griff zu machen, der dieses Land zu allen Jahreszeiten kennen gelernt hat. Napoleon hat einmal in seinem Winterfeldzuge in Polen 1807 gesagt, es gäbe in diesem Lande ein fünftes Element, den „Dreck". Auch in diesem Krieg mar der Dreck in dem wegearmen und an Sümpfen, Wasserläufen und Wäldern so reichen Lande das größte Hindernis für den Bewegungskrieg, aber er wurde mit beifpiel- loser Zähigkeit überwunden, so daß alle Operationen planmäßig durchgeführt werden konnten. Das wird ein unvergängliches Ruhmesblatt für den deutschen Soldaten bleiben und in seiner Bewertung nicht hinter den eigentlichen Kampfleistungen zurückstehen. Mit der Vernichtung der Masse der ausgebildeten feindlichen Streitkräfte ift der Kampf um Europa entschieden. Was jetzt noch übrig ist, kann ebenso wie die französischen Massenaufgebote im Winter 1870/71 noch eine Zeitlang in den Tod getrieben werden, aber es vermag das Schicksal nicht mehr zu wenden. Vielleicht werden die durch die Erfolge der deutschen Kriegführung bedingten Zersetzungserscheinungen trotz allen Terrors der Kommissare schon im Laufe des Winters fühlbar werden. Spätestens bei der Wiederaufnahme der Angriffsoperationen aber werden sie für alle Welt erkennbar werden. Das Jahr 1941 hat dem deutschen Heere erneut Gelegenheit gegeben, zu beweisen, daß es das beste Heer der Welt ist. Es hat Siege erfochten, wie sie in diesem Ausmaße die Weltgeschichte noch niemals gesehen hat. Jeder Versuch, für solche Leistungen dem Danke in Worten der Anerkennung Ausdruck zu geben, kann nur unvollkommen gelingen. Dem Heer genügt auch das Bewußtsein, daß es in jeder Lage seine Schuldigkeit gegenüber dem Führer und dem Daterlande getan hat und damit dessen Zukunft gesichert hat. Es weiß, wie sehr es seine Siege der genialen Leistung eines gottbegnadeten Feldherrn zu danken hat, der alle seine Entschlüsse auch mit der Weisheit des Staatsmannes gefaßt hat und der uns
damit endlich einmal die volle Uebereinftimmung der Handlungen des Staatsmannes und des Feldherrn gebracht hat, die für den Endsieg so entscheidend ist.
Japanische Fallschirmtruppen auf Sumatra.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Nach englischen Meldungen — mir verzeichnen sie nur unter Vorbehalt — sind japanische Fallschirmtruppen in Medan auf Sumatra gelandet. Der Sprecher des englischen Nachrichtendienstes sieht selbst darin einen Bern eis für die Vorteile der Initiative, die die Japaner in Ostasien besitzen, und fügt hinzu: „Es ist offenbar, daß Japan feine gegenwärtige Überlegenheit zur See und in der Luft bis zum äußersten ausnutzt, um so viele Stützpunkte als nur möglich in feine Hand zu bekommen, die dann in jeder Richtung erweitert werden können, wie es den japanischen Plänen gerade am besten dient. Angesichts der großen japanischen Hilfskräfte muß diese Bedrohung von Niederländisch-Ostindien genau beobachtet werden." Medan liegt jenseits der Meer st raße von Malakka auf der großen Sunda-Jnsel Sumatra, südwestlich Penang gegenüber, und ist mit feinen fast 100 000 Einwohnern sowohl der Mittelpunkt des berühmten Tabakgebie- tes von Doli als auch Hauptstadt der niederländisch- indischen Residenz „Surnatra-Oftküste".
Oie Hauptstadt Sarawaks genommen.
Die japanischen Streitkräfte, die am 24. Dezember auf Borneo gelandet sind, haben am Sonntag Ku sch in a erobert. Kusching ist die Hauptstadt des britischen Protektorats Sarawak und ein wichtiger britischer Flugstützpunkt. Die japanische Marine hat in den umliegenden Gewässern zwei feindliche
U-Boote versenkt und zehn große feindlich« Flugzeuge abgeschossen. Ein japanischer Zerstörer und ein Minenräumboot gingen verloren.
Oie japanische Kwangsi-Offensive.
Tokio, 29. Dez. (Europapreß.) Die japanische Offensive im -zentralchinesischen Kwangsi-Gebiet konnte weitere Erfolge verzeichnen. Der strategisch bedeutende chinesische Verkehrsknotenpunkt Kaaoan ist von japanischen Truppen besetzt worden. Im Wuning-Gebiet wurde die Stadt L i k i (25 km westlich von Wuning) erreicht. Die Verfolgung der nach Westen fliehenden Tschungking-Truppen wird trotz heftiger Schneestürme fortgesetzt.
Schwere Verluste der englisch« amerikanischen Pazifik-Schiffahrt.
Tokio, 29. Dez. (Europapreß.) Der japanische Wehrmachtbericht verzeichnet schwere Verluste der englischen und amerikanischen Handelsschiffahrt im Stillen Ozean durch die Tätigkeit japanischer Unterseeboote. Bis zum 25. Dezember sind danach zehn feindliche Handelsdampfer mit einer Gesamttonnage von etwa 70 000 BRT. versenkt und acht weitere beschädigt worden.
Kleine politische Nachrichten.
Der rumänische Zerstörer „Regina Maria" versenkte im Schwarzen Meer ein sowjetisches U-Boot.
*
Im östlichen Mittelmeer griffen italienische Torpedoflugzeuge einen feindlichen Flottenverband an und trafen einen schweren Kreuzer und zwei große Dampfer. Die den Geleitzug sichernden Jäger verloren im Luftkampf zwei Curtiß. Eine italienische Maschine ist nicht zurückgekehrt.
Die Chronik des Kriegsjahres -1944.
Januar 1941.
11. „England-HNfegesetz" im USA.-Kongreß eingebracht.
15. 57 000 Volksdeutsche aus Litauen, Esttand und Lettland kehren ins Reich zurück.
18. Vom Generalkonsulat in San Francisco wird die Reichsdienstflagge unter Tumulten heruntergeholt.
20. Aussprache des Führers mit dem Duce.
21. Roosevelt hebt das Ausfuhrverbot von Flugzeugen nach der Sowjetunion auf.
28. Waffenstillstand zwischen Thailand und Frz.» Indochina.
29. Reichsjustizminister Dr. Guertner gestorben.
30. Führerrede zum Tag der Machtergreifung.
31. Annahme des „England-Hilfegesetzes" im Außenausschuß des USA.-Senats.
Februar.
17. Bulgarisch-türkischer Freundschaftspakt.
24. Führerrede in München anläßlich der Partel- gründungs feier.
März.
1. Bulgarien tritt dem Dreimächtepakt bei. Am
3. März marschieren deutsche Truppen in Bulgarien ein.
5. Botschaft des Führers an den türkischen Staatspräsidenten.
6. Das „England-Hilfegefetz" vom USA.-Parla- tnent verabschiedet.
25. Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt. Am 27. Staatsstreich in Belgrad.
26. Japans Außenminister Matfuoka in der Reichshauptstadt. — Operationen deutscher und italienischer Verbände führen zur Einnahme von El Agheila in der östlichen Syrthe.
April.
6. Einmarsch in Jugoslawien.
9. Der Vardar überschritten, Skopje, Veles, Te- towo und Prilep genommen. Marburg a. d. Drau besetzt.
11. Ungarn überschreiten die serbische Grenze.
13. Belgrad besetzt.
16. Serajewo fällt, die serbische Armee kapituliert.
18. Die Reichskriegsslagge auf dem Olymp gehißt.
25. Die Therrnopylen gestürmt.
27. Deutsche Truppen in Athen, der Isthmus von Korinth besetzt.
30. Deutsche Truppen bis an die Südhäfen des Peloponnes durchgestoßen.
13. Sowjetisch-iapanifcher Neutralitätspakt.
15. Deutschland und Italien erkennen die Unabhängigkeit Kroatiens an.
21. Der Führer empfängt König Daris von Bulgarien.
24. Ungarns Reichsverweser beim Führer.
5. Bengasi genommen.
9. Derna erreicht.
13. Barbia erobert und Tobruk eingeschlossen.
14. Fort Capuzzo und Sollum genommen.
Mai.
4. Vierte Kriegssitzung des Reichstags.
6. USA.-Kriegsrninifter Stirnfon fordert den aktiven Schutz durch Kriegsschiffe für Lieferungen nach England.
7. Stalin übernimmt persönlich die Leitung der Sowjetregierung.
8. Roosevelt unterzeichnet Vorlage zum Dau der Zwei-Ozean-Flotte.
19. Herzog von Spoleto wird als Tomislav II. König von Kroatien.
21. Gründung der norwegischen ff.
23. Günther Prien gefallen.
23. Britisches Schlachtschiff ,Hood" durch „Bismarck", der später der Uevermacht zum Opfer fällt, versenkt.
23. Fallschirmjäger und Lufttandetruppen im Kampf um die Insel Kreta.
28. In Nordckfrika der Halfaya-Paß genommen.
Juni.
1. Von Kriegsbeginn bis zum 1. Juni 1941 wurden insgesamt 11 664 000 BRT. feindlichen Handels- schiffsraumes versenkt, davon im Mai 746 000 BRT.
2. Der Führer und der Duce treffen sich am Brenner.
2. Kreta vom Feind frei.
4. Der ehemalige Kaiser Wilhelm II. in Doorn gestorben.
6. Der Führer empfängt den kroatischen Staatschef Dr. Anto Pawelitsch.
8. König Boris von Bulgarien beim Führer.
11. General Antonescu in München.
15. Kroatien tritt dem Dreimächtepakt bei.
17. Die USA.-Regierung sperrt die in den USA. befindlichen deutschen Guthaben.
18. Schlacht bei Sollum.
18. Deutsch-türkischer Freundschaftsvertrag.
22. Der Entscheidungskampf gegen den Bolschewismus hat begonnen.
30. Lemberg genommen.
JuN.
1. Die Beresina erreicht, die Düna überschritten.
2. Riga genommen, Windau besetzt.
4. Finnland besetzt die Aalandinseln.
7. Czernowitz genommen.
8. Roosevelt läßt Island besetzen. — Die Bukowina befreit.
10. Salla an der sinnifchen Front genommen.
11. Doppelfchlacht von Bialystok und Minsk.
13. Stalin-Linie mehrfach durchbrochen. Witebsk genommen.
14. Provokatorischer Schießbefehl Roosevelts an die USA.-Flotte.
15. Japanisches Kabinett Konoye zurückgetreten.
16. Smolensk genommen.
18. Dnjepr-Uebergang erzwungen.
22. Moskau erstmals bombardiert.
25. Japans Abkommen mit Frankreich über Mt gemeinsame Verteidigung Jndochinas. — Japan- Guthaben in USA. gesperrt. — USA.-Sonderbeauf- tragter Hopkins geht nach Moskau.
August.
1. Im Juli 407 600 BRT. feindlichen Handelsschiffsraums versenkt.
7. Bruno Mussolini, der zweite Sohn des Duce, tödlich verunglückt.
9. Vernichtungsschlachten bei Uman in der Ukraine und Roslawl.
13. Dienstzeitoerlängerung im USA.-Heer.
14. Das Schwarze Meer zwischen Bug und Odessa erreicht, das Erzgebiet von Kriwoi Rog besetzt.
17. Nikolajew genommen.
19. Cherson, Nowgorod und Narwa genommen.
22. Bei ihrer Nonstop-Offensive verlor die britische Luftwaffe 931 Flugzeuge.
25. Britische und sowjetische Truppen fallen in Iran ein.
26. Dnjepropetrowsk genommen.
27. Attentat auf Laval und D6at.
29. Führer und Duce trafen sich im Führerhaupt» quartier.
September.
4. Jrn August 537 000 BRT., feit Kriegsbeginn
13 088 283 BRT. feindlichen Handelsschiffsraumvernichtet. ,
8. Schlüsselburg genommen, Leningrad ringe- schlossen. — Reichsverweser von Horthy im Führer- hauptqquartier.
14. Generaloberst Ritter von Schobert gefallen.
15. Roosevelt verfügt, daß Kriegsgerät und Passagiere in „einige Gebiete des britischen Empire" befördert werden können.
16. Uebergang über den Dnjepr.
20. Inseln Worms und Moon besetzt.
21. Das Asowsche Meer erreicht. — Oesel genommen.
27. Umfassungsschlacht bei Kiew beendet.
29. ^-Obergruppenführer Heydrich übernimmt die Geschäfte des Reichsprotektors in Böhmen und Mähren. — Italienische Torpedoflugzeuge versenkten im Mittelmeer drei englische Kreuzer.
Oktober.
1. Im September 683 400 BRT. feindlichen Handelsschiffsraums versenkt.
Leistungsfähigkeit auch nicht getäuscht. Wie viel schneller die Operationen mit neuzeitlichen Angriffsmitteln geführt werden können, zeigt ein Vergleich mit dem Weltkriege. Damals brauchte man zum Niederwerfen Serbiens sieben Wochen und damals konnte der Sieg wegen des Versagens der rückwärtigen Verbindungen nicht voll ausgenutzt werden.
Aehnlich blitzschnell wurde auch der Angriff gegen Griechenland durchgeführt, obwohl dort die Gelände- Verhältnisse für die Abwehr noch günstiger waren. Am 21. 4. war der griechische Widerstand gebrochen, die Engländer vermochten sich noch zum Teil aus die Schiffe zu retten, am 1. 5. war ganz Griechenland in deutscher Hand. Der ganze Feldzug auf Dem Balkan hatte drei Wochen gedauert, eine erschütternde Enttäuschung für Churchill.
Nun war Sowjet-Rußland Churchills und Roosevelts einzige und letzte Hoffnung für den Kampf um Europa. Seit dem Herbst 1940 hatte es ihnen trotz seines Freundschaftsoertrages mit Deutschland seine Hilfe zugesagt und sich nur die Bestimmung des Zeitpunkts feines Angriffs vorbehalten. Seitdem hatte es feine Streitkräfte an der Ostgrenze des deutschen Interessengebiets ständig vermehrt und dann seine strategische Stellung für einen Angriff auf Deutschland durch die Besetzung der Ostfeeländer wesentlich verbessert. Die materielle Rüstung wurde mit äußerster Anspannung verstärkt. Sie sollte im August 1941 fertig fein. Der Entschluß des Führers, diesem Angriff ähnlich kühn zuvor- zukommen, wie Friedrich der Große 1756, war von entscheidender Bedeutung. Er wußte, daß er der deutschen Wehrmacht damit eine ungeheuer schwere Ausgabe stellte, aber er wußte auch, daß sie sie lösen würde und daß es im deutschen Heere keinen Führer und keinen Soldaten gab, der am Siege gezweifelt hätte. Diese Ueberzeugung gab dem Heere seine unvergleichliche Schlagkraft und seinen Wagemut, der sich aber nicht in sinnlosen Angriffen entlud, wie bei den Sowjets, sondern jede Operation erst nach sorgfältiger Ueberlegung ansetzen, dann aber mit höchster Kühnheit durchführen ließ. Der deutschen Führung war es klar, daß es sich nicht um Geländegewinn und um frontales Zurückdrängen des Feindes handeln konnte, denn dann wäre ihm die Weite des russischen Raums zugute gekommen. Nur die Vernichtung eines möglichst großen Teils der feindlichen Streitmacht konnte kriegsentscheidend wirken. Diese Vernichtung war aus der 2000 Kilometer breiten, durch den Aufmarsch gegebenen Front schwer zu erreichen. Cs bedurfte auserlesener Führer und vollendet ausgebildeter Soldaten, um die Möglichkeiten, die die stets wechselnde Lage gab, blitzschnell zu erkennen und auszunutzen. Nur so konnten die gewaltigen Eintesselungsschlachten gelingen, die den größten Teil der feindlichen Streitkräfte vernichteten, und an denen Schlieffen eine ungeheure Freude gehabt hätte, weil er gesehen hätte, daß seine Schüler ihn verstanden hatten. Diese Kampfart kam Den Sowjets sicher nicht überraschend. Sie war ja schon bei Tannenberg und im jetzigen Kriege im Westen und auf dem Balkan angewendet worden. Die Sowjets haben daher Zeit genug gehabt, sich zu überlegen, wie sie dieser deutschen Äampfweise begegnen wollten. Sie beabsichtigten offenbar gegen die Flanken der eingebrochenen Stoßkeile vorzugehen und sie abzuschneiden. Das war richtig gedacht, und man tarnt nicht bestreiten, daß ihre Führung vielfach energisch war, wie auch ihre durch jahrzehntelange Agitation fanatisierten Massen sich tapfer schlugen, aber weder die Führung noch die Truppe war derartigen Aufgaben, die schnelle Entschlüsse und klare Uebersicht verlangten, gewachsen. Die deutschen Generale waren ihnen in der von jeher mit besonderem Nachdruck gepflegten Taktik des Bewegungskrieges turmhoch überlegen. Sie wurden auch nicht ängstlich, wenn ihre rückwärtigen Verbindungen vorübergehend unterbrochen waren, denn sie wußten, daß ihnen die deutschen Infanterie-Divisionen in Gewaltmärschen folgten. So kam es, daß alle diese Gegenangriffe scheiterten und daß die dazu angesetzten Truppen um so sicherer ihrerseits vernichtet wurden. Seitdem brachte die sowjetische Strategie nur noch geistlose frontale Massenangriffe zustande, die dem deutschen Kriegsplan wahrscheinlich durchaus erwünscht find, weil sie die noch bestehende Kampfkraft des Gegners mit der Zeit völlig zerrütten müssen.
Die jetzige, durch den Eintritt des Winters und die Rücksicht aus die Schonung der Truppen bedingte Pause in den größeren Operationen dürfte dazu dienen, die rückwärtigen Verbindungen zu verbessern und damit eine leistungsfähige Basis für die kommenden Operationen, die den Sieg vollenden werden, zu bilden.
Welche Schwierigkeiten in diesem für die Abwehr fo überaus günstigem Gelände von unseren Truppen zu überwinden waren und noch zu überwinden sind, davon vermag sich nur der einen Be°
Berchta liebt die Kinder.
Von Hedwig Forstreuter.
An den Winterabenden, wenn der Bergsturm um die Häuser fährt und das Dachgebälk von seinen Stößen erzittert, erzählen die alten Leute in Bayern und Tirol vom Christkind, bas in der dunkelsten Zeit des Jahres kommen will. Aber sie erzählen auch von Frau Berchta, die noch immer, wie feit Urzeiten, durch die Lande zieht. Dor allem im Spätherbst, wenn morgens die Nebel mit der Sonne kämpfen und die Kräfte der Natur sich zur Wintersonnenwende neigen, läßt sich Frau Berchta sehen. Die Kinder schauen nach ihr aus, denn sie werden oft von ihr beschenkt. Sie läßt sich sehen als eine hohe Frau im blauen Gewand, die Haare fallen ihr in Zöpfen über den Rücken, und von ihrer bräunlichen Stirn und den hellen Augen geht ein sanftes Licht aus. Geschieht es einem Menschen, daß ihm Berchta begegnet, dann muß er wohl zuerst die Augen niedersch^agen vor soviel Helle und Schönheit, doch wenn er sich ein Herz faßt und wieder zu ihr emporsieht, dann lächelt sie ihn an, daß ihm ist, als stünde er in lauter Sonne und Glanz.
So ging es auch einem Bauern im Tiroler Land, der fein Stück Acker am Waldrand pflügte. Es war Herbst und die Luft sehr klar mit weiter Sicht in die Ferne. Die Gipfel der Berge leuchteten im frühen Schnee, und an den Abhängen lagen veilchenblaue Schatten. Vor der Bergwand, die über einem sanft abfallenden Wiesenstück vorsprang, sah der Bauer eine Helle hervorgehen und meinte, es wäre Sonnenschein über einem Birkenstamm. Aber es war die Frau Berchta, die da herabgeschritten kam und ihren Weg über die Wiese hin talwärts nahm, an dem Acker mit dem pflügenden Mann vorüber. Ihr Schleier wehte im Winde, und ihr blaues Kleid schimmerte seidig wie der Herbst- Himmel. Das Schönste aber war der Schein ihres Hellen und ftohen Gesichts. An jeder Hand führte sie ein Kind, zwei hielten sich an ihren Rockfalten, ein paar andere trippelten hinterdrein und juchten
Schritt zu halten, so gut es ging. Nur das kleinste Kintz, bem die blonden Locken tief in die Augen hingen, stolperte und verfing sich mit den Füßen in seinem zu langen Röckchen. Es fiel und verzog schmerzlich das kleine Gesicht, weil es sich an einer Wurzel gestoßen hatte. Der Dauer fprang hinzu, er hob das Kind auf und schürzte ihm das zu lange Gewand mit feinem Strumpfband, das er schnell gelöst hatte. Das Kind lächelte ihn vertrauensvoll an, nachdem es sich zuerst gegen feine Hände gewehrt hatte. Aber bann spürte es die Güte des ruhigen Mannes und hielt geduldig still, bis es wieder frei war. Danach fprang es mit einem Ju- delfchrei der Mutter nach, deren blaues Kleid schon ein Stück weiter hin unter den Bäumen leuchtete. Frau Berchta schaute sich um; sie sah, was geschehen war, und sie dankte dem Bauern mit einem Lächeln, das ihm den Tag noch strahlender erschei- nen ließ. Seit dieser hilfreichen Tat blühte Wohl-'" stand in dem Haus des Bauern; seine Felder trugen reicher als je vorher. Seine Kinder gediehen, und sein Vieh war glatt und gesund.
Da Frau Berchta die Kinder liebte, hatte sie an ihren eignen nicht genug, sondern lud zu ihnen noch andre Kinder ein; die durften teilnehmen an den Spielen und Gesängen der Berchtelkinder, und es geschah ihnen nichts. Beschenkt mit Blumen und bunten Steinen liefen sie abends ins Dorf zurück. Aber bann kam eine Zeit, in bei* Frau Berchta die fremden Kinder bei sich behielt; man sagte, es feien ihr ein paar eigne gestorben, und sie schaue nun alle fremden Kinder an, ob sie den ihren glichen. So verboten die Mütter im Dorf ihren Kindern, abends allein auf der Wiese zu spielen, die sich zum Bergwald hinaufschwingt; sie glaubten, in den Mondnächten tue sich der Bern auf, um die Kinder mit Lichterglanz und zartem Musik- getön zum Kommen zu verlocken. Zwei Dorfkinder waren vom Beerenbrocken nicht wieder heimgekommen; man suchte sie noch in der Gegend und streifte die Wälder nach ihnen ab, als einer Jungen Mutter ihr zweijähriges Kind verlorenging.
Es hatte bei Sonnenuntergang noch am Garten- zaun gespielt, und als die Mutter es hereinholen wollte, fand sie nur ein paar Blumen und Steine
auf dem Platz liegen, wo eben das Kleine saß. Die Mutter weinte und klagte nicht, wie es die andern Frauen taten, sondern sie ging entschlossen zur Bergwiese hinauf. Da gerade Vollmondnacht war, lag Die Wiese hellschimmernd vor ihr, weit wie ein Tanzsaal. Auch glaubte die Frau ein feines Klingen zu vernehmen. Wie sie dem nachging, wurde der Glanz immer stärker. Sie sah nur Licht vor sich und fühlte sich von unsichtbaren Händen vorwärtsgezogen, gebannt durch diese leise, elsenhaste Musik. Lichte Bogengänge spannten sich vor ihr. Hatte sich der Berg geöffnet? Gewisper von feinen Stimmen war durch die Musik hörbar, und wie sich die Frau nun umschaute, eine Hand über die Augen gelegt, daß sie das Licht nicht blende, da sah sie in einem weiten, glitzernden Saal viel fröhliche Kinder an den Wänden aufgereiht sitzen, in hellen Kleidern, mit Blumenkränzen im Haar. Mitten unter ihnen aber faß eine Frau in blauem Gewände; sie hielt mit zärtlichen Armen ein Kind auf dem Schoß, das lachend zu der Frau Berchta emporblickte. Die suchende Mutter schrie auf; sie hatte ihr verlorenes Kind wiedergefunden. In wilder Eile stürzte sie vor und riß die erschreckte Kleine in ihre Arme, nahm ein andres Kind, das sie als eines aus dem Dorf erkannte, bei der Hand; das packte den Arm feines Brüderchens, und so liefen und stolperten die vier aus der Berghöhle hinaus.
Ein Wehruf schallte ihnen nach. Denn Berchta hatte die fremden Kinder lieb wie ihre eignen. Aber sie folgte den Fliehenden nicht; vielleicht weil sie wußte,' wie es einer Mutter ums Herz ist, wenn sie ihr Kind verliert. In den folgenden Nächten klang der Weheschrei immer wieder durch den Bergwald zum Dorf hinab, lange Tage, bis die Weihnachtsglocken zu läuten begännen. Dor ihrem frohen Klang schwieg die Klage.
Die alten Leute erzählen, daß unter den Frauen, die nachts in der Christine tte knieten, auch eine hohe, ernste Gestalt in nachtblauem Tuch gewesen fei; die habe unverwandt nach dem Christkind in der Krippe geschaut. So habe die heidnische Frau Berchta bei dem göttlichen Kinde Trost und Frieden gesucht.
Ehrlich währt am längsten.
Nicht auf feine Rechnung gekommen ift ein Dieb in dem französischen Städtchen Drange, der an einer Straßenecke ein Auto stehen sah. Aus dem Wagen trug von Zeit zu Zeit ein Mann Pakete heraus und verschwand Damit in einem Geschäftshaus. Die Gelegenheit schien günstig, und fo pirschte sich der Gauner an den Kraftwagen heran; es lag wirklich noch ein großes verschnürtes Paket darin. Es an sich reißen und sich damit aus dem Staube machen, war das Werk weniger Sekunden. In einer üblen Kneipe ging der Spitzbube an Die Untersuchung feiner Beute. Er wurde schwer enttäuscht; Denn Das Paket war für eine Buchhandlung bestimmt unD enthielt 600 Broschüren mit Dem Titel „Ehrlich währt am längsten".
Zeitschristen.
— Im jüngften Heft der Monatsschrift .Kunst Dem Bolt" (Berlag Heinrich Hoffmann, Wien) schreibt Franz Dttmann aus Anlaß einer Ausstellung in Der Wiener Albertina einen Aufsatz über Wilhelm Busch und kommt Darin zu bemerkenswerten Feststellungen; der Beitrag ordnet Busch mit Recht den bekanntesten und zugleich unbekanntesten Größen unserer Literatur und Kunst zu: während seine Bildergeschichten eine sprichwortmäßige Volkstümlichkeit erlangten, sind seine mehr als 600 erhaltenen DelbilDer so gut wie unbekannt; Aehn- liches gilt von seinen Erzählungen, Briefen und Selbstbiographien. Der Aufsatz illustriert den Text sehr reizvoll mit Proben aus dem bekannten wie Dem unbekannten Bestaube von Buschs umfangreichem Lebenswerk. Vom übrigen Inhalt feien eine eingehende illustrierte Würdigung Des Malers und Graphikers Ferdinand Schmutzer, ein Auflatz über niederländische Landschaftsbilder Des 17. Jahrhunderts (zu Reproduktionen nach Vermeer, Ruys- Dael, van Goyen und Hobbema), sowie ein temperamentvoll erinnernder Beitrag zum 15. Todestage des ausgezeichneten Tiroler Malers Albin Egger- Lienz hervorgehoben»


