90 Pf., Blumenkohl, das Stück 10 bis 60, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 50, Einmachgurken 5 bis 8, Oberkohlrabi 7 bis 12, Rettich 5 bis 15, Madieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
** Silberhochzeit. Der Hausmeister der hiesigen Dolkshalle, Damian Weiler und Frau Bernhardine, geb. Höflinger, feiern am morgigen Freitag, 2. Juli, ihre silberne Hochzeit.
** Geschäftsjubiläum. Auf ein 30jähriges Bestehen kann heute die Firma Jughard & Krause, Kohlen, Landesprodukte und Düngemittel, Inhaber Christian Jughard, Ludwigstraße 36, zurückblicken. Kaufmann Jughard entstammt einer bis 1546 nachweisbaren Gießener Familie. Die Firma erfreute sich bis zum Weltkriege eines guten Rufes im internationalen Fouragehandel und hatte gute Geschäftsbeziehungen, in erster Linie zur Schweiz und zu Italien. Kaufmann Jughard ist seit Jahren in einigen Kommissionen der Industrie- und Handelskam
mer tätig und auch Sachberater und Gutachter für den Reichsnährstand.
* *80 Jahre Fä rberei Wallenfels. Die Firma Färberei Wallenfels, Kirchenplatz 21—23, kann in diesen Tagen auf ein 80jähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma hat sich im Laufe der Jahrzehnte durch ihre Arbeit auf dem Gebiete der Färberei, der Chemischen Reinigung, der Dekatur, der Bettfedernreinigung und auch der Kunststopferei einen geachteten Namen verschafft.
* * Mieterjubiläum. Am heutigen 1. Juli sind es 25 Jahre, daß Kanzlei-Assistent i. R. Ludwig Stroh im Hause Sandgasje 11 wohnt. Gewiß ein Zeichen guten Einvernehmens zwischen Vermieter und Mieter!
* * Unfall. Der 30 Jahre alte Arbeiter Emil Oettli aus Hanau, der hier auf einer Baustelle beschäftigt ist, erlitt schwere Fußverletzunyen dadurch, daß er unter einen Rollwagen geriet. Der bedauernswerte Mann mußte sofort in die Chirurgische Klinik gebracht werden.
Kameraden der Leibgarde feiern Wiedersehen.
Rückblick auf eine ruhmreiche Regimentsgeschichte.
Leibgarde-Jnf.-Regt. 115, das älteste und einzige Regiment der deutschen Armee, das die ehrenvollen Namen „Leib- und Garde"-Regiment gleichzeitig trug. Am 11. März 1621 wurde es gegründet. Schon im 30jährigen Krieg erhielt es die Feuertaufe bei den Kämpfen im Busecker Tal. Von 1689 bis 1696 kämpfte es an der Bergstraße, am Rhein und in den Niederlanden gegen Frankreich. In den Erbfolge- kriegen, 1702 bis 1735 wurde es in die Kämpfe bei Friedlingen-Speyerbach, am Mittel- und Oberrhein und zur Erstürmung der Feste Landau eingesetzt. Im Revolutionskriege 1792/95 ncchrn es an der Einnahme von Mainz und an den Schlachten bei Buchsweiler, Lembach und Weißenburg hervorragenden Anteil. Es folgten die Kämpfe bei Kreuznach und Planig und die Erstürmung der Wiesbadener Platte 1795/96. 1797 stand das Regiment angriffsbereit am Lech. 1806/07 belagerte es unter Napoleon Graudenz und Stralsund; 1809 griff es in die schweren Kämpfe bei Aspern und Wagram ein. In voller Kriegsstärke (15 000) Mann) marschierte es 1812 mit Napoleon nach Rußland und kam nach den Kämpfen an der Beresina usw. mit nur 18 Mann zurück. Die anderen waren gefallen, gestorben, erfroren und verhungert. Neu aufgestellt 1813 verteidigte es in der Völkerschlacht bei Leipzig das bekannte Grimmasche Tor und verlor dort in zwei Tagen 379 seiner tapferen Söhne. 1814/15 stürmte es die befestigten Orte Rheinzabern, Lampertheim und Mundolsheim. Im Revolutionsjahre 1848 stellte es in den Straßenkämpfen in Frankfurt a. M. Ruhe und Ordnung her. Es folgen die Kämpfe im Badischen bei Großsachsen. Der Feldzug 1866 brachte dem Regiment schwere Kämpfe bei Fronhofen und Aschaffenburg. 1870/71 verlor es bei Gravelotte, St. Privat und Orleans 217 Mann an Toten, 303 Mann wurden verwundet. Im Weltkrieg war es nur an der Westfront einge
setzt. Die Schlachten an der Maas und Marne, an der Somme, in Flandern, bei Verdun, in der Siegfried- und Hermann-Stellung, die Erstürmung des Pfefferrückens, des Caures-Waldes, der Einsatz bet Fort Douaumont und bei der großen Schlacht in Frankreich und andere Unternehmungen forderten vom Regiment an Toten 2551, an Verwundeten 8707, an Vermißten 433 Mann. Von 438 Offizieren fanden im Weltkrieg 123 den Heldentod, unter ihnen 9 Regiments- und Bataillonskommandeure, 180 wurden verwundet, 16 sind vermißt.
Nüchterne, längst verklungene Namen und Zahlen reden hier von todesmutiger Einsatzbereitschaft, von Heldentum und Vaterlandsliebe, von Pflichtbewußtsein und Kameradentreue bis zum letzten Atemzuge. So reiht sich eine ruhmvolle Wasfentat an die andere durch die Geschichte des ältesten Regiments. Leibgardisten waren es, die seit dreihundert Jahren heilige, deutsche Erde und deutsches Volkstum mit Blut und Leben auf allen europäischen Kriegsschauplätzen verteidigten.
Die letzten dieser großen Leibgardistenfamilie werden nach langer Trennung in den Tagen vom 31. Juli bis 2. August 1937 durch die Straßen ihrer alten Garnison Darm st a d t markieren. Sie werden teilnehmen an der feierlichen Ueoer- gabe ihrer ruhmvollen Vergangenheit an das Traditions-Regiment 115. Die Bevölkerung der alten Garnison, mit ihrem Leibgarde-Regiment fest verwachsen, freut sich mit auf diese Festtage und bereitet sich vor zum würdigen Empfang ihrer treuen Vaterlandsverteidiger.
Diele ehemalige Regiments-Kameraden aus Gießen und unserer engeren Heimat, wie überhaupt aus dem ganzen Hessenlande, werden es nicht versäumen, an diesem Treffen der Kameradschaft teilzunehmen.
Aus den Gießener Gerichtssälen.
Große Strafkammer Gießen.
In der weiteren Verhandlung gegen den G. O. aus Gießen, von der wir gestern berichteten, wegen Sittlichkeitsoerbrechens, Diebstahls und Untreue mußte der Angeklagte auch noch einen Benzindieb- stahl zugeben. Im übrigen bestritt er ganz entschieden, sich der Krankenschwester unsittlich genähert zu haben, obwohl dies die Zeugin unter Eid bekundete und auch sämtliche von dem Angeklagten in dieser Hinsicht angegebenen Entlastungszeugen restlos versagten. Der Vertreter der Anklagebehärde hielt den Angeklagten auf Grund der Beweisaufnahme des Sittlichkeitsverbrechens für überführt und beantragte unter Zubilligung mildernder Umstände wegen Sittlichkeitsverbrechens, fortgesetzter Untreue und Diebstahls in einem Falle eine Gesamtstrafe von einem Jahr, zwei Monaten Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe, außerdem Haftbefehl. Im Falle der Nebellampe beantragte er Freispruch, da sich der Angeklagte zur Wegnahme der Lampe berechtigt hielt. Das Urteil lautete wegen Sittlichkeitsverbrechens, fortgesetzter Untreue und Diebstahls in einem Falle unter Freisprechung im Falle der Nebellampe auf eine Gefamtgefängnis- strafe von 7 Monaten 2 Wochen und 50 Mark Geldstrafe.
Amtsgericht Gießen.
Gestern hatte sich der E. K. aus Gießen vor dem hiesigen Amtsgericht zu verantworten. Der Ange- klagte war zweimal in eine Halle eines Althändlers am Wiefecker Weg eingeftiegen und hatte dort größere Posten Lumpen gestohlen, die er dann verkaufte. Der Angeklagte war geständig und behauptete aus Not gehandelt zu haben. Er fei um diese Zeit arbeitslos gewesen und habe weder Erwerbslosenunterstützung bezogen, noch sei er von zu Hause unterstützt worden. Da die Angaben des Angeklagten den Tatsachen entsprachen, bejahte das Gericht das Dorliegen eines Notdiebstahles an Stelle des tatbestandsmäßig gegebenen schweren Diebstahls. Das Gericht hielt jedoch in Anbetracht der Tatsache, daß der Angeklagte wegen eines Der- mögensdeliktes vorbestraft ist, eine empfindliche Strafe für am Platze und erkannte auf eine G e - fängnisftrafe von einem Monat drei Wochen.
Die nächste Anklage, ebenfalls wegen Diebstahls, richtete sich gegen den W. A. aus Lich. Dieser hatte von September bis November 1936 in Gießen aus Hauseingängen und auf Straßen nach und nach drei Fahrräder und einen Kinderwagen gestohlen und diese sodann verkauft. Die gestohlenen Gegen-
MWiMllWmil
Roman von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.
35. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Ich bin bisher davon ausgegangen, daß der Täter, der sich des Corpus delicti entledigen wollte, die Kugel einfach aus dem offenen Fenster geworfen habe. Er kann sie doch aber auch schräg geschleudert haben; immer vorausgesetzt, daß er sie nicht woanders weggeworfen hat oder noch bei sich aufhebt. Häberlein rief den dienstbaren Geist, verabschiedete sich und machte sich von neuem auf die Suche. Und diesmal hatte er einen Erfolg, der ihm selbst unwahrscheinlich erschien. Er sand nach langer Anstrengung unter einem Akazienbaum, in der Nähe einer Teppichstange, ein kleines abgeplattetes Geschoß, das er wie einen Diamanten in die Tasche steckte. Es war für einen kräftigen Werfer sehr wohl möglich, vom Derwalterfenster aus an diese Stelle zu treffen.
Der Gendarm Häberlein bürstete sich befriedigt die staubigen Knie ab und schritt dann wohlgemut der Station zu. Er zweifelte keinen Augenblick, daß sein Fund die gesuchte Kugel sei. Er verglich im Dienstzimmer sein Mitbringsel mit den übrigen Patronen des kleinen Colt: Das Geschoß war zweifelsfrei aanz von derselben Sorte. Komisch, was solche Leute manchmal für grobe Schnitzer machen! Aber das ist ganz weise von der Vorsehung eingerichtet, sonst würde man diese Kerle ja nie erwischen! philosophierte er.
Dann schrieb er bis in die sinkende Nacht hinein an einem ellenlangen Bericht für den Untersuchungsrichter Dr. Jung.
*
In Schellenberg war gelinde Aufregung. Aus der Stadt war einer vom Gericht gekommen; er hatte einen Schreiber bei sich, und der Fuhrunternehmer aus Büchlkam hatte die beiden von der Bahn ab- holen müssen. Nun saßen sie droben im Saal von der „Sonne" und stellten ein Berhör bezüglich des Tutschek an. Die Leute sahen wispernd zu den
Fenstern empor, hinter denen sich so außerordentliche Dinge abspielten.
Der Untersuchungsrichter, ein Herr Dr. Jung, saß hinter einem langen Tisch, und zu seinen Häupten hing ein Bild des Führers. Dor ihm standen der Gymnastalprofessor Engasser, der prak- ttsche Arzt Dr. $ogg und der Gendarmeriebeamte Häberlein. Der kleine Saal hatte ein nüchternes, fast strenges Aussehen, und man hatte allen Zierat wie verwelkte Girlanden und das rot ausgeschlagene Podium aus ihm entfernt. Nur ein bißchen Sonne schien durch die drei Fenster und malte leichtfertige Kringel auf Tür und Tische. Das unruhige Mädchen Anna, der Bürgermeister Gsodmair und der Gastwirt Kern warteten schweigend auf einer hölzernen Bank im Stiegenhaus.
Engasser und Häberlein waren soeben mit ihren Berichten fertig, die das uns Bekannte wiederholten. Dr. Jung, dessen blaßblaue Augen kurzsichtig zu sein schienen, blätterten in einem dünnen Akt. Dann richtete er diese Augen auf Fogg und forschte:
„Sie haben jetzt gehört, Herr Doktor, inwiefern man Ihre Person mit dem Fall Tutschek in Zusammenhang bringt. Der Verletzte ist ja leider noch immer nicht vernehmungsfähig. Was haben Sie auf das alles zu erwidern?"
„Ich bin natürlich wie vom Himmel gefallen. Das ist ja ein ganz wahnsinniger Verdacht. Ich habe doch den Verletzten damals gefunden, have ihn heimgeschafft und seither behandelt, wie Sie wissen. Und da soll ausgerechnet ich der Täter sein?" entgegnete Fogg verstört und drehte an einem Röck- knopf, bis er abriß. Sein Gesicht war blaß.
Dr. Jung putzte seine Brille und sagte nicht unfreundlich: „Sie müssen sich von meinem Amt die richtige Vorstellung machen. Ich bin nicht da, um Sie spitzfindig hineinzureiten, sondern um die Wahrheit zu finden. In diesem Sinne bitte ich meine kommenden Fragen also aufzufassen. Nehmen wir einmal an, das Ganze wäre eine Affekthandlung gewesen. Tutschek hat Sie gereizt, Sie bekamen Streit, der Revolver ging los. Hinterher empfanden Sie Reue über Ihre Tat und suchten sie nach Kräften gutzumachen. Sie nahmen sich des Bewußtlosen an, beförderten ihn in seine Wohnung und wendeten all Ihre ärztliche Kunst an, um ihn am Leben zu erhalten. So könnte es doch gewesen sein?"
stände konnten allerdings sichergestellt und den Eigentümern zurückerstattet werden. Der Angeklagte war ebenfalls geständig. Auch er behauptete aus Not gehandelt zu haben, um dringende Schulden bezahlen zu können. Das Urteil lautete wegen Diebstahls in vier Fällen auf eine Gesamtstrafe von zehn Monaten Gefängnis.
Wegen fortgesetzter Uebertretung des Dolksschul- aefetzes erhielt der F. M. aus Gießen einen Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen über 30 M k. In der auf feinen Einspruch hin stattgefundenen Hauptverhandlung ergab sich einwandfrei die Schuld des Angeklagten. Der Angeklagte hatte,^obwohl er bereits durch die zuständige Schulbehörde auf das Strafbare seines Tuns hingewiesen worden war, wiederholt die bei ihm beschäftigten schulpflich- tigen Lehrlinge von der Schule abgehalten und in seinem Betriebe beschäftigt. Das Urteil des Amtsgericht lautete auf die gleiche, wie im Strafbefehl bereits ausgesprochene Strafe, außerdem wurden dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens auferlegt.
Jtunöfunfprogramm.
Freitag, 2. Juli.
6 Uhr: Choral. — Morgenfpruch. — Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.45: Mutter turnt und spielt mit dem Kind. 11.45: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mitagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Kurzweil nach Tisch. 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Volksmusik. 19.45: 5 funkelnagelneue Schallplatten. 20: Komm mit zum Tanz. Ein fröhlicher Abend. 21: Nachrichten. 21.15: Tschaikowsky.
Sinfonie Nr. 6 in H-moll. 22: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Musik zur Unterhaltung. 24 bis 1: Nachtkonzert.
Samstag, 3. 3uli.
6 Uhr: Choral. — Morgenfpruch. — Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau hör zu. 11.40: Nur Frankfurt: Gau- nachrichten. 11.50: Deutsche Scholle. 12: Vyn Breslau: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Bitte recht freundlich! Schnapp- fchüffe aus dem Reich der zehnten Muse. 15.15: Volk und Wirtschaft. 15.30: Viel Freude mit sich bringt die fröhlich Sommerzeit. 16: Bunte Melodien. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Militärkonzert. 20: Aus einer Liebesmappe. Ein musikalisches Stimmungsbild. In der Pause (21 bis 21.15): Zeitangabe, Nachrichten. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Wir tanzen in den Sonntag. 24 bis 1: Nachtkonzert.
Giegregulierunq bei ßiferfetö.
LPD. Siegen, 30. Juni. Gegenwärtig wird im Siegerland ein großes Projekt durchgeführt, und zwar handelt es sich um die Regulierung der Sieg bei Eiferfeld, die wegen der ständigen Hochwassergefahr notwendig wurde. Hier wird der Fluß e i n vollkommen neues Bett bekommen; Stau- und Fallwehre werden für einen guten Abfluß der Wassermassen sorgen. Daneben werden auch noch die Nebenflüsse der Sieg in diesem Gebiet reguliert. Bei dem Projekt finoen 160 Volksgenossen lohnende Beschäftigung.
Der Sternenhimmel imZuli 1937.
Von Dr. Erwin Koffirma.
Ihren Umlauf um die Sonne vollendet die Erde in zwölfmal kürzerer Zeit als Jupiter. Daher überholt die Erde den großen Planeten Juviter, der zurückbleibt und scheinbar „rückläufig", bas heißt langsam nach Westen wandert. War Jupiter in den Frühlingsmonaten nur am Morgenhimmel im Osten sichtbar, so ist er jetzt viel weiter nach Westen gerückt und geht mit dem Sternbild des Schützen, wo er sich aufhält, Anfang Juli bereits um 21 Uhr, Ende des Monats um 19 Uhr auf. Am 15. Juli gelangt Jupiter in die Oppositionsstellung zur Sonne und erreicht zugleich seinen geringsten Abstand von der Erde. Freilich trennen uns dann immer noch 619 Millionen Kilometer von dem Riesenplaneten, rund das Vierfache des Sonnenabstandes. Die Stellung Jupiters genau gegenüber der Sonne ist für die Beobachtung die günstigste, denn wir blicken dann auf feine voll beleuchtete Scheibe, deren Helligkeit im Juli ihren Höhepunkt erreicht. Jupiter ist mehr als sechsmal so hell wie Arkturus. Seiner gewaltigen Größe ist es zuzuschreiben, wenn Jupiter nächst der uns viel näher stehenden Venus das hellste Gestirn ist. Jupiter übertrifft die Erde im Durchmesser um das elffache, in der Oberfläche um das 126fache. Trotz der geringen Höhe des Planeten über dem südlichen Horizont wird der Sternfreund, der über ein kleines Fernrohr oder über ein lichtstarkes Feld glas verfügt, an klaren Abenden die vier großen Monde des Jupiter beobachten können.
Venus leuchtet als Morgenstern am Osthimmel in höchster Strahlenfülle. Am 5. Juli bildet sie mit der scheinbar dicht neben ihr stehenden schmalen Sichel des abnehmenden Mondes eine reizvolle Konstellation. Mars bewegt sich rechtläufig im Skorpion und ist tief am abendlichen Südwesthimmel als auffälliges, rötlich-gelbes Gestirn sichtbar. Seine Helligkeit nimmt mit zunehmender Entfernung langsam ab. Saturn geht kurz nach Mitternacht auf; wir finden ihn im Sternbild der Fische als Stern erster Größe.
Betrachten wir nunmehr den abendlichen Fixsternhimmel gegen 23 Uhr, so bemerken wir zunächst die besonders im Norden recht erhebliche Aufhellung des Himmelsgrundes, welche nur die helleren Sterne erkennen läßt. Bis Mitte Juli dauert in Norddeutschland die Zeit der hellen Nächte. Hoch im Süden finden wir das Sommerdreieck, dessen Eckpunkte von Wega, Deneb und Atair gebildet werden. Die in blauweißem Licht funkelnde Wega steht säst im Zenit; sie ist der hellste Fixstern des nördlichen Himmels, 27 Lichtjahre entfernt und besitzt die 60fache Leuchtkraft der Sonne. Atair im Adler ist bei einem Abstand von 16 Lichtjahren oder 150
Billionen Kilometer einer der uns am nächsten stehenden Fixsterne. Trotzdem kann man sich von dieser Entfernung nur schwer eine richtige Vorstellung machen. Atair ist eine Billion Mal so weit von uns entfernt wie die Sonne. Lassen wir die Strecke Erde—Sonne (150 Millionen Kilometer), zu deren Zurücklegung ein Schnellzug 170 Jahre benötigen würde, auf einen Meter zusammenschrumpfen, so würde Atair in diesem Maßstab 1000 Kilometer entfernt fein, was der Strecke Berlin—London oder Berlin—Florenz entspricht; Atair würde dabei noch etwas kleiner fein als ein Fünfpfennigstück. Sein wahrer Durchmesser beträgt das IVrsache der Sonne.
Das Sommerdreieck liegt im Bereich der Milchstraße, die sich vom Schützen im Süden über Adler, Schwan, Cepheus und Kassiopeia zum Perseus im Nordosten zieht und die Ende Juli, wenn die Hellen Nächte vorüber sind und fein Mondschein stört, wieder als reich gegliedertes Silberband auf dunklem Himmelsgrund sichtbar wird. Ihre größte Helligkeit erreichte die Milchstraße in der schonen kreuzförmigen Sternfigur des Schwans. Oestlich der Milchstraße sind das große Sternbild des Pegasus und die Andromeda heraufgekommen. Westlich der Wega bemerken wir den Herkules, in dem wir uns mit Hilfe eines Fernglases leicht den berühmten Kugelsternhaufen aufsuchen, der als kleiner milchiger Fleck erscheint; ferner die einen zierlichen Halbkreis bildende Nördliche Krone und den Bootes mit Arkturus, dem hellstrahlenden gelben Riesenstern. Ties am südwestlichen Horizont flimmern der rötliche Antares im Skorpion und Sterne der Waage.
Wenden wir uns nun der nördlichen Himmelsgegend zu, so sehen wir im Noridosten die W»fötr mige Kassiopeia, deren mittelster Btern im Frühjahr seine Helligkeit verdoppelte und noch immer der hellste des ganzen Bildes ist. Links vom Polarstern steht der Himmelswagen im Großen Bären. Seine Deichsel ist nach oben auf Arktur gerichtet, während die Stellung des Kleinen Bären gerade umgekehrt ist. Der Polarstern ist jetzt der unterste von den Sternen des Kleinen Bären. Zwischen Großem und Kleinem Bären können wir leicht die gewundene Sternreihe des Drachen verfolgen. Am Nordhorizont, im Bereich des hellen Dämmerungsbogens, funkelt die Kapella.
Die Lichtgestalten des Mondes fallen auf folgende Tage: letztes Viertel 1., Neumond 8., erfters Viertel 15., Vollmond 23., letztes Viertel 30. Juli. Im Gegensatz zum winterlichen Vollmond, der hoch und weiß glänzend am Himmel steht, zieht der Sommermond tief am Südhimmel feine flache Bahn und taucht die Landschaft in ein mildes, gelbliches Licht.
„Könnte — sehr richtig, aber es war nicht so!" rief Fogg leidenschaftlich. „Ich kann nur immer wieder beteuern: Ich habe keine Ahnung, wer den Verwalter so zugerichtet hat und wie mein Colt aus meinem Pult an jenen Weiher kommt."
„Erzählen Sie uns einmal das mit der Kugel, die Sie verloren haben."
„Ich habe mir damals gesagt: Das Geschoß muß unter allen Umständen entfernt werden; man hat nicht gern einen Fremdkörper in der Wunde. Am Tage nach dem Unglück habe ich ihn denn auch mit einer langen Pinzette vorsichtig herausgenommen, kurze Zeit betrachtet, und dann ist er mir entglitten. Nachdem die Wunde versorgt und verbunden war, habe ich danach gesucht, aber die Kugel nicht mehr gefunden."
„War jemand im Krankenzimmer zugegen, als dies passierte?"
„Nein. Ich hatte die Magd um neues Wasser fortge schickt."
„Wäre es nicht besser gewesen, zuerst nach dem Geschoß zu suchen und bann erst die Wunde zu verbinden, die ja wohl nicht mehr so start blutete? Sie mußten als gebildeter Mann doch annehmen, daß gerade dieses Geschoß für die Aufklärung des Falles recht wichttg fei?"
Fogg überlegte eine Sekunde, bann erwiderte er: „Offen gestanden, ich habe damals gar nichts angenommen. Mir ging die medizinische Seite der Angelegenheit im Kopf herum. Ich fand es nämlich wunderbar, daß die Kugel vor dem Femurknochen haltgemacht hatte und die Blutung trotz meines Herumbohrens im Schußkanal nicht wieder von neuem heftig einfetzte. Aber selbst wenn ich mir klargemacht hätte, wie wichttg bas Geschoß für ben Gang der Untersuchung wäre, hätte ich trotzdem so und nicht anders gehandelt. Meine Hände waren desinfiziert, die Wunde wartete auf schleunigen Verschluß, ich hätte beim Suchen Staub aufroirbeln müssen — nein, ein Fahnden nach dem Ausreißer kam erst später in Frage."
„Sie haben also erst hinterher gesucht. Sehr intensiv?"
„Meiner Ansicht nach, ja. Ich verlor die Kugel zwischen Bett und Fenster, in nächster Nähe der Chaiselongue; es lag eine Menge Zeug herum, Bettvorleger, Teppich, die Decke über dem Ruhe
sofa, die Bodenenden der langen Stores; kurz, ich habe mein möglichstes getan, aber nichts gefunden."
„Und wie ist das mit der Magd?"
„Die Magd pflegte Tutschek, bas heißt, sie tut es noch. Ich bat sie, noch mal warmes Wasser aus dem Schloß zu holen. Sie blieb ziemlich lange aus. Wahrscheinlich mußte das Wasser erst warmgemacht werden. Als sie endlich zurückkam, war ich mit dem Suchen bereits fertig und schrieb gerade ein Rezept. Dann erklärte ich ihr noch einiges hinsichtlich der Pflege des Patienten. Darüber habe ich die Kugel ganz vergessen."
„Sie haben sie also nicht beauftragt, nach dem Geschoß nochmals tüchtig zu suchen oder beim Zusammenkehren achtzugeben?"
„Nein, das habe ich leider nicht."
„Auch später nicht?"
„Doch. Als der Gendarm Häherlein so großen Wert auf das Geschoß legte,, habe ich die Magd gebeten, alles von oben bis unten umzukehren."
„Hm, da war es ja wohl zu spät", sagte Dr. Jung, seinen Bart streichelnd. „Wie erklären Sie sich, daß Wachtmeister Häberlein das Geschoß draußen im Freien gesunden hat?"
„Vielleicht hat die Aufwärterin es beim Saubermachen zusammengekehrt oder mit einem Teppich unwissentlich hinausgeschüttelt. Ich kann das nicht sagen."
„Aber Sie werben immerhin zugeben, daß dies alles sehr belastend für Sie ist, nicht?"
Fogg zuckte die Schulter.
Dr. Jung fuhr fort: „Der Schießsachoerständige hat festgestellt, daß das beim Derwalterhaus gefundene Geschoß aus Ihrer Waffe abgefeuert wurde. Betrachten Sie es, bitte. Ist es dasselbe, bas Sie aus der Wunde entfernt haben?"
„Es scheint so, Herr Untersuchungsrichter."
„Zwischen Ihnen und Herrn Tutschek bestand seit längerem eine gewisse Feindschaft?"
„Feindschaft ist vielleicht zuviel gesagt, Herr Untersuchungsrichter. Wir mochten uns nicht. Er war mir unsympathisch, seit er mich beim Verkauf meines Waldes übervorteilt hatte. Außerdem hat er mir einen durchaus unmöglichen Vorschlag bezüglich eines anderen Geschäfts gemacht. Zudem hat er eine Zeitlang meiner Haushälterin nachgestellt, und das paßte mir nicht."
Fortsetzung folgt


