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lassen werden können, die seit Erscheinen des gründ- legenden Erlasses (22.2.1941) das 25. Lebensjahr überschritten haben.

rC/lüiksmann mddtf:

Weitere Fünfhundert M. in Siehen.

Nachdem bereits in den letzten Tagen bei der Straßenlotterie des Kriegs-Winterhilfswerkes ein Gewinn von 50 RM. und 100 NM. gezogen worden waren, fielen am ersten Feiertag in einer Gaststätte der Bahnhofstraße ein Gewinn von 5 0 0 NM. Der glückliche Gewinner ist ein älterer Herr aus Rüd- dingshausen, der hier zu Besuch weilte. Glücksmann Nr. 193, der bereits für langjährige Tätigkeit mit der Silberplakette ausgezeichnet ist, war der Glücks­bringer. Seit dem 15. Dezember, dem Beginn der diesjährigen Lotterie, konnten somit bereits in zehn Tagen über 3500 RM. zur Auszahlung gebracht werden.

Keine Treujahrs-Glückwünsche versenden!

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Pro­paganda teilt mit: Trotz des dringenden Hinweises in Presse und Rundfunk, in diesem Jahre mit Rück­sicht auf die Transportlage und die Notwendigkeit, zunächst die Feldpost für unsere Soldaten zu be­fördern, von der Versendung von Glückwunsch- briefen und - karten aller Art Ab st and zu nehmen, haben doch zu Weihnachten Hundert­tausende die Forderung nicht beachtet und große Mengen derartiger Glückwünsche auf den Weg ge­bracht. Es wird nochmals kategorisch darum ersucht, derartige Glückwünsche zuNeujahrzu un­terlassen, damit die sonst dafür in Anspruch ge­nommenen Kräfte für die Bedürfnisse der Front eingesetzt werden können. Ich fordere nochmals alle Volksgenossen auf, von der Versendung von Neu­jahrsglückwünschen abzusehen und mache im Einver­nehmen mit den zuständigen Stellen darauf auf­merksam, daß Druckereien, die Neujahrsglückwünsche fertigen und verkaufen, Ordnungsstrafen zu gewär­tigen haben.

Sanitätsoffizierslaufbahn des Heeres.

Schüler höherer oder diesen gleichgestellter Lehr­anstalten, die sich zur Zeit in der 7. Klasse befinden, ferner Abiturienten von Dollanstalten und Medi­zinstudenten können, wenn sie aktive Sanitätsoffi­ziere des Heeres werden wollen, sich bis zum 15. März 1942 bei dem für ihren Wohnsitz zustän­digen Wehrkreisarzt zur vorläufigen Annahme als Bewerber für die aktive Sanitätsoffizierslaufbahn des Heeres melden. Die Einstellung erfolgt am 1. Juli 1942. Alle weiteren Einzelheiten sind bei

den WehrkreisSrzten zu erfahren und aus den Merkblättern für die Sanitätsoffizierslaufbahn im Heere, die bei den Wehrkreisärzten, Wehrbezirks­kommandos, Wehrmeldeämtern und Arbeitsämtern erhältlich sind, zu ersehen.*

** Keine F e u e r w e r k s r p e r ! Eine Be- kanntmachung der Polizeidirektion weist das Publi­kum darauf hin, daß das Abbrennen und Abfeuern von Feuerwerkskörpern, pyrotechnischen Artikeln und ähnlichen Erzeugnissen im Freien verboten ist und mit empfindlichen Strafen geahndet wird. Auch der Verkauf solcher Gegenstände ist verboten. Nähe­res siehe Bekanntmachung von 24. d. M.

Landkreis Gießen.

* Mainzlar, 20. Dez. Am Montag, 29., und Dienstag, 30. d. M., abends ab 19.30 Uhr, werden auf dem hiesigen Rathaus die Winter fachen für die Wehrmacht in Empfang genommen. Niemand wird beimWeihnachtsgeschenk des deut­schen Voltes für die Ostfront" zurückstehen wollen.

* Ruppertsburg, 25. Dez. Unser Ob st­und Gartenbauverein hielt kürzlich seine erste Winterversammlung ab. Sie erfreute sich eines sehr starken Besuchs. In seiner Begrüßung gedachte der Leiter der an der Front stehenden Mitglieder. Sodann behandelte er das Thema:Was können wir tun, um die Lücke, die durch den großen Frost­schaden in unserer Obstversorguna entstanden ist, nach Kräften zu schließen?" Die Antwort ist eine dreifache: Der Beerenobstbau muß stärker betrieben werden. Die noch vorhandenen Obstbäume sind durch richtige Pflege und Düngung zu regelmäßigeren Erträgen zu bringen. Laßt euch durch keine Ent­täuschung oder andere Gründe, wie bevorstehende Feldberelnigung usw., von Neupflanzungen abhal­ten und pflanzt richtig! Eine Aussprache schloß sich an. Den Schluß bildete eine Freiverlosung von 20 schönen Obstbäumchen.

Strafkammer Gießen.

In nichtöffentlicher Sitzung wurde gegen Wilhelm G a tz in Butzbach verhandelt. Er ist beschuldigt, in den Jahren 1939, 1940 und 1941 mit männlichen Personen unter 21 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen und auch versucht zu haben, unzüch­tige, Handlungen vorzunehmen. Der Angeklagte wurde des versuchten Verbrechens der Unzucht in Tateinheit mit einem Vergehen der Unzucht in drei Fällen, sowie eines versuchten Verbrechens der Unzucht für schuldig erkannt und als gefähr­licher Gewohnheitsverbrecher zu einer Gesamt- zuchthaus strafe von drei Jahren vek- urteilt. Im übrigen wird der Angeklagte freige­sprochen. Auf die Strafe werden drei Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. Die Siche­rungsverwahrung wurde angeordnet. Die ein­schlägigen Vorstrafen wirkten straferschwerend.

in:

ißt Ihr noch, Kameraden?

Wollsachen und pelze gegen den östlichen Winter!

Hört einmal her, die ihr mit mir in der Winter­schlacht in Masuren die erste eisige Bekanntschaft mit dem russischen Winter machtet! Hört her, ihr Kameraden, die ihr diese unerfreuliche Bekanntschaft im Winter 1915/16 in den vorn eisigen Wind er­starrten Hängen der Karpaten erneuertet! Und ihr anderen, 'die ihr mit mir in derWinterfrische" am Narotsch-See gewesen seid. Wann das war? Nie­mand fragt es, jeder weiß es: als überall in Europa die Erde im Frost erstarrte, in den ersten Monaten des Jahres 1917. Um den Narotsck-See Hätte sich der Kältepol Europas verlagert so glaubten wir. Durch unsere Pelzmäntel pfiff der eisige Sturm, die hoppelt und dreifach überzogenen Kopfschützer er­wiesen sich als sommerliche Mückenschleier, durch die der Wind pfiff. Wißt ihr noch, wie wir, wenn wir nach 20minütigem Postenstehen abgelöst wurden, uns gegenseitig aus den brettsteifgewordenen Hüllen schälen mußten: Pelz und Mantel (vielleicht noch ein zweiter Mantel), Fausthandschuhe aus Leder

ÄDOX Fofofilni

und aus Pelz, darunter Fäustlinge aus bester Wolle und als Abschluß noch ein paar warme wollene Handschuhe, Kopfschützer einfach oder doppelt (oft aber dreifach, dazu zwei wollene Halstücher. Nicht zu vergessen die Pelz- oder Filzstiefel (die wir uns fast ausnahmslos von den Russen geholt hatten) und die doppelte Lage bester Wollstrümpfe.

Aber Kameraden, wir wollen auch an etwas anderen denken: damals war Vater Hindenburg, unter dessen Oberbefehl wir ja kämpften, gar nicht in der Lage, uns die wollenen Strümpfe und Hand­schuhe, Leibbinden und Halstücher, Pulswärmer und Knieschützer, die herrliche wollene Unterwäsche und die vielen Kopfschützer und was an warmen Hüllen über unteren Korpus gezogen wurde, sozusagen aus den Beständen des Heeres zu liefern. Gewiß, es gab allerhand, aber was es gab, war für den Nor­malfall berechnet. Der russische Winter sozusagen als Uebergröße verlangte schon eine individuelle Behandlung. Und hier hat damals doch die H e i m a t dem alten Feldmarschall und feilten Soldaten in geradezu beispielloser Weise geholfen. Da ergoß sich ein wahrer Strom von Wolle und Pelzen an b i e Front in diesen drei harten Wintern habe ich jenen unbekannten Spender im­

mer wieder gesegnet, dem ich die während der Winterschlacht in Masuren empfangene Pelzweste verdankte. .

Der Heimat war es einfach ein unerträglicher Gedanke, daß der deutsche Soldat an der Front frieren sollte. Denkt einmal daran, ihr Kameraden, wie wir, wenn im Herbst die vielen Wollsachen bei den Kompanien eintrudelten, halb gerührt, halb ärgerlich, weil sie uns an eine körperlicheSchwäche" erinnerten, diese Fürsorge mit einem soldatischen Scherzwort begrüßten, und wie wir dann dankbar der Heimat gedachten, wenn Wolle und Pelz unfern Leib vor den unbarmherzigen Stichen des östlichen Frostes schützten.

Wann das war? Vor 25 Jahren! Eine lange Zeit, nicht wahr, sie steht uns als besonderes Er­lebnis nahe! Sie wird jetzt für uns zum unmittel­baren Erlebnis, wenn wir daran denken, daß heute wieder deutsche Soldaten einen östlichen. Winter er­tragen müssen. Uns fällt es gar nicht schwer, das heute für unsere jungen Kameraden zu tun, was

damals die Heimat för uns getan hat: aus im» jerem reichen oder schmalen Bestände heraus^u- suchen, was Soldaten vor der unbarmherzigen öst­lichen Kälte schützen kann: wollene Sachen in allen Formen (und Farben, das schadet nichts), dazu Pelze und Decken und warme Ueberschuhe.

Hört einmal her, Kameraden aus der Masuren­schlacht, aus dem Karpatenwinter und vom Kälte­pol Narotsch-See: Uns braucht niemand zu er­zählen, daß man zu Hause bei geregeltem Leden meist noch in geheizten Räumen auf vieles verzichten kann, was draußen im östlichen Winter unentbehrlich, ja lebensnotwendig ist! Und das, ihr Kameraden, sollen unsere Jungens doch haben! Wir werden mehr tun: denen, die den russischen Winter nicht kennengelernt haben, davon erzählen. Damit sie ebenfalls schleunigst strenge Musterung halten und unseren jungen Kame­raden Gutes tun, wie damals die Heimat uns Gutes getan hat. Kurt Winkler.

SJ.-fport

Aufruf des Reichssportführers zur Wollsammlung.

Berlin, 24. Dez. (DNB.) Unsere Soldaten brauchen zusätzlich warme Winlerkleidung. Der Führer hat die Heimat aufgerufen, der Front zu helfen. Daß der deutsche Sport diesem Ruf folgen wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Ml besonderer Eindringlichkeit aber wende ich mich heute an Euch, meine Skiläuferinnen und Skiläufer. Gerade Ihr besitzt jene Ausrüstungsgegenstände, deren unsere Soldaten so dringlich bedürfen. Die meisten von Euch haben sich die Skiausrüstung zusammensparen müssen. Ls gibt niemanden, der feinen Sport mehr liebt als Ihr. Manchem von Euch mag es daher im Augenblick schwer erscheinen, sich mit der Hergabe der Ausrüstung für eine Weile von seinem Sport trennen zu müssen, aber, Kameraden und Kame­radinnen, was bedeutet das, gemessen an dem Opfer, das unsere Soldaten bringen? 3n ihren Reihen stehen unsere Kameraden. Wer möchte In diesem Winter beim Sport nicht auf seine beste Ausrüstung verzichten in dem Bewußtsein, den deutschen, Sol­daten ihre Aufgabe erleichtert zu haben? Die Front seht ihr Leben ein. Sie verteidigt mit der Waffe in der Hand das, was die Heimat an Glück und Frie­den besitzt. Der Führer hat 'gerufen, der Aufruf wird freudig befolgt. Der deutsche Skisport gibt dafür alles her, was er hat.

Gez.: von Tfchammer und Osten Reichssporlführer.

Tschammerpokalspiele.

Nachdem die Sieger der zweiten Klasse in den beiden ersten Runden um den Tschammerpokal der Sportkreise des Sportgaues Hessen-Nassau ermittelt sind, treten zur dritten Runde die Vereine der ersten Klaffe mit in den Wettbewerb ein. Für die Staffel 9 Gießen-Wetzlar sind für kommenden Sonntag folgende Paarungen festgesetzt worden:

Steindorf Luftwaffe Gießen Wölfersheim VfB.-R. Gießen Sinn Adlerwerke Frankfurt a. M.

Im ersten Spiel um den Tschammerpokal muß die Luftwaffe zu dem Spv. Steindorf bei Wetzlar. Beide Mannschaften standen voriges Jahr schon einmal im Tschammerpokal gegenüber, wobei es Steindorf gelang, die Luftwaffe aus dem Rennen zu werfen. Obwohl Steindorf auf eigenem Platze einen sehr gefährlichen Gegner abgibt, sollte die Luftwaffe, die sich zur Zeit auf eine gut eingespielte Mannschaft stützt, iw der Lage fein, diese Runde zu überstehen.

Der zweite Gießener Vertreter, VfB.-R ist beim Spv. Wölfersheim zu Gast, lieber die Spielstärke von Wölfersheim ist wenig bekannt. Will DsB.-R. weiterhin an den Tschammerpokalspielen teilneh­men, muß ein Sieg erkämpft werden.

Sinn wird nach den gezeigten guten Leistungen gegen 1900 zu beweisen haben, daß sie auch gegen die Adlerwerke Frankfurt bestehen können. Aus

eigenem Platze ist Sinn ein knapper Sieg zuzu- trauen.

VfB.-ReichSbahn in Wölfersheim.

Arn kommenden Sonntag fahren die Reichsbahner zu einem Tschammer-Pokalspiel nach Wölfersheim. Sollten sie es fertig bringen, auf dem dortigen Ge­lände einen Sieg mit nach Hause zu nehmen, so werden wir an einem der nächsten Sonntage einen großen Gegner aus der Gauklasse in Gießen zu sehen bekommen. Wölfersheim war seither ein Geg­ner, welcher nicht zu unterschätzen war. Die Platz­verhältnisse sind für unsere Verhältnisse sehr schwie­rig. Der Platz ist sehr klein und war für manchen größeren Verein ein heißes Pflaster. Auch verfügt der Verein noch über eine gute Mannschaft und wird einen harten Gegner ab geben. Energie und Eifer verhalfen der Mannschaft zu manchem Siege. Trotzdem dürften die Reichsbahner der Papierform nach einen knappen Sieg davontragen können, zu­mal einige Urlauber zur Verfügung stehen. Wir wollen hoffen, daß es den Reichsbahnern gelingt, über die Klippe zu kommen, damit die hiesige Be­völkerung wieder mal einen guten Gegner in Gie­ßen zu sehen bekommt.

Heffen-Tlaffau.

Spitzenreiter vor neuen Punktgewinnen.

In der Gauklasse Hessen-Nassau sind für Sonntag nur zwei Begegnungen angesetzt, beide in der Gruppe 1. Die mit 12:0 Punkten führenden Kickers Offenbach haben den SD. Wetzlar 05 au Gast und werden nicht versäumen, Punkt- und Torkonto weiter zu verbessern. Schon in Wetzlar gab es mit 3:0 einen klaren Kickers-Sieg. Auch die Frankfurter Eintracht, die mit 10:2 Punkten den zweiten Ta­bellenplatz hält, hat mit 1860 Hanau einen Gegner, der normalerweise geschlagen die Heimreise an­treten wird. Der Eintracht-Sieg könnte ähnlich hoch wie im Vorspiel, das 5:0 endete, ausfallen.

Kurze Sportnotizen.

Pokalsieger Dresdner SC. mußte nach langer Pause endlich wieder einmal eine Nieder­lage in einem Fußball-Meisterschaftskampf ein­stecken. Der DSC. wurde auf eigenem Gelände vom Planitzer SE. mit 3:1 (0:0) geschlagen. Der Kämpf um Sachsens Meisterschaft ist damit.wieder völlig offen.

Fortuna DÜss eld o r f schlug Schalke 0 4 in Düsseldorf vor 10 000 Besuchern knapp und glücklich mit 1:0 (0:0). Beide Mannschaften bestritten diesen Freundschaftskampf mit eintgw auf Urlaub weilenden Stammspielern.

Reese-Gesellschaft, Hameln

Explosion inRaumS Roman von H. G. Hansen

Copyright by Prometheus-Verlag Dr.Eldtadter, Gröbenzell b.MOnehen

22. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Willst du dich nicht über ihn erkundigen?"

Dabei werde ich nicht mehr erfahren, als ich schon weiß. Er ist Kriminalkommissar und wird vielleicht eines Tages Kriminalrat."

Ich meine auch nicht, daß er einen üblen Leu­mund hat. Bei seiner Stellung ist das ausgeschlos­sen. Aber so privat könnte man vielleicht etwas er- fahren."

Morgen versuche ich, etwas, rauszukriegen." Da­mit schloß Herr Kobelt das Gespräch und grübelte bis Äum Einschlafen darüber nach, ob er Karlas etwaige Wahl billigen oder verwerfen sollte.

Die letzten Tage waren Kammin und seinem Gehilfen Michel Crusius viel zu schnell vergangen. Sie reichten kaum aus für all die Arbeit, die schnellstens getan werden mußte. Ihre Aufträge für das Patentamt und die Kafpar-Kobeltschen ^Betriebe waren hinausgegangen. Ein Ergebnis lag noch nicht vor, und es war durchaus ungewiß, ob diese An­fragen jemals ein Ergebnis zeitigen würden. Mit verbissenem Eifer und unter Zuhilfenahme des ganzen Rüstzeuges, das ihnen der Apparat der Polizei bot, wühlten sie sich in die Dergangenhett eines Toten ein und förderten ununterbrochen neue Tatsachen zutage, die jedoch ohne Ausnahme be­langlos waren. Da hatte ein junger Mensch aus achtbarer Familie das Gymnasium.besucht, studiert, fleißig gearbeitet, Erfindungen gemacht, privat mehr als zurückgezogen gelebt, geschafft und gewirkt, bis in die Minute seines Todes hinein. Nirgends kam der kleinste Hinweis zum Vorschein, der auf einen rachsüchtigen Bekannten schließen ließ.

Kammin hatte fast die Hoffnung verloren, daß er ohne einen glücklichen Zufall, den er nicht dirigie­ren konnte, etwas finden mürbe. Erst der Abend, an dem er im Gespräch mit Karla die neue Erkennt­nis gewonnen hatte, ließ seine Zuversicht wieder beträchtlich ansteigen. Und am nächsten Morgen kam ihm Michel Crufius mit einem Vorschlag, der einfach toll war. Ilm seinen Mitarbeiter über den Stand der Dinge auf dem laufenden zu hatten, er­klärte er ihm kurz die gegen Aenne Barkow getrof­

fenen Maßnahmen und erreichte damit, daß Michel für eine Stunde lang wortlos über den Eingängen brütete und kein Wort verlauten ließ.

Erst als diese Frist verstrichen war, räusperte sich der junge Beamte und sah fragend zu Kammin hin­über, der sofort verstand, daß Crusius ihm etwas sagen wolle.Na, was ist denn?" '

,^Herr Kommissar, vielleicht wäre es ganz gut, wenn man einen anderen Weg gegen die Barkow einschlagen würde, nicht nur den üblichen der lieber- wachung und der Nachprüfung der Verhältnisse."

Was meinen Sie damit?"

Nun, ich dachte mir, man könnte einen zuver­lässigen und gewandten Mann mit der Aufgabe be­trauen, die Barkow persönlich kennenzulemen, sozu- sagen eine Bekanntschaft mit ihr anzuknüpfen, um etwas zu erfahren."

Ausgeschlossen!" lehnte Kammin sofort ab. Ich kann keinem Beamten den Aufttag erteilen: Fang mit der und der Verdächtigen einen Flirt an und versuch dabei, etwas herauzukriegen. Sie müssen ein bißchen vernünftiger über die Arbeit der Kri- minalpolizei denken, Crusius. Außerdem halte ich ein solches Vorgehen für nicht ganz anständig."

Aber es handelt sich um ein schweres Verbre­chen."

Wenn schon. Die Polizei arbeitet korrekt, not­falls rücksichtslos und streng, aber immer anständig. Solche Sachen machen wir nicht, und mir würde es widerstreben, wenn es erlaubt wäre."

Michel sagte kein Wort mehr dazu, aber den gan­zen Vormittag über ließ ihn der einmal gefaßte Plan nicht mehr in Ruhe. Als er mit Bärbel zusam- menfam, merkte diese ihm sofort an, wie zerstreut und nachdenklich ihr Verlobter war,'und sie drängte daraus, die -Ursachen zu erfahren.

Er antwortete nicht auf die gestellten Fragen, son­dern erkundigte sich nach der Sekretärin Aenne Barkow. Bärbel gab ihm erstaunt, aber bereitwillig Antwort und kramte alles aus, was sie wußte und auf Grund ihrer Eindrücke empfand, und das war nicht wenig. Als sie fertig war, trottete Michel wei­ter wortlos neben ihr her und ließ auch ihr Zeit zum lieberlegen. Sie dachte inteirfh) darüber nach, was Michel von der Barkow wollte, und brauchte nicht viel Zett, bis sie begriff. Bärbel verstand sich selbst nicht mehr. Damals war die Barkow aus Herrn Kaspars Zimmer gekommen, aus dem Zim­mer, in dem sich am 11. Mai abends einhalb sieben Uhr ein als Kaspar verkleideter Frentder aufgehal­ten hatte. Wie konnte sie nur diesem wichtigen

Umstand im Zusammenhang mit den Erwägungen der letzten Zeit so wenig Beachtung schenken?

Wollt ihr sie verhaften?" fragte sie atemlos.

Wen?"

Die Barkow."

Unsinn!" sagte Michel und war fest entschlossen, nichts von dem weiterzugeben, was der Kommissar ihm morgens anvertraut hatte. Immerhin war ein Unterschied zwischen der Zeugin Bärbel Eberhard und ihren wichtigen Bekundungen und seiner Ver­lobten, der er keine Dienstgeheimnisse mitteilen durfte.

Warum Unsinn? Du und vielleicht die Herren bei euch sind schon auf sie aufmerksam geworden. Ich begreife nur nicht, daß ich das bisher ganz übersehen konnte. Sie war doch mit dem Kerl allein im Zimmer und hat mit ihm gesprochen. Also muß sie beteiligt sein."

Wenn du selbst daraus kommst, kann ich ja mal mit dir darüber sprechen", brummte Michel in sich hinein.Du meinst also, sie müßte unbedingt wis­sen, daß der angebliche Kaspar am Abend des 11. Mai nur eine Imitation gewesen ist?"

Aber natürlich. Sie kannte kaum getäuscht wer­den. Sie ist mehr als ein anderer Mensch im gan­zen Betrieb mit Herrn Kaspar zusammen. Zumal eine Frau weiß, welche Eigenarten ein Mann hat, wie er sich setzt, wie er geht, wie er spricht, sich räu­spert, wie er den Federhalter hinlegt und so. Wenn ich in dem Zimmer gewesen wäre, ich meine an die- fern Abend, dann hätte ich sofort an Kleinigkeiten gemerkt, daß etwas nicht stimmt."

Jemand kann auch mal nervös fein und sich an­ders als sonst benehmen."

Kann er, aber gerade, wenn er fahrig ist, über­treibt er höchstens feine gewohnten Gesten, setzt aber nicht neue an ihre Stelle. Und die Stimme, die Stimme muß ihn verraten."

3a", gab er zu.Das hat manches für sich."

Alles, Michel, alles. Du mußt sofort Tirit Herrn Kammin darüber sprechen."

Unnötig", versicherte er.So schlau wie du und ich sind Kriminaldirektvr Ball und Kommissar Kam- min schon längst."

Dann wissen sie bas also?" Bärbel war ganz aufgeregt.Und du fragst, wen ich meine, wenn ich mich erkundige, ob sie verhaftet wird!"

Man kann einen Menschen nur dann verhaften, wenn ganz klare Verdachtsmomente vorliegen, die schon Beweiskraft fyaben/'

41nb bei Herrn Kaspar?"

Mußten wir auf Grund deiner und des Pfört­ners Aussagen sowie auf Grund der Eintragungen im Pförtnerbuch zumindest annehmen, daß er einen Meineid geschworen hat. Die Verhaftung mar also gerechtfertigt. Bei der Barkow liegt der Fall aber anders. Da kann höchstens von einem Verdacht die Rede sein, von mehr nicht."

Und was werdet ihr tun?" bohrte sie weiter.

Das kann ich dir nicht sagen."

Bärbel verstand. Die internen Vorgänge bei der Behörde durfte Michel auch seiner Verlobten nicht verraten. Sie wähtte deshalb einen Umweg.Was würdest du tun, wenn du nach ganz freiem Ermessen handeln dürftest?"

Die Bekanntschaft der Barkow suchen und fte aushorchen."

Pfui!" Bärbel war empört.Du bist verlobt und hast dich mit keinem anderen Mädchen einzu­lassen." Dann verstand sie aber, was hinter seinen Worten steckte und erwärmte sich an dieser V-ee. Sonst ist das aber nicht übel. Nur darfst du das nicht machen, sondern jemand anders."

Ich habe Herrn Kammin den Vorschlag gemacht. Er hat ihn aber rundweg abgelehnt, weil das nicht zulässig und auch nicht ganz anständia sei."

Schade", sagte sie enttäuscht und fand erst fnrj vor der Haustür einen rettenden Gedanken.Was meinst du, ob Kurt das könnte?"

Kurt?" Michel blieb stehen. Der Vorschlag fesselte ihn sofort. Sein Schwager Kurt, Bärbels einziger Bruder, studierte Jura und kam in den nächsten Tagen heim in die Ferien.Geht nicht", meinte er dann resigniert.So schön es mir auch vorkommt. Aber Herr Kammin ist grundsätzlich dagegen."

Soll er." Bärbel läßt sich nun nicht mehr ab­bringen.Kurt ist schließlich kein Kriminalbeamter und kann die Bekanntschaft eines Mädchens ruhig machen. Ich werde mit ihm darüber sprechen."

Das wirst du nicht! Es handelt sich um meine dienstlichen Kenntnisse."

Ach sei doch nicht so steif! Alles, was ich von dem Fall Wand weiß, stammt nicht von dir, son­dern von meinen eigenen Beobachtungen und lieber- legungen. Wer hat denn die Polizei überhaupt auf die richtige Smir qebrndyf - D i* hoch ge­wesen. Herr Kriminaldirektor Ball hat das aus­drücklich anerkannt. Und mir ist es nicht verboten, mit meinem Bruder darüber zu sprechen."

Das nicht", muhte Michel zugeben. (Forts, folgt.)