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sere Panzerschiffe, Hilfskreuzer und Schlachtschiffe zum Handelskrieg in die Weiten der Ozeane vor.

Der Einsatz so wertvoller Einheiten muß richtig verstanden werden. Der Schwerpunkt der feindlichen Macht, der aufzusuchen und zu zerstören ist, liegt im Falle Englands in der Versorgunas- schiffahrt, an deren Schutz auch schwere See- streitkräste beteiligt sind. Für das große Ziel müssen Opfer gewagt und getragen werden, so schwer sie uns ankommen mögen, das weiß der Kriegssee­mann so gut, wie der Soldat zu Lande und in der Luft. Dehnen sich diese Kämpfe gegen die feindliche (bewaffnete!) Schiffahrt durch die Jahre und über weite Seeräume, so ist die Kriegsmarine im unver­geßlichen Norwegen-See-Feldzug April 1949 auch in größerer Geschlossenheit eingesetzt wor­den. In zweifacher Art wurde hier, auf Geheiß des Führers, gegen die überkommene Seekriegskunst ge­handelt: Im überraschenden stürmischen Durchbruch durch ein von überlegenen Feinden wimmelndes Seegebiet, und im ebenso kühnen zielsicheren Ein­bruch in stark verteidigte Küstenstellungen. Im be­wundernswerten Zusammenspiel der drei Wehr­machtteile trug die Kriegsmarine doch die erste und schwerste Verantwortung für die rechtzeitige Ge­winnung der Landeplätze von Oslo bis Narvik. Strahlenden Ruhm erwarb besonders Kommodore B o n t e mit seinen Zerstörern, deren Verlust, wie den desBlücher" und derKarlsruhe" der Erfolg rechtfertigte. Mit Norwegen fest in unserer Hand konnten wir dieOzeanische Front" vom Nordkap bis zur spanischen Grenze ausdehnen, wo­mit der Kriegsmarine neue Ausgangsstellungen ge­gen England erwuchsen. Auch der Luftwaffe, die sich so überraschend dem Gesetz des Meeres anpaßte und an der Vernichtung feindlicher Handels- und Kriegs­schiffe regen Anteil nimmt.

Unsere Gegner nennen diesen Kampf, in dem auch nach ihrer Ansicht die Entscheidung fallen muß, die Schlacht im At lan ti k". Ihr Gradmesser ist die dem Feinde dienstbare eigene und fremde Han- delsschiffstonnage. Etwas mehr als die Hälfte des Bestandes, mit dem England selbst den Krieg be­gann (25 Millionen BRT.), war am 1. August 1941 bereits versenkt. Dazu kommen die unbekannten Verluste durch Minen und die üblichen Gefahren der Seefahrt. Der Bedarf aber steigt durch längeren Ausfall beschädigter Schiffe (bei wachsender Zer­störung der Werften durch Fliegerbomben), infolge Vertreibung des britischen Handels von den euro­päischen Küsten, durch die Sperrung des Mittel­meers, die Versorgung der Armee um den Suez­kanal und der englischen Flotre in allen Meeren mit Beischiffen und Hilfskreuzern ins Ungeheure. Selbst Roosevelt, der anfangs stille, jetzt lärmvolle Teil- Haber des britischen Kriegsgeschäftes, mußte kürzlich zugeben, daß die Versenkungsziffern mehr als doppelt so hoch bleiben, wie England und Amerika zusammen neu bauen können. Daran war die deutsche Kriegsmarine mit 9 236 219 BRT. beteiligt, allen voran die nimmermüden Untersee­boote.

Nun greift Roosevelt von Nord und Süd mit Po­lypenarmen nach Ost und West über die Meere. Es wäre unsoldatisch, die darin liegende neue Be­drohung zu verkennen, falls das amerikanische Volk sich in den Krieg, in einen europäischen Imperialis­mus hineintreiben läßt. England, getäuscht auf der Atlantik-Konferenz um den unmittelbaren Kriegs­eintritt der USA., erkennt immer mehr seine eigene Unzulänglichkeit. Wenn es sich endgültig in die Ge­folgschaft der USA. begeben haben wird und um diesen Preis deren Kriegseintritt erreichen sollte, dann wird die neue europäische Ordnung so gefestigt sein, daß auch die Bedrohung von jenseits des At­lantik den Kontinent nicht mehr erschüttern kann.

Oer Sieg von Galla.

Berlin, 29. Aug. (DNB.) Die Einschließung und Vernichtung von zwei Sowjetdioisionen i m Raume ostwärts Salla, die im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 28.8. gemel­det wurde, ist mit gewaltigen Marsch- und Kampf­leistungen der deutschen und finnischen Truppen verbunden. Trotz ununterbrochen strömenden Regens sind in den Jlagen vyr der Vernichtung die deutschen und finnischen Truppen in dem wegelosen und ungangbaren Wald- und Sumpfgelände ständig kämpfend vorge­stoßen. Die Massen der 104. und 122. sowjetischen Schützendivision wurden bei diesen Kämpfen bis auf wenige versprengte Teile ein geschlossen und restlos vernichtet. Die Teile, die der vernichtenden Umklammerung durch die deutschen und finnischen Truppen entkommen konnten, muß­ten ihr gesamtes Kriegsaerät, ihre Artillerie und Fahrzeuge zurücklassen. T)ie Verluste der Bolsche­wisten an Toten und Gefangenen und die Beute­zahlen. sind noch nicht zu übersehen. Allein in dem Kampfabschnitt eines deutschen Regiments verloren die Sowjets an einem Tage über 1800 Tote.

Lustangriff auf die Halbinsel Kola.

Berlin, 29. August. (DNB.) Im Laufe des 28. August unternahmen deutsche Kampfflugzeuge einen Tagesangriff auf kriegswichtige Ziele in sowjetischen Städten auf der Halbinsel Kola. Schon beim Rückflug der ersten Welle stan­den Werkgebäude und Industriean- lagen an verschiedenen Stellen in hellen Flam­men. Andere Flugzeuge bombardierten Eisen- bahn st recken um Kandalakscha, dem be­deutendsten Hafen an der innersten Bucht des Wei­ßen Meeres, und rissen sie auf weite Strecken auf. An anderer Stelle wurden bolschewistische Flug­zeugkolonnen vernichtend getroffen.

UebergangSversuch am Onjepr im deutschen Feuer zusammengebrochen.

3 e r t i n , 29. Aug. (2)3123.) Im Verlauf des 28. 8. unternahmen die Sowjets an mehreren Stellen des Dnjepr südlich Kiew den Versuch, vom Ostufer des Flusses auf das Westufer überzu­setzen. Wo diese Versuche erkannt wurden, nahm die deutsche Artillerie die sowjetischen Truppen schon in der Bereitstellung auf dem Ostufer unter wirk­sames Feuer. Die Sowjets erlitten schwere blu­tige Verluste. Vereinzelten sowjetischen Stoß­trupps gelang es, das Westufer zu gewinnen. Im konzentrierten Feuer der deutschen Artillerie und Infanterie wurden jedoch die sowjetischen Einheiten völlig aufgerieben. Die Reste der vernich­teten Stoßtrupps gerieten in Kriegsgefangenschaft. Das Gtuka-Geschwader^Immelmann^

Berlin, 29. August. (DNB.) Das Stuka-«Ge- schwaderJmmelmann" hat seinen 50 0. Feind­auftrag im Osten durchgeführt. Das Geschwader, desien Kommodore Oberstleutnant Dimpert das Eichenlaub zum Ritterkreuz trägt, griff wiederholt mit durchschlagender Wirkung in den Erkämpf ein und brachte den Bolschewisten schwere blutige Ver­

luste bei, zerschlug viele Bunkerstellungen, brachte 75 Batterien zum Schweigen, vernichtete außerdem 250 Geschütze, setzte 350 Panzer außer Gefecht und zerstörte etwa 4500 Flugzeuge. Durch Bombenvoll­treffer wurden 30 Eisenbahnstrecken zerstört, 45 Transport- und Munitionszüge sowie Pontonbrük- ken und weitere 55 Flußübergänge unbrauchbar ge­macht. Das Geschwader hat sechs Kasernen mit Bomben schwerster Kaliber belegt, sechs Munitions­lager und fünf Brennstofflager zur Explosion ge­bracht, zwei Panzerzüge vernichtet und mehrere Lastkähne versenkt.

Hauptmann Joppien.

Berlin, 29. Aug. (DNB.) Hauptmann Iop - p i e n, Träger des Eichenlaubes zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, Gruppenkommandeur in einem Jagdgeschwader, ist, wie bereits mitgeteilt, nach seinem 70. Luftsieg vom Feindflug nicht zurück- gekehrt. Mit ihm verliert die Luftwaffe einen der kühnsten und erfolgreichsten Jagdflieger. Haupt­mann Joppien hatte am 16. September 1940, nach­

dem er 20 Gegner im Lustkampf abgeschossen hatte, das Ritterkreuz erhalten. Nach seinem 40. Abschuß am 22. April 1941 erhielt er einen Tag fpäter, als 11. Offizier der deutschen Wehrmacht, das Eichen­laub zum Ritterkreuz. Joppien war 1912 als Sohn eines Arbeiters in Bochum geboren. Nach Besuch der Volksschule zu Hersfeld ging er als Schriftsetzer in die Lehre. Im Oktober 1931 trat er als Schütze i n d a s I. R. 1 5 ein, wurde später zum Zweck der fliegerischen Ausbildung in eine Fliegerschule ver­setzt, 1936 Unterfeldwebel, am 1. Februar 1937 Feldwebel und am 1. Juli 1937 Oberfeldwebel. Nach­dem er an einem Offizier-Auswahllehrgang teilge­nommen hatte, wurde er am 23. Dezember 1938 zum Leutnant befördert und fand Verwendung als Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader. Als Tech­nischer Offizier beim Stabe einer Zerstörergruppe wurde er am l.Juni 1939 Oberleutnant. Später wurde er in ein Jagdgeschwader versetzt und am 18. September 1940 Hauptmann. Er wurde dann zum Gruppenkommandeur in einem Jagdgeschwader ernannt.

Wem darf man glauben?

Es gibt auch heute noch in USA. weite Kreise, die sich nicht von der im Dienste der englischen Plutokraten stehen jüdischen Presse einnebeln lassen. Insbesondere haben sich die Berichte des Oberkommandos der deutschen Wehr, macht großes Ansehen in den USA. verschafft. So hat wenige Tage nach Beginn des Feldzuges im Osten der Militärsachverständige derNew Port Post", Fletcher Pratt, folgende Ausführungen gemacht: Die optimistischen Darstellungen aus Sowjet rußland - seien unsinnig. Derartiges anzunehmen, stelle einen ebenso gefährlichen Trug, schluß dar wie Chamberlains klastische Bemerkung, daß Hitler in Norwegen den Autobus verpaßt habe. Alle günstigen Meldungen stammten aus bot» schewistischer Quelle, und man wisse vom Finnen­krieg her, daß diese äußerst unzuverlässig seien. Aus der anderen Seite seien diebeutschen Wehrmachtberichte während des ganzen Krieges im großen wie im einzelnen außer­ordentlich genau gewesen. Wenn deutsche Meldungen von großen Erfolgen sprächen, so sei >s sehr wahrscheinlich, daß das zutreffe. Die bisher vor» liegenden Einzelheiten ließen vermuten, daß die Sowjets einer in der Geschichte beispiellosen Kato» strophe zueilten.

Wenn man heute in den USA. den deutschen Wehrmachtberichten solche große Anerkennung zollt, so kommt darin nicht nur die lieber,Beugung zum Ausdruck, daß diese Berichte mit der Wahrheit voll­kommen übereinftimmen, sondern es dürste vielleicht auch noch die Erinnerung an die Erfahrungen mit hineinspielen, die man während des Welt» Krieges in den USA. mit dem Wahrheitsgehalt' der Kriegsberichte der verschiedenen Nationen ge­macht hatte. Damals, im Frühjahr 1915, hat ein. Neuyorker Blatt eine Tabelle veröffentlicht, dis einen Anhaltspunkt zur Abschätzung des Wahr» heitsgrades der Kriegsnachrichten aus den verschie­denen Quellen darstellen sollte. Nach dieser Tabelle betrug der Wahrheitsgrad der deutschen amtlichen. Berichte 100 v. H., des Gewährsmannes in Stock­holm 75 v. H., des Gewährsmannes in Rotterdam. 50 v. H., der französischen Generalstabsberichte 45 v. H., der Moskauer Generalstabsberichte 20 o. H.,, der Spezialkabel derTimes" 10 v. H., der Mtt- dung desMatin" 8 v. H., der Belgischen 2higen: 5 v. H., der Nachrichten mit der SpitzmarkeAus Nifch wird gemeldet" 4 o. H., der NachrichtenVon. einem Ort an der Front" 3 v. H., der Frau eines amerikanischen Schuhhändlers 2 v. H., eines franzo. fischen Agenten aus Syrien 1 v. H., der Haoas« Meldungen V2 v. H. und der Reutermeldungen 0 v. H. Während man also in Neuyork den beut« schen amtlichen Berichten einen Wahrheitsgehalt von 100 v. H. zubilligte, schätzte man den des Moskauer Generalstabsberichtes nur auf 20 v. H. und Lügen- Reuter erhielt feinen Ruf dadurch bestätigt, daß er ganz durchfiel. Die Wahrheit bricht sich eben doch Bahn, wenn es auch manchmal etwas lange dauert.

punkt auch wichtige Industrieanlagen aufzuweisen hat. Es befinden sich dort mehrere Werften, Werke der Maschinenbauindustrie, Werk» stätten für Turbinen- und Kesselbau und Eisengie­ßereien. Weiterhin ist in Reval die elektrotechnische Industrie und der Waggonbau vertreten. Aus dem Holzreichtum Estlands basierend, arbeiten in Reval, ferner Papier- und Zellulose-Fabriken sowie wei­tere Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie,, u. a. eine Streichholzfabrik. Schließlich gibt es in Reval noch Unternehmen der Textil-, Üeder- unb Lebensmittelindustrie. Reval war vor der Besetzung: Estlands durch die Sowjets ein wichtiger Ausfuhr­platz für Holz, Papier, Getreide, Flachs, Leinsamen, Zement sowie für Agrarerzeugnisse, vor allem Eier,. Butter und Fleisch. Baltisch-Port, ein Hafen-- städtchen von wenig mehr als 1000 Einwohnern: westlich von Reval, ist deshalb besonders wichtig weil es von den Sowjets als Flottenstütz­punkt ausgebaut worden war. Diesem Ausbau: diente auch die Erweiterung der Hafen- und Werst- anlagen bzw. Neubauten.

Genesungswünsche für Laval.

Auch Botschafter Abetz am Krankenbett.

Vichy, 28. Aug. (Europapreß.) Der französische Staatschef Marschall P 6 t a i n hat den General­delegierten der Regierung im besetzten Gebiet, Bot­schafter de Brinon, um Nachricht über das Be­finden des bei dem Attentat vom Mittwoch verletzten: früheren Ministerpräsidenten Laval gebeten. Bot-' schafter de Brinon hat sich an das Krankenbett La­vals begeben und ihm die Wünsche des Staatschefs für feine baldige Genesung überbracht. Bei ihrem: Bericht über das Attentat auf Laval melden die' Blätter, daß zahlreiche offizielle Vertreter Frank­reichs Laval im Krankenhaus besucht haben, u. a.. Innenminister Buchet, Botschafter S c a p i n i und« der Polizeipräsident von Paris. Admiral Darlan. übersandte Laval ein Handschreiben, ebenso GeneraL Huntziger. Auch der deutsche Botschafter A b e tz in Begleitung des Gesandten Schleier be­gab sich nach Versailles an die Krankenbetten vom Laval und Seat.

Das Attentat auf Pierre Laval und Marcel 2)&t ist dadurch imFilmfe st gehalten worden, bafo Aufnahmen von der Versailler Zeremonie bei ber Einweihung der Kaserne der neuen französischen: Freiwilligen-Legion gemacht wurden. Die Unter­suchungsbehörden werden den Film als Dokument: benutzen. Der Polizeipräsident von Paris, AdmiraL Bard, und die höheren Gerichtsbehörden haben, sich den Film bereits vorführen lasten.

Sier feindliche U-Boote im Mittelmeer versenkt.

Rom, 29. Aug. (DNB.) Der italienische Wehr- Machtbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut:

In Nordafrika an der Tobruk-Front Aufklärungstätigkeit unserer Truppen und Artillerie- feuer, das sich gegen feindliche Panzereinheiten und' Stellungen richtete.

Britische Flugzeuge unternahmen Einflüge gegen Bengasi und Homs und warfen Bomben. Einige Verletzte und leichte Schäden sind zu ver­zeichnen.

In O st a f r i k a wurden feindliche Angriffsver- suche gegen die Redoute von U 0 l ch e f i t und btt- kleine Befestigung von Debarech im Keime er­stickt.

In den vergangenen Tagen versenkten unsere auf Unterseebootjagd eingesetzten Marineeinheiten, im Mittelmeer vier feindliche Unterseeboote. Es wur­den einige Gefangene gemacht, darunter auch der Kommandant einer der versenkten Einheiten.

Eines unserer Unterseeboote ist nicht an seins« Stützpunkt zurückgekehrt.

An der Strecke MoskauPetersburg.

Von Kriegsberichter Günter Kaufmann.

DNB. Funkspruch ..., 30. Aug. (PK.) Unermüd­liche Ausdauer und eine großartige Willenskraft unserer Infanterie haben es vollbracht, daß der Er­folg von Nowgorod durch eine blitzartige, vom Bolschewiken nicht vermutete Operation gegen Nor­den ausgenutzt werden konnte. Die am Nord- ufer des Ilmensees und in Nowgorod selbst geschlagenen Divisionen der Bolschewiken vermoch­ten ihre Reste gerade noch mit Rühe über den Molchow-Fluß zu bringen und gaben damit den Weg auf der großen Straße MoskauPeters­burg nach Norden frei. Noch einmal versuchten bolschewistische Regimenter, die aus dem Wolga- Gebiet herangeschafft, einzeln auf die kleinen Sta­tionen der Bahnlinie ausgeladen und zur Unter­stützung der Verteidiger Nowgorods bestimmt waren, als die Stadt schon längst gefallen war, sich auf der Straße nach Norden entgegenzuwerfen. Aber die Ordnung war verlorengegangen, die Uebersicht fehlte.

So verloren sie schwere Waffen, eine ganze be­spannte Batterie siel uns in oie Hände, schwere Geschütze und Panzer und die 15-Zentimeter-Lang- rohrgeschütze der Bolschewiken wurden von findigen deutschen Artilleristen schnell umgekehrt und gegen den Bahndamm gerichtet. Auch der Ober­befehlshaber der Nordwestfront, Woroschilow, der in Nowgorod soeben erst den alten Sitz seines Hauptquartiers und eine ganze Armeegruppe ver­loren hatte, erkannte in letzter Minute die Gefahr und schickte schon mangelhaft bewaffnete ß an b «- wehr aus Petersburg über den Bahndamm, um durch Gegenangriffe den Lebensnerv Peters­burgs wieder freizubekommen. In den Lüften aber entspannen sich erbitterte Gefechte um die Luftherr­schaft über den Anmarschweg, bis schließlich Ge­witter und heftiger Regen einfetzte und es schien, als ob uns der Wettergott noch einmal halt zu ge­bieten vermochte.

Nun haben wir mit einem breiten Abschnitt an ber strategischen Bahnlinie die erste Frucht der ge-

Die Hansestadt Reval.

Deine Türme, deine Zinnen Schauen in die Lande weit Aus das seltsame Beginnen Dieser neuen, großen Zeit.

Deutsche Truppen sind in eine deutsche Stadt eingezogen: In die alte deutsche Hansestadt Reval. Wenn man vom Meer aus zum erstenmal diese Mauern und Türme sieht, dann wird das deutsche Mittelalter wieder lebendig. Frag die alten Türme nach ihrem Namen, und der Bremer Turm, die dicke Margarethe, der Kiek in die Kök, der lange Her­mann und der Eckturm des Schlosses auf dem Domberge, an den die Stadt angelehnt erscheint, werden Bände deutscher Geschichte erzählen. Die Stadttore und die Kirchennamen werden das gleiche tun. Die Sankt-Nikolaus-Kirche ruft das Gäächt- nis des Schutzheiligen der Hanseaten wach. Nicht minder deutsch sind die Häuser der Handelsherren, deren hohe Gipfel in alter Zeit als Speicher dien­ten. Vom Rosengarten vor Der Strandpforte stan­den einstmals die hansischen Kaufleute und beobach- teten stolz Einfahrt und Ausfahrt der Schiffe und die Jungfrauen der Stadt boten den reisebereiten Kaufgesellen den Abschiedstrunk.

Reval, das früher Refell oder Riff hieß, wurde in seinen ersten Anfängen 1219 von dem Dänen- könig Waldemar II. gegründet und 1248 mit lübi- schem Recht und lübischer Verfassung ausgerüstet. Dann kam der Schwertritter-Orden hierher, der nach damaligem Brauch ein Ordensschloß baute. Schon im Jahre 1284 trat die Stadt Reval dem Hansa- bund bei. Die Kenner des Landes werden trotz aller Bauschätze Rigas doch feststellen müssen, daß im Hinblick auf die Fülle alter deutscher Bauwerke namentlich an Kirchen und Festungstürmen, aber auch im Hinblick auf den äolischen Bau der Großen Gilbe und das prächtige Rathaus, Reval die deut­scheste unter den baltischen Städten ist.

In wirtschaftlicher Beziehung hat Reval aller­dings Riga nicht überflügeln können. Reval war im Zarenreiche als Kriegshafen gedacht. Schon Peter der Große, der ja bei dem westlichen Kurs feiner Politik aufFenster zur Ostsee" entscheidenden Wert legte, und so zur Hebung Revals mancherlei tat, wollte hier einen Stützpunkt der Kriegsflotte an- geleat wissen.

Aber auch ip der neueren Geschichte ist Reval oft bedeutungsvoll hervorgetreten. Am 9. Juni 1908 fügte in Reval Eduard VII. im Zusammentreffen mit Zar Nikolaus den Schlußstein in feine Ein­kreisungspolitik. Im Weltkriege gar gedachte Eng­land in Reval am Eingang Des Finnischen Meer­busens ein neues Calais zu errichten. Die Versuche schlugen indessen fehl. Irn Februar 1918 tarnen deutsche Truppen nach Reval und blieben hier bis zur Gründung des neuen estnischen Staates. Es hat sich dann gezeigt, daß dieser Staat für sich allein seinen Bewohnern keinen Schutz bieten konnte. Als Stalin und die Machthaber im Kreml die Stunde für gekommen hielten, vernichteten sie die zwanzigjährige estnische Aufbauarbeit, um auch in Reval die Herrschaft des Bolschewismus Mos­kauer Prägung aufMrichten.

Nun ist die Stadt wiederum von den deutschen Truppen von der bolschewistischen Herrschaft und diesmal für immer befreit worden. Hoffentlich ver­gessen die Bewohner nicht, was sie der deutschen Tat zu verdanken haben. In den vergangenen Jah­ren schien es oft so, als ob man in Reval, das

monnenen Schlachten um den Ilmensee ernten kön­nen. Der rasche Stoß nach Norden wurde von der Divffion mit den langen Beinen" geführt. 1150 km ist sie schon durch die baltischen Staaten, dann zum Ilmensee und jetzt gegen Norden marschiert und hat im Wald und im offenen Gelände mit einem sich erbittert zur Wehr setzenden Gegner gerungen. Oft müde, aber immer mit frischem Herzen wurde das letzte Wegstück bis zur Bahnlinie bezwungen.

Dem Landser ist ausgefallen, daß es der erste zweigleisige Schienenweg der Sowjetunion war, den er hier erkämpfte. Die Bolschewiken nen­nen sie dieO kto b e r b a h n", weil über ihre Schienen hinweg die bolschewistische Revolution ihren siegreichen Laus aus der Hauptstadt des Wei­ßen in die des Roten Zaren nahm. Schnurgerade laufen die Schienenbänder durch weites flaches Land, durch Sümpfe, endlose Wälder und über die Waldai- Höhe, die berühmte Wasserscheide, hinweg, schnur­gerade, wie es der despotische Wille Nikolaus I. durch einen Lineakstrich auf der Karte verfügte. Es sind die gleichen Gleise, über die zehnundeinehalbe Stunde der Durchschnittseuropäer durch bolschewi- sttsches Land im Schlafwagen fuhr, um dann im Saooy-Hotel von Moskau abzusteigen. Es sind die Gleise, auf denen die Arbeiterdelegattonen aus Eu­ropa noch vor einem Jahrzehnt zu den Potemkin- schen Dörfern der Sowjetunion unter sorgfältiger Betreuung des Gastgebers geführt wurden. Heute aber hängt die Versorgung Petersburgs von dieser Bahnlinie ab. lieber den letzten eingleisigen Bahnkörper, der am Südufer des Ladoga- S e es noch offen bleibt, kann unmöglich diese Stadt, die feindliche Flotte und die gesamte Front von Murmansk bis zu den Ufern des Finnischen Meer­busens versorgt werden. Der Ring um Petersburg wird damit enger. Der wichtige Zugang zur Ostsee, ein Zentrum der sowjetischen Schwerindustrie und die Schlüsselstellung für eine Verteidigung der ka­relischen Front ist schwer bedroht.

man nun Tallin nannte, nichts mehr wüßte von dem Geschick und der Geschichte der Stadt. Die Steine, die Häuser, die Höfe, die Mauern und die Winkel, sie ließen es jeden fühlen, daß die Men­schen, die diese Stadt bauten, und die hier jahr­hundertelang lebten, deutsche Menschen waren. Diese Stadt Reval war ja in ihrem Gesicht deut­scher als manche Stadt in Deutschland selbst. Es war ein Versuch am untauglichen Objekt, der alten Hansestadt am Baltischen Meer einen Namen geben zu wollen, der ihrer Wesensart fremd war, Litauer, Letten und Esten haben sich ja manchmal eine eigen­tümliche Historie für den Hausgebrauch geschaffen. Die Tatsache, daß aber Reval eine deutsche Stadt mar, konnte auch die gerissenste Geschichtsfälschung nicht hinwegfälschen. Es wäre eine Selbstverständ­lichkeit gewesen, daß estnische Klugheit anerkannt hätte, wie sehr die Esten selbst Erben alter deutscher Kultur geworden waren.

Statt dessen standen nun an den Straßenecken von Reval die neuen estnischen Straßennamen an­geschrieben und die alten deutschen Straßennamen waren verschwunden. Man konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen, daß der alte wun­dervolle Domplatz Kiriku heißen sollte und daß man zu der Langenstraße Pikk sagte. Die Esten behaupten, die Staatsraison verlangte es, daß man die uralten historischen Stadtnamen änderte, nie und nimmer aber verlangt es die Staatsraison, daß man den Deutschen die Domkirche nahm. Juri­stische Gründe hin und her, politische Gründe her und hin. Wer Erbe einer alten reichen Kultur ge­worden war, der hatte moralische Verpflichtungen. Das Schicksal der Domkirche in Reval hat in den Herzen der Deutschen eine tiefe Bitternis hinter­lassen. Das kann man verstehen, wenn man in der Abenddämmerung vor diesem Gotteshaus steht, das seit sieben Jahrhunderten die Stadt krönte.

Dabei hätten die Esten gerade in Reval wissen sollen, wo ihre Feinde saßen. Brutal und fremd baute das alte Zarenreich noch um das Jahr 1900 hier eine orthodoxe Kirche, die nach Moskau passen mochte, aber niemals auf diesen Domberg. Wie ein Fremdkörper war die Alexander-Newskij-Kathe' brate hier hingestellt, willens, den Geist dieser Mauern zu töten. Das war das alte Zarenreich, ohne den Geist der Duldsamkeit. Freilich noch weni­ger Duldsamkeit brachten die Bolschewisten mit, als sie von Moskau hier einbrachen, um einen Staat zu zerstören und zwanzigjährige Arbeit zu vernich­ten. Vielleicht hat sich in jenen schweren Wochen und Monaten mancher Bewohner Revals und mancher Este gesagt, daß es doch wohl besser gewesen wäre, mit den Deutschen in ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zu kommen. Dann nämlich wäre die bolschewistische Leidenszeit dem Lande und der Stadt erspart geblieben. Aber diese Zeit ist ja er­freulicherweise vorbei. Noch einmal lächelt der deut­schen Stadt Reval das Glück: Reval hat dank dem deutschen Siege wieder eine deutsche Zukunft.

Walter Steding.

Revals wirtschaftliche Bedeutung.

Reval, eine Stadt mit rund 140 000 Einwohnern, ist d i e alte Hauptstadt Estlands , die ne­ben ihrer Bedeutung als Kriegs- und Han­delshafen sowie als Verkehrsknoten-