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Nr. 123 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffe«)

Der Monat Zum im Gießener Stadttheater

eröffnet

Schneider-Facius.

Oer Zugend-Sporttag in Gießen

den be-

tropischen können.

vorstellbar. Do ist, vom kleinsten bis zum groß- wieder dasselbe: Anpassung, Umweltbedingtheit t>cg ten, kein einziges Tier, welches nicht dem Beob- Lebens.

achter Gelegenheit gäbe, über die gestaltende, aus-1------

Verdunkelungszeit

26. Mai von 21.27 bis 5.12 Uhr.

Abenteurer. Wir erleben Abenteuer, oft mehr als uns lieh ist, ober wir prahlen nicht damit. Wir haben Besseres zu tun. Fast acht Jahre habe ich bisher in den Wäldern, Savannen, Steppen und Sümpfen, auf Bergen und Flüssen des gewaltigen südamerikanischen Kontinents verbracht; zwischen freien Indianern, Gauchos und einfachen Kolonisten habe ich, oft nur mit wenigen Begleitern oder so­gar ganz allein, ein buntes Jägerleben geführt. Stets war ich aber dabei im Grunde nur das eine: Wissenschaftler. Die vielfältige Tierwelt Süd' a m e r i k a s stellt den Forscher vor viele und schwierige Probleme. Es kommt uns heutigen For­schungsreisenden nicht mehr darauf an, 'möglichst viele neue Tiere zu entdecken (wenn wir auch na­türlich von feder Reise neue Arten Heimbringen), sondern es ist uns viel wichtiger, die Tiere der Wildnis wirklich kennen zu lernen, sie zu beobach­ten und als angepaßte Glieder ihrer Umwelt ver­stehen zu lernen. Die Natur gestaltet die Kreatur nach hohen Gesetzen. Hier ein paar Beispiele:

Das G u a n a k o , dieses südamerikanische Wild­kamel, lebt in den regenarmen Steppen Patago­niens und den Trockengebieten der Anden. Genüg­sam, oft nteit ab von jeglicher Wasserstelle, ziehen seine Rudel in weichem Paßgang dahin: Tiere der Steppe, wie sie im Buche stehen. Wie ein herrlicher Drache segelt der über drei Meter spannende Kon­dor im südamerikanischen Wind der Berge und im Aufwind der sonnigen Ebenen, die am Fuß der Gebirge liegen: eine Anpassung an Wind und Weite. Unbeirrbar verläßt sich das hübsche Stink­tier auf die Abwehrwirkung seiner Stinkdrüsen. Ist es nicht vielleicht besser geschützt als manches andere Tier, das ihm an scheuer Geschwindigkeit weit überlegen ist? So lebt es in der offenen Steppe, wohl angepaßt, und hat außer dem Menschen, dem Pelzjäger, fast keinen Feind.

Mit periskopartig hochgerecktem Halse steht der sichernde Pampa st rauß auf der Savanne, um dann mit großer Geschwindigkeit davonzurennen. Ein jeder sieht sofort, wie weitgehend dieser flua- unfähige Vogel an das offene, freie Land angepaßt ist. Strauße im dichten Walde das wäre kaum

lesende, züchtende Wirkung der Natur Beobachtun­gen zu sammeln und über die Art nachzudenken, wie das alles zustande gekommen fein mag. Be­sonders reich sind die Eindrücke, welche wir in den

Zum 5. Reichssportwettkamps derHJ. hatte sich die Gießener Jugend am Samstag und Sonntag zusammengefunden. Die Jungens waren in einer stattlichen Anzahl auf dem Sportplatz des Männerturnvereins zum sportlichen Wettkampf an­getreten. Reger Betrieb herrschte an den beiden Wettkampftagen, und alle Teilnehmer waren mit Eifer bei der Sache. In groß angelegten Mann­schaftskämpfen zeigten die Jungens ihre Stärke auf dem Gebiet des Sports. Weitsprung, Schlag­ballweitwurf, 60-Meter-Lauf, 100-Meter-Laus und Keulen Weitwurf waren die Wettbewerbe, in denen die Besten ermittelt wurden. Die Mädels bestritten ihre Wettkämpfe auf dem Universitäts-Sportplatz. Auch dort war eine rege Beteiligung.

Spitzenleistungen zu erzielen war nicht der Sinn dieser Wettkämpfe, sondern es sollte in erster Linie gezeigt werden, daß sich die HI. dem Sport im all­gemeinen widmet und dafür sorgt, daß jeder deut­sche Junge und jedes deutsche Mädel überhaupt Leibesübungen treibt. Unter diesem Gesichtspunkt sind die ausgetragenen Wettkämpfe zu beurteilen. Die gesamte Veranstaltung kann trotz des Krieges als roohlgclu-ngen bezeichnet werden und wird ein Ansporn dazu sein, an den bisherigen Leistungen weiterzuarbeiten, um im Sinne der der HI. ge­stellten Aufgaben den Gedanken des Sports bei un­serer Jugend weiter zu vertiefen.

Am Schluß der Veranstaltung nahm der Beauf­tragte des Standortführers Oberscharführer Wolf, die Siegerehrung vor und zeichnete alle er­folgreichen Wettkämpfer aus. Nack)ftehend die Er-

7. Lahr, Fähnlein 2 mit 243 Punkten; 8. Metzler, Lehrfähnlein mit 242 Punkten; 9. Hillebrecht, Bannspielschar Gef. 1/SZ/II mit 241 Punkten und K 10. Konrad, Lehrfähnlein mit 241 Punkten.

Jung stamm 1/116: Fähnlein 1: Beste Mann­schaft Jgschft. 5 mit 1563 Punkten. Beste Ein- zelleistungen: 1. Becker mit 238 Punkten; 2. Kun ort mit 228 Punkten und 3. Rüdler mit 220 Punkten, Sieger wurden 20 Pimpfe: Fähnlein 2: Beste Mannschaft Jgschft. 1 mit 1958 Punkten; beste Ein­zelleistungen: 1. Lahr mit 243 Punkten; 2. Geißler mit 238 Punkten und 3. Scheid mit 234 Punkten, Sieger wurden 27 Pimpfe; Fähnlein 5: Beste Mann­schaft Jgschft. 3 mit 1849 Punkten; beste Einzel- leistungen: 1. Magel mit 252 Punkten; 2. Pcurlus mit 240 Punkten und 3. Deibel mit 230 Punkten; Sieger wurden 27 Pimpfe. Lehrfähnlein: Beste Mannschaft Jgschft. 3 mit 2425 Punkten; beste Ein­zelleistungen: 1. Reinwein mit 320 Punkten; 2. Metzler mit 242 Punkten und 3. Konrad mit 241 Punkten, Sieger wurden 60 Pimpfe; Stammjung-- zug: Beste Mannschaft Jgschft. 3 mit 1728 Punk­ten, beste Einzelleisttrngen: 1. Volk mit 250 Punk­ten; 2. Bock mit 215 Punkten und 3. Uihleim mit 209 Punkten, Sieger 6 Pimpfe.

Bannspielschar: Gefolgschaft <5/1/116: Beste Mannschaft Jgschft. 1/SZ'II mit 2057 Punkten; beste Einzelleistungen: 1. Hillebrecht mit 241 Punk­ten; 2. Frey mit 239 Punkten und Halbroth mit 239 Punkten; Sieger wurden 22 Pimpfe. Gefolg­schaft 5/2/116: Beste Mannschaft: Jgschft. 1/FZ/I mit 1758 Punkten. Beste Einzelleistung: Ruth mit 302 Punkten; 2. Malech mit 205 und 3. Rosenbecker mit 200 Punkten; Sieger wurden 18 Pimpfe. Ge­folgschaft 5/3/116: Beste Mannschaft: Jgschft. 1/OZ. mit 1996 Punkten. Beste Einzelleistungen: 1. Lep- perth mit 265 Punkten; 2. Müller, Konstantin, mit 255 Punkten und 3. Krause mit 236 Punkten; Sie­ger wurden 32 Pimpfe. Bannspielschar, HI.-Ergeb­nisse: Beste Einzelkämpfer der Bannspielschar: 1. Becker II. Gef. 5/3/116 mit 282 Punkten; 2. Ru- land, Gef. 5/2/116 mit 251 Punkten; 3. Pfann mit 242 und 4. Geck, Ges. 5/3/116 mit 231 Punkten; Sieger wurden 11 Hitlerjungen.

Hitler-Jugend-Wertung: Beste Einzel- leistungen: 1. Cappeler, Marinegej. 1/116, mit 285 Punkten; 2. Becker II, Bannspielschar Gef. 3, mit 282 Punkten: 3. Kirstein, Motorgef. 3/116, mit 277 Punkten; 4. Ruhl, Streifendienstgef. 1/116, mit 274

Gebieten Südamerikas sammeln

>em Komponisten. Die Spannkraft der Oper liegt chon in dem Buch des Dichters Somma verankert, an dessen Gestaltung der Komponist so regen An­teil nahm, wie kaum an einem anderen seiner frü­heren Libretti. So ist aus seinem klaren Blick für Wahrheit" der Handlung und des Dialogs ein Textbuch entstanden, das durch die eindeutige Cha­rakteristik der Personen und den logischen Gesamt­aufbau die Grundlage werden konnte für eine Ton- chöpfung, die der Forderung nach demMusik­drama", wie sie Wagner aufgestellt hat, mit der ihr durch die italienische Eigenart bedingten Ab­wandlung, in seltener Vollendung nahegekommen ist. Die Mischung des Lichten und Dunklen, das Eingehen ins Dämonische in der Szene der Wahrsagerin und im Galgenakt die heitere Be­weglichkeit und Bewegtheit der Chöre und der Ballmusik erwirken eine Einheit von textlichen Gegebenheiten und psychologischen Erfordernissen, die demMaskenball" seine hohe Reife in der großen Reihe der Verdi-Opern gegeben haben und ihn herausheben als fastgesungenes Schauspiel". Wie das Orchesterredend" an der Handlung teil- nimmt, wie die Singstimmen in der Sprache der

lltontag,26.maW,

' 1

g e b n i f f e von den Kämpfen der Hitler-Jugend und des Jungvolkes, lieber die Ergebnisse von ' Wettkämpfen der Mädels werden wir später

an ? Er ist ein Tier der stille» Dickichte, ein heimlicher Geselle, den man nicht oft in freiem Sonnenschein erblickt, ein Freund der Flüsse und Suhlen. Ein solches Tier wäre in der

Uebernahme von Schätzen der Weltliteratur fn deck Spielplan besondere Beachtung.

An modernen Lustspielen werdenKleiner Herr auf großer Insel" von Just Scheu und Peter Albert Stiller undDas Himmelbett von H i l g e n h ö h" von Gerhard Brückner vorbereitet. Das erste dieser beiden an anderen Bühnen schon mit großem Erfolg aufgeführten Werke ist von zwei erfahrenen Theaterfachleuten Scheu ist Schauspieler am Staatstheater in Berlin ge­schrieben. Ein neuartiges Lustspielthema in neu­artigem Gewand, führt es die Unzulänglichkeit N** Titel und Vorbildungen gewissergehobener" Pe. sönlichkeiten vor, wenn sie vor einfachste Aufgaben der reinen Selbfterhaltung gestellt werden unö läßt den praktisch unverbildeten Sinn des einfachen Mannes über die Dinge und ihre Schwierigkeiten und wie könnte es im Lustspiel anders sein auch über die Liebe triumphieren.Das Himmel­bett von Hilgenhöh" bringt in amüsanter Form und voll tiefer Bedeutung die Verwirrungen ans Licht, die ein Schalk bewußt unter feinen Ver­wandten anrichtet, indem er sie gemeinsam in den Besitz eines wertvollen Besitztums setzt. Damit wird von dem Schalk demonstriert, wie unzulänglich doch die Fähigkeiten vieler Menschen sind, wenn cs darum geht, etwas gemeinsam sich zu erhalten und neidlos mit anderen zusammen zu genießen.Ein heiteres Spiel", hinter dem Weisheit und Ernst stehen.

Mit den Inszenierungen dieser geplanten Werke wird die Spielzeit 1940/41 ihren Abschluß finden^ Nach einem Ferienmonat, in dem ein Teil des Spielkörpers in Bad-Nauheim im Kurtheater wirkt, wird mit dem 1. August in Gießen die Vorberei­tungszeit für den Winter 1941/42 beginnen. Dis neue Spielzeit wird dann um den 1. September

Ein Tapir tritt vorsichtig aus dem Dschungel. Sieh' ihn dir

Hoffentlich habe ich Sie, rechtzeitig geweckt", schneidet chm die Dame lächelnd das Wort ab.

Ja, natürlich. Ich muß hier umsteigen. Hätte ich glatt verschlafen." Er nimmt seine Sachen.Ver­zeihung und vielen Dank."

Ich steige ebenfalls aus. Sehe draußen den jungen Soldaten, wie er belustigt den Kopf schüttelt. Da trete ich zu ihm und scherze:Ich glaube. Sie wer­den nachzahlen müssen, da Sie Polsterklasse gefahren sind. Das war doch nun wirklich angenehm."

Der kleine Oberschütze sieht mich mit einem nach­denklichen Lächeln an und sagt:Ja, das war schon. Jetzt weiß man doch gleich, daß man zu Hause ist. Zu Hause in Deutschland."

Aus der <5foM Gießen.

Oer pfingstvogel.

. Wenn die Wälder bereits im Schmuck ihres lungen Laubes stehen, trifft als letzter unserer Zug­vogel tm Mar der Pirol von seiner Aftikareise wie- ?Ir bGXr?5 etlJ unb erfreut uns mit seinem melodi- Gen Flotenrus. Wenn dieses lustgeschwettte, präch- llg geschwungeneDudeldich" aus den grünen Wip- i^nrr?c! Buchenwaldes und der Aulandschaften schollt, die der späte Rückkehrer hauptsächlich be­wohnt, wissen wir, daß die Herrschaft des Früh- lmgs fest gegründet ist und es langsam schon auf oen frühen Sommer zugeht.

So auffällig das fast tropisch anmutende Gesie- der derGoldamsel" ist, zu deren leuchtenden Gelb das tiefe Schwarz der Flügel einen lebhaften Stom traft bildet, so schwer ist es trotzdem, des scheuen Vogels ansichtig zu werden. Meist treibt er sich nämlich, wenigstens bis zum Sommer hin, in den dicht belaubten Baumkronen umher, wo er feine im wesentlichen aus Insekten bestehende Nahrung findet. Später, wenn in den Obstgärten die Kirschen zu reifen beginnen, legt er freilich einen Teil sei­ner Menschenscheu ab, und wir können dann nicht

selten beobachten, wie die von dem goldgelben Männchen geführte Familie Pirol zumal in der Morgenfrühe sich in die Nähe der Dörfer wagt und ihrer Naschlust an süßen Dingen sröhnt. Bei die­ser Gelegenheit fällt es auch auf, wie unscheinbar die Goldamselweibchen und ihre Jungen tm Ver­hältnis zu den fast prahlerisch angezogenen Männ­chen gekleidet sind: sie kommen nämlich mit einem schlichten Zeisiggrün aus, und wenn sie sich nicht durch einen stürmischen und gewandten Flug von ihm unterschieden, konnte man sie leicht mit dem im Bogenflug dahinstrebenden gleichgroßen Grün­specht verwechseln.

Fast möchte man vermuten, als habe der Pirol in Afrika, wo er den größeren Teil des Jahres ver­bringt, Studien für feinen Nestbau getrieben. Denn wie die Webervögel und andere Exoten hängt er seine Kinderwiege als kunstvoll geflochtene Gebilde in die äußersten Spitzen schwankender Aeste, wo sie vor den Nachstellungen aller fliegenden und klet­ternden Feinde geschützt sind. Nur webt er fein aus Halmen, Gräsern, Pferdehaaren und Wolle gewirk- tes Nest nicht als geschlossene Kugel, sondern als einen tiefen, nach oben offenen Napf. Aber nur feiten wird es auch einem scharfäugigen Waldläufer gelingen, das Nest ausfindig zu machen, so ver­steckt und hoch steht es in den Kronen und weit- ausladenden Aeften.

In früheren Zeiten, als der Pirol häufiger war als heute, mag es freilich leichter gewesen fein, seine Nistplätze ausfindig zu machen. Man ent­nahm damals den Nestern gelegentlich auch die Brut und zog sie auf. Aber die Freude an den hübschen Käfigvögeln währte meist nicht lange, denn so sehr auch die feurige Strophe der Männchen entzückte, ihr herrliches Gefieder vrrlor in der Gefangenschaft balb seinen strahlenden Glanz, und länger als einige Jahre hielten sie es hinter den Drahtgittern / nicht aus.

So spät derPfingstvogel", wie man den Pirol auch nennt, bei uns eintrifft fo zeitig verläßt er uns wieder.^ Denn schon im August hat er es eilig, uns den Rücken zu kehren und sich auf die Reise zu machen, die ihn bis in den Süden Afrikas führt. Im Ganzen dauert das Gastspiel, das er uns gibt, also nur ein Vierteljahr, und so ist er, genau be­sehen, eigentlich mehr Afrikaner als Europäer. Aber wer mochte es dem schmucken Gesellen verdenken, daß er mehr Sonne nötig hat als andere Kreaturen, die mit weniger hochsommerlichen Temperaturen aus­kommen?

SortwfUen.

Tageskalender für INonlag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Aus Wiedersehen, Franzisko". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Tier­garten Südamerika". Oberhessischer Geschiehtsver- ein, Hessische Vereinigung für Volkskunde: 20.14 Uhr in der Aula des Gymnastums Vortrag Prof. Dr. K. Helm (Marburg) überDie germanische Relispon und ihr Weiterleben".

Instrumente untermalt werden, das ist wahrhafte musikdramatische Gestaltung. Es verdient ein be­sonderes Interesse, daßEin Maskenball" als zweite Verdi-Oper dieser Spielzeit zeitlich in der Entstehung vor derMacht des Schicksals", zu Beginn der Spielzeit als erste Oper aufgeführt liegt, das spätere Werk aber an Geschlossenheit des dramatischen Aufbaus, an Reinheit der musikali­schen Durcharbeitung und an Reichhaltigkeit der Er­findung übertrifft.

Das Schauspiel wird mit drei Lustspielen den An­forderungen der vorgeschrittenen Jahreszeit gerecht werden. Im Vordergrund steht dabei die geplante Uraufführung einer Holbergschen Komödie in neuer deutscher Übertragung.M a s f e r a b e" von Ludwig Holderg ist eine Zeit- und Sittenkomödie aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die im Anklang an Molierefche Vorbilder auf dänisck>e Zeitveryältnisse geschaffen wurde. Holberg, der als der Schöpfer der dänischen Nationalliteratur und des dänischen Theaters zu gelten hat, besitzt dar­über hinaus noch eine besondere Bedeutung für das deutsche Lustspiel. Er hat die Entwicklung des Lust­spieles in Deutschland nach Gottsched stark mitbe­einflußt und sich so auch einen Platz in unserer Nationalliteratur geschaffen. SeinPolitischer Kan­nengießer" gehörte und gehört zu dem ständigen Bestand einer großen Anzahl deutscher Bühnen und ist als Verkörperung eines Charaktertypus von mehr als lokaldänischem Umfang zu einem stehen­den Begriff geworden. Die Uraufführung der neuen Übertragung der KomödieMaskerade^ von Hans und Agathe Holtorf (Verlag Ralf Steyer, Leipzig) verdient als Fortsetzung der in Gießen gepflegten

Dom Dramaturgischen Büro des Stadt- cheaters gehen uns die folgenden Ausfüh­rungen zu.

Das Stadttheater Gießen, das in diesem Jahre zum ersten Male ganzjährig, lediglich durch einen Fenen-Monat unterbrochen, durchspielt, bereitet für ben Monat Juni noch einige Neuinszenierun­gen vor. Zu Pfingsten wird Franz von Suppes große OperetteBoccaccio" aufgeführt werden. Franz von Supps, den man mit Recht den Schäp- ser der Wiener Operette nennt, ljat sich mit feinem Boccaccio" einen Weltruf begründet, der heute nach mehr als siebzig Jahren nach der Uraufführung noch ebenso glänzend erklingt und so frisch und jung geblieben ist wie zur großen Glanzzeit der Wiener Operettenuraufführungen. Mit feiner Operette hat öer Komponist nach dem Buche von F. Zell und R. Genöe dem großen Schöpfer und Meister brr italienischen Novelle ein Denkmal gesetzt, das so recht zu der heiter beschwingten Muse des Dichters einer finnenstohen Zeit paßt. Das Buch stellt den Titelhelden der Operette auch als Helden der in den unvergleichlichen Novellen beschriebenen Ljebes- abenteuer und lustigen Streiche in den Mittelpunkt der Handlung. Aus dem Schatz der Boccaccioschen Geschichten sind mit die nettesten herausgenommen, zusammengefaßt und dramatisiert. So wird all der kluge Witz, all die Genußfteudigkeit des Florenz des vierzehnten Jahrhunderts lebendig in einem bunttollen Treiben der Bürger und Studenten, fo erflinaen Liebessehnen und Schönheitstrunkenheit derActeurs" der Komödie in einem herrlichen Kranz blühender Melodien. Supp6, der Sohn eines italienischen Vaters und einer Wiener Mutter, hat aus dem ererbten Mufikantentum zweier musik- freudiger und -erfindungsreicher Elternteile all die prächtigen Weisen mitbekommen, die seinenBoc­caccio" so echt im Kolorit des italienischen Volks­lebens und so echt im romantischen Empfinden der deutschen Liebesmelodien gemacht haben. Es ist des­halb nicht verwunderlich, daß derBoccaccio" zum Bestand jeder Opern- und Operettenbühne gehört. Die Neuinszenierung im Stadttheater wird von Reinhard Lehmann Spielleiter der Oper am Hessischen Landesthecfter Darmstadt als Gatt be- orgt. Die musikalische Leitung des neuausgestatteten Werkes hat Arthur 21 p e 11.

Als zweites großes musikalisches Werk wird der letzte Monat der Spielzeit 1940/41 noch Verdis OperEin Maskenball" bringen.Un ballo in maschera", so lautet der italienische Titel der Oper, ist wahrscheinlich, von den göttlichen Alters­werkenOthello" undFalstaff" abgesehen, die reiffte und vollkommenste Schöpfung des Meisters. Alseigenartig intimes Seelendrama" zeigt es eine Tiefe und Weite des Empfindens, eine Sicherheit und Vielfalt des Ausdrucks, die es ebenbürtig nben die mehr auf Aeußerliches obgestimmteAida" teilt, und die es an die Vollendung des ebenfalls das Eifersuchtsthema behandelndenOthello" her­anbringt. Dabei istMaskenball" 12 Jahre vor Aida" und rund 30 Jahre vor demOthello" entstanden. Welch ein erstes Zeugnis von Vollreife des Meistes. Welch ein Abschluß einer künstlerischen Entwicklung schon in der Mitte des Lebens bei

Steppe undenkbar. Ein kleiner Spießhirsch, häufig und doch meist unsichtbar, tritt aus der ge­waltigen Dickung des Urbusches. Sein runder Rük- Fen, feine Kleinheit, feine für den Körper scheinbar viel zu zarten Läufe und sein minjiges Spießge- weih zeigen dir an: das ist ein richtiger Bewohner dichter Gebüsche, kein Renner über freies Gelände^ Betrachte dir die Ameisenbären, die Gür­teltiere, die Faultiere genau!

Wer würde, ohne ihren inneren Körperbau genau zu kennen, auf den Gedanken kommen, daß sie recht eng miteinander verwandt sind und wohl gemein­same Vorfahren hatten? Wie verschieden sind sie iit ihrer Gestalt und ihrer Lebensweise, diese termiten­fressenden Ameisenbären mit ihren langen zahloseu Kiefern und ihrer wurmförmigen Zunge, diese wüh­lenden Gürteltiere mit ihren Panzern, diese lang­samen, aber nur scheinbar lebensuntüchtigen Faul­tiere mit ihren langen Kletterarmen, die wie Greif­haken sind. Die Verschiedenheiten ihrer Umwelten! werden es wohl fein, welche ihre Entwicklung in (a grundverschiedene Richtung gelenkt haben.

Betrachte dir die M ä h n e n r o b b e n unti Bärenrobben, die in gewaltigen Mengen an! der Küste und auf einsamen Inseln auftreten! Säugetiere, Fischjäaer sind sie, von landlebenden Formen abstammend und doch so hervorragend an- gepaßt an das Leben im Meer. Riesenschlan­gen, Kaimane, große groteske Vaumechsen! sind nur in tropischen Ländern denkbar, denn nur dort finden sie die Bedingungen für ihr mächtiges, oft wie Luxus anmutendes Wachstum. So sehen wir überall, in vieltausendförmiger Gestalt, immer

Güdamenkanische Tierwelt.

Von Professor Dr. Dr. Hans Krieg, München.

Viele Leute haben von uns Zoologen eine ganz falsche Vorstellung. Sie sehen uns als etwas ko­mische Menschen an, die mit ungeschicktem Eifer ein Schmetterlingsnetz schwingen, ihre Beute an Ort und Stelle mit einer riesengroßen Lupe betrachten, lebendig auf eine Nadel spießen und auf den Hut stecken. Sie halten uns für gelehrte, ewig dozierende Herren mit ungepflegten Sollbärten, für Menschen, welche sich einbilden, daß alles, was sie zufällig interessiert, auch ihren Mitmenschen wichtig sein müsse, für harmlose, aber doch nicht so recht für voll zu nehmende Burschen, welche enorm viel wis­sen, aber kaum fähig sind, ohne Kindermädchen allein eine Großstadtstraße zu überqueren.

Es gibt in jedem Berufsolche und andere". Aber es muß einmal gesagt werden, daß gerade wir Zoologen durchschnittlich recht normale und ge­sunde Menschen sind und daß besonders die For- schungsreisenden unter uns es sich nicht erlauben können, weltfremd, unpraktisch und engherzig durch Urwälder und Steppen zu stolpern. Wir müssen einen gesunden Körper und wache Sinne haben und aufgeschlossen sein gegenüber allem, was die Wildnis uns bietet. Wir müssen Strapazen und Widerstän­den gewachsen sein, denn unsere Spannkraft wird oft genug auf harte Proben gestellt.

Eins will ich noch betonen; mir sind feine

richten.

Oie besten Standoriergebniffe.

Jungvolkwertung; beste Mannschaften: 1. Lehrfähnlein Jgschft. 3 mit 2425 Punkten; 2. Bannspielschar Jgschft. 1/SZ/II mit 2057 Punkten; 3. Bannspiel sch ar Jgschft. 1/OZ mit 1996 Punkten. Beste Einzelleistungen: 1. Reinwein, Lehrfähn­lein mit 320 Punkten; 2. Ruch, Bannfpielschar Gef. 2 (Fanfarenzug) mit 302 Punkten; 3. Lepperth, Bann­spielschar Gef. 3 (Singkreis) mit 265 Punkten; 4. Mütter, Konst., Bannfpielschar Gef. 3 (Singkreis) mit 255 Punkten; 5. Magel, Fähnlein 5 mit 252 Punkten; 6. Volk, Stammjungzug mit 250 Punkten;

Heimfahrt.

Von Stephan Georgi.

Frühmorgens. Auf dem Nebengleis ist ein Froni- urlauberzug eingelaufen, und jetzt kratzen die Schuh­nagel die Treppe zum Anschlußbahnhos herauf. Ein Ijunger Oberschütze kommt ins Abteil, mit Gasmaske, Wäschebeutel und Schaftstiefeln, die um so massiger erscheinen, als der Träger ein kleiner, schmächtiger Brillenmann ist. Er nimmt mir gegenüber neben einer stattlichen Dame Platz, die freundlich ein Stück rückt. Man sieht es ihm an, daß er eine lange und wohl auch schlaflose Nacht hinter sich hat. Die Uugenliber sind müde gesenkt, das Kinn ist einer Rafür bedürftig.

Er nimmt eine Zigarette heraus, aber schon nach iin paar Zügen kommt der Tabakgenuß nicht mehr gegen die überhandnehmende Müdigkeit an. Die Augen schließen sich, die Zigarette entgleitet den Ringern, der zurückgelehnte Kopf pendelt an der Wand leicht hin und her. Und nach einer Weile geschieht es, daß der haltlos gewordene Kopf mehr mb mehr nach rechts sinkt und endlich Halt findend, cuf der Schulter der Dame landet.

Die anderen Gesichter im Abteil schmunzeln. Aber tce Dame bleibt ruhig, trägt geduldig ihre Last. Sie nad)t eine abwehrende Bewegung zu einem anderen Soldaten, der aufstehen will, um den peinlichen Schläfer zu wecken, und legt den Zeigefinger an den , Nund. Jedoch, nicht nur daß die Dame in ihrem i Minnen Kleid recht ungewappnet gegen den Stop- Feibartangriff ist, jetzt beginnt des Schläfers Kopf auch noch langsam aber stetig abzugleiten. Nicht daß r nun gleich ins Uferlose zu versinken droht, da besteht keine Gefahr, er gleitet nur, sozusagen auf shiefer Ebene weiter.

Das Schmunzeln tm Abteil wird zum Grinsen, inb in den Augen liegt ein interessiertesWas run?" Aber die leise lächelnde, mütterliche Art, mit b?r die Dame behutsam den Kopf des Schläfers inieber auf die Schulter zurückschiebt, nimmt jedem dir Umsitzenden das Frivole aus dem Lächeln.

Bei der nächsten größeren Kreuzstation weckt sie ihn leise.Müssen Sie umsteigen?"

Er blinzelt, wird sich der Situation bewußt und if erschreck^ verlegen.Verzechen Sie