zureichen. Es wird hiermit darauf hingewiesen, daß die Rückseite der Kohlenscheine außer der Unterschrift des Händlers auch die Unterschrift des Empfängers, dessen Wohnung, Straße und Hausnummer und die genaue Bezeichnung der Kohlenforte tragen muß. Nach dem 3. Dezember eingereichte Scheine sind wertlos.
Hitler-Lugend Bann 116 Gießen.
Befr.: HJ.-Arbeilsgemeinschaft.
Zur HJ.-Arbeitsgemeinschaft haben am kommenden Freitag, 3. Dezember, alle Unterbannführer, Gefolgschaftsführer, Stellenleiter und Mitarbeiter des Bannes 116 um 20.20 Uhr am Heim der Marine-G«fotgschaft, Roonstraße 22, anzutreten.
Befr.: Das 16. Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau.
Ein Film- und Werbevortrag für das 16. Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau findet am kommenden Sonntag, 5. Dezember, um 11 Uhr, im Gloria-Palast Gießen statt. Eintrittskarten zum Preise von 0,25 Mark sind bei dem Kreiskassenwart des DRfL. Kreisamt 8 (Gießen), Peter Ritsert, Gießen, Wiesenstraße 2, erhältlich.
Betr.: Unterbannschulungen.
Am kommenden Sonntag, 5. Dezember, findet eine Schulung der Führerschaft des Unterbannes 1/116 in Gießen statt.
Die Schulung der Führerschaft des Unterbannes V/116 findet am gleichen Tag in Klein-Linden statt.
Unterbann V/116.
Betr.: Unterbannschulung.
Die nächste Unterbannschulung des Unterbannes V/116 findet am kommenden Sonntag, 5. Dezember, mit Beginn 8 Uhr, im HJ.-Heim in Klein-Linden statt. An ihr nehmen teil die Gefolgschaftsführer, Mitarbeiter der Gefolgschaften, Schar- und Kameradschaftsführer der Gefolgschaften 5/116, 13/116, 14/116 und 15/116. Mitzubringen sind Liederbücher, Schreibzeug und Turnzeug. Standort Klein-Linden sorgt für das Vorhandensein von Hand- und Medi- zinoällen.
Hitler-Jugend, Iungbann 116.
Betr.: Das 16. Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau.
Ein Film- und Werbevortrag für das 16. Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau findet am kommenden Sonntag, 5. Dezember, um 11 Uhr, im Gloria - Palast (Seltersweg) statt. 'Eintrittskarten zum Preise von 0,25 Mark sind bei dem Kreiskassenwart des DRfL. Kreisamt 8 (Gießen), Peter Ritsert, Gießen, Wiesenstraße 2, erhältlich.
Betr.: H Z.-Arbeilsgemeinschaft
Zur HI.-Arbeitsgemeinschaft haben am kommenden Freitag, 3. Dezember, alle Stammführer, Fähnleinführer und Stellenleiter des Jungbannes 116 um 20.20 Uhr am Heim der Marinegefolgschaft, Roonstraße 22, anzutreten.
NS. Rechtswahrekbuni), Kreisgruppe Gießen.
Am kommenden Freitag, 3. Dezember, 20 Uhr, spricht im Hotel „Hindenburg" in Gießen der Universitäts-Professor Pg. Dr. Bley über das Thema „Oswald Spengler und der Nationalsozialismus."
Es wird erwartet, daß alle Bundeskameraden an diesem Abend erscheinen. Auch die Angehörigen sind herzlich eingeladen.
Trauer feier derLandSmannschast derHeffen in Berlin
NSG. Im Zeichen der Trauer über das furchtbare Geschick der hessischen GroßherzogSfamilie stand der Heimatabend, den die Landsmannschaft der Hessen in Berlin dieser Tage veranstaltete. Eine kleine Ausstellung von Bildern aus dem Familienleben des Großherzogs rief bei den zahlreichen Berliner Hessen die Erinnerung an das beliebte Großherzogspaar wach. In seiner Ansprache schllderte Dereinsführer Schäfer das entsetzliche Unglück und streifte das tragische Geschick, das Großherzog Ernst Ludwig in seinem Lebensgang beschieden war. Die Versammlung ehrte die Heimgegangenen.
Im zweiten Teile des Abends hielt der Ehrenvorsitzende der Landsmannschaft, Professor Dr. Maurer, einen Vortrag über die Kämpfe des hessischen Regiments Groß- und Erbprinz (später J.-R. 118) vor 125 Jahren in Spanien bei Badajoz. Urgroßvater und Großonkel des Redners
standen als Offiziere bei diesem Regiment „Hessen". Er konnte daher interessante Einzelheiten anschaulich schildern.
Freiwillige für das Heer zum Herbst 1938.
Freiwillige, die im Herbst 1938 in das Heer eintreten wollen, müssen bis zum 5. Januar 1938 sich bei dem gewählten Truppenteil melden. Nach dem 5. Januar 1938 werden Freiwilligenmeldungen nur noch für 1939 angenommen.
Die für die einzelnen Wohnsitze der Bewerber zuständigen Truppenteile können bei den Wehrmeldeämtern bzw. Wehrbezirkskommandos erfragt werden. Auf Anforderung geben diese auch Merkblätter für den Eintritt als Freiwilliger in das Heer aus.
Bei Annahme als Freiwilliger wird die Einziehung zum Reichsarbeitsdienst im Frühjahr 1938 behördlicherseits veranlaßt; besondere Schritte des Bewerbers sind hierzu nicht erforderlich.
„Von Nord-Luzon zum Sulu-Archipels
Lin wirtschaftswissenschaftlicher Vortragsabend.
Trotz der Verdunkelungsübung am Dienstag war der Vortragsabend der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde, der von Universitäts-Professor Dr. Klute in der Aula des Gymnasiums eröffnet wurde, gut besucht.
Dozent Dr. A. Kolb aus Leipzig hielt einen wirtschaftswissenschaftlichen Vortrag über das Thema „Von Nord-Luzon zum Sulu-Archipel", der von zahlreichen Lichtbildern und einem Filmstreifen unterstützt war. An Hand einer Landkarte erläuterte der Vortragende die politische Bedeutung der von Nord-Luzon zum Sulu-Archipel sich hinstreckenden Inselgruppe, die als die im Großen Ozean liegenden Philippinen besser bekannt sind. Er zeigte ihre geographische Lage und stellte sie hinsichtlich ihrer geopolitischen, kulturpolitischen und wirtschaftlichen Beschaffenheit als die Brücke zwischen Ost- und Nordasien in den Vordergrund seiner Betrachtungen. In vielen Bildern vermittelte er die Kenntnis der
Frauen und Mütter in der Leistungsschau der Volksschulen.
In der Woche der Leistungsschau der Volksschulen in der Pestalozzischule in Gießen war der Dienstagnachmittag den Frauen und Müttern vorbehalten. Kreisschulrat Nebeling hob m feinen Begrüßungsworten hervor, daß die Leistungsschau den Eltern, die ja das Schulleben nur aus ihrer eignen Schülerzeit oder aus kleinen Berichten ihrer Kinder kennen, die Schule zeigen will, wie sie heute l,t'2Iuf der Bühne des großen Turnsaals sah man dann eine Klasse der Jüngsten aufgebaut. Lehrer Reich von der Schillerschule hielt eine muntere Schulstunde mit ’ den kleinen Mädchen, die ohne Scheu die Finger streckten und in großer Lebendigkeit dem Unterricht folgten. Rede und Antwort wechselten in schneller Folge, Spiel und Ernst gingen, dem Kinde unbewußt, Hand in Hand. Da wurde buchstabiert und abgeteilt, an die große Wandtafel geschrieben und gemalt. Der Nikolaus mit Sack und Rute, Häschen und Kätzchen erschienen aus Papier geschnitten; sie wurden in einzelne Buchstaben zerlegt und groß geschrieben. Die Mütter freuten sich über die muntere Schulstunde, in der das Lernen zur Freude wird.
Dann sprach Fräulein G ö r l a ch von der Goetheschule über „Nationalsozialistische Mädchenerziehung." Die Rednerin führte u. a. aus, daß die Erziehung der Mädchen als ein Teil der großen nationalsozialistischen Erziehungsarbeit zum deut- schen Menschen betrachtet werden muß. Körper, Geist und Seele müssen gepflegt und gebildet werden. Turnen, Sport und Gymnastik sind zu üben, um einen gesunden Organismus zu erzielen. Ergänzt wird die körperliche Ertüchtigung durch Wandern und durch den zeitweiligen Aufenthalt in Landschulheimen. Auch für die Lehrerin gibt es nichts Schöneres, als losgelöst von aller Beschwerde hinaus in die Natur zu wandern und einmal ganz Kamerad zu sein. In den Oberklassen ergibt sich in der Naturkunde die Gelegenheit, über Körperpflege und Hygiene, anschließend über Rassenkunde, Vererbungslehre und Sippenforschung zu sprechen. Im
Geschichtsunterricht sollen auch den Mädchen die deutschen Helden- und Heldinnengestalten nahegebracht werden. Aus Sagen und Märchen wird die deutsche Seele ihnen entgeqentreten, und sie werden das Wesen des deutschen Mannes und die Art der deutschen Frau daraus erkennen. So wird die deutsche Jugend auch die Gegenwart recht zu erleben verstehen und empfinden, daß es eine unendlich große und reiche Zeit ist, in der wir leben und berufen sind, mitzuarbeiten in unserem Volke. Hier muß der Erzieher das beste Beispiel geben, um die Kräfte des Herzens zu wecken, die uns befähigen, zu opfern und bereit zu sein zum Einsatz unseres ganzen Menschen für unser Vaterland.
Nach den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen von Görlach stimmten die größeren Mädchen ihre Chorlieder an und erfreuten mit ihrem wohlklingenden Gesang.
Die Frauen gingen dann durch die Ausstellung und betrachteten die Schülerarbeiten auf den verschiedensten Gebieten. Das meiste Interesse erregten natürlich die Handarbeiten der Mädchen. Unter dem Leitwort: „Als künftige Hausfrau und Mutter soll jedes Mädchen nähen, stricken, häkeln und flicken können" lagen in bunter Auswahl sauber gearbeitete Gegenstände und bewiesen die Geschicklichkeit der Schülerinnen. Kunstvolle Stickereien in Schützer Art, geflochtene Bastsachen und gewebte Kissen und Kleidungsstücke konnten auch höheren Ansprüchen genügen. Ein Tisch zeigte Neues aus Altem und bewies, daß hier immer wieder neue Anregung gegeben werden kann, um nichts umkommen zu lassen. Mit großer Liebe und Freude waren für unsere Ausländsdeutschen die vielen Sachen, Wäsche und Kleider hergestellt worden, die auch in diesem Jahre wieder hinauswandern sollen zu unfern Brüdern und Schwestern jenseits der Grenzen, so wie im Jahre 1936 die Volksschulen der Stadt und des Kreises Gießen 2500 Kleidungsstücke der Sudetendeutschen Nothilfe gespendet hatten. Auch für die Winterhilfe war manches gearbeitet worden.
Bodenbeschaffenheit dieser Inselgruppe, die nach dem Großen Ozean zu stark gebirgig und nach der Chinesischen Südsee ebener und stärker vom Wasser durchdrungen ist. Von etwa 14 Millionen Menschen bevölkert, in erster Linie Malaien, haben die Philippinen den Amerikanern als starker Stützpunkt gedient. In nächster Zeit sollen die Philippinen ihre Selbständigkeit erhalten. Die Hauptproduktion dieser Inselgruppe ist Reis. Das dazu außerordentlich geeignete Land besitzt viele Plantagen, und der Handel mit Reis gibt den Ländern fein Gepräge. Daneben werden Hanf, Tabak, Kokosöl und Kopra, Zucker, auch Eisen produziert. Zur Ergänzung wird Salz aus dem Meere gewonnen. Neben dem Reis wird aber auch Mais angebaut. Durch den Tabak hat sich das Land von feiner wirtschaftlichen Abhängigkeit freimachen können. Die Amerikaner haben in erster Linie das Sttaßennetz ausgebaut. So kann man nun neben den einheimischen leichten Fuhrwerken die modernsten Kraftwagen antreffen. Der Export und der dadurch erzielte Reichtum haben den größeren Städten ein eigenes Gepräge gegeben. So sieht man neben den leichten Holzbauten der Einheimischen große Bauwerke in amerikanischem Stil. Durch die Jnsellage hat auch die Schiffahrt eine besondere Bedeutung. Die Wasserarme sind reichlich für Handel und Verkehr ausgenützt. Neben den Amerikanern sind auch Japaner auf den Inseln anzutreffen. Auch deutsche Kaufleute haben sich dort niedergelassen.
Der Film ließ die schönen Landschaften erkennen und bot einen interessanten Einblick in das Leben und Treiben auf dieser Inselgruppe.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 2. Dez. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 11, ausländische 12, Wirsing, % kg 8 bis 12, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 9, Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 22, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rysenkohl 20 bis 25, Feldsalat, Vio 10, Tomaten, % kg 15 bis 20,
Zwiebeln 8 bis 9, Meerrettich 30 dis 60, Schwarz» wurzeln 25 dis 40, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, Vi kg 10 bis 20 PH. Birnen 10 bis 20, Nüsse 45 bis 50 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mark, erstklassige 1 bis 1,10 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Endivien 8 bis 12, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
*
** Schulperfonalie. In Den Ruhestand ver- fetzt wurde nach Erreichung der Altersgrenze der Lehrer Ludwig Allendörferin Homberg (Ohm).
** Die Bekämpfung d e r Schnaken- plage muß vom Dezember bis Februar mindestens einmal monatlich gründlich erfolgen. Das städtische Hoch- und Tiefbauamt wendet sich heute mit einer entsprechenden Aufforderung an die Grund-' ftütfseigentümer.
** Umstellung auf Dreh- bzw. Wechselstrom. Das städtische Elektrizitätswerk beabsichtigt, in den Häusern des Men Rödger Meaee Nr. 10 bis 26, der Georg Phittpp-Gail-Straße, der Grünberger Straße 1, der Kaiserallee Nr. 28 bis 143, der Karl-Vogt-Straße, der Landmannstraße, der Licher Straße Nr. 5 bis 59 und der Wolfstraße Nr. 19 bis 31 in etwa fünf Monaten die Strom-
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** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in der Zeit vom 16. bis 30. November: 17.: Hatz, Margarethe, geb. Guckelsberger, Wwe., 57 I. alt, Krofdorser Straße 1; Rühl, Marie, geb. Haun, Wwe., 77 I., Ebelstraße 20. 19.: Rein, Marie, geb. Spies, 37 I., Schiffenberger Weg 35; Eichmann, Ottilie, geb. Neumann, Wwe., 65 I., Ederstraße 1. 20.: Zülch, Lina, geb. Haubach, 77 I., Ludwigstr. 33; (Buntrum, August, Eisendreher, 63 I., Asterweg 70. 23.: Engelhardt, Karl, Kaufmann, 30 I., Großer Steinweg 18; Holzapfel, Amalie, Klavierlehrerin, 70 I., Frankfurter Straße 12. 25.: Schneider, Ka- rola, geb. Christ, 35 I., Stephanstraße 32; Währum, Karl, Bankangestellter i. R., 68 I., Stephanstr. 32; Bende, Emma, geb. Schönhals, 54 I., Crednerstr. 34. 27.: Sauerland, Karl, Hauptlehrer i. R., 69 I-, (Brünberger Straße 79; Schreier, Willi, ohne Berus, 19 I., Bahnhofstraße 65; Schnabel, Elise, geb. Sier, 73 I., Wilhelmstraße 46. 28.: Walter, Hans, o. B., 49 I., (Brünberger Straße 85. 29.: Steber, Konrad, Schuhmachermeister, 54 I., Ludwigstraße 14. 30.: Löbsack, Dorothea, geb. Wild, Wwe., 77 I., Lindenplatz 1.
^Runbfunfprogramm
Freitag, 3. Dezember.
6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.45: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: Halli, hallo ... 11.40: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund. Heitere Bühne. 15: Volk und Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Alte und neue Tanzmusik. 20.15: Kleine Sächelchen in Klang und Wort. 21.15: Freitagskonzert der Museums-Gesellschaft. 22: Nachrichten, aud) aus dem Sendebezirk. 22.15: Weihnachtliche Bücherecke. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 1: Nachtkonzert.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mittag geschlossen
Blondine seht sich durch
Roman von
Hans-Joachim Zreiherrn von Reihenstein (Copyright by Carl Ouncker
38 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Lüdtke faßte noch einmal zusammen: „Die jeht nur mit einem, der Geld hat. Was brauchte Herr Engemann sich denn sonst umzubringen, wenn sie ihn nich so ville gekostet hätte? Am allerletzten Abend hat er sie noch beschworen, er müßte sie sehen. Ich habe bet Jespräch janz deutlich an- jehört. Fragen Sie se doch danach! Weil er nischt mehr jehabt hat, hat se'n den Abend kaltschnäuzig abjehängt. Und da saß er da mit feine Schulden und ohne Jeliebte. Und am nächsten Morgen is ja denn richtig bet Unglück jeschehen. Fragen Sie se man ruhig nach mir, Herr Doktor! Sie weeß genau, bet ick im Bilde bin! — Und denn noch eens: wo hat son besseres Dienstmädchen das Jeld her, um hier uffzutreten? Man kann doch nich jlooben, daß ihre Mutter, die Masseuse, ihr das jibt"
„Was ist ihre Mutter?" Es waren die ersten Worte, die Doktor Schrader herausbrachte.
„Masseuse, Herr Doktor. Eine janz gewöhnliche Frau. Det wird bas feine Frollein Ihnen nicht er- Iählt haben. Aber fragen Se unsere Frau Pro- esfor. Die kennt sie. Bei Frau Molny kam se a auch. Und denn hat de Tochter sich injeschlichen und een Verhältnis mit den Herrn anjefangen. Jetzt hat sie sich bei Frau Molny wieda an» jeschmust. Vielleicht is das ’n letzter Rest von Anstand. Jeb' ich ja zu. Nu sieht sie, wat sie an« jerichtet hat."
Doktor Schrader biß sich auf die Lippen.
„Machen Sie den Wagen fertig, Lüdtke! Wir fahren sofort nach Haus."
Nachdem Lüdtke fort war, wanderte Schrader in seinem Zimmer hin und her. Er ging mit sich selber hart ins Gericht. Er brauchte vor sich doch nicht überrascht zu tun. Er wußte es doch längst. Er hatte sie doch selbst mit diesem Engemann am späten Abend von irgendwoher zurückbraujen
sehen. Er hatte sich doch selbst betrügen wollen, indem er sich einredete, daß es ein Zufall war.
Je höher wir einen Menschen stellen, desto tiefer ist fein Sturz, wenn sein Bild in uns wankt.
Nein, das mit der Masseusen-Mutter hatte sie ihm wirklich nicht erzählt. Warum nicht? Das war doch ein ganz ehrenwerter Beruf. Es übte ihn zum Beispiel die Witwe eines bedeutenden Arztes aus. Diese Dame empfahl er wegen ihrer Tüchtigkeit gern seinen Pattenten. Da war doch nichts Ehrenrühriges dran. Aber es ihm zu verschweigen, während sie in jeder Sekunde auf feinen Heiratsantrag gefaßt sein mußte, war schlau und durchtrieben.
Und wovon war sie wirklich hier und in diesen Kleidern?
Und ihre Freundin Greta? Die war noch besser als sie. Die ging nach Gefühl. Diese hier ging nur nach Geld. Wenn er sie damals statt zu einer Tasse Kaffee zu einem teuren Abendessen eingeladen hätte, wäre wahrscheinlich alles anders gekommen.
Wie kann man glauben, daß ein Mädchen einen immer wieder anlockt und immer wieder tugendhaft abwimmelt, wenn sie nicht ihren Plan dabei hat. Die ging zielsicher aufs Heiraten aus. Den Verdacht hatte er schon einmal gehabt.
Was hatte sie überhaupt in solchem Hotel zu suchen, als Hausangestellte und Tochter einer Masseuse? Das grenzte schon an Hochstapelei. Sie wollte sich einen reichen Mann kapern, das war alles.
Nicht von fern kam Schrader der Gedanke, daß Blondine annehmen könne, er wisse so gut wie sein Chef, wie Frau Lambertz, Frau Molny und andere, wer ihre Mutter wäre Lückenlos reihte sich Beweis an Beweis: Greta Schade. Die Tasse Kaffee. Der Spaziergang im Tiergarten und das Abhängen des billigen Bewerbers. Daß die Molny gut von ihr sprach, wollte gar nichts besagen. Die Nächstbeteiligten wissen ja immer am wenigsten, was um sie her vorgeht. Von der Engemannschon Sache hatte man in der Klinik gemunkelt, als sie dort lag. Ein unangenehmer Mensch war ihm dieser „Doktor" immer gewesen. Daß er bis über beide Ohren in Schulden steckte und zur rechten Zeit gestorben war, das hatte er damals schon gehört. Und auf dieses Lausejungen hinterlassene (Beliebte mußte er als seriöser Mensch reinfallen.
Doktor Schrader ging wieder hinunter und führte Blondine aus der Halle in bas leere Lesezimmer. Und dort begann er:
„Kennen Sie den Chauffeur Lüdtke?"
Sie war von seinem merkwürdigen Benehmen sehr überrascht. Außerdem weckte Lüdtkes Namen schlimme Erinnerungen in ihr. Sie stutzte. Er bemerkte es.
„Kennen Sie ihn?" fragte er nochmals scharf.
„Natürlich", sagte Blondine.
„Sind Sie, während Sie bei Frau Molny waren, mit deren Mann allein spazierengefahren?"
Blondine wurde sehr rot.
„Ja", sagte sie leise.
„Hat er Sie auch noch hinter dem Rücken seiner Frau angerufen, nachdem Sie nicht mehr dort im Hause waren?"
Blondine sprang auf. „Wie kommen Sie dazu, mich in diesem Ton zu verhören? Ehe ich Ihnen auch nur noch eine Frage beantworte, will ich wissen, was Sie von mir wollen."
,Lch will von Ihnen wissen, ob Frau Molnys Mann" — er betonte es schneidend — „Sie noch am Abend vor dem Autounglück angerufen und beschworen hat, ihn zu treffen?"
Blondine, abwechselnd glühend rot und blaß vor Schreck und Scham, sagte leise: „Ich erinnere mich dieses Gesprächs genau. Denn es war an Frau Diehls Geburtstag. Sie selbst und ein paar andere Damen saßen neben mir beim Kaffee, während ich sprach."
Ihre hilflose Stimme und ihr Erschrecken rührte ihn. Er hatte dos Gefühl: sie spricht die Wahrheit, sie hot nichts zu verbergen.
Blondine rettete fast die Lage, indem sie ihre Augen bittend zu ihm aufschlug. Versteh mich doch! stand deutlich darin zu lesen. Du kannst es doch.
Unsinn. Alles Berechnung. Nicht weich werden! machte er sich selber Mut. Dies Mädel war in allen Derführungskünsten bewandert. Dos hatte er ja eben erst gehört. Er vermied es, ihren bittenden Augen zu begegnen. Und dann schleuderte er ihr alles entgegen, was er wußte.
Blondine hatte sich nicht wieder gesetzt. Sie ließ ihn reden und antwortete mit keiner Silbe. Denn was sollte sie auf die wahnsinnigen Schlüsse antworten, die man aus Tatsachen zog, mit denen sie
gar nichts oder nur sehr wenig zu tun gehabt hatte. Sie zog sich in die Nähe der Tür zurück.
Keulenschläge waren seine Worte. Aus jedem einzelnen klang die Enttäuschung eines Mannes, der ein Mädchen geliebt und hochgehalten hat und der vor den Trümmern seiner Ideale steht. Er wußte selbst nicht, daß er ihr jetzt im Zorn mehr von seinen Gefühlen verriet, als er vorsichtigerweise bisher getan hatte.
Blondine stand verängstigt an der Tür.
Mit einem letzten, kräftigen Satz warf er ihr seine Verachtung entgegen.
Blondine schlug die Tür hinter sich zu.
Frau Hertel nahm am Sonntagmorgen die Post aus dem Türbriefkasten.
Es war ein Brief an Blondine dabei. Sie kannte die Handschrift, gewollt groß und etwas manieriert. Eine elegante Handschrift. Das konnte nur Greta Schade sein. Frau Hertel überlegte, ob sie ihrer Tochter diesen Brief nachsenden sollte oder nicht.
Blondine hatte gestern eine Karte geschrieben. Mit Vergnügen betrachtete sie immer wieder die schöne Photographie der winterlichen Harzlandschaft mit dem Hotel, in dem ihre Tochter wohnte.
Da schlug die Flurklingel an. Meta kam, um Frau Hertel etwas zu fragen. Frau Siedel war am Telephon und wollte gern wissen, ob sie sie heute zu irgendeiner Zeit besuchen könne.
„Ich komme selbst mal rüber. Meta." Und dann bat sie Frau Ilse Siebel, geborene Gehrke, ihr doch ja heute zum Kaffee das Vergnügen zu machen.
Nachdem sie verabredet war, ging sie sofort in die Küche, um einen Kuchen zu backen. Die kleine Ilse futterte gern. Sie wußte auch, was gut schmeckte.
Als die junge Frau Siebel dann auf dem Sofa vor dem Mahagonitisch saß, sagte sie:
„Frau Hertel, wenn ich ehrlich bin, so gut hat es mit lange nicht geschmeckt. Wir kochen keinen reinen Bohnenkaffee, das ist zu teuer. Und selbst* gebackenen Kuchen habe ich auch lange nicht mehr gegessen."
— Fortsetzung folgt


