von nationalen Katastern die Zusammenfassung der Bürger gleicher Volkszugehörigkeit in gleiche Körperschaften öffentlichen Rechtes, die die Eigenbestimmung auf dem Boden ihres Gebietes und die Mitbestimmung in allen Staatseinrichtungen zu erhalten hätten. Alles das müsse durch Gesetze sichergestellt werden. Die Sudetendeutsche Partei werde dem Prager Parlament die nötigen Gesetzesvorlagen unterbreiten, damit nochmals eine Probe darauf gemacht werden könnte, ob die Tschechen ehrlich eine Versöhnung wollen. Die sudetendeutschen Forderungen seien: Schutz der Heimat, Sicherung der Volkstumsgrenzen, völkische Selbstverwaltung und Wiedergutmachung des den Sudetendeutschen seit 1918 zugefügten Unrechts. Unter großer Begeiste-
Berlin, 27. Febr. (DNB.) Der Leiter der Auslandsorganisation der NSDAP., Gauleiter Bohle, richtet einen Aufruf an das Auslandsdeutschtum, in dem es heißt:
Der Erlaß des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vom 30. Januar 1937 über die Einsetzung eines Chefs der Auslandsorganisation im Auswärtigen Amt stellt eine Tat dar, die von historischer Bedeutung für das Deutschtum im Auslande sein wird. Niemals zuvor hat eine Regierung des Deutschen Reiches in dieser klaren Weise ihrer Verbundenheit mit den Reichsbürgern im Auslande Ausdruck verliehen. In vier Jahren harter und entschlossener Arbeit haben der Führer und seine Bewegung ein neues Deutschland der Kraft, der Ehre und des Stolzes geschaffen. Ich glaube, daß gerade die Deutschen im Auslande am tiefsten die ungeheure Wandlung ermessen können, die das deutsche Vaterland in dieser kurzen Zeit erfahren hat. Wir kennen das bittere Gefühl, das jeden von uns, die wir Deutsche geblieben waren, erfaßte, wenn fremde Völker mit Spott und Verachtung von Deutschland sprachen. Wir haben nicht vergessen, was es hieß, An- gehörig^ eines Staates zu sein, der als der Paria unter den Völkern angesehen wurde, und dessen Regierungen durch fortgesetzte Würdelosigkeiten dem Ansehen ihres Landes unermeßlichen Schaden zufügten.
Es ist ein großes Ruhmesblatt in der Geschichte des Auslandsdeutschtums, daß unsere Volksgenossen jenseits der Reichsgrenzen trotz allem zum größten Teil ihrem Deutschtum, ihrer deutschen Art und dem schwerbedrängten Vaterland die Treue hielten. Ganz wenige sind es gewesen, die das heute zur stolzen Reichsflagge gewordene Hakenkreuzbanner draußen in der Welt aufpflanzten. Diese wenigen
B e r l i n, 28. Febr. (DNB.) Der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten e. V. hielt am 27. und 28. Februar seine diesjährige Bundesführertagung in Berlin ab. Neben rund 300 Bezirksverbandsführern und Standortleitern des Bundes konnte der Bundesführer Gauleiter und Oberpräsident Schwede- Koburg (Stettin) Vertreter des Reichskriegsministeriums, der drei Wehrmachtsteile, des Soldatenbundes, des Nationalsozialistischen Marinebundes, die Wehrkreisfürsorgeleiter des Reichskriegministeriums, Vertreter aller übrigen Ministerien, der Partei und des Reichsbundes der deutschen Beamten begrüßen. Die Tagung war der Klärung organisatorischer und wichtiger standes- politischer Angelegenheiten gewidmet.
Der Vertreter des Reichskriegsministeriums stellte fest, daß die Organisation der Soldaten der neuen Wehrmacht nach der nunmehr einjährigen Entwicklung sowohl in ihrem Witglieder- als auch in ihrem Aufgabenkreis eindeutig fest steht. Das Sammelbecken aller ehemaligen Soldaten der neuen Wehrmacht seien d i e Bünde der drei Wehrmachtsteile: Für das Heer der S o l d a t e n b u n d, für die Kriegsmarine der Nationalsozialistische Warin e b u n d und für die Luftwaffe die in der Bildung begriffene Organisation dieses dritten Wehrmachtsteiles. Neben
rung forderte Henlein die sofortigen Neuwahlen zum Prager Parlament, damit die Regierung den Beweis erhalte, daß diese von ihm aufgestellten Forderungen wirklich von allen Sudetendeutschen gebilligt werden. „Abermals", so schloß Konrad Henlein unter dem stürmischen Jubel der Sudetendeutschen, „strecke ich die Hand zum Frieden aus. Es ist möglich, daß sie nochmals ausgeschlagen wird. Da Recht und Wahrheit meine Helfer sind, werde ich mit euch, meine Kameraden, weiterkämpfen. Wir wollen fest an unsere Mission glauben, die für ganz Europa Ruhe und Frieden bringen wird. Wir werden unablässig um die Erfüllung ringen, komme was kommen mag!"
schufen das Fundament für die Auslandsor- g a n i s a t i o n der nationalsozialistischen Bewegung, die nach der Machtergreifung des Führers in zäher und entsagungsvoller Arbeit die Reichsdeutschen im Auslande zusammenfaßte und sie an das gewaltige Geschehen in der Heimat heranbrachte. Durch bahnbrechendes Wirken auf dem Gebiet des sozialen Ausgleichs ist heute das einstmals nationale Auslandsdeutschtum eine nationalsozialistische Volksgemeinschaft im Sinne Adolf Hitlers, lieber die Parteigenossen hinaus gedenke ich in Dankbarkeit der vielen hunderttausend Volksgenossen und Volksgenossinnen, die als aufrechte Nationalsozialisten an dem Aufbau einer wahren Volksgemeinschaft im Auslandsdeutschtum mitgeschafft haben, ohne der Bewegung als Mitglieder anzugehören.
Wenn ich daher meine neuen Aufgaben als Chef der Auslandsorganisation im Auswärtigen Amt in Angriff nehme, so bin ich glücklich, zu wissen, daß meine Parteigenossen und Parteigenossinnen mir auch hierbei treu zur Seite stehen werden. Mein Ruf zur freudigen Mitarbeit an diesen Aufgaben, die ausschließlich dem Werk des Führers dienen werden, ergeht aber an alle Volksgenossen überall in der weiten Welt, die ihrem Reich verbunden und ihrem Führer treu sind. Sowie das Auslandsdeutschtum im tiefsten Herzen stolz ist auf das große Vaterland, das Adolf Hitler ihm wieder- gab, so ist auch das neue Reich der Deutschen stolz auf die Haltung seiner Bürger im Ausland und auf das Ansehen, das sie bei ihren Gastvölkern genießen. Mögen wir alle, die wir zur weiteren Mitarbeit an einem großen Werk berufen sind, eingedenk sein der ewigen Verpflichtung, immer nur zu dienen Adolf Hitler und Deutschland!
diesen Bünden müsse aber der Reichstreu- b u n d bestehen bleiben, um seine besonderen Aufgaben zu erfüllen, nämlich die Vertretung der sich aus der langjährigen Dienstzeit ergebenden besonderen Interessen der Gesamtheit aller ehemaligen Berufssoldaten der alten und der neuen Wehrmacht und die Betreuung jedes einzelnen Berufssoldaten in Angelegenheiten der Aivilversorgung und Aürsorgefragen nach dem Wehr- machtsversorgungsgeseh.
Die Mitglieder der drei Soldatenbünde, die ehemalige Berufssoldaten waren, müßten also außerdem dem Reichstreubund angehören. Auf der anderen Seite fei der Reichstreubund aus der Entwicklung heraus und zur Unterstreichung der engsten Verbundenheit und kameradschaftlichen Zusamenarbeit korporatives Mitglied des Soldatenbundes des Heeres und sein Bundesführer gleichzeitig Stellvertreter des Bundesführers des Soldatenbundes als des zahlenmäßig größten Bundes der ehemaligen Soldaten der neuen Wehrmacht. Der Bundesführer des Reichstreubundes stellte mit Freude fest, daß nunmehr völlige Klarheit über den Mitgliederkreis, die Organisationsbereiche und Aufgaben bestünde. Alle Soldatenorganisationen würden wetteifern in der Arbeit zur Stärkung deutschen Soldatentums.
Am Sonntagvormittag fand eine große Kund-
lgebung im Theater des Volkes statt, an der neben mehreren tausend Bundesmitgliedern zahlreiche Offiziere des alten Heeres und der Marine sowie der neuen Wehrmacht teilnanmen. Nach dem Fahneneinmarsch gedachte der Bundesführer Gauleiter und Oberpräsident Schwede- Koburg aller Kameraden, die zu allen Zeiten für Deutschlands Freiheit, Ruhm und Ehre ihr Leben gelassen haben, der zwei Millionen Toten des Weltkrieges, der 400 Ermordeten aus der Kampfzeit der nationalsozialistischen Bewegung und der 600 im Kampf gegen die bolschewistische Weltpest in Deutschland gefallenen Kameraden der Polizei.
Der Bundesführer des Soldatenbundes, General der Infanterie a. D. Freiherr Seutter von Loetzen, sprach noch einmal über die Aufgaben der verschiedenen Soldatenorganisationen und betonte, daß Deutschland nichts anderes wolle als einen ehrenvollen Frieden. Neben der aktiven Truppe sei der Reservist der Träger der Kampfkraft. Er erinnerte an die Worte des Reichskriegsministers am Heldengedenktage, daß die deutsche Wehrmacht zusammen mit der Partei, der sie sich unlösbar verbunden fühle, das Rückgrat und das Fundament des neuen Reiches bilde. Oberst Engelbracht überbrachte die Grüße des Reichskriegsministers Generalfeldmarschall von Blomberg und des Oberfehlshabers des Heeres, Generaloberst Frhr. von Fritsch.
„Können ist Pflicht!"
Staatsrat Johst zur Fachbuchwerbung 1937.
Zur Eröffnung der Fachbuchwerbung 1937 sprachen der Präsident der Reichsschristtumskammer Staatsrat Hanns Jo Hst und der Vizepräsident der Reichsschrifttumskammer Ministerialrat Dr. Wis- m a n, über den Deutschlandsender. Staatsrat I o h st schilderte Wesen und die Bedeutung des Buches. Jedes Buch ist zuerst das Erlebnis eines einzelnen, aber erst, wenn es das Erlebnis vieler geworden ist, erhält fein Dasein seinen eigentlichen Sinn. Zu den Büchern, die der Gemeinschaft und ihrem Leben dienen, gehören vor allem auch die Fachbücher. „An Bücher erinnere ich jetzt, die ohne jeden anderen Ehrgeiz sind, als jedem unter euch lautlos und eindringlich zu dienen, jeden von euch reicher an Wissen, geschickter, erfahrener im Können zu machen. Die ganze Vielgestaltigkeit des Fachbuches blättert sich dem geistigen Äuge des Suchenden auf. Und wohin ihn seine Sehnsucht nach Vervollkommnung immer auch treiben mag, er findet in jedem Falle das Buch, das gerade für ihn und feinen Bedarf geschrieben wurde, und das sich restlos auf ihn einstellt und alles fagt, was er erfahren möchte. Das Buch und gerade das Fach- Buch ist immer noch das billigte, was es zu kaufen gibt."
Anschließend sprach der Vizepräsident der Reichs- schrifttumskammer Ministerialrat Dr. W i s m a n, der den Einsatz der öffentlichen Buchwerbung für das deutsche Fachschrifttum als nationalsozialistische Schrifttumsförderung schilderte. Der Nationalsozialismus sieht es als seine Pflicht an, jedem Schaffenden zu dem geistigen Rüstzeug zu verhelfen, dessen er bedarf, um seine Kräfte zu entwickeln, seine Leistungen zu steigern und damit seine Pflicht zu erfüllen. In einer jährlichen großen Werbeaktion stellt er allen werktägigen Volksgenossen den ganzen Reichtum des deutschen Fachschrifttums vor Augen und führt durch die in Millionen von Exemplaren verbreiteten Listen eine praktische Beratung größten Stiles durch. „Wir sind sicher, daß auch die nunmehr beginnende große Werbeaktion dieses Jahres ein voller Erfolg werden wird. Unser Ziel ist freilich erst dann erreicht, wenn wir jeden werktätigen Volksgenossen im Besitz aller der von uns ausgegebenen Beratungslisten wissen... Möge jeder schaffende Volksgenosse an seinem Platz mithelfen, daß dieses Ziel erreicht wikd. Es geht ja nicht um uns. Es geht ja um dich und deine Zukunft, deutscher Arbeiter!"
Oer Nundfunkprozeß vor dem Reichsgericht.
Bestätigung des Urteils in den wesentlichen Punkten.
.Leipzig, 27. Febr. (DNB.) Nach sechsmonatiger Verhandlung wurde vom Landgericht Berlin am 13. Juni 1935 der Rundfunkprozeß abgeschlossen, an dem acht Angekl agte beteiligt waren, und der mit der Verurteilung von fünf Angeklagten geendet hatte. Das Verfahren gegen die ehemaligen Direktoren des
DasneueReichiststolzausseineVörgerimAusland!
Aufruf des Sauleiters Bohle an das Auslandsdeutschtum.
Dundesführertagung des Neichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten.
Mitteldeutschen Rundfunks und der Schlesischen Funkstunde Dr. Kohl und Emil Z o r e k ist inzwischen rechtskräftig abgeschlossen worden. Der frühere Reichsrundfunkkommissar, Staatssekretär a. D. Dr. Bredow, war zu sechs Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe, der ehemalige Geschäftsführer Dr. Magnus zu fünf Monaten Gefängnis und 4000 Mark Geldstrafe und der frühere Rundfunkintendant Dr. Flesch zu einem Jahr Gefängnis und 11000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Die Verurteilung erfolgte wegen aktienrechtlicher Untreue in verschiedenen Fällen, bei Dr. Bredow und Dr. Flesch außerdem wegen Beihilfe zum Parteiverrat.
Auf die Revisionen dieser drei Angeklagten hat das Reichsgericht dahin erkannt: „Das angefochtene Urteil wird, soweit die drei Be- schwerdeführer im Falle Trennungsvergütung Dr. Flesch, ferner soweit Dr. Bredow und Dr. Flesch im Falle Parteioerrats des Rechtsanwaltes Dr. Frey und soweit Dr. Flesch im Falle der ihm gewährten Vorschüsse und Darlehen verurteilt sind, sowie hinsichtlich der Gesamtstrafe und der Anrechnung der Untersuchungshaft aufgehoben. Die Sache wird in diesem Umfang z u neuer Verhandlung und Entscheidung an die Dorinstanz zurückoerwiesen. Im übrigen werden die Revisionen der drei Ängeklagten auf ihre Kosten verworfen."
Damit hat das Reichsgericht das angegriffene Urteil in den entscheidenden Punkten rechtskräftig b e st ä t i g t. Die Aufhebung des Urteils in den genannten Punkten erfolgte, weil die Benachteiligung der Rundfunkgesellschaften bisher nicht einwandfrei und widerspruchslos nachgewiesen ist. Hinsichtlich der Beihilfe zum Parteioerrat hat die Vorinstanz den Sachverhalt u. a. nicht unter dem Gesichtspunkt geprüft, ob eine notwendige Teilnahme der Angeklagten vorliegt. Doch selbst, wenn in den vom Reichsgericht beanstandeten Fällen in der neuerlichen Verhandlung durch das Berliner Landgericht Freisprechung erfolgen würde, käme das Straffreiheitsgesetz vom Juli 1934 nicht zur Anwendung, da unter allen Umständen bei Dr. Magnus und Dr. Bredow Geldstrafen von je über 1000 Mark bestehen bleiben und auch bei Dr. Flesch die Amnestiegrenze von sechs Monaten Gefängnis in jedem Falle überschritten werden wird.
Pimpfenmuflerung.
NSG. Im Adolf-Hitler-Haus zu Wiesbaden, der Dienststelle der Gebietsführung Hessen-Nassau der Hitler-Jugend, kamen am Sonntag die Jungbannärzte zu einer Besprechung über die ärztliche Untersuchung des Jahr, aanges 1927 zusammen. Nachdem der Jungvolk- fportreferent, Fähnleinführer Balser, 'einen Ueberblitf über den technischen Ablauf der Aktion gegeben hatte und die große Bedeutung heraus- gestellt hatte, die die Fühung des Jungvolkes der gesundheitlichen Betreuung zumißt, erläuterte der Gebietsarzt, Unterbannführer Feser, die Durchführung der ärztlichen Voruntersuchungen, die in Anlehnung an die von der Reichsjugendführung gegebenen Anweisungen in Form von Appel- len in allen Standorten verläuft. Ihr Befund zusammen mit der Entscheidung des örtlichen Jungoolkführers entscheidet über die Tauglichkeit des neuen Pimpfen. Für diese Worunter* suchungen stehen sämtliche Aerzte des Amtes für Volksgesundheit zur Verfügung, die die Tausende von Jungen und Mädel, die am 20. April in das Deutsche Jungvolk aufgenommen werden, untersuchen helfen. Zum Schluß entwickelte Stabsleiter Oberbannführer Lindenburger die Aufgaben, die sich Hitler-Jugend und Jungvolk des Gebietes im Jahr 1937 gestellt haben, und die den vollen Einsatz der HI.-Aerzte erfordern. Die unbedingte Zusammenarbeit zwischen ihnen und der politischen Führung gibt die Gewähr für einen vor- bildlichen und ohne nachteilige Weiterungen verlaufenden Dienst.
Radikalsozialistische Warnungen an Blum.
Paris, 1. März. (DNB. Funkspruch.) Auf dem Prooinzial-Kongreß des radikalsvzialistischen Lan- desverbandes Südweft-Frankreich erklärte der Präsident des Bezirksverbandes der Dvrdvgne, daß die radikalsozialistische Partei wohl der Volksfront treu bleiben wolle, aber nur unter der Bedingung daß die Fahne der Rad'.kalsozialisten nicht die Taten der Marxisten zu decken hätte. Senator Odin erklärt, man dürfe nicht den Abschluß
Oas „Strafgericht".
Von Wolf Neumeister.
Irren ist menschlich, und selbst ein Generalstäbler kann bei Schneetreiben und diesigem Wetter auf einer frisch verschneiten Heide eine Wegegabel verfehlen.
Mit unserem Osfizierslehraang war ein neuer Kursusleiter nach dem belgischen Schießplatz gekommen, auf dem uns Fronthengsten die feineren artilleristischen Weisheiten beigebracht werden sollten. Dieser Major war ein hervorragender Artillerist, ein interessanter Lehrer, und hatte den sarkastischen Humor des deutschen Generalstäblers, der nie ^impfte, sondern einen mit einem einzigen Wort fo abdeckelte, daß man sich nach einem besseren Hranattrichter sehnte, in dem man verschwinden könnte. Wenn z. B. bei der überraschend gestellten Ausgabe: „Von rechts anreitende Kavallerie, angedeutet durch den Kraftwagen auf der Landstraße!" der augenblickliche „Batterieführer" ein falsches Feuerkommando gab und mit feinen Manöverkartuschen recht blöd in die Gegend ballerte, ließ ihn der Major ruhig gewähren. Nach einer Weile sagte er nur trocken: „Nehmen wir also an, eine andere Batterie hätte diese Kavallerie er- lebigt, — nun gehen Sie bitte auf Ihr altes Ziel zurück!" — Peng! — Oder als ein langer Badenser beim Pistolenschießen mit feiner „Parabellum" dauernd in den Dreck schoß und dann auch noch eine Ladehemmung hatte, nahm ihm der Major mit ruhiger Verwunderung die Pistole aus der Hand, betrachtete sie und sagte: „Parabellum? — Das scheint mir denn doch mehr ,si vis pacem* Zu fein!" (Ein alter lateinischer Lehrsatz: si vis pacem — wenn du den Frieden willst — para bellum — rüste zum Kriege!)
S o einer war also der Major, aber trotzdem ver- fehlte er an jenem elenden Februarmorgen den Weg, als wir zum Scharfschießen auf den riesigen Heide-Schießplatz ausrückten. Wir waren auch alle neu im Gelände, und die alten Fahrer der Lehrbatterie hatten die Nasen tief in ihren Mantel- tragen stecken.
Die belgische Militärverwaltung hatte aufmert« samerweise schon im Frieden drei Ortschaften als
„Zieldörfer" in den Schießplatz einbezogen, und eines dieser Dörfer wollte der Major heute von unseren Haubitzen beschießen lassen. Geduldig zogen die dampfenden Gäule die schweren Geschütze durch Schnee und Sand, und die Spitze, die mit Karten führte, fluchte, daß dieses komische Dorf noch immer nicht kommen wollte.
Aber endlich tauchte es auf, ganz unklar im Nebel, weit links am Horizont: Ein Dorf mit Kirche, Häusern, Bäumen. Genaueres war auch mit dem Glas nicht zu erkennen, so diesig war es noch immer.
Der Major ließ in Stellung gehen, und ich hatte die Ehre, das Feuer auf angenommene „Erdwerke am Nordoftrande" zu eröffnen. Wie es kam, weiß ich nicht, hatten Richtkreis und Entfernungsmesser so gut gearbeitet, oder war ich plötzlich ein Genie, — jedenfalls lag ich mit dem ersten Schuß im Ziel, ein Dusel, der mir nur noch ein einziges Mal, später in Rußland, passiert ist. „Gut so!" knurrte der Major anerkennend, und ich kommandierte stolz: „Ganze Batterie, Bogenschuß, Granaten mit Verzögerung (und so weiter) ... Eine Gruppe!" Heulend rauschten die Geschosse über uns weg und schlugen rums — rums — rums--rums! ziemlich
präzise im Ziel ein.
Hohe Erdfontänen sprangen hoch, ein Treffer saß in einer kleinen Kapelle am Wege, aus einer Scheune drang ein merkwürdiger gelblicher Qualm. Ich wunderte mich, daß in so einem alten verlassenen Zieldorf noch etwas brennen sollte, und dachte, daß ich das Feuer doch etwas mehr hätte verteilen sollen, da fragte der Major den biereifrigen dicken U-: „Bitte Kritik! War die Feuerverteilung richtig?" — Der Dicke trat ans Scherenfernrohr des Kommandos,— „Zu Befehl, die Feueroerteilung ..." plötzlich fuhr er hoch: „Herr Major, da drüben brennt es!" — „3a, das sehen wir." — „Aber da sind Leute 1 Der Dicke stotterte es ganz aufge-
Ttit einem Sprung war der Major an seinem Fernrohr, ich an dem meinen — weiß der Kuckuck, da drüben rannten Menschen aufgeregt aus dem Dorf, Männer und Weiber! Ein paar winkten mit weißen Tüchern, und aus der Scheune schlugen die dicken Qualmwolken eines typischen Strohbrandes.
„Die Pferde!" brüllte der Major.
„Feuerpause!" brüllte ich, und im nächsten Augenblick rasten Stab und Batterietrupp, an die zwanzig Reiter, in wildem Galopp über die Schneeheide.
In wenigen Minuten hatten wir die drei Kilometer geschafft, vor uns das brennende Dorf, in dem scheußlichen Gefühl, daß uns da eine ganz fatale Schweinerei passiert sei.
Aus dem Dorfe rannten jammernde Menschen mit allerlei Hausgerät, einige trieben Vieh ins Freie, andere standen in heulenden Gruppen. Dicht vor den Leuten parierten wir die keuchenden Gäule, bereit, diesen armen „paysans“ alles Gute und Liebe zu tun. Aber ehe wir noch Zeit zu einer Frage gefunden hatten, warfen sich die Leute jammernd in die Knie und — baten um Gnade!
„Pas faire cTmal, messieurs! — Pas faire d‘mal!" Wir verstanden Wvrtfetzen: es solle n i e wieder vorkommen! .. .Es sei ihnen schon immer nicht recht gewesen ... wir sollten ihnen doch um der heiligen Jungfrau willen verzeihen und sie verschonen ... — Kein Wort des Vorwurfes, nur demütiges Bitten bedrohter Missetäter.
Ich habe selten so viele dämliche Gesichter auf einem Haufen beisammen gesehen, wie die unseren, ehe jedoch bei uns der Groschen gefallen war, war unser Major schon wieder Herr der Lage. Er hob drohend den Reitstock: „Also gut, — dann soll es diesmal noch so hingehen", sagte er kaltblütig, „aber lassen Sie es sich eine Warnung fein!" Und dann deutete er auf eine Gruppe von acht bis zehn jungen Belgiern, die wie die begossenen Pudel zusammenstanden. „Was sind das für Burschen?" — Der Maire, ein alter Gauner in Bluse und weiten Nankmghosen, erklärte zerknirscht: „Das sind sie, mon general! Das sind die Rekruten; aber es wird nie mehr vorkommen, ich schwöre es ..."
3efjt wurde uns plötzlich der Zusammenhang klar, und dem Major auch: Das Dorf lag hart an Der holländischen Grenze, und die Herren „Pisangs" betrieben von dort aus den beliebten Menschenschmuggel, durch den der feindlichen Armee Rekruten aus den besetzten belgischen Gebieten zugeführt wurden. Und die Herrschaften hatten meine vier Granaten als die erste Serie eines verdienten Straf
gerichtes angesehen, das nun den sündigen Ort vom Erdboden tilgen sollte.
Und mit raschem Blick auf die Karte stellten wir fest, daß wir heute morgen anscheinend eine ver- schneite Wegegabel übersehen hatten und uns in friedlich bewohnten Gegenden befanden.
Das konnte ja eine große Geschichte werden, wenn irgendeine höhere Dienststelle davon erfuhr! „Ist jemand verletzt?" fragte der Adjutant rasch. „Bisher noch nicht, mein Herr!" wimmerte der alte Gauner weinerlich. So ein Dusel! Na und die alte Scheune voll Stroh, die brannte? — „Löschen!" befahl der Major, und die Pisangs rannten mit w"dern Freudengeheul davon. Einer meiner schönen Volltreffer war in eine Erdmiete mit Futterrüben gefahren, und unsere Pferdehalter fütterten bereits beruhigt die Gäule mit dieser willkommenen Beute. Der Schaden war lächerlich gering, und den Herren Schmugglern hier saß so ein heilsamer schreck im Gebein, daß s i e über die Angelegenheit bestimmt nicht weiter zu sprechen wünschten.
So protzten wir ganz still und leise unsere Hau- bitzen wieder auf und schlängelten uns aus dieser fatalen Gegend. Unsere acht verhinderten „Rekruten" nahmen wir als Gefangene mit, um sie als „unter* roegs aufgegriffen" einer entfernten Kornmandan- zn übergeben, und beschlossen, der geheimen Feldpouzei den zarten Wink zu besonderer Aufmerksamkeit auf unser „Zieldorf" zukommen zu lassen.
Aber auf dem Marsch dachten wir doch mit einigem Gruseln, was aus dieser dummen Geschichte hatte werden können. — Der Major ritt schweigend neben mir. Nach einer Weile sagte er plötz- t'ch ^<sbiner sachlichen Art: „Wissen Sie übrigens, oaß Fhr rZeuerkommando vorhin nicht einwandfrei war? Warum haben Sie nicht das Feuer gleich verteilt?"
Ich sah auf und dachte, so trocken wie der kann ich schon lange sein, und sagte höflich: „Dann hätte ich todsicher einen Schuß in die bewohnten Höfe gesetzt, — und ich wollte Herrn Major Unannehmlichkeiten ersparen."
Da musterte mich der Major mit feinem sarkastischen Lächeln und sagte nur: „Fabelhaftes Zartgefühl!" Und dann stellte er mir eine neue, besonders interessante Schießaufgabe.


