Ausgabe 
1.12.1937
 
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im Studentenheim zu einer Besprechung des Uebungsoerlaufs. Dabei äußerten sich die berufenen Vertreter des erweiterten Selbstschutzes, der Wehr­macht, der Reichsbahn, der Reichspost, Les Werk­luftschutzes, der Stadtverwaltung und der städtischen Betriebe, des Reichslustschutzbundes, des Gaststätten­gewerbes, die Vorsteher der Polizeireviere, die ört­lichen Führer der H, SA. und des NSKK., der Vertreter des Kreisleiters, der Vertreter des Kreis- aintes, ein berufener Vertreter der Abteilung gegen Kampfstoffe und schließlich der Luftschutzleiter selbst. Von den verschiedensten Gesichtspunkten aus schil­derten sie ihre Eindrücke, ihre Beanstandungen oder ihre Anregungen. Es ist hier nicht der Platz, auf alle diese Einzelheiten der Besprechung, die in vielerlei Hinsicht sehr interessant und vor allem sehr bedeutsam waren, näher einzugehen, zumal die Sachoertreter, die es angeht, alle zugegen waren.

Zusammenfassend kann die erfreuliche Festste!- lung gemacht werden, daß durchweg der Uebungsverlauf gerechterweise weitgehende An­erkennung fand und die Hebung als ein neuer wesentlicher Fortschritt bezeichnet wurde.

Zur weiteren Steigerung aller Leistungen wurden zahlreiche Anregungen gegeben, die sicherlich zu einem großen Teil schon bei der nächsten Hebung in Erscheinung treten werden. Es wird dann eine der wichtigsten Aufgaben aller Volksgenossen sein, nicht nur in der bisherigen Weise ihre selbstver­ständlichen Pflichten im Dienste des Luftschutzes gegenüber der Volksgemeinschaft zu erfüllen, son­dern auch an dem weiteren Ausbau der praktischen Anwendung aller Verbesserungen tatkräftig mitzu­arbeiten.

Gesamtergebnis: ein neuer beachtenswerter Erfolg ist aus der gestrigen Verdunkelungsübung zu ver­zeichnen zu weiterer tatfreudiger Arbeit im wohl­verstandenen Interesse des einzelnen wie auch zum Besten der Gesamtheit und in treuem Bekenntnis zu dem Willen des Führers ist jeder Volksgenosse wiederum aufgerufen! 6.

RSG.Kraft durch Freude", Thealervorslellung.

Sonnabend, den 4. Dezember 1937, 20 Uhr, Große KdF.-Miete Gruppe I (5. Vorst.) Oper

Der Wildschütz"

von Albert Lortzing. Karten zu 1, RM. sind noch auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, er­hältlich.

kdF.-Miele" Gruppe I und II.

Die 2. Rate derkdF.-Miele" ist bis spätestens Freitag, den 3. Dezember 1937, auf der kreisdiensk- stelle, Schanzenstrahe, einzulösen.

Reisen, Wandern, Urlaub.

Durch das Reichsamt Reisen, Wandern, Urlaub wurde eine zusätzliche

Italien-Fahrt vom 18. bis 30. Dezember 1937 unter dem MottoWeihnachten in Italien" durch­geführt. Der Fahrpreis einschließlich Verpflegung usw. 150, RM. Nähere Auskünfte über Teil­nehmer-Bedingungen erteilt Ihnen die Kreisdienst­stelle.

Deutsches Volksbildungswerk.

Am Donnerstag, dem 2. Dezember 1937, 20 Uhr, in der Neuen Aula, Ludwigstraße, lieft der dänische Dichter 7902C

Svend Fleuron.

Karten zu,40 RM. sind auf der Kreisdienststelle erhältlich.

Winterreifen.

Die erste Winterfahrt in die herrliche Schneewelt wird in der Zeit vom 25. Dezember 1937 bis 2 Ja­nuar 1938 nach Bad Tölz (36,50 RM.) durchgeführt. Anmeldeschluß für diese Fahrt ist der-10. Dezember 1937.

Der Vortrag

Deutschlands wehrpolilische Lage"

am 30. November 1937 wird auf einen späteren Zeit­punkt verschoben.

La^erikkluh am Heiligabend.

EPNH. Für den Ladenschluß am Heiligabend bleibt es auch in diesem Jahr bei der seit einigen Jahren üblichen Regelung. Danach dürfen offene Verkaufsstellen an diesem Tage nur bis 17 Uhr, Verkaufsstellen, die ausschließlich oder überwiegend Lebensmittel, Genußmittel oder Blumen feilhalten, bis 18 Uhr geöffnet fein.

Aus her Stadt Gießen.

Spruch und Brauch im Dezember.

Der Julmond trug früher auch den Namen Wendemond": denn, wenn auch nach unserem Kalender der Winter erst mit der- Sonnenwende be­ginnt, so betrachteten unsere Urahnen die Dinge anders. Für sie gab es nicht vier, sondern nur zwei Jahreszeiten: kalte und warme Zeit. FruhlmZ und Sommer waren die eine Einheit, Herbst und Winter die andere. Also redete der Altdeutsche mit Recht von der Sonnenwende als der Mittwinter­zeit und damit als derWinterwende". Und auch klimatisch lagen die Dinge dementsprechend, denn es herrschten in früheren Jahrzehnten, und natür­lich noch ausgesprochener im Laufe der verflossenen Jahrhunderte, von Ende Oktober an oft un­unterbrochen Frost und Schnee. Damals war der Winter noch einrechter Mann, kernfest und auf die Dauer", und daß er es wieder werde, ist vor allem des deutschen Bauern Wunsch. Denn der Frostwinter, der die Erde ausfriert, das Baumholz härtet und die Schädlinge in Garten, Feld und Flur vertilgt, ist ihm ein trefflicher Bundesgenosse im Kampfe der alljährlichen Erzeugungsschlacht. Das besagen auch alle Wetterorakel und Bauern­regel zur Genüge.

Geht der Dezember auf (d. h. ist Tauwetter), so gibt's wetterwendsche Lauf."

Ist aber der Winterwetterwendisch", so ist es schon halb um ihn geschehen, wie dieser alte Volks­mund besagt:

Dezember veränderlich und lind, der ganze Winter ein Kind!"

Ein fester Winter steht nach altem, wohlberechtig­tem Volksglauben in Wechselwirkung mit einem warmen Reifesommer, der ihm folgt, wie auch um­gekehrt auf einen heißen Sommer meist ein stren­ger Winter folgt. In solchem Zusammenhänge alter Wetterbeobachtung sagt der Landmann:Wie der Dezember, so kommt der Juni" also matt oder ausgeprägt, und in Masuren meint man: Trockener Dezember, ttockenes Frühjahr, ttockener Sommer". Ein ttockener Winter aber ist ein Frost- winter. Man kann auf seinen Eintritt rechnen, wenn man beobachtet, was diese Bauernregel vermerkt: Entsteiget Rauch gefrorenen Flüssen, so ist auf lange Kälte zu schließen."

Und dann wird die künftige Ernte auch reichlich sein, denn nicht ohne Grund heißt es:

Dezember kalt mit Schnee gibt Korn auf jeder Höh'."

Mit Bezug auf das Wetter in den Adventwochen, die ja mehr als die ersten beiden Drittel des De­zembers ausmachen, sagt eine alemannische Bauern­regel:Wenn's im Advent viel Biecht git, so git's im nächsten Johr viel Obs". UnterBiecht" ver­steht man dortzulande eine Art Rauhreif, entstanden aus gefrorenem Nebel, der aber nicht nur an den Baumzweigen sitzt, sondern wie ein glasiges Leuch­ten auch in der Luft zu stehen scheint.

Die einzelnen Tage des Monats Dezember treten im Volkssprichwort und in der Bauernregel nicht besonders stark hervor, eher im Brauchtume, wie der Barbaratag zeigt, der der Heiligen in ihrer Eigenschaft als Schutzpatronin der Artillerie ge­weiht ist und für jeden deutschen Artilleristen ein Tag fröhlicher Kameradschaftsfeiern war und auch wieder ist. Zu der Beschützerin der kanonierenden Marsjünger konnte Barbara natürlich erst nach Erfindung des Schießpulvers werden: vorher galt sie lediglich als Schätzerin der Bergleute. Don der Vorstellung der explodierendenschlagenden Wetter" kam man zur Gedankenverbindung mit den Explo­sionen, die der Artillerist künstlich erzeugt. Für den Tag des St. Nikolaus heißt es:

Niklas geht herum

und macht die Kinder stumm!"

Da werden dierübigften" Jungen brav, wenn es die Wahl zwischen Rute oder Pfefferkuchen gilt. Begreiflicherweise steht das Weihnachtsfest im Mittelpunkt alles volkstümlichen deutschen Wesens, so auch der Wetterprophetie:

Ist gar gelind der Heilige Christ, der Winter darüber wütend ist" reimt man in der Erwartung, daß dann die scharfe Kälte nachher einsetzt. Weiterhin heißt es:

Jst's windig in den Weihnachtstagen, so werden die Bäume viel Früchte tragen." Aber wie gesagt man will es nicht ausge­sprochen milde zu Weihnacht haben, dennChres- dag an de Dühr, Ostern üm et Für" oderGrünen Weihnachten Feld und Wiesen, wird sie zu Ostern

der Frost verschlueßen". Und das ist bös für den Bauersmann; denn es ftimmt nur zu genau, wenn man sagt:

Grüner Christtag, Ostern weiß,

der Regen verwüstet des Landmannes Fleiß!" Also wenn bald knackender Frost einsetzen sollte, dann wollen wir uns freuen, er nützt nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Wirtschaft! W. L.

Vornoiizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr,Uta von Naumburg". Gloria-Palast (Seltersweg):Mäd­chen für alles". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Gabriele eins zwei drei". Leistungs­schau der Volksschulen des Kreises Gießen in der Turnhalle der Neuen Pestalozzi-Schule.

Sladtthealer Gießen.

Heute abend zum letzten Male Felix Dhünens SchauspielUta von Naumburg". Spielleitung Dr. Erich Schumacher. Die Rolle der Uta spielt Else Monnard. Die Aufführung findet als 10. Vorstel­lung der Mittwoch-Miete statt. Beginn 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr.

Svend Fleuron in Gießen.

Am kommenden Donnerstag wird, wie man uns schreibt, auf Einladung des Goethe-Bundes und des Kaufmännischen Vereins in Verbindung mit der Volksbildungsstätte der NSG.Kraft durch Freude" der dänische Tierdichter Svend Fleuron über fügend-, Jagd- und andere Tollheiten" erzählen. Der Dichter, der in deutscher Sprache seinen Vor­trag hält, findet überall herzliche Aufnahme und eine begeisterte Zuhörerschaft. So wird ihn auch sicherlich in unserer Stadt seine zahlreiche Leser­schaft willkommen heißen.

BDM.- u. ZM.-llntergau 116, Gießen

Am Freitag, 3. Dezember, findet die 3. HJ.-Ar- beitsgemeinfchaft in dem Heim der M.-HI.-Gefolg­schaft statt. Alle Mädel- und Jungmädelgruppen­führerinnen nehmen daran teil. Beginn: 20.30 Uhr. Von jetzt ab nehmen auch die Gruppensozialwar- tinnen teil!

JungmäbeL

Bdr.: Freiwillige Sportdienstgruppe: natürliches Turnen.

Wir beginnen am Freitag, 3. Dezember, mit den ersten Uebungsstunden in der Turnhalle des Turn­vereins 1846, Oswaldsgarten. Beginn 17.15 Uhr.

Im Rahmen der Leistungsschau der Volksschulen des Kreises Gießen fand gestern in der Turnhalle der Neuen Pestalozzischule eine Tagung der Volks- schullehrer des Kreises Gießen statt. Schulrat N e - b e I i n g gab zunächst, nachdem mit einem gemein­sam gelungenen Liede und mit einem Worte des Führers der Versammlung die Sinnrichtung gege­ben worden war, eine Reihe von amtlichen Mittei­lungen bekannt. Er machte auf einen Modellbau­lehrgang aufmerksam, der demnächst von Lehrer Reinheimer durchgeführt wird, erinnerte ferner an die Versicherung von Schulen und Lehrern als so­ziale Pflicht, forderte die Mitteilung von Einberu­fungen an das Kreisschulamt, und ferner die Mel­dung von taubstummen Kindern, für die dann Son­dermaßnahmen getroffen werden sollen. Schließlich gab Schulrat Nebeling noch bekannt, daß die Schul­gemeinschaften des VDA. in Zukunft den TitelKo- meradschaftsopfer" führen. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß bis auf eine Schule dieses Kameradschaftsopfer in sämtlichen Schulen der Stadt und des Kreises durchgeführt werde.

Im weiteren Verlauf der Versammlung berichtete Dr. R e i d t (Heuchelheim) über die Arbeit der Lich­tenberger Tagung des NSLB. und gab dabei einen aufschlußreichen Ueberblick über die gegenwärtige Lage im Schulwesen.

Anschließend sprach Schulrat N e b e l i n g über die Leistungsschau und verband damit herzliche Worte des Dankes an alle diejenigen, die zu dem Erfolge beigetragen haben. Er bat darum, diesen Dank auch an die Schüler weiterzugeben. In seinen weiteren Darlegungen sprach er eingehend über die Gründe, die ihn veranlaßten, diese Ausstellung zu veranstalten. Nachdrücklich wies er aber darauf hin, daß diese Ausstellung nicht irgendeinen Abschluß

Bdr.: Zungmädelgruppensührerinnen-Besprechung.

Zur kurzen Besprechung kommen die Jungmädel« gruppenführerinnen Freitag, 3. Dezember, vor der Arbeitsgemeinschaft auf die Dienststelle.

Mädel.

Bdr.: Pressemädel.

Wir treffen uns am M i 11 w o ch, 1. D e z e m b e r, 19 % Uhr, auf der Dienststelle.

Bdr.: Modellbau für Segelflugzeuge.

Die nächste Modellbaustunde ist am Donner« tag, 2. Dezember.

Bund Deutscher Mädel.

Ilnlergau 116 Gießen.

Bdr.: D. L. R. G.-Kurs.

Mittwoch, 1.12., findet keine Abnahme des Grund- fcheins statt. Jgn., die noch nicht fertig sind, können

Ruhl Sehersweg Nr. 67

adiO Telephon Nr. 3170 I

eparaturen I

Montag, von 19 bis 20 Uhr, Leistungen ablegen. Mit der grünen Meldekarte ist Prüfungsgebühr und Bild in geschlossenem Umschlag an E. Weber oder Herrn Sauer abzuliefern.

Die Untergausportwartin.

ZM.-llntergau 116/ Gießen.

Diensibesehl!

Betr.: 3. Winterwochenendschulung.

Die 3. Winterwochenendschulung der Jungmädel« führerinnen findet am 5. Dezember 1937 an folgen­den Orten statt:

Gießen (DJH.) für die Gruppen 1, 2, 3, 4/116; Heuchelheim für die Gruppen 17, 18, 19/116; Lollar für die Gruppen 5, 7, 8 (halb)/116; Großen-Bufeck für die Gruppen 6 und 10/116; Grünberg für die Gruppen 8 (halb) und 9/116; Hungen für die Grup­pen 11 (halb) und 13/116; Lich für die Gruppen 11 (halb) und 12/116; Watzenborn-Steinberg für die Gruppen 14, 15 16/116.

Die Schulungen beginnen: Gießen (DJH.) 8.30 Uhr, Heuchelheim 8.30 Uhr, Lollar 8.30 Uhr, Gro­ßen-Bufeck 8.45 Uhr, Grünberg 8.30 Uhr, Hungen 8.45 Uhr, Lich 8.45 Uhr, Watzenborn-Steinberg 8.30 Uhr. Ende gegen bzw. zwischen 17 und 18 Uhr.

Die Gruppenführerinnen sorgen für Bälle und Sprungseile in den einzelnen Schulungsorten.

Mitzubringen sind: Turnzeug, Schreibzeug, für

darstelle, vielmehr einen Aufruf und eine Anregung zu weiterer intensiver Arbeit. Dor allem muß für die nächste Zukunft erstrebt werden, die Volksschule immer mehr zu einer Erziehungs- und Charakter« schule zu machen.

Nach einer Pause gab Schulrat Nebeling noch eine Reihe von Auszeichnungen bekannt und über­reichte Buchpreise und Urkunden.

Buchpreise der Deutschen Arbeits­front für Aufsätze über das Deutsche Handwerk erhielten Margrit Schulte (Neue Pestalozzischule) und Walter Riedel (Volksschule Lollar).

Mit Anerkennungen für Aufsätze zum glei­chen Thema wurden folgende Volksschulen ausge­zeichnet: Goetheschule Gießen, Neue Pestalozzischule Gießen, Alte Pestalozzischule Gießen, sowie die Volksschulen in Wieseck, Lollar, Watzenborn-Stein­berg, Großen-Linden und Garbenteich. Ferner wur­den Erinnerungsurkunden an die Sonderspende Kinderlandverschickung Kesselbach an Lehrerinnen und Lehrer verteitt, die der Sache mit beträchtlichen Geldspenden dienten.

Schließlich kamen auch noch die Auszeichnungen für diejenigen Schulen zur Verteilung, die in den Wettkämpfen der Sommerkampfspiele als Sieger hervorgingen. Hier wurden folgende Schu­len bedacht:

Unterstufe A, Knaben (Fußschlagball): Kreismeister 1937: Alte Pestalozzischule; 2. Wieseck. Mädchen (Grenzball): Kreismeister: Lyzeum Gießen; 2. Heuchelheim.

Unterstufe B, Knaben (Grenzball): Kreis- meister 1937: Grüningen; 2. Ruttershausen. Mädchen (Grenzball): Kreismeister 1937: Allerts­hausen; 2.. Bellersheim.

Volksschule als Erziehungs- und Eharakierschule.

Vlandine setzt sich durch

Vornan von

Hans-Joachim Ireiherrn von Reitzenstein

Copyright by Carl Ouncker

37 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Das Gespräch mit Frau Molny war Schrader nicht mehr aus dem Sinn gekommen. Zwei Tage später saß er abends zu Haus und überlegte wieder einmal: Wenn diese Frau, die sicher nicht weltfremd war und bestimmt Menschenkenntnis hatte, so viel von Blondine Hertel hielt, dann mußte etwas an ihr sein, ßueienne war doch eine erfahrene Person, die ließ sich doch nicht von so einem jungen Ding betrügen. Was wußte er selbst denn von Blondine und Engemann? Nichts, als daß er sie einmal abends zusammen in einem Wagen gesehen hatte. Vielleicht hatten sie Frau Molny zu einer Film­aufnahme begleitet. Es gab so viele Erklärungen. Vielleicht hatten sie zusammen einen harmlosen Be­such gemacht. Sie schien doch bei Frau Molny ganz zum Haus gehört zu haben. Er hatte sie ungehört verdammt. Und wenn er ehrlich war, doch nur des­halb, weil er selbst gern an Harry Engemanns Stelle gewesen märe.

Er mußte sich einmal Gewißheit verschaffen. Denn das Mädel ging ihm so leicht nicht wieder aus dem Kopf. Aber wie sollte er zu einer Klarheit kommen? Was Frau Molny sagen konnte, hatte sie ja ausgesprochen.

Er zündete sich eine Zigarette an und ging im Zimmer umher. Gewohnheitsgemäß drehte er das Radio an. Bei Musik ließ es sich besser nachdenken.

Was Frau Molny gesagt hatte, das sprach ein­deutig für Blondine. Wer kam sonst noch in Frage? Die Schwestern in der Klinik? Da hatte er sich ja schon umgehört. Die waren des Lobes voll.

Die Musik im Radio hörte auf. Es kamen die Wetternachrlchten. Schrader wollte abstellen. Da horchte er plötzlich interessiert auf. Es kamen Be­richte aus den Wintersportgebieten. Fünfundzwan- zig Zentimeter Schneehöhe im Hari.

Er stellte sich die schneebeladenen Harztannen vor. Er kannte beinah jeden Berg. Von Sommer- und

Winterausflügen her. Ein Sehnen zerrte und zog an ihm. Frau Molny hatte es doch auch gesagt, da hatte er einmal Zeit, ohne abgerufen zu werden, mit Blondine Hertel zu reden. Eine seltsame Un­ruhe packte ihn. Er war lartge nicht fort gewesen. An diesem Sonntag hotte er sowieso keinen Dienst. Es war nur eine Frage an Lombertz nötig. Kein Mensch würde sich wundern, wenn er wieder ein­mal ein Wochenende machte.

Ein neuer Gedanke störte ihn. Wenn sie da oben flirtete und keine Zeit für ihn hatte? Dann war sie eben nicht das Mädchen, das er suchte. Dann batte er im schlimmsten Fall mal wieder einen Skiausflug in den Harz gemacht. Das würde ihm sowieso nichts schaden.

- Es war schon dunkel, als Doktor Schrader am Sonnabend in Braunlage ankam.

3n der Hotelhalle saßen die heimgekehrten Ski­läufer beim Tee. Blondine war nicht darunter.

Doktor Schrader erkundigte sich, ob sie auf ihrem Zimmer sei. Der Portier meinte, sie sei wahrschein­lich auf dem Eisplatz. Sie gehe nachmittags oft mit Schlittschuhen fort.

Er ging hinunter zum Eisplatz und fand sie. Er brachte ihr Grüße von Frau Molny. Das gab ihrem Zusammentreffen so etwas Familiäres. Blon­dine Hertel machte sich von einigen Hotelbekannten los und lief mit ihm übers Eis.

Sie fragte nicht, warum er gerade hierher ge­kommen, und sie glaubte auch nicht, daß dies ein zufälliges Zusommentteffen sei. Sie empfand es als Bestimmung. Sie sprachen überhaupt nicht viel, sondern glitten in großen, langsamen Bogen über die Eisfläche hin.

Während man sich, ganz in ollen Ehren, aber fest und warm von den Armen eines Mannes halten läßt, den man liebt, fragt man nicht: Haben Sie mit meiner Freundin etwas vor?

Man ist nur glücklich. Und die Welt ist ein Mär­chen. Und die Gegenwart ist ein Traum, aus dem man vor allen Dingen nie wieder aufwachen möchte.

Als die Eisbahn sich leerte, wurden sie sich rasch darüber einig, daß sie in einem altertümlichen Gast­haus zu Abend essen wollten. Sie wurden sich später darüber einig, daß dieser Abend zum Schlafengehen noch zu schon sei, und machten einen stillen Spaziergang unter dunklen Tannen und

strahlenden Sternen. Am meisten waren sie sich darin einig, daß sie am nächsten Morgen eine Ski­fahrt machen müßten.

Ich bin zwar nicht trainiert", sagte Schrader, ich bin zwei Jahre nicht gelaufen."

Und ich kann selbst mit Training nichts. Denn ich habe überhaupt nur einen Winter in meinem Leben geübt, als ich hier im Harz in einem Haus­haltsinstitut war."

Wir wollen uns also nicht zu viel vornehmen."

Das brauchen wir auch gar nicht. Hier ist ein Gelände für ungeschickte Leute. Ich fühle mich schrecklich wohl hier."

Am nächsten Morgen brachen Blondine und Doktor Schrader bei strahlendem Sonnenschein und knirschendem Schnee zu ihrer Skitour auf.

Weit hinter ihnen blieben die Stadt und der Alltag. Vergessen war der Regen, der Nebel, die endlos trüben, grauen Tage, an denen es in die­sem Winter kaum hell wurde.

Sie glitten leicht und lautlos über die Höhen­wege, fuhren jauchzend Abhänge hinunter. Stan­den lachend im Tal nach der brausenden Abfahrt, mit leuchtenden Augen und windgepeitschten roten Wangen. Dann glitten sie weiter durch das ver­schneite Märchenland. Vor der großen Stille ver­stummte ihr Gespräch, schlief jeder Wunsch.

Glücklich! dachte Blondine. So glücklich! Und ein leiser Schatten huschte über ihre Züge. Dies war der schönste Tag ihres Lebens. Aber danach würde der Alltag wieder kommen. Es würde wieder berg­ab gehen.

Unfinn. Sie nahm die Mütze ab und schüttelte die Locken. Heute wollte sie glücklich fein. Jo, es war der schönste Tag ihres Lebens! Und sie wollte ihn genießen.

*

Der Chauffeur Franz Lüdtke hotte am Nach- nrittag der Ankunft feinen Wagen gründlich nach- gesehen und gewaschen. Dann hatte er noch ein Glas Bier getrunken. Und dann war er nach der anstrengenden Fahrt schlafen gegangen. Der nächste Tag war Sonntag. Und der gehöre ihm ganz, hatte der Doktor gesagt. Da würde er genug Zeit haben, sich den neuen Ort anzusehen.

Am Sonntagabend um sechs Uhr kam Lüdtke, um ju fragen, mann Doktor Schrader am Montag lehren wollte. Er wartete, wie verabredet, im

Hoteleingang auf seinen Chef. Er sah die Gäste kommen und gehen.

Blondine hatte sich nach der Skttour frisch ge­macht und gleich zum Abendessen umgezogen. Sie trug ein elegantes, aber raffiniert schlichtes, herbst- braunes Setttenkleid. ßueienne Molny hatte es als Herzogin bei einer einzigen Filmaufnahme ge­tragen. Blondine sah nicht nur sehr frisch und schön aus, sondern sie wirkte auch ausgesprochen vor­nehm, als sie die teppichbelegte, breite Hoteltreppe hinabstieg.

Schrader, gleichfalls schon zum Abend umgekleidet, erwartete sie unten in der Halle. Er ging ihr ent­gegen und nahm sie so selbstverständlich am Fuß der Treppe in Empfang, sie waren beide so vertraut miteinander, daß ßüdtke, der durch die Glasscheibe die Szene beobachtet hatte, nicht mehr daran zweifeln konnte, daß diese beiden zusammengehörten.

Ein heilloser Schreck durchfuhr ihn. Er war Schrader sehr zugetan. Wie damals für ßueienne hatte er eine warme persönliche Sympathie für seinen Dienstherrn. Er schätzte ßambertz. Aber er war ihm noch nicht nahegekommen. Die Assistenz­ärzte waren ganz nett. Aber den Oberarzt, den hatte er ausgesprochen gern. Und gerade der mußte auf dieses raffinierte Weibsbild reinfallen. Auf die ausgekochteste Person, die er kannte.

ßüdtke stellte sich hinter eine mächtige Säule, um von den beiden nicht gesehen zu werden. Dort überlegte er. Natürlich mußte er den Doktor auf- klären. Er konnte ihn doch nicht so reinfallen las­sen. Und das mußte rasch geschehen. Denn die bei­den schienen schon ziemlich weit miteinander zu fein.

Einige Minuten später gab er einem Hotelpagen eine Zigarette und schickte ihn in die Halle, um Doktor Schrader herauszubitten. Er sah, wie er sich von Blondine entschuldigend verabschiedete.

Darf ich Sie ein paar Minuten auf Ihrem Zimmer sprechen, Herr Doktor?" fragte ßüdtke mit allen Anzeichen großer Erregung.Es ist etwas Wichtiges."

Und dann kramte er aus. Er sagte alles, was er wußte. Seine Rede machte genau soviel Ein­druck auf Schrader, wie sie Damals auf ßange ge­macht hatte. Nur er reagierte anders, Schrader war blaß geworden unter der auf der Skifahrt an­geflogenen Bräune. (Fortsetzung folgte