Der Gauleiter zu Den Sommerlagern des VDK
NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, der den Schulungsstätten und Lagern des BDM. immer größtes Interesse entgegenbrachte und sie tatkräftig unterstützte, nahm dieser Tage Veranlassung, sich mit Obergauführerin Else Riese eingehend über die Sommerlager zu unterhalten.
Die Obergauführerin konnte berichten, daß dieses Jahr 18 Lager mit einer Aufnahmemöglichkeit von 15 000 Mädeln durchgeführt werden. Diese Lager stellen sowohl in der Auswahl der Gebäude und deren Ausstattung, als auch im Einblick auf Führung, Freizeitgestaltung und Verpflegung einen erheblichen Fortschritt gegenüber dem Vorjahr dar. Die Laaerleiterinnen sind ausgesuchte und bewährte BDM.-Führerinnen, denen je eine Helferin und Köchin zur Seite steht. Für die gesundheitliche Betreuung der Lagerbelegschaft sorgt ein Lagerarzt, der wöchentlich zweimal Besuche macht; zu schneller Hilfe ist außerdem ein Unfall-Dienst-Mädel im Lager.
Die BDM.-Sommerlager haben in erster Linie eine große soziale Aufgabe zu erfüllen. Es kommt vor allem darauf an, dem Mädel aus der Fabrik, aus dem Büro oder Haushalt, das sonst keine Erholungsmöglichkeit hat, für wenig Geld (2 Mark für die Woche) einen frohen und sinnvollen Urlaub zu verschaffen. Unsere Sommerlager sind deshalb keine Schulungskurse und ganz darauf abgestellt, den im Berufsleben abgespannten und eingeengten
jungen Menschen durch Sport und Bewegungsspiele aller Art wieder frisch und lebensfroh werden zu lassen. Sing- und Heimabende bringen die Mädel, die ja aus ganz verschiedenen Verhältnissen kommen, einander näher und vermitteln ihnen — ob sie nun dem BDM. selbst, oder der DAF. angehören — das Erlebnis der Kameradschaft eines großen Mädelbundes, stellen sie mitten hinein in das Erlebnis unserer Zeit und praktisch gelebte Volksgemeinschaft.
Der große finanzielle Einsatz der NSV. zur Einrichtung und Verpflegung der Lager und der führende und betreuende des BDM. können jedoch nur vollen Erfolg bringen, wenn zwei wichtige Faktoren mitarbeiten: Schule und Betrieb.
Wir begrüßen daher ganz besonders die Verfügungen der zuständigen Behörden an die Schul- leitungen, in denen eine großzügige Beurlaubung der Schülerinnen zur Teilnahme an den Sommerlagern angeregt wird.
Gauleiter Sprenger sprach zum Schluß der Unterredung die Erwartung aus, daß auch die Betriebsführer sich der sozialen Forderung nicht verschließen, ihren jungen Gefolgschaftsmitgliedern Gelegenheit und womöglich auch die Mttel zu geben, sich in einem Sommerlager des BDM. und der Hitler-Jugend neue Kraft und Arbeitsfreude zu holen.
Oivisions-auerritt.
Trotz fortschreitender Motorisierung des Heeres sind die Erhaltung der Reitfertlgkeit und ihre ständige Förderung von großer Bedeutung, da immer wieder Lagen eintreten werden, in denen die Leistungen von Pferd und Reiter nicht durch den Motor ersetzt werden können. Neben der ständigen Reitausbildung, den herbstlichen Jagden und Der Teilnahme an Turnieren muß jede Gelegenheit genutzt werden, die jungen Ofiziere auf eine Höchstform ihres reiterlichen Könnens zu bringen, damit sie allen Anforderungen, die im Krieg und Frieden an sie herantreten, jederzeit gewachsen sind.
Für die Offiziere des IX. Armeekorps ist daher für das Jahr 1937 erstmalig ein Wettbewerb ausgeschrieben worden, der in den einzelnen Standorten der Division als D i o'i f i o n s i> a u e r * ritt und im Herbst als K o r p s d a u e r r i t t gestartet wird.
Teilnahmeberechtigt sind in diesem Jahre die Offiziere. Für die nächsten Jahre ist auch ein Wettbewerb für Unteroffiziere vorgesehen. Die Bedingungen des Dauerritts sind sehr mannigfaltig und stel
len an die Leistungsfähigkeit der Pferde und beteiligten Offiziere erhebliche Ansprüche. Es wird eine Strecke von 60 bis 70 Kilometer geritten. Davon sind 8 Kilometer Geländestrecke mit 12 Hindernissen und Gräben bis zu 3 Meter Breite und eine Findigkeitsstrecke von 12 Kilometer. Im übrigen wird auf Wegen geritten. Auf der Strecke finden mehrere Derfassungs- und Schießprüfungen statt. Die Ausrüstung ist feldmarschmäßig. Das Mindestgewicht von Reiter und Ausrüstung hat 90 Kilogramm zu betragen. Für die Dauer der Hebung ist eine Mindestzeit von 9 und eine Höchstzeit von 10 Stunden vorgeschrieben. Am zweiten Tag werden eine Dressurprüfung und ein Jagdgalop'p über 1 Kilometer mit 6 Hindernissen veranstaltet. Die Teilnehmer werden nach Zeit und Fehlerpunkten gewertet.
Der Start zum Dauerritt der 9. Division erfolgt für die Standorte Gießen, Wetzlar und Butzbach am Donnerstag, 3. Juni, um 4.30 Uhr auf dem Trieb. Die Teilnehmer stellen sich um 4.15 Uhr dem Kampfgericht an der Volkshalle.
Da schreitet der Bauer zur ersten Ernte des Jahres.
Wo sich das Tal verbreitert und die Hügel auseinandertreten, dehnen sich die Wiesen. Noch hängt der Tau an den Gräsern und Blumen. Wenn sich der Morgenwind erhebt, weht das Gras in Wellen, darüber wandern die Wolken am Himmelszelt wie einst. Die Lerche singt ihr Lied von der Unendlichkeit, ihre Melodien haben kein Ende, steigend und immer steigend, der Sonne zu ...
„Im schönsten Wiesengrunde", heißt es im Volkslied. Ja, es ist so. Welch' wundervolles Bild, wenn die schlanken Blätter an den langen Halmen vom Winde bewegt werden!
Und nun kommen die Schnitter, nun fallen Blumen und Gräser. Die Ernte beginnt. Wenn wir abends an den Wiesen Vorbeigehen, bann strömt uns ber Duft bes Heues entgegen. Waren die Wiesen der Tummelplatz der Kinder, so sind es die hoch geschichteten Haufen Heu erst recht. Wer kann ermessen, welche Freude die Kinder empfinden, wenn sie im Heu liegen und Purzelbäume schlagen! Und wie stolz sitzen sie auf dem hoch beladenen Wagen, bucken sich, wenn sie unter den tief hängenden Aesten der Obstbäume vorbeifahren! Daheim aber sind sie fleißig und trampeln das duftende Heu ein, damit der Vorratsraum alles fassen kann.
Das sind reiche Tage des Jahres. Langsam ansteigend gewann die Sonne an Macht. Langsam kam auch in uns das Gefühl der Stärke, und wir möchten sagen: Verweilet! Diese Tage, an denen sich Abend und Morgen fast berühren, möchten wir festhalten. H.
Dornoiizen.
Tageskalender für Dienstag.
Gloria-Palast (Seltersweg) „Die göttliche Jette". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße) „Grenzpolizei Texas".
Abschiedsvorstellung für „Heinrich Hub".
Am Mittwoch, 2. Juni, findet eine einmalige Abschiedsvorstellung für Heinrich Hub statt, der für die kommende Spielzeit an das Stadttheater in Mainz verpflichtet wurde. Es geht der Schwank: „Der blaue Heinrich" von Schwartz und Lengbach in Szene. Spielleitung Günter Winkel. Bühnenbild Karl Löffler. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß für diese Vorstellung Sommerpreise gelten. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr und endet 22.30 Uhr.
NSDAv. - Ami für Dolkswohlfahri.
Ortsgruppe Gieheu-Nord.
Am Dienstag, 1., und Mittwoch, 2. Juni, wird im Bereich ber Ortsgruppe Gießen-Norb der Lebensmittelopferring durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen.
NSDAP. Ortsgruppe Giehen-Süd.
Hilfskasse.
Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK., die im Bereich ber Ortsgruppe Gießen-Süd wohnen und nicht der Partei angehören, zahlen ihren Beitrag zur Hilfskasse für die Monate Juli, August und September 1937 am Dienstag, 1. Juni, Mittwoch, 2. Juni, und Donnerstag, 3. Juni, jeweils in der Zeit von 20 bis 22 Uhr auf der Geschäftsstelle ber Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29 H.
Wer feinen Beitrag nicht rechtzeitig entrichtet, wirb bei der Hilfskasse in München abgemeldet und hat sich daraus entstehende Folgen selbst zuzuschreiben.
Bon der Universität.
Don ber Pressestelle der Universität Gießen wird uns berichtet:
Der Rektor der Ludwigs-Universität hat im Namen des Herrn Reichs- und preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsstatthalter in Hessen zum Dekan der Medizinischen Fakultät ernannt den ordentlichen Professor der Hygiene Dr. med. Adolf Seifer.
Zu Prodekanen wurden ernannt: In der Medizinischen Fakultät der ordentliche Professor der Allgemeinen Pathologie und Pathelogischen Anatomie Dr. med. Georg Herzog; in der Philosophischen Fakultät, 1. Abteilung, ber beamtete ao. Professor für Neuere Geschichte Dr. phil. Rubolf Gtabelmann ; in ber Philosophischen Fakultät, 2. Abteilung, ber orbentliche Professor für Physikalische Chemie Dr. phil. Hermann Reinholb.
Zugendlustschuhtag am 2. Zuni.
Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat den 2. Juni zum „Jugendluftschutztag" bestimmt. Die Hitler-JugeiÄ) des Standortes Gießen wirb sich am kommenden Mittwoch, 2. Juni, 20 Uhr, auf Oswaldsgarten an einer Brandbekämpfung, das Deutsche Jungvolk an einer Gasmaskenschutzübung beteiligen.
Mädel im Reichssportwettkampf der HZ.
Während die Stadt Gießen in festlichem Schmuck auf den Ehrentag der 116er eingestellt war, traten am Samstag frühmorgens die Jungmädel und Sonntag der BDM. zu Den Reichssportwettkämpfen ber H I. an.
Geschlossen zogen bie Gruppen durch die festlich geschmückte Stadt zu den Sportplätzen. Zu Beginn traten die Kampfrichter und Mädel gemeinsam zum Fahnenhissen an. Den Wettkampf der Jungmädel nahmen BDM.-Führerinnen ab, am Sonntag stellte die Hilter-Jugend in selbstverständlicher Kameradschaft die Kampfrichter für den BDM.
Obwohl es die Sonne fast zu gut meinte, setzte sich jede einzelne für ihre Schaft und Gruppe mit ihrer besten Leistung ein. Trotz des ungewöhnlichen sommerlichen Wetters wurden gute Leistungen erzielt. Von den 900 Jungmädeln, die auf dem VfB.-R.-Platz kämpften, war nur dreien die Sonne etwas zu viel geworden, so daß sie den Unfalldienst beanspruchen mußten. Erfreulicherweise brauchte am Sonntag der Unfalldienst überhaupt nicht in Tätigkeit zu treten, gewiß ein schönes Zeichen für den
Fortschritt in der Sportarbeit. Noch sind die Ergebnisse im einzelnen nicht bekannt. Die besten Gruppen treten am 13. Juni in Gießen auf dem Universitätssportplatz zum Untergauentscheid an.
In den Landgruppen wurden auch vormittags die Dreikämpfe der IM. und des BDM. durchge- führt. Nachmittags waren bie Angehörigen zum Gruppensportfest eingeladen. IM. und BDM. zeigten gemeinsam einen Querschnitt durch unsere Sportarbeit. In einigen Gruppen klang ber Abend als Dorfgemeinschaftsabend aus.
Wir laden jetzt schon alle Volksgenossen zum Untergausportfest 1937 am 13. Juni ein.
Heil Hitler!
Die Pressereferentin tm Untergau.
Einweihung des Skagerrak-plotzes.
Der Oberbürgermeister lädt bie ganze Bevölkerung unserer Stadt zu der Einweihung bes Skagerrak-Platzes an ber Schlageter-Allee ein.
Anläßlich dieser Feier wirb am Samstag, 5. Juni, ein Kameradschaftsabenb bes SA.-Marine-Sturmbannes 11/34 in Verbindung mit ber Marine-HI. und der NS.-Marinekameradschaft ftattfinben. An diesem Abend werden zwei Filme aus der Kriegsmarine durch den Gauführer des No.Marinebun- bc« Fregatten-Kapitän a. D. Ackermann gezeigt werben. Ferner sollen gesangliche unb turnerische Darbietungen ben Abend ausfüllen. i
Am Sonntag, 6. Juni, erfolgt um 10.30 Uhr ber Abmarsch vom Gebäube ber ^A.-Stanbarte. Um 1’ Uhr beginnt die feierliche Einweihung des Skagerrak-Platzes an ber Schlageter-Allee. Um 11.30 Uhr wird eine Skagerrak-Kunstausstellung mit einfüh-
zWlWMMWM
Vornan von Walther Kloepffer
Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin
9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
4.
Als Fogg mit Anna von Donkas Beerdigung in bie Pension zurückkam, fanb er zu seinem Erstaunen die Zimmertür unverschlossen. Das war um so befremdlicher, als er den Schlüssel in der Tasche trug und sich mit Bestimmtheit entsinnen konnte, ben Schlüssel zweimal im Schloß umgedreht zu haben. Sein Erstaunen schlug in lichterlohen Schrecken um, als er ins Zimmer trat. Sein großer Kabinenkoffer mit ben festen Messingbänbern war aufgesprengt, und das darin befindliche Lacklederköfferchen, das er vor der Ueberfahrt in Lima gekauft hatte, war verschwunden. Teufel noch mal, so was konnte auch einem starken Mann in die Beine fahren! Außerdem fehlten seine besten Kleidungsstücke; an den weniger guten Sachen, an den Reiseandenken und der Korrespondenz hatten sich die Gauner nicht vergriffen.
Seine ganzen Ersparnisse in Höhe von rund zwölf- tausend Mark waren weg! Das war das Betrüblichste.
Fogg sank ziemlich erledigt auf dem einzigen Stuhl seines ziemlich tristen Zimmers, schrie die Anna an, weil sie mit dem Heulen loslegen wollte, und schaffte erst einmal Ordnung in seinem wüsten Kopf. Einbruch, klar, man mußte nach ber Polizei schicken. Er sah natürlich ein, baß bas ganze seine Schuld war. Er hätte das Geld entweder in diebessichere Verwahrung geben ober noch besser durch eine Bank gleich an feinen Bestimmungsort überweisen lassen müssen. Aoer was nützte diese Einsicht hinterher?
„Na, das heiße ich ja reichlich Optimismus", begrüßte ihn der von Anna herbeigeholte und bereits unterrichtete Polizeikommissar. „Wer hebt denn auch so viel Geld in einem Pensionszimmer auf? Wirklich leichtsinnig! Sie ermuntern die Leute ja geradezu."
„Schimpfen Sie nicht, Herr Kommissar! Ich sehe ein, Sie haben recht. Aber ich komme aus einer
Gegend, wo man nachts nicht einmal die Tür zuzusperren braucht."
„Idyllisch! Da möchte ich meinen Bezirk haben. Wie heißt denn dieses freundliche Land?"
„Kolonie Santa Agatha in Peru."
Dann nahm der Beamte ben Tatbestand auf. Schließlich sagte er: „Wir tun unser möglichstes, Herr. Aber versprechen kann ich zunächst gar nichts. Daß es jemand aus der Pension war, glaube ich kaum.. Eher ein Bursche aus diesen Hinterhäusern. Die Jungs im Hafenviertel haben es nämlich in sich. Wenn ein Mann wie Sie in solche Spelunke zieht, ist das im Nu ausbaldowert. Und bann wirb eben das Ding gedreht."
„Mein ganzes Geld!" stöhnte Fogg. „Ich bin jetzt blank bis auf bie paar Mark, die ich in der Hosentasche trage. Schöner Empfang in der Heimat, muß ich sagen."
„Na, verlieren Sie nur nicht gleich ben Mut! Wir werden unseren ganzen Apparat in Bewegung setzen, darauf können Sie Gift nehmen. Aber seien Sie anderseits auch nicht allzu zuversichtlich. Wie es ausgeht, ist ein Rathaus." Er schrieb noch zwei Seiten seines Notizbuches voll, bann empfahl er sich.
Anna legte ihren Arm um Foggs Schulter und klagte: „Du tust mir so leid, Onkel Foga! Du warst so gut zu uns, und nun ist das ber Lohn. O Gott! O Gott! Man kommt aus den Aufregungen gar nicht mehr heraus in diesem Hamburg/
„Laß nur gut sein, Kleines! Die Polizei hier ist sicher tüchtig. Vielleicht komme ich wieder zu meinem Geld", tröstet er sich und das Mädchen; aber es war ein Trost, der nicht recht einschlug.
Einige Tage später erkundigte er sich, ob die Nachforschungen schon zu einem Erfolg geführt hätten. Man bedauerte. Es seien noch keine greifbaren Ergebnisse da. Er möge Geduld haben.
„Mein Geld ist nämlich alle. Bis auf den letzten Fünfer. Ich kann doch nicht ewig hier sitzen. Wie soll ich denn nach Schellenberg kommen?"
„Vielleicht wenden Sie sich an den dortigen Bürgermeister um ein Darlehen. Oder sprechen Sie bei der hiesigen Aerztevereinigung vor", riet man ihm.
„Will mal sehen", sagte Fogg, sich entfernend. Er war fest entschlossen, von Diesem Rat keinen
Gebrauch zu machen. Mit seinem Pech bei Kollegen hausieren zu gehen ober sich in Schellenberg als Bittsteller einzuführen, lag ihm nicht. Es müßte doch mit dem Kuckuck zugehen, wenn sich fein anderer Ausweg aus diesem Schlamassel finden ließe. Es hieß nur bas Köpfchen anstrengen.
Er schlenderte gedankenvoll heimzu.
Sein Magen knurrte laut und schamlos. Er hatte gestern seine besten Schuhe bei einem Trödler verkauft, um für sich und Anna wenigstens etwas zum Essen besorgen zu können. Da man aber für getragene Schuhe sehr wenig bekam, war das Geld schon wieder weg. Ihm selber machte so ein bißchen Hunger nicht viel aus, aber bas Mädchen tat ihm leib. Vor einem Bäckerladen endlich, in dem Mohrenkrapfen, Brezeln und knusperige Brötchen ausgestellt waren, hatte er jenen Einfall, der ihm auch noch lange nachher als geradezu genial erschien: Er wollte es mit seinen Reiselichtbildern versuchen.
Er stürmte in die Pension „Heidenfroh", schmiß den Hut auf den unsauberen Tisch und kramte in seinem großen Koffer.
„Du, Onkel Fogg, hör mal!" begann Anna, die aus ihrem Zimmer herübergekommen war, schüchtern.
Aber Onkel Fogg hörte nicht und war ungeheuer geschäftig und betriebsam. Er feuerte Kleider und Wäsche heraus. Die Bilder mußten ganz unten liegen. Richtig, da waren sie.
„Ich habe Hunger"» sagte das Mädchen Anna energischer.
Fogg dachte: Zum Glück hat dieser Pavian von einem Einbrecher mir wenigstens die Aufnahmen dagelassen. Aber welche nehme ich? Am besten wohl die Karibenfische. Ja, die und keine anderen! Das ist etwas Ausgefallenes, etwas Besonderes. Machen wir!
„Onkel Fogg!"
„Ja."
„So hör doch! Ich habe solchen Hunger. Kannst du mir nicht ein bißchen Geld geben? Du mußt nicht denken, daß ich wehleidig und eine Heulliese wär'; aber ich halte es einfach nicht mehr aus. Mir ist schon ganz schwach."
„Nun mach mal die Ohren auf, Anna! Siehst du diese sechs Bildchen? Aus denen mache ich jetzt
renbem Vortrag in der Aula der Pestalozzi-Schule eröffnet. Um 12 Uhr ist Vorbeimarsch am Skagerrak- Platz Ab 12.15 Uhr Marsch durch die Stadt zum Marine-Bootshaus mit anschließender Feldküchen» Verpflegung.
Gießener IBocbenmarttpreife.
* Gießen, 1. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Yi kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9^, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, XA kg 12 bis 15, gelbe Rüben, neue, das Bündel 20 bis 25, rote Rüben 10, Spinat 12 bis 15, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen, grün, 30 bis 35, Spargel, 1. Sorte 35 bis 42, 2. Sorte 27 bis 33, 3. Sorte 22 bis 27, 4. Sorte 10 bis 12, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 50 bis 90, Zwiebeln, neue, 15, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, alte, Yi kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,85 bis 3,95 Mark, neue, V» kg 15 bis 18 Pf., Kirschen 60 bis 80 Pf., Erdbeeren 1,40 Mark, Zwetfchenhonig 45 Pf., Blu- menkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 50 bis 60, Oberkohlrabi 15 bis 18, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 30, Radieschen das Bündel 10 Pf.
** Auszeichnung verdienter Sanitäter. Vor versammelter Sanitätskolvnne wurde den Sanitätskolonnen-Halbzugführern Heinrich Pfeif» f e r und Wilhelm Rink von der Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in Gießen als Zeichen der Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um das Deutsche Rote Kreuz die vom Führer und Reichskanzler gestiftete und den beiden Sanitätern verliehene Medaille des Deutschen Roten Kreuzes durch den Kolonnenführer Kratz überreicht.
** Arbeitsjubiläum. Die Angestellte Fräulein Käthe Weber, Rodheimer Straße 56 wohnhaft, kann am heutigen 1. Juni ihr 25jähriges Arbeitsjubiläum bei der Firma Modehaus Carl No» wack, Seltersweg, begehen. Der Jubilarin wurden zahlreiche Ehrungen bereitet.
** Verkehrsunfall. Am heutigen Dienstag- früh gegen 6.30 Uhr ereignete sich auf dem Horst- Wessel-Wall in der Nähe von Hotel Kohler ein Verkehrsunfall. Dort wurde eine junge Radfahrerin von einem Lastzug überholt. Dabei wurde das Mädel von einer anscheinend seitwärts aus dem Lastzüge herausflatternden Wagenplane erfaßt und zu Boden gerissen. Das bedauernswerte Mädel wurde sofort der Chirurgischen Klinik zugeführt, wo es mit erheblichen Kopfverletzungen barnieberfiegt Lebensgefahr besteht zum Glück nicht.
Die Bluttat an dem Köpperner Jagdlmfer. LPD. Frankfurt a. M., 31. Mai. Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Am 7. Juni wirb vor bem Schwurgericht bes Lanbgerickstes in Frankfurt a M. bie Bluttat an bem Jagbhüter Ernst Hoffmann aus Köppern im Taunus zur Aburteilung kommen. Der Täter ist ber 28jährige berüchtigte Wilberer Wilhelm M i e g e r, ber bei einem feiner Wilberergänge am 16. April in bem unweit Köppern gelegenen Walbbistrikt Bornberg mit bem unbewaffneten Jagbhüter Hoffmann zusammenstieß, biesen zunächst anschoß und dann durch Würgen, sowie Dolchstiche tötete. Wie bei allen diesen Zusammenstößen mit Wilderern gibt der Angeklagte an, er habe sich in Notwehr befunden. Er sei von Hoffmann überrascht worden und im Handgemenge sei ihm dabei ein Schuß losgegangen. Dann habe er Hoffmann gewürgt unb bem bereits auf bem Boden Liegenden im Kampf noch Stiche versetzt. Als Wildererwaffe führte Mie- ger einen Flobert, Kaliber 22, mit sich. Demgegenüber stellt sich die Anklageschrift auf den Standpunkt, daß es sich nach dem Ergebnis ber Ermittlungen um eine vorsätzliche Tötung mit Ueberle- gung hanbelt.
Mieger ließ bie Leiche zunächst am Tatort liegen unb beefte sie mit herumliegenben Tannen- reifern zu. Seinen Vater, ben bereits mit mehreren langjährigen Freiheitsstrafen wegen gewohnheits- mäßiger Wilbbieberei vorbestraften Johann Mieger, ber sich jetzt roieberum wegen gewohnheitsmäßiger Wilberei in Untersuchungshaft be- finbet unb auch schon angeklagt ist, will er erst später hinzugerufen haben, um bann gemeinsam mit ihm bie Leiche vom Tatort ein Stück walbeinwärts zu tragen.
Geld, so Gott will. Sie kommen in eine illustrierte Zeitschrift. Ich roerbe einen netten kleinen Text dazu schreiben. Ich bin zwar kein großer Schriftsteller vor bem Herrn, und im Deutschen habe ich egal eine Drei gehabt, aber es wird schon gehen. Dazu brauche ich aber Ruhe. Also, halte gefälligst einmal die Klappe mit deinem Hungergebrüll und nimm dich noch ein paar Stunden zusammen. Ich bringe dir bann auch was Schones mit. Wie denkst du über Prinzregententorte?"
„Dscha, Prinzregententorte ginge wohl", meinte Anna, unb ihre betrübte Schnute heiterte sich auf.
„Also, bann Haltung unb Abmarsch! Ich fange jetzt an." Fogg war so beschaffen, baß er nicht gleich nach jeder Schlappe bie Waffen streckte. Man konnte mal am Boden liegen, kam vor, aber man durste nicht ausgezählt werden.
Um vier Uhr nachmittags betrat er das Redak- tionsgebäube unb zog bei Herrn Pachulke, bem Portier, Erkunbigungen ein. Um sechs Uhr ftanb er mit gezücktem Manuskript vor bem Schriftleiter. Die Zeit dazwischen kam auf Konto Warten unb Geplänkel mit verschiebenen Zwischeninstanzen, die als Sicherung vor derartigen Ueberfällen eingebaut waren.
„Diese Sache wird Ihre Leser zweifellos interessieren", begann Fogg mutig bas Gefecht.
„Meinen Sie? Na, wir wollen mal sehen", lautete die Antwort. „Um was handelt es sich denn?"
„Um Karibenfische, um Piranhas. Das hier sind bie Aufnahmen. Scharf, nicht? Beste beutsche Kamera, Tropenmobell. Die Tiere werben etwa 30 Zentimeter lang, bevölkern manche Flüsse bes nördlichen Südamerika unb sehen ganz harmlos aus. Aber ihr Gebiß ist schauberhaft. Sie greifen Pferde, Rinder unb babenbe Menschen gleich in ganzen Schwärmen an unb lassen nichts als bas Skelett übrig. Ich habe selbst einen solchen Fall erlebt."
„Ein ganz hübscher Stoff. Gut, nehmen wir. Wohin soll ich Ihnen das Honorar überweisen?"
Fogg murmelte etwas von Geldknappheit, und der Redakteur verstand. Zehn Minuten später schwenkte er vergnügt einige Geldscheine in ber Hanb; es war mehr, als er erhofft hatte. Dann betrat er eine Konditorei; denn er erinnerte sich seines Versprechens.
Fortsetzung folgt


