Ausgabe 
2.1.1937
 
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erfüllt.

ge-

aus West Fortdauer der wechselhaften zu Nieder-

Der spanische Philosoph Unamuno f.

kurzer Krankheit

dem Namen: Katho-

M i n i st e r hat das der Kammer in den haut dabei mit einem

Der ehrenwerte E r st e Wort", ruft der Präsident

werden hier mit besonderer Aufmerksamkeit und Sorge verfolgt, und die Zeitungen werden nicht müde, darauf hinzuweisen, daß die Schutzlosigkeit des weitausgedehnten holländischen Kolonialbesitzes in Ostasien eine der größten Sorgen für die Zukunft des Landes darstellt. Bisher hörte man hier oft die Ansicht äußern, der ungestörte Kolonialbesitz Hol­lands im indischen Archipel liege so sehr im Interesse des b r i t i s ch e n Weltreiches und der Vereinig- t e n S t a a t e n , daß jeder Hollander in den Flotten dieser beiden Großmächte und in der mächtigen See- estung S i n g a p o r e die beste Verteidigung seines Jnsulinde erblicken dürfe. Zweifellos besteht ein solches Interesse der beiden angelsächsischen Groß- Mächte, doch hat die Erkenntnis Raum gewonnen, daß es grundfalsch sei, den Verteidigungsstand der reichsten und größten holländischen Kolonie aus­schließlich von derartigen Hoffnungen abhängig zu machen, und immer energischer werden die Stimmen, die erhöhte Rüstungen zum Schutze der reichen hol­ländischen Rohstoffquellen in Ostasien verlangen.

Wie überall wird auch in Holland die kommu­nistische Gefahr in hohem Maße von dem Stand der sozialen Wohlfahrt der Bevölkerung be­einflußt. Die Durchschnittsziffer der Arbeitslosigkeit betrug im verflossenen Jahre rund 500 000, die bei einer Gesamtbevölkerung von 8 Millionen überaus hoch ist. Zwar verfügt Holland über reichliche finan­zielle Reserven, die es ermöglichen, diese aus dem Arbeitsprozeß gestoßenen Hunderttausende auf dem Wege der Erwerbslosenfürsorge am Leben zu erhal­ten. Doch bedeutet das Vorhandensein dieses Ar­beitslosenheeres für die Zukunft des Landes in vieler Beziehung eine ernste Sorge. Nach der Abwer­tung des Guldens hörte man vielfach die Hoff­nung äußern, das Billigerwerden des holländischen Geldes werde einen derartig starken Auftrieb des Wirtschaftslebens mit sich bringen, daß auch eine

Die bevorstehende Unterzeichnung eines ewigen Freundschaftsvertrages zwischen Jugoslawien und Bulgarien ist auch von der bulgarischen Oeffentlich- keit mit Genugtuung ausgenommen worden. Der neue Pakt beendet die erste Etappe der Verstandi- gungspolitik, die 1933 von den beiden Staats­häuptern nach längen Jahren voller Spannungen eingeleitet wurde.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer und Reichskanzler hat an­läßlich des Ablebens des Erzherzogs Fried­rich Budapest, das nachstehende Telegramm an den Sohn des Verstorbenen, Erzherzog Al­brecht, gerichtet:Ew. Kaiserlichen Hoheit spreche ich anläßlich des Heimganges Ihres verewigten Vaters meine und des deutschen Volkes aufrichtige Teilnahme aus. Seine Ver­dienste als preußischer Generalfeldmarschall und bei der Führung deutscher Truppen im Weltkriege wer­den in Deutschland unvergessen bleiben.

Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, bittet alle diejenigen, die zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel sei­ner gedachten, auf diesem Wege seinen Dank ent­gegenzunehmen. *

Der französische Kammerausschuß für Kolonial­fragen hat beschlossen, die Regierung aufzufordern, dem Ersuchen des auf der Insel Reunion lebenden Rifkabylenführer Abd el Krim auf Er­höhung seines Ruhegehalts stattzugeben und ihm zu erlauben, in Frankreich Wohnsitz zu nehmen.

Kunsk und TBtffenfdtaft

Hollands Sorgen.

Von unserem L)r. Gr -Äeiichierstaiter

Das Jahr 1936 hat für Holland die Erkenntnis gebracht, daß feine bisher gehandhabte A b rü­st u n g s p o l i t i k den heutigen Zeitumständen nicht mehr entspricht. Ein in den letzten Wochen des alten Jahres von der holländischen Kammer gutgeheißener Regierungsentwurf sieht die Erhöhung des hollän­dischen Rüstungsstandes vor, aber wichtiger noch als die Maßnahmen der Gegenwart sind die festumrisse- nen Pläne für die Zukunft, die hinsichtlich der hol­ländischen Landesverteidigung dahin gerichtet sind, sowohl den Personal- als auch den Materialbestand der Wehrmacht, Flotte und Luftwafse wesentlich zu erhöhen. Die Ereignisse im Fernen Osten

ben jener Bewegung marschiert ist, deren Symbol gerade jetzt in Holland der Gegen- stand unerhörter Beleidigungen

Außenpolitische Jahresbilanz 1936

Rückblick und Ausblick unserer Ausländskorrespondenten.

immun ist.

Auch am Horizont der Außenpolitik haben sich neue Perspektiven aufgetan. Der Anlehnung an Frankreich ein Ende zu machen, Belgien eine un­abhängige Stellung zu geben, war seit jeher das Ziel der gesamten flämischen Politik. Die Oppositionspartei der flämischen Nationalisten ließ die flämischen Katholiken in der Regierung keinen Augenblick zur Ruhe kommen und die oppositionelle Parole:L o s v o n Frankreich" wurde schließ­lich bis zu einem gewissen Grade sogar von der Regierungspolitik übernommen. Das Frühjahr brachte die erste Aenderung des französisch-belgi­schen Militärabkommens, das bei den Flamen so­viel Erbitterung erzeugt hat. Wann auch das neue, gemilderte Abkommen verschwinden wird, ist nur noch eine Frage der Zeit. Denn inzwischen ist grundlegend Neues geschehen. Die denkwürdige Rede des Königs Leopold am 14. Oktober hat die neue Unabhängigkeitspolitik zum Grundsatz des künfti­gen internationalen Statuts Belgiens erhoben. Die Militärvorlage der Regierung, die das Parlament vor Jahresschluß annahm, wurde von der flämi­schen Opposition abgelebnt, weil sie noch nicht dem neuen Grundsatz der Unabhängigkeit völlig Rech­nung trägt. Die grundsätzliche Neuordnung, die Belgien in seinen internationalen Beziehungen in den letzten Monaten durchfübrte, berechtigt zu der Hoffnung, daß auch die Militärpolitik die An­passungen erfahren wird, die die zwangsläufige Folge der von der überwiegenden Mehrheit des Landes ^billigten außenpolitischen Neuausrichtung sein müssen.

Das neue Man.

Don unserem R W.-Lierich<erffntter.

Uscher Block bilden. Aber dieser Block ist nicht von Granit. Die Flamen, ihrer Macht bewußt gewor­den, streben nachKonzentration". Sie wollen ihre völkisch denkenden Volksgenossen, ob sie augenblick­lich zu der neuen katholischen Partei, zu den flä­mischen Nationalisten oder zu den Rexisten ge­hören, zu einer geschlossenen Front zusammen­bringen. Diese flämischeKonzentration", deren erstes Ergebnis in dem Abkommen zwischen den flämischen Katholiken und den flämischen Nationa­listen vorliegt, will einen Damm errichten gegen alles, was marxistisch ist. Die Streikbewegung im Juni hat es offenbar gemacht, daß auch Belgien gegenüber der kommunistischen Gefahr keineswegs

worden ist.

Jugoslawisch-bulgarischer IreundsckastSpakt.

Belgrad, 1. Jan. (DNB.) Die Presse beschäf­tigt sich mit dem bevorstehenden jugoslawisch-bulga­rischen Freundschaftspakt. Das halbamtlicheBreme" sagt, der Pakt stelle eine neue Bekräftigung der Leitidee der jugoslawischen BalkanpolitikD e r Balkan den Balkanvölkern" dar. Die Balkanstaaten befreiten sich so von derZweit- rangigkeit", in der sie in die Rolle von Schleppen­trägern für die Jnteressenpolitik der Großmächte versetzt worden seien. Die AgramerNovotni" sagt, daß der Pakt ein neuer Beweis für die poli­tische Reife der Balkanstaaten sei, die entschlossen seien, ihr selbständiges Leben zu führen, und die jede Aufsicht und Gängelung ablehnten.

Der spanische Philosoph Unamuno ist nach

kurzer Krankheit in Salamanca g e stör ben. Una- "r? *eyi art eien,'eine flämische

e sÄ't«. L *

gestellt. '

Die schon seit Tagen in Gang gekommene Um­gestaltung der Großwetterlage hat seit drei Tagen raschere Fortschritte gemacht. Mit dem Zustrom milder Meeresluft wurde dabei nicht nur die ver­breit te Nebeldecke beseitigt, sondern auch wieder ergiebige Niederschlagstätigkeit ausgelöst. Auch in unseren Nachbargebirgen sind die Niederschläge in Schnee übergegangen, ohne jedoch neue Sportmög­lichkeiten zu schaffen. Die mit dieser Entwicklung in Gang gekommene Nebeltätigkeit setzt sich fort und bedingt für uns unbeständiges und zu Nieder­schlägen geneigtes Wetter, das im weiteren Ver­laufe auch unseren Nachbargebirgen wieder Schnee­sportmöglichkeiten bringt.

Aussichten für Sonntag: Deränderlichs Bewölkung und zeitweise auch Niederschläge, im Gebirge vielfach Schnee, Tagestemperaturen in den . Raderungen um etwa + 5 Grad, westliche Winde.

Aussichten für Montag: Bei Luftzufuhr hör morMofhnfiPTi 21T SY>lphPTi

künstlich herabdrücken müsse.

Das sind in kurzen Zügen die Voraussetzungen, unter denen Holland ins neue Jahr eintritt, in dessen Verlauf Neuwahlen im holländischen Parlament erfolgen werden. Die Bildung einer Volksfront wird nach den französischen Erfahrungen in Holland nicht zu befürchten sein. Trotzdem sind die Gegensätze scharf. Die Fronten haben sich deutlich herausae- bildet. Die M u s s e r t b e w e g u n g, die für die Erneuerung des politischen Lebens kämpft, hat dem parlamentarischen System den schärfsten Kamps an- qesagt. Im Zeichen dieses Kampfes werden sich die Wahlen, die ihre Schatten schon voraus werfen, abspielen. Daß auch die Kommunisten, sei es in offener oder versteckter Form, die Parlaments­wahlen dazu benutzen werden, um im Trüben zu fischen, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden.

Neben all diesen Schwierigkeiten und Sorgen, Gegensätzen und Kämpfen, die das holländische Leben um die Jahreswende erfüllen, gibt es doch etwas, was alle Holländer, mit Ausnahme der Anhänger Moskaus, gerade in diesen Wochen stark verbindet. Als eines der größten holländischen Er­eignisse des neuen Jahres wird b i e Hochzeit d e r Kronprinzessin Juliana mit dem Prinzen Bernhard zur Lippe-Biesterfeld am 7. Januar anzusehen sein. Die Eheschließung der zukünftigen Königin von Holland wird durch eine Reihe von Festlichkeiten, an denen jede Stadt und jedes Dorf teilnimmt, eingeleitet. Diese Festfreude läßt die Gorgen in den Hintergrund treten und erfüllt die Herzen der großen Mehrheit des hollän­dischen Volkes mit froher Zuversicht für die Zu­kunft, sie beweist aber auch gerade durch ihre Ein­mütigkeit, daß die Treue zum Hause Nassau-Oranien eines der stärksten Bindungen aller Kreise des hol­ländischen Volkes ist.

große Zahl von Arbeitslosen wieder Aufnahme ins Erwerbsleben finden könnte. Nach den bisherigen Feststellungen haben sich diese Hoffnungen nicht

...... Zwar brachte die Abwertung zweifellos eine starke Belebung, doch war das, abgesehen von einigen verhältnismäßig wenigen Erwerbszweigen, nichts anderes als eine Scheinblüte, deren Dauer schwer vorauszubestimmen ist. Es wird deshalb auch, besonders in den Kreisen der Mussertbewegung, dar­auf hingewiesen, daß die Abwertung den meisten Holländern starke Verluste gebracht habe, am > Abwertungsgeschäft hätten nur wenige ganz be­stimmte Kreise teilgenommen, und heute sei es dahin gekommen, daß die holländische Regierung mit Hilfe ! des sog. Währungsausgleichfonds durch dauernde Ankäufe fremder Währungen den Stand des Guldens

Das Jahr 1937 stellt Japan vor eine Reihe schwer­wiegender Entscheidungen. Das Kabinett Hirota- T e r a u ch i, das inmitten einer der schwersten Kri­sen des japanischen Volkes als Notkabinett gebildet wurde, hat versucht, die seit 1931 fühlbaren Mangel und Schwächen der Staatsführung abzuftellen. Wenn es den neuen Männern gelingt, die Autorität des Staates wieder herzustellen und das Volk für eine Erneuerung des Staates zu gewinnen, wie sie den jungen Offizieren des 26. Februar 1936 vor­schwebte, dann hat die Revolte, die anfangs den Staat zu erschüttern drohte, eher zur Festigung des Staatsgedankens geführt.

Die Jahre 1931 bis 1936 sind durch ein stetiges Schwächerwerden der politischen Staatsführung ge- kennzeichnet, die sich in nutzlosen Kämpfen mit ben Parteien verlor. Auf ber anberen Seite brängte bie Armee auf rafrfie Entscheibungen gegenüber Sowjet­rußland und China. Mandschukuo und Norb - china deuten den Weg an, den die Armee gegan­gen ist. Anfang 1936 war es dann so weit, daß die Armee im Begriff nxir, mit unzureichenden Mitteln eine gewaltsame Lösung gegenüber dem mi­litärischen Druck Sowjetrußlands an den Grenzen Mandschukuos herbeizuführen. Die schweren Zusam-

Süden, gestützt auf Formosa und den insularen Besitz in ber Südsee, um auf frieblichern Wege bie Rohstoffversorgung des Landes sicherzustel­len. Sie betont ferner, daß sie sich nicht auf ein Wettrüsten mit anderen Ländern einlassen will, sie will vielmehr die Flottenstärke auf einer Höhe hal­ten. die einen Angriff feindlicher Kräfte oder eine Bedrohung des japanischen Wirtschaftsraumes un­möglich macht. Wenn die Marine in absehbarer Zeit kriegerische Verwicklungen mit den Vereinigten Staaten für wenig wahrscheinlich hält, so schünt sie sich andererseits darüber klar zu sein, daß eine südlich gerichtete Entwicklung Japans eine Berüh­rung und Überschneidung mit britischen Wirt­schaftsinteressen kaum vermeiden läßt. Sie stellt fer­ner in Rechnung, daß England niemals daran denkt, feinen Einfluß in Ostasien kamvflos aufzugeben. Besondere Beachtung schenkt bie Flottenleitung bes- s^lb ber zunehmenben Befestigung von Singapore und ben bereits anaedeuteten Plä­nen Lonbons, im Falle eines Erlöschens der Be­festigungsklausel Hongkong zu einem Flotten- unb Fliegerstützpunkt auszubauen. Die Marine spricht von einerVerkürzung ber Operationsbasis gegenüber Japan", wie sie auch durch bie Einrich­tung ber Transpazifikfluglinie ber Vereinigten Staa­ten mit Einrichtung von Stützpunkten auf der Mid- wayinsel, auf Guam und auf den Philippinen ge­geben fei. Der neue Marineetat sieht aus biesem Grunbe eine wesentliche Verstärkung ber Luftstreit­kräfte unb ben Bau von Flugzeugmutterschiffen und Flugzeugträgern vor.

Nach Abschluß unseres Rückblicks traf bie Nach­richt über die Unterzeichnung des deutsch-ja­panischen Abkommens in Tokio ein. Die ja­panische Presse spricht von einerepochemachenden Wendung in der japanischen Außenpolitik feit Aus­tritt Japans aus dem Völkerbund", eine Wendung, bie ber Politik Japans burchAnlehnung an zwei europäische Großmächte" wieder zur Akti­vität in einer bestimmten Linie verhalfen habe. Die Zeitungen sprechen sogar von einer tieferen Be- beutung ber Vereinbarungen mit Deutschlanb unb Italien, die man barin erblickt, daß die Welt vor vollkommen neue Probleme gestellt ist, mit denen sie sich auseinander zu setzen habe". Oder es heißt, daß durch die Vereinbarungen eineGemeinsamkeit der Interessen ber besitzlosen Länder gegenüber ben besitzenben Länbern festaestellt sei". Theater. Waren­häuser, Cafes, Kinos, Restaurants unb selbst Pri- vathäuser zeigten bie Flaggen beider Länder. Die Mehrheit des Volkes versteht mit der Wehrmacht ohne weiteres, baß Japan an bie Seite der Na­tionen gehört, bie ihr staatliches, politisches unb kul­turelles Eigenleben, bie ihre neugewonnene Freiheit gegen ben zerstörenben Bolschewismus zu schützen entschlossen sinb.

Wetterbericht

des Relchswelterdiensles. Ausgabeork Frankfurt.

lärmerfüllten Halbraum und , handfesten eichenen Lineal auf den Tisch des Hau- 1 fes, denn merkwürdigerweise wird im Brüsse- l I e rPalais der Nation" weder eine Glocke geschwungen wie in ben romanischen Parlamenten, noch saust ein Hammer nieder wie in nordischen Things. Von ber Bank ber Minister erhebt sich ein jüngerer, ernster, ziemlich langer, sehr bleicher, schwarz angezogener Herr, mit bünnen, braunen Haaren, großen graublauen Augen, auffallend weißen Zähnen, über denen sich ein kleines Bärt­chen bemerkbar macht. Eine Minute später fängt eine Stimme leise, fast hauchenb zu tönen an, bie Hunbertachtzig ober -neunzig auf ben Bänken, bie eben noch wüst burcheinander schrien, sinb mit einem Male brav und gesittet. Und bleiben so, eine Stunde unb länger, unb wenn es au einer Bewegung kommt, ist es eine Bewegung oes Beifalls. Es find meist sehr sachliche Geschäftsberichte, bie ber Mini- fterpräfibent Paul van Zeelanb zur Kenntnis bringt, unterstrichen durch sparsame, leicht dozie­rende Gesten und durchsetzt, wenn es nötig ist, mit einer unaufdringlichen Pathetik, bie ihren Eindruck nie verfehlt, weil alle Welt samt ber Opposition überzeugt ist: ber Regierungschef sagt, was ist, er

1 gibt, was er hat.

Was er nicht hat, ber Herr van Zeelanb, ist bie politische Leidenschaft, was nicht vorhanden ist, ist eine über das Sachliche hinausgreifende Ideologie, bie packt. Mit beibem wartet L6on Degre 11e auf, bie andere Persönlichkeit, deren Namen zusammen mit dem Paul van Zeelands in die belgische Ge­richte des Jahres 1936 eingehen wird. Der Rexi- tenführer, schon im äußeren das Gegenteil des Regierungshauptes, ist voller verzehrender Selben« chaft, erfüllt vom Glauben an Neues, vom Willen, liefen Staat zu roanbeln.

In ben ersten Monaten bes Jahres, bie verhält­nismäßig still waren, konnte bie Regierung, aus­gestattet mit ben nötigen Vollmachten, ihr Werk ber wirtschaftlichen Erneuerung in Ruhe unb nut unleugbarem Erfolg weiter burchfuhren, unb bas Werk, an besten Anfang bie Franken-Abwertung ftanb, war wahrhaftig nicht leicht. Die Wirtschaft^ krise ist in Belgien im verflossenen Jahr tatsächlich zu einem erheblichen Teil überrounben worden. Wäre Belgien, wie der frühere Ministerpräsident Theunis einmal sagte, eine Aktiengesellschaft, nichts als eine Aktiengesellschaft, so wäre alles m schön­ster und bester Ordnung, der Generaldirektor van Zeelanb unb bie Direktionsmitglieder bekämen von ber Generalversammlung höchste Anerkennung unb Tantiemen. Aber leiber hinkt auch ber Vergleich des Herrn Theunis. Belgien ist eben doch mehr als ein wirtschaftlicher Zweckverdanb

Im Frühjahr mehrten sich bie Anzeichen ber fälligen Neuwahlen. Rex machte sich bemerk­bar Sein Erfolg bei ben Wahlen bewies, baß viele Wähler in hohem Maße unzufrieben waren mit den alten Parteien, ihrer Routine unb ber Ver­quickung von Politik unb Finanz. Neben Rex ge- wann, ebenso überraschenb, bie Partei ber f l a - mischen National iften einen gewaltigen Zuwachs an Stimmen unb Sitzen. Das bebeutenbste Ergebnis ber Wahlen war bi e f la m1 f d) e Mehrheit, bie bamit bas belgische Parlament erhalten hatte. Die neue, unerhörte Tat ache er- reate notroenbigerroeife Unruhe in ben alten Par­teien, in erster Linie in ber katholischen, bie an ber Nieberlage am schwersten zu tragen hatte. Es dauerte auch nicht lange unb es entstauben zwei

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ben Herzberg unb Königsberger. Auf bas Ergeb­nis dieser Sammlung die holländischen Sparer, denen die Juden das Geld gestohlen haben, werden sich über diese Verwendung ihres Geldes freuen darf man wohl ebenso gespannt sein wie auf die Wahl des Geschenkes. Hierzu schreibt derVöl­kische Beobachter" u. a.: Wir erinnern uns dabei, daß die deutsche Oeffentlichkeit noch nichts darüber vernommen bat, was der künftige Ge­mahl der niederländischen Thronfolgerin zu den Beleidigungen zu sagen hat, denen ge­rade in den letzten Tagen seine deutsche Heimat in Holland ausgesetzt ist. Es wird sicherlich nur mit Bedauern vermerkt werden können, daß eine solche Frage überhaupt notwendig geworden ist gegenüber einem Manne, der einmal auch in Öen Rei-

menstoße an ber westlichen außenmongolischen Grenze Mich Manschuli beuteten bereits bie Stoß» richtung an. Auch in Nordchina schien alles auf einen Kampf gegen Nanking vorbereitet zu fein, dessen Ergebnis derFünfprooinzenblock als autonomes Staatsgebilde sein sollte.

Es ist nicht abzusehen, welche Entwicklung die Dinge innen- und außenpolitisch ohne die Februar- Revolte genommen hätten. Außenpolitisch hätten Rückschläge nicht ausbleiben können, da Stärke und Ausrüstung der Armee unzureichend waren. Innen­politisch hatten sich die Gegensätze zwischen den ak­tivistischen staatssvzialistisch gerichteten Kreisen der Armee, verstärkt durch zahlreiche rechtsradikale Ver­bände unb bemliberalistisch-kapitalistischen System ber politischen Parteien, der alten Staatsmänner, der Bürokraten und Reaktionäre" so verschärft, daß ein Zusammenstoß unausbleiblich schien.

Der neue Kriegsminister hat durchgegrjffen. Nach­dem 18 junge Offiziere wegenVerstoßes gegen die Disziplin des kaiserlichen feeres" ihr Leben lassen mußten, erfolgten Personalveränderungen in einem Ausmaß, das erkennen ließ, wie weit die Unzufriedenheit im Offizierskorps um sich gegriffen hatte. General Terauchi hat gleichzeitig im Kabinett einen Rüstungsetat durchgesetzt, der in einem Sechsjahresplan mit insgesamt 3,3 Milliarden Pen nicht nur eine zahlenmäßige Vervollständigung der Ausrüstung und Bewaffnung vorsieht. Besonderer Wert wird auf die Erhöhung der Schlagkraft der in Mandschukuo stationierten Truppen gelegt, auf eine Verstärkung der Operationsbasis und Ausbau der rückwärtigen Verbindungen.

Die Marine hält sich in allen politischen Ange­legenheiten stark zurück. Sie verspricht sich keinerlei Nutzen für Japan aus einerkontinental gerichteten Expansionspolitik". Sie vertritt die Ansicht, daß die Armee, gerüstet und einsatzbereit, die Grenzen Ja­pans und Mandschukuos zu sichern habe.Das Schwert scharf, aber fest in der Scheide." Die Ma­rine sieht die wichtigste Aufgabe der Außenpolitik in einer wirtschaftlichen Expansion nach

jedoch die Nanking-Reaierung durch bie antijapa­nische Propaganda verhindern.

Zehn Lahre Gefängnis für Tschangsuelianq.

Nanking, 1. Jan. (DNB.) Das durch den Ausschuß für militärische Angelegenheiten eingesetzte Kriegsgericht verurteilte Tschanghjueliang wegen Anstiftung des Aufstandes in Sianfu zu 10 Jahren Gefängnis. Das Kriegsgericht stellte eine Begnadigung in Aussicht, da Tschang- hsueliang Marschall Tschiongkaischek freiwillig aus seiner Gefangenschaft nach Nanking zurückkehren ließ. Im Zusammenhang mit der Verurteilung Tschanghsueliangs werden beunruhigende Rückwir­kungen auf die Truppen in Schensi und Kansu be­fürchtet.

Der Landesstatthalter von Steiermark zurückgetreten.

Wien, 1. Jan. (DNB.) Der Landesstatthalter von Steiermark, Graf Stürckgh, ist zurückge­treten. Graf Stürckgh, ein Verwandter des van dem jüdischen Marxisten Friedrich Adler ermordeten österreichischen Ministerpräsidenten, war Heimat- schutzmann und wurde nach der im Anschluß an die Maioerfassung vom Jahre 1934 durchgeführte Re­organisation der politischen Verwaltung auf den Pasten des Landesstatthalters van Steiermark be­rufen. Nach einer Mitteilung der steierischen Lan­desregierung hat der Landeshauptmann für Steier­mark, Stepan, den Landesbauernführer Hol­lersbacher zum Nachfolger des zurückgetretenen Landesstatthalters ernannt. Hierzu läßt die Bun­desregierung verlautbaren, daß die Berufung gegen bie Verfassung verstoße, weil bie Zustimmung des Bundeskanzlers erst nachträglich eingeholt werden sollte Der Bundes­kanzler behalte sich daher seine Entschlüsse vor.

Jüdische Emigranten wollen den Prinz zur Lippe beschenken.

Berlin, 2. Jan. (DNB.) DerNationalsozia­listische Zeitungsdienst" Graf Reischachs berichtet u. a.: Die jüdischen Emigranten, die in Holland eine Zuflucht gefunden haben, nachdem ihnen der Boden in Deutschland zu heiß wurde, und die in ihrer neuen Heimat bereits wieder durch zahlreiche Skandale von sich reden machen, haben in Amsterdam einen Ausschuß gebildet, berim Namen ber Mischen Flüchtlinge, benen Hollanb seine Gastfreunbschaft gewährt", eine Samm­lung unter benLeibensgefährten" veranstaltet, um bem Prinzen Bernharb zur Lippe-Bie- fterfelb unb seiner künftigen Gemahlin ein Hoch­zeitsgeschenk überreichen zu können. An ber Spitze bieses seltsamen Ausschusses stehen bie Zu­

schlägen geneigten Witterung.____________________

Hauptschriftleiter Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik unb für bie Vilben Dr. Fr. W. Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyrioft für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- (eiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt bet Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XI. 36: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buck- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlil» 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Elnzeloerkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr.

Am Zkit ist xttislists Nr. 3 oom LSuni 1935 ftültifr

Belgiens Kamps um innere und äußere Freiheit

Von unserem Dr. W.K -Berichterstatter.