Einzelbild herunterladen

31-M-1

nilidjeJtofani

Seid | Viiü

0,716 5,694 61,79 48,95

1,165 63,40 56,86 16,98

8,666

0,711 5,71 611 49,1

11, 155 63,5!

56,55 17,M 8,Kl

237

öl

I 8,75 I 6,75 55,75 I 167 I U4,4 I 159 I 138

48 I 167 126,75 I 157 I 143^5 I 118

138 I 156,5 127,25 I 125?9 I 161 154,75 107,65 231,75 136,75

157

129 156,5

154,75

176 98,65

1 219,5

202

122,4

63

117 161,5 32,25

»s

puts HSitt».

^5?

'65,911 %

,191,5 i , '

'S» 1118

" 8

135,1 157,75 136,15 47,8 166,75 ,171 148,5

i

133Z

155 124,5

122,8 152Z 104,75 232,5

1$ 151 128,IJ

151 15!

175 97,25 217,75 201,75

115 « 116 155 31

Nr. 724 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nachklänge zum lltientsag.

Die unvergängliche Frontkameradschast. - Das große Wehrsportfest.

Wenn man heute noch einmal den Blick rückwärts lenkt auf die Stunden des 116er-Tages, so muß man besonders den Eindruck feststellen, daß es sich bei dieser Veranstaltung um ein F e st der ganzen Volksgemeinschaft von Gießen und Umgegend gehandelt hat, das seine Ausstrah­lungen weithin ins Rhein-Main-Gebiet, ja noch er­heblich darüber hinaus bemerkbar machte. Es dürfte wohl nur wenige Veranstaltungen in den letzten Jahren geben, die unserer Stadt so gewaltige Be­suchermengen aus der Umgebung zugeführt haben. Und wenn man sich weiter der vielen herzlichen Wiedersehens-Kundgebungen erinnert, die zwischen den Angehörigen der einstigen Feld­formationen des alten Regiments 116 vor sich gingen, so muß man sagen, daß die F r o n t k a m e- rad schäft über die Kriegsjahre hinaus bis in eine erheblich spätere Alterszeit der Kameraden hin­ein lebendig geblieben ist. Es hat also schon seine Berechtigung, wenn man von alten Feldsoldaten hört, daß die Zeit, des Fronterlebens und die in jenen Jahren geschlossenen Beziehungen von Mensch zu Mensch nicht im Strom des Alltags versinken werden. Beweise dafür haben wir beim 116er-Tag vielfach zu sehen bekommen.

Auf diese Ebene der kameradschaftlichen Verbundenheit, die aus den Jahren der aktiven Dienstzeit und aus dem Kriege bei den alten 116ern lebendig ist, war auch der Telegrammgruß des ehemaligen Großherzogs von Hessen an sein einstiges Gießener Regiment znrückzuführen, der von den alten Soldaten mit Freude ausgenommen wurde. In dankbarer Erinnerung, im Geiste der alten Soldatenkameradschaft, fand dieser Drahtgruß bei den Empfängern herzlichen Widerhall, die aber auch mit ganzer Gefolgschaftstreue und Einsatz­bereitschaft dem Führer des neuen Reiches und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler durch ihre Huldigung bekundeten, daß sie voll Ver­trauen und Tatbereitschaft seiner Führung in eine neue deutsche Zeit zn folgen bereit sind.

So formte sich im Verlaufe des Samstagabend, aber auch während der Stunden des Sonntagnach- mittag mit den begeisterten Kundgebungen für das neue Infanterie-Regiment 116, das eindrucksvolle Bild deutschen Soldatentums, das aus dem Boden der Geschichte und der reichen Tradition zu frucht­barem Einsatz und opferbereitem Kampf für die Erneuerung von Volk und Vaterland im Geiste der neuen großen politischen Idee des Führers zu wir­ken bereit ist.

*

Der Wehrsport-Veranstaltung des Jnf.-Regts. 116 seien heute noch einige Einzelbetrachtungen gewid­met, nachdem wir gestern die große Gesamtlinie dieser Darbietungen skizziert haben. Prächtig war schon der Auftakt mit den M a s s e n f r e i ü b u n- gen von 150 Mann der Schützenkompanien des I. Batl., wunderbar der Rhythmus des An- und Ablaufes nach den Klängen der Musik, ausgezeich­net die exakte fächerartige Entfaltung aus der ge­schloffenen Kolonne zu den einzelnen Gliedern der Aufstellung, ebenso der Wiederzusammenschluß zur ursprünglichen Formierung; völlig gleichwertig der präzise Verlauf der Freiübungen selbst. Die Artil­lerie zeigte durch Voltigieren am Pferd reitkünstlerische Leistungen ihrer Männer, die bei den alten Soldaten der berittenen Waffen nur Er­staunen auslösten, denn derartige Dinge, wie sie da vollendet gezeigt wurden, hatte man in ihrer Dienstzeit nicht gekannt. Turnen am Reck und am Barren offenbarte zur gleichen Ziet wunder­bare Körperbeherrschung und kraftvolle Durchfüh­rung der Uebungen. Eine Reiterquadrille, von Reiterabteilungen des Regiments gezeigt, gab ein schönes Bild der disziplinierten Verbundenheit von Reiter und Pferd bei den verschiedensten, auch

schwierigsten Uebungen. Als Geschicklichkeits­übungen wurden im Bodenturnen, in der Hand­habung des Medizinballs und im Pyramidenbau von drei Gruppen von Männern Leistungen gezeigt, die uneingeschränkte Anerkennung verdienen; ins­besondere trifft das auf die drei Gruppen der Py­ramidenbauer zu. Die Reiterkämpfe im Kriege der Strohseile gegen hohe Pappmützen" brachten eine belustigende Rote in die Reihe der Vorführungen. Stramme Leistungen wurden in der 20 mal 100-Meter-Staffel gezeigt, bei der unter fünf Wettkampfgruppen das II. Batl. nach hartem Kampfe Sieger blieb. Einen gewaltigen Höhepunkt der Leistungen zeigte das Geschick­lichkeitsfahren von Solomaschinen. Hier konnte man die geradezu fabelhafte Fahrkunst von fünf Motorradlern bewundern, die auf schwe­ren Wehrmachtsmotorrädern in unheimlichem Tempo über das unebene Gelände des Dorfüh­rungsplatzes rasten, deren Beifahrer den bewunde­rungswürdigen Sprung über den fahrenden Motor­radler aus der Schlußstellung des Springers her­aus, nach dem Muster eines Bocksprunges beim Turnen, zeigten, die stehend freihändig fuhren, aber auch den Sprung der Motorradler selbst mit ihren Maschinen von einem Sprungbrett aus und schließlich als Höhepunkt den Sprung der forsch über ein Sprungbrett fahrenden Motorradler durch einen großen brennenden Reifen sehen ließen. Voll starker Spannung war der H i n d e r n i s l a u f, bei dem die fünf im Wettbewerb stehenden Mann­schaften eine Fülle von Hindernissen zu überwin­den hatten, bis ihnen als Siegeszeichen der Ehren­preis der Offizier-Vereinigung der ehemaligen 116er Zuerkannt werden konnte. Den Preis errang das II. Batl. Interessante Bilder zeigten die Fahr- Übungen der 7. Batterie, ebenso Fahr- Übungen eines 6 - Zuges , die beide ganz hervorragende Leistungen der militärischen Aus­bildung sichtbar werden ließen und auch hinsichtlich der Bereitschaft zur Feuereröffnung den Tausenden von Zuschauern eine eindrucksvolle Vorstellung ga­ben über die Schnelligkeit, mit der eine solche Ein­heit feuerverwendungsbereit sein muß. Außerordent­lich spannend verlief das Alormrennen, über dessen Grundgedanken wir am Freitag in unserer Vorschau schon berichtet haben. Den Sieg errang hier Schütze Groh, 8./J.-R. 116. Fahrübungen

In der Einleitung einer Dienstvorschrift lauten die ersten Sätze:Der Krieg stellt den einzelnen auf die härteste Probe seiner seelischen und körperlichen Widerstandskraft. Daher wiegen im Kriege die Eigenschaften des Charakters schwerer als die des Verstandes, mancher tritt auf dem Schlachtfelde hervor, der im Frieden übersehen wurde. Gewöhnung an körperliche Lei­st ungen, Rücksichtslosigkeit gegen sich selb st, Willenskraft, Selbstvertrauen und Wagemut befähigen den Mann, die schwersten Lagen zu meistern."

Der verstorbene Generaloberst von S e e ck t schreibt in einem seiner Werke:In dem schlacht- entscheidenden Jnsanteriekampf ist der Soldat im wesentlichen auf sich selbst gestellt; er erhält am Morgen den Auftrag, Angriff oder Verteidigung, Richtung und Ziel, um am Abend den Sieg er­fochten zu hohen. Auf dem Weg zu ihm be­darf er den gestählten Willen und den leistungsfähigen Körper, den Drill der Gewohnheit."

der 1 4. bzw. 13. Kompanie mit ihren Fahr­zeugen (Tankabwehrgeschütz bzw. Infanteriegeschütz) ließen interessante Bilder aus der Waffenschulung der Infanterie auf diesem Gebiete sichtbar werden; ebenso wie die vorausgegangenen Fahrübungen in der geschlossenen militärischen Einheit, war auch die­sen Uebungen das starke Interesse der Zuschauer ge­widmet. Ein Schaugefecht mit zahlreichen inter­essanten selbständigen Kampfhandlungen kleiner Jn- fanteriegruppen brachte ein außerordentlich fesseln­des Schauspiel in das Vorführungsgetriebe; da knall­ten die Kanonenschläge, ratterten die MGs., peitschte das Schützenfeuer über dasSchlachtfeld", stürmte Infanterie, brannte einBlockhaus" nieder, gab es Tote" undVerwundete", kurzum die Zuschauer erhielten ungefähr eine Vorstellung davon, wie der moderne Jnsanteriekampf beim Vorarbeiten gegen den Feind sich etwa gestaltet, da alles auf engem Raum sich abwickeln mußte, war das Gefechtsbild in seinen Einzelzügen natürlich immer nur sehr relativ anzusehen, dennoch aber fand es bei den Zuschauern die größte Aufmerksamkeit. Eine Gemischte Stafette brachte noch einmal unter Einsatz aller Leistungsmöglichkeiten der Männer, der Pferde und zahlreicher technischer Hilfsmittel ein außerordentlich fesselndes Bild eines vielseitig durchzuführenden Wettkampfes, bei dem vier Wettkampfgruppen um den Sieg rangen; das Siegeszeichen, den Ehren­preis der Stadt Gießen, konnte sich die Stabskomp. J.-R. 116 erringen. Mit dem vortrefflichen Exer­zieren einer Schützenkompanie schlossen die Darbietungen ab.

Die an den Vorführungen beteiligten Einheiten des Regiments und der Artillerie erhielten als äußeres Zeichen der Anerkennung je einen Erinne­rungspreis.

Während auf dem Platze die Vorführungen im Gange waren, wurde mit Start an der Volkshalle, der Armeegepäckmarsch durchgeführt.

Bei dieser rückschauenden Betrachtung auf die sportlichen Wettkämpfe tritt eindrucksvoll und über­zeugend zutage, daß die Pflege des Wehrsports in unserem Regiment 116 im Rahmen der gesamten militärischen Ausbildung einen hervorragenden Platz einnimmt und auch dadurch gute, fruchtbare Auf­bauarbeit im Dienste des Volkes zur Schaffung einer allezeit schlagbereiten starken Wehrmacht geleistet wird.

General Eamon schreibt in derFrance mili- taire:Im Kriege ist die Ueberraschung ein Hauptelement des Erfolges. Sie bringt den Gegner in eine Gefahr, der er nicht sogleich begegnen kann, aber sie führt zu seiner Entmutigung."

Ueberraschung: dem Feind zuvorkommen! Mit den Beinen, mit dem Motor, mit dem Feuer.

Ein längerer Marsch mit schwerem Gepäck bei großer Hitze stellt, wie bereits in unserer Samstag­ausgabe erwähnt wurde, die größten Anforderun­gen an die Leistungsfähigkeit des Soldaten. Ein solcher Marsch kommt, wie man aus vorstehenden Ausführungen ersieht, den Verhältnissen im Kriege am nächsten. W e r an einem heißen Sommertage einen solchen Gepäckmarsch gut überstanden hat, der ist k r i e g s b r a u ch b a r. Rur zähe, durch­trainierte Körper halten ihn ohne Mühe aus. Zum Durchhalten, besonders bei einem Wettbewerb, ist eine erhebliche Willenskraft erforderlich.

Durch die Haltung und das Benehmen der Teil­nehmer bei der Durchführung des Gepäckmar-

Der Gepäckmarsch des IR. 116 am Regimenlslag

Die militärische Bedeutung.

Dienstag J. Juni (937

sches d e s I. - R. 116 am vergangenen Sonntag konnte man auf den guten Geist und d i e gute Kameradschaft im J.-R. 116 schließen.

Rach eingehender Vorbereitung in den letzten Wochen waren am Sonntag 14 Mannschaften in Stärke von je 1 Führer 3 Mann des 116er Regi­ments am Start. (2./116, 3./116, 4./116, Batl.-Stab I./116, 5./116, 6./116, 7./116, 8./116, 13./116, 14./116, 15./E. 116, 16./®. 116, 17./E. 116.)

Dor Beginn des Marsches erfolgte durch einen Stabsarzt eine Belehrung der Teilnehmer über Verhalten während und nach dem Marsche. Am Nordausgang von Oppenrod, über das der Marsch führte, war mäßig-warmer deutscher Tee mit Zitrone zur Erfrischung für die Teilnehmer bereit- gestellt. Ein Ofsizier des Regiments und zwei Sani­tätsgefreite auf Fahrrädern sowie einzelne Unter­offiziere und Mannschaften der Kompanien be- aleiteten die Teilnehmer auf dem Marsche. Dieser führte über Wieseck, Trohe, Großen-Buseck, Reis­kirchen, Burkhardsfelden und OppenrodGießen.

13.45 Uhr startete die erste Mannschaft. In der Reihenfolge, die durch Auslosung festgelegt war, folgten: N.-Z. 1/116, 3., 17., 2., 7., 15., 8., 13., 14., 5., 6., 7., 4. und 16. Kompanie. Die Mannschaften folgten mit je einer Minute Abstand.

Oie Preisträger:

1. 6. Komp. Jns.-Regt. 116; Zeit: 3:46,5 Stunden.

2. 14. Komp. Jnf.-Regt. 116; Zeit: 3:50 Stunden.^

3. 4. Komp. Jnf.-Regt. 116; Zeit: 3:52 Stunden.

Es folgt die Mannschaft der 15. Komp. Erg.-Batl. 116. Eine gute Zeit lief die Mannschaft der 17. Komp. Erg.-Batl. 116 (3:41,5 Stunden). Leider fiel ein Mann dieser Mannschaft aus. Die 15./116 hatte einen Teilnehmer und Rekruten von 36 Jahren bei der Mannschaft.

Bester Mann und beste Zeit als Einzelläufer: Schütze Steinhäuser, 14./116; Zeit: 3:33 Stunden.

Kamen der Preisträger-Mannschaften:

6./J.-R. 116: Unteroffizier Wagner, Schützen Eyrich, Appel und Stückrath.

14./J.-R. 116: Unteroffizier Hoh, Gefreiter Wolny, Oberschütze Ten Elsen, Schütze Steinhäuser.

4./J.-R. 116: Unteroffizier Eggers, Schützen Bitzen, Weiß und Teiß.

Aus her Stadt Gießen.

Wenn das Heu düstet.

Und die Lüfte füllt ein Singen, Jubel geht ein und aus, leuchtende Lieder klingen her über jedem Haus ... (Schüler) Der Monat Mai war wie ein goldenes Füllhorn. Das überquellende Leben war gekommen, der Win­ter war vergessen, und der Sommer stellte sich ein. Die Bäume ließen ihre Früchte schwellen, die Vö­gel fangen und jubilierten, brüteten und stillten ihre junge Brut. Die Sonne flimmerte und stach durch die Blätter der Bäume wie durch grünes Glas. Der Wald war wie ein Meer. Ein ewiges Lied voll Vogelfang und Windesrauschen. Der Efeu klet­terte an den alten Bäumen in die Höhe, Geiß­blatt umrankte die Büsche. In der Luft summte und brummte es von Fliegen und Mücken ...

Und nun kommt die erste Stille. Die jungen Vögel lernen das Fliegen, die Lieder verstummen nach und nach. Die Wiesengräser sind am Blühen.

Reinigen, obec nicht schmirgeln.

Nicht Reinigung um jeden Preis, son- Säuberung unter Schonung des Zahnschmelzes - das ist richtig!

der Nivea-Zahnpasta reinigt u. erhält den natürlichen Glanz Ihrer Zähne.

ttttf

Um

ifurfriüK1

OeutscheBurgen undGchiösser

Don Wilhelm von Scholz.

Deutsche Dorne, deutsche Rathäuser, deutsche Bür­gerbauten jedes dieser Worte läßt eine Fülle großer Bilder vor unserem Auge erstehen. Die Bil­der sind in sich fest gefügt, klar und charakteristisch und zum überwiegenden Teil Wahrzeichen des deut­schen Wesens. Sie sind gebunden in der deutschen Stadt und durchströmt vom Leben mancherlei Vol­kes, von Volkstreiben, Volksvergangenheit. Aber eines vermögen sie nicht auszustrahlen: Größe und Weite deutschen Landes.

Unsere Heimat ist mit ihrer Gliederung, ihrer Schönheit, ihrer Kultur, ihrer Arbeit, mit ihrer herrlichen Weite als Stück der Erde von nirgend­woher so zu sehen und zu erfassen wie von den deutschen Burgen und Schlössern. Sie sind nicht nur als geschichtserfüllte, oft baulich gewaltige und kunstgeschichtlich wichtige Architektur vor unserem Blick; immer gehört das Land zu ihnen, das sie überragen, das sich um sie breitet. Ost genug liegt es wie vom Flugzeug gesehen unter ihrem Fuß, eine lebendige Landkarte, und gibt dem Ausschauen­den das Gefühl, als schwebe er von den Felsentrüm­mern, auf denen er steht, frei in die Landschaft.

Ich weiß nicht, ob man, wenn von unseren Burgen und Bergschlössern gesprochen wird, da zuerst der berühmten großen Bauten Envähnung tun soll wie der Wartburg, des Heidelberger Schlosses, der Burg Eltz, der Albrechtsburg, des Schlosses Heiligenberg und der anderen Wander­ziele jeder jungen deutschen Sehnsucht oder ob man vor ihnen nicht der noch viel zahlreicheren, in höherem Sinne namenlosen Burgen gedenken muß, die bei uns über alles hügelige Land, an allen Flußläufen und auch noch in den Gebirgen verstreut sind, die, meist freilich als Ruinen, iede für ihre Landschaft die denkbar schönste Sichtwarte

bieten. , n. ..

Ja, die Zahl- und Namenlosen sind es, an Die man zuerst denkt, wenn man von den deutschen Burgen spricht, die alle einander gleichen, ob es die Starkenburg an der Bergstraße ist oder Kynast in Schlesien, die Brandenburg an der Werra, Hohen- klingen die Rheinburgen oder die Hegau- und die Albruinen, die Schlösser im Elsaß und im Schwarz­walde: ihr Sockel ist ein von Natur frei hingestell- tcr oder von fleißiger fronender Menschenhand wie bei der Meersburg am Bodensee oon Dem mit ihm verwachsenen Höhen^ge abgemeißelter $erqtopf, ber nach den alten kneg-E-n Begns- fen kaum einnehmbar, meist nach durch ein s>ch da­vor hinziehenden ober gar herumwindenben Mutz geschützt war. Das nannte man dann m der alten

Sprache: eine feine Gelegenheit; das heißt, das Schloß war eben günstig gelegen.

Nahe irgendeinem großen Kauffahrts- und Heer­wege liegen die Burgen. Aus ihrem Zweck, den sie einst hatten, aus dem sie entstanden sind: Land­oder Wasserstraßen zukontrollieren", brauchten sie weite Sicht. Deshalb stellen ihre Erbauer über die schon selbst fernblickenden Giebel und Zinnen, über die Dächer, niederen Türme und Wehrgänge noch den hohen Wartturm, der sich frei aus dem Mauer­werk erhob und unbehinderte Rundsicht hatte.

Widerstandsfähig und fest, zum Ausfall wie zur Verteidigung mußte eine Burg geeignet sein: so wurden besonders die steilen, aufragenden, abfallen­den felsigen Klötze bevorzugt, an denen und um die man dann schmale Schlängelwege, die gerade noch für Pferde gangbar waren, hinaufziehen mußte. Man stellte die Mauern so hart an den Ab­grund, daß Felsteile und Wand zu einem ver­wuchs.

Praktisches Bedürfnis baute. Aber manchmal ist die Lage der Burgen, dieser Falken- und Adler­nester in Himmels- und Wolkennähe so herrlich, daß man glauben möchte, Naturfreude, Landschafts­gefühl habe mitgebaut. Dies weite sehnsüchtige Landschaftsgefühl, das feit der Romantik die Brust jeden echten deutschen Jungen beseelt und hochge­mut zur Ausschau auf die Burgberge und -trüm- mer klettern läßt. Nicht zuletzt aus den Burg­blicken über die schöne Heimat entsteht im jungen Menschen die Liebe zum deutschen Lande, zum Da- terlande in der Seele. Denn auf den Burgen über­kommt sie auch das erhebende Träumen von großer geschichtlicher Vergangenheit. Aus der Mäch­tigkeit der Felsen, die hier bezwungen, der Zyklo­penmauern, die aus rohen Blöcken hier errichtet wurden und die doch der Zeit nicht Trotz bieten konnten, erwächst es und empfindet in den von den Wettergewalten zernagten und gestürzten Trüm­mern, den zersprengten Türmen, den Wänden mit leeren Fensterhöhlen, den Steinen, die in Gras und Welklaub liegen, die Jahrhunderte. Der Wald ist aus dem Tale aufgestiegen, hat die Burgberge er­obert und überall seine grünen Fahnen auf ihren ehrwürdigen Ueberresten gehißt.

Nichts anders ist es auch mit den berühmten, den einzelnen wohlerhaltenen oder wiederhergestellten großen, meist fürstlichen Burgen, deren Namen über ihr Gebiet ihnaus bekannt sind; deren ich oben eine Anzahl aufführte.

Abweichend sind nur die Wasserschlösser und -bür­gen gebaut, die im flachen Lande liegen und sich rings mit Graben, oft See, umgeben hatten. Sie bieten keine Fernsicht und dienten wohl hauptsäch­lich der Verteidigung.

Nach dem Mittelalter hat die beginnende Neuzeit

dann die Wehrhaftigkeit der Burgen wie sie vordem selbst in Stadtschlössern notwendig war; ein schönes Beispiel ist das alte Schloß in Stutt­gart aufgegeben zugunsten prunkvoller bequemer weiträumiger Bauten als Wohnungen der Herrscher, gleichviel ob über Königreiche, Bistümer ober nur Grafschaften und Rittergüter.

Der kriegerische Zweck ist ganz zurückgetreten. Die Macht ist gesichert, in Verträgen und Verfassungen verankert, braucht nicht mehr jeden Tag verteidigt zu werden. Es genügt, wenn sie durch Schönheit des Baus, durch Pomp, Ueppigkeit, Reichtum weit­hin zum Ausdruck kommt.

Auch jetzt entsteht Herrliches, das deutschen Ruhm kündet: Würzburg, Bruchsal, Sanssouci, Schwetzin­gen, Wörlitz, Nymphenburg, Solitude die Resi­denzschlösser fast alle. Aber sie liegen nicht mehr im Lande, sondern, wo sie noch nicht mit Städten verwachsen sind, in einem zierlichen, gepflegten, ab­geschlossenen, in einem nachgeahmten künstlichen Lande und an künstlichem Wasser: in Garten und Park.

Alle diese Burgen und Schlösser sind heute mehr denn je Ziel und häufig Herberge unserer wandern­den deutschen Jugend und kommen so zu schönstem neuem Leben!

Gloria-Palast: »Oie göttliche Jettes

Das ist ein Bombenrolle für Grethe Weiser, die wir aus allerlei andern Filmen kennen, für die man aber offenbar erst jetzt das Feld ihrer eigent­lichen Begabung entdeckt hat: sie spielt hier die Chansonette Jette Schönborn, die am Königstädti­schen Theater in Berlin lange vor dem Kriege das Publikum in Entzücken versetzt und volle Kassen macht, bis eines Tages einige ärgernis­nehmende Besucher einen kräftigen Theaterskandal heraufbeschwören und die gut gehende Bühne poli­zeilich geschlossen wird. Jette versucht einen Ausweg in der Heirat mit einem jungen Grafen, der sich mit Hilfe des väterlichen Bankkontos zu ihrem Mäzen aufgeworfen hat, merkt aber bald, daß dies nicht die geeignete Lösung wäre; ihr Instinkt setzt sich durch, sie gibt dem Grafen einen Korb und kehrt zu­rück zum Theater, dessen Direktor diesmal auch im Privatleben der richtige ist. Ein Kostüm-Lustspiel mit Gesang und Tanz und ausgesprochen volksstück­mäßigem Charakter. Rolf Meyer und Kurt Wal­ter schrieben das Drehbuch; Erich Waschneck führte Regie und setzte das Ganze mit Schmiß und berbem Humor in Szene. Grethe Weiser ist hier offenbar in ihrem Element und kann so richtig aus sich herausgehen: eine wahrhaft kesse Person mit einem unerhört berlinerischen Mundwerk und dem

soubrettenmäßigen Spieltemperament, den diese Fi­gur nötig hat. Viktor de Kowa als Inspizient Barsch ist auch genau der gegebene Partner für sie. Aus dem großen Ensemble seien als besonders lu­stige Personen ferner genannt Eva Tinschmann und Marina v. D i t m a r, Jakob Tiedtke, Olga Limburg und Wilhelm Paul Krüger. Der schnodderige Witz des schlagfertigen Dialogs schien auch in unseren südlicheren Breitengraden Ver­ständnis zu finden. (Tobis Europa.)

*

Vom Beiprogramm ist zunächst die Wochenschau mit den erschütternden Ausnahmen von der Kata­strophe in Lakehurst zu nennen; außerdem ein kur­zer, sehr gut photographierter StädtefilmNeuyork", ferner interessante und seltene Bilder von der Jagd auf große Raubfische, endlich ein Vorspann zu dem LustspielWie der Hase läuft".

Hans Thyriot.

Oer älteste Sportverein der Welt.

Der älteste Sportverein der Welt ist sicherlich der Verein oder vielmehr die Gilde der Bogenschützen des heiligen Sebastian in Brügge. Das genaue Gründungsdatum dieser Vereinigung ist nicht be­kannt, muß aber jedenfalls vor 1096 liegen, denn die Gesellschaft führt in ihrem Schilde das Wappen von Jerusalem, das ihr verliehen wurde, weil ihre Mitglieder am ersten Kreuzzug teilnahmen. Der Verein der Bogenschützen von Brügge blickt also auf das ehrwürdige Alter von fast 8V2 Jahrhunderten zurück und dürfte damit der älteste aller Sportver­eine der Welt sein. Im Heim des Vereins, in der Rue des Cannes in Brügge, wo die Mitglieder sich in einem großen Garten an eigens dafür errichteten Schießständen im Bogenschießen üben können, sind die Archive der Gesellschaft bis zurück zum Jahre 1416 aufbewahrt. Die Kapelle mit einem kleinen Turm, die neben dem Klubhaus wenn es erlaubt ist, ein so modernes Wort für eine so alte Grün­dung zu brauchen emporragt, stammt aus dem Jahre 1570.

Die Ehrenmitglieder des Vereins haben sich in ein goldenes Buch eingetragen. Hier findet man Namen wie den des Stuartkönigs Karl TI. von Eng­land und seines Bruders, des Herzogs von Port, als sie im Jahre 1656 in Brügge in der Derban- nung weilten, den des Königs Leopold I. von Bel­gien, der Königin Viktoria und des Prinzgemahls Albert, des Don Pedro V., Königs von Portugal, der Könige Albert I. und Leopold III. von Belgien und der Königin Astrid. Unter der Leitung feines gegenwärtigen Präsidenten, Verstraete, erfreut die­ser Sportverein sich höchster Blüte und Aktivität.