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Wer mabymnzahnpasta gebraucht, kann und darf lacfien, denn solche Zähne dürfen sich sehen lassen!

JyjcMex

M.306 Zweites Blatt

27./2N. Dezember 1941

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)

an-

und

Kein Einzelversand durch die Zeldpost!

stellen täglich (auch sonntags) von 9 bis 11

15 bis 17 Uhr abgegeben werden, und zwar:

Ortsgruppe Mi t t e: Goetheschule, part.,

Ortsgruppe Nord: Schillerschule, part..

Die Partei ist angetreten, um dem Willen des Führers entsprechend zu Weihnachten 1941 eine große Sammelaktion von Voll- und Winter­sachen für die Front als Weihnachts­geschenk der Heimat für unsere Sol­daten zur Durchführung zu bringen.

Volksgenossen und Volksgenossinnen? Diesmal wird kein Opfer von Euch gefordert? Eure Spende bedeutet lediglich Erfüllung einer selbstverständlichen Pflicht?

was wird gesammelt?

Alle Arten von pelzen, woll- und Pelzdecken, warme Handschuhe aus wolle oder mit petz- futter, Leibbinden, warme Socken, desgleichen Strümpfe, woll- und Petzwesten, Pullover, warmes Unterzeug, warme Schals, Brust- und Lungenschüher, Kopf- und Ohrenschüher, puls- und Kniewärmer, Wollfäustlinge

und alles, was dazu dient, den Kampf gegen die winterkätte erfolgrench zu führen!

Alle Spenden sollen sofort verwendungs- fähig, also sauber und evtl, gewaschen sein?

Die Sammlung erfolgt vom 2 7. Dezember 19 41 b i s zum 4. Januar 19 4 2. Die Gegen­stände werden von Beauftragten der VSDAP. in den Wohnungen gegen Quittung abgeholt, können aber auch in Gießen an folgenden Sammel-

Die deutsche Wochenschau erscheint wieder einmal in neuer Form. Sie beginnt mit Bildern aus der Heimat. Wir sehen das Staatsbegräbnis von Staats­minister K e r r l und Generalfeldmarschall Freiherrn von Böhrn-Errnojli, wohnen der Gründung der Union nationaler Journalisten-Derbände bei und sehen den Leiter der nationalsozialistischen Bewe­gung in den Niederlanden, M u s s e r t, beim Führer.

Der zweite Abschnitt gehört unseren kämpfenden Truppen im kalten Norden der O st f r o n t. Wir sind Zeuge örtlicher Kämpfe von großer Spannung. Eine kleine geschlossene Erzählung in Bildern ent­wickelt sich durch die Aufnahmen beim deutschen Afrika korp s. Wir erleben die Ueberfahrt, die Landung und sind mitten drin in Abwehrkämpfen, die sich auf dem Lande und zur Luft abspielen. Die ruhige Haltung des Generals Rommel gibt uns die Gewißheit, daß unsere Soldaten hier wie an allen Fronten dem Gegner gewachsen sind.

Zugabe von Werkstoffresten aus scheinbar ungeeig­neten Dingen brauchbare und wärmende Kleidung zu schaffen. Sie sollen auch den Sammelleitern und den Volksgenossen mit Rat und Tat zur Verfügung stehen, damit möglichst viel wärmende Kleidung für unsere Fronttruppen hergerichtet wird. Die oom Führer angesetzte Wintersachensammlung ist so wich­tig, daß die Handwerker und Handwerkerinnen der Bekleidungsberufe hierfür gern zwischen Weihnach­ten und dem 4. Januar ihre freie Zeit opfern und andere Aufträge zurückstellen werden.

Auch die öffentliche Hand und die Wirtschaft spenden.

Die Reichswirtschaftskammer fordert die ihr geschlossenen Betriebe auf, die Woll», Peir­und Wintersachensammlung für die Front dadurch zu unterstützen, daß alle von den Betrieben der gewerblichen Wirtschaft irgendwie entbehrlichen Woll- und Pelzsachen den örtlichen Sammelstellen zur Verfügung gestellt werden. Der Präsident des Deutschen Gemeindetages hat die deutschen Gemeinden aufgefordert, auch aus ihren Beständen alle entbehrlichen Decken und Wollklei- dungsstücke der Sammlung zur Verfügung zu

einem Wort, alles steht. Die Sätze, die zu den Film­streifen gesprochen werden, könnten auch einen Wortbericht davstellen, einen recht guten sogar. Was aber wird daraus, wenn der Film das bewegte Bild dazu liefert. Es ist eine Entwicklung, die zur höch­sten Form des Dokumentarfilms führt. H. G.

3n Afrika und auf hoher See

Was die neue Wochenschau bringt.

Woll-, pelz- und Wintersachen für die Fron«!

Der Dank der Heimat sei die Tat!

Ein besonderes Geschenk erhalten wir durch Auf­nahmen auf einem U-Bootam Feind. Der Be­richt bekommt eine persönliche Färbung dadurch, daß der eingesetzte Kriegsberichter seine Ausnahmen selbst mit Worten verbindet. Es gibt eine richtige kleine Kurzgeschichte. Und wenn wir in den Zei­tungen die Wortberichte von unseren PK.-Männern lesen und uns dadurch schon ein gutes Bild von den Verhältnissen draußen machen können, so wird uns I htorhnrrh orft Mnr in einem einzelnen Satz.

Ortsgruppe O ff: Orlswattung der DAF.» Licher Straße und der Geschäftsstelle der RSDAp.» Kaiserallee 6,

Ortsgruppe Süd: Liebigbau, I. Stock, Zimmer 5.

Zeder Spender erhält eine Quittung.

Jeder, der zur Sammlung von Pelz-, Woll - und Wintersachen für die Front spendet, erhält eine Q u i ttung , auf der alle ge­spendeten Gegenstände vermerkt sind. Die Quit­tungsformulare werden, soweit es möglich ist, recht­zeitig in den Haushaltungen verteilt, so daß jeder Spender sie selbst ausfüllen kann. Jeder Spender füllt zwei Formulare aus, von denen das eine in seinem Besitz bleibt, während das andere von der zuständigen NSDAP.-Ortsgruppe einbehalten wird. Auf Grund des einbehaltenen Exemplars erhalten die Spender später Urkunden, auf denen die ge­spendeten Gegenstände ebenfalls vermerkt sind.

Auch Skier und Skistiefel werden gesammelt:

Die Sammlung von Woll-, Pelz- und Winter- sachen für die Front ist auf Skier und Sti­ft i e f e l ausgedehnt worden. Auch Trainings- anzüge kknnen an der Front sehr gut verwendet werden. Skier werden von 1,70 Meter Länge an benötigt, Skiestiefel von der Größe 41 an aufwärts. Den Spendern von Skiestiefeln wird auf Antrag ein Bezugschein für Str en schuhe zur Verfügung gestellt.

Bekleidungshandwerker zur Mitarbeit bei der Wintersachensammlung für unsere Soldaten aufgerufen.

stellen.

Achtung! Hausfrau hör zu!

General Winter fordert von uns, daß wir unsere Vorräte an Wollsachen, die wir unseren Sol­daten zur Verfügung stellen wollen, prüfen, ob sie so taugen, oder ob sie verändert werden müssen. Anleitungen zum Stricken und Nähen von Knie­wärmern, Brustschützern, Leibbinden, Kopfhauben sowie Fausthandschuhen werden in der Bera­tungsstelle des Deutschen Frauen­werkes, LindenMtz 11, abgegeben. Geöffnet Samstag, 27., von 10 bis 12 Uhr, Montag, 29., Dienstag, 30., von 3 bis 5 Uhr, und Mittwoch, 31. Dezember, von 10 bis 12 Uhr. Gfs.

Front zu schicken. Jeder weiß, daß wir mit unseren Transportmitteln außerordentlich haushalten muf­fen. Bei Einzeloersand durch die Feldpost wurde außer der ungeheuren Belastung der Feldpost durch die Verpackung ein Drittel an Frachtraum verloren gehen. ?So aber ist Vorsorge getroffen, daß die ein­gesammelten Sachen nach Sortierung durch die Wehrmacht sofort in Waggons an die Front rollen, wobei besonders darauf hingewiesen wird, daß diese Transporte bevorzugt durchgeführt werden.

Dornoiizeri.

Theater der Universitätsstadt Gießen.

Das Dramaturgische Büro teilt mit: Die 4. Sonn­tagmorgenveranstaltung vereinigt unter dem Titel Dom frohen Leben" eine heitere Folge von Wort, Tanz und Lied. Unter der Leitung von Wilhelm Michael Mund kommen aus dem großen Schatz älteren und neuen deutschen Humors ausaewählte Erzählungen und Gedichte einer frohen Lebensauf­fassung zum Vortrag. Das Wort findet seine Un­termalung durch Lieder, die demselben Lebensge- fühle entsprangen. Die Brücke zwischen Wort und Lied schlagen die Tanzsolisten mit fröhlichen Tänzen. Es wirken mit: Hilde Kneip, Gabriele Possinke, An­nemarie Schwind; Eberhard Kratz, Walter Lendrich, Heins Roux, Josef Sattler, Carl Bruno Schmidt, Carl Maria Zeppenfeld, Brigitte Dietz, Katja Kröck, Edith Stoll und Ballettmeister Andreas Volpert. Am Flügel Kapellmeister Otto Söllner und Elfriede Fischer.

' Gießener Wochenmarktpreise.

Gießen, 27. Dez. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 dis 9, Kartoffeln, 5 kg 42, Wirsing, kg 8 bis 12, Weißkraut 6 bis 8 Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 10, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 6 bis 10, Lauch 17, Sellerie 15, Feldsalat,/io 10, Rettich, das Stück 15 Rpf.

Sonderlehrgänge zur Vorbereitung auf die Reifeprüfung für Kriegsteilnehmer

Männer und Frauen der Bekleidungshandwerke Meister, Gesellen und Lehrlinge, Herren- und Damenschneider, Kürschner, Hut- und Handschuh­macher, Wäscheschneider, Weber, Wirker, Stricker und Putzmacher werden vom Reichsstand des deut­schen Handwerks aufgerufen, mit allen Kräften an der Herrichtung von Winterfachen für un­sere Soldaten mitzuhelfen. Sie vermögen alte -----..... - . . r - .

Kleidungsstücke instandzusetzen oder auch durch die' hierdurch erst klar, was m einem einzelnen Satz,

Der Reichserziehungsminister hat in einem Erlaß bestimmt, daß zu den Sonderlehrgängen für Kriegs- ------------------fv . teilnehmer, die der Vorbereitung auf die Reife- Verschiedentlich wird ungefragt, ob es möglich sei, Prüfung dienen, nunmehr unter bestimmten Vor- Woll- und Pelzsachen mit Feldpost direkt an die I aussetzungen auch solche Kriegsteilnehmer zuge-

Verdunkelungszeit:

27.12. von 17.11 bis 9.31 Uhr.

28.12. von 17.12 bis 9.31 Uhr.

er uns R. G.

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ternbe halbe Minute am Abend, wenn Dient, möchten wir nicht missen.

Fahrzeugbeleuchtung bei Verdunkelung.

Vor langen Zeiten hat ein alter Krieger das derbe Stück Holz mit dem Ausschnitt für den Hacken Servus oder Knecht genannt. Er kam wahrschein­lich von einem fröhlichen Gelage spät abends in fein Zelt. Aber die Kameraden schnarchten schon alle, und der Stiefelauszieher war unter das Lager­stroh ^rutscht. Der leicht Beschwipste fing an zu schimpfen, wohin zum Donnerwetter dieses nichts­nutzige Holzstück sich verkrümelt habe, und dann redete er es persönlich an:Wo steckst du, verdamm­ter Knecht!" Die anderen wachten auf, er aber schrie nach dem Stiefelknecht. Einer der Gestörten warf ihm das Ding vor die Füße. Der immer noch Prahlende trat mit dem rechten Fuß auf den Klo­ben und befreite den Linken vom Leder. So un­gefähr muß der Stiefelknecht zu seinem Namen gekommen sein.

Mit den Schuhen eines Zivilisten läßt sich der Stiefelknecht nicht gern ein. Aber wo Männer auf beschwerlichen Straßen gehen, da darf er nicht fehlen. Dieser Knecht wird nur nach getanem Tage­werk verlangt, er wird gerufen, wenn die Bequem­lichkeit erlaubt ist. Darum ist er uns trotz seiner groben Gestalt ein angenehmer Begleiter, und auch wenn er nur Fußtritte von uns bekommt, so wollen wir ihn doch nicht damit beleidigen. Die erleich-

Der Chef der Ordnungspolizei teilt mit: Vielfach werden besonders auf dem Lande Fuhrwerke and andere kleine .Fahrzeuge angetroffen, die das bei Verdunkelung oorgefd) riebene rote Schlußlicht richt führen. Auch werden immer noch Fahrzeuge ihne ausreichende Beleuchtung auf der Fahrbahn abgestellt. Führer solcher Fahrzeuge setzen nicht nur sich selbst, sondern auch den übrigen Stra­ßenverkehr größten Gefahren aus. Die Polizei wird gegen die Verantwortlichen nunmehr mit den schärf­sten Maßnahmen vorgehen.

Aus der Stadt Gießen.

Oer Stiefelknecht.

Erst in den letzten beiden Jahren habe ich den Stiefelknecht schätzen gelernt. Im Weltkrieg trug ich die Jnfanteriestiefel ober Knobelbecher, die sich ohne Schwierigkeit mit der Hand ausziehen lassen. In die langen Stiefel, die ich jetzt trage, kann ich zwar ohne fremde Hilfe hinein-, aber nicht aus ihnen wieder herausfahren, wenn ich keinen Stiefelknecht zur Hand habe.

Ich weiß nicht, wer dem Stiefelknecht seinen Namen gegeben hat. Das Wort war schon im Alt­hochdeutschen bekannt und soll aus dem Italienischen oder Lateinischen entlehnt sein. Im Italienischen heißen die Stiefel stivali, aber der Stiefelknecht il cavastivali, der Stiefelbrecher, was auch sehr hübsch ist: man denkt dabei an Zahnbrecher, und wie der Zahn nicht ganz ohne Widerstand und Zerren ge­löst werden kann, so auch der Stiefel vom Fuß.

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Kind und Engel.

Bon Anton Lchnaä.

Deffne uns das Fenster, Kind! Wir sehen seit langem zu, wie du an der Scheibe stehst, die von deiner hingepreßten Stirne und von deiner platt» gedrückten Rase einen trübenden Hauch zurück- t ehalten hat. Schnell, mach auf! Wir haben nicht lange Zeit, wir müssen weiter. Die Glocken, die wir in den Händen hatten, sind ganz aus Silber. Du lannft es glauben. Höre, wie sie klingen, fein, ganz jein! Euere Glocke, die über dem Tor am Hausflur längt, wird nicht jo läuten, sondern wild, alltäglich inb blechern.

Deffne! Wir. sehen, daß ihr im Ofen gebratene ilepfel habt, auch habt ihr Nüsse entfernt unb fuße ! eile Rosinen gewaschen. Habe acht auf die ^cre- icien, der Nascher sind viele. Schon steht die Katze 5 tinterm Ofen auf. Und wir haben Engel unter uns, I lie sind nicht fromm und züchtig, sondern sind derbe f inb vernaschte Bauernbengel. Sie haben wvyi- ' cenährte Kugelköpfe und fleischige Hälse. Sie haben !ahnige Milch getrunken unb große Scheiben Hellen Brotes gegessen, versüßt durch eine Fingerspitze llnisgewürz. Sie stammen aus einem ländlichen mb fruchtbaren Himmelsstrich, wo bie -Lache Honigwasser führen, die Gänseherden aus Marzipan fnb unb bie Gräser Aepfel tragen. Hab also acht tuf die Leckereien, wenn die Bauernengel kommen.

*

Sei aber- nicht verzagt, Kind, wenn deine Ohren überirdische und gespinstfeine Musik Horen. Es sind lie Musikantenengel, und sie musizieren mit Geigen . t auten, Theorben und mit der summenden weichen [ Nola dAmour. Sie haben schon vor Königen ge- I hielt, und die schonen Könige haben huldvoll uno l-rgnügt in die Hände geklatscht. Sie haben auch ii alten Ställen musiziert, vor Eseln und 2)rome- loren, und bie Hirten haben in ihre!8arte gefung , mb die Tiere haben anmutig zur Musik mit topfen genickt. _ t

Sie werden auch dir spielen, Kind. Drum offne. £ber öffne weit, damit auch der Engel tmt großen Posaune unb der Engel mit der h h trommel durch das Fenster fliegen können. Aeng i ige dich aber nicht vor dem Engel mit der, h h trommel, wenn er auch herrisch, kühn und unbeug hm einherklirrt! Er ist ein Krieger aus vielen Himmelsschlachten, und er liebt nur die Wesen,

furchtlos und tapfer sind. Kind, er hat deinen Vater begleitet, als dieser im Flugzeug über den Sturm des Meeres flog. Der Ton der Trommel unb das Dröhnen des Motors haben zusammengeklungen, unb die Feinde auf den Schiffen haben es gehört, unb dieses hohle Geräusch, das wie Donner aus dem Himmelsgewölbe rollte, gefürchtet.

Beeile dich, Kind! Ich will dir einen Kreisel schen­ken der fröhliche Musik macht! Laß ihn tanzen! Ich habe in der Nacht die Tränen deiner Mutter gesehen, weil euer Vater durch den Sturm über den Meeren und durch die Dämmerung der Wolken fliegt Lasse den Kreisel singen, und deine Mutter wird lächeln! Sage ihr, der Engel mit der Trommel und dem stolzen Gesicht würde immer neben eurem fliegenden Vater einherziehen. Das tröstet sie. Das beweist ihr, daß eurer Vater kühn ist und apser und Glück hat. Denn wo der Engel fliegt, fliegt auch ^c>estn"/^ir das Fenster, Kind! Wir Enget sind müde und kommen von weither. Wir sind schon durch tausend und mehr Jahre geflogen. Wir wollen uns auf die Lampe setzen ober auf einen Zweig der Weihnachtstanne und wollen euch erzählen. Wir können euch erzählen, was der Wind gesagt hat, als Kolumbus nach Amerika fuhr. Wir wißen Ge­schichten von den Malern, die uns auf bie Wangen Apfelrot unb bas glißernbe Silber auf bie Flügel aemalt haben. Wir können euch bie Lieder tmeber» holen bie von ben sonnenverbrannten Hirten m ben Wüsten gesungen werben. Wir verstehen bie Sprache ber Vogel. Wir verstehen bie Stummheit

nicht, Kind, und wach' auf - wir er­höhten dir von der Zeit, als wir Kinder waren. Ich bin der Enael mit dem zarten und wilden Ant- Nt, und wohnt- in einem Bauernhaus von Um­brien. Ich liebe nicht das R-genwett-r aber dafür Gärten voll Rofen. den strengen Schatten der Zy- oresien und die gelben Früchte der Feigenbaums Fch friere, Kind, und euer Zimmer ist warm und gut. Drum offne dos Fenster und laß mich em und icki werde bir, wöhrenb bu schläfst unb traumft, einen j^eig mit golbenen Nüssen in ben Arm legen. *

O-ffn- auch dem Engel mit dem Notenblatt in ^r ftnnb fein Gesicht ist runb unb seine Haare sind blond Er siebt die Berge voll Schnee, di- Kiesel-

steine am Donauufer unb eine Schüssel voll bamp» fenber Knobel. Er ist ein bayrischer Engel unb jobelt gut unb singt wie eine Lerche. Er hat auf ber Staffelei des frommen Malers gesessen und bie Farben gerieben, unb jebe Fingerspitze von ihm war anbers gefärbt. Die eine war nachtblau, bie anbere feuerrot, bie britte zitronengelb unb bie vierte olivgrün. Er wirb bir einen Zauberkasten mit böhmischen Gläsern auf ben Tisch stellen. Darin funkeln Gläser, burch welche bie großen Zauberer Merlin unb Bellachini schon gesehen haben, und womit man in ber finsteren Erbe bie Kobolbe unb kleinen Zwerge, am Himmel aber ben Tanzreigen aller Engel sehen kann.

Aber spute bich, uns das Fenster zu offnen: sonst laufen bie Gläser in ber Kälte unb im Schneetreiben an unb ihr großer Zauber ist vertan unb verloren.

Der Elefant im täglichen Leben.

Jeder, ber einen Elefanten im Zoologischen Garten ober auch im Zirkus sieht, wirb sich dem starken Eindruck, den dieses zugleich gewaltige und liebenswürdige Tier macht, kaum entziehen kön­nen. Mit Recht, so schreibt, ein indischer Beobach­ter, liebt der Mensch den Elefanten, denn er ist das freundlichste und gutmütigste Tier ber Welt. Manche finden, baß er verschlagen aussieht, aber tatsächlich ist er vollkommen frei von Hinterlist. Man stelle sich vor, wie er von seinem heimatlichen Dschungel weggeraubt wirb: Ein ,Kheddah" ist einfach eine starke Holzumzäunung, in die an die hundert Elefanten sich von Männern mit Stocken und kläffenden »einen Hunden hineintteiben lassen. Wenn bie Herbe sich entschlösse, ben Zaun nieder­zutrampeln, konnte nichts sie daran hindern. Statt- Hessen scheint sie verwirrt. Viele ber weiblichen Tiere stehen da mit ihrem Rüssel im Maul, wie Kinder, bie am Daumen lutschen, und lassen sich mit nur sehr geringem Widerstand von ihren zah­men Brüdern in Gefangenschaft abführen. In wenigen Tagen lernen sie, ihremMahout" zu gehorchen, und in ein paar Monaten sind sie voll­kommen dressiert.

Wenn man auf einem Kissen oder demHowdah" auf einem Elefanten sitzt, wird man nicht viel von diesen großen, guten, nachdenklichen Tieren ken­nenlernen. Aber wenn man den Platz desMa­hout" auf dem Nacken einnimmt, dicht hinter den

Ohren, wird man erfahren, wie ber Elefant zu« Horen kann, und wie lebhaft und gelehrig er ist. Wenn man in der Sprache zu ihm spricht, die er versteht, in Indien ein bestimmter, von den Mahouts erfundener Dialekt, so scheint er jedes Wort zu verstehen. So sagt man, wenn er still­stehen soll,Dutt", wenn er weitergehen soll, Chai". Es gibt auch Worte für rechts, links, geh schneller",geh langsamer",paß auf, hier sind Zuckerrohrstoppeln, die deinen Füßen weh. tun konnten".Hathi-le-kuba!" heißthebe den Baum­stamm auf",Aire-la-kinch",hebe den Stein auf und gib ihn mir". Ein guter Mahout spricht un­ausgesetzt mit seinem.Elefanten.

Elefanten haben einen ungeheuren Appetit und sind daher sehr teuer zu halten. Der normale täg- liche Speisezettel für einen Elefanten bei Schwer­arbeit würde aus etwa folgendem bestehen: fünf Zentner Gras ober Grünfutter, zehn Kilo Korn, zwanzig Kilo Häcksel unb ein Kilo Zuckermelasse. Ihr Geschmack ist verschieben, aber Süßmäuler sinb sie alle. Manche nehmen auch Tee ober starke Getränke. Fast alle mögen Kuchen unb Schokolade und Früchte. Sie erinnern sich an Freunde, die sie gefüttert haben, und sogar an Leute, die sie ge­tragen haben, besonders wenn es sich um Be­rühmtheiten handelt. Man hat beobachtet, wie ein berühmter Tierjäger von 50 Elefanten, als er vor ihnen erschien, spontan begrüßt wurde, indem sie ihre Rüssel erhoben und ihr Willkommen trom­peteten, da sie mußten, daß er die kommende Jagd leiten würde und daß er bei solchen Anlässen ge­wöhnlich große Mengen Zucker in feinen Taschen hatte.

Die Dinge, die dem Elefanten am tiefsten ver­haßt sind, sind folgende: Dorfhunde, bie um seine Füße kläffen (je kleiner ber Hund, um so mehr reizt es ihn): Ratten in seinem Stall: Pferbe­fliegen, bie einen großen Bullen rafenb machen können, so daß er durchgeht und heult wie eine verdammte Seele: Männer mit Sporen, die über den empfindlichen Rüssel in den Sattel gehoben sein wollen, statt oom Schwanz her hinaufzuklet­tern: baumlose, schattenlose Plätze, Treibsand und über Brücken getrieben zu werben, bie aussehen, als ob sie ihr Gewicht nicht aushalten würben. Wenn sie an einen Fluß kommen, sind Elefanten am glücklichsten. Sie sind großartige Schwimmer, unb es ist ein prächtiger Anblick, sie mit ihren Ma­houts beim Bab spielen zu sehen. C. K.