Donnerstag. ZV.IannarMl
Stetzener Anzeiger (Senerai-Anzeiger fSr Vberhefien)
Nr. 25 Zweiter Blatt
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wenn auch in verschiedenen Variationen doch immer fast das Gleiche erlebt, und der Mann da- neben starrte genau so gebannt auf die Leinwand, weil da das wiederkehrte, was wir als Soldaten erlebten — einer wie der andere: den Krieg im
- und trotzdem
kann die Haut spröde und rissig werden, wenn NIVEA sie nicht schützt
nachdem der Leutnant, dieser ganz junge Leutnant, mit einem Kopsschuß im hohen Ufergras der Aisne zusammengebrochen war.
Es war nicht dieser Leutnant, den die Kamera erfaßt hatte, wie er mit seinen Leuten angriff, es war ein anderer Leutnant, wie es soviele gibt in unserer todesmutigen, einfachen und grauen Infanterie.
Und dann gab das lonbanb des Films plötzlich die Geräusche von Granaten wieder. Es waren sehr vertraute Geräusche. Und man dachte, daß man zusammenzucken wollte — aber nein, es war ja nur Furn, „nur" Film — aber verdammt wahrheitsgetreu. Das waren richtige Granaten, wie sie uns in Deckung gezwungen hatten, irgendwohin zwi- schen zwei Mauern, irgendwohin ins Gras, in die Erde hinein, so tief wie möglich und man dachte an einen kleinen Splitter, einen wirklich kleinen Splitter, der genügt hätte, um den Nebenmann auszulöschen, weil er im Herzen gesessen hatte, genau im Herzen. Damals, als es hinter der Magi- notlinie vorwärts ging — und alles bereits so glatt verlief, daß man an solche kleinen Splitter eigentlich gar nicht mehr gedacht hatte.
Mazedonische Skizzen
Bon unserem Dr. I. B.-Sonderberichterstatter.
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Dann marschierten Kolonnen, lange Infanteriekolonnen, um die der Staub dampfte. Himmel, hatte es damals viel Staub gegeben. Staub, der sich mit der Sonne zusammen in die Haut einfraß, der mit dem Schweiß zusammen das Gesicht her- unterlief, über die Augen hinweg, die brannten. Staub war da im Film — und auch er wirkte wie ein alter Kamerad, der damals ständiger Begleiter gewesen war.
Und dann brauften Panzer über die Straßen, graue massige Panzer, und man hätte den Neben- mann gern in den Arm gezwickt und gesagt: „Weißt du noch, als damals die Panzer kamen, hinter uns Infanteristen durchbrochen und vorstie- ßen und uns die Arbeit abnahmen, so daß wir plötzlich Ruhe bekamen?" Aber der neben einem war ja im Westen ganz woanders gewesen, ihn konnte man gar nicht in den Arm kneifen.
Vielleicht war es aber bei ihm in irgendeiner Phase genau so? Vielleicht.
Man hat ja mit jedem, der damals dabei war,
joviel gemeinsam« Erlebnis — r» hat ja jeder.
ften bewahrt hat.
Die Landschaft um den Ohrider See, hat ein sehr günstiges Klima. Auch im Juli und August steigt die Temperatur kaum jemals über 25 Grad und die Nächte sind sogar kühl. Liegt doch der Spiegel des Ohrider Sees fast 700 Meter über dem Meeresspiegel. Bei der Abendpromenade längs des See- ufers tragen die schönen Ohriderinnen selbst im Auoust Mäntel und zu Mittag mildert ein frischer Wind vom See die Hitze. Auch Malaria, die Geißel Mazedoniens, gibt es in Ohrid so gut wie gar nicht. Daß Ohrid trotzdem heute noch von wenig Frem- den besucht wird, liegt in erster Linie daran, daß die Derkehrsverhältnisse nicht sehr gün- Iftig sii
as heißt „Deutsche Philosophie"?
Bon Dr. Theodor Haering, o. Professor der Philosophie an der Universität Tübingen.
nach Ohrid, aber der Zug braucht mehr als 2(1 Stunden für die Strecke, die ein Automobil in etrnfl 5 Stunden zurücklegt Günstiger ist die Autobus« Verbindung von Gradsko über Bitolj nach Ohrids Die Beschwerden der Fahrt werden durch die wildS Schönheit der rauhen Berglandschaft, durch die bet Weg führt, reichlich ausgewogen.
Die erwähnte Kleinbahn ist übrigens eine Feld- bahn, die von den deutschen Truppen während des Weltkrieges gebaut wurde. Nicht nur die Bahn, auch einige trefflich angelegte Straßen sind nützlichs Zeugen der deutschen Besetzung, die den älteren Leuten noch in Erinnerung ist. Ein arnautischev Gastwirt in Ohrid, der übrigens wie viele seiner Landsleute weit in der Welt herumgekommen ist, erklärte: „Die Deutschen waren noch keine zwei
verleiben zu können, ohne sich dadurch verfremden zu lassen.
Eben darum kann es aber auch nicht wundernehmen, wenn in der deutschen Philosophie, als dem Selbstbewußtsein dieses deutschen Geistes, gerade dieser universalistische Zug sich, gegenüber den Philosophien anderer Völker und vor allem seiner Nachbarn, ganz besonders deutlich zeigt; ja wenn dieser, man darf wohl sagen, geradezu zum Inhalt der deutschen Philosophie geworden ist. Schon immer nämlich rft mit Recht bemerkt worden, daß deutsche Philosophie sich vor allem gerade durch die Universalität der Zusammenschau der von anderen oft als unvereinbar empfundenen Unterschiede und Gegensätze der Welt, der Seinsarten wie der Sollensarten (Äeale) immer ausgezeichnet hat. Während unsere westlichen Nachbarn fast in allen ihren großen Vertretern mehr dem Zuge folgten und auch unterlagen, die Welt auf eine möglichst einfache Formel zu bringen und (wie z. B. in den Extremen des Materialismus, Empirismus oder Rationalismus) von einem einzigen Prinzip (fei es Seins- aebiet oder Ideal) aus zu konstruieren bzw. zu lenken, finden wir bei allen großen deutschen Philosophen der oben angegebenen Reihe ohne Ausnahme den Zug bzw. die Sehnsucht, die Grund- g e g e n s ä tz e des Seins oder des Sollens möglichst in eine lebendige Einheit zusam m e n z u s cha u en: also z. B. Materie und Geist, Empirismus und Rationalismus bsw. ebenso, wie Individualismus und Ueberindividualismus oder auch, mehr meta
geworden sei.
Und wie um diese Frage zu beantworten, zog an uns vorüber ein kleiner Trupp von Infanten- ften und unter ihnen jener Junge. Der Kragen (eines Waffenrockes war geöffnet, den Stahlhelm hatte er abgesetzt und eine blonde Strähne wirren Haares fiel ihm in die Stirn. Wie hatte sich sein Gesicht verändert! Da leuchteten in fester Gewißheit blaue Augen, und der Mund schien der eines Mannes geworden zu fein.
Ich fragte Kameraden, wie sich der Junge ge- halten habe, und sie erzählten, daß er unter den Ersten gewesen fei, die mit Schlauchbooten über die Maas gesetzt waren und daß er sich glänzend gehalten habe!
War es nun dieses Gesicht, das im Film wieder- kehrte? War es ein anderes? Der Streifen rollte so schnell auf der Leinwand ab, aber es war ja gleich, und es gibt ja in unserem Heer viele tausend solcher Gesichter, und wo es um bas Ganze geht, vereinen sie sich zu einem, einem großen Gesicht, bas auf ber Stirn den Abglanz des Sieges und im Zuge des Mundes entschlossene Zuversicht trägt.
*
Die Tonapparatur surrte, unb neue Szenen tra- ten aus dem Bild. Infanterie griff an, graue, todesmutige Infanterie. Sie stürmten, und vor mir stand plötzlich wieder jener Leutnant, der an der Aisne seinen Soldaten voraussprang, der einen Schuß in den Arm bekam und weiter stürmte, der im Oberschenkel getroffen wurde und weiter stürmte, der seine Männer bis zum Letzten mitriß, der sie mitzwang, durch fein Beispiel, obgleich um ihn herum die Hölle war, der eine unsichtbare Fahne 4H tragen schien, bw weiter Mranjlattirt«. such
ließen Heimweg an. .
Einen eigenen Stadtteil bildet K a n e o, bie Siedlung der Ohrider Fischer. Am Fuß einer steil zum See abfallenden Felswand unmittelbar am Gestade gelegen, ist Kaneo nur durch einen schmalen Pfad zugänglich, der sich von der Höhe bes . —---- - ----- .... z
Felsens herabzieht. Hier hausen in kleinen, alters-I stig sind. Don Skoplje führt wohl eine Kleinbahn
Augen und dem Mund die bange Erwartung dessen trug, ber in seine erste große Erprobung geht und dessen Jugend nicht weiß, ob sie diese Erprobung bestehen wird. Man hätte ihm auf die Schulter klopfen mögen oder ihm in irgendeiner Form Zu. verficht zusprechen wollen — aber bann war er schon vorbei — unb war ja keine Zeit um ein- zelne zu beachten, wo es um das Ganze ging.
Aber bas Gesicht hatte sich mir eingeprägt und später, nach dem Kampf um die Maas, später als wir über den Fluß herüber waren und auf dem jenseitigen Ufer verschnauften, da dachte ich wieder an diesen Jungen und dachte, was wohl aus ihm
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von Albert dem Großen über Eckehart, Nikolaus von Eues, Paracelsus, Böhme, Leibniz, Ehr. Wolf, Fant, Herder, Goethe, Schiller, Fichte, Schelling, Hegel, Schopenhauer bis zu Nietzsche gehen.
Es ist erstaunlich, wie einheitlich in den mir bisher als Herausgeber zugegangenen Beiträgen — trotz aller bekannten Verschiedenheiten der behandelten Philosophen nach stammlichen, charakterlichen, zeitbedingten Umständen und besonders auch nach ihrer äußeren Form und Sprache — der Geist ist, ber sie boch alle zutiefst beseelt unb ber sie insbesondere von ben in ben Nachbarvölkern 'dominierenden Geisteshaltungen abhebt unb deutlich unterscheidet. Auch bei aller scheinbar ost vorhandenen äußeren Ueberfrembung in Form wie Inhalt, ist es doch nirgends eine sklavische Abhängigkeit und Nachbeterei fremden Importes — wäre es das, so hätten sie ja ohnehin den Namen und Ruhmestttel eines deutschen Denkers und vor allem eines Großen unter ihnen verwirkt, wie dies in der Tat bei manchen bloßen geistigen Söld- lingen etwa westlichen Denkens, in gewissen Extremen, z. B. des Materialismus, Positivismus, Ratto- nalismus usw., ber Fall gewesen sein mag. Bei allen wirklich Großen, b.h. im Leben ihres Volkes Epoche machenben eigenstänbigen beutfchen Denkern -dagegen läßt sich durchweg und ohne Ausnahme zeigen, wie selbst starke Anleihen bei fremden Gei- ftern unb ©ebanfengebilben — von sprachlichen Anlehnungen ganz abgesehen — doch immer eine spe- zifisch deutsche Verarbeitung, Durchdringung, ja Umgestaltung erfahren haben; wie es denn ja überhaupt immer den Ruhm deutschen Wesens ausgemacht hat, die ganze Fülle der Welt in sich auf nehmen und d e m eigenen Wesen ein-
Von Kriegsberichter K. G. von Stackelberg.
Im Vorführraum des Babelsberger Ufageländes rollte der Filmstreifen des Heeresdokumen- t a r f i l m 5 vor unseren Augen ab. Wir saßen m kleinen roten Stühlen, zumeist Soldaten. Und bann war es plötzlich so, als ob wir von der Lemwanb angesaugt würden, mit ben Augen, mit dem Herzen, mit Verstand und Gefühl, denn dort vor uns stand das wieder auf, was wir als Soldaten im Mai und im Juni in Frankreich erlebten, was sich inzwischen eingreifend und lebensbestimmend m uns niedergeschlagen hatte, was wir in dem begriff der Front aus Frankreich mitgenommen haben, in jenem Begriff, der große und kleine Er- lebniffe, Siegen und Sterben, Kameradschaft um> Glauben, Bangen und Hosten, Stöhnen unb Jubel in einem Wort zusarnrnenfaßt.
Wir saßen in kleinen roten Stühlen, unb Das alles geschah in einem gewöhnlichen Fumvorsuyr- raum — aber man vergaß Raum unb Zeit und Umgebung und es stand vor einem w^er das, was im Mai und im Ium, wahrend der Flieder blühte unb ber Mohn rot auf ben Feldern der Champagne ftanb, geschehen war.
Da trat aus bem Viereck der Leinwand plotzlA ein Gesicht heraus, ein junges schmales Gesicht unter dem Stahlhelm, und mir schien es pkW, als ob ich dieses Gesicht schon einmal gesehen hatte^ Wo aber? Man hatte so viele Gesichter gesehen und sie hatten sich mittlerweile ju einem Gesicht verdichtet: dem bes jungen Solbaten non 1940. Aber ba fiel mir ein: ja, sahst bu dieses Gesicht nicht damals im Mai, als wir bie ersten Schritte über br'Di9een3nfanterie ergoß sich unb
Durchlaß hindurch, der von einem Schlagbaum und von einem französischen Grenzhauschen gebildet wurde, in das Tat ber Maas, unb non 00" Nouzonville her, hörte man bie Abschüsse der fran zösischen Artillerie, die den Kampf um bie Maas einleiteten. Es wußte jeber, baß vor uns ein schwe- ter, ein sehr schwerer Abschnitt Ia9 , h 6in
Unb das war jener junge ^nfanterift, ber em
«indergesicht hatte, das Rom Stahlhelm ernst »m-
schwachen Häuschen die Fischer von Ohrib, deren primitive Kähne bei lag unb Nacht über ben wei- ten See ziehen. Jeder Kahn ist ein Museumstück; aus Brettern roh zusammengefügt, mit vollkommen flachem Kiel. Die Stabilität wird durch zwei Dal- ten erreicht, die zu beiden Seiten bes Kahns he. festigt sind. Mit diesen Kähnen, die nach bem aus. gehöhlten Baumstamm die Urform bes Kahns überhaupt barstellen dürften, trotzen bie Fischer ben ge- Ehrlichsten Stürmen. Vor ben Fischerhäuschen sind Netze zum Trocknen ausgespannt, Weiber bleichen Wäsche am Strand, nackte Kinder planstchen im seichten Wasser ober jagen kreischend schwarzen Ferkeln nach — ein Idyll, an bem zweitausend Jahre spurlos vorübergezogen finb.
Arn Fuß ber Felswand entspringt eine Quelle, aus ber die Fischerfrauen von Kaneo ihr Wasser schöpfen. Ueber ber Quelle wölbt sich eine kleine Höhle, von Menschenhand erweitert. Hier findet all. jährlich das Fest der Wasserweihe statt. Wer weiß, welche Quellennymphe vor vielen hundert Jahren in dieser kleinen Grotte residierte und von gläubigem Volke verehrt wurde? Unweit von Kaneo erhebt sich auf einer weit in den See vorspringen, den Felsnase die Kirche „Sveti Jovan Kaneo", die aus der Zeit des Zaren Dusan stammen dürste. Sie gehört zu den schönsten Kirchen ber Stadt, bie heute noch deren fünfundzwanzig zählt. Laut der Ueberlieferung hatte Ohrid einst 360 Kirchen. Trotz dieser mächtigen christlich-slawischen Traditton haben bie Jahrhunderte der Türkenherrschaft Ohrid einen orientalischen Stempel aufaedrückt, den wiederum die „carsija", bie Hauptstraße der Stadt, am rein.
Zu ben Fragen, wie sie für jede deutsche Wissen- ß'chaft heute an vorderster Stelle stehen, gehört vor allem auch die Gewissensfrage, ob unb wieweit sie wirklich beanspruchen darf, ihr Gegenstandsgebiet in einer spezifisch deutschen, b. h. deutschem ©elfte entsprechenden Weise zu bearbeiten unb zu durchbringen; ja womöglich sogar auf ihm unb zu ihm einen Beitrag zu leisten, ber in dieser besonberen Art vielleicht nur beutschem Geiste möglich, bann aber auch als Pflicht aufgetragen wäre.
In ganz besonderer Weise aber wird diese Frage, was deutsch an ihr ist, sich der deutschen P h i l o - ßophie als Gewissensfrage nahelegen, sofern ja ooch gerade die Philosophie eines jeden Volkes von [jeher in ganz besonderem Sinn nichts anderes war unb sein kann, als ein besonders deutliches, zum Bewußtseinerheben unb Zusichselbstkommen bes für ihr Volk typischen Geistes, ber — sonst meist unbewußt — all sein Denken unb Tun burchwirkt unb treibt. Unb wenn gerabe heute bas Zumbe- wußtseinerheben ber, ebenfalls meist unbewußt unb unerkannt, in allem Sein unb Gehaben bes Volkes wirkenden rassischen Kräfte unb Anlagen ein besonderes Anliegen unb ein besonderer Ruhm bes deutschen Volkes ist, so wirb eine ebensolche Be- finnung auch auf bas geistige Ahnenerbe, i. h. auf bie besonderen, in allem einzelnen oft fast unbewußt wirksamen geistigen Kräfte unb Anlagen, gerade ber deutschen Philosophie ein desonde- les Anliegen sein müssen. Die Anbahnung auch eines „geistigen Rassenbewußtseins" in diesem I Sinne wird immer mehr sich als eine nicht minder Dringliche Pflicht unb Notwendigkeit im deutschen Volke Herausstellen und einprägen müssen.
Der führet:
Dein Opfer: Denn was geschieht Damit! M was haben wir in Deutschland für Wun* Den geheilt U)o haben wir überall geholfen, welche gigantischen soziale«
Einrichtungen sind geschaffen mar Den!
Tage da und zeigten uns schon, wie wir das und jenes besser machen müßten. Tüchtige Leute."
Eine halbe Gehstunde ungefähr von Ohrid entfernt liegt „Stubencist a", ein beliebter Ausflugsort ber Ohrider. Dort entspringen hart am See. der an dieser Stelle von einem breiten Schilfgürtel gesäumt wird, am Fuße einer Felswand mehrere wasserreiche Quellen. Nach kurzem Lauf vereinigen sie sich und münden als starker Bach in den See. Vor ihrer Vereinigung durchplätschern die einzelnen Bächlein einen schönen Platanenhain. Die Kronen der uralten Bäume wölben ein dichtes Laubbach über den idyllischen Ort. Ein unternehmender Wirt hat ein kleines Gasthaus in den kühlen Schatten gebaut Nach halbstündiger Wanderung über bie staubige Landstraße unter ber heißen mazedonischen Sonne erquickt den Ankömmling der Schatten ber mächtigen Platanen ebenso« sehr wie ein Schluck bes herben Ohriber Weins.
„Ohriber Quellen" (Ohridski izoori), so heißen diese Quellen, bie wie viele anbere ihr Wasser bem Ohriber See zuführen. Eiskalt ist ihr Wasser unb wunderbar rein. Früher haben wohl bie Frauen unb Mäbchen aus Ohrib ihr Linnen hier gewaschen und auf dem grünen Rasen gebleicht. Und während die Frauen wuschen, fangen sie Lieder. So hat irgendwann ein Mädchen einmal ihre Liebe und ihre unerfüllte Sehnsucht in einem kleinen Lied hinaus. gesungen, bas noch heute in ganz Südserbien, be- sonders aber in Ohrid und in Der Umgebung dieser Stadt gesungen wird. Es ist das „ßieb von Biljana". Eine Romanze von wunderbarer Zartheit und Tiefe. Sie kündet von Liebe, die keine Erfüllung fand. Die Melodie bleibt jedem, der sie einmal hört, im Ohr. In den Tönen sanfter Klage verströmt all bas Leib, das sich in Jahrhunborten voll Kampf unb Not in ben Herzen der Mazedonier an- gesammelt hat. Wie denn beim Mazedonier überhaupt Härte, ja Grausamkeit mit zartester Empfin- düng seltsam kontrastiert.
Der südslawische Tanz, das o l o", das von ben Kroaten im Hügel- und weinreichen Zagorien unb in ber Weizenkammer Slawonien mit über» schäumendem Temperament in hinreißenbem_Tempo getanzt wirb, ist in Mazebonien ein abgemessenes, feierliches Schreiten. Das mazebonische Kolo gleicht eher einem Trauertanz als einem Tanz ber Festes- freube. Kontraste unb Paraboxe auf Schritt und Tritt, die sich fteilich durch die Natur des Landes und feine Geschichte erklären lassen.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) IV.
Am Ohrider See.
Ohrid, im Januar 1941.
Wegen seiner zahlreichen geschichtlichen Denk- mäler ist Ohrid eine der interessantesten Städte Jugoslawiens; dank feiner Lage gehört es unstreitig zu den schönsten Plätzen bes Landes. Ohrib liegt unmittelbar am Ufer des weiten, blauen Ohrider Sees, der ringsum von hohen Bergen eingeschlossen ist. Das Wasser des Sees ist so klar, bah man in mehr als zehn Meter Tiefe noch ben Grunb sieht, unb so rein, daß ein Großteil der Bevölkerung Ohrids ihr Trinkwasser daraus schöpft. Die Altstadt und Ohrid baut sich terrassenförmig vom See- ufer bis zu den mächtigen Mauerruinen auf, die den Gipfel des weit in den See vorspringenden Felsens krönen. Dom See aus bietet die Stadt einen wundervollen Anblick, besonders am Abend, wenn die Dunkelheit gefallen ist unb zahllose Lichter aufleuchten, die sich im See widerspiegeln. Dom Fuß des Berges, der bie Reste von Lychnibos trägt, zieht sich bie Stabt in bie Ebene und findet ihr Ende in ben weiten M e l o n e n g ä r t e n , die Ohrib umgürten. Fast jeder Ohrider besitzt ein Stück Land, auf ber er die süßen Früchte zieht. In ungeheurer Menge werden Melonen auf dem Markt in Ohrid feilgeboten. Auch aus den umliegenden Dörfern bringen die Bauern in riesigen Körben, die ben Esel, ber sie trägt, zu erdrücken scheinen, Melonen in die Stadt. Der Esel wird irgendwo an einen Zaun gebunden, sein Besitzer sucht sich ein schattiges Plätzchen, legt dort behutsam die prachtvollen Früchte im Halbkreis auf bie Erde, setzt sich dann davor und wartet geruhsam auf Käufer. Genügsam, wie der mazedonische Bauer ist, ißt er zu Mittag ein Stück Brot mit ein wenig Salz und tritt am Abend mit ein paar Dinar in der Tasche befriedigt ben stundenweiten beschwer-
— Im Februarheft der Monatsschrift Kunst" (Verlag F. Bruckmann, München) tet Ulrich Christoffel von dem interessanten fen bes Schweizer Malers Heinrich Altherr, zügliche Reproduktionen einiger Werke umrahmen ben Aufsatz. Dem Schaffen Abolf von Menzels werben Worte ber* Erinnerung gewidmet. Herbert Straube stellt den hervorragenden Köniasberaer Bildhauer Hans Wissel heraus. Ulrich Christoffel würdigt in einem Nachwort zum 100. Geburtstag bas geniale Wirken Auguste Robins. Einen hoch, interessanten Aufsatz bringt G. F. Hartlaub über Meisterkopien. Die größten Meister wie Rubens, Tizian, Manet, Delacroix u. a. haben Werke, bie für sie von Bedeutung waren, kopiert, nicht skla- visch, sonbern mit eigenem Temperament, so baß oft bie Kopie das Original übertraf. Zahlreiche Bilbbeispiele oerlebenbigen biefe Ausführungen. Im zweiten Teil des Heftes wird ein von dem Münchner Architekten Franz Ruf ideal gebautes Wohnhaus gezeigt. Dr. Heinrich Ehl erzählt von einer Ateliergemeinschaft in Berlin. Hier fanden sich Architekten, Bildhauer, Maler, Graphiker und Kunst- Handwerker aller Gewerbe in einem neuen Versuch zusammen zu schöpferischer Gemeinschaftsarbeit. So- bann sind Abbildungen von Inneneinrichtungen bes Architekten Hans Eberhard Fritzsche zu sehen, so- wie Arbeiten ber Porzellanfabrik F. Thomas, Marktredwitz, und ber Meisterschule des deutschen Handwerks, Halle. Herbert Griebitzsch gibt einen Ueberblüf über die 200jähriae Geschichte bes Känd- ler-Porzellans. Neue Möbel ber Werkstätten Richard Münch, Fürth i. B., bie Beschreibung eines von Max Wiederanbers gebauten Hauses und ein Auf- satz über alter und neues Parkett beschließen das Heft.
vhysisch: Endliches und Unendliches, Welt und Gott, Abhängigkeit und Freiheit, Immanenz und Iran- szenbenz. Nicht nur ba, wo dies Prinzip ausgesprochen heroortritt unb bas Zentrum einer ganzen Philosophie barstellt, wie in bes Cusaners „coin- cidentia oppositorum“, Schellings „Polarität" ober Hegels „bialekttscher Einheit" ist bies ber Fall, auch nicht etwa bloß bei Mystikern wie Eckehart unb Böhme ober in bes Paracelsus Einheit von Mikro- unb Makrokosmos. Auch bei allen -anberen zeigt sich vielmehr bem tiefer Lauschenben bieser Kampf gegen alle Einseitigkeit; ja selbst wo gelegentlich scheinbar sogar eine besonders betonte Einseitigkeit, etwa bei einem Kant aber Nietzsche vorliegt, erweist sie sich bei näherer Betrachtung nur als polemische, zeitgebotene Zuspitzung, b. h. nur als Einsatz für eine andere, bisher vernachlässigte Seite bes Ganzen, nicht als bloße neue Einseitigkeit gegenüber ber alten.
So münbet dieser Kamps aller großen Deutschen schließlich unmittelbar auch in ben Kamps unserer Tage, wo der Deutsche etwa der Einseitigkeit eines bloß individualistischen Liberalismus bie üderindivibuelle Gemeinschaft, ber bes Materialismus ber marxistischen Vergangenheit bie „Jbee", aber ebenso auch umgekehrt einer allzu diesseits flüchtigen, z. B. die materiellen Grundlagen alles Seins in Körper und Raffe allzu sehr vernachlässigenden Geisteshaltung der Vergangenheit deren starke Betonung gegenüberstellt; nicht etwa nur in neuer Einseitigkeit, sondern indem er jeweils beide auch hier zu lebendiger Ganzheit und Einheit zusammenzuschließen unternimmt —: getreu dem geistigen Ahnenerbe, wie es sich in ben großen deutschen Philosophen mit besonderer Deutlichkeit offenbart.
Es ist somit nur natürlich unb entspricht nur niner sachlichen Notwenbigkeit, wenn innerhalb bes Dom Reichswissenschaftsministerium angeregten »,Krieg5einsatzes ber Geisteswissenschaften" bie deutsche Philosophie unter anderen Gemeinschaftsarbeiten vor allem auch einen Sammelband über die { Frage: „W a s ist deutsch an der deutschen ^Philosophie?" vorbereitet, in bem eine Reihe philosophischer Hochschullehrer jeweils gegenüber einem auch sonst schon von ihnen in anerkannten Arbeiten I Gehandelten großen deutschen Philosophen sich die Frage vorlegen sollen, was ihnen an diesem Großen in besonderem Sinne als deutsch scheine, :bzw. was dieser selbst, ausdrücklich oder unausdrücklich, über deutsche Art funbgetan habe. Die Reihe ?ber in dieser Weise behandelten Philosophen wird
Westen, der hier Regie führte, und die Mitspieler sind oft die gewesen, die später bann im Parkett sitzen werden und die Granate, die man im Bild zerkrachen sieht, hat vielleicht dir ober mir gegolten — wer kann es wissen.


