Dasein — nur dem Führer und seinen tapferen Soldaten verdankt.
Diese Soldaten stehen jetzt auf strenger, tählerner Winterwacht. Aus ihren Brie- en, die sie in die Heimat schreiben, klingt in den etzten Wochen immer wieder ein Thema an, nur nebenbei, nur ganz am Rande, aber dadurch auf- fällig, daß es sich in fast allen Briefen von den oer- schiedensten Fronten immer wiederholt: der Kampf gegen die Kälte, die eisige Kälte im Osten, Norden, am Atlantik und auf dem Balkan. Einer erbittet Kopfschützer, gleich zwei, damit er sie übereinanderziehen kann, Ein anderer berichtet, daß sie das Wasser zum Waschen und Kochen morgens mit Hacken mühselig freilegen müssen, und daß jeder von ihnen, der nachts im Freien Wache steht, in wenigen Minuten fast zum Eisklumpen erstarrt ist. Ein Kamerad von der Kriegsmarine schreibt, daß ihnen bei Sturm. Gisckt und Frost das Zeug am Leibe festfriert. Und em anderer, der neulich auf Urlaub kam, pellte sich aus zwei Wollsweatern und diversen anderen Kleidungsstücken aus und fand, daß unser naßkaltes Wetter ihm wie ein Mai- lüfterl vorkäme.
Kälte und Kälteschutz sind also für unsere Soldaten vordringliche Probleme. Es ist natürlich vorgesorgt worden; seit Wochen rollen die Transporte mit warmen Wintersachen an die Fronten. Aber der Winter ist unerwartet früh und unverhältnismäßig hart gekommen, die Fronten dagegen sind weit und unendlich lang. Der Bedarf an warmen Wintersachen für unsere Soldaten ist überaus groß. So muß denn die Hei- m a t wieder einmal in bewährter Form bereit sein: sie muß den Soldaten beweisen, daß sie der starke Rückhalt der kämpfenden Front ist, daß sie Ver- ständnis für alle Wünsche, Nöte und Sorgen unserer waffentragenden Männer hat.
Schon hat der Appell des Führers, in dem er das deutsche Volk zur großen Weihnachtsspende an Woll- und Pelzsachen für unsere Soldaten ausgerufen hat, in Stadt und Land lebhaften Widerhall gesunden. Vor Beginn der Sammlung sind bereits an die Dienststellen der Partei zahllose Spendenankündigungen gekommen. Stärker noch als bei den vorangegangenen Sammlungen für die Wehrmacht und für den Kriegsbedarf wird sich in diesem Falle die Bereitwilligkeit der Heimat erweisen, unseren Soldaten das zu geben, was sie im Kampf gegen die Kälte brauchen, auch wenn die Spender selbst sich dadurch Einschränkungen, Entbehrungen, ja, sogar Unbilden auferlegen müssen. — Jeder wird geben, was er irgend geben kann!
Und dennoch — auch das ist noch nicht aenug! Das Wörtchen „kann" muß in diesem Falle aus unserem Sprachschatz gestrichen werden. Bei dieser Weihnachtsspende für unsere Soldaten soll jeder weit über das hinausgehen, was üblicherweise gegeben werden kann. Der Bedarf der Front an warmen Wintersachen ist — trotz aller vorbereitenden Maßnahmen — so ungeheuer groß, die Notwendigkeit beschleunigter Lieferung so zwingend, daß nicht lange ausgewählt, nicht lange überlegt und erwägt werden darf. — Daß du heute noch lebst und voll Hoffnung und Zuversicht in ein neues Jahr gehen kannst, wem verdankst du es: Dem deutschen Soldaten! Daß dein Hab und Gut nicht unter Schutt und Trümmern verschwelt, wem veröankst du es? Dem tapfer kämpfenden Heer? Daß du In warmer Stube deinen Feierabend erlebst, daß dir und den Deinen das schrecklichste Schicksal erspart blieb, das sich eine angstgequälte Phantasie überhaupt ausdenken kann, wem verdankst du es? Den treuen Wächtern an den fernen, eisstarrenden Fronten!
Dein Dank, deine Pflicht aber ist es, ihnen im Kampf gegen die Kälte helfend zur Seite zu stehen, zur Weihnachtsspende an Woll- und Pelzsachen mehr, viel mehr zu geben, als du glaubst geben zu können.
Dein einziger Pelzmantel — gib ihn der kämpfenden Front! Du hilfst damit den Krieg gewinnen, und nach dem Siege winkt dir ein neuer!
Die gefütterte Jacke, dein Schutz gegen Kälte — liefere sie ob; dein Ofen ist warm, während draußen dein Junge vom Eissturm umtost ist!
Was für prächtige Pelzstiefel! Gib sie mit; vor deiner Tür fährt die Straßenbahn, draußen aber der Wachtposten in frostklirrender Winternacht ...!
Jedes lange Erwägen, jedes zögernde Ueberlegen ist fehl am Platze. Sucht heraus, was nur heraus- gesucht werden kann, und denkt dabei, daß ihr mit allem, was ihr gebt, niemals das werdet vergelten können, was unsere Soldaten für uns alle getan, geleistet und geopfert haben.
Sie marschieren durch Nacht, Not und Grauen,
durch Eis und Schnee, durch Blut, Trümmer und Elend, sie setzen ihr Leben und immer wieder ihr Leben ein, damit uns allen, dir und mir, dem ganzen deutschen Volke, Heimat und Leben erhalten bleiben. Kein Dank kann dieses Ausmaß an Opfer vergelten! Aber wenigstens frieren sollen sie nicht, die sich da draußen für uns opfern. Das Wörtchen „kann" ist heute nicht mehr gültig. W i r liefern ab, was d a ist, denn unsere Soldaten brauchen es — im Kampf für die Heimat, für dich und mich, für unsere Kinder und für das große siegreiche Deutschland der Zukunft. F- Oe.
Der Kommandowechsel in Ostasien.
Stockholm, 27. Dez. (Europapreh.) Der Wechsel auf dem Posten des britischen Oberkommandie- renden in Ostasien hat selbst in London keine große Ueberraschung mehr ausgelööst. Die Absetzung des Luftmarschalls Sir Brooke-Povham war angesichts der Ereignisse in Malaya durch die in der britischen Oeffentlichkeit verursachte Unruhe unver- weidlich geworden. Es ist die übliche Geste gegenüber dem scheidenden Oberbefehlshaber, wenn man an zuständiger Stelle erklärt, sein Nachfolger sei bereits Mitte November für diesen Posten ausersehen gewesen. Zwar ist es richtia, daß General- leutnant Sir Henry Pownal bei der Umbesetzung in der Leitung des Reichsgeneralstabes „für einen besonderen Posten" vorgesehen wurde, doch sprachen keinerlei Anzeichen dafür, daß er Oberbefehlshaber in Osta-sien werden sollte. Maßgebend für die Besetzung des Postens mit einem Armeegeneral dürfte vor allem der Wunsch fein, die Zusammenarbeit mit dem Oberkommandierenden in Indien, General Sir Archibald Wavell, zu erleichtern. General Pownal, der 54 Jahre alt ist, war Generalftabschef des britischen Expeditionskorps in Frankreich. Später wurde er Oberbefehlshaber in Nordirland und dann stellvertretender Ehef des Reichsgeneralstabes.
General Wavell hat die Verantwortung für die Verteidigung B U/rm a s übernommen. Zum Oberbefehlshaber der britischen Truppen in Burma wurde der Chef des indischen Generalstcckes, Generalleutnant H u 11 o n, ernannt. Reuter berichtet, daß General Wavell in Tschungking die Frage erörtert habe, wie man die unbegrenzten Menschenreserven Chinas für die gemein-fame Sache am besten ausnutzen könne. Heute fei China das einzige Land, das eine ansehnliche Zahl von Soldaten stellen könne, die in Gebirgs- und Waldkämpfen erfahren feien. Die japanische Presse weist darauf hin, daß die Tschungking-Regierung schon vor der Beeinträchtigung ihrer Zufuhren über die Durma-Stvaße nur mit größter Mühe ihren Widerstand fortzusetzen in der Lage gewesen sei. Nach der Einnahme Hongkongs und den japanischen Luftangriffen auf Rangun sei die militärische Lage für Tschungking noch schlechter geworden. Ein Beistand Tschungkings für Großbritannien werde deshalb die Notlage der britischen Streitkräfte auf der Malaien-Haldinsel kaum erleichtern.
Französische Nordailanük- Inseln durch de Gaulle besetzt.
Berlin, 27. Dez. (DNB.) Truppen des Verrätergenerals d e G a u l l e haben an den Weihnachtsfeiertagen die Neufundland vorgelagerten französischen Inseln St. Pierre und Miquelon an der nordamerikcmischen Atlantikküste besetzt. Gaullistische Matrosen verhafteten den vichytreuen Gouverneur D e t o u r n a t. Der Gouverneur wurde an Bord des Schiffes „Admiral Muselier" gebracht. Erst dann konnte zur vollständigen Besetzung der beiden Inseln durch die Gaullisten geschritten werden. Nach der Verhaftung der vichytreuen Beamten auf den Inseln veranstalteten die Gaullisten eine Volksabstimmung, wobei sich 98 v. H. der Bevölkerung als Gaullisten und nur 2 v. H. als vichytreu erwiesen haben sollen. Daß eine den Gaullisten günstige Volksabstimmung erst nach Der- Haftung der vichytreuen Beamten durchgeführt werden konnte, gibt selbst der gaullistische Generalstab in London zu.
Die Regierung der Vereinigten Staaten behauptet in einer Verlautbarung, daß dieses Unternehmen ohne ihr Einverständnis durchgeführt worden fei. Nachdem der französische Botschafter in Washington, Henri Haye, einen vorläufigen Pro- test bei der Regierung der Vereinigten Staaten eingelegt hatte, wurde in Vichy eine amtliche Ver
lautbarung veröffentlicht, in der die Erwartung aus- gedrückt wird, daß die Vereinigten Staaten ihre Stellungnahme durch entsprechende Maßnahmen bekräftigen.
Giegesparade in Hongkong.
Tokio, 28. Dez. (DNB.-Funkspruch.) In Hong- kong fand am Sonntagmittag ein Vorbeimarsch der Truppen vor den Oberbefehlshabern der japanischen Land- und Seestreitkräfte statt. Die Zahl der Gefangenen ist auf über 6000 gestiegen. Die Ordnung auf der Insel wurde sofort wiederher gestellt. Japanische Truppen haben die elektrische Beleuchtung, das Telefonnetz und die Straßenbahnen von Hongkong re- parariert. Die Preise der Lebensrnittel, die in der letzten Zeit um 500 bis 3000 v. H. gestiegen waren, zeigen wieder eine absteigende Tendenz.
Oie Japaner auf den Gilbert-Znfeln aelandet.
Madrid, 27. Dez. (DNB.) In SBellinflion, der Hauptstadt Neuseelands, wurde bekanntgegeben, daß japanische Truppen am 23. Dez. auf der Insel A p a i a n g in der Gruppe der Gilbert-Inseln ge- landet seien. Seitdem habe man von der Insel keine Nachricht mehr erhalten. Die Gilbert-Inseln, die sich in britischem Besitz befinden, liegen ungefähr in
der Mitte zwischen Neuseeland und Hawai. Sie werden auch Üinien-Jnseln genannt, weil sie beiderseits des Aequators gelegen sind.
Aufbauarbeit in Norwegen.
Oslo, 27. Dez. (Europapreß.) Innenminister H a g e i n teilt der Presse mit, daß seine Behörde im vergangenen Jahr eine Reihe von grundlegenden Reformen in Norwegen durchgeführt habe. An erster Stelle steht dabei, wie der Minister ausführte, die kommunale Neuordnung Norwegens, die durchweg das Führerprinzip der Gemeinde verankerte. Weiter wurde eine einheitlich geleitete G e • sundheitsabteilung gegründet, die ebenso wie das Büro für Bevölkerungsfragen eine Hieb bewußte Rassenpflege vertritt. Zweihundert Beratungsstellen für Mutter und Kind wurden errichtet. Trotz des Krieges sei die Ern äh. rungslage des norwegischen Volkes als gut zu bezeichnen, wenn auch die brutalen englischen lieber- fälle auf die zivile Küstenschiffahrt Norwegens die Ernährungsverhältnisse der Bevölkerung bedrohen. Handelsminister Johannessen stellte fest, daß Norwegen heute mit den meisten europäischen Ländern Handels- und Zalungsadkommen aufrechterhalte und auf diese Weise seine lebenswichtige (Ein. fuhr mit Ausfuhrgütern bezahlen könne.
Kleine politische Nachrichten.
Ritterkreuzträger Usfz. Wilhelm B r ü ck n e r aus Weis bei Neuwied ist als Geschützführer in einer Panzerjägerkompanie bei Abwehr eines zahlenmäßig überlegenen bolschewistischen Angriffs vor Moskau gefallen.
Wie der italienische Wehrmachtbericht bekanntgibt, schlug ein von Panzerkräften unterstützter feindlicher Jnfanterieangriff im Gebiet südlich von Bengasi fehl. Artillerietätigkeit herrschte an der Front von Sollum und Bardia.
Im Atlantischen Ozean versenkte ein italienisches U-Boot den bewaffneten englischen Dampfer „Lar- rinaga* von rund 6000 BRT.
Im Rahmen des am 18. 12. 1941 abgeschlossenen deutsch - japanischen Rundfunkabkom- mens wurde am 27. Dezember die erste deutsch- japanische Austauschsendung von Deutschland aus mit Ansprachen des Reichsministers des Auswärtigen o. Ribbentrop und des kaiserlich-japanischen Botschafters in Berlin, General Oshima, eröffnet
In Buenos Aires ist der Hauptschristleiter der „La Plata"-Zeitung, Professor Rudolf Kain in, im Alter von 64 Jahren gestorben. In zwanzig, jähriger Zugehörigkeit zur Schriftleitung hatte er (eine Kräfte in den Dienst der Verständigung zwl- schen Deutschland und Argentinien gestellt.
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Der Führer hat dem ordentlichen Prosesior ent Dr. med. Paul Sudeck in Hamburg aus Anlaß der Vollendung seines 75. Lebensjahres in Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung der Chirurgie die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.
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Der Führer hat dem Maler Professor Otto H. E n g e I in Glücksburg (Ostsee) aus Anlaß der Vollendung seines 75. Lebensjahres in Würdigung seiner Verdienste um die künstlerische Darstellung der Landschaft und der Menschen der deutschen Äasier- kante die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.
Aus aller Well.
Schließung der Oberschule Schlitz auf Srlegsdauer.
Der Reichsstatthalter in Hessen hat der Schließung der Oberschule in Schlitz für die Dauer des Krieges zugestimmt. Der größere Teil der Schüler und Schülerinnen wird nach den Weihnachtsferien die Oberschule in Lauterbach besuchen.
Schadenfeuer im Dillkreis.
In der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag entstand in dem Haufe eines Landwirts in Hirzenhain ein Schadenfeuer, das im Räucherschrank aufaekommen und auf einen Pfosten der Dach- (onftruftion übergesprungen war. Die Flammen erfaßten bald das ganze Haus und griffen auf die Scheune sowie ein benachbartes Wohnhaus und zwei weitere Scheunen über. Während die beiden Wohnhäuser zum größten Teil gerettet werden konnten, wurden die drei Scheunen nebst den Vorräten ein Raub der Flammen. Auch das Fleisch von zwei frisch geschlachteten Schweinen ist verbrannt.
Schnellzug Berlin — Warschau verunglückt.
In der zweiten Morgenstunde des 27. Dezember fuhr auf der Strecke Berlin — Posen innerhalb des Streckenabschnitts Frankfurt (Oder)— Posen vor einer kleinen Unterwegsstation bei schwerem Schneesturm der Nachtschnellzug Berlin—War- schau auf einen vor dem Einfahrtsignal dieser Station haltenden Güterzug auf. Bei dem Zusammenprall entgleisten Wagen sowohl des D-Zuges als auch des Eilgüterzuges. Die vordersten Wagen des D-Zuges gerieten dabei in Brand. Obwohl der D- Zug nicht stark besetzt war, ist mit einer Anzahl von Opfern und Verletzten zu rechnen. Oeriliche ärztliche Hilfe war unverzüglich an der Unfallstelle. Die Ur-
ist noch nicht geklart. Es liegt die Vermutung , daß der schwere Schneesturm die Signalsicht ungewöhnlich behindert hatte.
Großer Waldbrand In Oberitalien.
Bei Porto Ceresio am Lugano-See ist ein großer Wald brand ausgebrochen, der infolge des starken Windes in kurzer Zeit gewaltige Ausmaße annahm. Erst Feuerwehren von Mailand, Varese und anderen benachbarten Städten konnten ein Uebergreifen des Brandes auf die umliegenden Ortschaften verhindern.
Hitzewelle In Argentinien.
Die Weihnachtstage waren in Argentinien durch eine starke Hitzewelle gekennzeichnet. Im Landes- Innern, so in Cordoba und San Rafael, wurden Temperaturen von 41 Grad Celsius gemessen, in Rioja und Santa Maria in Nordargenttnien sogar 44 Grad. Die hohen Temperaturen hatten in 6en Andengebieten eine starke Schnee- und Gl et- scher-Schmelze zur Folge. Die Flüsse Mendoza und San Jüan traten durch den Andrang riesiger Wassermengen aus den Cordilleren über die Ufer. Ganze Ortschaften in der Provinz San Juan mußten geräumt werden. Die Wasser- und «Strom» Versorgung in der Provinz Mendoza ist gefährdet.
Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lauge. Stellvertreter de« Hauptichrtstleiters: Dr. Haus Thyrtot. Verantwortlich für Politik und Bilder: Dr. ?lr.W. Lange; für das Feuilleton: Dr.Hans Thyrtot; für Stadt (Sieben, Provinz, Wirtschaft u. Sport: Ernst Blumschetn (bcuri.), i.v.: Dr.Hans Tkmriot.
Druck und Verlag: Brühlsche Untversltätsdruckerel R. Lange K«. Berlagsleiter: Dr.-Ing. Erich Hamann; Anietgenletter: Han« Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theo vor Kümmel. PlNrS,
Explosion in Raum5
Roman von H.C. Hansen
Copyright by Prometheus-Verlag Dr.Elchadcer, Gröbenzell b .München
23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Na also", seufzte Bärbel erleichtert. „Jetzt fragt es sich nur, ob du dabei sein willst oder mich allein sprechen läßt. Paß auf, Kprt macht sofort mit. Jedenfalls wäre es besser, du hilfst mir ein bißchen bei der Klarlegung der Vorgänge, weil du doch mehr Ahnung davon hast als ich.
„Ich mache mir Unannehmlichkeiten", gab er zu bedenken.
„Nie. Kurt kann tun und lassen, was er will. Ich kann ihm erzählen, was ich weiß. Wenn es nicht klappt, erfährt kein Mensch etwas davon, und wenn es klapvt, dann ist einer Verbrecherbande das Handwerk gelegt; das wäre eine verdienstliche Tat, nicht eine, die Strafe verlangt."
„Wann kommt denn Kurt nach Hause?"
„Morgen früh."
„Dann meinetwegen", gab Michel zu. „Wir können mit ihm einmal alles besprechen."
*
Sonntags in aller Frühe kam Kurt Eberhard zu Hause an. Zuerst traf er die Mutter, die, wie immer, zeitig aufgestanden war und schon die Vorbereitungen für den Morgenkaffee traf. Dann besuchte er den Vater, der noch zu Bett lag, begrüßte ihn nicht weniger herzlich als die Mutter und ging zum Schluß in Bärbels Zimmer.
Sie fuhr entsetzt hoch, als die Tür unmanierlich laut aufgerissen wurde und jemand ein schmetterndes „Morgen" schrie. Mitten aus den schönsten Träumen, die sich um Michel und das künftige Heim drehten, war sie aufgeschreckt. „Ach, du bist es!" meinte Bärbel erleichtert, als sie den Bruder erkannte.
„Ich hätte mir die Begrüßung freundlicher ge- dacht", meinte er und gab ihr einen Kuß auf die schlafwarme Wange. Dann ttollte er sich aus den- Zimmer und brauchte nicht lange zu warten, bis zuerst der Vater und wenig später auch Bärbel, sonntäglich gekleidet, zum Vorschein kamen. Die
Kaffeezeit wurde über Gebühr lange ausgedehnt, bis man sich die wichtigsten Neuigkeiten erzählt hatte. Dann mußte Mutter Eberhard in die Küche. Der Vater las seine Zeitung, und die Geschwister gingen aus dem Hause, um Michel zu besuchen.
Er war gerade beim Rasieren, als feine Wirtin die Anmeldung brachte. Hastig schabte er den Bart fertig, band den Schlips um und verfügte fid) in das altfränkische Wohnzimmer seiner Vermieterin.
„Großartig, daß du da bitt, Kurt!" Er schüttelte dem Schwager die Hand uns begrüßte Bärbel erst nach ihm, was sie aber diesmal durchaus nicht übel- nahm. Ohne den bereitgestellten Kaffee zu beachten, begann er sofort mit einem bis ins einzelne gehenden Bericht, dem Kurt gespannt lauschte. Zum Schluß erläuterte Michel, welche Entschlüsse von ihm und Bärbel gefaßt worden seien, und fragte Kurt, ob er mitmachen wolle.
„Klar Ehrensache! Macht mir wirklich Spaß. Das gibt einmal abwechslungsreiche Ferien. Sag mal, Bärbel was ist diese Aenne Barkow für ein Mädchen?"
„Ach, mir gefällt sie nicht. Sie ist Ende der Zwanzig, ein bißchen mager, nicht hübsch und sehr unwirsch im Wesen."
„Natürlich. Es war ganz falsch, dich danach zu fragen, du antwortest wie eine richtige Frau." Kurt lachte. „Wie findest du sie denn?" wandte er sich an Michel.
„Och--" Bärbels Bräutigam wurde verlegen.
„Ich habe sie nur von weitem gesehen. Hählick ist sie meiner Meinung nach gerade nicht. Mager kann man mit schlank übersetzen. Ihr Gesicht ist nicht jedermanns Geschmack, aber es wirkt eigenartig."
„Sieh mal an!" Bärbel spielte die Empörte.
„Laß nur!" mahnte sie der Bruder. „Außer dir gibt es schließlich auch noch annehmbare Mädchen. Wenn sie also nicht abstoßend ist, steht mein Plan fest."
„Und der wäre?"
„Ich werde sie auf irgendeinem Wege kennenlernen und die Bekanntschaft fortspinnen."
„Die Frage ist nur, ob sie anbeißt!" überlegte Michel.
„Das laß meine Sorge sein!" Kurt wischte mit überlegener Gebärde diese Bedenken aus dem Felde. „So ganz ohne Erfahrung bin ich ja Er
brach ab, als die Schwester fragende Blicke zu ihm herüberfandte. „Alfo, kurz und gut, es wird wenigstens probiert Schaden kann es auf keinen Fall."
Sie besprachen noch Einzelheiten. Kurt verlangte die Adresse von Aenne Barkow und empfahl sich schnell, um schon an diesem Vormittag sein Heil zu versuchen. Kaum hatte er das Zimmer verlassen, als Bärbel mit recht bedenklicher Miene wissen wollte, ob ihr geliebter Bruder vielleicht Anzeichen einer nicht zu billigenden lockeren Lebensauffassung zutage bringe. Für Michel war das wieder eine heikle Frage, bei deren Beantwortung er mit aller Vorsicht zu Werke gehen mußte, um m das arglose Herz eines jungen Mädchens keine bösen Samenkörner zu senken. ;
Unternehmungslustig und seiner Sache durchaus gewiß, erreichte Kurt Eberhard im Sturmschritt eine Straßenbahn, fuhr bis zu dem Stadtteil, in dem Aenne Barkow wohnte, musterte unauffällig das Haus, das sechs Stockwerke hatte, und entschloß sich, den Portier zu befragen. Mit Hilfe eines Fünfzigpfennigstückes verlief die Vernehmung sehr glatt. Fräulein Barkow wohnte bei der Witwe Klein im zweiten Stockwerk und hatte heute morgen bestimmt noch nicht das Haus verlassen. Gewöhnlich ging sie Sonntagmorgens um zehn Uhr spazieren, wenn das Wetter schön war. Es war deshalb ungewöhnlich, daß sie jetzt kurz vor elf Uhr noch nicht zu sehen gewesen war.
Diese Auskunft genügte Kurt vorläufig. Er überquerte die Straße und stellte sich in fünfzig Meter Entfernung an eine Ecke,. von wo er bas Haus, ohne aufzufallen, beobachten konnte. Seine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Nach zehn Minuten kam eine ältere Frau heraus, die auf einen Bäckerladen zusteuerte. Wieder eine Viertelstunde später ftürmten zwei Kinder aus dem Hause, denen in kurzem Abstand ein Mann, offenbar der Vater, folgte. Dann betraten zwei Frauen das Haus, auf die die Beschreibung der Barkow nicht paßte. Erst kurz vor zwölf Uhr erschien ein jüngeres, weibliches Wesen, das ein schlichtes graues Kostüm trug, unverkennbar sehr schlank -war und mit kräftigen Schritten die Straße in der Richtung entlangfdjritt, in der Kurt stand.
Er zog sich vorsichtshalber ein bißchen um die Ecke Kuruck, wartete ab, wohin sie ging, folgte ihr
und überholte sie, um zwei Minuten später stehenzubleiben, eine Zigarette anzuzünden und das her- ankommende Mädchen so zu besehen, daß sie nicht merkte, ob ihr besonderes Interesse geschenkt wurde. Kurt war zufrieden. Das mußte sie sein. Er begriff Bärbel nicht und verstand sie bann doch wieder. Diese Aenne Barkow war keine landläufige Schönheit. Sie hatte ein schmales, energisches Gesicht, beinahe männlich, jedenfalls klug und rassig wirkend. Die Augen waren groß und allem Anschein nach grau. Die Figur federte spannkräftig bei jedem Schritt. Der Verfolger war jetzt mehr als zuvor entschlossen, unter allen Umständen eine Bekanntschaft herbeizuführen die auch ohne die kriminelle Seite der Angelegenheit interesiant sein würde.
Er ließ sie einigen Abstand gewinnen und folgte ihr so, daß er sie im Auge behalten konnte. Zweimal blieb Aenne Barkow an Schaufenstern stehen. Sonst kümmerte sie sich um nichts und niemand. Allmählich näherten sie sich dem Zentrum der Stadt, wo der Verkehr dichter wurde, so daß der Verfolger näher heranrücken mußte. Von vornherein war es Kurt klar, daß es aussichtslos wäre, dieses Mädchen auf der Straße anzusprechen. Sie würde ihn scharf abfallen lassen und damit jede fernere Gelegenheit des Kennenlernens zunichte machen.
*
Als sie kurz nach zwölf Uhr ein Cas6 betrat und auf der Terrasse Platz nahm, war er immer noch ohne jede Ahnung, wie er eine Bekanntschaft herbeiführen sollte. Sie ließ sich, wie er bald feststellen konnte, eine Tasse Kaffee und eine Zeitung bringen. Also war sie wenigstens für eine Viertelstunde aufgehoben, die man dazu benutzen konnte, irgendwo in der Nähe einen günstigen Standpunkt ausfindig zu macken. Während Kurt neben einer Litfaßsäule stand, schlenderte auf einem Sonntagsbummel em Schulfreund an ihm vorbei, mit dem er Jahre hindurch in der gleichen Klasie gesessen hatte. In Sekundenschnelle hatte er einen genauen Plan gefaßt, der unfehlbar zu fein schien. Junge Männer dieses Alters benötigen nie viel Zeit und viel Worte, um sich zu verständigen. Der Klassenkamerad blieb neben Kurt stehen und freute sich, bei einem so listigen Manöver helfen zu können.
(Fortsetzung folgt»


