Nutzen zum Gemeinnützen kommen wollte, sondern nur durch die sozialistische Lebensgestaltung, die vom Gemeinnützen zum eigenen Nutzen des einzelnen Menschen fortschreitet. In diesem Sinne sind die beiden elementar wichtigen Sätze der letzten Führerrede zu verstehen: „Man' kann heute keine Staaten mehr auf kapitalistischer Grundlage aufbauen.. Diese Staaten werden in Finanzkatastrophen sinken, die die Grundlagen ihrer eigenen bisherigen Finanz. Politik vernichten werden."
Es ist sehr bezeichnend, daß die amerikanischen Farmer, denen Wallace die Niederlage Hitlers als Ausweg aus allen Nöten'vorgaukeln will, gefühlsmäßig durchaus anderer Meinung sind. Der Widerstand gegen die verhängnisvolle Politik des Präsidenten Franklin Roosevelt hat seine Hauptstütze im „Mittleren Westen", also den großen landwirtschaftlichen ,Überschußgebieten der USA., während die tollsten Kriegstreiber in den rein kapitalistischen Oststaaten von Maine über Neuyork bis Penn- sylvanien und Ohio sitzen!
Der amerikanische Farmer ist im groben Durchschnitt durchaus nicht mit dem deutschen Bauern zu vergleichen. Das unterscheidende Merkmal ist vor allem, daß der amerikanische Farmer nicht bodenverbunden ist, sondern aus der Landwirtschaft ein Gewerbe oder eine Industrie macht und jeweils dorthin abwandert, wo ihm der höchste Gewinn zu winken scheint. Trotz dieses sehr wesentlichen Unterschiedes zu unseren bäuerlichen Lebensformen
Die AGA.-presse zur Führerrede.
Die Ll-Boot-Offensive keine leere Drohung.
Neuyork, 26. Febr. (DNB.) Die Führerrede findet auch weiterhin in der amerikanischen Presse starken Widerhall. Die Leitartikel der führenden Tageszeitungen kommen übereinstimmend zu dem Schluß, daß die angekündigte U-Boot-Offen- sive keine leere Drohung sei. Die „New Port Post" schreibt, die angekündigte U-Boot-Offensive zur Vorbereitung der Invasion sei tödlich ernst zu nehmen. „New Port Sun" sagt, ganz gleich, ob die englischen Schiffsverlustziffern hoch oder niedrig seien, die Lage für England sei „immer absolut schlecht", weil die Schiffsverluste nur durch Neubauten oder Kauf alter Schiffe ausgeglichen werden könnten. „New Port World-Tele- garn" erklärt, es habe keinen Zweck, die wahre U-Boot-Gefahr zu leugnen. Die britische Flotte sei, so weit sie nicht im Mittelmeer gebunden fei, jämmerlich schwach für den Geleitzugdienst.
Das Englandhilfe-Gesetz.
Senator Wheeler weist auf die britische Propaganda in den USA hin.
Washington, 26. Febr. (Europapreß.) „Der Dies-Ausschuß ist daran gehindert worden, das Ausmaß der britischen Propaganda in den USA. einer öffentlichen Untersuchung zu unterziehen", erklärte am Mittwoch der demokratische Senator Wheeler im Verlauf der Debatte über das England-Hilf-Gesetz. Wheeler, dessen Ausführungen darauf abgestellt waren, jegliche Kriegspropaganda in den Vereinigten Staaten zu brandmarken, erklärte dann wörtlich: „Wenn wir Leute als umstürzlerisch bezeichnen, die Propaganda für Deutschland machen, dann müssen wir die Leitartikler, Rundfunksprecher und anderen Personen, die offen für einen Eintritt der Vereinig-
Japan geht seinen Weg.
Fürst Konoye bekennt sich erneut zur Politik des Dreimächtepaktes.
200000 Versammlungen seit Kriegsbeginn.
Wie die NSDAP, das deutsche Volk im Kriege aufklärt.
Tokio, 26. Febr. (DNB.) Fürst K o°n o y e erklärte im Unterhaus, daß die Regierung keinerlei pessimistische Gesichtspunkte hinsichtlich der zukünftigen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten habe. Die Regierung verfolge ihren Weg, den sie für richtig halte Hinsichtlich der neuen nationalen Struktur sagte Konoye, sämtliche Agitationen, die den Prinzipien der japanischen nationalen Struktur und somit dem Geist zuwiderlaufen, der sur Gründung des japanischen Imperiums führte, würden unterdrückt und ausgeschaltet wer-
ahnt doch auch der amerikanische Farmer instinktiv, was der Führer am 24. Februar mit den Worten aussprach: „Wir, die Armen, haben die Erwerbslosen weggebracht, weil wir diesem Wahnsinn (der Goldstandard-Menschen) nicht mehr huldigten, weil wir unser ganzes wirtsckaftliches Leben nur als Erzeugungsproblem ansehen und nicht mehr als ein kapitalistisches. Allerdings, wir haben hinter unsere Wirtschaft auch die geordnete Kraft der Nation gestellt, die Disziplin des ganzen Volkes. Wir haben der Nation klar gemacht, daß es ein W chnsinn ist, im Inneren wirtschaftliche Kriege zwischen einzelnen Ständen auszufechten und dabei gemeinsam zu Grunde zu gehen."
Jetzt sehen wir klar: die großen Worte aus USA. sind nichts anderes als Angst. Die Amerikaner fürchten sich, bei sich selbst anfangen zu müssen. Sie sind im Grund ein traditionsloses Volk. Ihre Ge- sch. te umfaßt 158 Jahre seit der Beendigung des Unabhängigkeitskrieges im Jahre 1783, ihre wirtlich selbständige Geschichte datiert aber erst seit dem Bürgerkrieg, der Auseinandersetzung zwischen Nord- und Südstaaten, im Jahr 1865. Diese verhältnismäßig kurze Zeit hat ganz im Zeichen des reinen Kapitalismus gestanden. Das ging genau so lange, als immer neuer Boden zur Verfügung stand. Jetzt ist der tote Goldschatz in der Riesenhöye von mehr als 50 Milliarden an die Stelle des neuen Bodens getreten, der fehlt. Und darum die Angsthüpferei in das schrankenlose Weltmonopol! Dr. Ho.
ten Staaten in den Krieg auf Seiten Englands eintreten, von jedem Redner-Pult und jedem Podium im Lande in entsprechender Weise verurteilen." Während sich der demokratische Senator Murry und der Republikaner Bardo u r für das Gesetz aussprachen, griff der republikanische Senator Shipstead, das /Gesetz an. Shipstead begründete seine Ablehnung damit, daß Amerika die Rechnung mit Geld, den Hilfsquellen der USA. und dem Blut der amerikanischen Jungen bezahlen werde. Eine überraschende Schwenkung zur Opposition unternahm der bisher als Anhänger einer Intervention geltende republikanische Senator A i k e n (Vermont). Er übte scharfe Kritik an der Englandhilfe-Vorlage und warnte vor den Folgen des Gesetzes, das den Frieden der USA. gefährde.
Die Taktik der Regierung im Schlußkampf um das Englandhilfe-Gesetz soll dahingehend, den geschlossenen Interventionsblock zu einer Kraftprobe einzusetzen, um Zusatzanträge, die der Regierung unerwünscht sind, zu vereiteln. Dieser Vorsatz soll bei den Besprechungen Roosevelts mit den Führern der Interventionisten am Dienstag gefaßt worden sein. Die Kraftprobe soll insbesondere bei der in den nächsten Tagen bevorstehenden Abstimmung über den sogenannten Ellender-Zusatzantrag gemacht werden. In diesem Antrag wird der Grundsatz ausgesprochen, daß keine Bestimmung der Vorlage dahin ausgelegt werden kann, daß Präsident Roosevelt ermächtigt sei, die Wehrmacht der USA. außerhalb der wettlichen Halbkugel oder der nordamerikanischen Uebersee-Be- sitzungen einzusetzen. Der Ausgang dieser ersten Kraftprobe über die Haltung des Senats gegenüber einer unbeschränkten Hilfe für England dürfte davon abhängen, wieweit die USA.-Regieruna sich zu weiteren Konzessionen bereitfinden wird.
den. Die Nationale Vereinigung sei geschaffen worden ausschließlich um den nationalen Erfordernissen zu dienen. Sie sei daher wichtiger als die Interessen privater politischer Vereiniaungen. — Konoye betonte die Notwendigkeit des Ausbaus des Dreimächtepaktes und sprach über die Kodogesetze, die zu den Grundsätzen Japans gehörten. Zum Schluß erklärte der Ministerpräsident, daß es keiner Wiederholung bedürfe, daß Japans unveränderte Politik die Propagierung oesKodo (kaiserlichen Weges) in der Welt bleibe.
Die NSDAP, hat seit Kriegsbeginn eine besonders intensive Aufklärungsarbeit für das deutsche Volk in Angriff genommen. Der Propagandaeinsatz der Partei gibt vor allem durch die Kriegswinter- propagandoaktionen in großen Derfammlungswellen mit zahlreichen Rednern als lebendigen Mittlern zwischen Staat, Partei und Volk auf die Fragen Antworten, die heute eindringlich und mahnend vor jedem Volksgenossen stehen. Durch die Reichspropagandaleitung der NSDAP, wurden seit Kriegsbeginn mehr als zwei Millionen Broschüren, mehr als sieben Millionen Plakate, über 60 Millionen Zeitschriften, Wandzeitungen und Handzettel sowie über 67 Millionen Flugblätter zur Aufklärung und politischen Willensbildung unseres Volkes eingesetzt. In mehr als 200 000 öffentlichen Versammlung en und Betriebskundgebungen fanden sich viele Millionen deutscher Menschen zusammen, um durch Redner der Partei die Darlegung der Fragen und Notwendigkeiten unserer großen Zeit zu erleben. Etwa 30 000 Lichtbildveranstaltungen in diesem Zeitraum und 45 000 Filmabende im Monat dienten der Aufklärung und Unterhaltung zahlreicher Volksgenossen. Der Reichsautozug „Deutschland" legte bei rd. 50 Großeinsätzen über 360 000 Betriebskilometer zurück, eine Strecke, die dem neunfachen Erdumfang entspricht. Schließlich wurden im Rahmen der Wehrmachtbetreuung mehr als 60 000 Rundfunkapparate der Truppe zur Verfügung gestellt. Etwa 1200 Lichtbildabende vereinten eine Zahl von 130 000 Soldaten, und 30 Millionen Soldaten
Oie Nervosität in Kern ost.
Die Nordamerikaner verlassen Schanghai, die Japäner Singapur.
Schanghai, 26. Februar. (Europapreß.) 206 Nordamerikaner und Engländer, darunter prominente Schanghai-Nordamerikaner, verließen — wie schon angekündigt — mit beih Dampfer „President Coolidge" Schanghai. Unter den Abgereisten befinden sich il a. der Herausgeber der USA.-Abend- zeitung „Schanghai Evening Post", Randall Gould, der Abgeordnete im Schanghaier Stadtrat Nash und Oberst Hornby, der Kommandeur des Freiwilligenkorps in Schanghai. Weitere 500 Nordamerikaner haben sich für die Ausreise Anfang März bei den Schiffahrtsgesellschaften vormerken lassen. In der UdA.-Wochenzeitschrieft „China Weekly Review" wird der Washingtoner Negierung mangelndes Verständnis für den Schutz des Eigentums der Nordamerikaner in China vorgeworfen. Das Blatt wendet sich ferner gegen die britischen Maßnahmen an der thailändisch-malayischen Grenze und in Singapur, durch die die Kriegspsychose in Fernost gesteigert werde.
Die in Singapur ansässigen Japaner haben angesichts der gespannten Lage im Fernen Osten beschlossen, nach Japan ab zureisen. Die erste Gruppe von 40 Familien mit 130 Frauen und Kindern hat Singapur bereits verlassen. Weitere Gruppen werden mit den Schiffen abreifen, die Anfang März auslaufen.
Oie Einstellung englischer Gchiffahrtslinien nach Japan
Tokio, 26. Febr. (Europapreß.) In die Reihe der zahlreichen englischen Schiffahrtslinien, die ihren Dienst nach Japan bereits einstellten, wird jetzt auch noch Englands älteste Schiffahrtslinie nach dem Fernen Osten, die „Blue funnel Line", ein- treten, sie wird ab 1. März die japanischen Häfen nicht mehr anlaufen. In diesem Zusammenhang berichtet „Nichi Nichi", daß vor Beginn des Krieges insgesamt 1230000 Tonnen britischen Schiffsraumes der verschiedensten Linien Japan regelmäßig berührten. Die Zurückziehung der „Blue funnel Line" sehen japanische Schiffahrtskreise als Zeichen des englischen Mangels an Schiffsraum an. Da keine Anzeichen dafür vorliegen, daß Schiffe
wurden als Besucher der Filmveranstaltungen btt Partei für die Wehrmacht gezählt.
Hinter diesen Zahlen steckt eine Unsumme vl„ Fleiß und Arbeit, deren Ausmaß noch dadurch g(, steigert wird, daß feit Kriegsbeginn 50 o^H. uj- mehr Mitarbeiter aus der Propaganda-Arbeit btr Partei ausgeschieden sind und ihre Pflicht als To!- bat erfüllen. Neue Parteigenossen traten an ihre Stelle und haben sich in einem Ausmaß zu währen gehabt, auf das sie mit Recht stolz sein fön- nen. Mit dem Beginn der Kriegswinterpropaganda, aktionen 1940/41 ist zum erstenmal eine neue Fory der Dersammlungsdurchführung, die V e r f a m m. lungsstoßaktion, angewandt werden. $)i(r wird versucht, mit größtmöglichem Einsatz von Re^ nern und Versammlungen, die zeitlich zumeist <mf drei Tage zusammengedrängt sind, in den einzelne! Gauen eine kompakte und scklagürtige Wir. k u n g zu erhalten. In der ersten vis Mitte Dezent ber- 1940 laufenden Welle der Stoßaktionen wur. Den in etwa sechs Wochen rd. 8000 Versammlunge, veranstaltet. Die zweite Welle dieser Art hat on 10. Januar 1941 begonnen und läuft bis zuy 31. März 1941. Das Gesamtthema lautet „194!, das Jahr der Entscheidung", wobei gerade Zweite Welle der Stoßaktionen auf das Sonderg«. biet „Frontsoldaten sprechen zur Hec« mat" abgestellt ist. Die Redner sind für diese Auf. gäbe von ihrer Fronttätigkeit vorübergehend bi. urlaubt worden. Zahlreiche Ritterkreuzträger un) andere berufene Persönlichkeiten werden das ©ort nehmen.
der USA. an die Stelle der englischen Linien in Fernen Osten treten, treffen die Japaner Dorkch rungen, um japanische Schisse einzusetzen.
0er Aufstand in Nordwest- Indien greift um sich.
Schwere Unruhen auch in Kalkutta.
Rom, 26. Febr. (Europapreß.) „Mefiagaew' berichtet aus Kabul, daß Indien sich im Aufstand befinde. Die Aufständischen von Wazirisia» marf<hierten auf Bannu. In ganz Indien hab, die Aufständischen-Bewegung in den letzten lager eine unerwartete Verschärfung erfahren. Heftig» englandfeindliche Kundgebungen hob ten nicht nur in den Städten, sondern auch auf bem offenen Land in Nordwestindien stattgefunden. Auck in Kalkutta sei es zu schweren Nuhestörunger gekommen. Etwa 40 000 Mohammedaner bätter überraschend Betriebsbahnhöfe der Straßenbahn gestürmt und schwere Zerstörungen angt- richtet. Auch die Stromleitungen seien durchschnid ten worden, so daß viele Stünden lang die Stadl ohne Strom gewesen sei. Die Polizei habe da« Feuer auf die Aufständischen eröffnen müssen unft habe auch Hunderte von Verhaftungen vorgenommen. 16 Mohammedaner seien getötet und 220 verwundet worden. Die englische Polizei habe elf Tote und zahlreiche Verwundete gehabt. Eine roei» tere Meldung besagt, daß der englische Kommissoi in Bannu an Gandhi eine öffentliche Aufforderung gerichtet habe, sich bei den Mitgliedern des Kongresses der Nordwest-Provinz einzusetzen, für eine Gegenpropaganda gegen den Fakir von Jpl.. Dieser Entschluß des Kommisiars sei kennzeichnendv für den Ernst der Lage.
0ie neue französische Negierung.
Vichy, 26. Febr. (Europapreß.) Im Amtsblatt! ist das neue französische Kabinett veröffentlicht, da« 15 Mitglieder umfaßt, davon fünf mit dem Ranz eines Ministers, die den Minister rat bilden. Die zehn Staatssekretäre werden an den Sitzungen des Kabinettsrates teilnehmen. Die einzelnen Ministerien sind wie folgt verteilt: Vizepräsident des Ministerrates, Auswärtiges, Marine unht Inneres, Admiral Darlan. Nationale Derteidi" digung General Huntziger, Justiz Barthe-
Peter und die Gippe.
Von Martz Stahl.
Peter ist sehr kinderlieb, diese Eigenschaft hat sich besonders bei ihm entwickelt, seit er das vierzigste Jahr zurückgelegt hat. Er bevorzugt einen väterlichen Ton allen Heranwachsenden gegenüber, den diese durchaus nicht leiden können, und es ist ihm außerdem nicht gegeben, einen Unterschied zwischen den Lebensaltern zu entdecken. Zwischen sechs und sechzehn sind ihm alle gleich, und er spricht zu einem Untersekundaner mit sprießendem Schnurrbart in ganz demselben Kleinkinder-Rotwelsch wie zu einem Dreijährigen
Allen schenkt er großmütig Groschen für die Sparbüchse, was manchen verwundeten Sextanerstolz wieder heilt, jeden fragt er nach Mutti und Pappi und entläßt sie mit den Worten: „Nun, mach es gut, kleiner Mann!"
Neulich kam er zu seinem Nachbarn, dem Schreinermeister Endreß, um eine Säge zu borgen, fand aber die Werkstätte leer bis auf einen Jungen in kurzen Hosen, der im Halbdunkel dort herumhantierte.
„Bist du der Bub vom Schreinermeister Endreß?" fragte er. ,Lawoll!" antwortete der Befragte. „Dann bring mir doch morgen die Säge vom Pappi herüber", bat Peter, „— und hier hast du auch einen Groschen für die Sparbüchse. — Und ... halt einmal, hier ist auch die Milchkanne, die Milch kannst du mir dann auch gleich mitbringen." — „Jawohl!" sagte der Kurzbehoste.
Am andern Moraen klopfte es an der Tür, und als Peter „Herein!" rief, stand da jemand in Uniform und bot eine Säge und eine Milchkanne dar.
„Ja — um Gotteswillen, Herr Leutnant ..." rief Peter erstaunt, „wie kommen denn Sie zu meiner Milchkanne?!"
„Nun, weil ich doch der Bub vom Schreinermeister Endreß bin", sagte der Fliegerleutnant, „und einen schönen Gruß von meinem Pappi und ich danke auch sehr für den Groschen für meine Sparbüchse."
Aber auch solche Erlebnisse können ihn auf die Dauer nicht heilen. Dazu kommt noch, daß er überhaupt Verwandtschaftsgrade nicht behalten kann. Plötzlich auftretenden Verwandten steht er immer hilflos gegenüber, und jetzt, da er heiratet und feine Braut einen ausgewachsenen Anhang von Vettern, Boje» und Tanten besitzt, hat sich die resolute junge
Dame entschlossen, ihm Unterricht in dieser Hinsicht zu erteilen.
„Wie nennt eine Mutter die Tochter ihres Bruders?" fragt sie. Peter denkt scharf nach. „Eine Base!" sagt er. „Quatsch", sagt Peters Verlobte, „das ist Mamas Nichte. Mutter ist ihre Tante und der Bruder meiner Mutter ist doch ein Onkel — begreifst du das?" — „Nein", sagt Peter, ,-du drückst das alles so konfus aus." — „Aber das ist doch nicht konfus", sagt die junge Lehrerin ärgerlich, „ein Mutterbrüder ist immer ein Onkek, genau so wie eine Schwestertochter immer eine Nichte ist." „Nein", jagt Peter kläglich.
Peters Braut rauft sich die Locken. „Du mußt das doch begreifen lernen", sagt sie, „wie soll ich dick denn meiner ganzen Verwandtschaft vorstellen!" Peter mrmelt etwas, was nicht sehr schmeichelhaft für die Verwandtschaft ist. Dann fragt er: „Wie kommt denn eigentlich eine Base zustande?"
„Wenn zwei Geschwister heiraten, jede einen an- ren Mann natürlich, und die haben wieder Kinder, Mädchen in diesem Falle, dann sind das Basen zu- einander." „Nun also", sagt Peter, „ich sagte doch erst Base!" Die gepeinigte Braut seufzte. — „Jawohl, meine Base — nicht Mamas Base, sie ist Mamas Nichte, aber meine Base." — ,^Ia, wenn ihr jeder sie anders nennt", sagt Peter beleidigt, „dann kann ja nichts Gutes herauskommen."
„Ich gebe es auf", sagt die Braut, „wenn ich bedenke, wie ich dir die Begriffe: Schwager, Schwägerin, Großtante upd Onkel, Detter dritten und vierten Grades, sogenannte Schwippschwäger und erst die ganz schwierigen Derwandtschastsverhältnisse zwischen den Verwandten meines Stiefbruders und mir auseinanderzusetzen — da bekomme ich weiße Haare."
„Weißt du was", schlägt Peter vor, „sie sollen mich einfach alle Onkel Peter nennen und ich nenne sie auch Onkel oder Tante, je nachdem."
„Nein", sagt die Braut, „davon kann keine Rede sein. Soll meine Großmama dich etwa Onkel Pet-r nennen, — nein, du mußt lernen. Ich werde versuchen, dir die Grundbegriffe der Sippe ausein- anderzusetzen: Angenommen, ein Ehepaar hat sechs Kinder, die alle heiraten und wieder Kinder haben — in welchem Derwandtschaftsverhältnis stehen diese Kinder zueinander?"
„Als Onkel und Tanten" ruft Peter strahlend.
„Als Basen und Vettern!" schreit die Braut entrüstet. «Hetzt hättest du sie endlich anbringen können, deine Base."
„Ja, wenn du jedesmal mit neuen Schlichen an- fängst!" sagt Peter verdrießlich.
Die Braut sieht ihn ratlos und verzweifelt an.
Ich klopfe Peter auf die Schulter. „Lerne nur fleißig", sage ich, „— und hier, mein Kleiner, hast du einen Groschen für die Sparbüchse, und damit verlasse ich den Schauplatz von Peters verwandtschaftlichen Komplexen.
Schicksal eines Baumes.
Von Kurt H. Kauffmann.
Der Bauer, mein Nachbar, dem die große Wiese zwischen den Landhäusern hier oben auj. unserem Berg über dem See gehört, kam eines Tages mit feinem Sohn unten aus dem Dorf herauf, um einen feiner Obftbäume, deren viele er auf feiner Wiese links von unserem Hause hat, -zu fällen. Es war der größte von allen, ein riesiger Birnbaum.
Hochaufstrebend ragte das mächtige Geäst dieses Baumes gen Himmel, und feine Zweige und Zweiglein breiteten sich nach allen Seiten hin in weitausholendem Kreis schirmend über das Gras, in dessen grüner, saftiger Fülle in der nebligen Frühdämmerung Rehe ästen, die vom nahen Wald, der knapp hundert Meter hinter dem Hause liegt, herüber- wechselten.
Gerade unter diesem alten Birnbaum tummelteft sich die scheuen, anmutigen Tiere, die ich oft schon, wenn ich einmal früher als sonst aufftanb, dadurch ZU Tode erschreckt hatte, daß ich die verdunkelten Fensterladen aufstieb.
Darum allein schon, weil unter dem Schutz und Schirm feines gewaltig entbreiteten Gezweiges die braunen Rehe ihre Zuflucht suchten, war dieser Riefe unter seinesgleichen mir der liebste von allen Bäumen, wenngleich er mir auch — und dieses oft zu meinem größten Verdruß — mit feiner ungeheuren Krone einen guten Teil freie Sicht auf den nahen Säntis und die Alpen überhaupt nahm.
Nun freilich ist die Sicht, die zauberhaft schöne, auf die Gipfel der jenseits des Sees sich auftürmen- den Gebirgsketten frei — und es ist dennoch nichts gewonnen, denn dtzr alte Birnbaum, dieser stumme, vertraute Freund mir zur Seiten, er ist gefällt!
Es kam alles so plötzlich und ging alles fo rasch mit feiner Vernichtung, daß ich fein Ende zunächst gar nicht zu fassen vermochte, obwohl ich ihn, gestürzt und erschlagen, einen ganzen Tag lang dicht vor meinem Fenster liegen sah.
Der Baum war ja schon lange tot, — ja; wirklich,, ich erinnerte mich angesichts des nun gewissen, un" ausweichlicken Todes dieses stolzen Riesen, daß er* im letzten Herbst auch nicht eine einzige Frucht mehl' getragen hatte — und vielleicht schon feit vielen. Jahren nicht mehr. Er war den benachbarten Bäu» men nur hinderlich, er nahm ihnen das Licht, dii Luft. Er war zu nichts mehr nütze. Er mußt« sterben —
Nun starb er! Glied um Glied! Die zwei Manuel fügten zuerst einige der unteren dicken Aefte ab. In feinem mannsbreiten, rissigen, von grau-grünen Moosen umflaumten Stamm leuchteten die großen Schnittstellen wie grausige Wundmale. Ein wirrer Haufen von regellos herabgestürztem Geäst türmte sich in bizarr verschlungener Ornamentik bald im Grase und verwandelte die Stelle, au fber die Rehe früher friedlich ästen, in eine wüste, von zerspelllen Aesten und gesplitterten Zweigen übersäte Trum« merftätte.
Ich sah es nicht, wie man dem alten Birnbaum die Axt an die Wurzel legte und wie man ihn um» schlug, — ich mochte es nicht sehen und hören. Als ich wiederkam, lag er gefällt am Boden — ein gestürzter Riese.
„Wie alt war der Baum?" fragte ich den Bauer. .Hundertdreißig Jahre!" antwortete er stolz.
„Hundertdreißig Jahre?" flüsterte ich in tiefem Erstaunen.
Einhundertdreißig Jahre? Welch eine Zeit! Und welch ein Wandel der Geschichte und der Welt seid her. Als man ihn pslqnzte, den alten, toten Birn« bäum, dessen schlechtes Holz man verfeuern und dessen gutes man dem Möbeltischler verkaufen wird, da war Napoleon noch auf dem Gipfel feiner Macht. Seitdem erlebt der Baum fünf große Kriege, die das Land, aus dem er wuchs, um- und umpflügten — und nun, in feinem Alter und kurz vor feinem Tode noch, gar einen sechsten!
Derweilen aber auch in den friedlicheren Zeiten geschichtlichen Werdens und Vergehens schrieb die begnadete Droste und forschte der magische Mes» mer hier am See, — die Annette und er — beide begraben auf dem benachbarten Meersburger Fried« Hof hoch droben über dem Schwäbischen Meer — mit dem Blick auf den mächtigen Alpstein, den Säntis, der das kleine, zarte Edelfräulein, die eine so große Dichterin war, immer wieder zu unirdi sch schönen Strophen inspirierte, — dieser olympisch thronende Berg, in dessen nahem Schatten auch der alte Birnbaum wuchs und starb.


