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weiter zu steigern versuchen. Diese Arbeit muß mit guter fachlicher Ausbildung, viel Liebe zu den Tic­ken und mit Gründlichkeit in der Arbeit geleistet werden.

Echäfermeister Wirth, Wetterfeld, forderte die Schäfer zu größerem Berufsstolz und zu festem Zusammenhalten auf. Von den Gemein­den verlangte er mehr Verständnis und Förderung für die Schafzucht. Anstelle einer übersetzten Rind­viehzucht empfahl er die wirtschaftlichere Schaf­haltung.

Ortsgruppenleiter Kirchhöfer, Hungen, rühmte in einem kurzen Schlußwort den ideellen Gehalt des Schäferberufs und insbesondere auch die Derliebe eines guten Schäfers. Er betonte, daß auch der Schäfer mitarbeite für das Werk des Füh­rers und damit für Deutschland. Mit dem Gruß an den Führer wurde dann die Arbeitstagung geschlossen.

Schä'serumzug und Schäferkömgspaar.

Am Nachmittag marschierte ein interessanter Festzug durch die fahnengeschmückten Straßen der Stadt. Voran SA.-Reiter, dann schneidige SA.- Musik. Hierauf, mit der Schäferfahne an der Spitze, unter Führung des Schäfermeisters Wirth (Wet­terfeld) die große Gemeinschaft der Schäfer in ihrer Berufstracht mit der Schäferschippe. Wetterharte, prächtige, erdverbundene Männer neben den kräf­tigen, berufsstolzen Söhnen, aber auch manchmal noch in Begleitung von Enkeln, so daß Großvater, Vater und Sohn in einer Berufsgemeinschaft mar­schierten. Dazu einige junge Schäferinnen, zum Teil ganz in Wolle der eigenen Schafzucht gekleidet, eine schöne und ansprechende Werbung für die Schäferei. Dann folgte eine Anzahl Festwaaen, voran der bisherige Schäferkönig mit der Schäferkönigin, dann je ein Wagen mit der Schafschur, mit der Wolloer- arbeitung, dem Schafpferch mit Schafen, zwei Spinnstuben, Leibesübungen treibender Landjugend; dann marschierend Jungvolk, zum Schluß eine Ab­teilung SS.

Auf der Festwiese vor der Stadt sprach zunächst Kreisbauernführer Ott zu den Schäfern und den übrigen Volksgenossen. Er betonte dabei besonders den hohen ideellen Gehalt des Schäferberufs und sprach den Schäfern Dank und Anerkennung für ihre bisherige Mitarbeit am Werke des Führers aus. Als Vertreter des verhinderten Landesbauern­führers sprach Landesobmann Seipel (Friede berg). Er wies dabei insbesondere auf die realen und idealen Fundamente der Schäferarbeit hin und betonte, daß die Wiederbelebung und Förderung der einheimischen Schafzucht eine reale und ideelle Notwendigkeit darstellt. Die Sorge, die heute dem Schäferberuf von feiten des Reichsnährstandes zu- gewandt wird, entspricht der Bedeutung der Schaf­haltung für unser gesamtes Wirtschaftsleben. Der Landesobmann ging weiter auf einige allgemein politische Fragen ein und wies besonders darauf hin, daß der nationalsozialistische Staatsgedanke für jeden Stand bindende Verpflichtungen enthält und aus dieser gegenseitigen Verpflichtung seine Lebens­und Leistungsrechte empfängt.

Nunmehr folgte der traditionelle Schäferlauf, an dem 5 Burschen und 5 Mädchen bis zu 25 Jah­ren teilnahmen. Sämtliche Wettbewerber für diesen Lauf müssen unverheiratet sein. Aus dem zwei­maligen Wettlauf über zwei Hindernisse gingen Schäfer Wilhelm Blum aus Ober-Widdersheim als Schäferkönig und Elisabeth Vondcrheid aus Villingen (diese schon viermal hintereinander) als Schäferkönigin als Siegerpaar hervor.

Mit Musik ging es nun zur Stadt zurück, wo bei Musik und Tanz imDarmstädter Hof" der dies­jährige Oberhesfische Schäfertag seinen Abschluß fand.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Offene Augen bringen Glück!

Wer freut sich nicht, wenn ihm ein Marienkäfer- chen zufliegt? Verheißend doch diese kleinen roten, schwarzbepunkteten Käferchen eitel Glück, weshalb man sie auch Glückskäfer nennt. Nun, nicht mehr lange wird's dauern, und Millionen dieser kleinen, rotleuchtenden Glückskäferchen werden in ganz Deutschland summen und brummen.

Manche werden fragen: jetzt im März schon Ma­rienkäfer? Nicht nur das! Auch die Margeriten wer­den schon im März blühen! Denn auf diesen Mar­geritenblüten sitzen die roten Glückskäfer, die uns allen, die ganz Deutschland Glück bringen werden. Diese Margeritenblüten mit dem Glückskäfer sind das Abzeichen des deutschen Winterhilfswerks für die bevorstehende Straßensammlung im Monat März.

Just ein Jahr ist es her, als uns die zierlichen, elfenbeinfarbenen Narzissen des Winterhilfswerks erfreuten, mit denen sich heute noch mancher schmückt. Damals konnte es nicht genug Narzissen geben. Mit den Margeritenblüten und Glückskäfer­chen wird's diesmal ähnlich gehen: ehe wir uns umsehen, werden alle verkauft sein.

Aber wer hat sich nur diese blühende Margerite mit dem Glückskäferchen ausgedacht? Irgendeinem muß dach der Gedanke, dieses Sinnbild des Früh­lings und des Glücks zu schaffen, zu allererst ge­kommen fein! Gewiß war es ein großer Maler oder ein großer Dichter, der es sich in seinen Künstler­träumen ersonnen hat?

Weit gefehlt diesmal! Weder ein großer Maler, noch ein großer Dichter, auch nicht etwa ein Kunst­gewerbler war es, sondern ein bescheidener, ein­facher Kammacher aus Ober-Ramstadt bei Darm­stadt. Dort in Ober-Ramstadt sitzen viele Kamm­macher, deren geschickte Hände weitberühmte Schild­pattkämme und Schildpatthaarschmuck herstellten, bis die Bubikopimode ihnen das Brot nahm.

Und einer dieser stillen Arbeiter hat sich die Mar­geritenblüte mit dem roten Glückskäferchen aus- gedacht. Man hat ihn gefragt, wie es zugegängen ist, daß ihm ein so gescheiter Gedanke kam?Jo", hat er lachend in unverfälschtem Hessisch geant­wortet,wenn man halt mit offene Aaache (Augen) dorch die Welt geht, do sieht ma schon, wie die klane Käwerche uf de Blume herumkrawele".

Meinen wir nicht alle, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen? Aber dennoch haben wir nicht ,chas Käwerche uf de Blume krawele" sehen. Der Oder-Ramstädter Kammacher, der allein hat's ge­sehen!

Worauf es aber dem Kammacher in feinem Her­zen ankam, war vor allem, daß seine Ober-Ram- städter wieder Arbeit hätten. Seineoffene Aache" haben's geschafft! Viel Arbeit und viel Glück kam nach Ober-Ramstadt, nach Erbach (im Odenwald), nach Geislingen a. d. Steige (Württemberg), aber auch noch nach etlichen Betrieben in Baden und Oberbayern, kurz überall dorthin, wo geschickte Hände deutscher Elfenbeinschnitzer und Drechsler hatten feiern müssen.

Es ist schon was dran an dem Wart, daß offene Augen Glück bringen! Wie groß aber das Glück sein wird, das werden am besten alle die deutschen Volksgenossen erfahren, denen durch die geopferten Spenden wieder ein großes Stück weiter geholfen wird. Und weil's so sein wird, wird zuletzt das Maraeritenblümlein mit dem Glückskäfer ganz Deutschland Glück bringen, denn das größte Glück der Deutschen ist die Volksgemeinschaft!

Dornoiizen.

Tageskalender für Montag.

NSDAP., Kreis Wetterau, Amt für Beamte: 20 Uhr im Caf6 Leid Gemeinschaftsabend für die Kreisabschnitte Mendorf a. d. Lda., Gießen, Grün­berg, Hungen und Lollar. NSG.Kraft durch Freude": 20 bis 23.15 Uhr:Carmen". Gloria­

I Palast, Seltersweg:Ich lebe mein Leben". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Variete". Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz:

117 bis 18 Uhr AusstellungForscher als Künstler". Evangelische Gesamtgemeinde, Evangelischer Bund: 20 Uhr in der Johanneskirche Volksmissions- abend.

NEDAp., Kreis Wetterau.

Amt für Beamte.

Arn Montag, 1. März, 20 Uhr, findet im Cafe Leib, Gießen, für die Kreisabschnitte des RDB. Allendorf a. d. Lda., Gießen, Grünberg, Hungen und Lollar ein Gemeinschaftsabend der Berufs­kameraden statt.

Familienangehörige und Gäste find willkommen.

Ortsgruppe (Sießen-Süd.

Am Dienstag, 2. März, Mittwoch, 3. März, und Donnerstag, 4. März, findet in der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die WHW.- Pfundsammluna statt. Es wird gebeten, die Lebens­mittelspenden Osifundpakete) zur Abholung bereit­zuhalten.

NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd.

hilfskasie.

Alle Angehörigen der SA., SS., Marine-SA., Reiter-SA. und des NSKK., die im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd wohnen, zahlen ihren Bei­trag zur Hilfskasse für die Monate April, Mai und Juni am

Dienstag, 2. März, Mittwoch, 3. März, und Donnerstag, 4. März, jeweils in der Zeit vom 20 bis 22 Uhr auf der Ge­schäftsstelle der Ortsgruppe, Frankfurter Straße 29 Hinterhaus.

NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Ost.

Am Dienstag, 2. März, findet ein Schulungs­abend der Ortsgruppe Gießen-Ost für sämtliche Politische Leiter, Führer und Führerinnen der For­mattonen, Amtswalter und Amtswalterinnen der Gliederungen und angefchlassenen Verbände im Schützenhaus statt. Beginn pünktlich 20.30 Uhr.

Das restlose Erscheinen aller oben angeführten Mitarbeiter wird erwartet.

Bett.: Lebensmittel-Opferrring der Ortsgruppe

Die Sammlung wird Dienstag, 2. und Mittwoch, 3. März, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wallen die Pfundpäckchen bereit­halten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vor­legen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben.

Es wird gebeten, daß sich außer den Mitgliedern auch diejenigen Volksgenossen beteiligen, die in der Lage sind, das WHW. zu fördern.

Vetr.: kohlenversorgung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine bis zum 5. März täglich in der Zeit von 17 bis 19 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, gegen eine Wert­quittung umzutauschen. Später eingereichte Kahlen­gutscheine können nicht mehr in Zahlung genom­men werden.

Ortsgruppe Gießen-Nord, Winterhilfswerk 1936/37.

Am Donnerstag, 4., und Freitag, 5. 3., wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord die Pfund­sammlung durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen.

Vetr. Kohlenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine (Serie E und S) bis spätestens Freitag, 5. 3., 20.30 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Walltorstraße 38, einzurei­chen. Später eingehende Gutscheine können nicht

mehr angenommen werden. Auf der Rückseite des Gutscheines ist die Art des gelieferten Brennmate­rials anzugeben, gleichzeitig müssen die Gutscheine den Stempel oder Namen der Kohlenhändler und die Unterschrift, Straße und Hausnummer des Hilfsbedürftigen tragen.

. Die öeutfdic Arbeitsfront WX'n.9.=0emeinfthaftKraftdurch freute

Amt Feierabend.

C a r m e n" - V o r st e l l u n g e n im Gieße­ner Stadttheater. Die vorbestellten Karten für die Aufführung am 4. 3. müssen bis Dienstag, 2. 3., die vorbestellten Karten für die Aufführung am 8. 3. bis Mittwoch, 3. 3., abgeholt werden, andernfalls wir über die Karten anderweitig ver­fügen.

DieNeue Apothekerin derKaiserallee.

Nach einem schwierigen Umbau des Hauses Kai­serallee 10 und nachdem der Innenausbau abge­schlossen werden konnte, wird am heutigen Montag dieNeue Apotheke" ihrer Bestimmung übergeben. Die Einrichtung dieser Apotheke wird sicherlich von der Bevölkerung des erheblich ausgebauten Ostteils unserer Stadt begrüßt werden.

Es handelt sich bei dieser Apotheke um eine Neugründung, für die von der zuständigen staat­lichen Behörde nach eingehender Prüfung der örtlichen Verhältnisse und Notwendigkeiten die Konzession erteilt wurde. Inhaber ist Herr Adolf Berger, der lange Zeit in Bad Ems tätig war. Ein Gang durch die Räumlichkeiten der Apotheke läßt erfenen, daß sie unter Zuhilfenahme der mo­dernsten Errungenschaften geschaffen wurde. Die Apotheke besteht aus demOffizin", dem eigent­lichen Verkaufsraum, dem unmittelbar die Rezep­tur eingegliedert ist, ferner aus einem Büroraum, in dem gleichzeitig die homöopathischen Heilmittel untergebracht sind. Anschließend befindet sich ein Arbeitsraum, in dem Medikamente in größeren Mengen hergestellt, verpackt, abgefüllt usw. werden können.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß der In­haber der Apotheke es als feine besondere Pflicht ansah, für den Umbau und die Einrichtungen der Apotheke einheimische Handwerker zu beauftragen, sofern nicht Spezialfirmen hinzugezogen werden mußten.

Landestagung hessischer Schafzüchter.

Der Landesverband der Schafzüchter in Hessen- Nassau hält am 13. März tn Gießen seine Jahrcs- haupttagung ab, auf deren Tagesordnung neben der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten als wichtigster Punkt ein Vortrag von Dr. Linnen­kohl (Kassel) überDie Schafzucht in der Er­zeugungsschlacht" steht.

** Eine Fünfundsiebzigjährige. Am heutigen Tage feiert Frau Bernhardine Engel­bach, Weserstraße 27, in voller Gesundheit ihren 75. Geburtstag.

** Mieterjubiläum. Am heuttgen Montag, 1. März, wohnt Frau Elisabcch Wagner seit 40 Jahren im Hause von Karl Weller, Wolken­gasse 22, ein ehrendes Zeugnis für die Mieterin, wie auch für den Vermieter.

** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Umbauarbeiten an der Bürgermeisterei ist die Straße Am Nahrungsberg zwischen Bergstraße und Gartenstraße auf die Dauer von acht Tagen für jeglichen Verkehr polizeilich gesperrt worden. Die aufgestellten Umleitungs- bzw. Sperrschilder find zu beachten.

** Schneegänse über der Stadt. Am Samstag zwischen 14.45 Uhr und 14.50 Uhr flog eine Schar Schneegänse, 25 bis 30 Stück, laut schreiend über unsere Stadt. Sie flogen anfangs ungeordnet, sammelten sich dann aber und zogen in der bekannten Keilform in der Richtung nach Nord-Nordosten weiter.

Das Mädchen mit dem Silberhaar.

Roman von Anny von panhnys.

16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

10.

Die Komtesse wurde wieder in das Büro von Berthold Radix geführt. Sie hatte ihr liebenswür­digstes Lächeln aufgesetzt und tat sehr scharmant.

"Nun, Herr Direktor, haben Sie der dickköpfigen Person ordentlich die Meinung gesagt und ihr er­klärt, was sie mir schuldig ist?^ begann sie und ließ sich graziös in einen bequemen Klubsessel nieder.

Berthold Radix war, nachdem er die Besucherin sehr kühl begrüßt, was dieser nicht einmal aus­gefallen, an seinem Schreibtisch ftehengeblieben.

Er antwortete ziemlich scharf:Das' Wort ,Pcr- fon klingt wenig angenehm für den Verlobten die­ser Person, Komtesse. Und damit wir uns schnell Har werden: Ich habe mich gestern mit Zustim­mung meiner Mutter mit Fräulein Karsten verlobt, was in Kürze bekanntgegeben werden wird."

Der hochmütige Mund der Komtesse blieb im wahren Sinne des Wortes vor Verblüffung offen stehen.

Schließlich stieß sie hervor:Sie wollen sich na­türlich einen Scherz mit mir machen, nicht wahr?"

Mit solchen Dingen pflege ich nicht zu scherzen, mein Fräulein. Ich liebe Fräulein Karsten, und da ich selbst ich gestehe es offen auf dem Mas­kenball imEinhorn" der geheimnisvolle Kavalier gewesen bin, der das arme Mädchen in eine wenig angenehme Lage brachte, habe ich mich mit ihr etwas eher verlobt, als wir eigentlich beabsichtigten. Wir wollten damit nämlich noch ein halbes Jahr warten. Und falls Graf Stein und Ihre Familie Wert darauf legen, sich von meiner Braut versichern Zu lassen, daß sie die Dame mit dem silberblonden Haar auf dem Maskenball imEinhorn" gewesen ist, wird Fräulein Karsten, wie ich schon letzthin vorschlug, gern dazu bereit fein. Aber zu mehr Entgegenkommen besteht kein Grund. Es kann wohl auch das ganze Städtchen erfahren, daß ich mit meiner heimlich Verlobten auf einem anständi- gen Maskenball getanzt, Sekt getunfen und sie geküßt habe. Im übrigen aber bitte ich mir Achtung aus vor Fräulein Karsten. Ich würde von jedem Rechenschaft fordern, der ihr dieselbe Achtung ver­weigert, die ich für mich verlange." Er verneigte sich.Ich hoffe, Komtesse, Sie sind in allem meiner Ansicht"

Hella Mönchsgut erhob sich mit lebhaftem Ruck. Meine Ansicht kann Ihnen wohl ziemlich gleich

sein, Herr Direktor; aber ich muß mich leider Ihrer Ansicht fügen."

Sie neigte nur ein wenig den Kopf, und in ihren Augen las er Aerger und Zorn über die Abfuhr die sie erlitten. Gleich darauf war sie, höflich von ihm bis zum Flur geleitet, gegangen.

Er lächelte ihr nach. Jetzt brauchte er eigentlich gar keine Verlobungsanzeigen mehr zu verschicken; die Komtesse würde diese Neuigkeit schon genügend verbreiten.

Er öffnete die Tür zu einem kleinen Nebenraum, da stand Franziska Karsten, die alles mit angehört.

Er selbst hatte sie in das Zimmerchen geschoben, als ihm die Komtesse gemeldet worden war.

Du bist unendlich gut, Berthe!! Ich begreife es immer noch nicht, womit ich so viel Liebe und Güte von dir verdient habe." Sie schüttelte den Kops. Ich habe dich früher auch ganz falsch beurteilt, t)abe dich für viel oberflächlicher gehalten, weil du morgens so spät ins Büro kamst, weil du gesell- saftlich sehr in Anspruch genommen warst und so oft für ein paar Tage nach Frankfurt oder sonst­wohin verschwandest. Weil du"

Sie stockte, und er vollendete:Weil ich zu viel auf mein Aeußeres gebe und immer nach der letz­ten Mode herumlaufe?" Er zwinkerte neckend. Stimmt doch alles, Mädelchen, ich hab's erraten, nicht wahr?"

Sic mußte zugeben:Ja, auch das trug dazu bei, daß ich mir van dir ein falsches Bild machte, dich für oberflächlich hielt. Ich sehe dich jetzt ganz anders."

Er blickte nachdenklich ins Leere.

Weißt du, Fränze, früher hat deine Meinung über mich beinahe gestimmt. Aber die Liebe, die über mich gekommen, hat das Beste in mir mit emporgerissen." Er sah sie glücklich an, küßte sie, schab sie bann von sich, lachte:Jetzt wollen wir arbeiten. Den Nachmittag hast du wieder frei, da fahren wir zu meiner Mutter."

An diesem Tage teilte Franziska der Nähkathrin mit, daß sie sich mit Berthold Radix verlobt hätte, und die Nähkathrin schlug vor Staunen schallend die Hände zusammen.

Ich hab's gewußt, daß du noch Glück im Leben hast, Fränze. Ader, nicht wahr, wenn man nicht bas Gelb gestohlen hätte, bas beine Großmutter hinterlassen, wäre bas alles anbers gekommen! Weil bu bein Gelb von ber Fabriksparkasse für die Beerdigung haben wolltest, würbe bein Chef erst auf bich aufmerksam."

3a, er sagt bas selbst", gab Franziska zu. Sie bemerkte nicht, wie bie Alternde bei ihrer Antwort aufatmete.

Franziska meinte:Ich möchte nun ein paar Möbel verkaufen, denn etwas muß ich doch schließ­lich mit in die Ehe bringen. Wenigstens Wäsche unb ein paar Kleiber. Ich kann mich ja nicht ganz wie eine Lumpenprinzessin ausftatten lassen."

Da würbe Nähkathrin nachbenklich, murmelte: Schabe, baß man bas Gelb gestohlen!" Sie lächelte, unb bas Lächeln sah ein bißchen verzerrt aus. Vielleicht ist es aber doch nicht gestohlen worben. Wer sollte benn hier hereingekommen sein? Deine Großmutter hat es wohl nur zu sicher aufbewahrt. Weißt bu, es läßt mir keine Ruhe, ich fange noch­mals an, ganz gründlich zu suchen."

Am Abend kam sie Franziska mit bem Ruf ent­gegen:Es ist ba, es ist ba! Es hat sich hinter ben Kasten im Schreibtisch festgeklemmt, ba ist nämlich eine Spalte."

Sie bewies Franziska, wo bie Scheine gewesen, unb bas junge Mäbchen nahm bie Lüge arglos hin, war froh, um nicht ganz arm in bie Ehe gehen zu müssen.

So hatte Nähkathrin ben Diebstahl roieber gut- «, aber bie Angst vor einem sorgenvollen anb von neuem debrohlich vor ihr.

Die Verlobungskarten würben zur Post gegeben; eine baoon flog auch nach Paris, an ben General­vertreter ber Dortigen Rabio-Radix, den Grafen Jean Louis von Rethel. Er zeigte bie elegante An­zeige feinem zukünftigen Sohn.

Ein liebensroürbiger Herr, ber Besitzer ber Rabio-Rabix. Ich kenne ihn persönlich gut; er lebte vor bem Tob seines Vaters lange hier in Paris. Wir finb manchmal zusammen ein bißchen herum- gebummelt."

Am Abenb, ehe er sich zur Ruhe begab, räumte er, wie gewöhnlich, seine Taschen aus, unb ba fiel ihm auch bie Verlobungsanzeige roieber in bie Hänbe.

Er las:

Berthold Rabix Franziska Karsten

Franziska Karsten!" sagte er leise, unb über seine Stirn legte sich eine nachbenkliche Falte. Er wieberholte:Karsten!" Sah plötzlich, wie aus bem Boden aufgestiegen, eine schlanke Frauengestalt mit ganz eigenartiger Haarfarbe vor sich.

Sielderdlonb konnte man bie Farbe wohl nen­nen.

Er sah große Augen in ber Umrahmung bunfler langer Wimpern unb hörte eine erregte Stimme sagen:Sie tragen bie Schuld an dem ganzen Un­heil!"

Er fuhr sich mit ber Hanb über bie Stirn, als wollte er quälenbe Gebauten wegroischen. Die Mü­digkeit, bie er vorhin empfunben, war vergangen; Dinge, an bie er nur ungern bachte, waren mit einem Male roieber aufgetaucht unb blieben haften.

Sie tragen bie Schulb an bem ganzen Unheil!" klang es ihm in ben Ohren

Er ging an bas Fenster, stieß bie Läben weit auf.

Dort brühen, in weichen, nächtlich verschwimmen- den Linien, lag bas kleine Palais Rethel, das Ziel feiner Wünsche. Der Anblick sollte ihn beruhigen. Aber es war nicht ber Fall. Im Gegenteil, er fragte sich, ob es wirklich so wichtig war, baß er

ba brüben roieber einzog. Legte er nicht zuviel Wert auf diesen Wunsch?

Nein, nein! verteidigte er sich heftig. Wichtig ist alles, roas man brennend wünscht, namentlich, wenn man alt geworden und bie Zukunft begrenzt ist-

Her mit frohen Gebauten! Die Slboptionsange- legenheit schritt gut vorwärts, alle Heimatspapiere des in Wien geborenen Günther Grevenstein waren in Orbnung, unb es lag, wie Nachfragen in Wien unb Prag, wo er am meisten gelebt, ergaben, nichts gegen Grevenstein vor.

Er sann: Manche Annehmlichkeit hatte ihm Günther Grevenstein schon in sein Leben gebracht. Er fanb, baß die Waubuhr fast überlaut tickte! Unb tickte sie nicht rhythmisch, betont: Sie tragen die Schulb an bem ganzen Unheil!?

Er stellte bie Uhr ab unb ging schlafen. Er spürte jetzt roieber Mübigkeit.

Karsten! sann er. Es war wohl ein Name, der in Deutschlaub häufig vorkam, auch mehrmals in einer kleinen Stabt. Das wäre boch gar nichts Un­gewöhnliches.

Er lachte ein wenig, aber es klang unfroh; bann schlief er ein.

11.

Tilli Bergschlag saß in ihrem eleganten Ankleide­zimmer unb alles lag $um Ausgang bereit; aber sie bachte nicht baran, sich umzukleiden. Ihr Vater trat ein; er war ein untersetzter, ein wenig plumper Mann, aber sein Gesicht hatte einen Ausdruck von Gutmütigkeit.

Er rief vorwurfsvoll:Aber Tillichen, wir wol- len boch zur Mobeurevue ins Schumanntheater fah­ren, unb nun hockst du noch im Morgenrock hier! So läufst du morgens, mittags unb abends herum unb warst früher immer wie aus bem Ei gepellt. Ich rufe bie Marie, laß dir beim Anziehen helfen, damit wir noch zurechtkommeu. Du sollst bir bei ber Revue recht schöne Toiletten aussuchen, unb bann reifen wir nach Italien. Da ifts jetzt schon roarm unb sonnig." Er strich über ihr mattbraunes Haar, besten unbebeutenben Farbton bie gute Pflege sticht verbessern konnte.Sei boch vernünftig, Til- lichen! Was vorbei ist, bas ist nun mal vorbei. Finbcst balb einen anberen, ber es ehrlich mit bir meint."

Der Kerl hatte es von Anfang an bloß auf unser Gelb abgesehen, unb wir können froh sein, baß er uns nicht noch mehr 'reinqeleqt hat."

Tilli schluchzte auf.

"Rehe boch nicht so schlecht von ihm, Vater! Es tut mir weh. Er hatte eben Unglück mit bem Geld, vielleicht hat er spekuliert, unb für bich zählt bie Summe ja gar nicht. Aber er ist nun in Afrika, unb wenn ich baran benfe, ist es mir immer, als ob er vor mir ftänbe unb mit erhobenen Hänben um Rettung bäte. Ich kann nicht mehr schlafen, ich kann nicht mehr essen, so quält mich biefer Ge­danke." (Fortsetzung folgt.)