Lagd nach Merkur.
Der Sternenhimmel im April.
Don Or. Erwin Kossinna.
Der sonnennahe Planet Merkur ist in unseren Gegenden im allgemeinen ein ziemlich schwierig aufzufindender Himmelskörper. Sehen wir von den Berufsastronomen ab, so gibt es selbst unter den Sternfreunden, die fleißig beobachten, nur verhältnismäßig wenige, die Merkur wirklich gesehen haben. Angeblich soll sogar Kopernikus zugegeben haben, daß es ihm in der dunstigen Luft der Weichselniederung in Thorn niemals geglückt fei, Merkur zu sehen. Der Planet geht nämlich höchstens zwei Stunden vor der Sonne auf oder nach ihr unter und ist daher stets nur in geringer Höhe über dem Horizont zu erblicken, wo oer Himmelsgrund durch die Dämmerung noch erhellt ist, außerdem das Sternenlicht durch die unteren dunstigen Luftschichten stark geschwächt wird. Da Merkur ferner ein wahrer Schnelläufer ist und seinen Ort am Himmel rasch wechselt, bleibt die Zeit günstiger Sichtbarkeit stets nur auf etwa vierzehn Tage beschränkt. Man muß also förmlich Jagd nach diesem flüchtigen Planeten machen, um ihn zu sehen.
Im April entfernt sich Merkur 20 Grad weit von der Sonne. In der Zeit vom 7. bis zum 25. April bietet sich die beste Gelegenheit, ihn am Abendhimmel zu beobachten. Besonders günstig sind die Abende um den 10., da dann Merkur links von der hellen Venus steht. Am 12. gesellt sich noch die schmale Sichel des jungen Mondes dazu. Während nun Venus rasch dem Horizont zustrebt und vom Abendhimmel verschwindet, wandert Merkur aufwärts, so daß er am 20. April erst zwei Stunden nach der Sonne untergeht. Aber seine Helligkeit, die anfangs die der Kapella übertrifft, nimmt sehr rasch ab. Merkur zeigt uns dann nicht mehr seine volle erleuchtete Scheibe, sondern wird sichelförmig. Man beginne daher die Suche nach Merkur möglichst früh, etwa vom 7. an und ungefähr Dreiviertelstunde nach Sonnenuntergang.
Venus ist in der ersten Hälfte April noch Abendstern, zieht aber schon am 18. vor der Sonne vorüber und erscheint bald darauf als Morgenstern am Osthimmel. Von 3 Uhr an ist ziemlich tief im Südosten im Sternbild des Schützen auch der mächtige Planet Jupiter zu sehen, der an Helligkeit nur von Venus übertroffen wird. Mars geht zu Anfang des Monats eine halbe Stunde vor Mitternacht, Ende April bereits um 21.30 Uhr auf. Der rötliche Planet bewegt sich langsam im Skorpion, dessen Hauptstern Antares er ziemlich nahe kommt. Dieser ist ebenfalls rötlich, sein Name bedeutet nichts anderes als „Der Marsähnliche". Mars übertrifft aber Antares bedeutend an scheinbarer Helligkeit. Der Abstand des Mars verringert sich nämlich im Laufe des Monats von 117 Millionen auf 86 Millionen Kilometer, womit eine beträchtliche Helligkeitszunahme verbunden ist. Saturn bleibt im April unsichtbar.
Der abendliche Fixsternhimmel zeigt im
April einen raschen Hebergang vom Winter- zum Sommerhimmel, da einerseits die Fixsterne täglich rund vier Minuten früher untergehen, andererseits die Dunkelheit immer später eintritt. Gegen Ende des Monats verschwinden die glänzenden Winter- sternbilüer. Denn kurz nach Beginn der Dunkelheit gehen die Sterne des Orion und des Stiers mit den Hyaden und Plejaden unter, ihnen folgen bald darauf Sirius und Prokyon. Nur die Zwillinge Kastor und Pollux sowie die helle Kapella im Fuhrmann bleiben länger sichtbar.
Gegen 21 Uhr finden wir hoch am Südhimmel das prächtige Sternbild des Großen Löwen mit dem Königsstern Regulus, der, wie auch die Zwillinge, genau in der Ekliptik steht. Ihm folgt nach Osten hin die Jungfrau, in der Spika als hellster Stern leuchtet. Spika bedeutet Aehre; im Altertum wurde die Jungfrau mit einer Aehre in der Hand dargestellt. Die weißfunkelnde Spika ist ein sehr enger spektroskopischer Doppelstern, dessen beide Sonnen in vier Tagen um den gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Die Temperatur ihrer strahlenden Oberfläche beträgt 17 000 Grad, die der Sonne nur 5900 Grad. Wenn Spika bei einer Entfernung von 300 Lichtjahren uns als Stern erster Größe erscheint, so muß sie 2000mal Heller sein als unsere Sonne, die schon in 50 Lichtjahren Abstand dem freien Auge entschwinden würde.
Nahe dem südlichen Horizonte sehen wir die lange Sternreihe der Wasserschlange oder Hydra, darüber das auffallende Vieren des Raben und den Becher. Im Osten ist das Sternbild des Herkules und der schöne Halbkreis der Nördlichen Krone heraufgekommen, im Nordosten funkelt die blauweiße Wega in der Leier und nahe dem Zenit strahlen die Sterne des Himmelswagens, dessen Deichsel auf den gelben Riesenstern A r k t u r u s weist. Zwischen Bootes und Großen Löwen flimmert das zierliche Sternbikd Haar der Berenike, dessen Form erst in einem Fernglas zur Geltung kommt.
Um den Kleinen Bären schlingt sich die Sternreihe des Drachen, und im Norden sehen wir den Kepheus, die W=förmige Kassiopeia und den Perseus. Bei günstigen Luftverhältnissen erkennen wir zwischen Perseus und Kassiopeia den berühmten Doppelsternhaufen, der rund 3000 Lichtjahre von uns entfernt ist und zahlreiche Riesensterne enthält. Der veränderliche Stern Algol, dessen Licht durch einen nahezu dunklen Begleiter in regelmäßigen Abständen vermindert wird, hat solche Lichtminima am 14. April 20 Uhr und am 29. April 4 Uhr.
Die Sonne vergrößert ihre Mittagshöhe im Laufe des Monats um 10,5 Grad oder 20 Sonnendurchmesser; die Tageslänge nimmt um zwei Stunden zu. Die Lichtgestalten des Mondes erscheinen an folgenden Tagen: letztes Viertel am 4., Neumond am 11., erstes Viertel am 17., Vollmond am 25. April.
Aus der engeren Heimat.
Laubacher Ausschuß-Gesellschaft.
Heinrich kreiker II. Ausschußhauplmann für 1937.
□ Laubach, 30. März. Heute nachmittag versammelten sich im Saale des „Schützenhofes" die Mitglieder der Ausschuß - Gesellschaft „Solms-Lauba ch", um die ersten Vorbereitungen für das vom 13. bis 15. Juni stattfindende Laubacher Ausschußfest, das auf sein 397- jähriges Bestehen zurückblicken kann, zu treffen. Der seitherige Hauptmann Wilhelm L e i d n e r I. gab zunächst einen Bericht über das vorjährige Ausschußfest und die Tätigkeit des Vorstandes. Die Jahresrecknung schloß mit einem Heberschuß von 165 Mark ab. Der seitherige Mitgliedsbeitrag von 75 Pfennig wurde beibehalten. Die Aufnahme neuer Mitglieder wurde vorgenommen. Sodann wurde zum wichtigsten Punkt der Tagesordnung, der Wahl des diesjährigen Hauptmanns, geschritten. Als Hauptmann wurde einstimmig der Bäckermeister Heinrich Kreicker II. gewählt. Hauptführer wurden: 1. Ernst Rühl; 2. Karl Leidner; 3. Hans Döll; 4. Friedrich Spuck IV.; 5. Heinrich Wahl; 6. Friedrich Möll; 7. Wilhelm Leidner I. (Hauptführer der Ehrensektion); 8. Fritz Löwer; 9. Heinrich Stengel II.; 10. August Palitsch I.; 11. Erich Bias; 12. Willy Leidner; 13. Karl Günther. Weiterhin wurden sechs Ersatzhauptführer gewählt. Der
seitherige Hauptmann schloß, nachdem er allen seinen Mitarbeitern den Dank für ihre Mühewaltung ausgesprochen hatte, die Versammlung mit dem Sieg-Heil auf ben Führer. Anschließend wurden der seitherige und der neugewählte Hauptmann unter Vorantritt der Kapelle des hiesigen Musik- vereins in ihre Wohnungen gebracht. Dann löste sich der Zug auf dem Marktplatz auf, womit die erste Vorbereitung zum diesjährigen Ausschußfest ihr Ende fand.
Landkreis Gießen.
K A l t e n - B u s e ck, 31. März. Im hiesigen Gemeindewald fand die zweite Brennholzver- steigerung statt, bei der verhältnismäßig hohe Preise erzielt wurden. Es kosteten je zwei Raummeter Buchenscheiter (gespalten) A 25 bis 26 Mk., Buchenscheiter (rund) A 23 bis 25 Mk., Buchenscheiter (rund) B 20 bis 22 Mk., Buchenknüppel A 19 bis 21 Mk., Fichtenscheiter (-Anbruch) 6 bis 8 Mk., Buchenstöcke A 12 bis 14 Mk., Fichtenstöcke B 2 Mk. und je 5 Raummeter Buchenreiser 7 bis 9 Mark.
= Staufenberg, 31. März. In unserer Gemeinde wurden sechs Knaben und sieben Mädchen aus der Schule entlassen und konfirmiert.
# Daubringen, 31. März Dieser Tage fand bei Gastwirt Schäfer die Jahresschlußversamm-
Aepfel, Vi kg 20 bis 45 Pf., Zwetschenhonig 50, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mk., Blumenkohl, das Stück 30 bis 60 Pf., Salat 15 bis 30, Endivien J.O bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 15 bis 20 Pf.
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** Drei Arbeitsjubilare bet der Stadtverwaltung. Die Pressestelle der <5tabt= Verwaltung testt uns mit: Arn 1. April dieses Jahres können Vermessungsinspektor Karl Lang vom Vermessung^- und Grundstücksamt der Stadt Gießen, Betriebsinspektor Wilhelm Steckenmesser vom städtischen Gas- und Wasserwerk und Verwaltungsinspektor Karl Hammel vom Wohlfahrtsamt auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Stadwerwaltung zurück'blicken. Aus diesem Anlaß wurde den Arbeitsjubilaren ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters überreicht.
** Dien ft jubiläum. Am heutigen 1. April kann der Prokurist der Gießener Stempel- und Farbenfabrik Joseph Kreuter, Herr Jakob Haas fein 25jähriges Dienstjubiläum bei dieser Firma begehen. Herr Haas trat am 1. April 1912 als Lehrling bei der Firma Kreuter ein und ist auch nach Beendigung feiner Lehrzeit ununterbrochen im Dienste dieses Hauses geblieben. Sein vorbildlicher Fleiß, fein unermüdliches berufliches Streben und seine Tatkraft sicherten ihm das uneingeschränkte Vertrauen des Firmeninhabers, der ihn im Jahre 1924 zum Prokuristen seines Unternehmens ernannte. In den schweren Kriegsjahren und in der wirtschaftlichen Krisenzeit nach' dem Kriege hat der Jubilar durch seine Mitarbeit wesentlich dazu beigetragen, daß der Betrieb der Firma den schweren Zeitläufen gut widerstehen und außerdem einen stetigen Aufstieg nehmen konnte, durch den der Firma im In- und Auslande große Wertschätzung gesichert wurde. Der Firmeninhaber und alle Mitarbeiter schätzen den Jubilar als vorbildlichen Mann des Berufs, als guten Arbeitskameraden und darüber hinaus als Menschen von ausgezeichneten charakterlichen Qualitäten. Heber den Kreis des Unternehmens hinaus ist der Jubilar, der feit fünf Jahren auch in der politischen Leitung der Ortsgruppe Gießen-Süd mit tätig ist, vielen Volksgenossen in unserer Stadt bestens bekannt. Er kann sich auch der hohen Wertschätzung dieser Volksgenossen erfreuen.
** Mieterjubiläum. Im Hause Ludwig- straße 31 (Besitzer Friedrich Seibel) können am heutigen 1. April zwei Mieter auf ein langjähriges harmonisches Einvernehmen mit dem Hausbesitzer zurückblicken. Die Witwe des Oberbahnassistenten Dörner wohnt seit 40 Jahren, Studienrat Horn seit 25 Jahren in diesem Hause. Das langjährige Miewerhältnis ehrt sowohl den Hausbesitzer, wie auch die Mieter.
* * Schulpersonalie. Berufsschullehrer H i tz von Schotten, der zuletzt an der dortigen Berufsschule tätig war, ist nach Gießen an die Gewerbliche Berufsschule versetzt worden. Lehrer Hitz, der über 30 Jahre lang an der Volksschule, Realschule und zuletzt an der Berufsschule in Schotten wirkte, ebenso auch in zahlreichen öffentlichen Organisationen seine Arbeitskraft zum Wohle der Gesamtheit einsetzte, ist in weiteren Kreisen über Schotten hinaus besonders durch seine ehrenamtliche Mitarbeit im Vorstand des Gesamt-VHC. bekanntgeworden.
* * Arbeitsvergebung. Die Abteilung Elektrizitätswerke der städtischen Betriebe schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Herstellung von Kabelgräben zur Vergebung aus.
* * Kein Frühjahrs-Pferdemarkt. Der Oberbürgermeister gibt in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, daß der für Mittwoch, 7. April, vorgesehene Pferdemarkt mit Prämierung nicht stattfindet.
* * Gin junges Mädchen vermißt. Seit gestern abend wird ein 15 Jahre altes Mädchen aus Gießen vermißt. Das Mädchen ist etwa 1,60 Meter groß und von schlanker Figur, es hat blaue Augen und braune Haare. Bekleidet ist es mit einem roten Tuchmantel mit weißen Pünktchen, grünem Tuchkleid mit hellem Kragen, braunen Halbschuhen und fleischfarbenen Strümpfen. Das Mädel wurde zuletzt gestern abend beim Windhof in der Nähe von Heuchelheim gesehen. Mitteilungen über den Verbleib des Mädels an die nächste Polizeibehörde erbeten.
* * K a m e r a d f ch aft s tr e f fe n. Anläßlich der 40. Wiederkehr der Gründung des 10. lothringischen Infanterie-Regiments Nr. 174 findet am Samstag, 3. April, 20 Uhr, in Frankfurt a. M., Bayernhof, Kronprinzenstraße 48, eine Wiedersehens-Erinnerungsfeier der Kameraden des 10. lothringischen Infanterie-Regiments Nr. 174 und des Infanterie- Regiments 461 statt.
Zu Besuch bei den Lappen.
Don unserem Ie.-Serichierstarier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Helsinki, Ende März 1937.
Die eigentliche Lappenmark liegt jenseits des Nördlichen Polarkreises. Das Charakteristische für sie ist die Gegensätzlichkeit von Mitternachtssonne und tiefer winterlicher Finsternis, die nur durch das phantastische Nordlicht erhellt wird. In diesem meilenweiten Oedland gibt es riesengroße Sümpfe, millionenstämmigen Hochwald und weite Gebirgsheiden. Die menschenleere Landschaft ist aber auch das Land der großen Möglichkeiten, das mit seinen Wasserfällen und riesigen Erzlagern ungeheure wirtschaftliche Werte besitzt. Hier oben finden wir die primitivsten Kulturverhältnisse neben modernster Industrie und Technik.
Auf der Landkarte ist dieses unwirtliche Land im Norden nur ein kleiner Fleck, in Wirklichkeit aber größer als Holland, Belgien und die Schweiz zusammen. Die einzelnen Siedlungen liegen oft viele Tagereisen von einander entfernt.
Die Lappen sind die letzten Nomaden Europas. Die Geschichte dieses Volksstammes, die sich im Dunkel grauer Vorzeit verliert, konnte noch nicht eindeutig erforscht werden. Ihre Sprache ist mit dem Finnischen verwandt. Obwohl es in Schweden nur etwa 6000 Lappen, in Finnland etwas über 2000, in Rußland etwa ebensoviel, in Norwegen 19 000 gibt, haben sie in jedem dieser Gebiete so verschiedene Dialekte, daß sie sich untereinander mitunter kaum verständigen können. Eine eigene Schrift haben die Same, wie die Lappen sich selbst nennen, nicht.
Sommer wie Winter wohnt der Lappe in Rindenoder Fellzelten. Die primitive Wohnstätte sieht wie ein Kegelstumpf aus und ist oben offen. Die Oeff- nung, durch die der Himmel in das Zelt schaut, ist Fenster und Rauchfang zugleich. Der Boden des Zeltes ist mit Birkenreisig bedeckt, und in der Mitte des halbdunklen Raumes brennt auf einer Steinplatte das offene Feuer. In Finnland besitzt ein
Teil der Wanderlappen Blockhütten als Winter- guartiere. Alles, was der Lappe zum Leben braucht — Kleidung, Hausgerät und Essen — liefern ihm seine Renntiere. Aus den Fellen werden Kleider genäht, aus den Sehnen drehen die Frauen mit ihren Zähnen Zwirn; Leder und Felle werden zu langschäftigen Schuhen und Fäustlingen verarbeitet. Die Geweihe liefern das Material für Löffel, Messer- und Dvlchgrisfe, die oft mit reichen Ornamenten verziert werden. Auch seine Hauptnahrung, das Fleisch, spendet das Renntier dem Lappen. Auf die verschiedenste Weise wird es zubereitet, gekocht und gebraten. Aus dem Renntierblut werden Puddings bereitet, die mit Kompott aus Sumpfbrombeeren gegessen werden. Mit dem Renntierspeck werden die Hunde gefüttert. Die Milch schmeckt wie Schafsmilch und wird zu Weichkäse verarbeitet. Vom Innern des Renntieres wird nur der Magen verwendet, der gewaschen, mit Fleisch und Kräutern gefüllt, zugenäht und an einen Baum gehängt wird, wo der Mageninhalt einen Gärungsprozeß durchzumachen hat, bevor die „Delikatesse" auf den Tisch gebracht wird. Den Tareh, wie der Same den Nichtlappen nennt, kostet es große Ueberroinbung, diese Nationalspeise zu erproben.
Nur ein kleiner Teil der Lappen ist im Laufe der Jahrhunderte seßhaft geworden und lebt als Fischer ober Oebemarfsbauer in den verschwiegenen Wälbern des Nordens.
Es ist ein eigenartiges Schauspiel, wenn die Lappen in ihrer malerischen Kleidung — lange Renn- tierlederhofen, die über den hohen Pelzmokassins, wie die Schuhe genannt werden, mit einem dreifarbigen Band aßgebunöen werden, darüber einen Lodenrock, Kolt genannt, auf dem Kopfe die hohe blaue Zipfelmütze mit roten Quasten — ihre silbergrauen Renntierherben über bie Gebirgshänge treiben. Eine Renntierherbe zählt mitunter bis zu 5000 Tieren, und es ist trotz der schnellen Hunde nicht leicht, diese halbwilden Tiere zusammenzuhalten. Bei den finnischen Lappen ist nur für einen kleinen Teil die Renntierzucht die Haupteinnahmeguelle, aber fast alle Familien halten Renntiere. Große Herden in Finnland sind 500 bis 1500 Tiere stark. Die meisten finnischen Lappen besitzen nur kleinere Herben.
Die Gesamtanzahl ber Renntiere schätzt man in Schweben auf 235 000 Stück, in Norwegen 150 000 unb in Finnlanb 66 000 Stück. In den drei nachtlosen Sommermonaten bleibt der Lappe mit feiner Herde im Gebirge, dessen felsiger Grund weithin mit dem graugrünen Teppich des Renntiermoses — der Hauptnahrung der Tiere — überzogen ist. Je weiter nach Norden, desto spärlicher und verkrüppelter wird der Baumwuchs, aber um so großartiger unb mannigfaltiger die arktische Flora. Weithin ist der Boden mit gelben Veilchen, purpurfarbenen Orchideen und vielen anderen farbenfrohen Blumen übersät.
Wenn der Winter seine Eisbrücken über Seen und Flüsse baut, und die Schneemassen das Renntiermoos tiefer und tiefer begraben, muß der Qappe mit feiner Herde sich auf lange und beschwerliche Wanderungen nach ber Küste ober anberen geschützten Stellen begeben, wo die Tiere das Futter leichter mit ihren Hufen hervorscharren können. Die Zeit des Aufbruchs spüren die Renntiere selbst, und sie machen sich einfach auf den Weg. Schnell fängt ber Lappe die Trag- unb Zugtiere mit bem Wurfseil ein, packt ben einfachen Hausrat, ben Proviant unb die Felle in die Schneebovte, die Wickelkinder in aus dünnem Holz geschnitzte Kasten, bie mit Renntierhaaren ausgepowert sind, und die lange Karawane zieht ihren Weg.
An ber Spitze bes Zuges führt ein Lappe das Leittier, dem die Herde folgt. Der größte Feind der Renntiere ist der Vielfraß, Järv genannt, der auf den Rücken der Tiere springt, sich sestbeißt und das warme Blut trinkt. Im Sommer sind es die Karmen, etwa zehn Zentimeter lange wespenartige Insekten, die die Herden peinigen. Sie treiben ihre Stachel durch das kurzhaarige Fell tief in das Fleisch des Rückens, wohin sie ihre Eier legen. Die Maden fressen sich dann wieder durch das Fell hindurch ans Tageslicht. Je weniger ein Fell von den Kormen durchlöchert ist, desto wertvoller ist es.
Die Lappen sind gastfreie Menschen, wie alle, die in der Wildmark leben. Die Einsamkeit und Weite der Landschaft hat diese Menschen geformt, hat sie schweigsam, in sich gekehrt und zurückhaltend gegen
fung der hiesigen Schwelneversicherungs« g e s e l l s ch a f t statt. Der Vorsitzende Wilhelm Braun III. erstattete den Geschäftsbericht. Die Rechnungsablage erfolgte durch den Vereinsrechner Zecher. Die Kaffe wies einen Heberschuß von 131,94 Mark aus. Der seitherige Vorstand bleibt weiterhin in seinem Amt.
I Großen-Linden, 1. April. Der langjährige Bahnarbeiter Wilhelm K o n st a n z feiert am 2. April bei bester Gesundheit feinen 81. Geburtstag. Der Jubilar macht noch ohne jede Schwierigkeit feinen Spaziergang nach Gießen, wohnt allein in seinem Wohnhaus und macht sich viele Hausarbeiten selbst.
Kreis Friedberg.
< Münzenberg, 31. März. In unserer Gemeinde wurden elf Knaben und acht Mädchen konfirmiert. In Treis-Münzenberg wurden zwei Knaben unb fünf Mädchen eingefegnet.
Aus der Sängerbewegung.
IBetfungsfmgen in Heuchelheim.
* Heuchelheim, 1. April. Der Sängerkreis Solms-Wetzlar, der in diesem Jahre in seinem Gebiete drei Liedertage durchführt, hat die Vereine aus dem Biebertal und dem benachbarten Hüttenberg zu einem Wertungssingen nach Heuchelheim eingeladen. Unter der Beurteilung von Professor Gam b ke (Frankfurt a. M.) werden am kommenden Sonntag in der hiesigen Turnhalle 25 Vereine fingen. Die Vortragsfolge weist fast durchweg Werke lebender Tondichter auf, unter denen Walter Rein, Armin Knab und unsere heimatlichen Komponisten Peter Cornelius und Karl Grim besonders stark vertreten sind. Der Sängerkreis wird im Anschluß an bas Wertungssingen am Vormittag eine Kundgebung in ber Dorfmitte durchführen, bei der die etwa 1000 Sänger, die dieses Teil- singen bestreiten, als Massenchor Lieder singen werden, die die gesamte deutsche Sängerschaft beim 12. Deutschen Sängerbundfest in Breslau erklingen lassen wird. Der Kreis Solms-Wetzlar hat die Turnhalle für dieses Singen gewählt, weil der Raum in akustischer Hinsicht für solche Veranstaltungen besonders geeignet ist.
Konzert in Großen-Linden.
* Großen-Linden, 31. März. Unter Leitung seines Dirigenten, Musiklehrer Wilhelm S ch ä t t l e r (Gießen), veranstaltete der hiesige Gesangverein „Harmonie" am ersten Osterfeiertag einen wohlgelungenen Konzertabend. Die Bevölkerung belohnte die anerkennentswerten Bemühungen des Vereins durch guten Besuch; der Saal war dicht besetzt. Der Chor des Vereins wartete zunächst mit einigen stimmungsvollen Liedern auf und hinterließ durch feine Art des Vortrags in jeder Hinsicht einen guten Eindruck. Als Solist sang Karl F e u ß e r (Gießen) einige Lieder für Tenor unb fanb damit reichen Beifall. Fräulein Martha Schüttler bewies zunächst mit einer Solodarbietung für Violine ihre hohe Kunstfertigkeit und konzertierte bann mit gutem künstlerischem Erfolg zusammen mit ihrem Vater, Musiklehrer Wilhelm Schüttler. Eine weitere Bereicherung des Abends bildete die Wiedergabe einer Serenade für Streichquartett von Joseph Haydn. Der Abend in seiner Gesamtheit bedeutete für ben Verein und feinen Dirigenten einen verdienten großen Erfolg.
Konzert in Watzenborn-Steinberg.
"Y" Watzenborn-Steinberg, 31. Mürz. Unsere Gemeindeverwaltung hatte die Einwohnerschaft für den Ostersonntag zu einem Konzert in der neuen Volkshalle eingeladen. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Kapelle Albert Schleuse (Steinbach) leitete das Konzert mit einem Musikstück ein. Im Nämen der Gemeindeverwaltung begrüßte dann Bürgermeister Schäfer die zahlreichen Zuhörer und berichtete in kurzen Zügen über die Entstehung dieser Gemeinde-Volkshalle. Der Verlauf der Veranstaltung brachte eine Reihe gesanglicher Darbietungen, für die sich die Gesangvereine „Jugendfreund" (Lei-
SCHWARZKOPFz-x
Gegen Schuppen besonders zu empfehlen: Schwarzkopf-Schaumpon Sorte Teer 20 Pf. Schwarzkopf-Extra-Zart mit Kräuterbad 30Pf.
Ein unangenehmes Übel, das sich aber leicht und mit Erfolg bekämpfen läßt. Pflegen Sie Haar und Kopfhaut regelmäßig so, daß kein ßlkali und
keine Kalkseife im Haar verbleiben, also mit
Fremde gemacht. Obwohl der Lappe auf seinen Wanderungen immer wieder mit den Annehmlichkeiten der Zivilisation in Berührung kommt, kann er doch seine primitive Lebensweise nicht ändern. Die Nomaden müssen das harte Leben ihrer Vorfahren weiterführen. Die Wildmark unb ihre Renn- tierherden zwingen sie dazu.
Vertrunkene Herkules" als Ausreißer.
In Herkulaneum wurde eine antike Statue „Der betrunkene Herkules" schon vor einiger Zeit entdeckt, der es Vergnügen zu machen scheint, von Zeit zu Zeit die Wächter zu ärgern und spurlos zu verschwinden. Es ist eine der kostbarsten Arbeiten aus bem Altertum, nicht nur wegen ber wunderbaren Modellierung, sondern auch wegen der unwiderstehlichen Komik, mit der der alte Künstler den Halbgott, der als ber Namenspatron den Leuten von Herkulaneum desonbers teuer war, gestaltet hat, Herkules, bie Keule auf ber Schulter, schwankt bes süßen Weines voll, einher unb ist augenscheinlich im Begriff, ben Menschen zu zeigen, was für Folgen es hat, wenn man allzu reichlich dem Becher zuspricht. Schon vor einigen Jahren wurde die Statue das erstemal mitten in der Nacht gestohlen. Die Leiter der Ausgrabungen wurden zu eifrigen Detektiven, und ihren Bemühungen gelang es schließlich, ben Herkules in einem Garten, unter einem Baume vergraben, wieder zu entdecken; als er roieber zum Vorschein kam, schien es, als ob er über das ganze Gesicht lachte wegen bes Streiches, ben er feinen Wächtern gespielt hatte.
Der alte Trinker wurde wieder auf bie Basis in Herkulaneum gestellt, von ber er herabgeholt war, aber er sollte nicht lange in Ruhe dort bleiben. In einer der letzten Nächte hörten die Wächter wütendes Hundegebell und Tritte, unb als sie herbeieilten, sahen sie flüchtige Schatten, aber erst am Morgen konnten sie feststellen, baß ber Herkules roieber einmal von seinem Platz verschwunden war. Obwohl bie ganze Gegenb abgesucht würbe, war es bisher nicht möglich, eine Spur von den Dieben zu finden.


