Der Stalin-Kanal.
ungesehen werden, so groß, wie es bei Ausbruch des Krieges niemals gesteckt werden konnte. Wenn dieses Ziel durch einen raschen Abschluß von Präliminarien gesichert werden kann, so würde es ein politischer Fehler sein, durch den Versuch, einige Quadratmeilen mehr von Gebietsabtretung oder wenigen Millionen mehr von Kriegskosten von Oesterreich zu gewinnen, das ganze Resultat wieder in Frage au stellen."
Sehr interessant sind die Randbemerkun- gen des Königs zu diesem Jmmediatbericht. Zur sächsischen Frage bemerkt der König: „Daß außer der Erhaltung Sachsens auch noch dessen Jntegritä zugesichert wird, ist mir sehr schwer geworden, weil Sachsen der Hauptanstifter des Krieges ist und nun ungeschmälert aus demselben her- vorgeht." Zu der milden Behandlung Oesterreichs schreibt der König: „Wenn vom Besiegten nicht das zu erlangen ist, was Armee und Land zu erwarten berechtigt sind, d. h. eine starke Kriegskostenentschädigung von Oesterreich, als dem ftauptfeinb oder Landerwerb in einigem, in die Augen springenden Umfange, so muß der Sieger an den Toren Wiens in diesen saurem Apfel beißen und der Nachwelt das Gericht dieserhalb überlassen." Aus diesen Bemerkungen des Königs geht hervor, wie schwer es dem König geworden ist, den Forderungen seines Ministerpräsidenten nachzugeben. Aber er gab nach, und am 24. Juli 1866 war diese wichtige Frage im Sinne Bismarcks entschieden worden.
Nun drohte die Konferenz an einer anderen Klippe zu scheitern, und zwar an der Frage, o b Sachsen zum Nordbund oder zum Südbund gehören sollte. Nach den französischen Präliminarien, die von Oesterreich angenommen waren, mußte Sachsen zum Nordbund treten. Aber König Johann von Sachsen wünschte, daß Sachsen zum Südbund gehören sollte. Oesterreich unterstützte diesen Wunsch des Königs von Sachsen. Im Nordbund war Sachsen gegenüber dem preußischen Einfluß machtlos. Aber im Südbund konnte Sachsen das Werk der deutschen Einigung hindern und im Sinne Oesterreichs wirken. Auch Frankreich hätte deshalb lieber gesehen, wenn Sachsen dem Südbund beitrete. Aber Bismarck blieb in dieser Frage unerbittlich. Sachsen durfte dem preußischen Einfluß nicht entzogen werden und mußte daher zum Nordbund gehören. Bismarck erklärte, lieber die ganze Konferenz scheitern zu lassen, als in dieser Frage nachzugeben. So entstand am 25.Z26. Juli 1866 eine schwere Krisis in Nikolsburg. Kaiser Franz Josef überließ die Entscheidung dem König von Sachsen und ließ ihn bitten, den Entschluß im Laufe des Tages (26. Juli) mitzuteilen. König Johann zögerte mit der Antwort. Mittags 12.30 Uhr bat der österreichische Außenminister Graf Mens- dorff telegraphisch die Verhandlungen um einige Stunden aufzuschieben, da wichtige Beratungen bevorstünden. Zugleich rüstete man sich auf beiden Seiten zur Wiederaufnahme des Kampfes. Alles stand auf des Messers Schneide, um 4 Uhr nachmittags am 26. Juli 1866 fand unter dem Vorsitz des Kaisers Franz Josef die entscheidende Sitzung statt. König Johann von Sachsen fügte sich, erklärte, die Verantwortung für den Weitergang des Krieges nicht auf sich nehmen zu können, stimmte der Unterzeichnung der Präliminarien zu, und um 4.45 Uhr nachmittags konnte Mensdorff telegraphieren, daß die Zustimmung Sachsens erfolgt sei.
Jetzt konnte nach schweren Kämpfen, nach Verhandlungen, die sich oft dramatisch zuspitzten, der Vorfriede von Nikolsburg am 26.Juli 1866 unterzeichnet werden. Damit hatte Bismarck ein großes Ziel erreicht, ein neuer Meilenstein auf dem Wege zur deutschen Einigung war gesetzt. Der Südbund, der leicht hätte gefährlich werden können, wurde überhaupt nicht gegründet, und der Nordbund so gestaltet, daß er die sichere Grundlage bildete, auf der sich das Gebäude des neuen Deutschen Reiches erheben konnte.
Gute Hilfe
bei Kopfschmerzen infolge von Stockschnupfen, Verstopfungen und Stauungen im Nasenrachenraum bringt meist Klosterfrau-Schnupfpulver. Bei mehrfachem Gebrauch pflegt ohne schädliche Nebenwirkungen bald eine angenehme und befreiende Erleichterung einzutreten.. Seit über hundert Jahren bewährt! Aus Heilkräutern hergestellt von der gleichen Firma, die den bekannt guten Klosterfrau- Melissengeist erzeugt.
Bitte machen Sie einen Versuck! Originaldosen zu 50 Pfg. (Inhalt 4 Gramm) in Apotheken und Drogerien.
Eine der vielen Hoffnungen und Illusionen Englands bestand darin, die Sowjetunion werde nach ihrem Eintritt in den Krieg ihre Zerstörer- und Unterseebootflottillen von Kronstadt aus durch den Stalin-Kanal ans Eismeer nach Murmansk schicken, um den Deutschen an den Küsten Nordnorwegens in den Rücken zu fallen. Man rechnete damit, daß Sowjetarmeen über den schmalen, unbefestigten Petsamostreifen in das durch die Deutschen besetzte arktische Gebiet einfallen, sich Narviks bemächtigen und die geschlagenen Deutschen den Briten als leichte Beute in die Arme treiben wurden. Der Plan klang in den britischen Ohren in der Tat wundervoll, nur hatte man dabei in London und in Moskau nicht das geniale Können des deut- chen Oberkommandos in Rechnung gestellt und er- itt deshalb ein furchtbares Fiasko.
Der Stalin-Kanal, auf den man so große Hoffnungen gesetzt hatte, hat seine Feuerprobe nicht bestanden. Es ist wahr, daß er für Schiffe bis etwa über drei Meter Tiefgang gebaut worden ist und für Schiffe bis zu 10 Meter Breite und 100 Meter Länge befahrbar ist, daß also Unterseeboote und Zerstörer über ihn von der Ostsee an das Eismeer befördert werden konnten. Nur hatten die Erbauer des Kanals und die sowjetischen und britischen Strategen bei allen ihren Kombinationen nicht daran gedacht, daß die gesamte Kanalstrecke in den unmittelbaren Radius der angreifenden feindlichen Luftwaffe fällt, und daß somit jeder Verkehr auf ihm gesperrt werden kann. Das ist eine sehr einfache und einleuchtende Antwort auf die verzweifelte Frage der englischen Zeitungen, wo denn die Sowjetunterseeboote und Zerstörer in der Arktis geblieben sind.
Durch eine geographische Laune besitzt die Sowjetunion eisfreie Häfen nur an den Küsten des Eismeeres, dort, wo sie von den Ausläufern des Golfstromes bespült werden. Voraussetzung zur Ausschließung dieser Eismeerzone war zuerst e i n Bahnbau, an dem 1915 bis 1917 deutsche und österreichische Kriegsgefangene mit arbeiteten. Er führt von Petersburg bis zur Südspitze der Kola- bucht über eine Strecke von 1450 Kilometer. Dort wurde die Stadt Murmansk gegründet, die heute mit 120 000 Einwohnern die nördlichste Großstadt der Welt. ist. Ein großer Seeverkehr, die Stellung des arktischen Fischfanges und schließlich reiche Bodenfunde haben dieser Stadt eine außerordentliche Bedeutung gegeben. Der Murmanküste reiht sich im Norden der Kolabucht als stark aus- gebauter Kriegshafen und als Standort der Sow-
PK. Leutnant E..., ein junger Ordonnanzoffizier des Befehlshabers unserer Panzergruppe, war seit Tagen Überfällig. Er war im Beiwagen eines Kraftrads zur X. Panzerdivision geschickt worden, hatte dort auch seinen Auftrag erledigt; dann aber verlor sich seine Spur im Sand der östlichen Straßen. Keiner gestand es dem andern ein, aber jeder war sich selbst in stummer Trauer darüber klar: Es bestand kaum mehr Aussicht, den jungen Leutnant wiederzusehen. Im Zeitraum weniger Tage war nun der zweite Offizier aus der unmittelbaren Umgebung des Befehlshabers ausgefallen ...
Heute war er plötzlich wieder da. Man sah es ihm an: er hatte schwerste Tage hinter sich. Gesicht und Hände waren von Dreck überkrustet, die Uniform blutoerklebt; aus den Augen nur sprach eine stille, tiefe Freude. Unser Willkommensgruß war ein fester Händedruck ohne Worte. Alle anderen Ausdrucksformen unserer Anteilnahme wären uns banal erschienen. Auch der Zurückgekehrte kam nur langsam zum Erzählen; mir warteten geduldig, bis der Bann des Erlebten in ihm gebrochen war und er Worte fand für das, was hinter ihm lag.
Leutnant E... war vom Divisionsgefechtsstand aus in einem Panzerkampfwagen zur Rückfahrt aufgebrochen, da ein Durchkommen auf dem Kraftrad unmöglich erschien. Die Sowjets hatten, wie schon manchesmal, hinter den vorderen Panzereinheiten die Flanken der deutschen Vormarschstraße besetzt. Diese Erscheinung ist bei einem Vorstoß, dessen Ziel im raschen Vorwärt sdringen und in der möglichst weiträumigen Umfassung des Gegners
jet-Eismeerflotte der Kriegshafen von Pol, ar- n o j e, das frühere Alexandrowsk, an. Aber erst der Bau des S t a l i n - K a n a l s , der unter Benutzung des Ladoga- und des Onegasees die Ostsee mit dem Weißen Meer verbindet, zeugt für die große Bedeutung, die die Sowjets diesem arktischen Teil ihres Herrschaftsbereiches beimaßen. Sie verkündeten 1933 bei der Eröffnung des Kanals mit Triumphfanfaren der Welt, daß die Bauzeit nur 21 Monate gedauert habe. Sie verschwiegen dabei aber wohlweislich, daß dieses technische Wunder, wie sie es nannten, durch die grausamste und fürchterlichste Sklavenarbeit erzwungen worden war. Die GPU. trieb ganze Armeen zusammengepreßter und enteigneter Bauern und den Sowjets verdächtiger Arbeiter in die Zwangslager im Norden und verurteilte sie unter den Peitschenhieben entmenschter Aufseher und bei einer unzureichenden Kost zu einer 12- und Mündigen harten und den meisten ungewohnten Arbeit. Ueberall im halb gefrorenen Moor modern längs dem Kanal Zehntausende von Leichen jener Unglücklichen, die den Stalin-Kanal gruben. Die Abergläubigen behaupten, daß man noch heute ihr Stöhnen und Fluchen in den dunklen Nächten hören könne. —
Es ist bisher vielleicht nicht genügend beachtet worden, daß der 1939 in Szene gesetzte Ueberfall der Sowjets auf das kleine Finnland nicht nur der Schaffung einer erweiterten Angriffsstellung an der Ostsee dienen sollte, sondern auch auf das Eismeer zielte. Auch die Helfingfors auferlegte Abtretung von Salla zielte in dieser Richtung. Moskau wollte mit allen Mitteln den Karelischen Korridor ausweiten und sich zum unbeschränkten Herrn in dem arktischen Meer aufwerfen. Die Säulen, auf denen das Sowjetreich sich im hohen Norden stützen wollte, sind unter den deutschen Schlägen zusammengebrochen. Deutsche und finnländische Soldaten haben den Karelischen Korridor besetzt, stehen an den beiden Ufern des Ladogasees und rücken auf Petersburg vor. Petersburg mit feinen Vororten und Fabrikgelanden reicht faft an den Ladogasee heran. Eine Kleinbahn verbindet die einstige Hauptstadt mit Schlüsselburg am Ausfluß der Newa. Im Sommer sind es zahlreiche Dampfer, die den Verkehr vermitteln. Die Festung Kronstadt an der Newa^Mündung liegt unter den Kanonen, die am finMndischen Ufer des schmalen Meerbusens aufge- sahren werden. Das siegreiche Vordringen der deutschen und finnländfichen Truppen längst den Ufern des Ladogasees verriegelt das Fenster, das einst Peter der Große für sein russisches Reich nach Europa öffnete. U. St.
liegt, nicht verwunderlich; sie bleibt auch, so tragisch sie in Einzelfällen werden kann, für die Gesamtoperationen der deutschen Panzertruppen, die eine Säuberung der von ihnen durchschrittenen Gebiete zumeist den nach-rückenden Infanteriedivisionen überlassen, ohne besonders hemmende Wirkung.
Leutnant E... rollt also nach Einbruch der Nacht eine solche Straße entlang, an deren Flanken der Feind lauert. Ueber 20 Kilometer schon geht die Fahrt, ohne daß außer vereinzelten Schüssen sich Bemerkenswertes ereignet hätte. Aus dem Dunkel einer Dorfstraße aber ertönt plötzlich lautes Hupensignal; Zurufe und Schreie mischen sich darunter, dann blendet ein Scheinwerfer auf, der dem deutschen Panzerfahrer jede Sicht nimmt. Es gibt für den Leutnant keine andere Möglichkeit, als mit voller Kraft weiterzSstoßen. Da aber fährt fein Panzer mit einem tauten Krach gegen einen dunklen Koloß, der sich hernach als bolschewistische Zugmaschine erweist. Der deutsche Kampfwagen fit weder, nach vom noch nach rückwärts zu bewegen; es bleibt nichts übrig, als auszusteigen und sich in die Nähe der Sowjets zu begeben. Aber nein — da erwacht der Widerstandswille. Zwanzig, dreißig Sowjetsoldaten umstehen den deufichen Panzerwagen, begleiten gestikulierend und schreiend bte Bewegungen des deutschen Panzerleutnants. Der aber schreitet, mit umgehängter Maschinenpistole, aufrecht und entschlossen in Begleitung seines Panzerfahrers die Dorfittaße enilung und verschwindet, ehe die Sowjets zur Besinnung kommen, im Dunkel der Nacht.
Im nächtlichen Kornfeld wird zunächst Atem
»geholt. Dann geht es, Meter um Meter vorwärts« kriechend, der vermuteten deufichen Linie zu. Eine feindliche Sicherungslinie nach der andern muß überwunden werden, und als die Feldwachen de? Sowjets immer dichter werden, entschließt sich de? deutsche Panzerleutnant abermals dazu, sein Heil im Bluff zu suchen und sowjetische Patrouille zu spielen. Er schreitet aufrecht, die Maschinenpistole auf dem Rücken, an den feindlichen Posten vorbei. Auch ein Bachlauf darf fein Hindernis fein; schnell und lautlos werden ein paar Bretter darüber ge> legt. Schließlich muß noch eine Schutzkette von zehn feindlichen Panzern überwunden werden, die an der Flanke der deufichen Dormarschstraße bereit, tehen. Auch das gelingt, und gegen zwei Uhr mor. gens stoßt Leutnant E... mit seinem Panzerfahrer auf eine deutsche Nachschubkolonne, von der die bei. den auf genommen werden.
Doch auch das sollte noch nicht die Rettung sein! Nach kurzer Fahrt wird die Kolonne von einem Dutzend sowjetischer, mit Soldaten beladener Last, krafttoagen Überholt — eine Tatsache, die nur in diesem eigenartigen Feldzug und wohl auch nur auf den Rollbahnen der weit ins Feindgebiet vor. stoßenden deufichen Panzertruppen vorstellbar ist. Es kommt zu einer wilden Schießerei, in bereit Verlauf der Fahrer des Leutnants durch einen Kopfichuß tödlich getroffen wird. Der Wagen rollt in den Straßengraben.
Was nun kommt, fit wieder ein Martyrium tat Kornfeld, ohne Essen und Trinken, ahne die Mog. lichkeit der Orientierung, bei steter Gefahr, von den Sowjets aufgegriffen zu werden. Nach der bereits sicher scheinenden Rettung fit der erneute Rückt schlag eine seelische Belastung von. kaum tragbarem Ausmaß. Am Tage fit jede Bewegung unmöglich bei Nacht kaum weniger gefahrvoll.
Zu ßeutnant E... hat sich bei dem Ueberfal auf die deutsche Nachschubkolonne noch ein deutscher Oberleutnant gesellt; die beiden Offiziere tragen ihr Schicksal gemeinsam. In der zweiten Nacht rollen Sowjetpanzer in breiter Front an. Wird man die Deufichen nun entdecken oder unbemerkt zev malmen? Der Oberleutnant will fliehen; er fallt dabei. Leutnant E... bleibt regungslos liegen; difeindlichen Panzer rollen an ihm vorbei.
Nach Stunden raschelt es im Gebüsch. Dor der erhobenen Waffe des Leutnants E - - - taucht ein russischer Zivilist auf, der sich in den Besitz der Klei, düng und Ausrüstung des gefallenen deutschen Ober» leutnants gesetzt hat. Der Bolschewist zittert am ganzen Leib und bettelt um sein Leben; Leutnant E... stoßt ihn zur Erde, denn die in der Nähe liegende sowjetische Maschinengewehrbedienung darf keinesfalls auf die kleine Gruppe im Kornfeld auf, merksam werden. „Zeig mir, wo die Deufichen liegen, dann schenk ich dir dein Leben: führst du mich falsch, dann stirbst du!" Mit Hilfe seines Taschen» lexikons bringt Leutnant E... diese Verständigung zustande. Und tatsächlich gelangt er nach einigen Stunden wieder auf die Rollbahn der deufichen Panzer, um nach dreieinhalb Tagen endgülttg wie« der bei seinem Befehlshaber zu fein.
30 Jahre Abrichteanstatt für Polizeihunde.
In diesem Jahre begeht die dem Chef der Old« nungspolizei unterstehende Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für 6a5 Polizeihunde, wesen in Grünheide in der Mark ihr 30« jähriges Bestehen. Die guten Erfahrungen mit dm Hunde im Weltkriege steigerten das Interesse für. den Polizeihund. Die Lehrgänge der Anstalten hat«' ten ständig erhöhte Teilnehmerzahlen. 1926 wurdr ein Hundekrankenhaus errichtet, 1928 ein besonderes Lehrgebäude. Im Kriegsjahr 1939 wurde noch ein Unterkunftsgebäude für Kursusteilnehmer urO ein massiver Winterstall geschaffen. Damit ist die Anstalt zu einer Vollkommenheit gelangt, die in Europa nichts Gleiches aufzuweisen hat. Ein W* reiches Beispiel für den Einsatz von Dolizeihur« den bot der Polenfeldzug. In vielen Fällen hat der Polizeihund bei der Ermittlung von Polenbanden vorzügliche Dienste geleistet. Zahlreiche Ueberfälle auf deutsche Polizeimänner wurden durch die Ar« Wesenheit von Hunden vereitelt.
Lieferant auch Ihrer Krankenkasse
Zweimal hinter den Linien -er Sowjets.
Von Kriegsberichter Herbert Hahn.
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M. Böttcher.
40 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Nissen überlegt eine Weile.
„Du hast doch noch andere Effekten, die du verkaufen könntest. Unsere Villa ist schuldenfrei — da kriegst du eine Hypothek. Vielleicht hilft dir auch die Bank ..
Alles leicht gesagt. Aber fünfhunderttausend Mark! In diesen Zeiten! Wo das Geld wahrhaftig nicht auf der Straße liegt. Wer soll da Geld für Effekten- täufe leihen? Noch dazu für Dominik-Aktien, die in den letzten Monaten von zweihundertundzwanzig auf hundertsiebenundachtzig gefallen find!
Man darf sich keine Hirngespinste vormachen. Immer festen Boden unter den Füßen behalten. Sonst gibt es eine Katastrophe.
Nissen hat einen neuen Vorschlag.
„Die Werft ist doch gerade eben ziemlich flüssig."
Dominik wird heftig.
„Die Werft bin nicht ich ..."
„Gewiß, Vater. Du sollst dir ja das Geld auch nicht aneignen. Nur leihen! Pumpe die Werft an. Du verzinst ihr has Geld wie jeder andere. Du bist ihr sicher wie jeder andere. Und du hast mehr Anrecht, als irgendein anderer. Und du hast soviel für die Werft getan! Da kann sie dir doch auch einmal helfen?—'"
Dominik fängt an zu malen.
Das Löschpapier muß herhalten, um seine zitternden, fliehenden Gedanken zu sammeln und ihm die Ruhe zum Ueberlegen zu schaffen.
„Was meinst du wohl, was dann die Generalversammlung mit mir macht?"
Nissen hat sich auch diese Frage schon in blitzschnellen Gedanken überlegt.
„Die Generalversammlung." Ach du meine Güte! Die meisten werden sich im stillen freuen, daß du deinem Widersacher eines auf die Nase gegeben hast. Ich wette, da rührt sich keiner. Und wenn du noch etwas Besonderes tun willst, bann gibt den Aktionären zehn Prozent Dividende. Dann freuen sie sich wie die Schneekönige und sind zuftieden."
„Du vergißt Lind!"
Nissen denkt daran, daß er im Hause dieses Mannes zwei Verbündete hat, die den Dominiks helfen werden, soviel in ihren Kräften steht.
„Herr Lind?" Er lächelt versonnen. „Auch der wird sich fügen lernen müssen. Wenn er wirklich quängeln wollte — du hast doch dann die Majorität!"
Dominik grübelt. Er kann das nicht so schnell fassen. Es gibt so vieles zu bedenken. Die Jugend hat es besser. Sie ist nicht so beschwert.
Allerdings, wenn er es sich recht überlegt, so scheint nichts gegen den Vorschlag zu sprechen. Er leiht sich das Geld von der Werft, wie er es von einer Bank oder einem Herrn Schulze leihen konnte, er verzinst es angemessen, wie sich das gehört. Da ist alles recht und richtig und korrekt.
Wirklich korrekt?
Er kritzelt auf feinem Löschpapier. Aber diesmal find es nicht Bogen und Striche, keine Maschinenteile, keine stolzen Schiffspläne.
Er schreibt Zahlen. Zahlen. Zahlen. Und starrt harten Blicks auf die Kolonnen.
Leise geht Nissen hinaus.
Knackend schnappt das Schloß in die Tür. Dominik fährt nervös zusammen.
Langsam und mühselig rafft er fick auf und geht wie im Traum an den Wandtresor, schließt ihn auf und entnimmt ihm eine alte, abgegriffene Ledermappe.
Darinnen liegen die Briefe und Bilder von einer, die einst Martha Spreckels hieß. Und die dann später ...
Er machte eine unschlüssige, unsichere Bewegung, als ob er das um die Mappe gelegte Band öffnen wolle — und legt sie wieder an ihren Platz.
„Die Vergangenheit ist tot", wiederholte er leise seinen Satz von vorhin. „Die Toten sollen ihre Ruhe haben."
Das Telephon schrillt.
Er nimmt-den Hörer nicht auf.
„Ich mag jetzt mit keinem Menschen sprechen."
Er geht mm Zimmer hinaus. Ueber den Hof, j vorbei am Mafckinenhaus, an Schmiede und Schlosserei, an den Hellingen *—
Dort kämpfen die Elemente und Urkräfte.
Kohle, Feuer, Eisen, flüssige Glutmassen, Elektri- • zität —
Und dazwischen Menschen, winzig klein im Verhältnis der Ausmaße der Räume, mit blauen Adern, nassen Leibern, schwarzen Gesichtern, verbrannten Augenbrauen und Bärten. Mit muskulösen, nackten Oberkörpern stehen sie da gleich Giganten der Vorzeit und schaffen--
Sklaven der Arbeit — Herren der Elemente.
Pulsende, werkschaffende, harte, unerbittliche Gegenwart.
Schiffe — Schiffe!
Neue Wege in altes Land. Kulturgut für ein Volk in Not.
Schiffe — Wege zu wahrer Freiheit, zur Freiheit der Bewegung, des Geistes, der sich stets erneuernden, ewigen Tat.
.Die Vergangenheit hat ihre Macht verloren.
Er wird seinen rechten Weg finden.
Mit einemmal überstürzen sich die Ereignisse.
Am fünfundzwanzigsten Juli kommt Don Bautista de Castro mit einer Kommission von Ingenieuren und Schiffahrtssachverständigen zur Dominik-Werft. Sie verhandeln, besprechen, besichtigen, telephonieren mit Berlin. Telegraphieren mit Buenos Aires und Rio de Janeiro. Bleiben vier Tage. Fahren fort. Kommen eine Woche später wieder. Besichtigen, besprechen, verhandeln. Legen Zeichnungen, Aufftel- lungen, Vertragsvorschriften vor.
Der ganze Jngenieurstab der Werft samt dem Büropersonal wird zusammengewirbelt.
Friedrich Dominik und Nissen kommen nicht mehr zu den Mahlzeiten, sondern effen mit den Gästen im Werkkasino.
Zuletzt noch ein paar lange Telephonate mit Berlin und ein paar chiffrierte Telegramme nach Rio.
Es ist geschafft!
Wenn man jetzt Birk & Co. hätte! Und vor allem den Birkstahl! Was konnte man da sparen!
Nichts mehr?
Unsinn, daran nur zu denken!
Es wird so schon schwer genug sein, die Mittel für den Schiffbau flüssig zu bekommen. Da darf man nicht noch an Expansionen denken!
Ran an die Arbeit.
Die Konstruktionsbüros schaffen mit Ueherftunben. Die Kalkulationsabteilung fegt eine zweite Schicht ein. Arndt kommt überhaupt kaum noch ins Bett.
Und Dominik und Nissen und Lietzendors erst recht nicht.
Alles sitzt und arbeitet, skizziert, plant, rechnet beschreibt, kalkuliert, disponiert, konttolliert.
Wenn man die Lieferfristen einhalten will, darf keine Stunde versäumt werden.
Da müssen sich alle Kräfte auf das eine Ziel kow zentrieren.
Jetzt darf nichts mehr stören.
Mit einemmal melden sich die Japaner im$. schicken den Auftrag auf den Zwanzigtausendtoniun mit (Sauggasmotorenantrieb.
Drei Jahre hat man deswegen hin und her oer< handelt, hat sich fast die Finger wund geschrieben, hat Entwürfe, Angebote, Berechnungen, Skizzen, Erläuterungen, Spezialausarbeitungen gemacht urb nochmals Entwürfe und nochmals Berechnungen.
Lietzendors hat die Sache bann schließlich M Enbe gebracht und das Schiff für den Einbau v»n Sauggasmotoren durchkonstruiert. Das hat den panern gefallen. Aber sie beschweren sich, daß dir Sauggasanlage zuviel Raum und Gewicht bean-. spruche! Und sie verlangen, daß Raum und Gewich auf andere Weise eingespart werden müsie.
Als ob das so einfach wäre! \
Ja---wenn man den Birkstahl hätte! \
Was vor ein paar Monaten ein Wunsch wKk. ßft mit einem Male dringende Notwendigkeit--n
Lebensnotwendigkeit geworden.
Es geht nicht mehr ohne Birk & Co.
Jetzt braucht man ihre Gruben und Fabrik^ tionseinrichtungen. Jetzt braucht man ihren Stahle
Das muß auch Mattheus Lind einsehen. Und die' Generalversammlung. Und wenn sie es nicht einsehen wollen. Dann---
Ach was! Not termt kein Gebot!
Friedrich Dominik weiß am besten, was er feinen Aktionären schuldig ist.
Als man damals die Akttengefellschaft grün» dete, hat kein Mensch daran gedacht, daß maf ein Herr Mattheus Lind im Aufsichtsrat der Firma fitzen und feine Meinung diktiert fein wurde von den Interessen der Norddeufichen Werst und von dem Haß gegen den Mann, dem er die Frau weg- genommen hat, ohne selber darüber glücklich 311 werden.
(Fortsetzung folgt)


