Wer
NABVLAN-BARNPARTA gebraucht, kann lind darf lachen, denn tolrhe Zähne dürfen tick «eben lauen!
Aus der Stadl Gießen.
Ein schlichtes Buch.
Es mar in einem vollbesetzten O-Iug-Abteil. Mir gegenüber saß ein Gefreiter, der offenbar aus dem Urlaub kam. Er hatte sich zurückgelehnt und las in einem schmalen Bündchen. Während der Zug eilig der nächsten Station zustrebte und die Mitreisenden ihre Ansichten darüber austauschten, ob sie dort ihre Anschlüsse erreichen würden, nahm der Soldat keine Notiz oon feiner Umwelt. Seine Augen glitten aufmerksam über die Zeilen des Buches, zuweilen verrieten feine Mundwinkel ein stilles Schmunzeln, und nur gelegentlich schaute er auf. Dabei war ihm dann anzusehen, daß er nur eine Lesepause einschaltete, um einem Gedanken nachzusinnen, den die Lektüre angeregt hatte.
Als der Zug hielt, stand er auf und zündete sich eine Zigarette an. Da wir ins Gespräch kamen, fragte ich ihn nach feiner Lektüre. Er lächelte und hob das Buch auf. „Sehen Sie hier: Novellen von Theodor Storm. Haben Sie etwas anderes erwartet? Vielleicht einen Kriminalreißer?" Belustigt musterte er mich, als ich jedoch eine abwehrende Bewe- gung machte, meinte er, das gäbe es Natürlich hier und da auch. „Glauben Sie", fuhr er fort, „es wird viel gelesen bei den Soldaten. Mehr, als manch einer vielleicht cchnt. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß das gute Buch durchaus den Vorrang genießt. Zn manchem Tornister stecken geradezu Perlen der Literatur, allerdings gewöhnlich in einfachem Gewände. Ein schlichtes Buch wie dieses hier ist uns das liebste, es macht äußerlich nicht viel her, kann überall mit hingenommen werden und birgt einen köstlichen Wert. Es gibt häufig eine Stunde, in der man gern darin blättert. Hat man es gelesen, bekommt es der Kamerad, und auch der gibt es wieder weiter. So wandert es durch unzählige Hände, bis es eines Tages vielleicht wieder zurück- kommt. Aeußerlich sieht es dann nicht mehr gut aus, aber an innerem Glanze hat es nicht gelitten, obwohl es wer weiß wie vielen Kameraden zur Erbauung gedient hat. Sehen Sie, das ist die segensreiche und dankbare Aufgabe, die ein schlichtes Buch bei uns erfüllt."
Neue Reisende kamen ins Abteil, der Zug fuhr an und der (Befreite nahm seine Lektüre wieder auf. Ich sann über seine Worte nach, die besonders setzt betonte Geltung erhielten. Wieviel Glück und Iro-ft, wieviel stille Freude und ehrliche Begeisterung vermag das gute Buch Demjenigen zu geben, der es aerne aufnimmt und als treuen Kameraden mit sich führt. Gerade unseren Soldaten ist es immer willkommen, und deshalb sollten wir nach Kräften dafür sorgen, daß es ihnen niemals fehlt. H. W. Sch.
Sorn»Hien.
Tageskalender für Dienstag.
Stabtheater: 18.30 Uhr „(Farmen*. — Gießener Dortragsring: 19.15 Uhr In der Aula der Universität svricht Dr. Hermann B u r t e über „Die euro- väische Sendung der deutschen Dichtung". — Gloria- Palast. Selterswea: „L"ichte Mule". — Lichttviel- haus. Babnhofstrake: „Glück im Schloß". — Ober- hessischer Kunstn^rein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Foyer des Stadttheaters.
Vuchwvche 1941 Gießen — Hermann Burfe spricht.
Aus Anlaß der vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda in der Zeit vom 27. Oktober bio 2. Nov-mber veranstalteten Woche des deutschen Buches 1941 werden die im Gießener Nortraa«ring zusammengeschlossenen Kulturverbände Goethe-Bund. Kulturelle Vereinigung und Volksbildungsstätte Gießen am Dienstag. 28. Oktober, in der Aula der Universität eine literarische Feierstunde durchführen. Der Dichter Hermann Bürte wirb über das Thema „Die europäische Sendung der deutschen Dichtung" sprechen.
Derdunkelnngszeit
28. Oktober von 17.59 bis 8.08 Uhr.
Kämpfen, arbeiten, siegen!
IV. Landespferdeausstellung 1941 in Gießen
Unter dieser Parole sinden am 30. und 31. Oktober, sowie am 1. und 2. November 1941 im Kreise Wetterau folgende Versammlungen der NSDAP, statt:
Donnerstag, 3 0. Oktober, 20 Uhr: Annerod, Garbenteich, Ober-Bessingen, Rödgen, Ruppertsburg, Staufenberg, Trais-Horloff, Trais- Münzenberg.
Freitag, 31. Oktober, 20 Uhr: Allen- borf a. d. Lumda, Alten-Buseck, Gießen-Klein-Linden, Lang-Göns, Langsdorf, Lich, Münzenberg, Saasen, Steinbach, Treis a. d. Lumda, Wohnbach.
Samstag 1. November, 20 Uhr: Al- lendorf (Lahn), Burkhardsfelden, Gießen, Gro- ßen-^Buseck, Grünbera, (Srüningen, Holzheim, Hungen, Lauter, Lollar, Londorf, Melbach, Oberhörgern, Dillingen, Watzenborn-Steinberg, Wölfersheim.
Sonntag, 2. November, 15 Uhr: Bad
taunus: in der Gruppe Warmblut: 1. Oberhessen, 2. Maintaunus, 3. Rheinhessen. Siegerhengst waren der Kaltbluthengst „Herzog" und der Warmbluthengst „Husar", Siegerstute die Kaltblutstute ,,23e» nitaJ aus der Zucht von R. Walther, Reichelsheim (Wetterau) und die Warmblutstute „Beate" von Fr. Dörr, Trebur.
Auch in diesem Jahr wird hier ein harter Wettstreit efntreten, zumal von Gauleiter Sprenger Die wertvollen Siegerpreise zur Verfügung gestellt worden sind. Besonderes Interesse oeanspruchen auch die Hengst-Nachzuchtsammlungen, für die jeweils vier direkte Nachkommen eines Hengstes gezeigt werben. In der ©nippe Kaltblut sind vertreten die Hengste Albion, Fürst, Hofer und Zeuß, unter denen Albion allein mit 12 Töchtern Dabei ift Zn der Gruppe Warmblut sind es sechs Hengstfamilien, und zwar Cherusker, Deichgraf, Dirigent, Emigrant, Egly und Gidran.
Das Hauptprogramm am Sonntagnachmittag ab 14 Uhr aus dem Walbfportplatz sieht nach der Vor- sührung sämtlicher Pferde ein Reit- und Fahrturnier vor. Drei gut besetzte Jagdspringen und zwei Fahrwettbewerbe kommen zum Austrag, während die Wehrmacht eine Schaunummer vorführt.
Die 4. Landes-Pferdeausstellung in Gießen steht unter der Schirmherrschaft von Gauleiter Reichs- statthatter Sprenger, der für Sonntagnachmittag fein Erscheinen zugesagt hat und den Züchtern der Siegerftuten die Ehrenpreise übergeben wird.
llS-SMlnWst M Stuft lUllltz 5tenöe
SdJ.- Schwimmstunden
* dienstags 20.00 bis 21.00 Uhr und 21.00 bis 22.00 Uhr freitags 20.30 bis 21.30 Uhr
und 21.30 bis 22.30 Uhr. u»7D
Wenn der Landesverband der Pferdezüchter trotz der Kriegsverhältniffe feine IV. Landes-Pferdoaus- stellung am kommenden Samstag und Sonntag, 1. und 2. November, durchführt, so geschieht das einmal deshalb, um den dreijährigen Umlauf nicht abbrechen zu lassen, zum anderen aus der Erkenntnis heraus, daß gegenwärtig und in den Zähren nach dem Kriege alle für die Pferdezucht tätigen Kräfte mobilisiert werden müssen, um die großen Ausfälle, die dieser Krieg den Pferdebeständen Europas bringt, wieder auszugleichen. Schon lange nicht mehr ist die Unentbehrlichkeit des Pferdes so klar zutage getreten, wie im jetzigen Kriege. Auf die bedeutende Aufgabe, die dem Pferd nicht nur in der Landwirtschaft, sondern vor allem in dem jetzigen Ostfeldzuge zukommt, braucht nicht besonders hingeweisen zu werben.
Im Hinblick auf diese Tatsachen kommt der 4. Landes-Pferdeausstellung in Gießen am kommenden Samstag und Sonntag besondere Bedeutung zu. Die erste Landes-Pferdeausstellung fand im Rahmen der letzten Landestierschau 1927 in Darmstadt statt. Die 2. Landes-Pferdeausstellung wurde 1935 in Frankfurt g. M., die 3 Landes- Pferdeausstellung 1938 ebenfalls in Frankfurt a. M. mit einer Beschickung von 360 Pferden abgehalten. Die diesjährige Schau bleibt erklärlicherweise mit einem Gesamtauftrieb von 200 unserer besten Hengste und Stuten hinter dem Friedensauftrieb etwas zurück, wird aber materialmäßig alle seitherigen Schauen übertreffen können. Die Beschickung verteilt sich etwa je zur Hälfte auf Kalt- und Warmblut. Sämtliche acht Pferdezüchtervereinigungen, im einzelnen also die Pferdezüchtervereinigungen Starkenburg, Rheinhessen, Maintaunus, Rheintckunus, Lahn, Westerwald, Lahn-Dill und Oberhessen, sind vertreten. Am stärksten ist natürlich die Pferdezüchtervereinigung Oberhessen beteiligt: an zweiter Stelle steht die Pferdezüchtervereinigung Starkenburg. Das Schergewicht liegt bei den Stuten, die allein für Kalt- und Warmblut je in acht verschiedenen Einzelklassen in Wettbewerb treten. Hengste werben nur einige wenige Spitzenhengste gezeigt werben; in der Gruppe Kaltblut werden drei, und in der Gruppe Warmblut vier Hengste ausgestellt werden. Das Nichten der Einzelttassen beginnt bereits am Samstag ab 14 Uhr. Die Hauptprüfungen werden jedoch am Sonntag stattfinden. Ab 9 Uhr werden die älteren Stuten ttafsenmäßig gerichtet, sowie die Familien und Hengst-Ngchzuchtsammlungen. Der Höhepunkt ist bann bas Richten ber großen Sammlungen ber Pferbezüchtervereinigungen unb ber Wettkampf um ben Siegerpreis für den besten Hengst und die beste Stute.
Auf ber letzten Landesschau 1938 war bie Reihenfolge der Pferdezüchtervereiniqungen in ber Gruppe Kaltblut 1. Oberhessen, 2. Rheinhessen, 3. Rhein-
Nauheim, Bellersheim, Beltershain, Bersrod, Baubringen, Freienseen, Gambach, Geilshausen, Gießen-Wieseck, Harbach, Hausen, Heuchelheim, Pohl» göns, Rockenberg, Rodyeirn a. d. Horloff.
Sonntag, 2. November, 19.30 Uhr: Bettenhausen, Butzbach, Ettingshausen Griedel, Großen-Linden, Kirchgöns, Laubach, Lechgestern, Mainzlar, Ostheim, Reichelsheim, Reiskirchen, Steinfurth, Weickartshain, Weitershain.
Deutsche Volksgenossen und deutsche Frauen!
3n diesen Kundgebungen hört Ihr, was unsere Feinde mit dem deutschen Volke vorhaben, welches grauenvolle Schicksal uns und unseren Kindern zu- gedacht ist. Darum kommt alle und stärkt Eure Kräfte und den Villen zum Sieg, denn nur unser Sieg kann unsere Zukunft fein. Daher die Parole: Kämpfen — arbeiten — siegen!
opa."
Br 30. Oktober 1915 schoß er den 6., am 5. Zanuar
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19’.6 den 7. und am 12. Januar ben 8. Gegner ob Die höchste beutsche Kriegsauszeichnung di Weltkrieges, der „Pour le mörite", war der Styn.. Im März folgten drei weitere Abschüsse Ult die Beförderung zum Oberleutnant. Zwei Mo- nii* später würbe er, gerade 25 Zähre alt gewor-
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, U bilde auf ausdrücklichen Wun. , rtdiate i 1 Front zurückgezogen werben unb sich auf Grunb öf L 3 per großen Erfahrungen ganz ber Lehrtätigkeit rWaen l' der Ausbilbung ber jungen Kampfflieger wid-
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fctgs-ftabium ihrer Entwicklung ftanb, besonders ii eite. Sein Lieblinaswunscb, zur Darmstädter ßljegerschule fommanoiert zu werden, fand Wen auch Erfüllung.
Am 1. September 1914 begann die Tätigkeit , leides als Aufklärungsflieger. So wichtig 'und erantwortungsDoII bie Aufgabe war, so vermochte fii doch nicht dem Tatendrang des jungen Fliegers « echt zu werden. Er ließ sich schon bald zu einem jmpfßesch-wader versetzen. Am 6. Juli 1915 gelang Pi fein erster Abschuß. ,Zn diesem, seinem ersten, Trios durchgeführten Luftkampf", so berichtete sein lobachter Hauptmann Aschenborn, „offenbarte er tt unser aller Verblüffung ein ganz ungeahntes, Algerisches Können. Die Art, wie er dem Gegner «' den Leib rückte, ihn aus etwa 2500 Meter auf IM Meter unaufhörlich herabdrückte, dabei oft so M an ihn heranfliegend, daß man jeden Augen- tif einen Zusammenstoß befürchten mußte, unb dch immer Darauf bedacht, ihn im Schußfeld des
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Aischinengewehrs seines Beobachters zu halten, Der völlig neu und dabei grundlegend für feine gstzen spateren Lustkärnvse und Erfolge und Hand in Hand damit für bie gesamte Jagdfliegerel."
'ilnb nun ging es Schritt auf Schritt vorwärts.
Am heutigen 28. Oktober 1941 fährt sich zum . 3 ß. Mal der Todestag Boelckes, der — fj 3:rin liegt fein Hauptoerdienst — ber Lehrmeister \ dr deutschen Jagdflieaerei geworben ift, baut sich M Lch auf seinen Erfahrungen und Erfolgen die gtnfle deutsche Jaadstiegerel auf.
Es mar ein Zufall gewesen, daß Boelcke in Be- phung zur Luftwaffe gekommen war. Der junge ^fixier. Der kurz vor Kriegsbeginn 1914 als Leut- it:iu zu einer Funkerkompanie nach Darmstadt virfetzt worben mar, lag mit seiner Kompanie in u-mittelbarer Nähe eines Flugplatzes. Kein Wun- bir, baß ihn diese Waffe, die damals noch im An-
Ltnbesiegt in den Tod.
Sor 25 Jahren siel Hauptmann Boelcke.
äugte. So blieb er wieder, was er war: der er= f reiche Jagdflieger. Sieg reihte sich an Sieg; eil 26. Oktober 1916 erzielte er feinen 40. Ao- ftiß. Aber schon zwei Tage später, am 28. Oktober 1 >, wurde amtlich mitgefeilt: „Hauptmann Boelcke ift im Verlaus eines Luftkampfes am 28. Oktober mit einem anderen Flugzeug zusammengeftoßen und b-i der daraus erfolgten Landung hinter unseren Birten tödlich verunglückt."
U Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
w. ; Zu
Wunen.
erkannten Kranken- und SSuelingspftegeachuten des Gaoea e»n^
Amt für Volkswohlfahrt, Oauleltung Hessen-Nassau, Darmstadt, Steubenplatz 17
Weitere Auskunft durch das
4383
Ausbildung X iViflhrigo Lern seit, staatliche Prüfung, praktlachea Jxhr. Fortbildung: Operation»-, Dilt- ßiuglingtichweiter nsw. , AafstlegamöglldikeltenX Jaogechweakrofibrerin. überschreiten Oberin.
Gehalt nach neuem Tarif.
-ks che Weise, wann Karin wieder abgeholt werben Ulte. Dann war Doktor Carli vorbeigekommen hatte ihr alle Mühe ber Verständigung abge»
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Einsatz der Reldisbund-Sdiwestert .
Krankenhäuser, Sanatorien, Kinderkliniken. Mütter-. Siujlinga- und Kinderheime und Krippen, vorbeugende Familienhilfe auf dem Lande, krankenptlege- riiche Tätigkeit im Ausland. Werkscbweatern.
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Karin Grunelius
Roman von Guiüo K.vranü
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Einsatz der NS.-Sdiwestert
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rette. SS-Mütter- und Säuglingsheime, NSDAP, und Ordensburgen
Eie harmlos das alles war. Doktor Collinari sie in seinem kleinen Wagen nach Spaccasorno genommen, da er größere Besorgungen in ber heke machen mußte. Es mar eine seltsame ■t, mährend ber jeber von ihnen ängstlich baraus icht mar, nicht zu sagen, was ber andere nicht M:anb. So saßen sie stumm nebeneinander, und nicht fremd, wie Karin feststellte. Von ber »öerbaren, üppigen Lanbschaft gefangengenom» M hätte sie jeben Durchblick auf bas Meer fest- ptitm mögen, bas unter bem weißen Sonnenlicht
kaum auf den Weg, ben er nahm. Um sich in biefem Gewinkel, diesen verschränkten Treppen und kurzatmigen Gäßchen auszukennen, mußte man vielleicht lange hier sein. Irgendwo kamen sie an ber Küste wieber heraus aus dem berauschenden Dust der Gärten und der Enge der weißen Mauern.
„Hier male ich!" sagte Bröger nach einer langen Pause, die sich unterwegs ergeben hatte, ohne daß sie so richtig gewollt war. Hier unb da hatte er bie ersten Takte ber Giovinezza vor sich hingesummt unb unwillkürlich einen schnelleren Schritt angen» schlagen. Eine Frage nach bem Befinden Günther Mercks wurde von Karin nur halb beantwortet, wonach Thomas allem Anschein nach das Interesse an diesem Thema verlor unb wieber schwieg.
„Sieben Sie eigentlich bie Kunst?" fragte er, für Karin ganz ohne Zusammenhang. Er hätte ebenso gut sich erkundigen können, ob sie gut koche oder etwas von Philosophie verstünde.
„Ich habe noch gar keine Gelegenheit gehabt, sie kennenzulernen, Herr Bröger. Bei uns in ben großen Einsamkeiten Deutschosts hat man Jahr für Jahr anbere Sorgen. Da muß man schon nach Kapstabt, um sich Darüber zu orientieren. Erstens kann bas nicht jeber, unb zweitens regieren bort in ber Gesellschaft di« Juden. Ich weiß es, weil ich bort studiert habe!"
Thomas war erstaunt über die Bestimmtheit, mit der Karin antwortete. Er vermied es auch, ihr in bie Augen zu schauen, weil er sich erst klar werben wollte darüber, worin das Irritierende und Rätsel- hafte ihres Blickes bestand.
Unb .. würben Sie sich Dagegen wehren, wenn jemand Da wäre, Der Sie in bas Wunderreich einführen würde?" „
Dieser Jemand waren Sie!" unterbrach ihn Karin, als hätte sie plötzlich Lust, sich mit diesem Maler zu messen, dessen Wesen so ganz anders war als Das Der Männer, Die sie bisher tennengelernt hatte Ich würde nicht nein sagen. Erstens habe ich Aeit zweitens würde es mir die Zeit vertreiben, und drittens könnte ich wahrscheinlich viel dabei lernen. Um die ungeheuren Schätze Italiens zu begreifen ober die Bilder in den Berliner Galerien in sich aufzunehmen,' muß man vielleicht irgendeine Grundlage einen Raum in sich vorbereitet haben. Oder kann man dieser Welt des Schönen, Großen und
ie
chen 2E Üi-er wie bas alles nun weiter werben sollte, Wid) ihr völlig unklar. Drei ober vier Wochen in 1 'gmpleri, jeben Tag vielleicht nach Spaccaforno Wen, nutzlos eine Zeit verbringen, die vielleicht Mi erfüllt sein können von bem Rausch des Neuen, Mi ein Buch, ohne Zeitung oder sonst irgendeine ^krache, all das schien ihr bie so herrlich begon- ■■ifte Luftreise zu entzaubern.
rtlr hätte Thomas Bröger Karins Rückkehr ab- Wertet, ftanb er vor Doktor Collinaris Haus unb t ihn mit einem Auftrag ab. So schnell wie Wich solle er zu Massimo Alvaro kommen. Er e schon, seine Frau ... Der Doktor zog die Wm, buschigen Augenbrauen ein wenig höher: jÄfpn?" Er sah fragenb vor sich hin und bewegte Rippen, als rechne er nach.
Iwrin verstand von all bem kein Wort. Erst als WNas ihr bebeutete, baß sie aussteigen und zu jS ben Berg hinaufgehen müsse, hatte sie das Ge- daß Der Maler Diese Gelegenheit gesucht habe, hätte aber in Diesem Augenblick nicht sagen ob sie seine Begleitung abgelehnt hatte, 'vhr er sie gefragt haben würde. Sie achtete auch
Deutschland werben Sie bestimmt frieren. Aber warum streiten wir uns eigentlich?"
„Ich? Ich habe gar nicht Die Absicht!" kam es etwas spitz über ihre Lippen.
„Na, wunderbar! Ich nämlich auch nicht. Im Gegenteil! Ich möchte ..." Er schien nicht weitersprechen zu wollen, griff sich einen kleinen Stein unb schleuderte ihn flach übers Wasser.
„Was möchten Sie?" fragte Karin. .Haben Sie bie halben Sätze so gern, daß Sie bie Fortsetzung ber Phantasie anderer überlassen, oder haben Sie irgendeinen Haken?"
Immer deutlicher spürte Thomas Bröger, daß Karin ihm nicht nur gewachsen, sondern in einer instinkthaften Dialektik überlegen zu sein schien. Er entsann sich auch ganz kleiner, kaum beachteter Vorgänge, wie zum Beispiel mit Eollinari am Bett gestern, bann am Abend, als er ihr vorschlug, einen Mondspaziergang auf bem Steilufer zu unternehmen, ober heute morgen, als er sich anbot, mit ihr nach Spaccaforno zu fahren. Ihre Ablehnung war fo liebenswürdig unb bestimmt, daß er schon aus reinem Taktgefühl keine Vorschläge mehr machte. Zu bumm, baß er jetzt einen Gebauten angefangen hatte, von bem er eine sichere Ablehnung erwarten konnte.
,Lch höre nichts, Herr Bröger!" stachelle sie ihn kampfeslustig auf. „Möchte es aber gern wissen."
„Ach nichts ... es mar ganz blöb von mir ..." „Vielleicht können Sie sich auch bas einmal leisten!"
„Donnerwetter, Fräulein Grunelius!" entfuhr es ihm. „Respekt! Jetzt kann ich es ja auch ruhig sagen. Erstens möchte ich Sie gern einmal malen, und zweitens möchte ich Ihnen Rom, Florenz, Mailand unb alle Kunststätten Italiens zeigen. Bis bahin ist bann Herr Merck wieder gefunb. Abgesehen bavon müssen Sie jetzt sowieso mit ber Dahn reifen!"
Ihr Blick aus ben großen Augen, ber Schatten, ber ihr Gesicht plötzlich ernst macht, verwirrte ihn. Aber war bas alles so unerfüllbar? War benn bas nicht mehr als ein Zufall, baß er ein schönes Mäb- chen retten bürste, bas nun aus irgendeinem Grund in dieser schönen Einsamkeit vielleicht wochenlang bleiben mußte?
(Fortsetzung folgt.)
Erhabenen auch ohne diese Voraussetzungen gegen- übertreten?"
Lag nicht ein kleiner Spott in ihren Worten? Klangen Sie nicht überhaupt fo, als könnte man ihr gar nichts Neues erzählen? Vorsicht! mahnte er sich selbst. Vielleicht sind afrikanische Mädchen schwierige Zum mindesten interessant, konstatierte er nach einer Weile. Sie hatten sich auf einen ber taufenb Felsen gesetzt, bie hier, in ber stillen Bucht, ben leisen Schlag ber Wellen wie ben Atem des Meeres aufnehmen unb ihn an ben Wind Weitergaben.
„Sie kennen Deutschland gut?" wollte Karin wissen.
„Don Ost nach West, von Nord nach Süd gibt es kaum eine größere Stabt, kaum eine Lanbschaft, bie ich nicht in mich aufgenommen hätte. Wenn Sie bas selbst einmal erleben, wirb Ihnen vieles klarer werden ..."
„Und weshalb sind Sie bann hier? Weshalb malen Sie nicht deutsche Lanbschaften? Die Nordsee ober eine Gebirgslandschaft?"
Thomas wurde unruhig. Es wirb Mühe kosten, ihr das klarzumachen, bachte er sich. Sie hat ja keine Ahnung von ber Psyche eines Künstlers, ber Weltweite eines Malerauges unb ben Bebürfnissen eines sehnsüchtigen, lichthungrigen Herzens. Irgendeine Antwort wirb er ihr wohl geben müssen! Aber nur nicht bie, baß bas gar nicht sein eigentlicher Berus war. — „Ja, Das ist schwer zu sagen, Fräulein Grunelius!" begann er ausweichend. „Seit Jahr- hunberten liegt in uns Deutschen Der Drang nach Draußen unD besonDers Die große Liebe zu Italien. Vielleicht haben Sie Das auch von Goethe, bem Kronzeugen aller Jtalienreisenden, gelesen? Von Den Nazarenern und ben taufenb anberen Künstlern, Die schönheitsburstig aus Dem kalten NorDen hierher gingen?"
„Natürlich weiß ich Das! Deutsche Schulen im Auslanb finD nicht schlechter als irgendeine in Berlin ober Hamburg", gab Karin stolz zurück.
Etwas betroffen sah Thomas sie an: „Entschul- bigen Sie, so meinte ich das nicht. Abgesehen davon wissen es wirklich nicht viele, und das Geheimnis selbst kann man schwer in Worte kleiden. In Afrika haben Sie vielleicht so viel Sonne und Hitze, daß Sie Sampieri wie eine Erholung empfinden. In
~SSwasÜMidienst - Beruf und Schule fifr’s Lehen
. Freien Schwestern nnd Pflegerinnen e. V. «teilen laufend junge Midel und Frauen Im Alter von 18 bla 88 Jahren ate Lernachweitern ja den alaallieh an« Die NS.-Schwesternschaft nnd der Reimsntina oer r _ Weit€re AusbiJdungulätten 1® übrigen Beichagebiet werden durch die Beichidienstetellen der ßebweetern ach alten Berlin W 62. Kurfüratenetraße 110. vermittelt
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