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Sowjetrepublik Aserbeidschan, die nur durch harten Zwang unter bolschewistischer Herrschaft ge­halten wird. Dasselbe gilt für Georgien, durch das der mittlere und westliche Teil der Oelleitung geführt ist. Die Tataren und die Georgier haben in blutig unterdrückten Aufständen vergeblich ver­sucht, sich von der Sowjetherrschaft zu befreien. Ebenso wird die benachbarte Sowjetrepublik Ar­menien nur gewaltsam in der Union mit Mos­kau festgehalten.

Auch das Oelgebiet ,von G r o s n y j ist durch eine Leitung mit der Küste des Schwarzen Meeres verbunden. Die Leitung gabelt sich in ihrem west­lichen Drittel in zwei Stränge. Der eine Strang führt nach R o st o w an der Mündung des Don in das Asowische Meer, ein Nebenbecken des Schwarzen Meeres, der andere nach dem früher ganz unbedeutenden, jetzt durch seine Oeltanks wich­tig gewordenen Hafen Tuapse, am Westende des Kaukasus. Datum, Tuapse und Rostow find die drei großen Reservoire, in denen sich das kaukasische Oel für den Weitertransport in Tankdampfern an­sammelt. Ein nicht allzu bedeutender Handelshafen an der kaukasischen Küste ist Noworossiisk, zwischen Datum und Tuapse. Die Ausfuhr von Oel aus der Sowjetunion wurde jahrelang von den Bolschewisten forciert, um Devisen für oen Ankauf von Maschinen für die Militarisierung im Auslande zu bekommen. In letzter Zeit ist der Oelbedarf in­nerhalb der Sowjetunion selbst durch die Motorisie­rung so stark an gestiegen, daß die Exporte sich ver- rinaerten.

Bei Tschiaturi in Georgien liegen die reich­sten Manganlager der Wtzlt. Das Erz enthält 50 v. H. reines Mangan. Die Ausfuhr geht über Datum, sie wurde bis zuletzt von der Sowjetregie­rung mit Eifer betrieben. Ein zweites Mangan­lager liegt in der Südukraine. Das dortige Erz wird aber größtenteils in den Rüstungswerken des ukrainischen Industriegebietes verbraucht.

Ein Plan, durch den die Bedeutung der Schwarz­meerhäfen, namentlich Rostows, noch steigen würde, bezieht sich auf eine Kanalverbindung zwischen Wolga und dem Don. Beide Ströme nähern sich in ihrem Unterlauf an einer Stelle bis auf 75 Kilometer. Das Projekt ist nicht ganz einfach, weil ziemliche Höhenunterschiede zu überwinden sind. Die Wolga ist die natürliche Hauptverkehrsader für den östlichen und zentralen Teil der Sowjetunion; ihre Bedeutung würde noch bedeutend zunehmen, wenn sie durch den Don-Kanal neben ihrer Hauptmündung in das rings geschloffene Kaspische Binnenbecken noch eine zweite ins Schwarze Meer erhielte. Rostow würde damit für den pontischen Raum dieselbe Verkehrsbedeu­tung erhalten, wie Petersburg für den baltischen. In jüngster Zeit lind neue, erst im Beginn der Auf­schließung stehende Oelgebiete zwischen dem Süd­ural und dem Kaspischen Meer sowie im Vorland des Uralgebirges auf der europäischen Seite ent­deckt worden. Der bequemste Abtransport wäre die Wolga mit dem projektierten Kanal zum unteren Don.

Das pontische Getreidegebiet auf der so­genannten Schwarzerde erstreckt sich durch die ganze Ukraine nordostwärts bis über die mittlere Wolga und den Ural hinaus, südostwärts über den Kuban bis an den Fuß des Kaukasus. Das früher ziemlich menschenleere Land am unteren und mittleren Ku­ban ist im Laufe des letzten halben Jahrhunderts größtenteils von ukrainischen Bauern besiedelt und in Kultur genommen worden. Auch das Gebiet der Donschen Kosaken am Asowschen Meer hat ausge­zeichneten Weizenboden. Bei den Kosaken lag zu Beginn der Bolschewistenherrschaft ein Hauptherd öes Widerstandes gegen den roten Zwang, aber die Versuche, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen, blieben vergebens.

Ein eigentümliches Gebilde innerhalb der Schwarzmeerregion ist die nur durch einen schmalen Hals mit dem Festlande zusammenhängende Halb­insel Krim. Das Innere ist Steppe, die aber Ge­treidebau erlaubt. Die deutschen Bauernkolonien, die hier vor dem Weltkrieg blühten, sind von den Bolschewisten ruiniert. Das Südufer der Krim be­gleitet ein Mittelgebirge, das die kalten Nordwinde ckbhält und auf diese Weise auf einem schmalen Küstenstrich ein mildes Mittelmeerklima schafft. Zur kaiserlichen Zeit Rußlands entstand hier eine Reihe von Luxusorten für die reiche russische Gesellschaft. Berühmt durch feine Belagerung im Krimkrieg 1856 ist der an einer fjordähnlichen Bucht angelegte Kriegshafen Sebastopol noch heute neben dem westlicher gelegenen Nikolajew ein Hauptstütz­punkt der Sowjetflotte im Schwarzen Meer.

Operationen an der gesamten Ostfront planmäßig und erfolgreich.

Oer Wehrmachibenchi.

DNS. Aus dem Führerhauptquartier, 26. August. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Operationen verlaufen an der gesamten O st f r o n t planmäßig und erfolgreich.

An der britischen O siküste wurden Am gestrigen Tage militärische Anlagen bombardiert. In der vergangenen Aacht versenkten Kampfflug­zeuge im Sl.-Georg-Kanal aus einem Geleitzug heraus einen Frachter von 6000 BRT.

In Nordafrika griffen deutsche Sturzkampf­flugzeuge am 24. August und in der Nacht zum 25. August den Hafen von T o b r u k an. Durch Voll­treffer schweren Kalibers wurden hafeneinrichtungen zerstört, ein größeres Handelsschiff beschädigt und britische Flakbatterien zum Schweigen gebracht.

Britische Flugzeuge griffen in der letzten Nacht das west- und südwestdeutsche Reichsgebiet an, ohne nennenswerte Wirkung zu erzielen. Flakartillerie schoß sieben der angreifenden Bomber ab.

Ein Wetzlarer erhielt das Ritterkreuz.

Als erfolgreicher Jagdflieger ausgezeichnet.

Berlin, 26. August. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes Hauptmann W i l ck e, Oberleutnant W u e t h e r i ch, Leutnant p o e h s und Leutnant Schramm, Flugzeug- führer in einem Jagdgeschwader.

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Hauptmann Wilcke hat als Kommandeur einer Iagdgruppe 25 Flugzeuge abgeschossen. Am ersten Kampftag gegen die Sowjets schoß er allein 5 Flug­zeuge ab. Sein Verband kann unter seiner Führung auf 350 Abschüsse zurückblicken. Auch in Tiefangriffen

gegen Erdziele aller Art im Osten hat sich Haupt­mann Wilcke bewährt. Oberleutnant Muethe ° r i ch hat 31 Feindflugzeuge abgeschossen. Gegen England wie gegen Serbien und in den Kämpfen im Osten hat er durch schneidig geführte Tiefangriffe wirksam zur Unterstützung der erdgebundenen Waf­fen beigetragen. Leutnant P o e h s hat in mehr als 225 Feinüfliigen, besonders gegen England, 28 Gegner im Luftkampf abgeschossen und in kühnen Tiefangriffen aus Kolonnen und Flugplätze bedeut­same Erfolge erzielt. Leutnant Schramm, am 13. Oktober 1913 in Wetzlar geboren, hat ein hervorragendes jagdfliegerisches Können in zahl­reichen Luftsiegen 24 Gegner schoß er bisher ab bewiesen. Mit unbändigem Draufgängertum hat er erfolgreiche Tiefangriffe im Kampf gegen die Sowjets geflogen und den Vormarsch des Heeres wirksam unterstützt.

Oer italienische Bericht.

Rom, 26. Aug. (DNB.) Der italienische Wehr­machtbericht vom Dienstag meldet u. a.:

In O st a f r i k a haben sich am 24. 8. unsere tapfe­ren Truppen im Kampfgebiet um (Bonbar in einem siegreichen Gefecht mit feindlichen Verbänden, die auf einige tausend Bewaffnete geschätzt wurden, besonders ausgezeichnet. Bei dieser Kampfhandlung wetteiferte ein Schwarzhemdenbataillon mit Kolo­nialabteilungen der drei Waffengattungen, die eine Nachschubkolonne für die Besatzung von Cul- qu a b e r t deckten, beim entschlossenen und unge­stümen Gegenangriff auf den Feind, der beim Ab­schluß des harten Treffens beträchtliche Verluste er­litten hatte und sich in Unordnung zurückzog. Bei feinem Rückzug wurde er von der Kavallerie heftig angegriffen, die vom Artilleriefeuer unterstützt wurde. Zahlreiche Waffen, darunter verschiedene Maschinengewehre und große Mengen Munition wurden erbeutet. Neben den Truppen aus dem Mut­terland zeichneten sich besonders folgende Kolonial­abteilungen aus: Schwadronsgruppe 14, die Ba­taillone 81 und 77, die Batterie 44 und die Gruppe Grenzhandels

Oie angelsächsische Lustbasis in Burma.

Lausanne, 26. August. (Europapreß.) Wie aus Bangkok gemeldet wird, zieht sich eine lange Linie von Flugplätzen als angelsächsische An- griffsbasis entlang der thailändischen Grenze in Burma hin. Dieser moderne Limes setzt sich bis zum Südende der Halbinsel von Ma­lakka fort. Singapur im Süden und L a s h i o im Norden seien starke Endpunkte, während als Zentralfestung -Rangun zu betrachten sei. Diese Linie, allerdings weniger dicht, setze ' sich a u f Tschungking-Gebiet die Burma-Straße ent­lang bis Mnnan fort. Der wichtigste Punkt auf dieser Verlängerung sei das von der Grenze vierzig Meilen entfernte und auf chinesischem Gebiet lie­gende Lwewaing. Hier befinde sich ein großer nordamerikanischer Flugplatz mit nord- amerikanischen Technikern, Piloten, Funkern und Ingenieuren. Dieser Platz sei als Ausgangspunkt der von Washington versprochenen G r o ß b o m - b e r vorgesehen, da die MöAichkeit bestehe, von hier aus Jndochina leichter zu bombardieren und auch die Luftherrschaft über Thailand zu sichern.

Die NegierungSknsis in Australien.

Stockholm, 27. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie Reuter aus Canberra meldet, hat die australische Labourpartei den Vorschlag einer Nationalregie­rung zurückgewiesen und den Rücktritt der Menzies-Regierung, die einer Labour- Regierung Platz machen soll, gefordert. Menzies hatte in einem Schreiben an den Leiter der La­bourpartei diese zum zweitenmal zur Bildung einer Koalitionsregierung aufgefordert, nachdem die La­bourpartei ein gleiches Angebot im Frühjahr nach der Rückkehr Menzies aus London abgelehnt hatte. Die Regierungskrise in Australien ist dadurch ent­standen, daß Menzies darauf bestand, daß er als

Ministerpräsident nach London gehen müsse. Die Labourpartei, die ebenfalls eine Vertretung Australiens in der Londoner Regierung fordert, steht jedoch auf dem Standpunkt, daß der Ministerpräsi­dent in Australien verbleiben müsse, damit die australische Regierung ihre volle Entschluß­freiheit behalte. Das australische Kabinett hat beschlossen, nicht zurückzutreten, um die Macht nicht an die Labourpartei abgeben zu müssen, die durch den Ausschluß mehrerer Mitglieder wegen sowjetfreundlicher Reden zu erkennen gegeben hat, daß sie nicht bereit ist, ein enges Zusammengehen mit den Bolschewisten zu befürworten.

General Cunningham im Mittleren Osten.

Stockholm, 27. Aug. (Europapreß.) Für Ost­afrika ist ein neues Kommando eingerichtet worden, das dem britischen Kriegsministerium untersteht und dessen Befehlshaber Generalleutnant William Platt sein wird, der bisher ein Kommando in Abessinien innehatte. Dem neuen Kommando wer­den alle Gebiete zwischen den Südgrenzen Aegyp­tens und des Sudans sowie der Nordgrenze von Südrhodesien unterstehen. General .Cunning­ham, der die britischen Streitkräfte in Abessinien befehligte, hat ein Kommando im Mittleren Osten erhalten.

Oie Moslem-Liga in Indien nicht mehr im Verteidigungsrat.

Stockholm, 26. August. (Europapreß.) Die Moslem-Liga, hat die drei Bundesministerpräsiden­ten von Pandschab, Bengalen und Assam aufgefor­dert, ihren Sitz im Verteidigungsrat des Vizekönigs niederzulegen. Die mohammedanische Liga hat mit diesem Beschluß überraschend gegen den erst kürzlich vom Vizekönig gebildeten Verteidigungsrat Stellung genommen. Der Vizekönig hatte versucht, durch weitgehende Berufungen in beit Verteidigungs­rat die politischen Gegensätze in Indien mit dem

Reza Schah Pahlavi, der Schöpfer des neuen Iran. (Scherl-M.)

Hinweis auf drohende außenpolitische Gefahren z» mildern.

Neue Mordüberfälle auf Japaner in Schanghai.

Schanghai, 26. Aug. (Europapreß.) Chine, fische Terroristen erschossen in dem von Japan kom- trollierten Distrikt Schanghai den japanischen Air. gestellten Skinkichi Kusakabe und verletzten eine, weiteren Japaner schwer. Die Terroristen sind an? scheinend ermutigt durch die Tatsache, daß es bei Japanern trotz umfangreicher Nachforschungen nidr gelungen ist, die Täter der vor einiger Zeit verübten Mordüberfälle zu ermitteln.

Jahrhundertfeier des Deutschlandliedes

Fallersleben, 26. August. (DNB.) Aus Am. laß der 100-Jahrfeier für das Deutschland-LiÄ sprach Reichsorganisationsleiter Dr. Ley in bw festlich geschmückten Cianetti-Halle der KdF.-StM Er stellte in den Mittelpunkt seiner Rede die Grunde begriffe: Das Großdeutsche Reich, Einigkeit unü Recht und Freiheit, die schon Hoffmann von Fal? [erstehen besang. Die Melodie eines Joseph Haydn, geschaffen in der Gegnerschaft gegen einen Napo Icon, ließ in ihm die Sehnsucht nach dem Reich allen Deutschen anfHingen und in Worte formen. Hoff, mann von Fallersleben schöpfte, wie alle Große» unserer Nation, seine Kraft aus der ewig sich er­neuernden Volksseele. Was sie ersehnten und be­sangen, das ließ Adolf Hitler Wirklichkeit werben' Das Großdeutsche Reich, getragen von der Einig - feit aller Volksgenossen. Dieses Deutschland steh:! heute im Kampf um sein Recht und seine Freiheit sein Recht auf Leben in dieser Welt und seine Frei­heit, dieses Leben und sein Reich so zu formen., wie es der deutschen Seele entspricht. Wir ringen um unsere Freiheit, denn wir verbitten es uns, baß irgendein Volk sich anmaßt, uns unter feine Dog­men zu zwingen. Und wenn diese Freiheit mit Ket­ten an den Himmel geschmiedet wäre, wir würben sie uns holen. Mit seinem Kampf gegen den Bol­schewismus erfüllt Deutschland zugleich eine eure», päische Mission.Und so bin ich überzeugt, daß bas Lied Deutschland, Deutschland über alles' einmal! dyrch ganz Europa klingen wird als das Lied einen neuen, glücklichen Zeit."

Kleine politische Rachrichten.

Dem mexikanischen Geschäftsträger in Berlin ist mitgeteilt worden, daß die deutsche Re­gierung sich.genötigt gesehen hat, das Exequatur: der mexikanischen Konsuln in Deutschland zu­rückzuziehen.

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Artillerie des deutschen Afrikakorps und des ita­lienischen Heeres unterband am 23.8. und 24.8. Be­wegungen britischer Spähtrupps im Vorfeld unu Tobruk. Gleichzeitig wurden Stellungen und Lager­plätze in der Festung von deutschen und italieni» chen Batterien unter Feuer genommen.

Nach einer Meldung desHerald Tridune" hot: die USA.-Regierung alle Angehörigen der Annen und der Marine, die zwecks Sprachstudien in Japan: weilen, zurückgerufen.

Das Kaiserreich Iran.

Land und Leute, Verkehr und Wirtschaft.

Der Einfall der Engländer und der Bolschewisten in Iran rückt dieses alte Kulturland sehr in den Vordergrund des Interesses. Es tritt in die Ge­schichte ein als Erbe der großen babylonischen und assyrischen Reiche in dem Zweistromland (Me­sopotamien) des Tigris und des Euphrat. Unter Kyros erobern die Bergstämme Persiens (Irans) Vorderasien bis nach Syrien und Palästina, auch bis nach Kleinasien. Dann folgen die Kriege mit den Griechen. Alexander der Große wendet das Blatt: mit seinen mazedonischen Legionen erobert er das persische Reich, dessen innere Verwaltung an sich hervorragend ausgebaut war. Seither spielt Persien-Iran feine örtlich begrenzte Rolle bis auf unsere Tage. Und das hat seine Gründe.

Das Land ist schwer zugänglich. Es ist eine Hoch­ebene, die in einzelnen ihrer Teile bis auf 300 Meter über dem Meer sinkt. Aber rings umgeben ist sie von alpinen Randgebirgen, von denen einige Gipfel über 5500 Meter ansteigen. Das Innere des Landes ist in seiner Kultur abhängig vom Wasser. Wo das befruchtende Wasser da ist, ent­wickelt sich eine üppige Vegetation. Das gilt auch von den Küstengebieten am Persischen Golf und am Kaspischen Meer. Feigen und Dattelpalmen ge­deihen, in neuerer Zeit auch Baumwolle. In den letzten Jahren ist der Obstbau sehr gefördert wor­den und in überraschend kurzer Zeit wurde die Ausfuhr von Trockenfrüchten ein hervorragender Aktivposten der Handelsbilanz vom Iran.

Ein großer Teil des Landes, das dreimal so groß ist wie das Deutschland von Ende 1938, besteht frei­lich aus kahlem Gestein oder aus weiten Sand- wüsten, für deren Unfruchtbarkeit bezeichnend ist, daß sich in ihnen nur vier Oasen finden! In diesen Trockengebieten gedeihen kaktus ähnliche Trocken­sträucher, die Tragansträucher, die von Stacheln starrende PSlfter bis zu einem Meter Durchmesser entwickeln. Schon auf den altiranischen Steinreliefs finden sich bizarre, aber sehr eindrucksvolle Jagd­bilder, auf denen der Löwe, der Leopard, der Bar, Wolf ober Hirsch eine große Rolle spielen. Die

Jagd auf diese Tiere wird noch heute geübt. Eine Eigentümlichkeit ist, daß Persien das Land des wil­den Esels ist; auch sehr schöne wilde Schafe und Ziegen kommen noch vor. Schafe und Ziegen sind der Reichtum der zahlreichen nomadisierenden Berg­stämme. Als Tragtiere werden das Maultier und das Kamel benutzt.

Die Ackerbauer und Städter sind arischen Ur­sprungs. Zwei Millionen von den insgesamt über 12 Millionen Einwohnern sind türkisch-tatarischer ober arabischer Herkunft. Unter ihnen finden sich vorzüglich die Nomaden vertreten. Aber nicht aus­schließlich. Die nomadisierenden Kurden, Luren und Bachtiaren gehören zu den Ariern. In einzelnen Landesteilen, wie z. B. in der Provinz Aserbeid­schan mit der Hauptstadt Täbris, wird viel türkisch gesprochen, während umgekehrt zahlreiche Ausdrücke der persischen Sprache in die türkische Schriftsprache übergegangen sind. Am Persischen Golf herrscht das arabische, in Persisch-Kurdistan das kurdische Sprach­element vor. Teilweise stärker als das sprachlich- nationale Element wirkt die religiöse Zugehörigkeit trennend. Die meisten Perser sind Schiiten und un­terscheiden sich dadurch von der Mehrzahl der übri­gen Mohammedaner. Hauptnahrungsmittel ist der Reis, der oft mit Fleisch gekocht wird und dann Pilaw heißt. Er wird von Brotfladen gegessen, die als Teller dienen. Eine Art Joghurt, weißer Käse, Früchte und Honig ergänzen die Ptahlzeit.

Teheran, die heutige Hauptstadt Persiens, hat einen großartigen Hintergrund. Es liegt in der weiten Ebene am Fuß des Elburs, dessen Schnee­gipfel bis zu 5670 m ansteigen. Dieses riesige Rand­gebirge der iranischen Hochebene im Norden Teheran liegt selbst 1155 m hoch ist Glück und Unglück Teherans zugleich. Unglück, weil das Rand- gebirge den Verkehr empfindlich hemmt, Glück des­halb, weil in Teheran zwei der wenigen gut gang­baren Straßen zusammentreffen: einmal die Straße zum Kaspischen Meer, das ein riesiger salziger Bin­nensee ist, und bann die Straße über Täbris zum Schwarzen Meer. Teheran ist mit seinen alten

schönen Toren zugleich eine Stadt, die in dem letzten halben Jahrhundert, vorzüglich aber in den letzten 16 Jahren seit der Machtergreifung durch Reza Schah Pahlevi ein modernes Aussehen gewonnen hat. Wenn der Autofahrer in der gelbbraunen Steppe aus dem Dunst die breiten Kuppeln der Moscheen von Teheran auftauchen sieht, so dauert es nicht mehr lange, und er fährt plötzlich zwischen geschlossenen Häuserreihen unter starkkerzigen elek­trischen Lampen Reklamen der Gartenkinos vor sich und zu beiden Seiten über die breiten dop­peltgleisigen Asphaltstraßen einer Großstadt, die eine klare städtebauliche Gestaltung neben den alten Quartieren zeigt. Die alten Wälle sind längst in Prunkstraßen umgewandelt worden. Bei der Zita­delle liegen noch die Basare und Karawansereien (Herbergen). Im Nordwesten erhebt sich der Pah- levi-Palast des Schahs, die Kaiserlich Persische Bank, das Telegraphenamt und die modernen Ministerial­gebäude. Schon seit fast 100 Jahren hat Teheran eine Polytechnische Schule. Ackerbau-, Medizin- und Rechtsschulen, auch ein Pasteur-Institut haben sich neuerdings hinzugesellt. Ungemein gewonnen hat Teheran durch die gewaltige Ouerbahn vom Per­sischen Meerbusen zum Kaspischen See. Diese trans­iranische Bahn ist eine der Hauptleistungen des re­gierenden Schahs. An ihrem Bau haben Ingenieure aller Nationen, auch deutsche, teilgenommen. Zur Förderung von Handel und Gewerbe wurden eben­falls Ingenieure in das Land berufen.

Es ist eine Groteske, daß die verbündeten Eng­länder und Bolschewisten gerade an dem Kultur­werk dieser technischen Spezialisten Anstoß nehmen und mit einer verblüffenden Dreistigkeit ihnen zur Last legen, daß sie einen landwirtschaftlichen Staat industrialisieren wollten. Selten ist ein solches kul­turwidriges Kriegsziel mit solcher Unverschämtheit proklamiert worden. Die Bolschewisten sind in zwei Kolonnen in Iran eingefallen. Eine von ihnen hat Täbris zum Ziel. Täbris liegt an der uralten Seidenstraße, die die Mittelmeerländer mit China verband. Einige Jahrhunderte nach unserer Zeit­wende wurden erst die Eier des Maulbeerspinners in hohlen Stöcken von Mönchen nach Byzanz, dem jetzigen Istanbul, verbreitet. Damit begann erst die Kultur des Seidenspinners in Europa und Vorder­asien. Bis dahin transportierten lange Kamelkara­wanen den kostbaren Spinnstoff von China über

Sintschian, Afghanistan, Teheran, Täbris nach Tra- pezunt am Schwarzen Meer. Täbris liegt mit 1508 im noch höher als Teheran und ist' die größte Handels­stadt Nordpersiens. In der Zarenzeit hatten sich die- Moskowiter schon Spezialrechte in Aserbeidschan,, der Landschaft um Täbris, zu verschaffen gewußt. Das moderne Täbris ist rasch zu einer Stadt von: einer Viertelmillion Einwohnern aufgestiegen, mit: Tiflis durch eine Eisenbahn, und mit Trapezunt: durch einen regelmäßigen Lastautoverkehr verbun-> den. Weitere bedeutende Städte sind Meschhed (140 000 E.), Schiras (120 000 E.) und Jspahan. (100 000 E.). Der wichtigste Hafen am Kaspischen: Meer dürfte P ü h l e w i oder Pahlawi (17 000 E.s« sein, am Persischen Golf Bu schihr (19 000 E.) und Bendar Abba (10000 E.).

Das Land ist reich an Bodenschätzen. Während die Landwirtschaft durchweg nur im Rahmen künst­licher Bewässerung möglich ist, die Nomadenstäipme sich aber weitgehend der Wanderviehzucht widmen,, sind vor allem Erdöl-, daneben auch Kohle', Kupfer- und Eisenerzvorkommen zu verzeichnen. An Erdölgewinnung folgt der Iran arr vierter Stelle der Weltproduktion hinter den USA., der UdSSR, und Venezuela; die Ausbeute betrug im Jahre 1939 rund 10,3 Millionen Tonnen und hielt sich damit auf der Höhe der Vorjahre. Buschir ist der Hauptexporthaben für dasflüssige Gold". Auch Teppiche, Felle, Wolle und Rohseide werden ausge­führt, schließlich Früchte, Tabak und ätherische Oele (Rosenöl aus Schiras!). Hauptaustauschländer gegen Textilien, Genußmittel und industrielle Fer- tigfabrifate waren neben Deutschland früher Groß' britannien und die UdSSR.

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Ein ungemein anschauliches Bild des modernen Iran gibt das vor kurzem im Verlag Hugo Der« mühler, Berlin-Lichterfelde, erschienene Buch von Walther Hinz: Iranische Reise. Der Verfasser, Professor an der Universität Göttingen, ist einer unserer besten Kenner der Geschichte und Kultur des Nahen Ostens. In feinem Buch hat er auf eine höchst anziehende Weife die Ergebnisse einer Forschungsfahrt durch Iran niedergelegt. Aus­gezeichnete Abbildungen fördern die Kenntnis von Land und Leuten, alten und modernen Bauwerken dieses jetzt' im Mittelpunkt des politischen Iniep esses stehenden Landes,