ich. Und im Herbst geht es nach Paris, ich muß mich wal wieder um unseren Pariser Vertreter kümmern. Ein netter älterer Herr ist der Graf Rethel; wir haben uns früher manchmal zusammen amüsiert."
Sie lachte ebenfalls. „Jetzt aber wirst du ein braver solider Ehemann, Berthel, und in Paris bin ich mit dabei, wenn du den Grafen einlädst, da gibt's kein leichtsinniges Durchbrennen.
Sie lachten beide, und er küßte sie, weil sich niemand weiter im Abteil befand, und weil er so unsinnig glücklich war, flüsterte er ihr allerlei verliebte Dinge zu.
In Frankfurt blieben sie einige Tage. Sie bummelten viel herum, saßen dann eines Vormittags in einer Weinstube, um ein wenig zu frühstücken. Viele Photographien hingen in dem netten kleinen Speisesaal. Berthold Radix fragte den Kellner danach.
Der gab ausführlich Auskunft: „Es sind Herrschaften vom Theater, die öfter zu uns kommen, auch ein paar Musiker sind dabei, ebenso Maler und Bildhauer. Unsere Wirtin bittet halt alle Künstler, die öfter kommen, um ihr Bild, und dann wird's hier aufgehängt unter Glas und Rahmen." Er deutete auf eine Stelle der Wand.
„Die da drüben sind schon alle tot, und wenn wirklich noch einer davon leben sollte, kommt er bestimmt nicht mehr hierher. Schon der Vater von unserer Chefin hat die Sache angefangen, unsere Chefin war damals noch ein Kind, und heute ist sie beinahe sechzig." Er zeigte auf eine andere Stelle. „Das aber sind nur neuere Bilder." Er nannte Namen. „Sehen Sie die schöne Schwarze da? Ja? Sie ist eine von unseren ersten Opernsängerinnen, und der Herr neben ihr ist der berühmte Violinvirtuose Günther Grevenstein. Er hatte leider das Unglück, sich hier in Frankfurt bei
Ihre Ehre heißt Treue!
Oie neue kommunalpolitische Schule unseres Gaues.
Oie 6. Reichsstraßensammlung des WHW. im Gau Hessen-Nassau.
NSG Menn 621., SS. und NSKK. sich in der Oeffentlichkeit zeigen, so verbinden sich zwangsläufig mit ihrem Erscheinen und ihrem Tun die Begriffe unentwegter Treue und entschlossener Tatkraft.
So wird es auch wiederum am 6. und 7. März im Gau Hessen-Nassau sein, wenn die Männer der drei Gliederungen, einem schönen Brauch folgend, ihre Sammelbüchse für das Dinler- hilfswerk schwingen.
Diese Sammeltätigkeit, deren symbolhafter Charak- rakter offenbar ist, hat einen tiefen Sinn: Es heischen d i e Männer eure Opfer für bedürftige Volksgenossen, die tausendfach früher ihr Opfer selbstlos unter Einsatz des Lebens gebracht haben und heute noch ihr Opfer bringen, wenn es die Notwendigkeit fordert.
Den Männern der SA., der SS. und des NSKK. schließen sich die Mitglieder des Reichsbundes der Kinderreichen als Sammler an. Beschützer und Beschützte stellen sich der großen gemeinsamen Sache zur Verfügung: SA., SS. und NSKK., weil fie sich für die Größe und den Fortbestand der Nation einsehen, und die Mitglieder des Reichsbundes der Kinderreichen, weil fie die Vertreter eines Volkes find, das im Kinderreichtum fein höchstes Gut sieht.
Arn 6. und 7. März gilt es, den Kreis der Volksgemeinschaft zu schließen: Wer an diesen Tagen opfert, bekennt sich zum ewigen Deutschtum, das durch Opfern wieder groß wurde und das durch Opfern feine Zukunft sichert. Drückeberger verraten am 6. und 7. März ihren bösen Willen oder ihre Dummheit!
Frauenschaft, wie auch ganz besonders zahlreich von den neugewonnenen Mitgliedern des Frauenwerkes, ein Beweis dafür, daß die heutige Frau durchaus entschlossen ist, am Aufbauwerk des Führers rege mitzuarbeiten zum Wohle unseres deutschen Volkes.
Aufgelöst.
Das Geheime Staatspolizeiamt Darmstadt gibt bekannt: Auf Anordnung des Herrn Reichs- und Preußischen Ministers des Innern find alle Gruppen und Vereine der Bündischen Jugend, Groß- deutscher Jugendbund, Deutscher Pfadfinder-Bund, Deutschmeister-Jungenschaft, Deutsche Jungenschaft 1.11., Trucht, Deutsche Freischar, (Strompreis, Nerother Wandervogelbund, Verein zur Erhaltung der rheinischen Jugendburg, das Graue Corps ufro. aufzulösen, soweit fie sich nicht selbst aufgelöst haben: für die Zukunft wird jede Einwirkung auf Jugendliche zum Zweck der Fortsetzung hündischer Gruppen und Vereine gemäß §§ 1, 4 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBl. I S. 83) verboten.
Tagung derGetreideverteiler-Fachschast
Die Fachschaft der Getreide-, Futter- und Dünger-Verteiler im Bezirk Gießen und Wetzlar hielten auf Einladung der Kreisbauernschaft Oberhessen-West eine vom Bezirksbauernführer Metzger, Röthges, geleitete Tagung ab, auf der aktuelle Tagesfragen besprochen wurden. Landesfachschafts- walter U l b r i ch - Frankfurt a. M. machte eingangs darauf aufmerksam, daß zur strafferen Eingliederung der Verteiler in den Reichsnährstand und zur Bewältigung der großen Ausgaben, die von der Führung öfter schlagartig aufgegeben werden, unbedingt Disziplin von den Verteilern gefordert werden muß. Dem Erzeuger solle freie Wahl des Verteilers belassen bleiben. Der Verteiler hat fich beim Abholen der Waren an die Preisvorschriften zu halten und die notwendigen Abzüge zu machen, weil der Bauer frei Waggon zu liefern hat. Der Redner wies ferner daraufhin, daß zur strafferen Erfassung der Erzeugnisse auch der Verkauf vom Erzeuger direkt an den Verbraucher beseitigt werden muß. Nur auf solche Weise wird es möglich werden, den Schwarzhandel ganz zu beseitigen. Die Verteiler haben von sich aus dabei mitzuhelfen, daß mit den Waren hausgehalten wird.
Durch die Beseitigung des nichtarischen Händlers haben die anderen Verteiler einen Zustrom bekommen, den sie mit zu versorgen haben. Als eine sehr wichtige Aufgabe im „Kampf gegen den Verderb" bezeichnete der Redner die Sammlung der in jedem bäuerlichen Haushalt noch vorhandenen Säcke. Es liegt im Interesse jedes Bauern, wenn er diese Säcke seinem Verteiler wieder zur Verfügung stellt.
In seinen weiteren Ausführungen wandte sich der Redner dann der praktischen Durchführung der Roggeneintauschaktion zu, durch die jede Verfüt- terung von Roggen vermieden werden muß. Dem Bauern stehen als Ersatz ausreichend Mais und Gerste zur Verfügung. Im oberen Vogelsberg ist bereits diese Austaujchaktion mit großer Freude aufgenommen worden. Bei dieser Aktion fällt der Verteilergruppe ein hohes Maß von Aufklärungsarbeit und praktischer Betätigung zu.
Anschließend behandelte der Geschäftsführer des Getreidewirtschaftsverbandes P et sch, Frankfurt am Main, die erforderliche Zusammenarbeit in dieser Austauschaktion mit den Ortsbauernführern und Herr M a t t h a i besprach die Futtermittelver- forgung. In einem Schlußwort rief Stabsleiter Dr. Fabian alle aufbaufreudigen Kräfte zur Mitarbeit auf.
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** Dienstjubiläum. Am 1. Märzroaren es 25 Jahre, daß die Gefolgschaftsmitglieder Werkführer Ernst Fink und Pfleger Wilhelm Pfeiff bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Gießen eingetreten sind. Der Betriebsführer Direktor Schneider beglückwünschte die beiden Jubilare zu ihrem Ehren-
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tage namens der ganzen Gefolgschaft und sprach ihnen Dank und Anerkennung aus für ihre langjährige, treue und tadellose Dienstzeit. Auf Wunsch der beiden Jubilare war von einer besonderen Feier anläßlich dieses Dienstjubiläums Abstand genommen worden.
** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 28. Februar: 18.: Hermann Derstadt, ohne Beruf, 74 Jahre alt, Friedensstraße 47. 19.: Hedwig Heymann, geb. Schmidt, 47 Jahre alt, Walltorstraße 73. 22.: Karo- line Hermann, geb. Fischbach, Wwe., 72 Jahre alt, Wilfonstraße 10; Anna Heusel, geb. Birkholz, 44 Jahre alt, Friedrichstraße 24. 23.: Johann Karl Brasch, Polizeiwachtmeister i. R., 64 Jahre alt, Ludwigsplatz 14. 24.: Martha Nold, geb. Böhm, Wwe., 73 Jahre alt, Roonstraße 16; Gustav Mook, Photograph, 79 Jahre alt, Kaiserallee 2; Georg Möhl, ohne Beruf, 60 Jahre alt, Bahnhofstraße 26. 27.: Karl Muhl, Friseurmeister, 59 Jahre alt, Bahnhofstraße 56; Wilhelm Kilbinger, Rentner, 67 Jahre alt, Goethestraße 23; Katharine Weigel, ohne Beruf, 55 Jahre alt, Friedensstraße 31; Heinrich Lang, ohne Beruf, 70 Jahre alt. Kleine Mühlgasse 5.
einem Autounfall an der linken Hand drei steife Finger zu holen, also war es aus mit der Musik. Du lieber Himmel, wie konnte der Grevenstein aber auch spielen! Geheult habe ich in seinem Konzert."
Er lächelte: ..Nix für ungut, falls ich zuviel geredet habe; ich dachte, es interessiert die Herrschaften vielleicht. Diese Stube gehört nämlich zu den Frankfurter Sehenswürdigkeiten."
Franziska hörte noch immer den Namen Günther Grevenstein. Die ziemlich große Photographie war unverkennbar, und sie wußte nun, der Name „Walter von Frank", den ihr Eva Zoll mitgeteilt, weil der Fremde im „Einhorn" damit seine Anmeldung ausgefüllt hatte, war falsch. Das Kennzeichen mit der linken Hand stimmte ja auch.
Warum reifte er aber unter falschem Namen? Warum?
Sie gab sich einen Ruck. Ihr Mann, der neben ihr saß, sollte nicht wissen, daß der Geiger, von dem der Kellner eben erzählt, derselbe war, der mit ihr auf dem Maskenball getanzt und sie geküßt.
Sie kam rascher über die momentane Erschütterung hinweg, als geglaubt. Es ging von Berthold Radix so viel Liebe und Güte aus, er umgab sie damit wie mit zärtlich duftenden Blumen, daß sie zunächst wenig an das kleine Erlebnis in der Weinstube dachte. Auch gab es ja zuviel Neues für fie zu bestaunen. Ab und zu auf der Reise fiel ihr das Gehörte allerdings wieder ein, und sie sann. Also ein Künstler war er gewesen! Ein großer Künstler, den das Unglück entthront.
Nach sechs Wochen kehrten Berthold und Franziska Radix heim. Sie wohnten nun auch in der Villa am Waldesrand, und die alten Möbel der Großmutter waren mit aufgestellt, nur ganz Ueber- slüssiges war verkauft und verschenkt worden. Bertholds Mutter hatte das alles mit Nähkathrin geordnet und der alternden Frau einen ständigen Arbeitsplatz in ihrem Hause gegeben. Nähkathrin war jetzt für die Zukunft versorgt und sehr glücklich darüber; aber nun erst, nachdem sie längst gutgemacht, empfand sie aufrichtige Reue über das, was sie getan.
Gottlob, daß sie das Geld nicht behalten hatte!
Jetzt fuhr Franziska allmorgendlich mit ihrem Mann in die Radio-Radix-Werke, und das kleine Zimmer neben dem seinen wurde ihr Büro. Mit froher frischer Kraft und viel Freude arbeitete sie nun und sagte ziemlich offen heraus, was ihr im Betriebe nicht gefiel Sie forderte vor allem, daß der Prokurist Wüst entlassen würde. Sie erklärte ihrem Mann: „Er schikaniert, wie ich mich in den paar Tagen unseres Hierseins überzeugt habe, die Leute abscheulich. Er ist gallenleidend, hörte ich. Entlasse ihn im Hinblick auf seine langjährige Tätigkeit mit einer guten Pension und setze eine junge Kraft an seine Stelle. Belohne ihn für frühere Leistungen und verzeihe ihm seine jetzige Herrschsucht, die dir die Leute verärgert."
Er gab zu: „Ich möchte ja gern, aber ich weiß nicht recht, wie ich es ihm sagen soll."
Franziska strich ihm schmeichelnd über das Haar.
„5)aft du Vertrauen zu mir? Glaubst du wirklich ehrlich, daß ich kein Dummerchen bin, das nur stenographieren und mit der Schreibmaschine umgehen kann?"
Er nickte begeistert: „Davon hast du mich auf der Reise überzeugt. Du weißt ja fast mehr von der Radio-Radix als ich selbst."
Sie machte eine neckische Verbeugung.
„Dank für die Anerkennung, Herr Direktor? Daraufhin wage ich den Vorschlag, ernenne mich vorläufig zur Prokuristin der Radio-Radix, ich verspreche feierlichst, mit Fleiß und festem Willen deine Zufriedenheit zu erlangen. Wenn du Herrn Wüst erklärst, du wilst deiner Frau die Prokura geben, kann er sich nicht so gekränkt fühlen, als wenn du ihm sonst irgendeinen Nachfolger gibst. Ich arbeite mich bald ein, verlaß dich darauf, und später machst du dann Herrn Weller zum Prokuristen; er ist der tüchtigste Buchhalter, den es auf Erden gibt. Ader auf die Weise, über meine Person, kommt du leichter über den Fall Wüst hinweg."
Er lächelte anerkennend.
„Du findest doch immer den richtigen Ausweg, Fränze."
Es wurde trotzdem eine schwere Stunde, als Berthold Radix dem Prokuristen sagen mußte, daß er entbehrlich geworden.
Ueberflüssig! dachte Wüst bitter. Aber die Pension war reichlich, und wer nahm ihn, den Alternden, noch auf? Er durfte nicht in Unfrieden von hier scheiden.
Franziska aber atmete auf, nachdem er gegangen. Sie war nie darüber hinweggekommen, daß er einmal dreist zu ihr gewesen. Ihr Mann sollte nichts davon wissen. Wozu ihn mit der alten Geschichte aufregen? .
Franziska übernahm von Wüst die lausenden Angelegenheiten, und als sie sich auf feinem Stuhle niederließ, konnte sie ein zufriedenes Lächeln nicht unterdrücken. Sie sah zu ihrem Manne auf, der neben ihr stand.
„Riesenkräfte will ich entfalten und immer wieder nach verborgenen Kraftquellen in mir forschen, damit ich dir wirklich die Helferin sein kann, die ich dir gern sein möchte."
Er küßte sie.
„Und wärest du nicht so klug und anpassungsfähig, hättest du nur deine Augen, dein schönes Haar und dein liebes, warmes Lächeln, wäre ich auch zufrieden und glücklich. Ich liebe dich doch, Fränze, liebe dich so, daß ich manchmal wie vor einem Wunder stehe, weil du mir gehörst."
Sie schmiegte sich an ihn.
„Du närrisch verliebter Mann wirkst auf die Dauer ansteckend, und eines Tages, schneller, als du glaubst, erkläre ich dir ähnliche Dinge."
Er wurde sehr ernst.
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NSG. Am Donnerstag, 4. März, weiht der Gauleiter die neue kommunalpolitische Schule des Gaues Hessen-Nassau ein, die in die bisherige Gauführerschule in Frankfurt a. M., Schwarzwaldstraße 160, verlegt wurde. — (Aufnahme NSG.)
Amtsgericht Gießen.
Durch Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen war der 25 Jahre alte R. O. in Gießen wegen groben Unfugs mit drei Tagen Haft bestraft worden, weil er mit noch einem anderen am 8. November zwischen 2 und 3 Uhr An der Kläranlage singend und johlend und durch lautes Klopfen an eine Haustüre Einlaß verlangt hatte, der ihnen aber nicht gewährt wurde. In der gestrigen Hauptverhandlung auf feinen Einspruch hin leugnete der Angeklagte hartnäckig, er wurde aber einwandfrei überführt. Da er mehrfach vorbestraft ist und nicht geständig war, erhöhte das Gericht die im Strafbefehl ausgesprochene Hast strafe auf fünf Tage.
Große Strafkammer Gießen.
Vor der Großen Strafkammer hatte sich gestern der bereits mehrfach wegen gleicher Delikte vorbestrafte Friedrich Wirth aus Friedberg wegen eines Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten. Er hatte ein Kind aus Bad-Nauheim mitgenommen und fich in unsittlicher Weife an ihm vergangen. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Die Große Strafkammer verurteilte ihn zu einer Zuchthaus st rase von 1 Jahr und 6 Monaten und zu den Kosten des Verfahrens. 5 Monate der Untersuchungshaft wurden ihm auf die Strafe angerechnet. Außerdem wurde feine Entmannung angeordnet.
Weiterhin hatte sich die Große Strafkammer mit dem K. M. aus Schotten und der E. K. aus Schotten zu befassen, die wegen eines Sittlichkeitsdeliktes angeklagt waren. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Die Angeklagte E. A. wurde freigefprochen, der Angeklagte K. M. wurde zu einer Gefängnis st rafe von 1 Jahr verurteilt; 2 Monate und 2 Wochen der Untersuchungshaft wurden ihm angerechnet.
„Auf den Tag warte ich, Liebling, auf den Tag, wo du ganz vergessen haben wirst, daß dich vor mir ein anderer küßte."
Sie sah ihn mit frohen Augen an.
„Der Tag ist gar nicht mehr weit, Berthel."
Vier Wochen später wurde dem bisherigen ersten und ältesten Buchhalter der Firma, Elias Weller, Prokura erteilt.
13.
Günther Grevenstein war ein paar Sommerwochen in Deauville gewesen, aber eigentlich hatte er sich dort gelangweilt; es störte ihn hier, sich noch immer Günther Grevenstein nennen zu müssen. Er machte, an den Aufenthalt anschließend, einen Abstecher nach London, verkaufte ein paar Ringe, ließ Steine fassen und konnte nun für lange Zeit wieder sorglos leben. Graf Rethel, der ebenfalls ganz gut ein paar Wochen hätte verreisen können, hatte keine Lust dazu gehabt und gemeint: „Seit ich hier in meinem Familienhause wohne, haben Unterhaltungsbedürfnis und Reiselust stark nachgelassen. Ich fühle mich ungemein wohl hier, und derweil du fort bist, lieber Junge, werde ich noch den letzten Schliff an die Inneneinrichtung legen. Bei Graf Ciboure befinden sich zum Beispiel noch die Por- räts meiner Eltern und Großeltern, ebenso das meiner Urgroßmutter, die am Hofe Napoleons eine Rolle spielte und sehr schön gewesen ist. Ich habe bei Ciboure auch noch ein paar Bilder von Vorfahren aus der Zeit Louis XVI. Ich konnte das nicht alles in meiner kleinen Wohnung unterbringen, und die Bilder, an denen ich besonders hing, mochte ich nicht mit dem Haus zusammen verkaufen, wie so viele andere, die man ja pietätvoll erhalten hat."
Jetzt hatte Günther seine Rückkehr gemeldet, und eines Spätnachmittags, Anfang September, holte ihn der Graf von der Bahn ab. Günther sah vorzüglich aus, sein Gesicht war stark gebräunt.
„Ich freue mich, daß du wieder da bist, lieber Junge! Es ist zuletzt doch ein bißchen öde gewesen abends; ich habe mich schon zu sehr an dich gewöhnt", bekannte der Graf, und Günther Grevenstein erwiderte: „Es freut mich, daß du mich vermißt hast, Papa", und stieg in das Auto. Der Diener brachte die eleganten Koffer unter, und dann fuhr man nach der Rue de Grenelle. Bald bog das Auto in den Schloßhof ein, hielt vor dem Portal. Die schwere Eichentür öffnete sich.
In der Halle standen Blumen zum Empfang. O, Comte Jean Louis de Rethel wußte, welche Rücksichten man einem solchen Goldsohn schuldete, und er sagte ein wenig salbungsvoll: „Willkommen daheim, lieber Francois!"
Günther ging in feine Räume hinauf, machte sich ein wenig zurecht und begab sich dann hinunter zum Tee.
(Fortsetzung folgt!)


