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werden wird. Zwei Straßenbahnwagenführer, die früher die Wiesecker Omnibusse als Chauffeure be­treut und gesteuert haben und bei der Aufhebung jenes Betriebs und seines Ersatzes durch die Stra­ßenbahn in deren Dienst übernommen wurden, ßind am gestrigen Montag zu der Automobilfabrik abgefahren, um dort die Omnibusse abzuholen. Mit dem Eintreffen der Wagen kann in diesen Tagen gerechnet werden, so daß nach einem kurzen Probe­betrieb der fahrplanmäßige Verkehr unmittelbar anschließend ausgenommen werden kann.

Gefechtsschießen

des 1. Bataillons Znf.-Keg. 116.

Das 1. Bataillon Jnf.-Regt. 116, sowie die 14. Kompanie wird am 5. und 6. Februar und weiter oom 8. bis 13. Februar einschließlich täglich, jeweils in der Zeit von 8 bis 16.30 Uhr, ein Ge­fechtsschießen mit scharfer Munition im Gelände östlich der Gemeinden DaubringenAlten-Buseck, nördlich der Gemeinden Alten-BuseckGroßen-Lu- feckBeuern, westlich der Gemeinden Beuern- Climbach und südlich der Gemeinden Climbach- Treis a. d. Lda.Mainzlar durchführen. Während der Schießzeiten wird das gefährdete Gebiet von der Truppe abgesperrt werden. Den Anordnungen der Absperrposten ist unbedingt Folge zu leisten.

Während der Schießzeiten wird an den fraglichen Tagen die Straße Großen-BuseckBeuern (Um­leitung über BersrodReiskirchen) und die Straße AllertshausenClimbach (Umleitung über Allendorf an der LumdaLondorf) gesperrt.

Verbraucher-Höchstpreise für Speisekartoffeln.

Für die Abgabe von Speisekartoffeln an die Ver­braucher sind für den Monat Februar neue Höchstpreise festgesetzt worden, die für mittlere Städte und Orte (hier kommt Oberhessen in Betracht), in denen die Speisekartosselversorgung überwiegend durch Verteiler erfolgt, folgendermaßen gelten: Je 50 Kilo weiße, rote und blaue Speisekartoffeln bei Abgabe ab Lager oder Waggon des Empfangs­verteilers bis zu 3,10 RM., bei Zufuhr frei Keller des Verbrauchers oder Kleinoerteilers durch den Empfangsverteiler bis zu 3,20 RM., bei Abgabe von 50 Kilo durch den Kleinverteiler bis zu 3,40 RM., bei Abgabe von 5 Kilo bis 0,40 RM.; für gelbe Speisekartoffeln je 50 Kilo 3,40 RM. bzw. 3,50 RM. bzw. 3,70 RM. bzw. 0,43 RM.; in allen übrigen Orten, in denen die Belieferung der Verbraucher überwiegend durch die Erzeuger unmittelbar er­folgt, 2,90 RM. bzw. 3,20 RM. Für dieJuli" (Niere) erhöhen sich die vorstehenden, für gelbflei- schige Sorten festgesetzten Verbraucherhöchstpreise um 1, RM. je 50 Kilo, fürRote Hörnchen" die für weißfleischige Sorten festgesetzten Preise um 2,RM. je 50 Kilo und fürGelbe Hörnchen" die für gelb- fleischige Sorten festgesetzten Preise um 2, RM. je 50 Kilo.

Der Kartoffelwirtschaftsverband Hessen-Nassau be­stimmt im Bedarfsfälle mit Zustimmung des Reichs­statthalters in Hessen Landesregierung Darm­stadt und des Oberpräsidenten der Provinz Hessen- Nassau, welche Ortschaften und Ortsteile unter die an zweiter Stelle genannte Kategorie fallen.

Der Versandverteilerzuschlag darf höchstens 0,20 RM. je 50 Kilo einschließlich des Beitrages an den Kartoffelwirtschaftsverband, betragen und ist in den festgesetzten Verbraucherhöchstpreisen enthalten.

Die neue Anordnung tritt am 1. Februar 1937 in Kraft.

Irauenschast Gießen-Ost.

In der Monatsversammlung der Frauenschaft Gießen-Ost sprach Kreisschulrat Pg. Nebel in g über das ThemaDer Schicksalsweg des deutschen Volkes". Er umriß in großen Zügen den Werde­gang der verschiedenen Staaten im deutschen Raum, denen es aus eigener Wesensart ebenso wie durch den Druck von außen so überaus schwer wurde, eine Einheit zu werden. Wie im Wechsel der Jahr­hunderte sich immer wieder unter den deutschen Kaisern ein weitblickender Mann erhebt, der dann gestaltet und aufbaut; wie sein Werk aber immer wieder durch Bruderkampf und Uneinigkeit vernich­tet wird, 'bas alles schilderte der Redner in klarer, fesselnder Weise. Aus dem Dunkel des Dreißig­jährigen Krieges wächst dann im Norden ein strah­lendes Licht empor: Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, der in Brandenburg-Preußen den ersten Kern einer bleibenden Einheit schuf. In andächtiger Stille folgten die Frauen dem Redner und ließen sich von ihm in die Zeiten führen, die wir alle er­

lebt haben, als aus der Hoffnungslosigkeit der Nachkriegszeit der Führer seinen Weg begann, ge­tragen doit seinem unbeirrbaren Glauben an das Gute im deutschen Menschen. Der Abend wurde durch Musik festlich gestaltet. Frau N e t t e l b e ck (Geige) und Fräulein Hoos (Klavier) spielten So­naten von Händel und Mozart und fanden reichen Beifall.

Gießener Wochenmarktpreife.

* Gießen, 2. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: D. f. Molkereibutter, VA kg 1,57 Mk., f. Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 14, Klasse A 13, Klasse B 12, Klasse C IVA, Klasse D 10^, un- gezeichnete 10, Wirsing, 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat, Vio kg 10 bis 12 Pf., % kg 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 60 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Kartoffeln, kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,70 Mk., Aepfel, % kg 15 bis 20 Pf., Tafeläpfel 25 bis 40, Birnen 15 bis 20 Pst,, Hähne 1 bis 1,10 Mk., Sup­penhühner 80 bis 90 Pf., Blumenkohl, das Stück 30 bis 60, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15 Pf.

*

** Neuernennungen im Oberlandes­gerichtsbezirk Darmstadt. Zu Ersten Staatsanwälten im Reichsdienst wurden ernannt: Staatsanwalt O. Dierheller (Darmstadt) bei der Staatsanwaltschaft des Oberlandesgerichts Darmstadt und Staatsanwalt Dr. Otto Ferdinand Klein (Darmstadt) bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Darmstadt; zu Justizinspektoren: O. Ellrich (Gießen) beim AG. Gießen, H. Koch (Mainz) beim LG. Mainz, Ph. Gräff

(Friedberg) beim AG. Vilbel, O. Gerhard (Gießen) beim LG. Gießen, R. Roosen (Darm­stadt) Oberjuftizkasse in Darmstadt, I. I. Eckstein (Offenbach) beim AG. Offenbach, K. R. Langs­dorf (Büdingen) beim AG. Waldmichelbach, F. W. Jungkenn (Mainz) beim AG. Mainz, W. Müller (Butzbach) beim AG. Laubach, H. Ch. Boppert (Darmstadt) bei der Oberjustizkasse in Darmstadt, O. K. I. Ganß (Oppenheim) beim AG. Alzey, 21. A. Lehr (Michelstadt) beim AG. Reichels­heim, K. Weber (Offenbach) beim AG. Alzey, E. K. Steiger (Mainz) beim AG. Wörrstadt, I. H. Töp­fer (Worms) beim AG. Lampertheim, G. Lutz (Altenstadt) beim AG. Altenstadt, A. W. Mennin- ger (Worms) beim AG. Osthofen, L. W. Bauer (Gießen) beim AG. Höchst i. O., F. K. Heim (Offenbach) beim AG. Reinheim und L. A. Keil (Offenbach) beim AG. Seligenstadt.

** Reifeprüfung am Realgymna­sium. Unter dem Vorsitz des Oberstudiendirektors Angelberger fand gestern die Reifeprüfung der Oberprimaner des Realgymnasiums statt. Alle 26 Prüflinge bestanden; im September sind bereits 6 ihrer Klassenkameraden mit dem Reifezeugnis ab­gegangen, um als Offizieranwärter ins Heer einzu­treten.

** Kein Wagenfahrer, sondern ein Motorradfahrer! Zu dem Bericht in unserer Ausgabe oom 31. Januar, über die Sitzung des Amtsgerichts Gießen wird uns von dem dienst­aufsichtführenden Richter des Amtsgerichts Gießen berichtigend mitgeteilt, daß es sich bei dem mit vier Wochen Gefängnis wegen übermäßig schnellen Fahrens in Verbindung mit Körperverletzung be­straften Kraftfahrer nicht um einen Wagenfahrer, sondern um einen Motorradfahrer handelte. Durch diese exemplarische Strafe sollte einem jugendlichen Motorrad -Raser ein gebührender, erzieherischer Denkzettel gegeben werden.

Unbekannte Friedensbemühungen im Weltkrieg.

Vortrag von Professor Dr. Stadelmann im Oberhessischen Geschichtsverein.

Arn dritten Vortragsabend des Oberhessi­schen Geschichtsvereins sprach am gestri­gen Montag Universitäts-Professor Dr. Stadel- mann, der Nachfolger von Professor Rolofs auf dem Lehrstuhl der neueren Geschichte, über Friedensbemühungen im Weltkrieg, die bisher so gut wie unbekannt geblieben sind.

Nach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzen­den, Studienrat Dr. Glöckner, führte der Vor­tragende etwa folgendes aus:

Wenn General Max Hoffmann, den man zu den fähigsten Generalstabsoffizieren des alten deutschen Heeres rechnet, die deutsche strategische Kriegsfüh­rung einen Krieg der versäumten Gele­genheiten genannt hat, so ist bei kritischer Würdigung auch der Gegenstimmen festzustellen, daß man mit mehr Recht von einem Krieg der Unmöglichkeiten sprechen darf, weil im ent­sprechenden Augenblick immer die paar Armeekorps gefehlt haben, die eine Schlachtentscheidung hätten bringen können. Vielleicht war es auf dem Gebiet der politischen Kriegführung ähnlich. Das hier vorgetragene Beispiel aus dem ersten Kriegs­jahr soll als eine Antwort auf diese Frage an­gesehen werden.

Neben der pazifistischen Internationale der Neu­tralen und der sozialistischen der Marxisten ver­suchte auch die monarchische Internationale, den Krieg frühzeitig zu beenden. Die Solidarität der gekrönten Häupter war aber mehr nur noch eine Fiktion in den parlamentarischen Staaten; sie waren nicht mehr die Führer ihrer Völker. Trotzdem wurde der Versuch der Befriedung Europas gemacht. Zu­nächst durch den König Christian von Dänemark, der mit dem englischen und russischen Hof verwandt war. In seinem Auftrag reifte der Staatsrat An­dersen nach Petersburg und Berlin. Erfolg war ihm ebenso wenig beschieden, wie den Bemühungen des Schwedenkönigs um dieselbe Zeit. Den dritten Ver­such unternahm der Großherzog Ernst Ludwig im April 1915 mit der Ueberzeugung, daßirgend je­mand doch anfangen müsse". Die Zarin, seine Schwester, bedauerte seine Anregung ablehnen zu müssen, aber die Zeit sei noch nicht reif für den Frieden. Ein weiterer Versuch wurde von einer in Oesterreich wohnenden Hofdame der Zarin gemacht. Sie überschätzte offenbar doch sehr die Möglichkeiten höfischer Beziehungen. Immerhin verstand sie aus der privaten österreichischen Friedenssondierung eine

amtliche deutsche Verhandlungsaktion zu machen. Sie schreibt nach eingehenden Besprechungen mit Staatssekretär von Jagow an den Zaren allerhand Vorschläge, auf die nie eine Antwort eingeht.

Anfang Juni 1915 richtete Fakkenhayn eine Ein­gabe an den Kanzler, den günstigen Augenblick am Tage zuvor war Przemysl gefallen zu einer Verständigung mit dem Zaren zu benutzen. Der Kanzler mußte seine Ansicht widerlegen. Wer die Träger des Friedensfühlers im Juli 1915 waren, ist unbekannt. Noch im selben Monat treffen sich zu ähnlichem Zweck ein deutscher und ein russischer Finanzmann. Diesmal schienen die Aussichten gün­stiger; aber das täuschte. Seitdem der seinen Bünd­nisverpflichtungen unbedingt treue Zar selber den Oberbefehl über das Heer übernommen hat, steht fest, daß Rußland alles auf die eine, auf die eng­lische Karte gesetzt hat.

Von wann an die Friedensaussichten geringer waren, kann nie bewiesen werden. Trotzdem ist die Frage interessant. Die englische Politik hat sich in der Tat alle Mühe gegeben, die Russen bei gutem Willen zu erhalten. Hier braucht man nur an das Dardanellen-Unternehmen zu erinnern und an das Meerengenabkommen vom 12. März 1915. In Ruß­land freilich hat man bis zu Sasonow hinauf lange Zeit an der Ehrlichkeit der Vertragspartner gezwei­felt. Gleichzeitig mußte die russische Heerführung zugeben, daß sie nickt in der Lage sei, Konstanti­nopel zu erobern, also den Kampfpreis. Als es so­weit war, das Orientproblem durch eine Tat zu lösen, erhoben ungeahnte Hemmungen ihr Haupt. Im November 1914 ist eine große Denkschrift über dieses Problem in Petersburg entstanden, die ent­weder die volle Besitzergreifung ober das Protek­torat in Aussicht nimmt. Aber zwischen den Zeilen ist die Unlösbarkeit des Problem deutlich zu er­kennen, was man damals freilich in Berlin nicht wissen konnte.

Dieser auf schwachem Boden stehenden Lösung des Problems gegenüber hatte das Deutsche Reich freilich viel weniger zu bieten, aber dafür sichereres. Denn die türkische Regierung hat am 19. April 1915 mit dem Recht, davon Gebrauch zu machen, dem deutschen Botschafter ein Schreiben von großer Tragweite übergeben, durch das den Russen das Durchfahrtsrecht der Handelsschiffe durch die Meer­engen, selbst während eines Krieges der Türkei mit einer dritten Macht, zugestanden wurde und dar­

über hinaus in Aussicht stand, daß die Einfahrt fremder Kriegsschiffe ins Schwarze Meer verboten werde. Wenn man daneben die in ähnlicher Rich­tung verlaufenden Gedankengänge des russischen Baltankenners Fürst Trubetzkoi hält, so ist begreif, lief), daß die Engländer einen Augenblick mit einem Frontwechsel des Zaren gerechnet haben. Das wäre gerade bei dem autokratischen Regierungssystem in Rußland möglich gewesen wenn das Zarentum noch in seinem alten Glanz gestanden hatte. Als am 13. März 1915 Witte starb, war die beste Chance eines deutsch-russischen Sonderfriedens erledigt, denn er und der Kreis um ihn sahen gleich den jungen, an der Front kämpfenden Offizieren, in England ihren Feind. Auch die Zarin verlor nie das Miß- trauen, daßEngland später uns aussitzen wird ; auch sie wußte, daß zwischen den beiden Völkern kein Haß bestand. Sie hätte ein wirksamer Faktor für den Frieden werden können, wenn ein großes Ereignis ihr den Boden geebnet hätte, wie etwa ein überwältigender Sieg der Deutschen, zu dem in

Gedenket der hungrigen Vögel!

der russischenGewehrkrisis" November 1914 die beste Gelegenheit gewesen wäre. Die deutschen Diplomaten haben auch im Mai 1915, also zu spät,

zu arbeiten begonnen. Mit Recht hat der Kreis um Tirpitz schon früher dem Kanzler den Vorwurf gemacht, daß er den Weg nach Rußland verbaue. Wie groß auch die Hindernisse, die einem Frieden damals entgegenstanden, gewesen sein mögen: die deutsche Staatsleitung hat ein schweres Versäum­nis auf sich geladen, daß sie nicht rechtzeitig vor- stieß, daß sie nicht das Heer in die Waagschale warf, daß Strategie und Politik nicht in einer Li- nie gingen. Inzwischen baute England auch im Osten unseres Reiches seine Stellung aus. Zu Be­ginn des Krieges hatte der englische König dem Grafen Benckendorff gesagt, das gemeinsame Kriegs, ziel sei die Zerstückelung Preußens. Das war die Linie, die die englische Staatsführung bis zuletzt innehielt.

Als der Krieg 1914 begann, wußte weder hie Regierung, noch das Volk, wo der Feind eigentlich stand. Es gab feinKriegsziel" für die Deutschen; nur die Soldaten der Ententestaaten wußten, daß sie für dieFreiheit" kämpften. Unsere Soldaten schützten bloß den Heimatboden; unsere Politiker sahen kein erstrebenswertes Ziel. Erft während des Krieges ist man sich bewußt geworden, daß man das noch junge Bündnis der Feindstaaten vielleicht zersprengen könnte. Aber man griff zu zaghaft zu, wie oben ausgeführt wurde. Deshalb unterlag das Reich in diesem Existenzkampf mit England.

Der lebhafte Beifall der zahlreichen Versammlung sagte dem Vortragenden für seine interessanten Aus­führungen Dank, den der Vorsitzende noch mit eini- gen Worten unterstrich. * *

Im Anschluß an den Vortrag sand die Haupt« Versammlung des Vereins statt. Der Dor- sitzende Dr. Glöckner gab einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins in der Berichtszeit, wies auf die Vorträge dieser Zeit hin und die Bände der Mitteilungen", von denen einer im Druck ist mit der Fortsetzung von Müllers großer Arbeit über die alten Straßen in Hessen. Mit einigen Worten streifte er die guten Beziehungen zum Reichsbund für deutsche Vorgeschichte, zu dem Landschaftsbund Volkstum und Heimat und dem NS.-Volksbildungs- werk in Gießen. Er gedachte auch des schmerzlichen Verlustes, den der Verein durch den Tod des Ehren- Vorsitzenden Behaghel er hat über 25 Jahre den Verein geleitet, des Ehrenmitgliedes Her« mann Haupt, des Vorsitzenden Ebel, des Rech­ners D i r I a m und des Vorstandsmitgliedes Frech erlitten hat.

Satzungsgemäß trat der Vorstand zurück. Unter der Leitung des Alterspräsidenten Prof. Dr. V e l k e wurde der Vorstand wiedergewählt: als Vorsitzender Dr. Glöckner, als Geschäftsführer Dr. Wal- brach und als Rechner Lehrer Ringel; die Mit­glieder des Beirats werden durch den Vorstand be» stimmt.

Mit herzlichem Dank für die Mitarbeit schloß Dr. Glöckner die Versammlung und bat, nicht nur dem Verein treu zu bleiben, sondern durch Wer- bung neuer Mitglieder, besonders aus der Gießener Bürgerschaft, über die der neue Band derMit­teilungen" einen interessanten Beitrag bringen wird, mitzuhelfen, daß es dem Verein möglich bleibt, seine heimatkundliche Kulturarbeit tvie seit beinahe sechzig Jahren fortzuführen.

Das frembe Gesicht.

Vornan von Garen.

32. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Wieso?" Ina ftarrte verständnislos in die blitzenden Zwickerglaser, die auf einmal etwas selt­sam Bedrohliches hatten.Wieso denn?"

Insofern, als Ihr Verlobter Richard Stuben- 1 and an diesem Einbruch beteiligt war und schon 1 eit Jahren von der Berliner Kriminalpolizei ge- ucht wird. Es dürfte für Sie nun nicht mehr schwer zu erraten sein, warum er Sie damals so plötzlich im Stich gelassen hat, und auch, warum er jetzt nicht mehr von Ihnen erkannt sein will. Der Fall liegt ganz klar."

Ina Lenk begriff noch immer nicht. Die schreck­liche Wahrheit, die da so plötzlich über sie herein- brach, war nur bis zum äußersten Rand ihres Be­wußtseins gedrungen. Sie fühlte nur ein stechendes Kältegefühl, eine plötzliche eisige Leere an der Stelle, wo sonst ihr Herz schlug, und sie schloß eine Sekunde die Augen, um diese unerträglich funkelnden Gläser nicht mehr zu sehen, hinter denen die Wahrheit lauerte und das Verderben

Wie durch brausende Nebel hindurch hörte sie in ungleichen Intervallen die teilnahmsvoll ausmun- fernbe Stimme des Professors nein, nicht des Professors, das war ja damals gewesen, bei ihrer Blinddarmoperation. Der da sprach, das war ja ein anderer dieser kleine muntere Herr von der Polizei ja, der ...

Sie können von Glück sagen, Fräulein Lenk, daß Sie den Mann losgeworden sind", hörte sie ihn sagen.Der Bankeinbruch damals wird wohl nicht das einzige sein, was er auf dem Kerbholz hat. Da werden wir wohl bei näherer Beleuchtung noch auf verschiedenes stoßen, denk' ich." Jedenfalls, sie sah plötzlich riesengroß wie in einem grotesken Traum die mit einem Siegelring geschmückte Hand des Sprechenden, die sich ihr über den Schreibtisch entgegenstreckte,jedenfalls haben Sie uns durch Ihr wackeres Einschreiten einen großen Dienst erwiesen, Fräulein. Ohne Sie hätten wir diesen Verwandlungskünstler vielleicht nie zu fassen bekommen."

In Ina Lenk riß plötzlich etwas entzwei. Fas­sungslos ftarrte sie auf diese Hand, die jetzt wie ein riesiger Wegweiser auf sie zu deuten schien anklügerrsch, vernichtend.

Ohne mich...?" wiederholte sie mit schwerer Zunge.Ich bin es, die ihn ans Messer geliefert hat ich...?" Ihre blassen Augen bekamen wieder diesen seltsam horchenden, nach innen gerichteten Ausdruck. Ihre Stimme war nur noch ein trockenes Flüstern.Nicht anrufen, ihn ja nicht anru en, Fräulein, hat sie gesagt. Und auch nicht anfas en, das ist gefährlich für ihn... Ich hab's nicht la sen können. Ich hab' ihn angerufen. Ich ich bin schuld ach." Ein röchelnder Seufzer kam aus ihrer Brust. Sie stand langsam auf und ging mit seltsam steifen, automatenhaften Bewegungen zur Tür. Der Kriminalrat hatte ihr noch sagen wollen, daß sie möglicherweise noch auf einen Teil der Be­lohnung Anspruch habe, die damals zur Aufklärung des Falles von der Berliner Polizei ausgesetzt worden war. Aber es war ihm auf einmal aus einem ihm selber unerklärlichen Grund peinlich, und so ließ er es sein.

Aber dieser Austritt hatte ihn ungewöhnlich er­regt, und er suchte nach einer Ablenkung. Energisch druckte er auf die Klingel und erteilte dem aus dem Vorzimmer hereinstürzenden Beamten den Auftrag, den Arrestanten Bertrand vorzuführen. Reif oder nicht reif zum Verhör er wollte den Burschen einmal ordentlich dazwischennehmen. Er war gerade in der rechten Stimmung.

Doch der Anblick des Häftlings entlockte ihm schon wieder ein Lächeln. Der Mann war ja über Nacht zusammengefallen. Er machte in diesem nüchternen Morgenlicht einen geradezu erbarmungs­würdig verkommenen Eindruck mit seinem zerknit­terten Anzug, dem ungekämmt in die Stirn fallen­den Haar und den dicken Tränensäcken unter den Augen.

Meixner ließ ihn sich erst einmal tüchtig aus» raunzen über die schlechte Behandlung, die ihm hier zuteil geworden sei, und den Mangel an alkoholischen Getränken, die ihm, wie er in vor­wurfsvollem Ton versicherte, vom Arzt verordnet seien.

Warum haben Sie uns denn nicht gesagt, daß Sie in ärztlicher Behandlung stehen?" hakte der Kriminalbeamte sofort ein.Erst heute erfahre ich.

daß Sie in der Prioatklinik von Dr. Alland ver­mißt werden." Bertrand stierte dem Kriminalrat blöd ins Gesicht.

Wer hat Ihnen denn das gesagt?"

Dr. Alland selbst", log Meixner kaltblütig.Es ist doch selbstverständlich, daß ein Arzt die Polizei verständigt, wenn einer seiner Patienten eine ganze Nacht und länger aus der Klinik wegbleibt. Uebri- gens weshalb sind Sie eigentlich dort? Ach so, eine Operation, Sie hatten ja einen Autounfall, sagen Sie. Wann denn?"

Bertrand machte eine vage Handbewegung.

Dor eh ich weiß nicht mehr genau. Vor drei Monaten, glaub ich."

Was Sie sagen! Und da ist die Geschichte noch immer nicht verheilt? Sonderbar!"

3a das heißt..." Bertrand begann unsicher zu werden.Es war schon einmal so gut wie ver­heilt, aber nicht schön, verstehen Sie? Und da mußte ich mich noch einmal nachoperieren lassen."

So." Der Kriminalrat steckte sich eine Zigarette an und zog nachdenklich den Rauch durch die Nase, ohne den gierig verlangenden Blick zu beachten, den der Arrestant diesem duftenden Gewölk nach­schickte.Und dazu sind Sie eigens von Marseille hierhergefahren? Es muß doch auch in einer Stadt wie Marseille geschickte Aerzte geben. Wie sind Sie denn gerade auf Dr. Alland gekommen?"

Bertrand sog lüstern den lang entbehrten Ziga­rettenduft ein. Ein leichter Schwindel ergriff ihn, und der Speichel lief ihm im Mund zusammen. Schenken Sie mir auch eine Zigarette, Herr Kri­minalrat", bettelte er kindisch.Ist bin so kaputt zwanzig Stunden nichts zu rauchen!"

Später gern", winkte Meixner freundlich ab, wenn wir fertig sind. Also wie sind Sie auf diese Klinik verfallen?"

Der Befragte zuckte nervös die Achseln.

Durch Empfehlung. Ich hatte gehört, daß dieser Alland so gute Gesichtsplastik macht. Ein ein Freund von mir aus den Südstaaten, der hat sich auch mal da operieren lassen."

Der Kriminalrat zog interessant die Augenbrauen hoch.

Aus den Südstaaten? Dieser Dr. Alland scheint einen sehr weitverbreiteten Ruf zu haben bei­nahe schon einen Weltruf!"

Er wanderte ein paarmal hinter seinem Schreib­tisch auf und ab und blieb bann vor dem Akten» schrank stehen, aus dem er mit bedächtigem Griff eine Flasche Kirschwasser hervorzauberte. Während er sich im Hintergrund ein kleines Glas vollschenkte, fuhr er in ruhigem Plauderton fort:War das vielleicht Ihr Freund Gallattn, der Ihnen die Klinik empfohlen hat? Hatte der auch einen Auto­unfall?"

Meixner trank langsam, in kleinen Schlucken, sein Glas leer. Dem armen Bertrand quollen die Augen aus dem Kopf. Er litt Tantalusqualen. Immer wieder befeuchtete er mit der Zungenspitze seine trockenen Lippen.

Autounfall?" echote er geistesabwesend.Weitz ich nicht, kann sein."

Plötzlich richtete er sich wie erwachend auf und stotterte mit aufgerissenem Mund:Gallattn? Was wissen Sie überhaupt von Gallattn?"

O allerlei", lächelte der Kriminalbeamte un­durchsichtig.Wenn ich..."

Er wurde durch ein Klopfen unterbrochen. Wacht» meister Schleh erschien im Türrahmen und machte dem Vorgesetzten ein Zeichen, daß er ihn sprechen müsse. Ein paar Minuten unterhielten sich die bei­den flüsternd im Hintergrund, ohne daß Meixner den Häftling aus den Äugen ließ, der vorgebeugt auf seinem Stuhl saß und wie gebannt die Kirsch­wasserflasche anstierte.

Als der Kriminalrat auf seinen Schreibtischplatz zurückkehrte, war sein Gesicht sehr ernst.

Hören Sie, Stubensand", sagte er nach einer Pause unvermittelt in die Stille hinein,ich habe Ihnen eine sehr traurige Mitteilung zu machen. Ihre Braut hat sich soeben getötet. Vor kaum einer halben Stunde mar sie noch bei mir, und auf dem Heimweg hat sie sich dann unter ein Lastauto ge­worfen."

Bertrand zuckte zusammen, als sei ihm von un­gefähr ein schwerer Gegenstand auf den Kopf ge­fallen. Hilflos riß er den Mund auf, fein Unter­kiefer begann zu zittern, und seine verquollenen Augen bekamen einen Ausdruck stumpfen Ent» setzens.

Die Ina?" quälte er tonlos hervor,wieso denn?"

(Fortsetzung folgt!)