Einzelbild herunterladen

Nr. 50 Erstes Blatt

Montag, I.März |957

187. Zahrgang

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8* /.Uhr des Vormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Text­anzeigen von 70 m m Breite 50Npf.,Platzvorschrist nach vorh Vereinbg.25"/ mehr.

Lrmähtgte Grundpretse:

Stellen-, Vereins», gemein« nutzige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei-

Erscherm auße»

Sonntags and Feiertags Beilagen; Die Illustriert. Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholl«

Monatr-vezugspreir:

Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. # -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Zernfprechanfchlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Siesten

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen s

Postscheckkonto: VW I I II gen, Bäder-, Unterrichts- u.

8r°nttuki am Main II68S druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitätsBuch- unö Sleindruckerei K.Lange in Sietzen. Schristleiiung und GeschäflrsteNe: Schuiftrahe 1 M-ng-nab,chwn-s"°ff^8

Wille zum Welthandel.

Noch steht die Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung im Vorder­grund des wirtschaftlichen Interesses, da öffnen sich auch die Pforten der Leipziger Frühjahrs­messe. Äst die Schau der Motoren ein Kind der neuen Zeit, so ist die Leipziger Messe der traditio­nelle Treffpunkt aller wirtschaftlichen Zweige; stellt die Auto-Ausstellung ein beherrschendes Zentrum der Derkehrsfragen und ihrer Wirtschaft dar, so treten in Leipzig die weltwirtschaftlichen Probleme deutlich hervor. In jedem Fall aber ist die Voraus­setzung des Erfolges in dem hohen Stande der deutschen Leistung auf Grund anerkannter Wert­arbeit zu suchen.

Die Leipziger Messe, zu der aus der ganzen Welt die Besucher strömen, wird wieder durch eine große Kundgebung der Kommission für Wirtschafts­politik der NSDAP, eingeleitet. Ihre Bedeutung ergibt sich schon daraus, daß als Redner hierbei neben dem Leiter der Kommission Bernhard Köhler der sächsische Staatsminister Lenk und der deutsche Botschafter in London von Ribbentrop angekündigt waren. Diese Kundgebung bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den Ausdruck des deut­schen Willens zum Welthandel. Die deutsche Wirtschaft, als das Ergebnis der Schaffens­kraft eines Volkes von fast 70 Millionen, läßt sich nicht ausschalten! Alle Versuche, durch Boykott oder Hetze das deutsche Erzeugnis im Welthandel zu ver­drängen, finden eine entschlossene Abwehr. Tatsäch­lich sind die Feinde des Deutschtums und seiner Geltung draußen weitgehend zum Schweigen ge­bracht worden, womit aber nicht gesagt ist, daß sie ihr unterirdisches Treiben einstellen.

Gerade das letzte Wirtschaftsjahr hat durch die Zunahme des deutschen Außenhandels gezeigt, daß Deutschland als Abnehmer wie als Liefe­rant eine starke Kraft auf dem Weltmarkt dar­stellt, daß der deutsche Handel sich den Verhält­nissen anzupassen weiß, um den Verlust alter Ab­satzfelder durch die Gewinnung neuer Gebiete aus­zugleichen. Es ist ferner dargetan, daß durch unsere vom Auslande verschuldete Devisenknappheit die starken Bande, die uns mit der Welt verbinden, nicht zerrissen werden konnten. Im Gegenteil: der Grundsatz, daß man nicht mehr kaufen soll als man bezahlen kann, hak einen festen und klaren Zustand geschaffen, mit dem auch andere Länder rechnen können. Im übrigen ist die öffent­liche Devisenbewirtschaftung in so vielen Staaten der Welt eingeführt, daß wir uns in zahlreicher Gesellschaft befinden.

Deutschland erblickt aber, oft genug wurde es ge­sagt, in der gegenwärtigen Lage der Weltwirtschaft keinen Idealzustand. Die Möglichkeiten zu einem gesunden Warenaustausch liegen freilich nicht in unserer Hand. Wir haben aber durch die Gesundung der eigenen Wirtschaft einen wichtigen Beitrag ge­liefert, der andere Länder zur Nachahmung an­regen sollte. Immer wird sich die deutsche Wirt­schaft, die kein kapitalistischesDing an sich" ist, sondern Lebensausdruck einer neu gekräftigten Nation, verpflichtet fühlen, der Weltdas Beste zu bieten, was Erfindungskunft und Wertarbeit zu leisten vermögen. Von gesundem Volkswirt­schaften aus muß sich die Neuerstarkung der Welt­wirtschaft leichter durchführen lassen. Man hat uns von dem großen Felde der kolonialen Betätigung alles Recht verdrängt und zeigt noch immer keine Neigung, dieses Unrecht wieder gutzumachen. Trotz­dem wird jetzt in Leipzig eine kolonial- unö trope nie chnisch e A usftellung eröffnet, die der Welt zeigen wird, welche Aufgaben Wissen­schaft und Technik bei der Erschließung fremder Erdteile besitzen. Daß die deutsche Wirtschaft trotz aller Ungunst der internationalen Verhältnisse zu solcher kulturellen Leistung aus freier Initiative heraus fähig war, spricht für sich selbst.

Wer Weltwirtschaft treiben will, muß dem Strukturwandel Rechnung tragen, der überall und nicht nur im alten Europa vor sich ging. Die Zeiten sind vorbei, wo es darauf ankam, möglichst viele und billige Waren zu exportieren. Verkehr, Sport, Mode, Verbrauch und Arbeits­methoden haben überall andere Wege eingeschlagen, als sie einst üblich waren. Die deutsche Erzeugung ist stets bereit gewesen, sich diesem Wandel anzu­passen. Ein Lana wie das Deutsche Reich kann sich nach allen Opfern und Verlusten des Krieges und her Nachkriegszeit wirtschaftlich nur dann behaup­ten, wenn im eigenen Lande die Voraussetzungen neuen Aufstiegs geschaffen wurden. Ein Land, in dem der Bolschewismus droht, wäre für die Welt­wirtschaft ein schlechter Partner. Ein Staat unter starker Führung aber überwindet auch die Schwie­rigkeiten der Umstellung auf den Weltmärkten, weil er keinen Dilettantismus und keine Jntereffenwirt- schaft in der Wirtschaftspolitik duldet. Es denkt niemand daran, anderen Ländern die deutschen Rezepte der Wirtschaftslenkung aufzudrängen. Wir sind zufrieden, wenn man sich auch heute vom Auslande her in Leipzig davon überzeugt, daß die deutsche Arbeit eine Leistungsschau geliefert hat, die dem eigenen Lande Ehre macht und anderen Rationen vieles zu bieten vermag. So wird die Leipziger Messe ein Bekenntnis der deutschen Wirt- 'chaft zum Welthandel sein, dem Deutschland auch ferner dienen will, im friedlichen Wettstreit der Völker!

Eine Kolonial- und Tropeniechmsche Besse. Leipzig, 28. Febr. (DNB) Am Sonntag ist ;um erstenmal im Rahmen der Leipziger Messe eine geschlossene Kolonial- und t r o p e n t e ch - mische Messe eröffnet worden, die gemeinsam om Kolonialpolitischen Amt der NSDAP, und

Oie Eröffnung der Leipziger Frühjahrsmesse.

Or. Ley legi den Grundstein zumHaus der Deutschen Arbeitsfront".

.Leipzig, 28. Febr. (DNB.) In einer Feier, die zugleich die Eröffnungsfeier der Leipziger Frühjahrsmesse bildete, voll­zog der Reichsorganisationsleiter und Leiter der DAF:, Dr. Ley, am Morgen des ersten Messe­sonntags die Grundsteinlegung zum Haus der Deutschen Arbeitsfront auf der Leipziger Messe, das im Mittelpunkt der Technischen Messe errichtet wird. Dr. Ley stellte fest, daß wir Deut­sche, wie kaum eine andere Nation, auf unserem Raum beengt seien. Wir haben aber eines, das uns frei und glücklich macht, wir haben ein herr­liches Volk, das hoch begabt ist. Wir können mit Stolz bekennen: Dieses Volk hat der Erde mindestens ebensoviel gegeben, wie die Erde diesem Volk gegeben hat. Das deutsche Volk ist unser Kapital, mit dem wir wirtschaften wol­len und wirtschaften müssen. Der Ausdruck dieses Gedankens ist diese herrliche Schau deut­scher Arbeit auf der Leipziger Messe. Seit mehr als 800 Jahren kommen hier die Menschen aus dem deutschen Raum zusammen. Es muß schon etwas Ungeheures sein, was so lange Jahrhunderte über­dauert hat. Das ist mehr als der wirtschaftliche Wert, der in all dem liegt, das ist h ö ch st e Welt­anschauung, deutsche Arbeit, deutsches Können und deutsche Leistung. So nimmt es nicht wunder, daß das neue Deutschland nun die wirtschaftliche Messe mit dem Geistigen der Arbeit paaren will, und daß wir in den Mittelpunkt dieses gewaltigen Messegeländes ein Denkmal, einen Tempel der Arbeit, der deutschen sozialen Ordnung und des neuen Deutschland überhaupt setzen. Die Arbeit in Deutschland ist nicht mehr eine Fron, nicht mehr eine Angelegenheit des Lohnes, sondern die Arbeit ist in Deutschland der Ausdruck höchster deutscher Ehre und deutscher Leistung und des deutschen Volkes überhaupt. Dr. Ley pries den deutschen Arbeiter, der auch in früheren Jahrzehnten niemals, wie man ihm vorredete, um materieller Vorteile willen gekämpft habe, sondern um feine Ehre, feine Achtung, seine Heimat und sein Vaterland, in dem er ein vollwertiger Bürger fein wollte. Adolf Hitler habe dem deutschen Ar­beiter sein Vaterland und damit feine Ehre zurück- gegeben. So weihe er den Grundstein und damit den Baubeginn des neuen Hauses der Arbeitsehre und des Arbeitsstolzes, dem Geiste der Toten, die im Laufe der Jahrtausende für Deutschland gefallen sind. Der erste Hammerschlag des Reichsorganisa­tionsleiters galt den Toten des Weltkrieges, der zweite den Toten der Bewegung und der dritte den Toten der Arbeit.

Das Haus derDeutschen Arbeitsfront" wird mit der M e f s e h a l l e 7, der größten freitragenden Halle Deutschlands organisch verbunden. Die Frei­fläche vor dieser Halle, auf der der Bau errichtet wird, hat eine Breite von 120 Meter und eine Tiefe von 40 Meter. Die Plangestaltung und die oberste Bauleitung liegt beim Architekten des Füh­rers, Speer, dem der Preisträger im Wettbe­werb zur Umgestaltung des Messegeländes, Archi­tekt S ch ü m i s ch e n (Leipzig), zur Seite steht. Das neue Haus wird in feinem Mittelteil eine Ehren­

halle des deutschen schaffenden Men­schen enthalten. Zu beiden Seiten der Ehrenhalle werden kleinere Hallen die Leistungen der weltanschaulichen Arbeit der Deutschen Arbeitsfront und desKr a f t-durch-Fr e ud e"- Werks zeigen. Die Höchstleistungen des Jahres fin­den hier alljährlich erstmalig ihren eindrucksvollen Niederschlag. Die Ausstellung soll das ganze Jahr über geöffnet bleiben. Die Halle 7, die während

der Messe die große Maschinenschau beherbergt, wird außerhalb der Messe zu einerKbF.-Halle" ausgestaltet. Sie wird zu einer Art überdachten Sportplatz. Dadurch wird die Halle künftig 40 000 statt bisher 20 000 Menschen fassen können. Hier sollen nun Veranstaltungen vonKdF." sportlicher Art und Feierabendoeranstaltungen durchgeführt werden. Es ist sogar an die Errichtung einer Sommer-Eisbahn gedacht.

Die SchlWlflellmig des Kaufmanns in her Bolkswirlschast.

Leipzig, 1. März. (DNB.) Auf dem Presse­abend der Messe hielt der Leiter der Reichsgruppe Handel, Professor Dr. Lüer, einen Vortrag über das Lebensrecht des Handels und seiner Träger, der Kaufleute. Das Fehlurteil über das Wesen des Handels beruhe auf einer unorganischen Vorstellung dessen, was wir als volkswirtschaftlich produktiv anzusprechen haben. Produktiv sein heiße nichts anderes als nützlich fein. Die Güter­schaffung sei mit der Herstellung eines Gutes wirt­schaftlich nicht abgeschlossen. Die den Dingen inne­wohnende Nützlichkeit sei an den Stätten der Er­zeugung noch in ihnen gebunden. Der Handel ent­fessele gleichsam die Nützlichkeit der Güter durch das Verbringen in den Raum des Verbrauches in richtiger Menge und Qualität zur Zeit des Bedarfes. Er­zeugung und Verbrauch bedingten sich wechselseitig, sie strebten einander zu. Der Handel schließe als verbindendes Mittelding die Kette. So gesehen stehe der Handel im Mittelpunkt des Wirtschaftsablaufs. Er habe eine Schlüsselstellung inne, die ihn ermächtige, Erzeugung und Verbrauch in ihrer Gestaltung wesentlich zu beeinflussen.

Die BezeichnungVerteiler" treffe das Wesen des Handels in keiner Weife und gehe an der produktiven und werlefchaffenden Tätig­keit vorbei. Wäre der handel wirklich nur ein mechanischer Verteiler, so könnke diese Funk­tion von anderen Einrichtungen in gleicher Weise ausgeführl werden. Der praktische Ver­such einer solchen mechanischen verbeam­teten Wirtschastsaussassung Hal in der bürokratischen Sozialisierung des bolsche­wistischen Handels seine verheerenden Folgen für die Volkswirtschaft erwiesen. Die Funktio­nen des Handels als solche seien unentbehrlich und könnten nur von seinem selb st än- digen Träger erfüllt werden: dem wirklichen Kaufmann.

Von besonderer Bedeutung sei der Kaufmann im Außenhandel. Bei der Erschließung neuer Wirtschaftsgebiete fei er der Pionier, dessen Wage­mut und Ausdauer für die Intensität der wirt­schaftlichen Beziehungen entscheidend seien. Unsere

Kolonialgeschichte beginne mit den Taten deutscher Kaufleute. Infolge des Zusammenbruches der Welt­wirtschaft in ihrer alten Form sei allerdings heute der Kaufmann in den Entfaltungsmöglichkeiten fei­ner Leistungen stark eingeengt. Während dieser uns auferlegten Zwangslage des Außenhandels dürfe aber das in unserer Kaufmannschaft investierte Ka­pital, die Erkenntnisse und Erfahrungen, nicht ver­kümmern, denn es werde die Zeit kommen, wo es eingesetzt werden müsse. Durch jede nur mög­liche Einschaltung bewährter Firmen könne dieses zur Zeit brachliegende Kapital vor der langsamen Aufzehrung bewahrt werden.

Auch unser Binnenhandel, stehe unter einem Ausnahmegesetz, dadurch bedingt, daß sich die Wirtschaft in einem Uebergangsstabium be­finde. Wie im einzelnen die künftige Entwicklung unserer Wirtschaft sein werde, ob ihre Gestaltung einen Strukturwechsel bringen werde, darüber könne noch nichts gesagt werden. Das Instrument, durch das die Wirtschaftsführung eine gleichmäßige har­monische und organische Weiterentwicklung aller wirtschaftlichen Funktionen und ihrer Träger er­möglichen könne, sei eine sinnvoll gestaltete Marktordnung.

Die Marktordnung verhindere nicht die Aus­wirkungsmöglichkeit persönlicher Tüchtigkeit im Wettbewerb. Sie sehe nur die Regeln des Kampfes fest nach den Grundsätzen der kaufmännischen Anständigkeit und der sozialen Verbundenheit. Darüber hinaus aber erhalte die Marktordnung ein großes wirtschaftspoliti­sches Gewicht, wenn ihre Handhabung bewußt geübt werde unter dem Gesichtspunkt des na­tionalsozialistischen Zieles der Erhaltung einer gesunden wirtschaftlich selb­ständigen Mittelschicht.

Der Handel gehe in die Zukunft in dem festen Glauben, daß die Fesseln, je mehr sich der welt­politische Horizont aushelle, gelockert werden kön­nen; denn das Ziel der deutschen Wirtschaftspoli­tik fei nicht die Verminderung des internationalen Güteraustausches. Das fordauernde Ansteigen der Mengen der Austauschgüter im Außenhandel spreche überzeugend gegen das Schlagwort einer von Deutschland angeblich betriebenen Jsolierungspolitik.

vom Leipziger Messeamt geschaffen ist. Eine eigene Ausstellungshalle von 4000 Quadratmeter Fläche ist auf dem Gelände der Technischen Messe für diese technisch, wirtschaftlich und wissenschaftlich gleich be­deutsame Sondermesse bereitgestellt. Diese Messe will neben einer Sammlung der bereits vorhande­nen kolonialwirtschaftlichen Kräfte die Privat­initiative in der deutschen Wirtschaft auf die kolonialen Fragen lenken und die For - schungs- und Erfindertätigkeit auf t r o p e n t e ch n i s ch e m und hygienischem Gebiet fordern. Lehrschauen deutscher wissenschaft­licher Institute vereinigen sich mit den Ausstellun­gen der bedeutendsten Herstellerfirmen für koloniale Bedarfsartikel und besonders tropengeeignete Wa­ren zu einem eindrucksvollen Bild der Kultur- und Pionierarbeit, die von Deutschen in den Kolonien und den Tropen bisher geleistet worden ist und auch ferner geleistet wird. Die deutsche Ausfuhr­industrie und der deutsche Außenhandel zeigen auf dieser wirtschaftlichen Kolonialschau ihre absolute Konkurrenzfähigkeit, ihre Anpassung an Märkte in nicht eigenstaatlichen Wirtschaftsräumen und ihren Willen zur Mitarbeit im großen Gefüge der Welt­wirtschaft.

Der Rundgang beginnt mit einer kolonial- forstlichen Schau, die das Institut für aus­ländische und koloniale Forstwirtschaft an der For st hoch schule Tharandt zusammenge­stellt hat. Hier wird zunächst Deutschlands Holz­verbrauch und Einfuhrbedarf dargestellt und gezeigt, daß das Holzoersorgungsproblem für Deutschland nur mit der Kolonialfrage gelost werden kann. Schon aus Gründen der Gleichberechtigung wird der Anfpruch Deutschlands auf eigene Kolo­nialwirtschaft deutlich gemacht. Die Deutsch­land genommenen Kolonien weisen eine Bewal­dung auf, die das Dreifache der deutschen Waldfläche beträgt und Deutschland reichlichste mit Hölzern verschiedener Verwendungsart, vom Luxus­holz bis zum Papierholz, und darüber hinaus mit Nebenerzeugnissen, wie Palmöl, Kautschuk, Gerb­stoffen, Faserstoffen usw. versorgen könnte. Schließ­lich werden die kolonialforstlichen Vorarbeiten ge­zeigt, die bereits in Deutschland und von Deutschen geleistet worden sind, namentlich durch botanische,

technologische, chemische und bodenkundliche For­schungen. Das Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten, das in vorbildlicher Weise den Kampf gegen die Tropenkrankheiten fuhrt, hat eine jehr lehrreiche Wanderausstellung über Verbreitung, Ursache und wirkungsvolle Be­kämpfung der wichtigsten Tropenkrankheiten beige­steuert. Ergänzt wird diese Schau durch Darstel­lungen der auf dem Gebiet der Tropenmedi­

zin führenden deutschen Arzneimittelindustrie. Be­sonders umfangreich ist die Bergakademie Freiberg, die älteste technische Hochschule der Welt für das Berg- und Hüttenfach, beteiligt. Das Geologische Institut zeigt eine übersichtliche Samm­lung der wichtigsten Mineralvorkommen der Welt. In den Firmenschauen wird nahezu alles gezeigt, was der Kolonifator und der Eingeborene an Ar­tikeln gebrauchen.

Das Sudetendeutschtum fordert Selbstverwaltung.

Konrad Henlein auf einer Kundgebung der Sudetendeutschen Partei.

Aussig, 28. Febr. (DNB.) Die Sudetendeutsche Partei hielt in Aussig eine große Tagung ab. Von den Wänden des großen Versammlungsraumes grüßten die Fahnen der Bewegung und die Staats­fahne, als unter brausenden Zurufen Konrad Hen­lein und Dr. K r e i ß l - Bodenbach zeigten, wie im Gegensatz zum alten Oesterreich die Entwicklung in der Tschechoslowakei gegen d i e Selbstver­waltung in den Gemeinden gerichtet war. Er verlangte daher die Wiederherstellung der ur­sprünglichen Freiheit der Gemeinden unö vor allem Gemeinbewahlen, öamit öer Wille öes Vol­kes auch hier zum Durchbruch komme. AbgeorÖneter Frank gab einen Rückblick über öie bisherigen Etappen fuöetenöeutscher Politik". Die in St. Ger­main übernommenen Verpflichtungen her tschechi­schen Regierung, aus öer Tschechoslowakei eine 21 r thöherer Schweiz" zu machen, seien ebenso wenig eingehalten moröen, wie öie Minber- heitenschutzbestimmungen. Trotz öes Eintritts su- öetenöeutscher Parteien in öie Prager Regierung fei ein weiteres Abgleiten öes Rechts unö öes Be­sitzstands öes Suöetenöeutschtums eingetreten. Auch nach öem suöetenöeutschen Wahlsieg vom Mai 1935 habe man öie angebotene Hand zum Frieben aus- geschlagen. Nun versuche man, mit öeutschen Split­terparteien zu einer Art Ausgleich zu gelangen.

In Wirklichkeit mürben aber nur alten Ver­sprechungen neue hinzu gefügt. Die deutsch - tschechische Frage könne nur mit b e r Mehrheit bes Subetenbeutschtums burch gesetzliche Vereinbarungen gelöst werben.

Konrad Henlein

erklärte, trotz aller Schicksalsschläge seien bie Su- betenbeutschen seelisch unb biologisch ungebro­chen; es sei ein Irrtum gewesen, zu glauben, sie würben burch bie wirtschaftliche Verelenbung Ber­euten ober man könne bie kulturelle Verbunben- heit ber Subetenbeutschen mit ihrem großen Mut- tervolk unterbinben. Nur mit Anwenbung brutalster Gewalt könne ein tschechischer Nationalstaat verwirklicht werben. Die Subeten­beutschen können nicht zulassen, baß bie ihnen ver­bürgte freie Entwicklung in eine Babyloni - s ch e Gefangenschaft umgeroanbelt werbe. Jeber Subetenbeutsche sei ehrlich bavon überzeugt, baß ber Friebe in ber Tschechoslowakei nur burch Anerkennung ber Volkspersönlichkeit unb ber Volkstumsgrenze hergestellt werben könne. Die Grunbsatze für bie gerechte Lösung ber Nationa- litätenfrage seien bie E inführungberSelbst- Verwaltung, bie bie Einheitlichkeit unb bie Größe bes Staates nicht verletze, weiter auf (9runb