Aus -er Stadt Gießen.
Am Briefkasten.
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Die beiden Briefe liegen zuweilen nebeneinander, [hvor sie in die Winde flattern. Der Kasten hangt dc und schluckt, was man ihm gibt. Die beiden Briefe erklettern wieder mühselig den Umfang chler Seiten, was haben sich die Menschen eigent-
!lln der Ecke hängt ein großer Briefkasten. Bei jöem Wetter, zu jeder Jahreszeit schluckt sein K.appermaul, was man hineinschiebt. Er schluckt Verwirrung, Berechnung und Seligkeit; Tod und Geburt nimmt er geschäftsmäßig auf, Stunk und Kmk, Rechnungen und anonyme Briefe.
Zehn Schritt auf der einen Seite wohnt die blonde Anneliese. Manchmal jeden Tag, manchmal itit Abstand kommt sie eilig daher, leichter Schritt, ftwereloser Fuß, zieht ein Briefchen hervor und stiebt es ein. Klapp, macht der Kasten. Sie späht U-nher, Liebesbriefe sind eine so heikle Angelegen- hüt. Einen Winter, einen Sommer lang. Farbiges Papier, große schmale Umschläge, mal dick, mal hi! nn.
tn Papierküssen, mit den niemals endenden Miß- nsttändnissen.
Die beiden Menschen am Briefkasten sehen sich an. Am könnte alles so einfach sein. Sie verziehen st;ar ein klein wenig lächelnd den Mund. Aber Lmeliese denkt, der sieht auch so aus, als ob er kccherzia Schluß macht. Aber Hans denkt, die IW auch so aus, als ob sie ihren Freund hysterisch «wimmert.
M Von der anderen Seite kommt Hans. Scharfer M || »hritt, gewohnter Gang mit schallendem -Hacken- stlag, finstere Stirn und schmaler Mund. Er zögert ächt, er zieht seinen Brief mit dem sachlichen Irmat und der Maschinenschrift. Es mußte Schluß gimacht werden. Es ging einfach nicht mehr: Schluß mt den brieflichen Tränen, den Vorwürfen, mit
r ___w »deren Briefen, genau
|t in heftigen Wellen, Sehnsucht oder schroffe j eichgültigkeit, wochenlange Verstimmung um ein stsch verstandenes Wort, und aufs neue Liebe, strnrische Zärtlichkeit — und ewige Sehnsucht nach minner Gegenwart.
Zehn Schritt auf der andern Seite wohnt Hans, dit j Tenn er ins Büro geht, schiebt er ein Briefchen ein, k immer, aber oft. Quartformat nach dem M ; ijuHeren Anblick, sachlich, meist mit der Maschine k ^schrieben. Aber drinnen steht genau dasselbe lieb ^richte Zeug wie in den anderen Briefen, ------
liy monatelang so viel zu schreiben? Sie quälen ft), sie möchten festhalten, was in der Zeit vergeht, stürzen in Vorwürfe, wo sie schweigen müßten, e zerren Liebesworte hervor, wo Bedachtsamkeit J boten wäre. Sie schreiben ihre schöne Liebe in •bden.
5^ Von der einen Seite kommt die blonde Anneliese ? I j deher, nicht mit hüpfendem Schritt. Sie kann sich । ? vkv dem Brief nicht trennen. Liest immer wieder ur" dl- Anschrift, die eine Verheißung war, jeder Buch- ftbe geliebt — geliebt eine fremde Stadt, eine nie gi ehene Straße.
j 3n dem Erlaß wird gleichzeitig die Erwartung MW ^gesprochen, daß Trunkenheitsausschreitungen auch M in der Silvesternacht von selbst unterbleiben. Auch te Silvesters eiern in geschlossenen Räumen haben t Hi Volksgenossen darauf Rücksicht zu nehmen, daß
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> deutsche Volk sich im Kampf um seine Freiheit Ünbet und daß seine Soldaten ständig Gesundheit r> Leben zur endgültigen Sicherung des Reiches
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Die beiden Briefe fallen, klapp in den Kasten.
Die beiden törichten Menschen gehen jeder seines
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rie Polizeistunde in der Silvesternacht.
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Der Reichs führ er ff und Chef der Deutschen Polini ersucht in einem Runderlaß die Polizeibehör- dti, die Polizei st unde in der Silvester- nicht im Rahmen der Bestimmungen des Bareres zu regeln. Danach dürfen Ausnahmen von der regelmäßigen Polizeistunde nur in einzelnen acnz besonders begründeten Fällen und nur mit Zu- ftmnung der Kreispolizeibehörde zugelassen werbt!. Bei der Zulassung von Ausnahmen ist dem ? -n-egszustand entsprechend ein st renger Maß-
l s!: b anzulegen. Wo nicht Gründe besonderer Art n »rliegcn, wird der Beginn der Polizeistunde nicht fpiter als auf 1.00 Uhr festzusetzen sein. Auf einen piteren Zeitpunkt als im Vorjahr darf der Beginn fei Polizeistunde keinesfalls festgesetzt werden.
in -er Luftwaffe werden?
Kl l| hie Luftwaffe stellt erstmalig am 1. April 1942 in ihren Unteroffizierschulen Freiwillige em, die bi? Absicht haben, sich für die Laufbahn des aktiven llrterosfiziers in der Luftwaffe mit 12jähriger Sitnftjeit zu verpflichten. Tauglichkeit für den Mchrdienst ist Bedingung. Der Bewerber soll am kir stellungstag das 17. Lebensjahr vollendet haben mt» nicht älter als 18 Jahre fein. Bewerbungs- tkche für die Einstellung am 1 April 1942 müssen blt 15. Februar 1942 an das für den dauernden ßthnsitz des Bewerbers zuständige Wehrbezirks- bnmanbo gerichtet werden. Dort und bei dem lommanbo Der Unteroffiziersschulen der Luftwaffe, le lin W 50, Nürnberger Straße 39/40, wird Aus- mft über die Einstellungsbedingungen erteilt.
Schützt die EHW -Eimer vor Irostqefabr!
^SG. Der Eintritt von Frostwetter verlangt niete besondere Aufmerksamkeit bei der Unter’ :irgung der EHW.-Eimer. Jeder weiß, oaß es inte mehr denn je darauf ankommt, daß auch Die richte Menge Küchenabfall dem Ernährunashilss-
erhalten bleibt. Alle Volksgenossen, besonders i^re Hausfrauen, werden deshalb gebeten, nichts, unsere Schweine fressen könnten, dem Verderb '«-szugeben, sondern jetzt erst recht um deren Ad- rsrung an die Sammler des Ernährungshuss- reikes besorgt zu sein. Geschützte Aufstellung der irrer im Torgang, Treppenhaus ober Kellervor- sa, verhütet das F e st f r i e r e n d e r A d - le und größere Verluste. Allgemein ist bekannt, R bas Ernährungshilfswerk infolge ber lereit- Öligen Mitarbeit unserer Hausfrauen beträchtliche §ngen Schweinefleisch zusätzlich erzeugt. Die kleine ^ihe, die Eimer kurz vor bem Abholen durch Die ^W.-Sammler greifbar bereit zu stellen, wird sich ?i^sr vielfach lohnen.
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?• Kein Verkauf von Neujahrskar- ’i- Der Reichsminister für Dolksaufklärung und 'k! paganda teilt im Einvernehmen mit den zustan- '.g n Stellen mit, daß auch im Einzelhandel ber <6 kauf von Neujahrs-Glückwunschkarten unter- muß.
Voll-, pelz- und Wintersachen für die Front!
Oer Dank der Heimat sei die Tat!
Die Partei ist augetreten, um dem willen des Führers entsprechend zu Weihnachten 1941 eine große Sammelaktion von Doll - und winter- fachen für die Front als Weihnachtsgeschenk der Heimat für unsere Soldaten zur Durchführung zu bringen.
Volksgenossen und Volksgenossinnen? Diesmal wird kein Opfer von Luch gefordert! Eure Spende bedeutet lediglich Erfüllung einer selbstverständlichen Pflicht?
Was wird gesammelt?
Alle Arten von pelzen. Doll- und Pelzdecken, warme Handschuhe aus Wolle oder mit Pelzfutter, Leibbinden, warme Socken, desgleichen Strümpfe, Doll- und Pelzwesten, Pullover, warmes Unterzeug, warme Schals, Vrust- und Lungenschüher, Kopf- und Ohrenfchüher, puls- und Kniewärmer, Dollfäustlinge
und alles, was dazu dient, den Kampf gegen die Dinterkälte erfolgrench zu führen!
Alle Spenden sollen sofort verwendungs- fählg, also sauber und evtl, gewaschen sein?
Die Sammlung erfolgt vom 2 7. Dezember 1941 bis zum 4. Januar 19 4 2. Die Gegenstände werden von Beauftragten der VSDAP. in den Wohnungen gegen Quittung abgeholt, können aber auch in Gießen an folgenden S a m meist e l l e n täglich fauch sonntags) von 9 bis 11 und 15 bis 17 Uhr abgegeben werden, und zwar:
Ortsgruppe Mitte: Goetheschute, part, Ortsgruppe Nord: Schillerschule, part., Ortsgruppe O st: Ortswaltung der DAF., Cid)et
Straße und der Geschäftsstelle der NSDAP.» Kaiserallee 6,
Ortsgruppe Süd: Clebigbau, L Stock, Zimmer 5.
Die Wehrmacht braucht Skier und Skistiefel.
Dringender Appell an alle (Skiläufer. — Transportsperre für (Skier auf allen Verkehrsmitteln.
Um den Gesamtbedarf der Wehrmacht an Skiern und Skistiefeln zu befriedigen, werden alle Skiläufer ausgefordert, ihre Stier unb Skistiefel für die Wehrmacht abzugeben.
Ausgenommen davon sind alle noch nicht zur Wehrmacht einberufenen Angehörigen der HJ^ da sie sich in der vormilitärischen Ausbildung befinden und dazu ihre Skier benötigen, ferner die gesamte Vergbevölkerung, soweit sie die Skier zu beruflichen Zwecken benötigt, und die Skllehrer, die ihre Skier für die Durchführung der ihnen übertragenen Aus- bildungsaufgaben gebrauchen.
Die Sammlung von Skiern und Skistiefeln wird parallel zur Sammlung von Pelz-, woll- und wlnterfachen für die Front durch die gleichen Sammel stellen durchgeführt.
•Die Spender von Skistiefeln erhalten für jedes paar abgegebener Skistiefel einen Bezugschein auf Strahenfchuhe. wenn für einen Volks- genossen die Abgabe seiner vielleicht wertvollen
Skier eine finanziell nicht zumutbare Belastung bedeutet, so kann er auf Antrag dafür eine Vergütung erhalten. Die höhe der Vergütung rlch- tet sich nach Qualität und Zustand der abgegebenen Skier. Einzelheiten über die Bewertung teilen die Sammelstellen mit.
Die Skier und Stocke sollen gut zusammengebunden und mit einem haltbar angebrachten Schild versehen sein, auf dem Jlame und Anschrift des Spenders vermerkt find.
Es werden wie bei den Dollsachen zwei Quittungen ausgestellt, von denen die eine im Besitz des Spenders bleibt.
Ls wird erwartet, daß alle Skiläufer den Appell zur Abgabe ihrer Skier beherzigen, auch wenn sie ihnen noch fo sehr ans Herz gewachsen sind, denn unsere Soldaten benötigen sie noch dringender als sie selbst.
Gleichzeitig ist für alle Verkehrsmittel eine Transportfperre für Skier verhängt worden.
Dis zum 4. Januar wird gesammelt.
VSG. Das Gauorganisatlonsamt gibt zur Durch- ührung der Wlntersachen-Sammlvng für die Front folgenden Hinweis:
Um jeden Irrtum zu vermeiden, wird nochmals bekanntgegeben, daß die Sammlung auch im Gau Hessen-Vasfau bis zum 4. Januar durchgeführt wird. Dabei ist zu beachten, daß alle die Wintersachen, die gebrauchsfertig sind, sofort bei den Sammlern bzw. bei den Sammelstellen der Ortsgruppen abzugeben sind. Jene Wintersachen, die jedoch noch umgeändert und gebrauchfertig gemacht werden mästen, können noch laufend bis zum 4. Januar in den Sammelslellen der Ortsgruppen abgegeben werden.
Die Ortsgruppen sind verpflichtet, die gesammelten Sachen täglich den Kreissammelstellen abzuliefern.
Durch die Beachtung dieser Regelung ist sicher- gestellt, daß die Front auf dem schnellsten w e g e in den Besitz der gesammelten Wlnterfachen kommt.
Ungezählte helfende Hände werden gebraucht
Aufruf der Reichsfrauensührerln zur Wollsammlung.
Die Reichsfrauenführerin S ch o l tz - K l i n k hat folgenden Aufruf erlassen:
Mitten in der Weihnachtszeit hat uns der Führer eine Aufgabe gestellt, die uns stolz unb froh macht. Wir Frauen können hier unsere Hilfsbereitschaft für die Front beweisen unb unsere ganze Tatkraft für diese Aufgabe einsetzen. Nicht nur fertige Wintersachen sollen aus Kästen unb Schränken bereitgestellt werben, sondern wir wollen mit Geschick unh Erfindungsgabe Altes xu brauchbarem Winterzeug für die Front umarbeiten.
Diel ist schon in der Ruhe ber Festtage getan worben, doch wir wollen die Zeit bis zum letzten lag ber Sammlung nützen und aus dem kleinsten Rest Brauchbares für die Soldaten zurecht machen. Was aber in den Haushalten nicht umgearbeitet werden kann, wird in den Näh st üben der NS-Fraue'nschaft instandgesetzt. Dafür werden ungezählte helfende Hände gebraucht Ich rufe daher die deutsche Frau zu diesem besonoeren Einsatz und bitte sie, sich in den Ortsgruppen zur Mitarbeit zu melden.
Ich bin gewiß, daß die Aufgabe, die uns der Führer gestellt hat, von der deutschen Frau verstanden und gelöst wird.
Gertrud Scholtz-Klink, Reichsfrauenführerin.
Verdunkelungszeil:
29.12. von 17.13 bis 9.31 Uhr.
Unsere (Soldaten sollen nicht stieren!
Winke und Ratschläge für unsere Hausfrauen.
lene Strumpfschafte ohne Füßling«, die man immer anstricken wollte; seien es alte D a - men- ober H e r r e n f i l z h ü t e , die immer wie- der Platz wegnehmen, sei es wollenes oder Flanell- Unterzeug; seien es Fausthand schuh e, Knie- wärmer, Pulswärmer, Kopfschützer, Leibbinden und dergleichen mehr. Das alles
Ein jeder von uns wird sich noch mit Unbehagen des vorjährigen kalten Winters erinnern; eisiger Nordostwind griff durch die Kleider und zog das letzte bißchen Wärme aus dem dicken Wintermantel; durch die Schuhsohlen drang langsam und unerbitt- lich die Kälte, und es gab die bekannten „Eis- deine". Man verkroch sich immer tiefer in den Man- tel- oder Pelzkragen, um Gesicht unb Ohren vor bem schneidenben Winb etwas zu schützen und versenkte die Hande bis an die Ellenbogen in die weiten Taschen. Aber man hatte dabei doch immer die Gewißheit, in kurzer Zeit an den warmen Arbeitsplatz im Büro ober an die Werkbank oder in das warme Zuhause zu gelangen.
Kälte tut weh!
Wer die Schattenseiten eines harten Winters — wenn auch in so kleiner bescheidener Dosis — am eigenen Leibe verspürt hat, wird sich vielleicht einen ganz kleinen Begriff von dem machen können, was unsere Soldaten in diesem Winter an den Fronten auszuhalten haben. Wie selten ist es ihnen vergönnt, sich in einem durchheizten Raume aufzuwärmen! Stundenlang stehen sie auf einsamer Wacht, auf freiem Felde oder in Erdlöchern und müssen ihre ganze Aufmerksamkeit darauf richten, daß nicht ein überraschender Angriff des Feindes über sie hereinbricht. Und über weite Steppen, durch Schluchten unb Täler, durch die zerschossenen Wälder unb über bas Meer fegen peitschenbe Stürme; sie treiben unseren Soldaten die Eis- unb Schneekristalle ins Gesicht und saugen ihnen die letzte Wärme aus den Knochen. Und so rote Die einen auf Posten stehen, ziehen die anderen in end- losen Kolonnen durch unendliche Weiten In bte dop deren Stellungen, um den Kameraden Ablösung ober Munition und Verpflegung zu bringen. Auch nach ihnen greift unbarmherzig bte Äu te immer schwerer unb immer klammer werden bie Glieder — unb boch müssen sie vorwärts und dürfen nicht Nachlassen im Kampf gegen einen tüjJWnJ« Feind unb gegen bte ihnen fetnblich gesinnt« Natur.
Diesen fernen, unermüblichen Kampfern für Deutschlanbs Sieg unb Zukunft ist die Heimat u n - endlichen Dank schuldig! - Darum werden auch, wie bei allen bisherigen Appellen an den Opfersinn der Heimat, ber Aufruf bes Führers unb die erlauternben Worte von Reichsminlster Dr. Goebbels zur W e i h n a ch t s s p e n b e v o n w a rmen Wintersachen für unsere Solbaten auf fruchtbaren »oben fallen! Noch intensiver, noch um- fassenber als bei den bisherigen Sammlungen wird die Heimat sich diesmal mit allen ihren Kosten für ihre kämpfenden Solbaten einsetzen. Wie aber können wir alle mithelfen, unsere tapferen Kampfer vor bem frühzeitig hereingebrochenen Winter zu schützen? Denn bas, was wir geben soll auch den Anforberungen entsprechen unb nützlich sein! Aber bleie Frage ist bei einigem Nachbenken einfach zu beantworten.
Macht (Schränke und Truhen auf!
Nehmen wir uns die Zeit, in unserem tannenbaumgeschmückten, warmen Zimmer alles das durch- maehen, was wir an warmen, wollenen machen der verschiedensten Art und an Decken, Pelzen und Fellen besitzen, die vielleicht schon manchen Winter in Schubladen, Schränken unb Truhen geschlum- merthaben. Manches Stück wird sich aber auch finden, das wir wohl sehr gut selbst gebrauchen könnten, von bem wir aber wissen, daß es unseren Soldaten noch viel nützlicher wäre als uns Und bann sind ba noch so manche Dinge, von denen wir uns „nicht trennen mögen, weil man sie x>idieiap doch noch mal irgendwie verwenden konnte Solche Sachen gibt es in jedem Haushalt? Seien es Wolljacken, Wollweften oder Pullover, vielleicht mit schadhaften Aermeln; seien es wol-
sind Dinge, auf die mir wirklich verzichten können! — Aber auch die warmen Gegenstände, die wir in Gebrauch haben, wollen wir einer gründlichen Durchsicht unterziehen. Unser schöner Pelzmantel soll jetzt wichtigeren Zwecken dienen; er soll unseren Soldaten den Kampf erleichtern helfen. Einer hat drei oder sogar vier wollene Pullover — so was gibt es bestimmt. Er kann immer nur einen anziehen, und wenn er bann noch einen zum Wechseln behält, sollte er da nicht den dritten und vierten abgeben können? Oder er hat zwei Wollschals. Ist da nicht einer übrig für einen Soldaten der Ostfront? Bei gutem Willen — unb ben hat die Heimat doch — werden sich eine Unmenge brauchbarer Wollfachen finden lassen.
pelzfutter und Einlegesohlen.
Brauchbare Wollfachen sagen wir. Jawohl, denn brauchbar müssen sie sein. Da hat eine Mutter z. B einen Pullover, aus dem ber Junge längst herausgewachsen ist. Es sollte ja immer mal etwas anderes Daraus gemacht werden, aber was? Nun, ein Kopfschützer für einen Soldaten! Eine geschickte Hausfrau wird bas sehr einfach bewerkstelligen können, ebenso wie sie aus wollenen Strumpfschäften Kniewärmer, aus den Aermeln von Wolljacken, sofern die Jacken nicht mehr als solch« zu verwenden sind, Pulswärmer herstellen kann. Auch Leibbinden können aus Pullovern ober sonstigen runbgestrickten Wolljacken unb dicken Wollhemden, deren schadhafte Stellen Dabei wegfallen, gearbeitet roerbem
Aber damit sind noch lange nicht alle Möglichkeiten erschöpft! Großmutters Katzenfell soll nicht vergessen werden! Wie herrlich lassen sich' daraus ein'warmes Pelzfutter für warme Fausthandschuhe, z. B. aus einer alten Hausjoppe gefertigt, oder warme Einlegesohlen zuschneiden! Auch sonstige Pelz- reite lassen sich gut für Einlegesohlen verwenden, denen man aber eine feste Unterlage entweder aus guter, fester Pappe oder aus dem ausgebugel- ten Filz von Vaters altem Hut gibt. Dann sind sie besonders warm. Es genügt aber auch schon, n«im man aus bem ausgebügelten Filz Einlegesohlen schneidet. Ist er etwas zu welch, wird man ihn auf eine feste Pappsohle aufnähen. Denn sonst würde sich die Filzsohle beim Marschieren zu leicht zusammenstehen unb brücken ober gar nach hinten aus dem Stiefel herauskriechen. Damit aber wäre unteren Soldaten nicht gedient. Also, immer für feste Unterlage bei ben Einlegesohlen sorgen! Darum: vorher immer gründlich Nachdenken, wie man dies und das verarbeitet, damit es auch wirklich allen Anforberungen gerecht unb so unseren Soldaten nüblich wird! . w
Diese Hinweise sollen nur eine kleine Anregung sein! Denn jede deutsche Hausfrau ist sicher in der Lage, bei einigem Nachbenken noch so manche nutz» lichen Darmespenber für unsere ©oft>aten herzu- stellen.
Ein jeder denke bei diesen selbstverständlichen und kleinen Gaben an bie großen Opfer, bie unsere Soldaten bringen, indem sie bie Heimat vor narrten- lostm Elend bewahrt haben unb jetzt in einem har- ten Winter auf treuer Wacht für uns alle stehen!
Ingrid Binne,
Kaufleute sind keine Taufchleute!
Als man bas Geld noch nicht kannte, erfolgte der Verkehr der Güter im Wege des Tauschhandels. Man tauschte dieses Erzeugnis gegen jenes. Die Einbürgerung des Geldes und des Geldverkehrs beseitigte dieses System, das sich im Hinblick auf die steigenden Bedürfnisse der Bevölkerung überlebt hatte. Das Geld wurde zum Mittel der Erfüllung aller Wünsche.
Wenn eine Ware nur gegen Bezugsberechtigung zu bekommen ist, spielt das Geld nicht mehr diese allgewaltige Rolle. Maßgebender als Geld ist für Bezug einer bewirtschafteten Ware der Berechti- gungsnachweis. Diejenigen, die über bezugsbeschränkte Waren bzw. Mangelware verfügen, erhalten daher heute in den Augen derjenigen, bie biefe Waren beziehen wollen, ein erhöhtes An- sehen. Aus Seiner Majestät dem Kunben ist Seine Majestät ber Verkäufer geworden. Er wird heute vielfach umworben, weil er der Verfügungsberechtigte über eine Mangelware bzw. bezugsbeschränkte Werre ist, die man von ihm kaufen will.
Dieses Verhältnis zwischen Verkäufer und Kunden hat zu einer Erscheinung geführt, bie vor kurzem eine ernste Entgegnung sowohl im „Schwarzen Korps" als auch in ber „Textil-Zeitung" fand. Der Besitzer von Mangelware hat heute eine gewisse Macht. Er kann, wenn er seine wahre Aufgabe, Treuhänder der ihm anvertrauten Mangelware zu sein, nicht erkennt, sich den Bezug anderer Mangelware dadurch erleichtern, indem er diese Ware nicht mit Geld kauft, sondern durch den Tausch mit seiner Mangelware erwirbt. Das „Schwarze Korps" wendet sich gegen diese „Seuch? bes Tauschhandeis von Kaufleuten untereinander" und berichtet über einen Fall, wo ein Gemischtwarenhändler eine Kiste Zigarren gegen 20 bis 25 Hähnchen umae- tauscht hatte. Ein noch krasserer Fall des Tausch- warenhandels ist die ebenfalls vom „Schwarten Korps" angeprangerte Zeitungsanzeige eines Berliner Möbeltischlers, ber „Schlafzimmer neu gegen alles tauscht"!
Wenn man so etwas lieft, könnte man meinen, daß wir uns wieder ben Zeiten eines primitiven Tauschhandels, in ber bas Geld noch keine Roll« als Tauschmittel hatte, nähern? Kaufleute und Handwerker, bie dieser Seuche des Tauschhandels anheimgefallen sind, mögen jedoch bedenken, daß es bet ernsten Ermahnungen und Appellen an ihre Pflicht und ihre Berufsehre nicht bleiben wird. Wer gegen feine treuhänderischen Pflichten bei ber Verteilung von Mangelware verstößt, tnbem er unter Aus- schaltung bes Geldes die eigene Mangelware gegen andere Mangelware tauscht, und diejenigen, bte keine Ware besitzen, infolgebeffen unberücksichtigt bleiben, läuft Gefahr, bestraft zu werden. Es werben gewiß geeignete Mittel angewandt werden, um zu verhindern, daß sich ein Tauschhandel auf breiter Front einbürgert Die gerechte Verteiluna an die Bevölkerung wirb auf jeden Fall sicher gestellt werden. In Gefahr sind nur, so schreibt die „Textil- Zeittmg" in ihrem Aufsatz „Kaufleute sind keine Tauschleute", die Köpfe der ehrvergessenen Warenbesitzer, die es auf einen Versuch antommen lassen. V. A.


