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Gietzener Anzeiger

Donnerstag, 30 ©Jfober 1<?4X

Sowjeisaffaden in oßkarelischer Wildmark

23on unserem nach PekrosEoi entsandten Ae.^SonderberichkerstuHer.

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Die Halbinsel Krim

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Rundfunkrede auf Englisch und Finnisch, die in Form einer Polemik gegen den englischen Arbeiter­führer Palmer gehalten wurde, erklärte Minister Tanner am Dienstagabend u. a.:

Wir befinden uns in einem Verteidigungs­krieg. Wir kämpfen für Finnlands Interessen. Wir sind das gleiche freiheitsliebende Volk wie früher, und wir setzen den gleichen Derteidigunqs- kampf fort, wie unter den hoffnungslosen Verhält­nissen des Winterkrieges. Unser Gegner ist der gleiche Barbaren st aat, der nach dem Eigen­tum des Nachbarn trachtet, gegen den Großbritan- men uns damals seine Hilfe anbot. Der einzige

Tanner brandmarkt die britische Heuchelei. Helsinki, 29. Oktober. (Europapreß.) In

rung hat sehr unter der Wasserarmut dieses Gebie­tes zu leiden, welches ein kümmerlicher Fluß durch­zieht, der Sfalgir, an dem einige größere wohlha- bendere deutsche Kolonistendörfer liegen.

Nach Südosten zu erhebt sich das Steppenland allmählich zu dem großen Gebirgszug, der die ganze Südseite der Krim beherrscht und der nach dem Namen der höchsten seiner Erhebungen mit dem Sammelnamen Iaila-Gebirge bezeichnet wird, welches nach Süden außerordentlich steil in wenigen großen Abstürzen zum Meer abfällt. Diese Fels­küste wird von der Brandung in scharfgratige Klip­pen, Vorgebirge und Felsabstürze zernagt. Zwischen den steilen Vorsprüngen und Vorgebirgen gibt es zahlreiche Buchten mit sonfteren Oberflächenformen. Die höchsten Erhebungen des Iaila-Gebirges gehen bis zu 1500 Meter und sind mit dichtem kurzem Gras bewachsen. Diese Bergwiesen (Iaila) haben dem Gebirge den Namen gegeben. Die tieferen Hänge haben schöne Waldbestände. Der gegen Nor­den geschützte Südabhanq des Gebirges trägt ent. sprechend seiner klimatischen Ausstattung (Winter, regen, Sommerdürre) echt mittelmeerische Vegeta­tion mit Hartlaubgehölzen und allen Kulturgewäch­sen des Mittelmeergebietes, wie Zypressen, Oelbäu- men. Feigen, Edelkastanien, Mandeln, Aprikosen, Pfirsichen, Wein usw.

An den Hängen des Gebirges lebt eine Verhältnis-

mehrere Ortschaften und brachte erneut eine größere Zahl von Gefangenen ein.

Starke Kampffliegerverbände belegten bei Tage und bei Nacht Moskau mit Spreng- und Brand­bomben. Große Brande und Explosionen wurden beobachtet. Weitere Luftangriffe richteten sich gegen Leningrad.

In tagelanger Verfolgung versenkten Un­terseeboote aus einem von Gibraltar nach England fahrenden Geleitzug trotz starker Sicherung 1 4 schwerbeladene feindliche handelö­sch i f fe mit zusammen 47 000 BRT. sowie einen briNschen Zerstörer. Der größte Teil des Geleitzuges wurde damit vernichtet. Nur wenige kleinere Schiffe entkamen.

An der Südwefkküfte Englands bombar­dierten Kampfflugzeuge in der Nacht zum 29. Ok­tober Hafenanlagen und Berforgungsbelriebe.

Einzelne britische Bomber unternahmen in der letzten Nacht wirkungslose Störangrisfe in Dest- und Mitteldeutschland.

3n der Zeit vom 22. bis 28. Oktober verlor die britische Luftwaffe 48 Flugzeuge. Wäh­rend der gleichen Zeit gingen im Kampf gegen Großbritannien sieben eigene Flugzeuge verloren.

Hafenaflagen von Kertsch bombardiert

Berlin, 29. Okt. (DNB.) Am 28. 10. griffen deutsche Kampfflugzeuge wiederum die Hafen- anlagen von Kertsch, den Haupchafen am Ausgang des Asowschen Meeres, wirksam an. Tref­fer in Hafengebäuden und Verladeeinrichtungen zeigten die gute Wirkung der deutschen Bomben. Ein Betriebsstofflager erhielt einen Bombenvoll­treffer und ging in Flammen auf. Auch in dem Seegebiet um Kertsch waren die deutschen Kampfflieger erfolgreich. Drei sowjetische Handels­schiffe mit zusammen 3000 BRT. und 6 Kalme wur­den versenkt. 7 weitere Schiffe mit 8500 BRT. er­hielten Treffer und wurden schwer beschädigt.

Oer Wehrmachtbenchi.

DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 29. Oktober. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben Infanteriedivisionen im Zusammenwirken mit Verbänden der Luftwaffe in hart­näckigen Kämpfen denZugangzurhalbinsel Krim erzwungen. Beim Durchbruch durch die stark ausgebauken Verteidigungsstellungen des Geg- ners wurden in der Zeit vom 18. bis 28. Oktober insgesamt 1 5700 Gefangene eingebracht sowie 13 Panzerkampfwagen, 109 Geschütze und zahlreiches anderes Kriegsmate­rial erbeutet oder vernichtet.

Die Verfolgung des geschlagenen Feindes i ft ausgenommen.

Rumänische Truppen nahmen eine der Nordwestküste des Asowschen Meeres vorgelagerte Insel und säuberten sie vom Feinde.

Im Donezbecken setzten die verbündeten Truppen die Verfolgung des weichenden Feindes erfolgreich fort.

Im Nordabschnitt nahm die spanische Blaue Division- durch umfassenden Angriff

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Der Falschmünzer.

Von Reichspresseches Dr. Dietrich.

In einem ArtikelDer Falschmünzer" nimmt Reichspressechef Dr. Dierrich im Völkischen Beobachter" Stellung zur letzten Rede des 08A.-Präsidenten Roosevelt.

einem abgrundtiefen ' jüdischen Haß gegen

(Nachdruck, auch mit Ouellenangabe, verboten.) Aenäislinna (Petroskoi), Mitte Oktober 1941.

Es ist Mitte Oktober: Der Winter meldet sich in liefern Jahre besonders früh an. Die Temperatur i in den letzten Nächten schon bis minus 8 Grad

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Wiederholung Mallta^ell AbictRüüeNieugenuanel B Plavoor'chtttl inorhenne Berembarnng > 25'/0 ment

Dank an den Führer.

Berlin, 29. Okt. (DNB.) Seine Majestät König von Italien und Albanien, Kaiser Äthiopien, hat das Glückwunschtelegramm

Unterschied ist der, daß Großbritannien jetzt der Verbündete der Sowjetunion ist.

Minister Tanner erinnerte an das englische Hilfs- oersprechen während des Winterkrieges und an den Besuch englischer Delegationen in Finnland.Alle haben sie den bolschewistischen Angtiff gebrand- rnarkt." Er erinnerte daran, wie Walter Citrine da­mals das Sowjetsystem und Sowjetleiter stark kritisierte^ während dieser Mann sich jetzt in der Sowjetunion befindet, um den Bolschewisten in ihrem Kampf gegen Finnland zu helfen. Tanner erinnerte ferner an den Frieden von Moskau und an das unterirdische sowjetische Treiben in Finn­land unmittelbar vor dem jetzigen Krieg. Tanners Worte waren eine Antwort auf den Angriff, den Palmer, der Generalsekretär der britischen Co- operatioen Union, vor einigen Tagen im englischen Rundfunk gegen ihn und Finnland richtete.

Führers anläßlich des Jahrestages des Marsches auf Rom wie folgt beantworlet:

Eurer Exzellenz danke ich mit großer Herzlich­keit für den liebenswürdigen Glückwunsch, den Sie mir heute freundlichst übersandt haben, und über­mittle Eurer Exzellenz und der verbündeten deut­schen Nation ebenfalls meine besten Wünsche.

Viktor Emanuel."

Der Duce hat nachstehendes Telegramm ge­sandt:

Führer, ich danke Ihnen herzlichst für die Grüße und Glückwünsche, die Sie mir zum Jahrestag des Marsches auf Nom gesandt haben. Das faschistische Italien bekräftigt aus diesem Anlaß aufs neue fei­nen unbeugsamen Willen, mit dem nationalsozialisti­schen Deutschland bis zum Siege zu marschieren und zu kämpfen.

Nehmen Sie meine freundschaftlichsten und kame­radschaftlichen Grüße entgegen. Mussolini."

©af Ciano auf her Rückreise.

I m O st e n , 29. Okt. (DNB.) Der Königlich Ita­lienische Außenminister Graf C i a n o , der auf Einladung des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop zu einem mehrtägigen Besuch in Deutschland weilte, begibt sich heute nach Italien zurück. Der Besuch diente einem umfassenden Ge- dankenaustausch der beiden Außenminister über die schwebenden politischen Fragen.

Durchbruch zur Krim.

Erfolgreiche Verfolgung im Donezbecken durch die verbündeten Truppen. 14 schwerbeladene Handelsschiffe mit zusammen 41000 BRT. und ein Zer­störer aus Geleitzug von deutschen U-Booten versenkt.

Deutschland ist der Präsident der Vereinigten Staa­ten in seiner Rede aus ein Niveau herabgesunken, auf das wir keine Veranlassung hätten, lhm zu fol­gen, wenn er sich nicht in einer geradezu heraus­fordernden Weise in die europäischen Angelegen­heiten einmischte. Seine Worte, die über dem Ozean zu uns herüberschallen, sind ein emziger oemagagi- scher Versuch, mit den unfairsten Mitteln ganze Völ­ker und Erdteile seiner hemmungslosen Kriegshetze auszuliefern. Roosevelt gehört nicht zu jenen hoff­nungslos Verfinsterten, die eine neue Zeit erst dann erkennen, wenn sie fertig vor ihnen steht, er gehört nicht zu denen, mit deren Begriffsstutzigkeit man Nachsicht über könnte. Er gehört zu jenen ge­meingefährlichen Menschen, die das Rednerpodium der Staatsautorität dazu mißbrauchen, um Begriffe und Ideen zu fälschen. Hier ist ein Gangster des Geistes am Werke, der durch systematische Begriffs­verwirrung ganze Völker täuschen möchte, um sie um ihre Zukunft zu betrügen. Deshalb ist es not­wendig, seine geistige Falschmünzerei zu entlarven und seinem schmutzigen Gewerbe das Handwerk zu legen.

Das menschliche Denken vollzieht sich bekanntlich in Begriffen. Begriffe müssen Allgemeingültigkeit besitzen. Ohne Einheitlichkeit der Begriffe ist ein gelstiger Kontakt weder unter den Menschen, noch unter den Nationen möglich. Jede geistige Aus­einandersetzung muß in einem Chaos enden, wenn ihr nicht einheitliche Begriffe zugrunde liegen. Eine international einheitliche Begriffsbildung ist daher unerläßlich, wenn die Welt nicht in geistige Anar­chie versinken und jedes Begreifen von Handlungen und ihrer Motive aufhören soll. So ist ohne vor­herige genaue Definition der Begriffe, die man verwendet, keine Wissenschaft möglich. Kein Ma­thematiker verwendet einen Ausdruck in anderem Sinn, als er diesem Wort zukommt, kein Chemiker versteht unter einem bestimmten Element etwas an­deres als seine Kollegen. Alle Aerzte der Welt haben ihre einheitliche Nomenklatur. Was würde 3 B. gesckehen, wenn ein Arzt in Berlin ein Re­zept ausschriebe, ober der Apotheker in Washington ein anderes Medikament darunter verstehen und Strychnin verabfolgen würde? An der Medizin stirbt in einem solchen Falle nur der Patient, wenn man dasselbe aber in der Politik tut, wird man ganze Völker damit zugrunde richten. Eine solche vergiftete Medizin^ verabreicht heute Herr Roose­velt den Völkern. Es ist die Methode übelster De- griffsfälschung und geistiger Falschmünzerei, die von ihm in seinen Reden bewußt angewendet wird: Was Roosevelt ständig alsDemokrat! e" im Munde führt, ist nichts als Demagogie.

DieFreiheit", von der er so laut und salbungs­voll spricht, ist nur der Deckmantel der Unter­drückung. Hinter seinenMenschenrechten" verbirgt sich in Wirklichkeit die Entrechtung der Menschen! Er. hetzt gegen das neue Europa, weil dort eine Epoche sozialer Gerechtigkeit aufsteigt und weil er befürchtet, daß die guten europäischen Beispiele die schlechten angelsächsischen Sitten verderben. Wenn

Die Halbinsel Krim ist eine autonome sozialisti­sche Sowjet-Republiks Sie hat eine Ausdehnung d.e ungefähr der der Rhemprovinz entspricht (24 000 akm) Von Perekop bis zur Sudspitze sind es rund' 200 km (BerlinBraunschweig), von S e - w a st o p o»l bis Kertsch rund 250 ^<m (Berttn - fiamburq), bis zur Meerenge von Kertsch noch 15 km weiter Die Krim wird von 700 000 Ukrainern, iataren Bulgaren. Großrussen und Juden bewohnt Verwaltungshauptstadt ist Simferopol. Es gibt dort eine ganze Anzahl deutscher Siedlungen. Der Nord- teil ist flach und reines Steppenland ohne Baume, mit ganz geringen Höhenunterschieden. Zahlreiche Strandseen gliedern dieses Gelände auf. DasFaule Meer" (Ssiwasch), welches durck die 111 km lange Landzunge von A r a b a t vom A owlchen Meer ab- Getrennt ift, ist außerordentlich flach und ie nach dem wechselnden Wasserstand starken D^randerun- nterwon'en. Im Sommer und Herbst ist ein großer Teil dieses Flachwassergebietes trocken Diese seichten und ost übelriechenden Schlammwasierfla- rhon oeffen auch quer durch den Hals der Halbinsel Ms Sp. Die Bahn ->°m Festland zur Krim"aebt über einen Damm. Neben ihr tauft eine Der andere Hauptzuganq zur Krim ist die SSmae bei Perekop und Arrnfansk. Die iS in ibrem Nordteil dünn besiedelt (10 Ein- wdhn-r °uk ein«n Quadratkilometer). Die Be-ölke-

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mäßig dichte, vorwiegend tatarische Bevölkerung, deren Wohnhäuser im orientalischen Stil einiaen der größeren Orte, wie Bachtschissaraj, das Gepräge gehen. Im Bereich ihrer Dörfer an der N»21ö- dachung bedecken ausgedehnte Obstgärten und Wem- felder die Hänge, wahrend die Südseite mit ihrer Wintermilde und landschaftlichen Schöicheit zur Russischen Riviera" geworden ist und zahlreiche Städte mit Villen und weißen Schlössern, Strand- unb Badecmlagen und Kureinrichtungen inmitten gepflegter Gürten aufweist. Jalta mit 21 500 Ein­wohnern ift der bedeutendste dieser Orte. Hier wie in Balaklawa an der SW-ftüfte, Alupka, Liwadija und Aluschta sind die ehemals herr­schaftlichen Schlösser und Villen als Erholungs­heime für die arbeitende Sowjetbevölkerung ein­gerichtet, find jedoch infolge der schlechten Organisa­tionsfähigkeit außerordentlich verfallen und ver­dreckt.

Am Weftende des Gebirges liegt an einer vor­züglichen natürlichen Bucht der große Kriegshafen Sewastopol, der mit der Hauptstadt Sim­feropol durch eine große Straße verbunden ist, die bis zur Halbinsel von Kertsch weiter­läuft,, die den östlichen Teil der Krim bildet. Diese Halbinsel ist flach und außerordentlich wasserarm. Im Nordosten steigt das Höhengelände bis zu 177 m auf. Die Großstadt Kertsch nutzt zwar die Salz­seen und Eisen- und Manganerzvorkommen ihres Hinterlandes, verdankt ihre Bedeutung aber der Lage am Zugang zum seichten Asowschen Meer, der von den Befestigungsanlagen von Jenikale 10 km ostwärts Kertsch leicht gesperrt werden kann.

Im Verlauf der Geschichte hat die Krim viele Herren gehabt. Sie wurde oft vom Krieg über­zogen. Im Weltkrieg war sie 1918 für einige Mo­nate von den deutschön Truppen besetzt, später war sie Haüptstützvunkt der antibolschewistischen Wrangel-

mw.ZSm», Genrral-Anzeiger für Oberhessen Gießen,^chulstratze 7-9

Junten. Auch Schnee ist hier und da bereits ge- allen. In etwa 30 Stunden bringt uns der Schlaf- :nagen von Helsinki bis auf 65 Kilometer vor '.eanislinna (Petroskoi), der zaristischen und sow- itischen Hauptstadt Ostkareliens es sind gegen DO Kilometer. Wir reifen als Gäste des finnischen lauptquartiers. Obwohl ein großer Teil der Fahrt Der eingleisige Bahnstrecken des besetzten Gebietes l?f)t, über die die Versorgung großer Armeeteile jnllt, geht die Reise ohne wesentliche Aufenthalte l?m Ziel entgegen.

Nach einehi kräftigen Soldatenfrühstück im Zelt rn Bahnhof des Endpunktes bei dem naturschönen, hefigen Säämä-See bringt uns das Auto durch le weite, menschenleere ostkarelische Wildmark. Nur her und da kommen wir durch kleine Siedlungen, ie durch ihre prachtvollen Schnitzereien der Giedek- l-etter und der Balkons typisch finnisch-karelischen lharakter tragen, doch im selben Dors können wir lineben auf rein russische Wohnbauten stoßen. Am B»ege treffen wir immer wieder die Zeugen star- In russischen Widerstandes: mächtige Tanks, starke Feldbefestigungen und zahlreiche Stellungen für !>-cm-Kancmen unmittelbar am Straßenrand für in Direktbeschuß (!). Die beiden Autostraßen nach '.eanislinna sind in bester Verfassung, und das .uto fährt bequem mit 100 Kilometer Stunden- fschwindigkeit dahin.

Auf und ab führt die Autostraße, immer wieder I.irchdlicke auf die weite ostkarelische. Berg- und Kaldlandschaft freilassend. In großen, weiten, r bißen Linien liegen die Bergkämme da: das gold- clbe Laub der Birken leuchtet in der herbstlichen I orgenfonne auf. Immer wieder begegnen w r zu- rckkehrender Zivilbevölkerung, die sich im Walde vrsteckt hatte. Teils sind die kleinen Dörfer voll- hnmen niedergebrannt. Da öffnet sich die Land- [cdft, wir blicken auf den nordwestlichen Arm des dnaisjärvi (Onegasees), und schon fährt das Auto ü: er die Geleise der Murmanbahn. Schnurgerade zcht sie sich eingleisig nach Norden hin, hier ganz ir beschädigt.

Bald erreichen wir fcte Vorstadt der bisherigen jcwjetkarelischen Hauptstadt, von der man die Jahre hadurch so viel gehört hatte und von der man sich jj:r keine Vorstellung machen konnte. Nun fahren durch diese von einem Schleier des Geheimnisses biroobene Stadt. An ihrer Ostseite breitet sich der verähnliche, riesenhafte Onegasee aus. Bis zum Sutrum der Stadt gibt es nur die eine Fahrstraße »t dem typisch russischen Kopfsteinpflaster. Die tobt hat -eine große Ausdehnung, da sich die i'.ssischen Blockhäuser weithin nur rechts und links k einen Straße hinziehen. Wir fahren zu der ):rd) ihre Propaganda so bekannt gewordenen Ra­umstation von Petroskoi, die auf einem Hügel in Westen der Stadt liegt und von wo aus man fixen prachtvollen Ueberblick über Stadt und See dck. Petroskoi ober Aeänislinna, wie die önnen jetzt die Hauptstadt Ostkareliens nennen, ist ii".e merkwürdige Stadt. Neben den ganz unregel- nifcig im Zentri m hingesetzten kleinen und klein­en Blockhäusern aus runden Stämmen, wohin »cht einmal Gasten führen, Hof grenzt an Hof, trieben sich ganz moderne, massive Bauten, ja sogar pfcigc Paläste; aber es fehlt die organische Ver- litbung. Es ist etwas Aufgepfropftes. Man machte ?cwissermaßen einen Strich unter das Alte, ließ es v hl stehen, aber nahm keinerlei Rücksicht darauf. 8:m städtebaulichen Gesichtswinkel aus gesehen feit dieser Stadt das Gesicht. Sie ist in dieser Hin- 1(11 weder Dorf noch Stadt. .

leberall stoßen wir auf die typisch sowjetrussischen ^rhnale. Nur im Zentrum gibt es einige be= javrbare Querstraßen, sonst nur ganz grundlose p rfroege. Selbst die Hauptstraße ist nur tetlweise schattiert. Die Eisenbahn geht durch die ötabt phtmrd) und kreuzt zu ebener Erde ohne Schranken ch Straßen. Im neuen Prachtbau fährt der Maler jti- dem Pinsel unbekümmert auch mit der Wand­ele über Holzleisten hinweg. Wir finden in den ^chtszimmern pomphafte, geschnitzte Möbel, die wie ch. Faust aufs Auge hierherpassen. Das wirkllch Wne Universitätsgebäude liegt auf einer kleinen höhe, aber eine eigentliche Straße führt nicht pi . es ist nur ein unförmiger Dorswea, er beim ft nsten Regenfall völlig durchweicht. Den Mittel- kNkt der Stadt bildet die breite Straße vom Marktplatz des 25. Oktober" zum Kirov-Platz. Auf IfeiernMarktplatz" steht das mächtige Lenindenk- M aus Granit und in weitem Bogen herum die P'gierungsgebäube aus der Zarenzeit. Eine doppel- Fpige, noch etwas zarte Birkenallee führt zum ^i ov-Platz, vorbei am Sportstadion, hinter dem hd die um'angreichen, aber vollkommen zerstörten l2lsga-Metallwerke erheben. Besonders fallen uns |i'r auch die vielen Photoateliers auf. Auch das Prater liegt hier, noch unversehrt, es fprtüe Meßt Hie luftige Witwe",Czardas'ürstin",Die Baia- F*" undRose-Marie", Eintrittspreise 4 dis p Rubel. Auf fern weiten Kirov-Platz steht das oo-Denkmal aus Brölhe, während gegenüber

1-Mai-Ballustrade mit einer Riesenfigur ota- aufgeftellt ist aber aus Pappe. Die Straßen ^ßen in erster Linie die Namen von Sowiet- 5 tfionären. In der Leninstraße steht mitten unter -rn[eligen Blockhäusern ein fünfstöckiges massives woaube, in dem eine Reihe städtischer ziemt er hergebracht sind wie derWaschtrust", das - -zadt. Reinigungsamt" und darunter ein Lebens- telgeschäft, das die Nummer 23 trägt, aber dre ^urgerfteige bestehen fast durchweg nur .aus einigen e eneinanoer gelegten Brettern. Auch ein Museum, Sn aus der Zarenzeit, ttnden wir vor. In seinem -wg-Ichoß ift e5 eine Art 3n»u[triemu[eum mit

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ö.Qs Sonntag. .unb feiertags in i}J| Beilagen :

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Bezugspreis:

Nonatiick.....RM 1.80

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instruktiven Modellen und Bildern, im ersten Stock u. a. eine Volkskundeabteilung, Militärmuseum tm.arten "ud Bilder von der Mannerheim-Linie des Winterkrieges, Modelle von Befestigungsanlagen), ein Parteimuseum und im obersten Stockwerk eine geologische Sammlung mit vorgeschichtlichen Fun­den u. ä.

Petroskoi hatte vor dem Kriege etwa 70 000 Ein­wohner: gegenwärtig finden -wir aber nur 3000 Menschen in der Stadt, denn die Sowjetrussen ha­ben die gesamte Bevölkerung über den Onegasee evakuiert. Dabei wurde eines der großen Schlepp­boote abgetrieben, das in der Nähe wieder das Ufer erreichte, wodurch 2000 Menschen zurückblieben, und etwa 1000 Personen sind aus den Wäldern, wo sie sich versteckt hielten, inzwischen wieder in die Stadt Sekehrt. Im Ganzen gab es etwa 18 000 Köpfe -karelstcher 'Bevölkerung hier. Diese wurden aber schon im August nach Nowosibirsk gebracht, wo sie nach eingegangenen brieflichen Mitteilungen in Erdlöchern Hausen. Dorthin wurden auch die von den Sowjets herausgerissenen Maschinen der Onega- Metallwerke verschleppt. In den 20er Jahren kamen auch 5000 Amerika-Finnen nach Aeänislinna, doch die meisten reiften 1937 sie waren amerikanische Staatsbürger bitter enttäuscht nach Amerika zu­rück, einige sogar kloch im Sommer 1940.

So bietet sich uns Aeänislinna (Petroskoi) als eine buntscheckige Stadt, uneinheitlich, Altes und Neues wahllos und sMlos durcheinander ein getreues Spiegelbild der bolschewistischen Fratze.