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Filmromantik und nüchterne"

irklichkeit

Kriminalrat Gennat über die Arbeit des Berufskriminalisten.

einen Lastwagen mit Lautsprecher der Autoarbeiter- qewerkschaft beschlagnahmt und an beiden Straßenenden acht Maschinengewehre auf­gestellt. Auch in den Goodyear Werken in Akron (Ohio) ist es zu Arbeitsstreitigkelten ge­kommen. Etwa 150 Mann traten m den Streik, blieben aber an ihren Arbeitsplätzen. Daraufhin hat die Verwaltung die Belegschaft m Starke von 5000 Köpfen ausgesperrt.

Beleuchtungsvorschnften einhalien!

Verschärfte Berkehrskontrolle.

Berlin, 2. Febr. (DNB.) Der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei gibt den Polizei­behörden Anweisungen des Relchsverkehrsm,nisters zur Prüfung von Beleuchtungsvor­schriften der Kraftfahrzeuge und Fahrräder bekannt: In Eraänzung dieser An­weisungen bestimmt er, daß in schweren Fällen der Zuwiderhandlung die Fahrzeuge bis zur Beseiti- gung der Mängel polizeilich sicherzustel- I e n sind, soweit dies nach Landesrecht zulässig ist. Weiter wendet er sich in aller Schärfe gegen die Rücksichtslosigkeit des sogenannten Abblendens der Scheinwerferüber Kreuz", das be­sonders häufig bei Führern von Lastkraft­wagen anzutreffen sei. Durch Umstecken der Kabel werde hierbei jeweils nur ein Scheinwerfer, und zwar abwechselnd der linke oder der rechte, abge­blendet. Häufig würden auch für die rechten Schein­werfer stärkere Glühlampen als zulässig verwendet. Künftig ist gegen Führer von Kraftfahrzeugen, die in so verantwortungsloser Weise andere Verkehrs­teilnehmer in Gefahr bringen, mit den schärf­sten Mitteln vorzugehen. Die Kraftfahrzeuge find, soweit dies nach Landesrecht zulässig ist, p o - lizeilich sicherzu st eilen, darüber hinaus die verantwortungslosen Krastfahrzeugführer streng zu b e st rasen. Bei den Verkehrskontrollen wer­den in Zukunft alle Fahrzeuge angehalten werden, deren Führer gegen die Beleuchtungsvorschriften verstoßen. Da die Kontrollen eine unauffällige Beobachtung erfordern, werden hierbei Polizei- beamte in Zivil verwandt werden, die zur unauffälligen Beobachtung den Kraftfahrzeugen ent- aegengeschickt werden. Das Anhalten der Fahrzeuge selbst erfolgt jedoch nur durch Beamte in Uniform. Fast 18 Millionen Bernstein-Abzeichen für die 5. Reichs-Straßensammlung.

Berlin, 2. Febr. (DNB.) Wenn am kommen­den Samstag und Sonntag die Männer der NSKOV., vom Kyffhäuserbund, Luftschutz, Lust­sport und NSD.-Studentenbund Spenden fürs Winter Hilfswerk sammeln, werden fast 18 Millionen Eich- und Kleeblätter zur Verfügung stehen. Diese Schmuckstücke ausdeutschem Gold^ haben Über 10 0 0 ost preußischen Fami­lien Arbeit und Brot gegeben und sollen für jeden Volksgenossen ein Erinnerungszeichen an seine Opferbereitschaft für die Volksgemeinschaft sein. Schon seit Monaten arbeitet die ostpreußische Bernsteinindustrie an dem Abzeichenauftrag für die 5. Reichsstraßensammlung des Winterhilfswerkes. Der erste Auftrag der Reichsführung des WHW. in Höhe von 14 Millionen Bernsteinabzeichen wurde um fast vier Millionen erhöht.

Die Schundliteratur derDetektivromane", bekannt aus den verlogenen Heften gewisser Kolportageunternehmen von einst, und eine gewisse Sorte albernerKriminalfilme" der früheren Filmproduktion haben in Publi­kumskreisen irrige Vorstellungen über Wesen und Arbeit des Kriminalisten entstehen las­sen. Nachstehend schildert ein weit über Deutschland hinaus bekannter Fachmann, der Berliner Regierungs- und Kriminalrat G e n n a t, die wirkliche Tätigkeit des Be- _______rufskriminaliste n._______ Maßgebend für die falsche Auffassung des Pu­blikums", so erklärte Regierungsrat G e n n a t, war seit Jahrzehnten eineDetektivliteratur", warenDetektiv- und Verbrecherfilme", deren In­halt der eigentlichen Aufgabe eines Kriminalbeam­ten in keiner Weise gerecht wurden. Man kann sa­gen, daß fast'die gesamteKriminalliteratur" dem Publikum ihre Verbrecher und ihre Detektive in der gleichenSherlock-Holmes"-Manier vorführten. Ein toller Kriminalfall wird dargestellt, Kriminal­polizei wird alarmiert, die Beamten, die mit der Aufklärung betreut werden, stehenfassungslos" vor einem großen Rätsel bis ein Privatdetektiv auf der Bildfläche erscheint, sich dreimal räuspert, den Tatort besichtigt, einige geheimnisvolle Bewe­gungen macht, und plötzlich hat feinGeistesblitz" gezündet; es ist dann nur noch eine Frage von einer bestimmten Zahl von Kapiteln oder Filmmetern, bis der Verbrecher gefaßt ist.

DieseSherlock-Holmes"-Geschichten haben leider sehr selten etwas mit der Wirklichkeit zu tun; Ver­brechen werden nämlich anders geklärt, in einer viel nüchterneren und sachlicheren Arbeit. Der Idealfall, daß ein Verbrechen nur durch theoretisch-wissenschaftliche Ueberlegungen ohne .Mitwirkung zahlreicher Hilfsmittel aufgeklärt wer­den kann, so ist selten, daß man ihn nicht in Rech­nung stellen kann. Vor allem soll das Publikum wissen, die Aufklärung eines Verbrechens ist n i e- tnals ein geistreiches, elegantes Spiel, sondern nur die Folge sehr eingehender Unter­suchungen und Ueberlegungen sämtlicher Kombina­tionen, die möglich -sind. Man kann niemals in un­serer Arbeit etwas erzwingen, wofür die Voraus­setzungen fehlen; auch unserer Arbeit sind Grenzen gesetzt.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die er­folgreiche Arbeit des Kriminalisten ist seine eigene innere Einstellung zur Sache: Der Beruf des Kri­minalkommissars ist keinBroterwerb", keineDer- sorgungsmöglichkeit", unser Beruf erfordert oft eine entsagungsvolle Arbeit und den Einsatz des ganzen Menschen. Unser Beruf unterscheidet sich aber auch durch den Umfang, die Art und das Tempo der Ar­beit von anderen Berufen; denn diese Dinge werden von den Kriminalisten selbst bestimmt. Die Arbeit ist dann aber auch nicht immer s o interes­sant, wie das Publikum vielleicht meint. Wollte man alle die Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben, in einem Buche aufzählen, so würde das Publikum gelangweilt dieses Buch weglegen und würde eben wieder lieber nach einemDetek-

tioschmöker" greifen, in dem der sogenannterote Faden" niemals abreißt, sondern zu den Autors und des Lesers Freude immer hübsch weiter führt, bis der Verbrecher gefaßt ist.

Das Fundament unserer Arbeit bei Kapitalver­brechen z. B. ist stetsdie Anfangsdia- g n o s e". Es wäre verheerend, wenn unsere Krimi­nalisten bei einer Alarmierung sofort mit ihren Kombinationen" beginnen würden, ohne erst ein­mal den Tatbestand genau festzulegen. Zunächst steht man ja gewöhnlich vor einem Nichts, Der rote Faden von der Tat zum Täter fehlt, der den Sher­lock Holmes sonst unbeirrbar zum Ziele führt. Unsere Mordkommissionen haben zunächst nur die eine Aufgabe, die Todesursache zu ermitteln, ob ein Mord wirklich vorliegt, wird sich dann ergeben. Wenn nun aber die FrageWas liegt eigentlich vor?" geklärt ist, und ein Verbrechen liegt vor, müssen alle, auch die unscheinbarsten Spuren ver­folgt werden. Eine geradezu ungeheure Arbeit in der Errechnung unserer Aufgabe muß geleistet wer­den. Es gilt aus einer^Gleichung mit vielen unbe­kannten Größen nach und nach alle unbekannten Faktoren festzulegen. Dabei müssen alle mithelfen alle Personen, die auch nur die geringste Kennt­nis von einem der zahlreichen Faktoren haben, müssen festgestellt werden. Das Publikum be­einflußt unsere Arbeit in außerge­wöhnlichem Maße: die Mitwirkung kann negativ sein, wenn durch fremde Personen der Tat­ort verändert oder sogar zerstört wird, sie kann und soll positiv sein, indem uns der eine Zeuge in dem Viermillionenvolk Berlins genannt wird, der uns auf der einzig richtigen Spur weiterführt.

Ein Beispiel für eine hervorragend positive Mit­arbeit gab der Chauffeurmord bei Velten, der ja noch in frischer Erinnerung steht. Nur dadurch, daß das Publikum sich mit großem Eifer an der Auf­klärung mitbeteiligte, gelang es, den Mörder nach zweimal 24 Stunden zu entdecken. Immer steht der Täter in irgendwelchen Beziehungen zu anderen Personen niemals handelt es sich um einen Ein­siedler, der nach der Tat vom Erdboden verschluckt wird. Diesen Personenkreis festzustellen, ist das Ziel des Kriminalisten, dessen beste Hilfsmittel die Tagespresse und in letzter Zeit auch der Rundfunk sind. Wir müssen eben den Zeugen finden, der uns denTip" gibt dann können wir unseren abgerissenen roten Faden weiterspinnen und den Täter schließlich finden.

Der Kriminalist ist auf die Beobachtungsgabe des Publikums angewiesen. Wie schwach diese Beobach­tungsgabe ist, möge jeder selbst beurteilen, der ein­mal versucht, irgendeine Person aus seinem Be­kanntenkreis nach Gesichtsausdruck, Haarfarbe, Klei­dung usw. zu beschreiben. Unsere weiteren Ueber­legungen müssen von einer unerbittlichen Strenge und Nüchternheit sein, denn von unseren Ermitt­lungen können richterliche Entscheidun­gen über Leben und Tod abhängen. So wird das Publikum verstehen, daß unsere Arbeit kein Gesellschaftsspiel ist, sondern von einem nüch­ternen Ernst getragen wird, der allein zum Ziel führt.

Hat Amerika wieder Hoffnung?

Oer schwedische Königsbesuch in Brüssel.

Ausbau des Abkommens von Oslo.

Brüssel, 2. Febr. (DNB.) Am Dienstagvor­mittag traf König Gustas V. von Schwe ° den zu einem Staatsbesuch in Brüssel ein. König Leopold III hat sich zum Empfang auf dem Nord- bahnhof eingefunden. Eine unübersehbare Menschen­menge säumte die festlich geschmückten Straßen und bereitete dem Gast einen freundlichen Empfang. Die beiden Könige begaben sich in Staatskarossen, die von einer Schwadron Gardeulanen eskortiert wurden, zum Schloß. Dort hatten sich die Minister und die Präsidenten von Kammer und Senat ein- gefunden. Die belgische Presse widmet dem Besuch des Königs herzliche Begrüßungsartikel. Da sich im Gefolge des Königs aud) der Außenminister Sand- l e r befindet, der mit Außenminister Spaak eine längere Unterredung haben wird, sieht man in Brüssel in dem Staatsbesuch mehr als einen Akt reiner Höflichkeit, Man glaubt, daß die Besprechun­gen der beiden Außenminister dazu dienen werden, die Möglichkeiten einer engeren Zusammen­arbeit der sogenannten neutralen Staa­ten auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet zu untersuchen.

Im Schloß veranstaltete der König der Belgier ein großes Galadiner. Bei der Tafel brachte König Leopold einen Trinkspruch aus, in dem er aus­führte: Ebenso wie die Schweden erwarten auch wir von den Großmächten vor allem die Aufrecht- erfjalhmg eines Zustandes, der es uns erlaubt, den uns vorn Schicksal vorgezeichneten Weg in Ruhe und Frieden fortzusetzen. In dem Wunsche, ihre wirtschaftlichen Beziehungen noch weiter zu entwickeln, find unsere beiden Länder dem Abkom­men von Oslo treu geblieben. Belgien würde sich an die Seite Schwedens stellen, um dieses Abkom­men noch zu erweitern und eine Zusammenarbeit im Geist der Unabhängigkeit, der Arbeit und so­zialer Wohlfahrt zu begünstigen.

In seiner Erwiderung führte König GustafV. aus: Ew. Majestät haben sich in Ihrer ganzen Hal­tung als würdiger, treuer Dolmetscher des Willens Ihres Volkes bestätigt, sein eigenes unabhängiges Leben zu leben. Ich hoffe, daß gemeinsame' An­strengungen zu ftuchtbaren Ergebnissen führen werden im Geiste des Osloer Abkommens, das uns auch mit anderen befreundeten Ländern verbindet; eine Uebereinftinunung der Ansichten ist heroor- gegangen aus unserem Glauben an das Grund­statut unserer Staaten, dem Statut der Freiheit und Gesetzlichkeit, und eine unabhängige und weise Politik soll unseren Völkern weiterhin die Wohl­fahrt sichern.

Kleine politische Nachrichten.

Der britische Botschafter in Berlin, der seit Au­gust in Berlin ist, ist zum Nachfolger des in we­nigen Monaten zurücktretenden Botschafters in Paris, Sir George Clerk, ernannt worden.

*

Zum Nachfolger des bisherigen schwedischen Gesandten in Berlin, Exz. a f Wirsen, der nach Rom geht, ist der bisherige Staatssekre­tär im Handelsministerium ernannt worden. As Wirsen hat Schweden seit 1925 in Berlin vertreten.

Von Dr. Friedrich Sohn.

Die Mefrage.

XI.

Auf der ganzen Fahrt durch den amerikanischen Kontinent ist uns das Rasseproblem immer wieder mit größter Deutlichkeit entgegengetreten. Ob wir uns in Neuyork vom Strom der Menschen treiben lassen oder ob im Mittelwesten ein Negerjüngling unsere Stiefel mit neuem Glanz versieht, immer wieder hat man das Gefühl, daß die Rassefrage von entscheidender Bedeutung für Nordamerika sein müsse. Will man die Besonderheiten des gesellschaft­lichen und politischen Lebens, die vielen Spannun­gen und Unausgeglichenheiten des neuen Erdteils verstehen, dann kommt man in der Tat nicht daran vorbei, sich auch mit den Elementen zu befassen, aus denen in dem berühmtenSchmelztiegel" her neue amerikanische Mensch geschaffen werden sollte. Die Unausgeglichenheiten Amerikas find nur zum Teil die Folge der überschnellen Entwicklung, sie find weitgehend auch auf die Unterschiedlichkeit der in diesem Raum lebenden Menschen zurückzu­führen. Man kann ohne Uebertreibung sagen: Der Schmelztiegel hat nicht das gehalten, was man von ihm erhoffte. Es ist während der letzten fünfzig Jahre nicht gelungen, die Einwanderer, die bis zum Erlaß der Einwanderungsbefchränkungen im Jahr 1923 in wachsendem Umfang aus Ost- und Süd­europa ins Land kamen, in der gewünschten Weise in das amerikanische Leben einzugliedern. Der Schmelztiegel funktionierte nur, solange die Mehr­zahl der Einwanderer nordeuropäischer Ab­kunft war. Er begann zu versagen, als die Unter­schiede der neuen Einaewanderten zu den alten Ame­rikanern so groß wurden, daß sich einer Vermischung und Einschmelzung Schwierigkeiten entgegenstellten. Es entstanden vor allem in den großen Industrie­zentren zahlreiche Fremdenviertel, deren Bewohner trotz starker äußerlicher Amerikanisierung von den aus anderem Volkstum hervorgegangenen Amerikanern nicht als ihresgleichen empfunden werden.

Es spielt also in Nordamerika nicht nur die Frage der Farbigen eine Rolle, sondern auch durch die weiße Bevölkerung laufen Trennungslinien, die sich nur schwer verwischen lassen. Die Einwanderung aus dem ost- und süd europäischen Raum war in den Jahrzehnten vor der staat­lichen Regelung der Einwanderung so groß, daß eine Zurückdrängung des angelsächsisch-germanisch bestimmten Amerikanertums im Bereich der Mög­lichkeit liegt. Hätte man nicht 1923 bei der Fest­legung der Einwanderungsquoten Nordeuropa eine Vorzugsstellung eingeräumt, so wäre eine innere Wandlung des Amerikanertums sogar unvermeid­lich geworden. Nachdem jetzt der Strom der Ein­wanderung fast ganz versiegt ist, hängt die rassische Entwicklung Nordamerikas weitgehend von der Geburtenfreudigkeit der einzelnen Volksbestandteile ab. Die Neger, die etwa 10 v. H. der Gesamt­bevölkerung in USA. aurmachen, haben sich bisher trotz einer hohen Geburtenziffer nur wenig ver­mehrt, weil die Sterblichkeit groß war. Gelingt es den Negern, durch Anwendung der modernen Hy­giene die Sterblichkeit zu verringern, so können sie ihren Anteil am Gesamtvolk erhöhen. Dies ist heute um so leichter möglich, eis die weiße Bevöl­kerung durch die Neueinwanderung nur noch un­

wesentlich verändert wird. Von der weißen Bevöl­kerung haben die neuen Einwanderer aus Ost- und Südeuropa im Vergleich zu den Amerikanern nord- europäischer Abstammung eine hohe Geburtenziffer. Ein Anhalten dieses Zustandes würde bedeuten, daß der Blutsanteil Nordeuropas mit der Zeit zurück­gedrängt wird und daß damit USA. einen a n- beren Charakter erhält.

Nun sind aber die Einwanderer der letzten Jahr­zehnte in der Hauptsache in den großen Industrie­zentren sitzengeblieben, sie bilden dort einen wesent­lichen Bestandteil des Proletariats. Läßt unter dem Einfluß der unnatürlichen Lebensweise, welche die Zusammenballung in den Industriezentren und Großstädten nun einmel mit sich bringt, die Ge­burtenfreudigkeit dieser Menschen erheblicht nach, so mag dadurch die sonst zu erwartende Abkehr vom angelsächsisch-germanischen Wesen aufgehalten werden. Die Stärke des älteren Amerikanertums, das uns verwandt ist, ruht jedenfalls mehr a u f dem Lande als in der Stadt. Das ist Grund genug für uns, die amerikanische Landbevölkerung vom Standpunkt der Rasse noch etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ganz allgemein kann man sagen, daß die land­wirtschaftliche Erschließung Nordamerikas im we­sentlichen von Menschen nord europäischer Abkunft durchgeführt worden ist. Die gewaltige Leistung, aus einer.Wildnis in unglaublich kurzer Zeit eine der größten landwirtschaftlichen Erzeu­gungszentren der Welt zu machen, geht im wesent­lichen auf das Konto nordeuropäischer Menschen. Die Einwanderer aus Ost- und Südeuropa kamen erst dann, als der Kontinent, soweit er für die landwirtschaftliche Erzeugung geeignet ist, in Be­sitz genommen war. Sie bildeten die Voraussetzung für die Industrialisierung des neuen Erd­teils, die der agrarischen Erschließung auf dem Fuße folgte. Trotz vieler Veränderungen, die durch den schnellen Besitzwechsel und die Vermischung her­vorgerufen werden, ist auch heute noch der nordische Blutsanteil auf dem Lande viel stärker als in der Stadt. Das trifft besonders für den landwirtschaft­lichen Mittelwesten zu. In den spezialisierten Ge­müse- und Obstbetrieben des Ostens und im pazi­fischen Raum haben allerdings Menschen südeuro­päischer Herkunft überall festen Fuß gefaßt. Am Stillen Ozean sind auch die vor dem Einwanderungs­verbot hereingekommenen Gelben vielfach im Obst­und Gemüsebau anzutreffen. Die Viehwirtschaft und die allgemeine Landwirtschaft ist dagegen vor­wiegend eine Angelegenheit von Menschen nord- europäischer Herkunft, die ohne viel Widerstand im älteren Amerikanertum aufgingen.

Ganz besondere Verhältnisse herrschen im Süd - o ft e n der Union. Dort wurden durch die Einfuhr der Neger aus Afrika und durch die Gründung der kapitalistischen Baumwollplantagen von vornherein halb koloniale Verhältnisse geschaffen. Das hatte zur Folge, daß die spätere europäische Einwande­rung wenn wir von einigen Ausnahmen ab­sehen den Süden mied. Man legte keinen Wert darauf, sich in einen Konkurrenzkampf mit dem Neger einzulassen. Auch die sog. Befreiung der 'N e g e r durch den Bürgerkrieg, die das alte Plan- tagensystem in eine von weißen Grundherren be­herrschte Teilpächterwirtschaft umwandelte, hat im Grunoe nicht allzuviel geändert. Der Süden blieb im vorigen Jahrhundert ohne den belebenden Zu­

strom neuer Einwanderer aus Nordeuropa, die im Mittelwesten zusammen mit den rassisch ähnlichen Westwanderern den eigentlichen Typ des Ameri­kaners herausbildeten. Der alte Süden konnte eine solche Entwicklung nicht mitmachen, die starke Neger- bevölkerung erzwang das Verharren bei mehr aristo­kratischen Gesellschaftsformen. Trotz des äußerlich gleichmachenden Einflusses der amerikanischen Zivili­sation mußten die Unterschiede zwischen Nord und Süd eher größer als kleiner werden.

Für die Zukunft besteht die Möglichkeit einer neuen Wandlung des Amerikanertums, wenn nämlich die anders gearteten Einwanderer der letzten Jahrzehnte allmählich in den Volkskörper eingeschmolzen werden. Wie stark das rassische Bild der weißen Bevölkerung sich dadurch verändern wird, hängt von der Ge­burtenfreudigkeit der einzelnen Volksbestands, teile ab. Von welcher Seite man auch tiefer in die amerikanischen Probleme einzudringen sucht, immer stößt man auf die Rassenfrage, die entscheidend für die Zukunft des Landes sein wird.

Kunst und Wissenschaft.

Der Maler Richard Hoelscher 70 Jahre all.

Der bekannte Darmstädter Maler Prof. Richard Hoelscher feiert am 5. Februar seinen 70. G e - burtstaa. Der Künstler steht in den Reihen der besten deutschen Maler unserer Zeit. Seine große Kunstleistung und sein hervorragendes Verständnis für die hessische Heimat und für den hessischen Men­schen zeigte in der Öffentlichkeit zuletzt vor etwa zwei Jahren die umfangreiche Sonderausstellung in den Räumen der Darmstädter Kunsthalle, die zum 50jährigen Künstlerjubiläum zusammengetragen war, einen ausgezeichneten Ueberblicf über das große Können des Künstlers und seine Eigenart bot und eingehende Würdigung und hohe Anerkennung in weiten Kunstkreisen fand. Professor Hoelscher ist in Alsfeld geboren. Seine Heimatstadt hat immer regen Anteil an den Erfolgen und den Anerken­nungen, die dem Künstler zuteil wurden, genommen, wie auch der Künstler der Stadt Alsfeld in inniger Heimatliebe zugetan ist. Wir bringen in der nächstenHeimat im Bild" eine eingehende Wür­digung von Hoelschers künstlerischem Schaffen.

Aus aller Welt.

Prinz Karneval in Köln.

In Köln hat die Herrschaft des Prinzen Kar­neval begonnen. Am Dienstagabend wurde die Thronbesteigung Hermanns I. unter glänzender Prunkentfaltung und großer Fröhlichkeit mit der offiziellen Proklamation vollzogen. In den Kölner Stadtfarben Rot und Weiß, in Blüten und Grün prangte der Große Saal des Gürzenich. Auf dem Podium wölbte sich ein großartiger Baldachin über dem Thronsessel Seiner Tollität des Prinzen, Ihrer Lieblichkeit der Jungfrau und Seiner Deftigkeit des Köllschen Bauern. Alles, was in Köln Rang und Namen besitzt, hatte sich eingefunden. Die Korps erwiesen Prinz, Bauer und Jungfrau mit lustigen Tänzen Reverenz. Die bekanntesten Kölner Karne­valisten hielten ihre Vorträge. Freude und Heiterkeit herrschte unter dem Narrenvolk, das auf diese alt­hergebrachte Weise den Regierungsantritt des Prin­zen Karneval feierte.

Anstieg des Fremdenverkehrs.

Der Anstieg des Fremdenverkehrs gegenüber dem Vorjahr hat im Dezember 1936 weitere Fortschritte gemacht. In 667 wichtigen Frem­denverkehrsorten des Deutschen Reiches wurden 951000 Fremdenmeldungen und 2,69 Millionen Fremdenübernachtungen gezählt, d. h. 15 und 18. vom Hundert mehr als im Dezember 193 5. Aus dem Ausland sind gegenüber dem Dezember 1935 die Meldungen um 12 v.H. auf 58 145 und die Uebernachtungen um 27 v. H. auf 216 763 gestiegen.

Ritt durch Deutschland im Dienst des WhD.

Auf ihrem Ritt durch Deutschland traf in Kassel die bekannte Reiterin Frau Friedel Schu­mann ein, die in diesem Winter einen Distanzritt durch ganz Deutschland durchführt, auf dem sie für das Winter Hilfswerk sammelt. Die Rei­terin wurde vom Musikkorps des Artillerie-Regi­ments und von einem SA.-Reitersturm feierlich eingeholt und zum Rathaus geleitet, wo sie von Stadtrat Harms im Namen der NSV. begrüßt wurde. Frau Schumann wird nach einer Samm­lung in den Betrieben und Straßen Kassels ihren Ritt fortsetzen, der sie bis nach Saarbrücken führt, von wo am 31. März die Rückreise angetreten wird.

Schwere Sturmverwüstungen an der ligurischen Küste.

Der heftige Sturm, der die ganze ligurische Küste in den letzten Tagen heimgesucht hat, hatte in der Gegend von Aldenga neue Verheerungen zur Folge. Dabei wurden mehrere Häuser überschwemmt. Eine Strecke von etwa zwei Kilometer, auf der sich früher blühende Gärten befanden, ist in eine Wü­stenei verwandelt worden. In Varazza stürzte durch den Anprall der Wogen eine Mauer ein, wobei ein Arbeiter umsLeben kam.

Drei Tote bei einem Gasunglück in Thüringen.

In einer der letzten Nächte brach in einer Straße in Mühlhausen (Thür.) aus bisher noch ungeklär­ter Ursache das Hauptrohr einer Gasleitung. Das ausströmende Gas drang in drei Wohnhäuser. Ret­tungsmänner drangen in das eine der betroffenen Häuser ein und fanden dort drei Personen schwer gasvergiftet auf. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Eine vierte Person wurde in bedenklichem Zustand ins Krankenhaus gebracht.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Mit dem Aufkommen einer ausgesprochenen West­windwetterlage hat die Ueberflutung des euro­päischen Festlandes mit feucht-milder Meeresluft weitere Fortschritte gemacht. Da vom Atlantik wei­tere Störungen heranziehen, bleibt der unbestän­dige, aber nicht durchweg unfreundliche Witterungs­charakter erhalten.

Aussichten für Donnerstag: Gelegent­lich aufheiternd, doch meist wolkig und zeitweise auch Regen, bei südwestliche» Winden für die Jah­reszeit mild.

Aussichten für Freitag: Bei Luftzufuhr aus Süd bis West Fortdauer der unbeständigen und milden Witterung, doch nicht durchweg unfreundlich.

Lufttemperaturen am 2. Februar: mittags 2,9 Grad; abends 2,2 Grad; am 3. Februar: morgens 2,4 Grad. Maximum 3 Grad, Minimum heute nacht 1,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Februar: abends 0,1 Grad; am 3. Februar: mor­gens 0,1 Grad.

Gute Möbel bei Koos

Giessen Schulstn 6