nicht, wann ich überhaupt jemals einen Menschen als Zeugen für die Zeit benennen könnte, in der ich schlafe. Das ist natürlich auch für die fragliche Nacht unmöglich."
„Verstehe, verstehe vollkommen. Ein Verdacht gegen Sie liegt ja auch nicht vor, schon weil jeder Beweggrund zu der Tat fehlen würde."
„Haben Sie sonst noch Fragen, Herr Staatsan. walt?" Koßmanns Stimme war leicht ungeduldig.
„Ja, wegen des Wilderns in Ihrem Jagdrevier, Haben Sie dahingehend Feststellungen machen können?"
Koßmann überlegte einen Augenblick. Nachdem er davon Kenntnis hatte, daß ein als Wilderer bekannter Mann im Verdacht des Mordes verhaftet worden war, widerstrebten ihm alle Angaben, die dieses Thema berührten. Trotzdem konnte er nicht umhin, Einzelheiten auszuzählen, die ebensogut von dem zuständigen Forstamt zu erlangen gewesen wären.
„Als wir die Jagd übernahmen, es war 1930, kamen dort Wilddiebereien ziemlich häufig vor. Wir fanden öfters Schlingen, auch drei- oder vier« mal in den ersten Jahren verstecktes Wild, das sicher zur Nachtzeit abgeholt werden sollte. Die Ab- gänge an Böcken, Ricken und ab und zu an Rotwild waren zusammenqenommen ziemlich hoch. Der von Ihnen verhaftete Korn ist an diesen Vergehen, wie seine Akten au-weisen werden, beteiligt gewesen, ebenso ein Mann namens Schulze. Weitere Wilderer konnten nicht ermittelt werden. Die lieber» griffe erreichten 1932 und 1933 ihren Höhepunkt, gingen dann rapide zurück. In den letzten Jahren haben wir nur selten feststellen können, daß gewildert wurde. Ganz ausgehört hat es allerdings nie."
„Haben Sie oder Herr Kühlitz jemals ein Zusammentreffen mit verdächtigen Personen in Ihrem Revier gehabt?"
„Mit ausgesprochen verdächtigen nicht, denn man kann ja nicht jeden Menschen, der ein bißchen heruntergekommen aussieht, als der Wilderei verdächtig ansprechen."
„Das wäre dann wohl alles, Herr Koßmann. Oder haben Sie noch eine Frage, Doktor Bruch- hausen?" wandte sich Fecht zu diesem.
„Nein, auch nicht mehr."
(Fortsetzung folgt.).
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Dienstag, 28.)anuar 1941
Nr. 23 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus -er Stadt Gießen.
»Es ist verboten.. /
„Hier siehst du Korn, Du Ochsenhorn.
Wenn du es willst genießen, So tritt es nicht mit Füßen."
Verbotsschilder und Warnungstafeln sind nun einmal unvermeidlich. Aber sie brauchen nicht immer in das trockene Schema des „Es ist verboten ..." gekleidet zu sein. Manch einer hat auch eine originelle Form dafür gesunden wie jener norddeutsche Bauer, dessen Feld in der Nähe einer größeren Stadt lag und von gedankenlosen Ausflüglern, die hier Kornblumen pflücken wollten, oft niedergetreten routte. Er stellte eine Tafel mit obigem Vers an den Feldrand und — konnte mit dem Erfolg zufrieden sein.
Das Gebaren mancher Sommerfrischler am Chiemsee veranlaßte die bayerischen Behörden, das Baden ohne Badeanzug zu verbieten. Die humorvollen Gesetzeshüter stellten an einer Stelle des Seeufers eine Tafel auf, auf der folgendes Ge-
verdunkelungszeit
29. Januar von 18.01 bis 9.10 Uhr.
mälde zu sehen war: ein Stück See, in dem sich Menschen tummeln, während am Gestade eine große rosige Sau zuschaut. Darunter der Vers:
„Wer hier gewandlos geht vom Kopf bis zu den Füßen,
Muß diese Sauerei mit harten Talern büßen.
Gewandlos geht das liebe Vieh und auch das
Schwein, Ein solches willst du schließlich doch nicht sein!" Noch in anderen Beispielen haben die Bayern ihre Reimfreudigkeit bewiesen. Auf einer War- mungstafel im bayerischen Hochland stand zu lesen:
„Wer hier den Wiesenweg betritt, Zahlt auf der Stell' acht Groschen, Und wer das Geld nicht hat, dem wird Am Leib es abgedroschen!"
Aber auch der unfreiwillige Humor tritt in Verbotstafeln manchmal in Erscheinung, so z. B. wenn «an einer Badeanstalt angeschrieben war: „Das Vertreten des Frauenbades ist den Männern verboten. Der Badediener gilt nach Paragraph 8 der Bade- «ordnung als Frau. Der Badedirektor." Eigentümlich mutet auch in einer Gegend, die häufigen lieber- sichweKirnungen ausgesetzt ist, eine Warnungstafel «an: „Wenn diese Tafel unter Wasser steht, ist der Weg nicht fahrbar." Oder in der Nähe einer elek- ckrischen Anlage: „Das Berühren der Drähte bedeutet sofortigen Tod. Zuwiderhandelnde werden lbestraft."
In Amerika, dem klassischen Lande des Auto- jsports, finden sich an gefährlichen Stellen besonders »ft humoristische Warnungen für Schnellfahrer: .„Vollgas nur, wenn Sie Ihr Testament gemacht thab?n!" — „Haben Sie ein ständiges Konto bei Ahrem Arzt?" — „Krematorium zweite Straße links!" Eine freundliche Aufforderung mahnt: „.Fahren Sie langsam, fo sehen Sie unser Dorf. »Es ist sehr hübsch. Fahren Sie schnell, so sehen Sie unser Gefängnis. Es ist sehr feucht."
Eine außerordentlich beherzigenswerte Mahnung «endlich ist auf einem großen Stein in der Märki- ffchen Schweiz verewigt:
„Betrachtet diesen wüsten Ort!
Hier warf ein Mensch ein Streichholz fort Und ward durch dessen Funken Fahrlässig zum Halunken!" C. K.
Jeder Schüler zur Attstoffmitnahme verpflichtet.
Auf Grund vielfacher Anfragen teilt der Reichs- »ommissar des Reichsministers für Wissenschaft Erziehung und Volksbildung mit, daß jeder Schuler mnd jede Schülerin verpflichtet, die in elterlichen imb in benachbarten Haushaltungen anfallenden Altstoffe, insbesondere Altpapier, Lumpen und Kno- «chen in die Schulvorsammelstelle mitzunehmen.__
Aus der Geschichte der Ludwigs-Universität Gießen.
Prälat i. 3t D. Dr. Dr. Diehl über „Juristisches und medizinisches Studium vor 300 Jahren".
Ein Vortragsabend des Historischen Vereins für Hessen galt dem Prälaten i. R. D. Dr. Dr. Diehl, den man als Redner über „Das juristische und medizinische Spezialstudium an den Universitäten Gießen und Marburg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts" gewonnen hatte. In einführenden Worten gedachte der Schriftführer des Vereins, Professor D. Dr. E. E. B e ck e r, der Verdienste des Jubilars um den Verein durch Wort und Schrift sowie seiner bereits über 50jährigen Mitgliedschaft.
Der Vortragende hob, gestützt auf das soeben von ihm rekonstruierte und veröffentlichte Suchbuch zur Matrikel der Universität Gießen 1605—1624 und der zugehörigen Ortsregister die im lutherischen Europa des 17. Jahrhunderts an Bedeutung und Wirkungskraft nur. von wenigen Hochschulen übertroffene Stellung Gie - Bens hervor. Aus Westfalen, Braunschweig, Niedersachsen, Mark und Ravensberg, aus Holstein, Dänemark, Schweden und den Ostseeländem wie den lutherischen Reichsstädten kamen die Jünger der Wissenschaft herzugeströmt. Neben der 1560 durch Landgraf Philipp neu organisierten Stipendiatenanstalt, die eine Anzahl von befähigten Studenten Unterhalt, Wohnung und Bücher wie jede Erleichterung des Studiums verschaffte — älteren Stuben- ten waren je acht bis neun junge Leute zur Erziehung anvertraut, jenen aber wurde nach Abschluß des Studiums noch eine fünfjährige weitere Ausbildung bei auskömmlicher Bezahlung gewährt, und schließlich sofort eine Stadtprediger-, Superintendentenstelle oder eine Professur an der philoso- phischen Fakultät eingeräumt — sind zunächst das Stipendium medicum und das Stipendium juridi- cum sowie die Beneficiarii juris zu nennen.
Die Inhaber der beiden Stipendien wurden in gleicher Weise gefördert, um sorglos arbeiten zu können. Die Professoren hatten ihnen Privatkol- leaien zu halten. Während ihrer fünfjährigen Ausbildung wurden sie für zwei Jahre ins Ausland geschickt, um auch anderwärts den Wissenschaftsbetrieb kennenzulernen — ohne Rücksicht auf das Bekenntnis. Abgesehen von den deutschen Universitäten waren Die italienischen sowie Paris für die Juristen besonders bevorzugt, 1564 wurde eine Matrikel der Stipendiaten angelegt, von 1581 an dienen die Stipendiatenrechnungen als Fortsetzung (vgl. Diehls Stipendiatenbücher von Gießen und Marburg). Unter den Stipendiaten sind an berühmten Männern u. a. der Verfasser des Katzenelnbogener Landrechts, Johannes Kleinschmidt, Bernhard Keu- del, Statthalter zu Kassel, und der Hofgerichtsrat Wicelius, sowie Johannes Waldenstein als Juristen, an Medizinern Phil. Dorstenius, Lorenz Hyperius, Johannes Magirus und Heinrich Ellenberger.
Von 1605 bis 1624 war der Juristenmajorat eingegangen, wohl da der Bedarf des Landes an Juristen gedeckt war. Bei einem dreijährigen Normalstudium war die Zahl von 88 immatrikulierten Juristen außerordentlich hoch. Wie W. M. Becker bereits früher nachgewiesen hat, beruht die Zahl daraus, daß sehr viele Adelige, auch aus den nordischen Ländern und den Ostseeprovinzen, hier dem Studium oblagen. Für die Zwecke der Verwaltung ihrer Besitzungen wurden besondere, nur ihnen zugängliche Vorlesungen abgehalten. Aus sechs Jahrgängen der Gießener Kirchenbücher konnte der Vortragende kürzlich 85 meist adelige Rechtsstudenten neu feststellen.
Bei dem geringen Bedarf an Medizinern war dieses Studium nur schwach vertreten: 4 bis 6 Studierende. Gerade deshalb wurde hier der Majorat beibehalten, um den Nachwuchs für die Professur und die Stellen der Leibznedici zu erhalten. Als Beispiel führte der Redner Ludwig v. Hörnigh an, der 1600 als Söhn des Turmpfeiferaesellen zu Darmstadt geboren ist. Landgraf Ludwig V. hat ihn aus der Taufe gehoben. Nach.Der Uebersiedlung seiner Eltern nach Frankfurt besckchte er das dortige vorzügliche Gymnasium. Dann studierte er in Gießen, seit 1621 Medizin. Als Stipendiat weilte er 1622—25 in Italien. Später wirkte er bis zu einer unliebsamen Auseinandersetzung mit dem Stadtrat
in Frankfurt, ging schließlich nach Wien, wo er 3um Katholizismus übertrat — mehrere Streitschriften von beiden Seiten befassen sich mit diesem schritt —; endlich wirkt er bis zu seinem Tod (1667) als Professor — übrigens auch der Politik und Jurisprudenz — in Mainz. Schon 1630 besaß er den Abel.
Uebergehenb auf die Beneficiarii juris zeigte der Vortragende , baß ber Ursprung biefer Organisation, vergleichbar einem kleinen juristischen Seminar von heute, also kein Stipendium, mit den Plänen Georgs II. zur Erziehung und Heranbildung eines Erziehers für den Thronfolger, den späteren Ludwig VI., zusammenhängt. Ausführliche Verhandlungen mit dem Kanzler Wolff v. Todenwarth sind überliefert. Johannes Mylius aus Biedenkopf wurde auserwählt. Professor Kornmann sollte sich seiner besonders annehmen. Am Ende eines jeden Vierteljahres hatten die Beneficiarii eine halbtägige Prüfung abzulegen. Genaue Berichte waren über jedes einzelnen Aufführung und wissenschaftliche Fortschritte zu erstatten.
Sechs Jahre hat Mylius in Marburg studiert und bann promoviert, zehn Jahre (1638/48) war er Prinzenerzieher, späterhin Amtmann in Bi"ben- kopf und zuletzt Kammerrat. Die umfänglichen Gutachten über die Prinzenerziehung am hessischen Hof
| zeigen die damalige pädagogische Kunst in Hellem I Licht. Die gründliche Ausbildung ber Beneficiarii, die bie meisten Wissenschaften von der Theologie, Nhethorik, Geschichte, Mathematik, den Sprachen, ber Rechtswissenschaft bis zur Festungsbaukunst umfaßte, kann am beutlichsten erkannt werben an bem Werk eines ber ihren, nämlich von Johann Justus W i n ck e l m ä n n. Als Sohn bes Gießener Theologieprofessors geboren, besuchte er bie ausgezeichnete Butzbacher Lateinschule — es war bie Zeit Landgraf Philipps von Butzbach —; nach Abschluß bes Studiums, das ihn nach Holland geführt hatte, schrieb er 1646 im Alter von 26 Jahren bie an Gelehrsamkeit und Beobachtung so reiche „Beschreibung ber Fürstentümer Hessen und Hersseld", worin sich bie Beherrschung aller Wissensgebiete in gleich großartiger Weise funbtut. Sein von Prälat Diehl neu herausgegebenes „(Einfältiges Bedenken" ist eine ber ausgezeichnetsten Schulschriften ber Zeit.
Die Betrachtung dieser mustergültigen Einrichtungen ber Gießener Universität belehren uns, daß bas bisherige Bild der Universitäten des 17. Jahrhunderts verzeichnet war, sondern daß Gießen nicht nur hinsichtlich ber Zusammensetzung ber Studierenden, sondern auch bezüglich der totubienorgamfa- Hon eine beachtliche Stellung unter den deutschen Hochschulen ber Zeit einnahm. F. Kn.
®ießenimi7.3a6r6uni>erteinebeülf(6etiniDer|ität (Studenten ans allen deutschen Gauen. — Auch Skandinavier studierten hier.
Dor der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung sprach Prälat i. R. D. Dr. Dr. Diehl über die Zusammensetzung der Gießener Studentenschaft in der Zeit von 1607 bis 1624, fo» w i e von 16 4 9 bis 17 0 7.
Die Unterlagen boten die Ortsverzeichnisse von zwei Arbeiten, bie in ber Zeitschrift ber Vereinigung erschienen finb, nämlich bes „Suchbuchs für bie Gießener Universitätsmatrikel von 1649 bis 1707" von Luise Walbhaus (1937; das Ortsverzeichnis dazu ist vor kurzem herausgekommen), sowie bes „Suchbuchs für bie Gießener Universitätsmatrikel von 1605 bis 1624" von Wilhelm Diehl. Der Vortragende wies zuerst nach, in welchem Umfang in vielen gebrückten Matrikeln die Ortsverzeichnisse mangelhaft sind und auf Irrwege führen. Im einzelnen wurde das an der Hand der sonst ausgezeichneten Falkenhainerschen Marburger Matrikel nachgewiesen. Er stellte dann die methodischen Grundsätze dar, nach denen die Ortsverzeichnisse in den beiden oben genannten Suchbüchern ausgear» beitet wurden, um solche Mängel möglichst zu ver- meiden. Dadurch, daß bei der Ausarbeitung bie An- gaben der zehnbändigen „Hassia sacra“ sowie anderer Schriften des Vortragenden eingehend zu Rat gezogen wurden, ist es gelungen, eine ganze Fülle von naheliegenden Irrtümern zu vermeiden und namentlich mit sehr schwierigen Latinisierungen und Uebersetzungen ber Heimatorte fertig zu werden. Erwähnt seien aus der letzten Gruppe die Auflösungen der Worte Eichensis und Quercetanus (= Meiches), Megadryensis und Megaeccensis (= Groß-Eichen), Xylochoricensis (Holzhof bei Gladenbach) und Oxovio-Francus (= Ochsenfurt), bei welch letzterer Latinisierung der betreffende Student das deutsche Wort Ochs beibehalten und das Wort Furt mit Via übersetzt hat. Auch darauf wurde hingewiesen, daß die Beachtung des Dialektes zur Lösung manches Rätsels beitrug.
In dem zweiten Teil des Vortrages wurde dann an Hand eines überaus reichen statistischen Materials, das trotz feiner Sprödheit anschaulich zur Darstellung kam, nachgewiesen, wie sich die Studentenschaft der Gießener Universität in den angegebenen Zeiträumen zusammensetzte. Als wichtigstes Ergebnis wurde festgestellt, daß in beiden Zeiträumen Hessen-Darm st adt nur ein Viertel der Studentenschaft lieferte, daß mithin für das
ganze 17. Jahrhundert die Bezeichnung der Uni- versität als Landesuniversität, wenn man bei dem Wort an eine vorwiegend für Landeskinder bestimmte und von Landeskindern besuchte Universität denkt, den Tatsachen nicht entspricht. Gießen war damals im Unterschied von späteren Zeiten eine deutsche Universität, die außer von Landeskindern von Studierenden weitester Gebiete Deutschlands besucht ward. Unter diesen Gebieten sind in erster Linie neben Hessen-Darmstadt die Reichsstädte und eine Reihe von Territorien, die um Oberhessen herumlagen. (Marburger Land, Solmser Land, Waldeck, Hanau, Thüringen, das Riedeselsche Land, Nassau, Hessen-Kassel und die Niedergrafschaft Katzenelnbogen) zu nennen, die durch das ganze Jahrhundert hindurch je ein Sechstel der Studentenschaft stellten. Während die eben erwähnten drei Gruppen durch die ganze Zeit in ihren Prozentzahlen auf gleicher Höhe blieben, ist bei drei weiteren Gruppen bei Vergleichung der Zeit von 1607 bis 1624 sowie der Zeit von 1649 bis 1707 ein bedeutender Rückgang zu verzeichnen. Die erste dieser Gruppen, die den Nordwesten, den Norden und den Osten Deutschlands umfaßt (Grafschaft Mark, Westfalen, Braunschweig, Hannover, Schleswig-Holstein, Sach, sen und Schlesien), hat in der Zeit von 1607 bis 1624 mehr Studenten geliefert als Hessen-Darm» ftabt, nämlich fast 30 v. H. In der Zeit von 1649 bis 1707 ist diese Gruppe aber nur mit 10 v.H. an der Studentenschaft beteiligt. Die weiteren ©nippen, nämlich Süddeutschland (Franken, Pfalz, Württemberg, Baden, Böhmen, Steiermark, Kärn- ten usw ), und das Ausland (Dänemark, Schwe-
Ohne gesunde Zähn« gibt es keine Gesundheit. Grund genug, um die Zähne täglich zu pflegen!
Chlorodont
iv et jt den Weg zur richtigen 3pflege
gebaut
(Nachdruck verboten.)
10. Fortsetzung.
Ruf 2373
I 1. Feb'u" holt werden
„Er hatte das Telephon entfernen lassen, um vor weitevn Belästigungen sicher zu sein."
„Und warum führten Sie Ihren Entschluß, am Sonntagsrüh zu Ihrer Jagdhütte zu fahren, nicht durch?"'
„Einen Entschluß kann man es nicht nennen. Ich habe in diesem Briefe ja auch nur geschrieben, daß ich wahrscheinlich hinauskäme. Ich hatte wegen eines neuen großen Auftrages Samstag nachmittag noch Besprechungen mit meinem kaufmännischen Direktor und einigen Ingenieuren, die sich bis zum Abend hinzogen. Dann empfing ich den Besuch eines Rohstahloertreters und kam erst gegen ein Uhr in ber Nacht nach Hause. Mein Chauffeur kochte mir noch Kaffee und machte mir in der Küche etwas Essen, well ich hungrig war. Als ich mit Essen fertig wurde, war es kurz vor zwei Uhr. Sie werben begreifen, daß es mir da zu spät schien, noch ins Revier zu fahren, weil ich dort spätestens um drei ober halb vier sein mußte, um rechtzeitig Kühlitz zu bem verabredeten Pirschgang zu treffen. Außerdem war ich sehr müde."
„Ganz recht. Begreife ich. Nun noch eine unangenehme Frage. Können Ihre Angaben von jemandem bestätigt werden?"
„Selbstverständlich, jederzeit. Ich verstehe, worauf Sie hinauswollen, Herr Staatsanwalt, und versichere Ihnen gleich vorweg, daß ich es Ihnen nicht übelnehme, wenn Sie Ihrer Pflicht nachgehen. So- Diel ich von den Aufgaben Ihres Berufes weiß, sind Sie verpflichtet, jede auch nur denkbare Spur sorgfältig nachzuprüfen. Ich schlage Ihnen deshalb vor, um das Verfahren zu erleichtern, daß Sie mit mir in die Fabrik fahren und dort nacheinander alle in Frage kommenden Herren vernehmen. Das ist mir lieber, um nicht die für den Fortgang des Betriebes notwendigen Herren auf einmal hierherzurufen und um die Angelegenheit unauffälliger zu gestalten."
Doktor Fecht überlegte einen Augenblick. „Einverstanden, Herr Koßmann. Ich danke Ihnen für Ihr Entgegenkommen und Ihr Verständnis. Sie begreifen, ich kann mich nicht dem Vorwurf aussetzen, meine Pflicht Ihnen gegenüber nicht ganz getan zu haben, weil ich sie persönlich kenne und schätze." m .
Sie erhoben sich und verließen m Begleitung von Kriminalrat Bruchhausen und dem Protokollführer das Büro, Unten bestiegen sie den Wagen Koh-
manns und fuhren zur Fabrik hinaus. Dort räumte Koßmann dem Staatsanwalt feinen eigenen Schreibtisch ein und rief telephonisch zuerst seinen Direktor hinzu.
„Herr Direktor Wissel, Herr Staatsanwalt Doktor Fecht, Herr Kriminalrat Doktor Bruchhausen. Der Herr Staatsanwalt hat im Zusammenhang mit der Ermordung meines Freundes Kühlitz einige Fragen an Sie, Herr Wissel. Ich bitte Sie um rückhaltlose Beantwortung und Diskretion außerhalb dieses Zimmers.
Direktor Wissel sah seinen Chef einen Augenblick verwundert an und bestätigte dann auf die präzisen Fragen des Staatsanwalts alle Angaben, die Hannes Koßmann über den Verlauf des Samstagnachmittags und abends gemacht hatte. Nach ihm kamen drei Ingenieure an die Reihe, die bis auf den Buchstaben genau bie gleichen Aussagen machten. Zum Schluß wurde der Chauffeur hereinge- rufen. Er berichtete militärisch knapp, wann er mit Herrn Koßmann im Werk abgefahren sei, wann sie an bessen Wohnung in Grunewalb angekommen wären, wann er Herrn Koßmann mit dem zubereiteten Kaffee und einigen Schnitten Wurstbrot allein gelassen hätte, und daß er bann ben Wagen in die Garage gefahren habe, wo er ihn am Morgen genau so vorgefunden hätte wie beim Abstellen in ber Nacht.
Als sie wieder allein waren, setzte Fecht die Vernehmung fort. „Wenn ich also recht verstanden habe, gingen Sie gegen zwei Uhr früh zu Bett?"
„Ja, auf die Minute genau kann ich es nicht sagen, aber ungefähr zwei Uhr ist es gewesen."
„Wann sind Sie aufgeftanben?"
„Kurz vor sieben Uhr. Ich klingelte dem Mädchen und ließ mir ein Bad zubereiten."
„Benutzen Sie mit Ihrer Gattin ein Zimmer?" „Nein, wir schlafen getrennt."
„Für bie Zeit zwischen zwei und sieben Uhr haben Sie also keinen Zeugen?"
Koßmann hob zum erstenmal verwundert die Augenbrauen in die Höhe und betrachtete nachdenklich den Staatsanwalt. Diesem wurde es bei bem eigenartigen Blick unbehaglich.
„Mißverstehen Sie mich nicht, Herr Koßmann. Ich muß einfach bie Frage stellen, auch wenn sie mir selbst absurb vorkommt."
। „Keineswegs, Herr Staatsanwalt. Ich weiß nur
Umwege -es Herzens
Roman von H.S. Hansen
Copyright by Prometheus-Verlag Dr. Ei A ade er - Gröbetixell
„Welchen Kreisen entstammten die Damen seiner Bekanntschaft?" .. .. . ~
„Ich habe mich stets geweigert, mit d'e enDamen gusammenzutreffen. Zwei- ober dreimal ketz es sch ober nicht vermeiden. In diesen Fällen handelte es sich offensichtlich um Mädchen oom Theater. die □ber einen ganz guten Eindruck machten 9„
Und sonst wissen Sie über diese Falle nichts.' „Nein." „Ist Ihnen auch von Drohungen gegen Herrn Kühlitz nie etwas bekannt geworden?
Nein nie
',Nun zu dem Thema Jagd. Sie haben das Revier zusammen mit Herrn Kühlitz vor acht Jahren gepachtet?"
„Ja. Ich hatte vorher ebensowenig wie er ein eigenes Jagdrevier und wollte mcht weiter auf Em- Ladungen angewiesen sein. Es war meine einzig 2rholung."
„Fuhren Sie häufig hinaus?" , ,v
„Das hing von der Jahreszeit ob. Sobalb bte Jagd für Rehe freigegeben war. fuhren nur alter ns Revier. Das gleiche gilt ft>r den Herbst Es sit llwas Rotwildbestand vorhanden neben Hasen uno Fasanen."
„Sind Sie stets zusammen gefahren?"
„Meistens ja, nicht regelmäßig. Mr konnteni un- »egen unserer verschiedenen Arbeitszeiten darüber licht immer einigen." ,
„Ich komme nun zu einem herNen Punkt, Herr Koßmann. Sie finb neben der Wirtschafterm des Srmorbeten ber einzige Mensch, von demwir w ] ien, daß ihm der Zeitpunkt des verhängnisvollen Vagdausfluges am Samstagabend bekannt war. xgn ißapierforb des Toten fanden wir diesen Brief. Er Rammt doch von Ihnen?" Fecht legte Koßmann das Schreibenhim Samstagoormittag
Herrn Kühlitz durch Boten zugestellt."
„Warum durch Boten?"
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