Ur. 205 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger lGensral-Anzeiger für Oderhessen)
Mittwoch t. September t057
Aus der Giadi Gießen.
Werkskonzert bei Echunk s Ebe.
Der September als erster Herbstmonat.
Die Meteorologie, die die Jahreszeiten nicht nach dem Sternenlauf, sondern nach dem sichtbaren Eindruck in der Natur austeilt, rechnet den September bereits als Herbstmonat, indem der 1. September auch gleichzeitig der erste Herbsttag ist, während die kalendarische Rechnung den Herbst erst am 23 September beginnen läßt. Man kann von diesen Termins sagen, daß sie beide keine feste Norm darstellen; in den einzelnen Jahren bestehen große Unterschiede zwischen dem jeweiligen Eintritt herbstlichen Wetters.
Die astronomische Rechnung scheidet für unsere Betrachtung aus. Die meteorologische Rechnung gründet sich zunächst weniger auf rem wettermäßige Erscheinungen, als vielmehr auf die äußere Form der Vegetation. Schon im August konnte man das Welken des Laubes beobachten, man stellte namentlich in der zweiten Augusthälfte eine charakteristische Müdigkeit in der Pflanzennatur fest, es fehlte der kraftvolle Impuls der Vorsommer- und Mittsommerzeit. Im September wird diese Erschlaffung der sommerlichen Vegetation noch deutlicher. Wenn man auch in der ersten Monatshälfte noch nicht von dem bekannten bunten Kleid des Herbstes sprechen kann, so ist doch das allmähliche Absterben der Natur unverkennbar Auf diese Tatsachen begründet sich in erster Linie die Terminisierung des meteorologischen Herbstes auf den 1. September. Andernteils läßt sich auch nicht leugnen, daß der Mittelwert der Temperatur, der gemeinhin als das charakteristische Merkmal der jeweiligen Jahreszeit gilt, im September fühlbar zu sinken beginnt. Der Durchschnitt der Luftwärme bewegt sich zwar m den ersten beiden Wochen des Monats noch um 14 bis 15 Grad, doch ist diese Wärme, die sich in Mittagswerten bis zu 25 Grad (normal) steigern kann, nicht mehr so sicher fundiert, wie die Wärme eines Julitages. Wenn im September, wie es gerade in unserem ozeanisch beherrschten Klima der Fall ist. nur einige Tage die Sonne weniger intensiv scheint, so wird man eine auffallende Abnahme der Luftwärme beobachten können. Es kann daher im September schon zu empfindlichen Temperaturrückgängen kommen, die unter Umständen, wie beispielsweise im vorigen Jahre, in der zweiten Monatshälfte die ersten regelrechten Nachtfröste und in den höheren Mittelgebirgen auch schon Schneeflocken auslösen können.
Das sind natürlich Ausnahmefälle Im allgemeinen veriügt der September in der Volksmeinung und auch beim Bauer als besonderem Kenner des Naturgeschehens noch über einen guten Ruf Der September verteilt gewissermaßen die Dividenden des Sommers, nicht nur in Form der Ernte, sondern auch wettermäßig, indem er aus den Wärmevorräten des Hochsommers schöpft. Da im September die südwestliche Luftströmung vorherrschend ist, bringen diese Winde, selbst wenn sie in die ersten Herbststürme ausarten, immer verhältnismäßig warme manchmal ausgesprochen subtropisch schwüle Luft mit sich. Eine weitere charakteristische Erscheinung ist im September die Neigung zu kontinentalen 'Hochdruckwetterlagen. Wenn eine solche Hochdruckwetterlage in der ersten Septemberhälfte zustandekommt, pflegen zwar nachts die Temperaturen infolge der verlängerten Nachtzeit und der damit verbundenen stärkeren Ausstrahlung erheblich abzusinken, doch steigen im Laufe des Tages die Temperaturen jeweils wieder zu hochsommerlicher Höhe an.
Im einzelnen Verlaufe wird jeder September die ersten untrüglichen Vorstöße des Herbstes bringen Meistens begrenzt sich diese Zeit zwar auf den letzten Teil des Monats, nach dem 20. September, und findet dann in den bekannten Stürmen der Tag- und Nachtgleiche ihren Ausdruck, aber in Jahren mit ausgesprochen unsicherem Wettercharakter — wozu man das laufende rechnen muß —
sind auch Die ersten Septemberwochen in dieser Beziehung schon gefährdet. Die Ausgangspunkte der ersten Herbsteinbrüche im September sind durchweg die nordwestlichen Meere Europas bis in die Polarzone. In diesen Klimagebieten macht die Abkühlung bei dem stark erniedrigten Sonnenstand schon schnelle Fortschritte Ueber Island und dem Nordmeer sind in der zweiten Septemberhälfte die ersten Schneestürme des neuen Winters fällig. Auch Skandinavien, insbesondere die nördlichen Provinzen, erhalten, klimatisch gesehen, im September bereits ihren ersten Winterfrost. Wenn dann die Luftströmungen — wir erinnern wieder an den September des vorigen Jahres — überwiegend nordwestlicher oder nördlicher Herkunft sind, so können sich auch für die mitteleuropäische Klimazone schon empfindliche Temperaturrückgänge ergeben.
Wie in diesem Jahre die Entwicklung verläuft, ist sehr schwer zu sagen Es sei nicht der Hinweis unterlassen, daß man in den kommenden Wochen mit einer erheblichen Steigerung der Sonnenfleckentätigkeit rechnet und daß in Verbindung damit wesentliche Umgestaltungen der Wetterlage, die im August schon zeitweise in Erscheinung traten, sich noch deutlicher durchsetzen können. Ein unbeständiger und unfreundlicher Herbst ist deshalb nicht ausgeschlossen.
Dornoirzeri.
Tageskatender für Mittwoch.
NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude": 20.15 Uhr im Stadttheater, Willy Reichert - Abend. — Gloria-Palast (Seltersweg); „Truxa". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Mein Sohn, der Herr Minister".
7!SB. Ortsgruppe Gießen-Aord.
Am Mittwoch, 1., Donnerstag, 2., und Freitag, 3 d M., wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Nord die Pfundsammlung durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen.
7!GV. Ortsgruppe Gießen-Güd.
Am Mittwoch, 1., Donnerstag, 2., und Freitag, 3. September dieses Jahres, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd die Ledensmittel-Opfer- ringsammlung durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohnerschaft wird gebeten, die Spenden bereitzuhalten
BOM.-Untergau 116.
Dienslbefehl!
Am Mittwoch, 1. Septbr., findet auf der Dienststelle des Untergaues um 19.30 Uhr eine Führerinnen - Besprechung sämtlicher Mädel - Gruppen-, Schar- und Schaftsführerinnen der Gruppen 5, 6, 15. 16, 17, 18, 19/116 statt. Erscheinen jeder Jung- genossin ist Pflicht.
Beim Entrümpeln auf Archivmaterial achten.
NSG. Das Hauptarchlv Der NSDAP., München, hat anläßlich der neuen Entrümpelungsaktion folgenden Aufruf zur Sammlung geschichtlichen Materials erlassen:
Deutsche Volksgenossen! Wenn ihr eure Speicherräume entrümpelt, achtet auf geschichtlich wertvolles Gut! Diele von euch haben noch alte Zeitungen und Zeitschriften Der nationalsozialistischen Bewegung oder unserer früheren Gegner aufbewahrt und aus Mangel einer anderen Ablagemöglichkeit im Speicher untergebracht. Vielleicht habt ihr auch noch alte Briefe oder Akten, die sonst von geschichtlichem Wert fein können. Vernichtet dieses Material nicht, sondern gebt alle Zeitungen, Zeitschriften, Dokumente, Bilder, Flugblätter, Plakate, politische Bücher und Broschüren an das Hauptarchiv der NSDAP., München, Barerstraße 35. Dieses wird
Der Gefolgschaft der Firma Schank & Ebe war am gestrigen Dienstag um die Mittagsstunde eine schöne Werkpause beschieden. Die NS.-Ge- memschaft „Kraft durch Freude" veranstaltete im Einvernehmen mit der Leitung des Betriebes ein Werkskonzert das für die Zuhörer ein schö- nes(Erlebnisrourbe Schon die äußeren Umstände waren der Sache günstig. Das gute Wetter gestattete die Abhaltung des Konzertes im Freien. Die Vorbereitungen waren mit großer Sorgfalt getroffen worden. Im Hofe zwischen dem mächtlgey Portal und dem Hauptbau waren halbkreisförmig viele Bänke aufgefteUt. Die breitästigen Bäume
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hielten den natürlichen
Kvnzertsaal in kühlem
Die Gefolgschaft lauscht aufmerksam den musikalischen Darbietungen.
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Schatten, und nur da und dort brach das Sonnenlicht durch das Blätterdach und warf spielerisch zitternde Kringel auf Mauern, Bänke und den frischen Kies. Das warme Rot mehrerer Hakenkreuzfahnen kontrastierte reizvoll mit dem satten Grün der Blätter.
Der Reichssender Frankfurt a. M. war mit seinen Geräten da und stellte seine Mikrophone mit hohen blitzenden Stativen auf. Inzwischen kam das Musik-Korps I R. 1 16 an und der stattliche Werkchor trat zu einer letzten Probe vor dem Mikrophon an. Bald darauf füllte sich Der weite Hof mit der Gefolgschaft des Betrie- Der Werkschor singt. - bes. Pom Betriebssichrer
bis zum jüngsten Stift nahm jedermann teil. Kreisobmann Hermann Wagner war für die Deutsche Arbeitsfront erschienen. Inzwischen hatte sich auch am Tor eine stattliche Zuhörerzahl eingefunden. Die Schuljugend erschien in hellen Scharen. Mancher Bauer, der gerade mit Kühen ober Pferben unterwegs war, schaute von seinem Wagen aus über bie Mauer unb hörte zu.
Der Betriebsobmann V o l k m a n n hielt eine kurze Begrüßungsansprache unb gab ben Hörern bes Runbfunks einen gebrängten Ueberblick über ben Charakter bes Werkes unb bie Bebeutung ber Erzeugnisse ber Firma.
Dann konzertierte bas Musikkorps bes JR 116 Gießen unter Leitung von Musikmeister Wohlfahrt. Der „Pittoreske Marsch" (Männecke) leitete ein; bann folgten bie Ouvertüre zu „Artistenleben" unb ber Walzer „Im Tal ber schönen Isar" (beibes von Löhr). Anhaltenber Beifall bankte ben Solbaten, benen es eine Freube gewesen sein mag, vor Volksgenossen zu musizieren, bie sich von ber Arbeitsbank, vom Zeichen- ober vom Schreibtisch her zu einer beschaulichen Stunbe eingefunben hatten.
Eine schöne Bereicherung fanb bas Konzert burch brei Lieber bes Werkchores, ber unter Leitung von Dirigent B e n b e r (Watzenborn - Steinberg)
- (Aufnahmen |2]: Neuner, Gießener Anzeiger.) sang. Man hörte „Freiheit, bie ich meine" (Groos), „Zu Straßburg auf ber Schanz" (Silcher) unb schließlich bas „Lieb ber Bauleute" (Schüler). Die Lieber waren sichtlich mit viel Sorgfalt unb Liebe eingeübt worben unb in ihrer Wiebergabe über alles Lob erhaben. Die gesangliche Leistung stand der eines Gesangoereinschores keineswegs nach. Die Gefolgschaft bankte bementsprechenb herzlich
Im weiteren Verlaufe ber Veranstaltung horte man von bem Musikkorps ben „Sommekämpfer- marsch" (Stieberitz), bie „Parabe ber Stranbmxen", bann bas Potpourri „Volk im Lieb" (Robrecht), bas eine Fülle ber volkstümlichsten Weisen brachte, unb zum Abschluß ben „Chikago-Marsch" (Maber). Die Darbietungen, bie burch bie günstigen akustischen Verhältnisse im Hofe zu befonberer Wirkung gelangten, würben immer roieber mit anhaltenbem Beifall aufgenommen.
Der Kreiswalter ber NSG. „Kraft burch Freube" Pg. Müller (Gießen) bankte zum Schluß allen benen, bie zum guten Gelingen ber Werkpause beigetragen hatten, unb schloß bie Veranstaltung mit einem Gebenken bes Führers.
Dankbar unb befriebigt verließ wohl jeber Zuhörer ben Hof, in bem sich Betriebsführung und Gefolgschaft in herzlicher Betriebskamerabschaft vereinigt sahen.
Vor einem Denkmal
Von Werner Schumann.
In ber schönen, leuchtenben, bächle-burchrausch- ten Stabt Freiburg im Breisgau wars, auf bem Rathausplatz mit bem Brunnenbenkrnal bes Berthold Schwarz, als eine kleine, apfelkauende Badenserin auf den steinernen Mönch zeigte und mich treuherzig fragte:
„Du, Onkel, ist das da oben ein Heiliger?"
Ein Heiliger? Hm. Er trägt freilich die Mönchskutte, der nachdenkliche Mann, unb ich hab ihm wohl über Gebühr lange ins ernste unb boch auch milbe Gesicht geschaut, aber ein Heiliger ist er darum wohl kaum, denn er hat immerhin das Schießpulver erfunden, was zu feiner Zeit eine Revolution des gesamten Kriegswesens bedeutete; und so weiche ich denn der delikaten Frage aus unb tröste bie schwarzhaarige Freiburgerin:
„Ein Heiliger nicht grab, boch ein sehr kluger Mann, ber eine große Erfinbung gemacht hat."
Unb hab's kaum ausgesprochen unb einen fluchtigen Augenblick an Bertholb Schwärzens finsteres Labor geb ad) t mit Salpeterbämpfen, Schwefel unb allerlei mysteriösen Gasen, ba kommen auch schon schneeweiße Tauben herbeigeflattert, um sich anmutig auf ber kreisrunben, kappedebeckten Tonsur unb ber Hanb nieberzulassen, bie finnenb zum Kinn erhoben ist.
Sieh ba, bie Tauben! Die Boten bes Fnebens haben sich augenscheinlich mit bem Schießpulver- Erfinber ausgesöhnt. Unb nicht erst seit gestern unb heute. Es kann kein Zweifel bestehen, baß ganze Tauben-Generationen ben täglichen Weg zu Schwärzens Linker unb ber höchsten Stelle seines sanft geneigten Hauptes fanben. Denn sie haben, wie es Tauben zu tun pflegen, unmißverstänbliche Spuren hinterlassen.
In ber Tat em Bilb, bas nachbenklich stimmt. Zwar herrscht über bas Leben unb Treiben bes Bertholb Schwarz, ber bürgerlich Konstantin Anck- litzen hieß unb in ber weinbergumsäumten Stabt Freiburg vor über 600 Jahren zur Welt kam, noch immer Unklarheit, unb man weiß nicht recht, ob er bie weltbewegenbe Erfinbung in Mainz ober Nürnberg, m Goslar ober m Köln ober vielleicht gar im Gefängnis gemacht hat, wohin man ben schwarzen Magier Schwarz — ben Namen trugen ihm seine „teuflischen" Schwarzkünste ein — wegen gefährlicher Zauberei brachte Nur ein Narr auch könnte seine epochale Erfinbung geringer ansehen, weil sich bie Jnber unb die Chinesen schon vor der
christlichen Zeitrechnung mit derlei explosiven Dingen abgaben.
Ader dennoch, dennoch, großer Chemiker des Mittelalters Berthold Schwarz — und obwohl das Schießpulver ein halbes Jahrtausend lang Städte sprengte, Länder verwüstete und Millionen Menschen tötete oder verstümmelte — dennoch zittert die Welt heute vor weitaus schrecklicheren Möglichkeiten und Gefahren, und es könnte einmal, was wahrlich niemand wünscht, der unselige Tag kommen, ba bas Schießpulver nur noch als ein verhältnismäßig harmloses unb humanes Mittel ber gegenseitigen Vernichtung betrachtet wirb.
Ihr „zwei schneeweißen Tauberln", soll man euch symbolisch nehmen? Ihr scheint wahrhaftig euren Frieben geschlossen zu haben mit bem schwarzen Magier Schwarz in ber Franziskanerkutte. Ja, gurt nur, plustert euch, schnäbelt euch nur hurtig zu an bes steinernen Mannes Nasenspitze vorbei!
Schau ihn bir nur ruhig an, kleine, barfüßige Freiburgerin. .
Es ist kühl unb friebvoll hier am Brunnlem zu Füßen bes Postaments, bas Leben rauscht vorüber, es duftet von irgenbwoher nach bem prächtigen „Kaiserstühler", zärtlich gurren bie Tauben ini ber Höh' unb rinnt aus ben Röhren bas silberne Wasser.
Atienglische Anekdoten.
Gesammelt von Karl Kerbel.
A b f d) i e b.
Einer jener überlebensgroßen Iren, bie, wenn sie besonbers stattlich geraten swb heutzutage ben Stolz ber Neuyorker Schutzmannschaft bllben, würbe von einem englischen Offizier gebnllt. Der aufgeregte kleine Hauptmann mar mit femem Rekruten gar nicht zufrieben unb Idjob ihm bie Stockkrucke er- „K°pf hoch! Augen fiej?nbUfo soll ich's immer machen, Sir?" fragte
„Ich
unb unb bem
d°,Jawohl!" krähte der kleine Hauptmann. „Dann leben Sie wohl,„ <5ir , sagte Pabby.
sehe Sie niemals roieber."
S.ie sollen es roieber haben.
Ein alter Abvokat, ber in seinem langen ruhmreichen Leben zahllose Prozes - g°,uhr fast ebenfooiele gewonnen hatte biftierte auf Totenbett ein Testament, burch bas er sein riesiges Vermögen den Irrenhäusern des Landes vermachte.
„Aber warum denn gerade den Irrenhäusern?" fragte sein Schreiber fassungslos vor Staunen.
Der alte Advokat lächelte.
„Von den Verrückten in England habe ich mein Geld bekommen", sagte er. „Sie sollen es wieder haben."
Das Schicksal begünstigt einen Quacksalber.
Zu einem Quacksalber, der in Kent sein sittenwidriges, aber einträgliches Gewerbe trieb, kam ein Bauer und verlangte ein Mittel, das ihm dazu verhelfen sollte, ein verlorenes Schaf wiederzufinden. Es nutzte dem Wunderdoktor nicht, daß er den Fall mit eindringlichen Gebärden als nicht in sein Fach schlagend ablehnte: Der Bauer drohte unzweideutig mit dem, was man im alten Oesterreich „Brachialgewalt" nannte; und seine Brüder unb Vettern murmelten im Hintergrund einen bumpf bebroh- lichen Bestätigungschor. Gab also ber Quacksalber bem ßanbmann ein paar Pillen, bie ihn nach menschlicher Voraussicht zunächst am Wieberkom- men oerhinbern mußten; bann bachte er ernsthaft unb angstvoll nach unb erwog eine Ortsveränbe- rung.
Das Schicksal inbessen hatte einen wohlgelaunten Augenblick. Der Bauer nahm zur Vorsicht alle Pillen auf einmal —, so baß er schon auf bem Heimwege jählings in braufenbem Galopp in em Wälbchen sauste.
Was aber fanb er in bem Wälbchen?
Sein verlorenes Schaf.
Seither hätte auch ein Massensterben ber Patienten ben Ruf bes Quacksalbers nicht mehr zu erschüttern vermocht.
Der I b i o t.
In einem Dorfe bei Southampton hatten sie einen Jbioten, ber seine Tage mit stiller Heiterkeit unb unermeßlicher Nahrungsaufnahme verbrachte. Die Kräfte, zu benen er bei biefer Lebensweise gebiet), suchte man wenigstens baburch nutzbar zu machen, baß man ihn bei Gottesbiensten bie Orgelbälge treten ließ.
„Das haben wir mal roieber sein gemacht", sagte eines Sonntags ber Jbiot zum Küster, als bie Orgelmusik besonbers schön geraten war
Wir —?!" fragte ber Küster entrüstet. „Was hast benn b u bamit zu schaffen? Du wolltest wohl sagen, baß i ch es fein gemacht habe, bu Idiot."
Schön — Jbiot. Am nächsten Sonntag aber erstarrte ber Küster mitten im Choral vor Entsetzen, al-; er plötzlich sozusagen ins Leere griff Es fehlte ben Tasten ber Orgel jener Luftwiberstanb, der die
Töne erzeugt. Um es kurz zu sagen: die Bälge standen still.
In diesem schrecklichen Augenblick, als schon der Gesang ber oerrounberten ©emeinbe verebbte, sah ber Küster neben ber Orgel ein lächelnbes Gesicht auftauchen.
„Na, wie ist's?" fragte ber Jbiot. „Wollen wir nicht boch lieber .mir1 sagen?"
„Old B a i 1 e y“.
In Old Bailey, bem alten Lonboner Gericht, verhanbelten sie einmal über einen Delinquenten, ber erhebliche Diebstähle begangen unb baher eine zuverlässige Aussicht aufs Gehängtwerben hatte. Es staub schlimm für ihn.
„Habt Ihr noch irgenbwas zu Euren Gunsten vorzubringen?" fragte ber Richter.
„Euer Ehren!" sagte ber Delinquent unb blickte mit seinem stoppeligen Porter- unb Alegesicht treuherzig zum Richter auf. „Den ganzen Morgen ist hier immer nur von mir unb meiner schäbigen Angelegenheit bie Rebe gewesen. Ich finde, jetzt ist's aber genug. Wollen wir nun nicht mal von was anberem reben?"
6od)fd)ulnad>rirf)fen.
Professor Dr Max D i n g l e r , ber zuletzt als Leiter ber zoologischen Abteilung bes Forstinstituts ber Universität Gießen tätig war, ist jetzt zum 1. Direktor ber Staatlichen Sammlungen für Na- turkunbe in München ernannt worben, nachbem er am 1 Mai v I. bereits kommissarisch zur Leitung ber bis bahin von ber Akabemie ber Wissenschaften verwalteten Wissenschaftlichen Sammlungen bes bayerischen Staates berufen worben war
Professor Dr. Ernst Rubolf Huber, Orbinarius für Staats- unb Verwaltungsrecht an ber Universität Kiel, ist m gleicher Diensteigenschaft an bie Universität Leipzig berufen worben.
Dem ao. Professor Dr.-Jng. Friebrich Müller in Dresben ist unter Ernennung zum Orbinarius ber Lehrstuhl für physikalische Chemie und Elektrochemie an ber Technischen Hochschule Dres« ben übertragen worben
Die orbentlichen Professoren Dr Aloys Fischer (Philosophie, Päbagogik, Psychologie) unb Dr. Walther Brecht (Deutsche Literaturgeschichte) an be? Universität München Jinb auf Grunb von § 6 bes Berufsbeamtengesetzes (Vereinfachung ber Verwaltung) von ben amtlichen Verpslichtun« gen entbunben worben.


