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Hund: sie hatten das Ackergerät und wissen um das Herrentum des Bauern, der das Rückgrat deiner steinernen (Straften ist, lieber Freund in der groften Stadt.

Die Zeit des Abendbrotes ist gekommen, und du willst endlich deine Ruhe haben. Die neuesten Mel­dungen in deiner Tasche versengen dir vor Unge­duld die Laune, das Radio wartet, die Tanzmusik vielleicht auch Theater oder ein Buch. Laß aut sein über mein Dorf geht die Abendglocke. Die Bäume halten still, dieweilen die Sterne aufziehen. Und die Mägde winden den Erntekranz und denken an die Fahrt zum Bückeberg. Der Führer wird seine Bauern grüßen, wie er die Arbeiter und Soldaten gearüftt hat. Es ist eine Truppe in drei starken Marschsäulen: Bauern, Arbeiter und Sol­daten. Wir du und ich sollten uns da mit einreihen. Wir stehen allein sonst in unseren Mauern aus Stein. Essen das Brot, ohne zu wis­sen, woher es kommt. Leben und erleben eine

Technik unter und über der Erde, ohne zu ahnen, wer sie geschaffen hat und täglich schafft. Lassen uns selbstsicher und ruhig den Schutz gefallen, den eine Wehr Tag und Nacht im selbstverständlichen Postengang für uns geht.

*

Ich bin noch einmal um mein Dorf gegangen. Es schläft schon im Schoß des Tales und unter dem Schutz der dunklen Bergrücken. Der Mond hält die silbernen Sterne, eine funkelnde Spange am Him­mel. Ein Stück Brot will ich noch essen. Ge­segnet der, dem eine liebe Hand es bereitet zur Nacht, die weiß um Erde und Sonne, Regen und Wind und um das heilige Feuer des Herdes. Was ich eigentlich will? Ja das Geheimnis ist das: wir in der Stadt errennen alles, die auf dem Dorf erwarten alles. Und wir wissen so wenig von der Arbeit und dem Leben des Bauern. Laß uns gemeinsam auf Posten ziehen!

Dein Heinrich Zerkaulen.

DerCr-everbun-en, dem Himmelnahe...

Oie Lebenswelt der deutschen Bäuerin.

23on Josefa Berens-Totenohl.

Don der Lebenswelt der Bäuerin zu sprechen ist nicht ganz leicht für einen Menschen, der selber aus dieser Welt stammt, und der einen großen Teil seines eigenen Lebens in ihr verbrachte, das heißt: der in ihrer Arbeit stand, der ihren Atem atmete und der auch nachher mitten in dieser Welt blieb, wenn ihn die Aufgabe seines Lebens auch andere Wege führte. Das gilt von meinem Weg und Leben. Ich habe aus meiner bäuerlichen Welt heraus Gestalten geschaffen und an ihnen diese Welt aufgezeigt. Das ergab sich einfach so. Das war wie Die Arbeit an der Scholle selber.

Aber in einem Aufsatz von dieser Welt auszu­sagen, so auszusagen, daß die bäuerliche Welt darin aufsteht, das ist schwer. Erst recht gilt das vom Leben der Frau auf dem Hofe. Freilich, man kann ihr Wirken und Schaffen vom frühen Morgen bis zum späten Abend beschreiben und viele Zeilen damit füllen. Die Bäuerin aber würde sich darüber wundern und fragen: Warum? Sie würde es nicht verstehen, wie man solches in den Mittelpunkt rückt. Was einfach selbstverständlich ist, darüber redet man nicht. Der Tag und das Jahr und die Menschen, die hindurchgehen durch diese Zeitspanne, sie alle stehen unter dem einzigen naturgegebenen Gesetz: dem des täglichen Brotes, dies Wort im weitesten und größten Sinne genommen. Es ist nicht ein Brotverdienen, es ist ein Brotschaffen, ein Brotschaffen für viele. Heute wissen wir, daß die vielen unser Volk sind.

Der Erde verbunden, dem Himmel nahe! Das ist die Linie des Bauern. Das ist die Linie hundertmal mehr der Bäuerin, der Gesellin seiner Arbeit und seines Lebens, der Mutter seiner Kinder, der Be­treuerin aller auf dem Hofe. Das gilt von der Frau, die dem größeren Hofe vorzustehen hat, wie von der Kleinbäuerin. Das Wesen dieser beiden Frauen ist dasselbe. Verschieden ist um ein Weniges die Art ihrer Pflichten. Von beiden müssen wir hier sprechen.

Die Welt der Bäuerin des größeren Hofes ist ausschließlich das Haus, darunter Wohnung, Stal­lungen, Hof und Garten verstanden. Diese Frau hat Leute genug zur Hand, die eingespannt sind in den vielfältigen Dienst zwischen Saat und Ernte in Feld und Garten, zwischen Morgen und Abend in der Arbeit für Menschen und Vieh. Die Bäuerin legt selber mit Hand an, aber sie hat eigentlich die ganze Arbeit mehr zu führen als selber zu tun. Die Leute und ihre Aufgabe ruhen gleichsam in ihrer Hand und vor allem in ihrer Sorge, der beides anvertraut ist, die Arbeit und das Wohl­ergehen derer, die sie leisten. Die Frau sucht die Leute und wählt sie aus, alle Wünsche und Nöte der einzelnen aber schlagen bei ihr an, und sie muß für Recht und Unrecht einstehen. Sie hat die Leute einzugliedern in die Gemeinschaft auf dem Hofe und jeden an seiner Stelle zu halten. Sie hat da­für zu sorgen, daß jeder sein gesundes Leben hat, und wird einer krank, so beginnt erst recht ihre Pflicht. Die Frau ist Erzieherin der fangen Men­schen auf dem Hofe, und bei denen, die in reifen

Jahren stehen, bestimmt doch wieder die Frau den Ton, in welchem das Gemeinschaftsleben dort vor sich gehen muß. Es ist ein anderes, das Gemein­schaftsleben auf einem Hof und das in einer Fabrik. Diese erzieht Arbeitskameraden, der Hof formt die Lebensgemeinschaft, in deren Mitte immerdie Frau" steht. Daß ich von dem gesunden Hof spreche, der seinen festen Boden hat und dessen Wurzeln in ebenso festem Geschlechterboden verklammert sind, ist klar.

In diesem Boden nun hat die Frau die feinen Fäden der Vergangenheit zu erfühlen und sie weiterzuspinnen ins Kommende, sie, die selber aus der eigenen Sippe herausgelöst wurde und in die des Mannes eintrat. Es ist ihr auferlegt, zu tragen und zu bewahren, was als Lebens- und Kraftstrom aus der Vergangenheit herauswirkt in den neuen Tag und in das gegenwärtige Leben auf dem Hofe. Man merkt es bald, ob sich eine junge Frau der Sippe des Mannes einzufügen ver­mag, ob sie dieser Sippe neues Wachstum zubringt, oder ob sie vielleicht die Linie des Hofes umbiegt nach ihrer Richtung, oder ob sie wegen eigener Unzulänglichkeit eine Lücke bleiben wird. Es ist durchaus möglich und bedeutet keineswegs immer einen Schaden, wenn die neue Bäuerin, beseelt von einer starken eigenpersönlichen Kraft, die lange Linie einer Bauernsippe plötzlich nach anderer Rich­tung hinüberzwingt. Datz. kann durchaus eine Be­reicherung oder Erneuerung der Geschlechterfolge sein, und man kann beobachten, daß in solchem Falle für einen Hof etwas wie eine neue Zeit­rechnung anhebt. Man spricht von dieser Frau und ihrer Zeit, wenn man die Geschehnisse und Schick­sale des Hofes berichtet, und es ist schon eine große Ehre dabei. Es ist mit Höfen wie mit Königreichen, daß immer einmal zwischen starken schöpferischen Männern auch ebensolche Frauen stehen. Diese sind vereinzelt, überglänzen dann aber viele, viele Zwischenglieder. Diese Frauen, ausgerüstet mit großer Kraft, haben ihre Wurzeln allemal in gutem Erdreich der eigenen gesunden Geschlechter- reihe.

Indem wir von der Pflicht der Bäuerin an dem Leben der Sippe sprechen und damit zugleich von ihrer Pflicht am Leben des Volkes, so steht inmitten dieser Pflicht die eigene Nachkommenschaft, das Kind. Ihm wird natürlich in unvergleichlich höhe­rem Maße all die Sorge zuteil, die an sich schon jedem Glied, das unter dem gemeinsamen Dache lebt, zugewandt werden muß. Es ist auf dem deut­schen Bauernhöfe noch immer so, daß dort viele Kinder aufwachsen, und es ist noch immer so, und wo es anders war, wird es doch wieder so fein, daß der älteste Sohn den Hof erbt. Die andern Kinder müssen ins Leben. Die Töchter werden meist wieder Bäuerinnen auf andern Höfen. Die Söhne heiraten auf Höfe, denen Söhne fehlen, oder sie werden Siedler, oder sie erringen sich irgendwo im bewegten Leben in der Stadt einen achtbaren Platz und tragen ihren ungebrochenen Kraftstrom herüber in den großen Verbrauch der Kräfte daselbst, der

sich nur erneuern kann aus dem unaufhörlichen Zustrom vom Lande. Das ist die lebendige und ordnungsmäßige Regelung des Volkslebens an sich.

Wir müssen nun noch ein besonderes Wort über das Leben der Kleinbäuerin anfügen. In vielem steht sie unter dem Gesetz des eben Ge­sagten, und gerade der letzte Gedanke berührt sie sehr stark. Gerade ihre Söhne liefern der Stadt besonders wertvollen Zuwachs an Kraft, da sie, an härteste Arbeit gewöhnt, einfach in ihren Be­dürfnissen, allen Schwierigkeiten und Entbehrungen des Lebens gewachfen sind, wenn solche über die Städte und ihre Arbeiterschaft kommen. Ihre Töch­ter sind an Arbeit gewöhnt und wissen sich auch mit geringen Mitteln einzurichten und dem Arbeits­mann in der Stadt ein Heim zu schaffen, in wel­chem noch die Gesetze des ländlichen Lebens nach­wirken und für Kind und Mann Segen schaffen. Wenn ich von Entbehrungen, von Härte des Lebens spreche, so darf man diese Worte in bestimmtem Sinne durchaus auf die Bäuerin des kleinen Hofes anwenden, und das ganz besonders in Gegenden, die kargen Boden haben und damit wenig ertrag­reich sind. Diese kleinen Höfe erlauben wenig oder gar keine Hilfskräfte. Während die Frau des grö­ßeren Besitztums einen Stab Dienstleute um sich hat, der es ihr zum Beispiel gestattet, in Tagen der Krankheit oder sonstiger Behinderung auch ihre eigenen Arbeiten auf andere Schultern zu legen, so wartet auf dem kleinen Hofe alles auf die Frau. Fehlt sie, dann ist keiner an ihrer Stelle. Die Frau ist dem Manne Gehilfin und Knecht. Sie ist Magd und Mutter. Wenn sie mit dem Mann vom Felde heimkommt, beginnt ihre Hausarbeit für den Abend, für das Abendbrot und die Derforgung ihrer Familie, wie für die vielfache Arbeit in Haus und Stall. Bis in die Nächte hinein geht die Arbeit, und mit der frühesten Morgenstunde beginnt sie neu. Aus dem Munde einer solchen Frau hörte ich einmal folgendes Wort, das sie so einfach dahin­sagte, als erzählte sie mir zufällig:Ich habe mich immer aufs Wochenbett gefreut, dann bekam ich meinen Flickenschrank leer'.

Diese Bäuerin hatte neun Kinder. Das letzte wurde drei Wochen nach dem Begräbnis des Bauern geboren. Die Frau hat ihre Kinder im bestem Sinne allein großgezogen, indem sie an den Arbeitsplatz des Bauern einen Knecht setzte, der zuverlässig war. Der älteste Sohn wurde ihr Nach­folger.

Dieses harte Leben der Frau auf dem kleinen Hofe wird gelebt ohne Klage, als Gegebenheit. Schlimm ist es, wenn Krankheiten eintreten. Dann wird von der Bäuerin das Letzte verlangt, und sie gibt es her, nicht mit großer Geste. Froh ist eine solche Frau schon, wenn ihre Kraft durchhält, bis sie einige Hilfe an den Kindern hat. Sie freut sich, wenn das älteste Kind ein Mädchen ist, obschon sie dem Bauern den Stammhalter schon gern gönnt, denn bas Mädchen wird ihre erste Magd, hilft arbeiten, es betreut die nachfolgenden Kinder und ist neben der Mutter deren Erzieherin. Darin unterscheidet sich das Leben der Frau auf dem klei­nen Hofe von dem der andern Bauersfrau, daß ihr Kreis enger, ihr tagtägliches Leben härter ist. Es ist keine Seltenheit, auf dem Lande hoffende Frauen in sengender Sonnenglut hinter der Sense des Mannes gebückt zu sehen, wie sie das Korn ab­nehmen und in Garben binden. Diese Frauen stehen an ihrem Platze bis zur Erschöpfung. So sehen wir auf dem Lande viele vorzeitig gealterte Frauen und krummgearbeitete Mütter. Wir sehen frühes Siechtum, schweigend getragene Schicksale, daß wir, wenn wir ihnen unversehens begegnen, erschrocken still sind. Alltagsheldentum steht vor uns. uns.

Wenn ich nun so viel von der Bäuerin spreche und vom Bauern schweige, so heißt das nicht, als stehe er nicht als erster über dem Hof. lieber den Bauern anders als in bezug auf die Frau zu spre­chen, ist hier nicht meine Aufgabe. Da aber auch sein Leben hart ist, karg und schwer zu bewegen wie die Erdscholle, so darf man darüber nicht ver­wundert fein, wenn im Bauernhaus der Umgangs» ton ebenso schwingt, wenn sich die Menschen nicht anders begegnen als die Dinge es fordern, wenn sie alles Weichere und Tiefere zurückdrängen, in heimliche Räume der Seele. Es scheint dann dem Fremden, als fei wenig inneres Leben, als fei nur geringes Zueinanderfühlen der Menschen vorhan­

den, weil kein Mund darüber redet. Dem ist aber nicht so. Zärtlich z. B. ist die Bäuerin mit ihren Tieren, die ihre Freunde sind. Das gilt besonders von der Frau des kleinen Hofes, die mit den weni- gen Tieren viel enger lebt, als die vom größeren Hof. Ihnen sagt sie Kosenamen und warme Worte, die sich nicht sehr viel unterscheiden von der Sprache, die sie mit dem kleinen Kinde führt. Ge- gen Erwachsene aber ist alle Rede verschlossen. Da wird es kaum geschehen, daß die Kinder je eine Zärtlichkeit der Eltern wahrzunehmen bekommen. Es wird nur das Notwendige gesprochen. In Kern­sätzen spricht der Bauer, und wenn es mit weniger geht, ist es ihm noch lieber. Wenigstens gilt das von unserm Volksstamm, dem westfälischen. Wir bedürfen der vielen Worte nicht. Wir nehmen auch die Natur, so sehr wir sie lieben, nicht romantisch.

RUHL Seilersweg Nr. 67

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Wir sind in ihr, sind ein Stück von ihr, leiden an ihr und werden von ihr gesegnet. So fügt sich auch die bäuerliche Lebensgemeinschaft in ihre Gesetze, und sie weiß es nicht anders. Es ist der Acker, aus dem Früchte wachsen, und wieder ist es am tiefsten und unverlierbarsten die Frau und Mutter auf dem Hof, die hofft und sich hingibt, damit der Himmel mit feinem Licht und seiner Wärme, sei­nem Regen und seinen Stürmen allem Leben seinen Segen gebe. Aus diesem namenlosen Kreis des Bauerntums ragen dann Einzelne heraus, die berufen sind, Zeugnis abzulegen von dem starken und tiefen Leden, das sich birgt in Verborgenheit, bas mit harten Händen und rauhen Gebärden am Werk ist: treu der Erde, dem Himmel nah.

Menaue.

Das vierte Neubauerndorf im Hess. Ried.

NSG. Am Sonntag legt Gauleiter und Reichs­statthalter Sprenger Den Grundstein zu dem vierten Erbhöfedorf im Hessischen Ried, das fett der nationalsozialistischen Regierungszeit geschaffen wird. Das neue Dorf, dessen Häuser ebenfalls im alemannischen Stil gebaut werden, umfaßt 3 0 Bauern st eilen mit je 50 Morgen Land, von denen 18 Morgen um das Haus herum liegen. Hessenaue ist ebenso weitläufig gebaut wie Allmendfeld, seine Häuser sind allerdings in ihrem Wirtschaftsraum etwas größer. Im Untergeschoß des Wohnhauses sind drei Zimmer, eine Wohn­küche und eine große Vorratskammer eingerichtet, der obere Stock kann zu vier Zimmern ausgebaut werden. Durch eine Brandmauer getrennt liegen unter dem gleichen Dach die Ställe und die Scheuer.

Das neue Dorf Hessenaue setzt sich aus Teilen der Gemarkungen Geinsheim, Astheim, Trebur und Kornsand zusammen. Es entsteht auf dem Gelände, das 1925 bis 1929 vom Astheimer-Erfelder Ent- wässerungsverband bearbeitet worden war, wodurch die Gemeinden in Millionenschulden gestürzt wur­den, von denen noch nicht einmal die Zinsen ge­zahlt werden konnten. Um diesen Verband zu sanieren, wurde die neue Siedlung durchgeführt, ohne die neuen Siedler zu belasten. Für das neue Dorf wird fiskalischer Boden, größerer Privatbesitz und Allmendbesitz sowie noch anderes Land der Gemeinden besiedelt, um die Schuldenlast aus den damaligen Jahren hinwegzubekommen. In dem neuen Dorf errichtet der Kreis Groß-Gerau e i n Schulhaus, in dem auch die Räume für die Bürgermeisterei und die Ortsgruppe der NSDAP, untergebracht sind. Gegenüber der Schule werden zwei Fachwerkbauten errichtet, in die der weib­liche Arbeitsdienst zieht, der für jeden Sied­ler eine Maid als Siedlerhilfe abstellt. Im Hessischen Ried sind damit bisher insgesamt 117 neue ent­weder fertige oder noch im Bau befindliche Erb­höfe erstellt worden, von denen allein seit April 1937 59 Bauernhöfe in 150 Arbeitstagen gebaut wurden. Am Tage der Grundsteinlegung für Hessen­aue wird der Gauleiter auch den Erbhöfeweiler Worms-Rosengarten einweihen, der bereits von einigen Familien bezogen ist. Es liegen bereits die Pläne für ein weiteres Neubauerndorf am Kammerhof bei Leeheim vor.

Abendlicher Erntegarten.

Von Johannes Linke.

Voll Klarheit wie ein seltner Traum Lag das Gebirg ins Abendgold ergossen. Die Blätter rührten sich im dunklen Baum. Ich hielt mich an die höchsten Leitersprossen Und schaute in den auferblauten Raum.

Voll Klarheit wie ein reiner Blick

Hielt Berg um Berg die weite Sicht umfriedet. Leise fiel eine Frucht im Reifeglück, Als wie vom eignen süßen Saft ermüdet Zum Grunde ihres Auferstehns zurück.

Voll Klarheit wie ein tiefes Wort

Umhegten Hang und Täler, Wälder, Matten Den Erntegarten als ein guter Hort.

Ich schwang mH aus dem vollen Blätterschatten Und trug den schweren Korb durchs Leuchten fort.

Oreiklang der Ernte.

Von Mar6 Stahl.

Wahrscheinlich würde man sich nicht so der Ernte freuen, wenn nicht jenes Gramm Wehmut dabei wäre, das erst der Freude den wahren Adel ver­leiht. Es hebt das Erntedankfest weit über banale Lustigkeit hinaus, es gibt ihm bei aller Ausge­lassenheit Tiefe und Würde und der Strom des Ueberflusses treibt den nachdenkenden Menschen nicht zu Uebermut und Schwelgerei, sondern ruft ihm die leise Ahnung des Todes wach, der Halm, Korn und Erde ergriffen hat.

211tc Volksmärchen berichten davon, wie es den Ruchlosen ging, die das heilige Brot in den Schmutz trafen oder die das Getreide lieber in den Spei­chern verfaulen ließen, als es den Hungernden zu geben. Sie wurden von der Erde verschlungen, von Sturmfluten fortgespült, im Kerker von Mäusen ge­fressen.

Darum ist es symbolisch, daß man am Tage des Erntefestes mit vollen Händen Trank und Speisen allen gibt, denen, die gearbeitet haben und denen, die darum bitten. Jeder, der das Korn seines Ackers glücklich hereingebracht hat in den Scheunen, fühlt sich veranlaßt, einen Teil davon freudig zu ver­

schenken. Er möchte ein Opfer bringen, um sich den Segen des Himmels auch ferner zu sichern.

Kein Fest kann man mit fo guten Gewissen feiern, wie dieses. Es ist wirklich das Ausruhen nach ge­taner Arbeit, denn nicht nur die Ernte, sondern alles Pflügen, Säen und Ackern, alle Arbeit des ganzen Jahres ist damit eingeschlossen.

Man flicht einen Kranz aus Aehren: den Ernte­kranz! Und auch das ist symbolisch. Der Mensch, der Natur entfremdet, ist lange entwöhnt, Kränze zu winden. Er tut es nur außer dieser zu zwei Gelegenheiten: zu Hochzeit und Begräbnis, zu An­fang und Ende. So liegt auch in diesem Kranz der Anfang und das Ende des Daseins beschlossen.

Der heutige Mensch wünscht etwas Lebendiges in­mitten der Ueppigkeit der Technik, er fühlt sich bei­nahe überflüssig in der sinvoll funktionierenden Ma­schinerie, die sein Leben regiert und bestimmt. Dar­um stürzt er sich heute um so lieber in den Taumel eines Festes, der die Krönung eines lebendigen Vorgangs ist, wie Wachsen, Blühen und Ernten. Sein Jubel ist der Jubel darüber, daß diese so selbstverständlich und primittv erscheinenden Dinge auch von den kompliziertesten Maschinen nicht nach­gemacht werden können. Und wenn ihm auch dieser Gedanke nicht klar bewußt ist, so wirft er sich doch mit der Hingabe an dieses Fest der allmächtigen Natur noch einmal an die Brust.

Alles das klingt aus dem Brummen der Bässe, dem Tirilieren der Klarinetten, dem Schmettern der Hörner, dem feierlichen Schlag der großen Pauke.

In einem uralten Ritus wirbelt der Schnitter im Tanz über die Tenne, stampft vor Freude den Boden, wirft seine Tänzerin in die Luft, trinkt reichlich Bier und Wein, ißt Braten und Kuchen im Vollgefühl seines lebendigen Daseins, das sich ihm noch einmal offenbart in der Fülle Der geborgenen Ernte und in zahllosen frohen Gesichtern, die sich ebenfalls ihres warmen Lebens freuen, das uns nur für kurze Zeit geschenkt ist und das wir nützen sollen.

*

Korn, Wein und Obst bilden den schönen Drei­klang der Ernte. Die süße Frucht der Bäume gefeilt sich gern zu den reich mit Korn gesegneten Land­strichen, an Wegrainen und Straßenrändern brei­ten sich die gewaltigen Laubkronen noch früchte­schwer über das schon abgeerntete Feld.

Das Obst braucht etwas längere Zeit, ehe es von der hauchzarten, rosigen Blüte zum grünen, win­zigen Fruchtknoten weiter zum saftstrotzenden Apfel wird.

Seine Verwandlung ist viel augenfälliger, bunter und lustvoller. Der Obstbaum ist auch ohne den

Nutzen schon ein herrlicher Baum, schön anzusehen für das Auge, sowohl in dem phantastischen Flor seiner Millionen Blüten, wie unter der Last seiner bunten Früchte.

Die Hand, die den Apfel vom Baum pflückt, emp­fängt ihn wie ein Geschenk von oben. Jeder Apfel vom großen Baum ist eine Kostbarkeit für sich in Form und Farbe. Er prangt in allen Farben des Sonnenuntergangs von goto bis rot, gestreift und geflammt oder erinnert an das zarte, helle Grün des herbstlichen Abendhimmels oder an das wachs­bleiche Licht kurz vor der Morgendämmerung. Kein Maler könnte ihn so schön malen, wie er wirklich ist. mit allem Saft, aller Frische, mit der ganzen Plastik seiner wohlproportionierten Buntheit.

Wunderbar ist dieje Erntezeit in den Gebieten am Bodensee, an der Bergstraße oder im Kaiserstuhl, wenn die schwanken Leitern hoch in die Kronen der Bäume hinauf streben, auf denen die Pflücker stehen und Korb auf Korb herunterreichen, jeder wie Stück heruntergefallenen Himmels anzusehen. Lastwagen auf Lastwagen führt tonnenweise den Segen fort und wunderbar ist der Duft der Obst- speicher, dessen Zartheit kein noch so kunstvoll ge­mischtes Parfüm erreichen kann.

Sichtbar ruht der Segen des Himmels auf den Landstrichen, wenn Baum an Baum, von vielen Stangen gestützt, fast anzusehen wie ein Haus, in üppiger Fülle dasteht. Man wünschte sich die Palette niederländischer Maler, um alle die Tönun­gen vom tiefften Blau der Pflaumen bis zum roten Samt der Pfirsiche zur golbgrünen Seide der Mus­katellerbirnen zu probieren, um festzustellen, daß man sie nicht wiedergeben kann.

Aber das lieblichste und das freudigste ist die Weinernte. Nichts kommt der Harmonie der Wein­berge gleich, die im schimmerndem Graugrün sich sanft unter dem Herbsthimmel hinstrecken.

Ein strenges Gesetz bewacht die Zeit der Reife. Wächter patrouillieren durch Die Rebhügel, befugt, auf jeden zu schießen, der Mine macht, das Myste­rium der Vollendung der Trauben zu stören. Nicht einmal der Besitzer des Weinberges darf sich dem Weinstock nahen, den er in unablässiger harter Ar- beit gepflegt, vom Unkraut befreit, gegen Krankheit geschützt hat.

Der großen Reife geht eine klösterliche Stille vor­auf, vor der großen Ausgelassenheit der Winzer­feste herrscht andachtsvolle Sammlung, man naht dem Wein als dem göttlichen Trank, dem beson­dere Ehren erwiesen werden müssen.

Die Weinernte ist ein lyrisches Fest. Die Arbeit vorher im Weinberg war hart, desto heiterer ist der

Schluß, man singt und lacht dabei, eilt mit den Kufen aus dem Rücken den Weinberg hinaus und hinunter. Die Kornernte gestattet kein Aufsehen, keine Rast, sie ist viel ernster und schweigsamer.

Frohsinn quillt aus dem Wein. Er ist die herr­liche Ergänzung zum ersten, notwendigen Brot. Er ist mit seinem Feuer, seinem Duft, seinem be­rauschenden Uebermut das Quentchen Freude im Leben, das der Mensch braucht, um den großen, schweren Ernst Des Lebens mit Fassung zu tragen.

©er verkannte Schottenrock.

Wie unbekannt die Art und das Aussehen des englischen Gegners im Anfang des Weltkrieges den deutschen Soldaten im allgemeinen gewesen ist, zeigt eine luftige Episode, die inReclams Universum'' nach den Berichten Walter B l o e m s , Der damals Hauptmann und Kompanieführer war, wieder­erzählt wird. Die Husaren hatten einen verwunde­ten englischen Oberst und einen Major gefangen genommen. Der Oberst trug ein kurzes Khakijäck- chen, ein blaues Schulbubenmützchen mit zwei lan­gen schwarzen Seidenbändern, ein blau und schwarz tariertes Plisseeröckchen, unterhalb dessen bis zu Den kurzen Söckchen, Das aus Den gelben Schnür­schuhen hervorlugte, Die muskulösen haarigen Beine nackt geblieben waren. Er war also ein Hochländer. Als Die beiDen Gefangenen fortgebracht waren, trat der Sotoat Niestrawski aus seiner Kompanie an Bloem heran.Sein pfiffiges Gesicht bebte vor Entrüstung", erzählt Bloem weiter.Herr Haupt­mann, Det is Doch eene Lerneinheit: Det haben Doch nid) unsre Husaren getan!"Was Denn, mein Junge "Haben verflüchtige SchweinehunDe Doch wahrhaftig ihrem eigenen Oberst die Buxen ausgewogen!" Ich lachte Tränen.Aber nein, mein Guter, solche Schubjäcker sind die Tommys doch nicht. Das wirst du wohl nächstens noch öfter er­leben: der Oberst ist von einem Hochländerregiment, das ist ein Schotte dies tarierte Ballettröckchen, die Söckchen und dazwischen die nackten Beine, das ist bei diesen schottischen Regimentern die vor- schriftsmäßige Uniform!" Niestrawski glotzte mich einen Augenblick lang verständnislos an; bann überzog ein breites, verschmitztes Lächeln seine bart- umfransten Wangen, und prustend trat er in die Kolonne zurück, erzählte halblaut den erwartungs­vollen Kameraden:Hauptmann hat jroßartigen Witz jemacht, jroßartigen Witz; hat jesagt, bei schot- tische Engländer is nackigte Beine Uniform!" Und die ganze Kompanie schüttelte sich vor Lachen über den jroßartigen Witz ihres Häuptlings."