Aus der Stadt Gießen,
jjom Lochen und Lächeln.
Wie arm wäre die Menschheit, wenn chr die Gabe des Lachens mangelte! Ist uns nicht allen die Redensart geläufig, daß einem in Augenblicken der Gefahr, in Stunden der Heimsuchung das Lachen verging? Plötzlich versagt da etwas wie eine seelische Licht- und Wärmeleitung, ein Fremdkörper hat sich eingeschlichen und Kurzschluß verursacht. Und all unsere Bemühungen, den verlorenen Kontakt mit einem lieben Mitmenschen wiederherzustellen — kleiden wir sie letztlich nicht in die Bitte: „Lach' doch wieder!"? Ein Kind, das sich schuldig an den Tränen der Mutter fühlt, ein etwas zu temperamentvoller Gatte, der es ja „nicht so bös gemeint" hat: sie haben es in der Hand, mit diesen drei Worten wie mit einer Zauberformel die tiefste Nacht in den hellsten Tag zu verwandeln.
Wer über das befreiende Lachen verfüat, weiß gar nicht, was er damit vor anderen Menschen voraus hat. Weil er in seiner glückliche^ Naivität die ganze übrige Welt nach, eben dem Holze zurechtschnitzt, aus dem ihn Gott in seiner besten Laune erschaffen. Bei uns Deutschen kommt Humor aus einer wesentlich anderen Seelenhaltung als beispielsweise beim Amerikaner. Und doch: wieviel
Verdunkeluugszeit
30. August von 20.16 bis 6.25 Uhr.
31. August von 20.14 bis 6.26 Uhr.
Wissen um die befreiende Macht des Lachens steckt nicht in der von ihm fast kindlich befolgten Parole des „Keep smiling“! (Nur immer lächeln!) Mag hier auch täuschende Maske sein, was dort natürlicher Veranlagung entspricht, so trägt doch der unbeschwert heitere Mensch fast immer den Sieg über den seelisch komplizierten Mitmenschen davon. In Beruf und Gesellschaft, in guten und noch mehr in bösen Tagen.
Grundlegend ändern läßt sich der Erwachsene nicht mehr. Was Charakter und Erfahrung hinsichtlich der Gabe, das Leben schwer oder leicht zu nehmen, einmal in chm ausgebildet haben, kann höchstens durch strenge Selbsterziehung nach der einen oder anderen Richtung gelockert, aber niemals mehr ganz umgebogen werden. Wie beneidenswert sind daher die Menschen, die dem Leben stets die lachende Seite abzugewinnen verstehen!
Man müßte die tausend und mehr Gründe des Lachens im einzelnen aufzählen, um ebenfoviele Momentaufnahmen lächelnder Gesichter auf die Platte zu bannen. Vom vergnügt strampelnden Säugling bis zum verklärten Lächeln der sinnenden Muhme. Aber heilig allein ist das glückselige Lächeln der Mutter, die ihr Kind in den Armen wiegt. Das Lächeln der Braut, was war es, rückblickend betrachtet, anderes als die Leiter, auf der sie zu diesem höchsten Gipfel der Seligkeit emporstieg? Ganz wortlos ist dies Lächeln, ganz still und in sich gekehrt, weil es keinen herrlicheren Anlaß geben kann als diesen.
Wer vermöchte auch nur, in Wort oder Bild, alle die unzähligen Stufen festzuhalten, die das breite, prustende Lachen durchläuft, bis es schmal und schweigsam die Sternenhöhe zweier feucht schimmernder Augen erreicht? Wir kennen wohl ein „unter- Tränen-lächeln", wenn über abgrundtiefem Leid plötzlich die Sonne einer ungeahnten Freude heraufsteigt. Aber jenen feuchten Schilnrner erzeugen nicht Tränen — es ist das Glück in seiner stummen Größe seist, das seinen Glanz in einem Lächeln widerspiegelt. Manchmal ist es sogar wie ein Geheimnis, das dieses Lächeln umspielt, spottend jedes zudringlichen Versuchs, es zu enträtseln.
Ein Mensch, dürfen wir vielleicht annehmen, wäre dazu imstande, der das Leid dieser Welt überwunden hat. So wie wir in verwitterten Altersgesichtern nicht mehr die Furchen und Runen des Lebenskampfes sehen, sondern nur noch den mild lächelnden Abglanz der Weisheit. Dr. H. A. B.
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
Me örelWmng-Möer
Vornan von Horst Aiernath
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sie warf Hellwang einen Blick zu, in dem etwas wie ein Dankbarkeitsgefühl gegen die Vorsehung schimmerte, und sagte: „Oh, Konrad, ich denke, wir können sehr froh sein, daß unsere Anzeige Fräulein Zögling ins Auge gefallen ist, nicht wahr?"
Hellwang fand die Ausdrucksweise seiner Mutter merkwürdig verändert, denn für gewöhnlich drückte sie sich wie ein normaler Mensch aus.
„Ich meine", fuhr die alte Dame fort, ,Haß wir die Erziehung unserer drei Kinder und die Leitung unseres Haushaltes vertrauensvoll in Fräulein Zöglings bewährte Hände legen bürfeji, jawohl!"
Und mit diesem Jawohl war die Frage auch entschieden, denn Hellwang war zu müde, um nicht froh zu sein, wenn ihm solch schwierige Entscheidungen abgenommen wurden; und außerdem ging es auch nicht recht an, in Fräulein Zöglings Gegenwart unentschlossen um eine Bedenkzeit zu bitten. Es hätte ausgesehen, als traue er ihren fabelhaften Zeugnissen nicht, und als hielte er den verwitweten Grafen Jdell-Jdell für eine Phantasiegestalt.
Es war gegen die Wahl von Fräulein Zöaling auch nichts Stichhaltiges einzuwenden. Oder sollte er etwa gestehen, daß seine einzigen Bedenken darin bestanden, daß sie aus Bremen gebürtig war? In seinem ganzen Leben war er wissentlich noch nie zu einer Bremerin in nähere Beziehungen getreten. Und gewißlich waren die Bremerinnen genau so treu oder flatterhaft, zuverlässig oder leichtfertig wie andere Frauen auch, die aus Mannheim, Danzig oder Breslau stammten. Aber es saß ein Stachel in chm, der chn kratzte. Seinem Onkel Heinrich Hellwang nämlich war seinerzeit die Frau durchgegangen, und dazu noch mit einem Steuerkontrolleur. Als das geschah, war Konrad ein Knabe von zwölf Jahren gewesen. Er entsann sich noch deutlich der Tante Melitta, chrer rehbraunen, großen Augen, der blitzenden, ein wenig vorstehenden Zähne, des Hutes mit der wippenden Straußenfeder und des Liedes,
Eisenbahnerheim als Quelle neuer Krafl.
Ein Besuch im Eisenbahner-Ltebernachlungsheim.
Die Reisenden, die in einem V-Zug oder in einem dem Nahverkehr dienenden Personenzug über weite Strecken bzw. nur einige Orte weit in der engeren Heimat sahren, denken vielleicht auch einmal an die beiden Männer, die vorne aus der Lokomotive ihren Dienst verrichten und in deren Hand Leben und Gesundheit der Reisenden während der Fahrt gelegt sind. Oder sie beobachten in den Fernzügen über große Strecken das unermüdliche Hin und Her des Zugführer- und Schaffnerdienftes, jetzt im Kriege namentlich die für Frauen besonders strapazenreiche Arbeit in den Zügen während der langen Nachtstunden. Ob manche dieser Reisenden aber auch daran denken, daß die Männer auf der Lokomotive oder das Zugbegleitpersonal in den Wagen nicht selten schon vom frühesten Morgen an, in jedem Falle aber schon längere Zeit vor der Abfahrt des Zuges von seinem Ausgangsbahnhof auf den Beinen sind? Und ob die Gedanken der in den Abteilen geruhsam sitzenden Männer und Frauen wohl auch darauf gerichtet sind, daß das Lokomo- trv- und Zugpersonal ihres Zuges vielleicht erst wenige Stunden vorher schon eine andere Fahrt in der umgekchrten Richtung zurückgelegt hat und trotzdem jetzt wieder frisch und verantwortungsbewußt auf dem Posten ist? Das sind nicht immer, vielleicht noch nicht einmal oft, einige nachdenkliche Betrachtungen der Reisenden, denen durch die Reichsbahn die Fahrt in unseren Zügen so angenehm und so sicher gemacht wird, wie es auf keiner anderen Bahn der Welt der Fall ist. Mit Recht gilt die Arbeit unserer Eisenbahnen als ein schwerer Dienst, von dessen gewissenhafter Erfüllung täglich das Leben und die Gesundheit der Reisenden sowie die Sicherung wertvoller materieller Güter abhängen. Es ist daher auch verständlich und anerkennenswert, daß die Reichsbahnverwaltung für die Männer und Frauen chres Dienstes weitgehend sorgt und dabei u. a. darauf bedacht ist, die Dienstpausen, die das Fahrpersonal fern von dem Heimatort verbringen muß, zu Stunden der Ruhe und kräftesammelnden Erholung zu machen. Diesem Zwecke dienen neben anderen sozialen Einrichtungen, wie z. B. Eisenbahnerküchen, vor allem die Eisenbahnerheime, die seit Jahren an allen großen Verkehrsknotenpunkten bestehen.
Ein solches Heim dient dem ruhebedürftigen Fahr- personal der Reichsbahn nach stundenlanger Dienstzeit zu stärkendem Scblaf und zu stillen Lesestunden oder Gedankenaustausch. Es ist, der Art des Eisen- bahnerdienstes entsprechend, Tag und Nacht für das Kommen und Gehen geöffnet. In dem langgestreckten und mehrgeschossigen Hause stehen zahlreiche Zimmer zum Schlafen zur Verfügung. Durchweg handelt es sich um hohe und lustige Räume, in denen zum Teil zwei ober vier Betten stehen, so daß in der Regel die zu einer Fahrgemeinschaft vereinigten Männer, z. B. Lokomotivführer und Heizer oder Zugführer und Schaffner, auch gemeinsam in einem Raume die Stunden ihrer Schlafenszeit verbringen können. Es handelt sich dabei um solche Männer, die ihren Wohnsitz in einer anderen Stadt haben, durch den Plan ihres Fahrdienstes aber ihre sechs- bis achtstündige Ruhepause vor dem Antritt einer neuen Fahrt hier verbringen müssen. In dieser Zeit können die Männer sich zum Schlafen niederlegen und dadurch neue Kraft für ihren weiteren Dienst gewinnen. Zum Teil kommen diese Eisenbahner jeden zweiten Tag entweder abends oder morgens hier an, so daß sich die feste Gewohnheit herausgebildet hat, daß ihnen stets das gewohnte Zimmer zur Verfügung steht; sie haben also gewissermaßen „ihr" eigenes Schlafzimmer. Schöne bequeme Betten, die sie nach ihrem Belieben auch mit eigenem Leinenzeug beziehen können, falls sie die von der Bahnverwaltung gestellte Bettwäsche nicht in Anspruch nehmen wollen, ermöglichen ihnen eine gute Ruhezeit. Bei der Ankunft müssen sie sich ist ein Hausbuch einschreiben und dabei vermerken, wann sie eingetroffen sind und zu welchem Zuge sie wieder zum Dienst anwesend sein müssen, gleichzeitig müssen sie dabei bemerken, zu welcher Zeit sie geweckt werden wollen. Der Hauswart sorgt dann dafür, daß das Wecken pünktlich erfolgt, damit sie zur rechten Zeit ihren Dienst antreten können. In dem Heim sind auch mehrere Zimmer in einem bestimmten Flügel und Stockwerk für die übernachtenden Schaffnerinnen eingerichtet, die hier in
der gleichen Weise ihre Ruhestunden zwischen zwei Fahrten verbringen können wie ihre männlichen Kameraden.
Außer den Uebernachtungszimmern sind in dem Hause noch Waschzimmer mit zahlreichen Waschgelegenheiten und eine große Küche zum Kaffeekochen vorhanden. Ein großer Tagesraum, der schon als kleiner Saal anzusprechen ist, bietet den Frei- zeitlern Gelegenheit zum kameradschaftlichen Beisammensein. Eine kleine Bibliothek mit allerlei Unterhaltungsliteratur, Zeitungen und illustrierte Zeitschriften stehen als Zeitvertreib jedermann zur Verfügung, soweit nicht ejne Plauderstunde das Interesse Der Gäste in Anspruch nimmt. Der Hauswart läßt es sich angelegen sein, für die Kameraden vom Fahrdienst auch einige Erfrischungen während ihret Mußestunden bereitzuhalten, so daß also auch nach dieser Richtung hin für ihr leibliches Wohl gesorgt ist. Im Erdgeschoß sind zahlreiche Badekabinen vorhanden, die zum Teil mit Badewannen ausge- stattet sind, zum Teil Brauseanlagen enthalten. Hier können an jedem Tage von morgens bis weit in den Nachmittag hinein Bäder genommen werden, für die durch die Warmwasserbereitungsanlage reichlich Badewasser bereitgehalten wird. Diese Bäder werden an die Eisenbahner kostenlos abgegeben. Der Baderaum steht an bestimmten Tagen zu gewissen Stunden auch den in den Nachbarhäusern wohnenden Eisenbahnern und ihren Familienangehörigen zur Verfügung. Eine große Zentralheizungsanlage dient der gleichmäßigen und guten Beheizung aller Räume und dem Betrieb der Warmwafserbersitungsanlage für bas. Bad.
In allen Zimmern und Korridoren, im Treppen-
Der Reichsfinanzminister hat jetzt die Richtlinien, für die Erstattungsverfahren herausaeaeben, nachdem bestimmt worden ist, daß die Lustschutzaufwendungen vom Reich übernommen werden. Erstattet werden zunächst geldliche Aufwendungen für bauliche und handwerkliche Maßnahmen, und zwar für die Herrichtung von Luftschutzräumen, für die Beschaffung und Anlage der vorgeschriebenen Beleuchtung sowie der Heizeinrichtungen mit Ausnahme der nicht fest eingebauten elektrischen Heizöfen und Heizsonnen, und schließlich für die Durchführung von Brandmauerdurchbrüchen. Soweit es sich um Maßnahmen handelt, die vor dem 1. Oktober 1940 durchgeführt worden sind, erfolgt eine Erstattung nur, soweit die geldlichen Aufwendungen den umlagefähigen Höchstbetrag überstiegen haben. Voll übernommen werden die Kosten vom Reich für Maßnahmen, die seit dem 1. Oktober 1940 durchgeführt worden sind. Dazu gehört jede einzelne Herrichtung, die erst nach dem 30. September beendet wurde. Eine Kostenerstattung erfolgt nur, wenn die den irmlagefälyigen Höchstbetrag übersteigenden Mehrkosten ober die seit dem 1. Oktober entstandenen Kosten 10 RM. übersteigen. Ferner werden die Kosten für die Beheizung, die seit döm 1. Oktober 1940 entstanden sind, auf Antrag erstattet. Die Erstattung erfolgt nur jährlich einmal in einer Summe. Das gleiche gilt für gerechtfertigte Mietminderungen seit dem 1. Oktober. In beiden Fällen werden ebenfalls nur Kosten erstattet, wenn diese in der Zeit vom 1. Oktober bis 30. September eines Jahres mehr als 10 RM. betragen.
Die Anträge auf Erstattung geldlicher Aufwendungen für Maßnahmen vor dem 1. Oktober sind spätestens am 31. Dezember 1941 zu stellen. Für die Kosten seit dem 1. Oktober 1940 können die Anträge nach der Fertigstellung der einzelnen Herrichtungen gestellt werden. Die Anträge auf Erstattung der Kosten für die Beheizung und für Mietminderungen sind spätestens am 31. Dezember zu stellen. Jeder Antrag ist mit eingehenden Unterlagen zu versehen. Den Anträgen für die Kosten vor dem 1. Oktober 1940 braucht eine gutachtliche Aeußerung des Bauberaters des Reichsluftschutzbundes nicht beigefügt zu werden, wenn es sich um Beträge von nicht mehr als 50 RM. handelt. Auch den Anträgen für die später entstandenen Kosten braucht ein solches Gutachten nicht beigegeben zu werden, wenn die Kosten für die einzelne Herrichtung 50 RM.
haus und im Tagesraum, kurzum im ganzen Hause von unten bis oben herrscht peinliche Sauberkeit, die bei einem solchen Massenverkehr von Gästen, wie er hier bei ständigem Kommen und Gehen wahrend des Tages und der Nacht — je nachdem der Dienst, beginn der Eisenbahner es erfordert — herrscht, nicht immer selbstverständlich ist, aber doch in an- erkennenswerter Weise gewahrt wird. Die Berufs, fameraben sehen selbst darauf, baß in dem ganzen Hause auch immer die größte Ruhe herrscht, damit bie Schlafenden in ihrer Erholung nicht gestört werben; denn jeder dieser Männer unb auch die Schaffnerinnen wollen ja selbst in ihrer Ruhe nicht beeinträchtigt sein, und so handeln sie schon um des. willen in kameradschaftlicher Weise nach den Er- fordernissen einer guten Hausdisziplin. Es liegt da. her auf der Hanb, daß diese Einrichtung der Reichs, bahn eine gute Erholungsstätte ist, die von dem nutzungsberechtigten Personal gerne ausgesucht wird.
Es handelt sich hier um eine Einrichtung der Reichsbahn, bie einem großen Teil des auswärts wohnenden Fahrpersonals seit Jahren täglich zu. gute kommt, bie aber auch im Interesse des Bahn« betriebe selbst liegt, da der Reichsbahn selbstverständlich sehr viel daran gelegen ist, ihr Fahrperso- nal bei Beginn der Fahrten stets vollkommen aus. geruht und gekräftigt zum Dienst kommen zu sehen So wird hier der soziale Gedanke in eine gute Gemeinschaft mit den dienstlichen Erfordernissen gebracht, von der nicht zuletzt die Fahrgäste durch bie Gewährleistung ber Sicherheit bes Betriebs, soweit diese von dem Fahrpersonal abhängt, Nutzen haben. B.
nicht übersteigen. Da öffentliche Dienststellen und auch Betriebe dem Hauseigentümer gegenüber bei« tragspflichtig sind, wenn sie zu feinen Mietern gehören, hat ber Hauseigentümer von den Kosten bie entsprechenben Beträge abzusetzen.
Dornotizen.
tIagesfalenber für Samstag.
Stadttheater: 19.30 Uhr „Alles für Dich". - Gloria-Palast, Seltersweg: „Frau Luna". — Licht, spielhaus, Bahnhofstraße: „Diskretion — Ehren- fache".
lagesfalenber für Sonntag.
Stabttheater: 19.30 Uhr „Alles für Dich". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Frau Luna". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Diskretion — Ehrensache".
Fröhlicher Auftakt zur neuen Theater-Spielzeit.
Am Samstag, 30., unb Sonntag, 31. August bringt bas Theater ber Universitätsstabt Gießen als heitere Ouvertüre zur Eröffnung bes neuen Spiel- jahres zwei bunte Werbeabenbe mit Musik und Tanz. In einem Bilberbogen in zwei Teilen werben sich bie üeuverpflichteten Mitglieber ber Bühne mit charakteristischen Proben ihres Kunstfachs bem: Gießener Publikum vorftellen. Unter Leitung der Intendanten Hans Walter Klein wird das gesamte künstlerische Personal einen Ausblick in biet Arbeit bes kommenben Jahres bringen und in zwei: unbeschwerten Stunden zeigen, daß neue und alte: Mitglieder sich zu einem fröhlichen Reigen zusam-- mengefunben haben, um ben Kontakt zu den: Theaterfreunden in heiter verbindender Weise für* die neue Spielzeit zu finden und zu festigen
Aufbaukurs des Deutschen Frauenwerks.
Alle Teilnehmerinnen eines Grundnähkurses bei Mütterdienstes im Deutschen Frauenwerk können.
CITROVI
auch zum Einmachen
das Onkel Heinrich so geliebt hatte, daß sie es immer wieder vortragen mußte: „Hier hab' ich so manches liebe Mal ..."
Tante Melitta. Auch ihren honigsüßen Namen fand man später lasterhaft, und von ihr selbst, und was aus ihr geworden sein mochte, sprach man nur hinter ber Hand. Unb sie war eine Bremerin gewesen! Doch was hatte bas mit Fräulein Zögling zu tun? Hellwang versuchte, ben Stachel abzuschütteln. Aber was hat mehr Wiberhaken unb sitzt tiefer als ein in Ehren ergrautes Vorurteil?
Die alte Dame rief bie Kinber herein. Söhnchen erschien mit einer peinlichen Tropfnase, die Omi rasch abputzte, „Sie sehen selbst, mein liebes Fräulein", sagte sie entschulbigenb, „wie nötig hier eine Frauenhanb, ist."
Fräulein Zögling legte Söhnchen bie Hanb auf ben ftrubbeliaen Scheitel: „Wie heißt bu, Bubi?" fragte sie einschmeichelnd.
„Ich bin kein Bubi!" antwortete der Herne Mann empört und flüchtete an Omis Schoß.
„Wir nennen ihn Söhnchen", legte sich bie alte Dame ins Mittel, „er heißt Wolfgang ..."
„Genau wie ber jüngste ber gräflichen Söhne!" rief Fräulein Zögling freubig überrascht, „er würbe allerbings Wölfchen genannt Nun, bem gräflichen Hause waren allerbings auch drei Söhne beschert, und deshalb wohl ..." Sie verhedderte sich unter Hellwangs eigentümlichem Ausdruck, ber entschulbigenb einzuwenben schien, er habe getan, was in seinen Kräften ftanb, errötete unb fuhr fort: „Aber Wölfchen war genau solch ein herziger Blonbkopf wie bu!"
Der herzige Blonbkopf stampfte mit bem Fuß auf unb erklärte, er fände Wölfchen fab. Darauf murmelte Fräulein Zögling etwas von bem entzückenden Temperament des Kindes. Dann kam Lydia an die Reihe, Fräulein Zögling die Hand zu reichen. Sie knixte brav, sagte in einem Sprüchlein alles auf, wonach sie gefragt wurde, Namen, Alter und Schulklasse, lächelte aus ihren Märchenaugen Fräulein Zögling bestrickend an unb schielte unter bem Wim- vervorhang nach ber schwarzen Lacklebertasche ihrer künftigen Erzieherin.
„Ein reizendes Kind", bemerkte Fräulein Zögling in Omis Richtung, unb mit einer kleinen Drehung zu Hellwang hin: „irgenbmie aristokratisch ..."
Er nahm bie Aeußerung, bie wahrscheinlich als bas höchste Kompliment gemeint war, bas man vergeben konnte, mit einem nervösen Hüsteln entgegen.
„Und bu gehst, wie ich gehört habe, bereits in bie Oberschule", roanbte sich Fräulein Zögling an Britta; „ba lernt ihr wohl Französisch, wie? Parlez- vous frangais?“
„Nein, Englisch ..
„Nun, ba werben wir uns aber tüchtig unterhalten, nicht wahr? — How do you do?"
Britta sandte einen hilfesuchenden Blick in bie Runbe. Diese Aussicht schien sie mächtig zu be- brücken. „Wir haben erst seit bem Herbst Englisch", murmelte sie.
„Britta fing nämlich mit Französisch an", erklärte Hellwang, „bann würbe ber Lehrplan geänbert unb Englisch als Grunbfach eingeführt."
„Die gräflichen Kinber wurden von einem Hauslehrer unterrichtet", bemerkte Fräulein Zögling. Sie hob dabei die Augenbrauen ein wenig, und es klang, als ob sie damit sagen wollte: ein jeder kann sich bas natürlich nicht leisten!
„Kommen wir zur Sache", meinte bie alte Dame schließlich resolut, als befürchte sie, Fräulein Zögling könne noch im letzten Allgenblick Bebenken bekommen unb abspringen, „wann könnten Sie Ihren Posten hier im Hause übernehmen?"
„Jeberzeit — ich überlasse es Ihnen, ben Tag zu bestimmen." Unb so würbe vereinbart, baß Fräulein Zögling bie Stellung nach vier Tagen, an einem Montag, antreten sollte.
„Da haben mir wirklich einen guten Griff gemacht", frohlockte bie alte Dame, als Fräulein Zögling bie Gartentür hinter sich zuzog. Sie beobachtete bie Davongehenbe hinter ber Garbine unb spitzte ben Munb, als würfe sie ihr einen Hanbkuß nach. „Nun kann ich beruhigt abfahren. Bei ber werben Haus unb Kinder in guter Hut fein." Sie wandte sich um, als Hellwang beharrlich schwieg: „Ober hast bu an ihr etwas auszusetzen?" Er beeilte sich, zu versichern, baß auch er mit ber Wahl von Fräulein Zögling burchaus einverstanden sei, unb schwieg barüber, baß er babei eigentlich wenig zu bestimmen gehabt hatte.
„Das einzige wäre vielleicht", roanbte er schüchtern ein, „baß sie so furchtbar fein ist unb in Ohnmacht fallen wirb, wenn bie Kinber erst etwas auftauen."
„Es wirb auch wirklich höchste Zeit, baß bitt Kinber aus ber Küche herauskommen und sich benehmen lernen", sagte die alte Dame nicht ohntt Schärfe; „Kathi ist gewiß ein tüchtiges Mädchen,, aber ihr Umgangston mit ben Kinbern ist benn doch ein wenig zu — zu bayerisch! Vor einer knappen! Stunde hörte ich, wie Äihnchen Lydia eine ,Dreck« schleuder^ nannte, hm! Was sagst bu bazu? Findest! bu diesen Ausbruck im Munbe eines vierjährige« Buben etwa angemessen?"
„Hm ...", antwortete Hellwang und ließ sein« Meinung offen. Seine Mutter war von ber Wahl! gerabezu, begeistert unb kam im Verlauf bes Tage» noch einigemal auf bas Thema zurück. Die gräflich» Familie Jbell-Jbell spielte babei eine große Rolle.. Sie schlug in „Wer ist's?" nach unb suchte sogar ba» Schloß Burghof bei Sterzing auf ber Lanbkarte» Nicht weniger jeboch hatte sie beeindruckt, baß Fräulein Zögling ber Name Konrab Hellwang „ein literarischer Begriff" gewesen war.
„Unb sie versteht mit Kinbern umzugehen, meiiu Junge, bas sah man auf ben ersten Blick. Nicht z« kalt und nicht zu warm, gerabe in ber goldene« Mitte. So erzieht,man nämlich Kinber! Unb hast d« ihren fabelhaften englischen Acksang gehört? S>« muß längere Zeit brüben gewesen sein.
Hellwang konnte sich nicht erinnern, mehr als ein«! englische Phrase aus bem Munbe von Fräulein Zögling vernommen zu haben, bie auch jebe Bardame; fehlerfrei beherrscht. Unglücklicherweise gab er diesen Meinung auch unverhohlen Ausdruck. Die alte Dam« fuhr empört hoch.
„Du vergreifst dich manchmal in deinen Der" gleichen!" bemerkte sie mit einem Stirnrunzeln, uji« Hellwang zog es vor, über seine Gedankenverbindung, bie wahrscheinlich mieber einmal über Breme« lief, zu schweigen. j|
„Jedenfalls", stellte seine Mutter abschließend fefU „werden bie Kinder gute Manieren lernen, unb guj® Manieren sind im Leben genau so nützlich wie gut« Kenntnisse."
„Entschulbige schon, Mutter, aber bu tust gerad« so, als ob bie Kinber bis jetzt wilb aufgewachst« ; wären..."
(Fortsetzung folgt.)


