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Nr. 724 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Nachklänge zum lltientsag.
Die unvergängliche Frontkameradschast. - Das große Wehrsportfest.
Wenn man heute noch einmal den Blick rückwärts lenkt auf die Stunden des 116er-Tages, so muß man besonders den Eindruck feststellen, daß es sich bei dieser Veranstaltung um ein F e st der ganzen Volksgemeinschaft von Gießen und Umgegend gehandelt hat, das seine Ausstrahlungen weithin ins Rhein-Main-Gebiet, ja noch erheblich darüber hinaus bemerkbar machte. Es dürfte wohl nur wenige Veranstaltungen in den letzten Jahren geben, die unserer Stadt so gewaltige Besuchermengen aus der Umgebung zugeführt haben. Und wenn man sich weiter der vielen herzlichen Wiedersehens-Kundgebungen erinnert, die zwischen den Angehörigen der einstigen Feldformationen des alten Regiments 116 vor sich gingen, so muß man sagen, daß die F r o n t k a m e- rad schäft über die Kriegsjahre hinaus bis in eine erheblich spätere Alterszeit der Kameraden hinein lebendig geblieben ist. Es hat also schon seine Berechtigung, wenn man von alten Feldsoldaten hört, daß die Zeit, des Fronterlebens und die in jenen Jahren geschlossenen Beziehungen von Mensch zu Mensch nicht im Strom des Alltags versinken werden. Beweise dafür haben wir beim 116er-Tag vielfach zu sehen bekommen.
Auf diese Ebene der kameradschaftlichen Verbundenheit, die aus den Jahren der aktiven Dienstzeit und aus dem Kriege bei den alten 116ern lebendig ist, war auch der Telegrammgruß des ehemaligen Großherzogs von Hessen an sein einstiges Gießener Regiment znrückzuführen, der von den alten Soldaten mit Freude ausgenommen wurde. In dankbarer Erinnerung, im Geiste der alten Soldatenkameradschaft, fand dieser Drahtgruß bei den Empfängern herzlichen Widerhall, die aber auch mit ganzer Gefolgschaftstreue und Einsatzbereitschaft dem Führer des neuen Reiches und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler durch ihre Huldigung bekundeten, daß sie voll Vertrauen und Tatbereitschaft seiner Führung in eine neue deutsche Zeit zn folgen bereit sind.
So formte sich im Verlaufe des Samstagabend, aber auch während der Stunden des Sonntagnach- mittag mit den begeisterten Kundgebungen für das neue Infanterie-Regiment 116, das eindrucksvolle Bild deutschen Soldatentums, das aus dem Boden der Geschichte und der reichen Tradition zu fruchtbarem Einsatz und opferbereitem Kampf für die Erneuerung von Volk und Vaterland im Geiste der neuen großen politischen Idee des Führers zu wirken bereit ist.
*
Der Wehrsport-Veranstaltung des Jnf.-Regts. 116 seien heute noch einige Einzelbetrachtungen gewidmet, nachdem wir gestern die große Gesamtlinie dieser Darbietungen skizziert haben. Prächtig war schon der Auftakt mit den M a s s e n f r e i ü b u n- gen von 150 Mann der Schützenkompanien des I. Batl., wunderbar der Rhythmus des An- und Ablaufes nach den Klängen der Musik, ausgezeichnet die exakte fächerartige Entfaltung aus der geschloffenen Kolonne zu den einzelnen Gliedern der Aufstellung, ebenso der Wiederzusammenschluß zur ursprünglichen Formierung; völlig gleichwertig der präzise Verlauf der Freiübungen selbst. Die Artillerie zeigte durch Voltigieren am Pferd reitkünstlerische Leistungen ihrer Männer, die bei den alten Soldaten der berittenen Waffen nur Erstaunen auslösten, denn derartige Dinge, wie sie da vollendet gezeigt wurden, hatte man in ihrer Dienstzeit nicht gekannt. Turnen am Reck und am Barren offenbarte zur gleichen Ziet wunderbare Körperbeherrschung und kraftvolle Durchführung der Uebungen. Eine Reiterquadrille, von Reiterabteilungen des Regiments gezeigt, gab ein schönes Bild der disziplinierten Verbundenheit von Reiter und Pferd bei den verschiedensten, auch
schwierigsten Uebungen. Als Geschicklichkeitsübungen wurden im Bodenturnen, in der Handhabung des Medizinballs und im Pyramidenbau von drei Gruppen von Männern Leistungen gezeigt, die uneingeschränkte Anerkennung verdienen; insbesondere trifft das auf die drei Gruppen der Pyramidenbauer zu. Die Reiterkämpfe im „Kriege der Strohseile gegen hohe Pappmützen" brachten eine belustigende Rote in die Reihe der Vorführungen. Stramme Leistungen wurden in der 20 mal 100-Meter-Staffel gezeigt, bei der unter fünf Wettkampfgruppen das II. Batl. nach hartem Kampfe Sieger blieb. Einen gewaltigen Höhepunkt der Leistungen zeigte das Geschicklichkeitsfahren von Solomaschinen. Hier konnte man die geradezu fabelhafte Fahrkunst von fünf Motorradlern bewundern, die auf schweren Wehrmachtsmotorrädern in unheimlichem Tempo über das unebene Gelände des Dorführungsplatzes rasten, deren Beifahrer den bewunderungswürdigen Sprung über den fahrenden Motorradler aus der Schlußstellung des Springers heraus, nach dem Muster eines Bocksprunges beim Turnen, zeigten, die stehend freihändig fuhren, aber auch den Sprung der Motorradler selbst mit ihren Maschinen von einem Sprungbrett aus und schließlich als Höhepunkt den Sprung der forsch über ein Sprungbrett fahrenden Motorradler durch einen großen brennenden Reifen sehen ließen. Voll starker Spannung war der H i n d e r n i s l a u f, bei dem die fünf im Wettbewerb stehenden Mannschaften eine Fülle von Hindernissen zu überwinden hatten, bis ihnen als Siegeszeichen der Ehrenpreis der Offizier-Vereinigung der ehemaligen 116er Zuerkannt werden konnte. Den Preis errang das II. Batl. Interessante Bilder zeigten die Fahr- Übungen der 7. Batterie, ebenso Fahr- Übungen eines 6 - Zuges , die beide ganz hervorragende Leistungen der militärischen Ausbildung sichtbar werden ließen und auch hinsichtlich der Bereitschaft zur Feuereröffnung den Tausenden von Zuschauern eine eindrucksvolle Vorstellung gaben über die Schnelligkeit, mit der eine solche Einheit feuerverwendungsbereit sein muß. Außerordentlich spannend verlief das Alormrennen, über dessen Grundgedanken wir am Freitag in unserer Vorschau schon berichtet haben. Den Sieg errang hier Schütze Groh, 8./J.-R. 116. Fahrübungen
In der Einleitung einer Dienstvorschrift lauten die ersten Sätze: „Der Krieg stellt den einzelnen auf die härteste Probe seiner seelischen und körperlichen Widerstandskraft. Daher wiegen im Kriege die Eigenschaften des Charakters schwerer als die des Verstandes, mancher tritt auf dem Schlachtfelde hervor, der im Frieden übersehen wurde. Gewöhnung an körperliche Leist ungen, Rücksichtslosigkeit gegen sich selb st, Willenskraft, Selbstvertrauen und Wagemut befähigen den Mann, die schwersten Lagen zu meistern."
Der verstorbene Generaloberst von S e e ck t schreibt in einem seiner Werke: „In dem schlacht- entscheidenden Jnsanteriekampf ist der Soldat im wesentlichen auf sich selbst gestellt; er erhält am Morgen den Auftrag, Angriff oder Verteidigung, Richtung und Ziel, um am Abend den Sieg erfochten zu hohen. Auf dem Weg zu ihm bedarf er den gestählten Willen und den leistungsfähigen Körper, den Drill der Gewohnheit."
der 1 4. bzw. 13. Kompanie mit ihren Fahrzeugen (Tankabwehrgeschütz bzw. Infanteriegeschütz) ließen interessante Bilder aus der Waffenschulung der Infanterie auf diesem Gebiete sichtbar werden; ebenso wie die vorausgegangenen Fahrübungen in der geschlossenen militärischen Einheit, war auch diesen Uebungen das starke Interesse der Zuschauer gewidmet. Ein Schaugefecht mit zahlreichen interessanten selbständigen Kampfhandlungen kleiner Jn- fanteriegruppen brachte ein außerordentlich fesselndes Schauspiel in das Vorführungsgetriebe; da knallten die Kanonenschläge, ratterten die MGs., peitschte das Schützenfeuer über das „Schlachtfeld", stürmte Infanterie, brannte ein „Blockhaus" nieder, gab es „Tote" und „Verwundete", kurzum die Zuschauer erhielten ungefähr eine Vorstellung davon, wie der moderne Jnsanteriekampf beim Vorarbeiten gegen den Feind sich etwa gestaltet, da alles auf engem Raum sich abwickeln mußte, war das Gefechtsbild in seinen Einzelzügen natürlich immer nur sehr relativ anzusehen, dennoch aber fand es bei den Zuschauern die größte Aufmerksamkeit. Eine Gemischte Stafette brachte noch einmal unter Einsatz aller Leistungsmöglichkeiten der Männer, der Pferde und zahlreicher technischer Hilfsmittel ein außerordentlich fesselndes Bild eines vielseitig durchzuführenden Wettkampfes, bei dem vier Wettkampfgruppen um den Sieg rangen; das Siegeszeichen, den Ehrenpreis der Stadt Gießen, konnte sich die Stabskomp. J.-R. 116 erringen. Mit dem vortrefflichen Exerzieren einer Schützenkompanie schlossen die Darbietungen ab.
Die an den Vorführungen beteiligten Einheiten des Regiments und der Artillerie erhielten als äußeres Zeichen der Anerkennung je einen Erinnerungspreis.
Während auf dem Platze die Vorführungen im Gange waren, wurde mit Start an der Volkshalle, der Armeegepäckmarsch durchgeführt.
Bei dieser rückschauenden Betrachtung auf die sportlichen Wettkämpfe tritt eindrucksvoll und überzeugend zutage, daß die Pflege des Wehrsports in unserem Regiment 116 im Rahmen der gesamten militärischen Ausbildung einen hervorragenden Platz einnimmt und auch dadurch gute, fruchtbare Aufbauarbeit im Dienste des Volkes zur Schaffung einer allezeit schlagbereiten starken Wehrmacht geleistet wird.
General Eamon schreibt in der „France mili- taire“: „Im Kriege ist die Ueberraschung ein Hauptelement des Erfolges. Sie bringt den Gegner in eine Gefahr, der er nicht sogleich begegnen kann, aber sie führt zu seiner Entmutigung."
Ueberraschung: dem Feind zuvorkommen! Mit den Beinen, mit dem Motor, mit dem Feuer.
Ein längerer Marsch mit schwerem Gepäck bei großer Hitze stellt, wie bereits in unserer Samstagausgabe erwähnt wurde, die größten Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Soldaten. Ein solcher Marsch kommt, wie man aus vorstehenden Ausführungen ersieht, den Verhältnissen im Kriege am nächsten. W e r an einem heißen Sommertage einen solchen Gepäckmarsch gut überstanden hat, der ist k r i e g s b r a u ch b a r. Rur zähe, durchtrainierte Körper halten ihn ohne Mühe aus. Zum Durchhalten, besonders bei einem Wettbewerb, ist eine erhebliche Willenskraft erforderlich.
Durch die Haltung und das Benehmen der Teilnehmer bei der Durchführung des Gepäckmar-
Der Gepäckmarsch des IR. 116 am Regimenlslag
Die militärische Bedeutung.
Dienstag J. Juni (937
sches d e s I. - R. 116 am vergangenen Sonntag konnte man auf den guten Geist und d i e gute Kameradschaft im J.-R. 116 schließen.
Rach eingehender Vorbereitung in den letzten Wochen waren am Sonntag 14 Mannschaften in Stärke von je 1 Führer 3 Mann des 116er Regiments am Start. (2./116, 3./116, 4./116, Batl.-Stab I./116, 5./116, 6./116, 7./116, 8./116, 13./116, 14./116, 15./E. 116, 16./®. 116, 17./E. 116.)
Dor Beginn des Marsches erfolgte durch einen Stabsarzt eine Belehrung der Teilnehmer über Verhalten während und nach dem Marsche. Am Nordausgang von Oppenrod, über das der Marsch führte, war mäßig-warmer deutscher Tee mit Zitrone zur Erfrischung für die Teilnehmer bereit- gestellt. Ein Ofsizier des Regiments und zwei Sanitätsgefreite auf Fahrrädern sowie einzelne Unteroffiziere und Mannschaften der Kompanien be- aleiteten die Teilnehmer auf dem Marsche. Dieser führte über Wieseck, Trohe, Großen-Buseck, Reiskirchen, Burkhardsfelden und Oppenrod—Gießen.
13.45 Uhr startete die erste Mannschaft. In der Reihenfolge, die durch Auslosung festgelegt war, folgten: N.-Z. 1/116, 3., 17., 2., 7., 15., 8., 13., 14., 5., 6., 7., 4. und 16. Kompanie. Die Mannschaften folgten mit je einer Minute Abstand.
Oie Preisträger:
1. 6. Komp. Jns.-Regt. 116; Zeit: 3:46,5 Stunden.
2. 14. Komp. Jnf.-Regt. 116; Zeit: 3:50 Stunden.^
3. 4. Komp. Jnf.-Regt. 116; Zeit: 3:52 Stunden.
Es folgt die Mannschaft der 15. Komp. Erg.-Batl. 116. Eine gute Zeit lief die Mannschaft der 17. Komp. Erg.-Batl. 116 (3:41,5 Stunden). Leider fiel ein Mann dieser Mannschaft aus. Die 15./116 hatte einen Teilnehmer und Rekruten von 36 Jahren bei der Mannschaft.
Bester Mann und beste Zeit als Einzelläufer: Schütze Steinhäuser, 14./116; Zeit: 3:33 Stunden.
Kamen der Preisträger-Mannschaften:
6./J.-R. 116: Unteroffizier Wagner, Schützen Eyrich, Appel und Stückrath.
14./J.-R. 116: Unteroffizier Hoh, Gefreiter Wolny, Oberschütze Ten Elsen, Schütze Steinhäuser.
4./J.-R. 116: Unteroffizier Eggers, Schützen Bitzen, Weiß und Teiß.
Aus her Stadt Gießen.
Wenn das Heu düstet.
Und die Lüfte füllt ein Singen, Jubel geht ein und aus, leuchtende Lieder klingen her über jedem Haus ... (Schüler) Der Monat Mai war wie ein goldenes Füllhorn. Das überquellende Leben war gekommen, der Winter war vergessen, und der Sommer stellte sich ein. Die Bäume ließen ihre Früchte schwellen, die Vögel fangen und jubilierten, brüteten und stillten ihre junge Brut. Die Sonne flimmerte und stach durch die Blätter der Bäume wie durch grünes Glas. Der Wald war wie ein Meer. Ein ewiges Lied voll Vogelfang und Windesrauschen. Der Efeu kletterte an den alten Bäumen in die Höhe, Geißblatt umrankte die Büsche. In der Luft summte und brummte es von Fliegen und Mücken ...
Und nun kommt die erste Stille. Die jungen Vögel lernen das Fliegen, die Lieder verstummen nach und nach. Die Wiesengräser sind am Blühen.
Reinigen, obec nicht schmirgeln.
Nicht Reinigung um jeden Preis, son- Säuberung unter Schonung des Zahnschmelzes - das ist richtig!
der Nivea-Zahnpasta reinigt u. erhält •• den natürlichen Glanz Ihrer Zähne.
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Don Wilhelm von Scholz.
Deutsche Dorne, deutsche Rathäuser, deutsche Bürgerbauten — jedes dieser Worte läßt eine Fülle großer Bilder vor unserem Auge erstehen. Die Bilder sind in sich fest gefügt, klar und charakteristisch und zum überwiegenden Teil Wahrzeichen des deutschen Wesens. Sie sind gebunden in der deutschen Stadt und durchströmt vom Leben mancherlei Volkes, von Volkstreiben, Volksvergangenheit. Aber eines vermögen sie nicht auszustrahlen: Größe und Weite deutschen Landes.
Unsere Heimat ist mit ihrer Gliederung, ihrer Schönheit, ihrer Kultur, ihrer Arbeit, mit ihrer herrlichen Weite als Stück der Erde von nirgendwoher so zu sehen und zu erfassen wie von den deutschen Burgen und Schlössern. Sie sind nicht nur als geschichtserfüllte, oft baulich gewaltige und kunstgeschichtlich wichtige Architektur vor unserem Blick; immer gehört das Land zu ihnen, das sie überragen, das sich um sie breitet. Ost genug liegt es wie vom Flugzeug gesehen unter ihrem Fuß, eine lebendige Landkarte, und gibt dem Ausschauenden das Gefühl, als schwebe er von den Felsentrümmern, auf denen er steht, frei in die Landschaft.
Ich weiß nicht, ob man, wenn von unseren Burgen und Bergschlössern gesprochen wird, da zuerst der berühmten großen Bauten Envähnung tun soll — wie der Wartburg, des Heidelberger Schlosses, der Burg Eltz, der Albrechtsburg, des Schlosses Heiligenberg und der anderen Wanderziele jeder jungen deutschen Sehnsucht — oder ob man vor ihnen nicht der noch viel zahlreicheren, in höherem Sinne namenlosen Burgen gedenken muß, die bei uns über alles hügelige Land, an allen Flußläufen und auch noch in den Gebirgen verstreut sind, die, meist freilich als Ruinen, iede für ihre Landschaft die denkbar schönste Sichtwarte
bieten. , n. ..
Ja, die Zahl- und Namenlosen sind es, an Die man zuerst denkt, wenn man von den deutschen Burgen spricht, die alle einander gleichen, ob es die Starkenburg an der Bergstraße ist oder Kynast in Schlesien, die Brandenburg an der Werra, Hohen- klingen die Rheinburgen oder die Hegau- und die Albruinen, die Schlösser im Elsaß und im Schwarzwalde: ihr Sockel ist ein von Natur frei hingestell- tcr oder von fleißiger fronender Menschenhand — wie bei der Meersburg am Bodensee — oon Dem mit ihm verwachsenen Höhen^ge abgemeißelter $erqtopf, ber nach den alten kneg-E-n Begns- fen kaum einnehmbar, meist nach durch ein s>ch davor hinziehenden ober gar herumwindenben Mutz geschützt war. Das nannte man dann m der alten
Sprache: eine feine Gelegenheit; das heißt, das Schloß war eben günstig gelegen.
Nahe irgendeinem großen Kauffahrts- und Heerwege liegen die Burgen. Aus ihrem Zweck, den sie einst hatten, aus dem sie entstanden sind: Landoder Wasserstraßen zu „kontrollieren", brauchten sie weite Sicht. Deshalb stellen ihre Erbauer über die schon selbst fernblickenden Giebel und Zinnen, über die Dächer, niederen Türme und Wehrgänge noch den hohen Wartturm, der sich frei aus dem Mauerwerk erhob und unbehinderte Rundsicht hatte.
Widerstandsfähig und fest, zum Ausfall wie zur Verteidigung mußte eine Burg geeignet sein: so wurden besonders die steilen, aufragenden, abfallenden felsigen Klötze bevorzugt, an denen und um die man dann schmale Schlängelwege, die gerade noch für Pferde gangbar waren, hinaufziehen mußte. Man stellte die Mauern so hart an den Abgrund, daß Felsteile und Wand zu einem verwuchs.
Praktisches Bedürfnis baute. Aber manchmal ist die Lage der Burgen, dieser Falken- und Adlernester in Himmels- und Wolkennähe so herrlich, daß man glauben möchte, Naturfreude, Landschaftsgefühl habe mitgebaut. Dies weite sehnsüchtige Landschaftsgefühl, das feit der Romantik die Brust jeden echten deutschen Jungen beseelt und hochgemut zur Ausschau auf die Burgberge und -trüm- mer klettern läßt. Nicht zuletzt aus den Burgblicken über die schöne Heimat entsteht im jungen Menschen die Liebe zum deutschen Lande, zum Da- terlande in der Seele. Denn auf den Burgen überkommt sie auch das erhebende Träumen von großer geschichtlicher Vergangenheit. Aus der Mächtigkeit der Felsen, die hier bezwungen, der Zyklopenmauern, die aus rohen Blöcken hier errichtet wurden und die doch der Zeit nicht Trotz bieten konnten, erwächst es und empfindet in den von den Wettergewalten zernagten und gestürzten Trümmern, den zersprengten Türmen, den Wänden mit leeren Fensterhöhlen, den Steinen, die in Gras und Welklaub liegen, die Jahrhunderte. Der Wald ist aus dem Tale aufgestiegen, hat die Burgberge erobert und überall seine grünen Fahnen auf ihren ehrwürdigen Ueberresten gehißt.
Nichts anders ist es auch mit den berühmten, den einzelnen wohlerhaltenen oder wiederhergestellten großen, meist fürstlichen Burgen, deren Namen über ihr Gebiet ihnaus bekannt sind; deren ich oben eine Anzahl aufführte.
Abweichend sind nur die Wasserschlösser und -bürgen gebaut, die im flachen Lande liegen und sich rings mit Graben, oft See, umgeben hatten. Sie bieten keine Fernsicht und dienten wohl hauptsächlich der Verteidigung.
Nach dem Mittelalter hat die beginnende Neuzeit
dann die Wehrhaftigkeit der Burgen — wie sie vordem selbst in Stadtschlössern notwendig war; ein schönes Beispiel ist das alte Schloß in Stuttgart — aufgegeben zugunsten prunkvoller bequemer weiträumiger Bauten als Wohnungen der Herrscher, gleichviel ob über Königreiche, Bistümer ober nur Grafschaften und Rittergüter.
Der kriegerische Zweck ist ganz zurückgetreten. Die Macht ist gesichert, in Verträgen und Verfassungen verankert, braucht nicht mehr jeden Tag verteidigt zu werden. Es genügt, wenn sie durch Schönheit des Baus, durch Pomp, Ueppigkeit, Reichtum weithin zum Ausdruck kommt.
Auch jetzt entsteht Herrliches, das deutschen Ruhm kündet: Würzburg, Bruchsal, Sanssouci, Schwetzingen, Wörlitz, Nymphenburg, Solitude — die Residenzschlösser fast alle. Aber sie liegen nicht mehr im Lande, sondern, wo sie noch nicht mit Städten verwachsen sind, in einem zierlichen, gepflegten, abgeschlossenen, in einem nachgeahmten künstlichen Lande und an künstlichem Wasser: in Garten und Park.
Alle diese Burgen und Schlösser sind heute mehr denn je Ziel und häufig Herberge unserer wandernden deutschen Jugend und kommen so zu schönstem neuem Leben!
Gloria-Palast: »Oie göttliche Jettes
Das ist ein Bombenrolle für Grethe Weiser, die wir aus allerlei andern Filmen kennen, für die man aber offenbar erst jetzt das Feld ihrer eigentlichen Begabung entdeckt hat: sie spielt hier die Chansonette Jette Schönborn, die am Königstädtischen Theater in Berlin — lange vor dem Kriege — das Publikum in Entzücken versetzt und volle Kassen macht, bis eines Tages einige ärgernisnehmende Besucher einen kräftigen Theaterskandal heraufbeschwören und die gut gehende Bühne polizeilich geschlossen wird. Jette versucht einen Ausweg in der Heirat mit einem jungen Grafen, der sich mit Hilfe des väterlichen Bankkontos zu ihrem Mäzen aufgeworfen hat, — merkt aber bald, daß dies nicht die geeignete Lösung wäre; ihr Instinkt setzt sich durch, sie gibt dem Grafen einen Korb und kehrt zurück zum Theater, dessen Direktor diesmal auch im Privatleben der richtige ist. Ein Kostüm-Lustspiel mit Gesang und Tanz und ausgesprochen volksstückmäßigem Charakter. Rolf Meyer und Kurt Walter schrieben das Drehbuch; Erich Waschneck führte Regie und setzte das Ganze mit Schmiß und berbem Humor in Szene. Grethe Weiser ist hier offenbar in ihrem Element und kann so richtig aus sich herausgehen: eine wahrhaft kesse Person mit einem unerhört berlinerischen Mundwerk und dem
soubrettenmäßigen Spieltemperament, den diese Figur nötig hat. Viktor de Kowa als Inspizient Barsch ist auch genau der gegebene Partner für sie. Aus dem großen Ensemble seien als besonders lustige Personen ferner genannt Eva Tinschmann und Marina v. D i t m a r, Jakob Tiedtke, Olga Limburg und Wilhelm Paul Krüger. — Der schnodderige Witz des schlagfertigen Dialogs schien auch in unseren südlicheren Breitengraden Verständnis zu finden. — (Tobis Europa.)
*
Vom Beiprogramm ist zunächst die Wochenschau mit den erschütternden Ausnahmen von der Katastrophe in Lakehurst zu nennen; außerdem ein kurzer, sehr gut photographierter Städtefilm „Neuyork", ferner interessante und seltene Bilder von der Jagd auf große Raubfische, endlich ein Vorspann zu dem Lustspiel „Wie der Hase läuft".
Hans Thyriot.
Oer älteste Sportverein der Welt.
Der älteste Sportverein der Welt ist sicherlich der Verein oder vielmehr die Gilde der Bogenschützen des heiligen Sebastian in Brügge. Das genaue Gründungsdatum dieser Vereinigung ist nicht bekannt, muß aber jedenfalls vor 1096 liegen, denn die Gesellschaft führt in ihrem Schilde das Wappen von Jerusalem, das ihr verliehen wurde, weil ihre Mitglieder am ersten Kreuzzug teilnahmen. Der Verein der Bogenschützen von Brügge blickt also auf das ehrwürdige Alter von fast 8V2 Jahrhunderten zurück und dürfte damit der älteste aller Sportvereine der Welt sein. Im Heim des Vereins, in der Rue des Cannes in Brügge, wo die Mitglieder sich in einem großen Garten an eigens dafür errichteten Schießständen im Bogenschießen üben können, sind die Archive der Gesellschaft bis zurück zum Jahre 1416 aufbewahrt. Die Kapelle mit einem kleinen Turm, die neben dem Klubhaus — wenn es erlaubt ist, ein so modernes Wort für eine so alte Gründung zu brauchen — emporragt, stammt aus dem Jahre 1570.
Die Ehrenmitglieder des Vereins haben sich in ein goldenes Buch eingetragen. Hier findet man Namen wie den des Stuartkönigs Karl TI. von England und seines Bruders, des Herzogs von Port, als sie im Jahre 1656 in Brügge in der Derban- nung weilten, den des Königs Leopold I. von Belgien, der Königin Viktoria und des Prinzgemahls Albert, des Don Pedro V., Königs von Portugal, der Könige Albert I. und Leopold III. von Belgien und der Königin Astrid. Unter der Leitung feines gegenwärtigen Präsidenten, Verstraete, erfreut dieser Sportverein sich höchster Blüte und Aktivität.


