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§r. 176 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

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München, 26. Juli.

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sich geltend macht, liegt auf der Hand. Man trifft nur noch wenig Verspieltes unter den Kunstwerken, der große und natürliche Ernst, der- unfern Alltag beherrscht, ist auch hier im Haus der Kunst leben­dig.

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llf ,MG.-Schütze", Holzplastik von Bernd Hart- I mann-Wiedenbrück, München.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Ite Berge und die Blumen ganz so, wie das Auge sie cbzutasten imstande ist. Schöne Menschenkörper sechsen unter der formenden Hand des Plastikers i. iitb trugen wieder das edle Maß der Schöpfung.

ft et Glanz des natürlichen Lebens durchweht wie- ler die deutsche Kllnst.

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Oie Große Deutsche Kunstausstellung München 1941.

Lebendiges Zeugnis ungebrochener Schaffenskraft im Kriege.

Lese libett WB oW' [osr- 5trjj 5^ gen :er chlli* in 5«rt*" ,

Der Mensch kann nur werden durch Erziehung" st' ein Wort von Immanuel Kant, das für die hutsche Gegenwart geprägt sein könnte. Wie wäre ei möglich, daß sich ein Volk so gewaltig in die feit dehnt, daß es in einem Höhenflug sonder- oeichen das Gesicht einer neuen Zeit für Völker

I Jib Kulturen in den eigenen Händen formt, wenn Acht seit Jahren in diesem Volk ein Erziehungs- j tert gewachsen wäre, das sinnvoll und verant- H Mtungsbewußt ursächlich zum Leistungsträger ent- [ uictelt worden ist. Alle Lenkung vom Staat her iss. j;ägt erzieherischen Charakter. Das Wort des Königs- l.rger Philosophen gilt indes nirgends mit so vor- j Dinglicher Kraft wie in der Kunst, wo in nur we- rgen Jahren eine kategorische Form der Erziehung je schlimmen Folgen jener Verwilderung des Ge­st,macks beseitigen konnte, die Kunst und Volk so rünblid) trennen konnte, daß das Volk die Sprache i-r Kunst und die Kunst die Seele des Volkes nicht rehr verstand. Wenn heute dieGroße I st. ünchne r", die Repräsentationsausstellung im ktaatsbau der deutschen Kunst, mitten im Lebens- hom des Volkes^ steht, bann nur, weil die Er- -ehung uns wieder zum Betrachten des Einfachen tib Ähönen hingeführt hat. So malte man wieder tn Baum, das Bauernhaus, den schaffenden Men- I ken, das Tier, den Acker und den Wiesengrund,

len wird." _ . _

Jetzt hatte Bismarck für den Beginn der Ver­handlungen in Nikolsburg eine sehr aussichtsvolle, ja geradezu überragende Stellung gewonnen. Oester­reich war besiegt und Napoleon mifcben preußischen Vorschlägen einverstanden. Am 2£ Juli 1866 be­gannen die Verhandlungen in Nikolsburg. Bismarck legte den Verhandlungen nicht seinen eigenen Ent­wurf zugrunde, sondern den Vorschlag Na­poleons. Das war ein feiner psychologischer Schachzug. Oesterreich hatte am 4. Juli 1866 Vene- tien an den Kaiser der Franzosen abgetreten und um dessen Vermittlung gebeten. Also rtrnr Oester- - Mattbias Padua, München. (Scherl-Bilderdienst-M.) lreich in gewisser Beziehung von Frankreich ab- Der 10. Mgi 1040". Gemälde von Paul *

DieGroßeDeutscheKunstausstellung 1941 steht an Gehalt den Darbietungen der ver- langenen Jahre nicht nach. Sie könnte auf allen Lchaffensgebieten einer weiteren Verdichtung der ^esenselernente der deutschen Gegenwartskunst lachgehen. Die Ausstellung umfaßt 13 47 21 r b ei - len von 745 Künstlern. Der Katalog fuhrt h55 Werke der Malerei, 427 Plastiken, 167 Graphiken und 4 Wandteppiche auf. die Fülle der guten Arbeiten war vor Abschluß Iles Einsendungstermins bereits so groß, daß man lomit rechnete, bei weitem nicht alles aushangen \mo. aufstellen zu können. Man wird al o auch| m liefern Jahr zu dem inzwischen bewahrten Mittel r les Austauschens greifen und im Herbst Die

i erkauften Kunstwerke durch solche ersetzen, die aegen Raummangels nicht gleich hatten berucksich- igt werden können. Durch Sinn und Aufbau der Ausstellung ist ihr Gesicht weitgehend festge egt. Mud) das ist ein wichtiges Mittel der Kunster­ziehung, daß der gewisse Gleichklang, ber bieJMus= tetiunqen vieler Jahre untereinander bindet. Die Absicht vertieft und die Sicherheit des Aufnehmens teiqert. Man qeht mit jedem Jahr vertrauter durch >ie vierzig hohen Hellen Sale, man be- 1 zegnet einem Stamm von Namen, der sich zu Ve- I griffen dessen verschmilzt, was man heute alsden I Tatbestand der deutschen Gegenwartskunst nehmen :ann. Daß der Krieg auch als Stimmungswert

hängig, und daher eher geneigt, die Vorschläge Na­poleons anzunehmen als die des Siegers. Oester­reich nahm die französischen Vorschläge an mit den Annexionen. Es muß dem alten Kaiserstaat, nach­dem er fast 600 Jahre in Deutschland eine führende Stellung eingenommen hatte, schwer geworden sein, das alles aufzugeben. Aber vor Moltkes Strategie und Bismarcks kluger Politik mußte Habsburg kapitulieren. Damit war zunächst der unselige Dua­lismus PreußenOesterreich, der feit der Zeit öe# großen Königs die deutsche Politik beherrscht hatte.

Junge Mutter", Plastik von Lore Friedrich Gronau, Berlin. (Scherl-Bilderdienst-M.)

hohen politischen Gebankenflug seines Ministers zu­nächst nicht folgen. Es kostete Bismarck schwere Kämpfe, ehe es ihm gelang, seinen Herrn zu über­zeugen. Der Kronprinz schreibt in seinem Tage­buch von schweren Zusammenstößen zwischen Bis­marck unb bem König. Dazu kam, baß Frankreich unb Oesterreich bie Erhaltung Sachsens wünschten. Oesterreich hielt es für ein Gebot seiner Ehre, für Sachsens Erhaltung einzutreten. Bismarck wollte Sachsens militärische Kräfte bem neuen Norbbund einfugen, unb wünschte eine Militärkonvention mit Sachsen. Bismarck hielt es für nötig, in einem Jmmebiatbericht an ben König feine Auffassung barzulegen. Darin heißt es:Der Ausschluß Oester­reichs aus bem Bunde, in Verbindung mit der Annexion von Schleswig-Holstein, Hannover, Kur- hessen, Oberhessen und Nassau, darf als ein Ziel

beseitigt. _

Nun waren noch zwei schwierige Fragen zu er­ledigen: Das Problem Sachsen und die Inte­grität Oesterreichs. König Wilhelm war durch die unerhörten Erfolge seiner Truppen in einen solchen Siegesrausch versetzt, daß er glaubte, Annexionen fordern zu müssen, und zwar tanb» abtretung von Sachsen und von Oesterreich. Aber Bismarck war dagegen. Er dachte weiter. Ihm schwebte fein künftiges Deutsches Reich vor Augen, und zum Bau dieses Reiches war es einerseits nötig, daß Oesterreich nicht dauernd feindlich, und bah Sachsen erhalten blieb. Der König konnte bem

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,Der Führer im Kampfgelänbe" Gemälbe von Conrad H o m m e l. (Scherl-Bild

Das Drama von Moisburg.

Bismarcks Kampf um Deutschland vor 75 Jahren.

Von Professor Dr. Hans Meyerfahm, Kiel.

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In großen Linien ist zu sagen, baß sich bie Malerei weiterhin völlig klar und unkom­pliziert gibt, sie ist ber weiten Welt bes Gegen- stänblichen verpflichtet und greift bas Abbild als das Wesentliche aus der Fülle der Schöpfung. Weit voran steht das Figurenbild, das am besten gestat­tet, die Beziehung zwischen Mensch, Umwelt und Tat aufzuzeigen, zu schildern. Sepp Hilz, der 2liblinger Bauernmaler, tritt in diesem Jahr zum ersten Mal mit einer thematischen großen Arbeit auf. Seine bäuerliche Trilogie ist ein allegorisch- anekdotischer Zusammenklang von drei großforma­tigen Oelgemälden. Im großen Malersaal fällt wei­ten" von Hans Schmitz-Wiedenbrück auf. ten" von Hans Schmitz-Wiedenbrück auf Der Düsseldorfer Tiermaler Julius Paul Jung- Hanns bildet einen weiteren starken Akzent. Gern gesehen sind auch diesmal die Landschaften des Nürnberger Hermann Gradl. Der Frankfurter Maler Hans Happ reicht mit feinen beiden Figu­renbildernWafferfchöpferin" undThetis" in die Spitze der Ausstellung.Der Führer im Kampf­gelände" von Conrad H o m m e l unbBilbnis des Führers" von Franz T r i e b f ch find die bei­den großen repräsentativen Arbeiten, die den bei-, .

ben Saalreihen bes Erbgefchosses vorangestellt stick). Die politische Bedeutung des Sieges von Das K r i e g s b i l d ist diesmal mit einer Reihe Komggratz liegt darin, daß Bismarck durch Den ] ausgezeichneter Arbeiten vertreten und trägt gründ- Sieg in die Lage versetzt wurde, bei den Verhand- i ätzlich mehr und besseren Akzent als bisher. Ein- Hungen irt Nikolsburg über die Neugestaltung drucksvoll und von malerischer Kraft sind wieder Deutschlands die national-deutschen In- die zahlreichen I n du st r i e b i l d er. Land-teressen weitgehend zu fordern. Es war hierbei [ (haft und Blumenst ü ck stellen in natur- außerordentlich wichtig, daß er die Zustimmung > ichem Reichtum das gute Tafelbild, wie man es im Frankreichs und Oesterreichs für die von ihm ge- Haus der deutschen Kunst als aus echter Natur- plante Neugestaltung Deutschlands gewann Ver- freude sich gebend gewohnt ist. Das Porträt treter Preußens m Frankreich war damals Graf und der Akt treten diesmal deutlich in den Hm- Robert v. d. Goltz, einer der.besten preuß^- tergrunb. Thomas Baumgartner gibt in fei- chen Diplomaten, ber in Pans Bismarcks Nack- nem mächtigen OelbilbKampf bes Arztes mit folger geworben war Graf v d. Goltz war hoch- dem Tod" eine Problematik des Thematischen und befähigt, außerordentlich geschickt in der Behänd- (einer kompositionellen Fosinng, die in diesem S)QU5 hmg der M-nfchen, dab-, -hrgeiM ,-l>r °°n sich nnlfin neu ift überzeugt und dadurch für Bismarck rem ve-

* I guemer Untergebener. Ende 1863 hatte Graf von

Breitet sich in ben Sälen der Malerei in vor- der Goltz über die Behandlung der schleswig-hol- bildaetreuen Arbeiten jene reiche Gegenständlichkeit steinlschen Frage eine andere Auffassung als Bis­her Natur wie sie unser Auge zu bergen weiß, Imarck. Daher sah sich Bismarck im Dezember so wird im anderen Teil des Hauses die zur Auf- 1863 veranlaßt, feinem Pariser Bertreter einen Luuna gekommene Plastik in ihrer Mehrzahl von langen Brief zu schreiben, m bem am Schluß fol- jenem9 inneren Maß bes Architekturgefühls be- genber Satz steht:Ich habe nicht bie herrscht bas ben großen Bauten von Partei unb Sie zu überzeugen, aber ich habe bas Vertrauen Staat wgrunbelieqt. Auffällig treten Brunnenkom- zu Ihrer eigenen blenstlichen Erfahrung unb zu Positionen in biefein Jahr hervor, unter ihnen Josef Ihrer Unparteilichkeit, baß Sie mir zugeben wer- W a ck e r l e ßMonumentalbrunnen" mit einer ben, es kann nur e i n e Politik auf einmal gewacht schwer hockenden Frauenfigur und Josef T h o r a t s werden, und das muß die sein, über welche bas

Urteil des Paris" das hier wohl zum ersten Mal I Ministerium mit dem König einig ift non einem Plastiker als Motiv gewählt wurde. Von Graf v. d. Goltz war es gelungen, bas Vertrauen Arno B r e k e r ist mieber ein Großrelief ba (Der des Kaisers Napoleon III. gewinnen, und Räckier"! unb eine GroßplastikBerufung" ein bas war von großer Bebeutung für bie Stellung fihenber Mann mit trotzig seitwärts gewenbetem I Napoleons zur berckschen Frage. In ber Zeit nach S 3m^'übrigeu^«etoräntt fid) bie Plastik, aufs Köniagrätz batte Graf v d Goltz mehrere Ge- Ganze gesehen daran ben schönen Menschen bar- spräche mit Napoleon III. über den Inhalt ber Sen X aüem ben weiblichen Körper, unb I preußischen Friebensbeblngungen, an denen Napo- 1 bedient sich dazu säst ahne Ausnahme der ausrecht l°°n ,chr m -resiu-^war Grch m ^G°ltz^ucht^ - stehenben ober schreitenben Flgur. gewinnens unb es gelang ihm, Napoleons Zustim-

v ... ... munq zu erreichen, für bie vom Grafen v. b. Goltz

Hervorragenb und künstlerisch reich ist Die Gra - formulierten Friebensvorschläge, bie baburch, baß phik vertreten. In weitem Maß ist wieber denf^^ösische Kaiser sie annahm, als französische Zeichnern unb Rabierern Gelegenheit gegeben, Vorschläge galten. Der Inhalt war folgenber: biefe hanbwerklich gebundenste Art des Kunst- i. Oesterreich wird die A u f 1 ö s u n g d e s a l t e n schaffens, bei ber Geltung stets am Msten £) e u t f e n Bunbes anerkennen und sich einer Können gepaart ist, in vielen hundert -plattem zu neußn Organisation Deutschlanbs nicht wibersetzen. zeigen. Die schöne Darbietung ber Graphik iw' Oesterreich wirb baran nicht beteiligt sein.

Obergeschoß bes Hauses ber beutschen Kunst bietet Preußen wirb einen Norbbeutschen stets ben Genuß einer außerorbentlichen Geschlos- u n b bilben, ber alle Staaten nörblich ber Main-

senheit des künstlerischen Ewbrucks. Vielleicht ist so- umfafet P^ußen wird mit dem Oberbefehl gar gerade von hier aus am selbstverständlichsten die militärischen Kräfte dieser Staaten betraut, zu begreifen, welches Forum bieGroße Nlunchner $ Die beutschen Staaten füblich bes Mains, haben innerhalb ber Situation ber abendlanbifchen Gegen- Freiheit, unter sich einen Sübbeutschen wartskunst bebeutöt unb welches Maß an Absicht u n ,u bilben, ber internationale Unabhängig» und Leistung verbinblich hier zugrunb-e gelegt wird. teit h^sitzen soll. Die Herstellung einer nationalen Alfred Dahlmann. Perbinbung zwischen bem Nordbunb unb bem Süb-

Gießener Künstler auf der Ausstellung ^ ^rd durch gemeinsame ueb°r°inkunf. g°.

Auf der Grahen Deutschen Kunstausstellung in 4. Die E l b h e r z ° g tu m e r werden m it Mllncken ist der Gießener Biidhduer Carl Baur-Preußen vereinigt außer den Bezirk«» ® Ä wie wir erfahren, mit einer plastischen van Nardschleswig. deren Bevölkerung durch eine Arbeit vertreten. Seine FigurengruppeVereinte freie Abstimmung wünscht, mit Dänemark vereinigt ftrriH" ffeUt in überlebensgroßen Figuren sym- zu werden.

hnlifch die Wehrmacht, die Arbeit und das Bauern- Es ist geradezu unbegreiflich, baß der französische Mrn^ar Die Fchuren bauen sich auf einem runben Kaiser seine Zustimmung gab zu prieben9bebmgun» ftj Lpnh Sckulter an Schulter im Dreieck auf gen, bie als ein Markstein auf bem Wege zur unb bilden so ein Symbol ber Einheit ber Kräfte, beutschen Ewigung bezeichnet werben müssen. Aber die Deutschlanbs Größe funbamentieren uhb feinen Graf v. b. Goltz hatte erkannt, baß Napoleon burch ^ieren* I nutzung biefer seelischen Stimmung bes Kaisers

die Vorschläge gemacht in der Ueberzeugung, bie Zustimmung bes Kaisers zu gewinnen, unb bas ist ihm gelungen. Zweifellos war es ein großer biplo- matifcher Erfolg bes preußischen Gesanbten. Aber Bismarck war noch, nicht zufrieben bamit. Er ver­mißte eine Anbeutung von Annexionen für Preußen, bie er als durchaus notwendig bezeich­nete für ben Abschluß bes Friebens. Also mußte Graf v. b. Goltz roieberum mit Napoleon verhan­deln. Am 22. Juli 1866 konnte Graf v. b. Goltz melben, baß Napoleon mit ben Annexionen ein» verstauben sei. Es heißt in bem Telegramm des Gesandten:Der Kaiser ermächtigt mich, zu melden, daß er nicht alfein ber Annektierung von [vier Millionen Norbbeutscher nicht widersprechen, sondern dieselbe als billig anerkennen unb empfeh-