Oie Neuorganisation -er Partei im Gau Hessen-Nassau.
NSG. Am 1. Oktober tritt im Gau Hessen- Nassau die Neuorganisation in Kraft, nach der der Gau Hessen-Nassau in 26 Kreise der NSDAP, untergeteilt ist. Die Neuordnung erfolgt in Durchführung der Richtlinien des Stellvertreters des Führers, die bestimmen, daß für die Kreisleiter die Personalunion mit hauptamtlichen staatlichen oder kommunalen Aemtern bis zum 1. Oktober 1937 z u lösen ist.
In der Zeit vom 6. Oktober bis 7. November führt der Gauleiter in einer Reihe von großen Kundgebungen die Kreisleiter ein, die von ihm in die Leitung der neugeschaffenen Kreise des Gaues Hessen-Nassau berufen wurden. In Durchführung der Verordnung des Stellvertreters des Führers scheiden aus der politischen Führung in unserem Gau eine ganze Reihe von bewährten Nationalsozialisten und politischen Hoheitsträgern aus, die sich im Einvernehmen mit dem Gauleiter zur Weiterführung ihres staatlichen oder kommunalpolitischen Amtes entschlossen haben, da es notwendig ist, daß die Parteigenossen, die bisher als leitende Männer in diesen Stellen tätig waren, dort bleiben und aus ihrer Verbundenheit mit der Partei und Kenntnis ihrer Forderungen an die Verwaltung chre behördliche Arbeit leisten. Im Augenblick der Machtergreifung mußten die Führer der Partei die staatlichen Stellen mitübernehmen, damit der Organismus der Verwaltung, die nun die Verwaltung des nationalsozialistischen Staates geworden war, bis in die untersten Stellen von nationalsozialistischem Geist durchpulst wurde. Auf die Dauer aber wurde die Doppelbelastuna für die Führerkräfte der Partei zu groß, so daß nun, nachdem durch die dauernde Schulunasarbeit der Partei genügend Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen, d i e Personalunion gelöst wird.
Die Partei verliert mit dieser Neueinteilung eine ganze Reihe bewährter Kreisleiter, die sich für die behördlichen Aemter entschieden haben, aber sie erhält auch die volle Arbeitskraft einer ganzen Reihe von 'Kreisleitern zurück, die, da kein ganz neues | Kreisleiterkorps aufgebaut werden sollte, ihre be-1
hördlichen Aemter wieder abgeben. Zu ihnen treten neue Männer, die, nachdem sie sich schon in der Kampfzeit und auch als Ortsgruppenleiter in der politischen Leitung bereits bewährt haben, das Vertrauen des Gauleiters neu berufen hat. Durch diese Neueinteilung treten im Gau Hessen-Nassau an die Stelle der bisher bestehenden 35 26 zum Teil stark vergrößerte Kreise.
17 Kreise werden von der Neueinteilung, für die der Gauleiter folgende Kreisleiter berufen hat, betroffen: Kreisleiter Schwebet für den Kreis Groß-Frankfurt; Kreisleiter Zürtz für den Kreis Alsfeld-Lauterbach mit dem Sitz Lauterbach; Kreisleiter Wirth für den Kreis Alzey-Oppenheim mit dem Sitz Alzey; Kreisleiter Brückmann für den Kreis Bensheim-Heppenheim mit dem Sitz Bensheim; Kreisleiter Thiele für den Kreis Biedenkopf-Dillenburg mit dem Sitz Dillenburg; Kreisleiter Schilling für den Kreis Darmstadt; Kreisleiter Schwinn für den Kreis Dieburg-Erbach mit dem Sitz in Erbach; Kreisleiter Elfe für den Kreis Hanau; Kreisleiter Ohl für den Kreis Limburg-Unterlahn mit dem Sitz in Limburg; Kreisleiter Scheyer für den Kreis Main-Taunus-Ober-Taunus mit dem Sitz in Bad Soden; Kreisleiter Fuchs für den Kreis Mainz; Kreisleiter Schöne für den Kreis Oberlahn-Usingen mit dem Sitz in Weilburg; Kreisleiter Biedert für den Kreis Rheingau- St. Goarshausen mit dem Sitz in St. Goarshausen; Kreisleiter G ä ck l e für den Kreis Unter-Taunus mit dem Sitz in Bad Schmalbach; Kreisleiter Cramer für den Kreis Unterwester- wald mit dem Sitz in Montabaur; Kreisleiter Backhaus für den Kreis 2öetterau mit dem S i tz in Gießen und Kreisleiter Koch für den Kreis Worms. Der Gauleiter wird in den nächsten Wochen in großen Kundgebungen selbst fast alle neuen Kreisleiter einführen und damit den Auftakt geben für die neue Epoche der Arbeit im Gau Hessen-Nassau, die mit dem nun allein der Partei oorbehaltenen Kreisleiterkorps die dynamische, alles bestimmende Kraft der Partei noch stärker zum Ausdruck bringen wird.
Jahrgang 193 T.
Der Deutsche ist, sieht man von den Weinbaugebieten ab, durchweg kein Weintrinker, aber immerhin ist durch die planmäßige Betreuung des Wein- faches und durch eine einheitliche Weinwerbung auch der Absatz gestiegen. Während vor 1933 auf den Kopf des deutschen Volkes durchschnitllich nur vier Liter jährlich entfielen, beträgt der Verbrauch nunmehr das Doppelte, rund acht Liter. Daß diese Verbrauchsziffer noch zu steigern ist, lehren die Erfolge, die die Weinwochen in jenen Gebieten haben, die sonst gemeinhin als die Reviere der Biertrinker bezeichnet werden. Allein in Berlin wurden im Vorjahre während der Weinwerbewochen weit über 12 Millionen Liter Wein abgesetzt. Zum Vergleich fei bemerkt, daß auf den Kopf der Bevölkerung in Frankreich 140 Liter, in Italien 100 Liter, in der Schweiz 60 Liter und in Oesterreich 16 Liter Wein jährlich entfallen.
Ein neuer Jahrgang ist inzwischen heran- gereift, die Weinberge sind Anfang September geschlossen worden, damit die Trauben sich selbst überlassen werden, und die Frage ist von volkswirtschaftlicher Bedeutung, welche Qualitäten der Jahrgang 1937 besitzt, da am Rhein und an der Mosel, an der Saar und an der Ruwer und Aar, in Württemberg und Baden das Schicksal vieler hunderttausend kleinbäuerlicher Existenzen damit verknüpft ist. Im Jahre 1 934 hatten wir nach vielen schlechten und mittleren Jahren wieder einen ausgezeichneten Tropfen begrüßt. Nach Menge und Güte war der Jahrgang 1934 eine Rekordernte, die nur mit der des Jahres 1921 verglichen werden kann. Allerdings war der gute Wein des Jahres 1921 unter dem Druck der Inflationszeit zu schnell auf Flaschen ab gefüllt worden, als daß er feine Qualität beibehalten konnte. Das nächste Jahr, 19 3 5, brachte einen immerhin guten Jahrgang, wenn auch der Wein selbst nicht so, wie im Vorjahre, „in der Traube gekocht" war, da das Jahr weniger Sonnentage brachte. Ganz hervorragend fielen dagegen die Saar- und Moselweine aus. Im Jahre 1 9 36 war das Wetter nicht so günstig; die Ende September eingetretenen Fröste vernichteten das Weinlaub, und die wärmeempfindlichen Trauben wurden in Mitleidenschaft gezogen.
Im Jahre 1937 ist mengenmäßig eine Mittel- ernte zu erwarten. Der milde Winter brachte den Reben verhältnismäß wenig Einbuße an erfrorenen Trieben, das junge Fruchtholz kam gut durch den Winter, allerdings fetzte im März und April Regenwetter ein, das die Bodenbearbeitung in den Weinbergen unmöglich machte. Im Mai kam sehr warmes Wetter, die gefürchteten Eisheiligen blieben aus, und die Reben entwickeln sich sehr gut, zumal die Monate Juni und Juli Rekordhitze brachten. Allerdings griffen wieder Meltau und Perono- fpora um sich, wurden aber durch intensive Schädlingsbekämpfung in erträglichen Grenzen gehalten. Dagegen haben die sogenannten Heuwürmer hier und da größeren Schaden angerichtet, und Gewitter und Hagelschlag schwemmten teilweise, so in Rheinhessen, die fruchtbare Erde der Weinberge ab. An und für sich war der Fruchtansatz nicht sehr stark, da die vorzeitigen Fröste im September und Oktober vorigen Jahres das Fruchholz in Mitleidenschaft gezogen hatten. Aber der deutsche Wein sit in diesem Jahr von vorzüglicher Qualität; die Trauben haben sich gut entwickelt, sie sind zum Teil infolge des reichlichen Sonnenscheins um 14 Tage gegen die normale Zeit voraus, und
die ersten Ernten der Frühtrauben, aus der Traubensorte Malinger, zeigen in ihren Mosten einen hohen Gehalt an Traubenzucker. Auch die anderen Traubensorten und die Rieslinge für die Weißweine haben sich gut vorgearbeitet, und bei Fortdauer des schönen Herbstwetters rechnen die Winzer mit einem guten Ertrag der Spät- und Auslese und einer Ernte, die rund vierzehn Tage vor dem üblichen Ernteschluß vorgenommen werden könnte. Die Anordnung über die Sortenbeschränkung und die Förderung der Rebenauswahl hebt die Durchschnittsqualität der deutschen Weine; die Richtpreise und Schlußscheine für Most und Wein haben die spekulative Preisbildung unmöglich gemacht, verbindlich erklärte Winzerbedingungen für die Lieferung von Faßweinen schufen eine klare Rechtslage, und die Kennzeichnung von Wein in Flaschen dient ebenfalls dem Zweck, Wahrheit und Klarheit über die Weine selbst zu verbreiten, rt.
Aus aller Wett.
Internationale Kochkunstausstellung in Frankfurt.
Am 9. Oktober findet die Eröffnung der 7. I n • t emotionalen Kochkunst-Ausstellung in Frankfurt am Main statt. Dom 11. bis 19. Oktober tagt der Reichsfachbeirat der Reichsbetriebs- gemeinschaft Der Deutsche Handel, Reichsfachgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe. Am 13. Oktober ist eine gemeinsame Kundgebung der Fachgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe in der DAF. und der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe vorgesehen. Am 14. Oktober findet die Sonderveranstaltung „Die Deutsche Großküche" statt.
Die auf dem Feschallengelände stattfindende Aus
stellung besitzt in der „Fischküch e" einen besonderen Anziehungspunkt. Der im Rahmen des Vier- jahresplans propagierte erhöhte Fischverbrauch macht es notwendig, durch eine musterhafte Küche zu zeigen, wie vielerlei Arten hervorragender und wohlschmeckender Fischgerichte hergestellt werden können. Erste Spezialfischköche Deutschlands werden hier vor den Augen des Publikums ihre Kunst zeigen und jeder Hausfrau Anregungen für ihren Küchenzettel geben. In dem anschließenden Gastraum, in dem die Speisen zu mäßigen Preisen verkauft werden, kann sich jeder von deren hervorragender Güte überzeugen.
rNehgermeisler von einem rasenden Bullen gelötet.
In Kaiserslautern brachen aus dem Schlachthof drei Bullen aus und verbreiteten Schrecken unter den Passanten. Einer der Bullen fiel einen des Weges Kommenden an und verletzte ihn so, daß er mit mehreren Rippenbrüchen ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Erst die Polizei konnte mit der Schußwaffe das wütende Tier erlegen. Die zwei andern Bullen wurden wieder eingefangen. Bei einem weiteren Ausbruchsversuch schloß der 73 Jahre alte Metzgermeister Wilhelm Luth - ringshausen geistesgegenwärtig das Tor, um den rasenden Bullen zu hindern, die Passanten anzufallen. Der Bulle fiel daraufhin Luthringshausen an, spießte ihn förmlich auf und verletzte ihn lebensgefährlich. Rasch herbeigeeilte Helfer konnten den Schwerverletzten befreien, doch erlag er den schweren Verletzungen kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt.
Das kräftige nordosteuropäische Hochdruckgebiet ift noch immer für die Witterung Deutschlands bestimmend. Während jedoch im Westen und Süden im allgemeinen heiteres Wetter herrscht, hat sich im übrigen Deutschland vielfach eine Hochnebeldecke gebildet, auf der strichweise sogar leichter Regen fällt. Es ist zu erwarten, daß sich in diesen Gebieten, zu denen auch der nordöstliche Teil unseres Bezirkes zählt, eine Besserung durchsetzen wird.
Aussichten für Samstag: Abgesehen von Nebel oder Hochnebel, meist heiter und trocken, nachts frisch, östliche Winde.
Aussichten für Sonntag: Vielfach nebelig, sonst im allgemeinen freundliches Wetter.
Lufttemperaturen am 30. September: mittags 15,2 Grad Celsius, abends 8,8 Grad; am 1. Oktober: morgens 3,4 Grad. Maximum 16,2 Grad, Minimum heute nacht 3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. September: abends 12,2 Grad; am 1. Oktober: morgens 8,9 Grad. — Sonnenscheindauer 8,4 Stunden.
Hauptschrtsttetter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein Verantwortlich für Politik und für die Bilderr Dr. Fr W. Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel D A. VIII. 37: 9090. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R Lange. K.-G.. sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr Einzeloerkaufspreis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit der
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