Deutschland attackiere die USA., die um ihre Freiheit und um ihr Leben auf eigenem Boden zu kämpfen gezwungen wären (!), die Angriffe auf amerikanische Handelsschiffe seien von „einer gesetzlosen Nation", nämlich Deutschland, ausgegangen, um die Freiheit der Meere zu vernichten und an sich zu bringen. Wenn Hüll gesagt hätte: wir, Roosevelt und seine Judenplutokratie, wollen, daß unsere Transporte an snüstungsmaterial England ungefährdet erreichen, wir wollen, daß jeder Angriff auf diese gesetzlose Unterstützung der Briten gegen Recht und Völkerrecht als jüdisches Gesetz proklamiert werden und jedes Vergehen gegen dieses jüdische Gesetz den Gott Racha herausforderte, dann wäre die Stellung Roosevelts klar umrissen. Sie würde sich allerdings mit den einfachsten Moralgesetzen und dem Recht der deutschen Verterdigung gegen britische und sonstige Angriffe glatt in Widerspruch setzen. Aber daß Hüll es wagt, diese Provokation mit Phrasen über Freiheit und Recht zu begründen, zeigt, daß er keinerlei Hemmungen hat, D i e R o o - sevelt-Cliquewill, genau so wie 1917, den Krieg um ihres Profites willen. Es ist genau dieselbe Lage wie zur Zeit Wilsons. Und diese Menschen wagen es, von gesetzlosen Nationen wie den Achsenmächten zu sprechen!
Die Entscheidung ist im Zuge. Das amerikanische Volk hat durch seine parlamentarischen Instanzen zu erklären, ob es wieder einmal, wie im Weltkriege, einer Clique von jüdischen Finanzmagnaten folgen will. Dann darf es sich aber auch über die Wirkungen eines solchen -Schrittes, die es bereits nach dem Weltkriege bis in das Jahr 1940 hinein mit einer furchtbaren Verelendung bezahlte, nicht beklagen. E. S.
„Freiheit", wie sie Roosevelt versteht.
N e u y o r k, 23. Okt. (DNB. Funkspruch.) Sehr deutlich tritt der wahre Charakter der U S A. - Politik gegenüber den ibero-amerikanischen Staaten in einer Rede des Roosevelt persönlich sehr nahestehenden Professors an der Universität Connecticut, Andre Schenker, hervor, der qleicb- zeitig auch außenpolitischer Kommentator des Rundfunksenders WTJC. ist. Schenker erklärt wörllich: „Deutschland besitzt in Ibero-Amerika zweifellos viele Freunde. Aber ob es nun den ibero-amerikanischen Staäten paßt oder nicht, sie gehören alle zu unserer Verteidigungssphäre. Wenn einer von ihnen sich der Achse nähern sollte, so würden wir es sofort verbieten, und unsere Flotte würde diesem Verbot den nötigen Nachdruck verleihen." Deutlicher kann man nicht gut werden.
Auch kanadische Häfen.
Berlin, 22. Oktober. (DNB.) Die Aggres- sionspläne Roosevelts werden auch in den USA. nicht ohne Besorgnis beobachtet. So rourbe Roosevelt, wie „New Port Herald Tribüne" meldet, gefragt, ob es wahr sei, daß die Vereinigten Staaten die Häfen von Halifax und N e u s ch o t t - land besetzt hätten. Roosevelt habe, dem Neuyor- ker Blatt zufolge, geantwortet, tatsächlich sei derartiges noch nicht geschehen, doch seien Pläne vorhanden, nach denen die USA.-Flotte jederzeit diese Häfen besetzen könne.
Oer italienische Bericht.
Rom, 22. Okt. (DNB.) Der italienische Wehrmachtbericht vom Mittwoch hat folgenden Wortlaut:
In Nordafrika Tätigkeit unserer Artillerie und der Luftwaffe der Achse gegen die Ziele von Tobruk. Zwei feindliche Maschinen wurden von der deutschen Luftwaffe abgeschossen. Die Stadt Bengasi war feindlichen Luftangriffen ausgesetzt. Viele Bomben fielen ins Meer, andere trafen einige Araberhäuser in den Außenbezirken. Es gab acht Tote und sieben Verletzte unter der Eingeborenenbevölkerung, drunter auch Frauen und Kinder.
In O st a f r i k a überrumpelten Truppen des Stützpunktes von Culquabert feindliche Verbände und versprengten sie unter großen Verlusten für den Gegner. Eines unserer Jagdflugzeuge nahm ein großes Zeltlager etwa 30 Kilometer südöstlich von G o n d a r wirksam unter MG.-Feuer.
In der vergangenen Nacht unternahm die britische Luftwaffe Angriffe auf N e y p e l und das Gebiet von Catania. In Neapel wurden in fünf aufeinanderfolgenden Wellen während fünf Stunden Hunderte von Brand- und Sprengbomben abgeworfen, die beträchtlichen Schaden an Wohnhäusern und Brände verursachten, die sofort eingedämmt wurden. Es gab 14 Tote und 27 Verletzte unter der Zivllbeoölkerung, die eine bewundernswerte Ruhe und Disziplin bewahrte.
Vesehung des Donez-Mustriegebieies erweitert
Oer Wehrmachtberichi.
DNB. Aus dem Führerhauplquartier, 22. Oktober. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die Besetzung des sowjetischen Industriegebietes im Douezbecken durch die deutschen und verbündeten Truppen wurde gestern erweitert.
Südlich Brjansk brachte die Säuberung des Kampfgeländes weitere 5000 Gefangene sowie einen schweren Panzer und 5 6 Geschütze als Deute.
Vie durch Sondermeldung bekanntgegeben, wurde die Insel Dagö genommen. Damit sind alle baltischen Inseln in deutscher Hand und der gesamte baltische Raum vom Feinde befreit. In vorbildlicher Zusammenarbeit mit Verbänden der Kriegsmarine und der Luftwaffe war es einer Infanteriedivision des deutschen Heeres bereits am 12. Oktober gelungen, auf der Südfpihe der Insel überraschend zu landen. In zehntägigen hartnäckigen Linzelkämpfen wurde seitdem die Insel vom Feinde gesäubert. 3000 Gefangene fielen dabei in unsere Hand. Sechs Küsienbatlerien wurden zerstört. Reste der feindlichen Besatzung wurden bei dem Versuch, über See zu entkommen, durch Einheiten der Kriegsmarine und der Luft-i
waffe vernichtet. An den erfolgreichen Landungsunternehmungen auf den baltischen Inseln haben die Sturmboot-Pioniere des Heeres besonderen Anteil.
Die finnische Kriegsmarine hat die Operationen der deutschen Seestreitkräfie wirkungsvoll unterstützt.
Die Luftwaffe bombardierte bei Tage und Tlacht die sowjetische Hauptstadt Moskau.
3m Kampf gegen Großbritannien griffen starke Kräfte der Luftwaffe in der letzten Tlacht den Hafen Tl e w c a st l e an. In Dockanlagen, Speichern und versorgungsbelrieben entstanden erhebliche Zerstörungen. Veitere Luftangriffe richteten sich gegen die Hafenanlagen von Dover.
An der K a n a l k ü st e schoflen deutsche Jäger e l f britische Flugzeuge ab. Ein eigenes Flug- zeug ging hierbei verloren.
In Rordafrika erzielten deutsche Sturzkampfflugzeuge Bombenvolltreffer in brittschen Artilleriestellungen und Bunkern bei Tobruk.
Britische Bomber griffen in der Tlacht zum 22. Oktober verschiedene Orte Tlordwestdeutfchlands, u. a. Bremen, an. Durch Bombenabwürfe vorwiegend auf Vohuviertel hatte die Zivilbevölkerung Verluste an Toten und Verletzten. Fünf der angreifenden feindlichen Flugzeuge wurden abgeschosseu.
0
2R.
fafiemigow
Wdluiki
korosten
täiifomir
ßerdilsdwr
Ttätrtissy
Uman
Taganrog
Saporostye
Mriwoj-Rog
'ikopol
lOr (CL <U
Mariupol^
Berdjansk M
ASOiVSCHES ==MEER=
‘herson
—äJ
s
(3
1 Poltawa
Kramatorsk • '^stantino^ka . , Do/yc •OMonikidse
Wrowsk w
Stalino 7Z/V ö.-i
• Kursk
100 200km
AJ __ komny^ £ Njeshin 7
Priluki y Perejaslaw
, _ Ofschakowi
Rüstungszentrum Stalino erobert.
Deutsche und italienische Verbände nahmen das Gebiet um Stalino, eines der wichtigsten Rüstungszentren im Donezbecken, in Besitz.-Stalino selbst wurde durch Gebirgsjäger genommen.
(Karte: Scherl-Bilderdienst-M.)
Erfolgreiche Lustangriffe gegen die Sowjets.
Berlin, 22. Oktober. (DNB.) Die Operationen des Heeres wurden am 21.10. wirksam von Verbänden der deutschen Luftwaffe unterstützt. Deutsche Kampf-und Sturzkampfflugzeugverbände setzten ihre Angriffe an der gesamten Ostfront fort und zerstörten wieder zahlreiches sowjetisches Kriegsmaterial.
Bei Angriffen auf sowjetische Flugplätze im südlichen T e i l d e r Ostfront zerstörten die deutschen Kampfflugzeuge'zahlreiche abaestellte sowjetische Maschinen. Im Raum von Charkow und Woroschilowgrad wurden 8 vollbeladene Transportzüge, 3 andere Eisenbahnzüge, 6 Lokomotiven, über 100 Eisenbahnwagen und 1 Betriebsstofflager in Brand geworfen und größtenteils zerstört. Bei Angriffen gegen sowjetische Truppenansammlungen wurden den Bolschewisten wieder starke blutige Verluste zugefügt. Auch an Kriegsmaterial erlitten die Sowjets schwere Verluste. 160 Lastkraftwagen, 90 bespannte und abgestellte Fahrzeuge und mehrere Panzer, die gerade eingesetzt werden sollten, wurden zerstört.
Än der Front vor Moskau griffen Sturzkampfflugzeuge Truppenansammlungen auf wichtigen Vormarschstraßen an, zersprengten sie und hinderten so die Sowjets an geschlossenen und konzen
trierten Vorstößen. Wchtige Eisenbahnstrecken in diesem Raum erhiellen Volltreffer, wobei 17 Trans- portzüge erfolgreich bombardiert wurden. Zwei dieser Züge sind völlig vernichtet worden. Deutsche Kampfflugzeugverbände griffen die sowjetische Haupt st a d t Moskau im Laufe des 21.10. erfolgreich an. Große Mengen von Spreng- und Brandbomben trafen kriegswichtige Ziele der Hauptstadt. Im Laufe der Nacht zum 22.10. waren auf Moskau wieder zahlreiche Kampfflugzeuge angesetzt, die in den vorgesehenen Zielräumen durch wohlgezielte Bombenwürfe starke Zerstörungen hervorriefen. Noch beim Abflug beobachteten die deutschen Flieger st arte Brände.
Das Ritterkreuz.
Berlin, 22. Okt. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Hauptmann Bode, Gruppenkommandeur in einem Sturzkampfgeschwader; Oberleutnant Pfeiffer, Staffelkapitän in einem Sturzkampfgeschwader.
Oie Insel Oagö
Ui
SEE
'REVAL
K Ristna
Matsulfl
PERNAU
Karra l
Bujen
Hamaschi
(HELSINKI
7Häp$ai
Kegti
'■'■'Rappel
02010
EDAGQ=
K TatOTna
Die Insel Dagö, die von deutschen Truppen genommen wurde, ist bereits im Weltkrieg von deutschen Truppen eingenommen worden. Von der wei- weiter südlich gelegenen Insel Oesel ist Dagö durch den Pöla-Sund getrennt. Dagö ist 905 Quadratkilometer groß, hat also die anderthalbfache Größe von Bornholm und etwa die halbe Größe von Oesel. Wie die Nachbarinsel, ist auch Dagö flach, doch trägt sie eine stärkere Bewaldung als Oefdk Im Inneren befinden sich Dünen und Sumpf. Die Ortschaften liegen mehr am Rande, teils unmittelbar an der 'Küste. Die Insel, die von etwa.60 000 Esten bewohnt 'wird, gehörte bis 1940 den die sie Miiuma nannten. Die Brücke zum Feslland bildet die 88 Quadratkilometer große Insel Worms, von den Esten Vormsi genannt, die völlig eben ist und flache Ufer aufweist. Auf dieser Insel wohnen heute noch 2400 Deutsche, außerdem noch etwa hundert Esten. Industrie von Bedeutung haben weder Dagö noch Worms aufzuweisen. Um so arö- ßer ist aber ihre strategische Bedeutung. Der Besitzer dieser Inseln sperrt den Zugang zum Finnischen Meerbusen. Die Entfernung von der Nord- spitze Dagös bis nach Hangö, das die Bolschewisten im Jahre 1940 den Finnen abpreßten, beträgt nur 85 Kilometer.
„Bei Moskau bedeutend verschlechtert."
Klage« des Moskauer Nachrichtendienstes.
Berlin, 22. Okt. (DNB.) „Im Laufe der letzten Tage hat sich die Lage an der Front bei Moskau bedeutend verschlechtert", so erklärte Mittwoch früh der Moskauer Nachrichtendienst. Weiter heißt es il a.: „D i e deutschen Trupp en befinden sich in ständigem Vormarsch und setzen immer neue Reserven ein. Man muß sich überhaupt der Tatsache bewußt werden, daß Deutschland immer noch über genügend Reserven an Menschen und Kriegsmaterial verfügt. Die Sowjetarmee braucht jetzt dringend Munition, Gewehre, Geschütze usw. Besonders schwierig ist die Lage an der Front vor Moskau. Dort finden seit Tagen außerordentlich heftige Kämpfe statt, die auch bedeutende Verluste an Munition und Kriegsmaterial fordern." Dem Mangel an für die Waffenerzeugung notwendigen Maschinen und Geräten solle dadurch abgeholfen werden, so heißt es weiter, daß die vorhandenen Maschinen in aller Eile entsprechend notdürftig umgebaut werden.
Der britische Nachrichtendien st meldete, daß die deutsche Luftwaffe am Dienstag Luftangriffe auf Moskau in solcher Stärke durchführte, daß man diese Angriffe nur mit denen auf London im vergangenen Herbst vergleichen könne.
Steigende Nervosität in Moskau.
M os k a u, 22. Oktober. (Europapreß.) Je tiefer die deutschen Truppen in den Verteidigungsgürtel von Moskau eindringen, um so nervöser wird die Stimmung in der sowjetischen Hauptstadt. Die sowjetischen Rundfunksendungen spiegeln die Unruhe, die die ganze Stadt und vor allem die Behörden erfaßt hat, wider. Den ganzen Tag über werden Aufrufe erlassen. Der Inhalt die-
Karin Grunelms
Roman von (Buiöofi. Brand
8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sie verstand nicht viel von Politik. Aber ihr Vater hatte davon gesprochen, und aus Bitterkeit gegen die Mandatsherren, die Engländer, glühte hier und da der Haß auf, der in Ohnmacht warten mußte. — Milchig weiß begann sich die Küste vom Meer abzuheben. Einsam lag es ünter ihnen. Karin erschauerte, als fife es zum erstenmal in seiner Endlosigkeit sah. Unbegreiflich schien ihr die Größe der Natur, die sich an Land und Meer so ungeheuer verschwendete. Irgendwo steuerte Günther an Malta vorbei, den vorgeschriebenen Sektor des Sperrgebietes beachtend. Wie eine flache Scheibe lag die Insel auf dem glitzernden Wasser, denn sie hatten die Sonne schon tiefer im Westen, als sich die Maschine Sizilien näherte.
Wie er es schon dutzendmal während des Fluges getan hatte, untersuchte Günther die Messer und Regler, kontrollierte die Uhren und fand alles in bester Ordnung. Es schien ein Leichtes zu sein, den kleinen Flughafen an der Südküste der Insel zu erreichen. Sann nahm er aus der Tasche die große Flugkarte, die die Strecke von Bengbasi nach Rom aufzeigte, und suchte den Weg nach Modica.
Plötzlich aber hatte er das Gefühl, als höre fein Herz auf zu schlagen. Aus tausend Meter Höhe sah er die Küste vor sich, eine halbe Stunde später würde er landen können. Angestrengt und fiebernd horchte er in den Aether hinaus. Im gleichen Augenblick sprühte klatschend, vom Wind gepeitscht, eine Oel- fahne an das Kabinenfenster. Er starrte auf den Oeldurchmesser. der sich ruckartig senkte, dann wieder durch eine unsichtbare Hand in die Höhe getrieben wurde und ins Leere zurückfiel.
Blitzschnell begriff Günther die Situation. Die Oelleitung war gebrochen. Schon drang beizender Qualm in die Kabine. Er riß die Haube zurück, damit frische Luft hereinkam. Der Propeller, der feit Tagen wie ein silbernes Blatt rotierte, stand
blockiert senkrecht in die Luft und zog die Maschine' schräg in die Tiefe. Mit Aufbietung aller Kräfte suchte Günther den Apparat initiier in die Flugrichtung zu bringen. Unbeweglich war sein Gesicht, nicht ein Muskel in ihm verriet die Gefahr, in der sie schwebten. Es würde nur ein Gleitflug übrig- bleiben! Aber nirgends an der Küste, die sich vor ihm aufrichtete, entdeckte er einen Platz.
Karin, die langsam begriff, daß Günther mit einem drohenden Gespenst kämpfte, die an den zusammengebissenen Lippen, den starren Augen erkannte, daß er sich rasend gegen eine Faust wehrte, die ihn in die Tiefe zwang, stemmte unwillkürlich die Füße gegen den Boden, als könnte sie damit den Sturz aufhalten. In wahnsinnigem Erschrecken, jäh aus dem Gefühl unfehlbarer Sicherheit herausgerissen, griff sie sich ans Herz und versuchte, zu schreien. Sie sah wie hinter einem Schleier, daß Günther mit schmerzverzerrtem Gesicht die Maschine abzufangen suchte.
Tiefer und steiler sauste der Apparat, ein schrilles' Pfeifen war an- ihrem Ohr. Immer näher kam das Meer, immer dumpfer summte und brauste es von unten her. Nicht einmal wandte Günther fein Gesicht zu ihr hin. Er zog an einigen Griffen, drehte ein paar Schalter und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Für Sekunden gelang es ihm, die Maschine in die Horizontale zu bringen. Wie ein schlecht geschleuderter Speer flatterte sie schwerfällig über das Wasser, um dann in steilem Sturz gischtend ins Meer zu fallen.
Karin mußte schon eine Zettlang auf den Wellen getrieben fein, als sie plötzlich, mechanisch Schwimmbewegungen ausführend, zu sich kam und von ein paar starken Fäusten in ein Boot gezogen wurde. Wie von fern her hörte sie eine helle italienische Stimme, irgend jemand schien zu kommandieren, eine dunkle mischte sich dazwischen. Dann war wieder alles so nah, daß ihre Obren schmerzten.
Wie in einem Traum flog sie, denn sie spürte ganz deutlich, daß sich ihre Arme bewegten, kreisten und flatternd die leere Luft schlugen. Schaudernd bemerkte sie. wie ihre Arme zu Flügeln eines Flug^ zeuges wurden, das wie ein großer Vogel über dem weißen Sand schwebte und sich langsam nieder
ließ. Mit unheimlicher Ruhe setzte es auf dem Boden auf und zerfiel wie ein Schatten vor der Sonne. Plötzlich stand Günther neben ihr und lachte ihr in die Augen.
„Weißt du was, Karin? Jetzt gehen wir immer die Küste entlang bis nach Berlin"", sagte er, aber ganz unwirklich, so daß sie es gar nicht glauben konnte und es nicht ernst nahm.
Aber dann war es gar nicht feine Stimme, sondern ein Arzt stand neben ihr und sagte etwas, das sie nicht verstand. Als sie ihre Hand ausstreckte, tastete sie über ein buntes, rotkariertes Kissen hin und versuchte zu erkennen, wo sie war. Am Fußende des Bettes standen ein paar junge Männer und eine Frau, die sich fortwährend bekreuzigte.
„Wo ist Günther?" rief Karin, wie durch einen Schlag bei vollem Bewußtsein.
Im gleichen Augenblick wurde die Tür mit einer energischen Bewegung geöffnet. Ein großer blonder Mensch schob die im Zimmer Stehenden zur Seite und bat sie, hinauszugehen.
„Wie steht es, Doktor?" fragte er den Arzt mit einem fragenden Blick auf Karin, die den Kopf ein wenig aus den Kiffen hob. Obgleich sie nur schwerfällig denken konnte, sammelten sich ihre Gedanken plötzlich wie um einen Kristall. Sie bekamen alle eine merkwürdige Richtung, auf die sie gar keinen Einfluß mehr hatte.
Deutlich, fast zu klar und scharf, sah sie in ein braungebranntes Gesicht, auf dem während der Unterhaltung mit dem Doktor ein leicht schwebendes Lächeln mit einem ernsten Ausdruck wechselte. Der helle Haarschopf, der sich etwas wirr über eine hohe Stirn bauschte, unordenllich, als ließen sich die Haare nicht gern bändigen, schien ganz und gar nicht zu dem fließenden Italienisch zu passen. Irgendwie hatte sie das Gefühl, daß der Mann, der, ohne lange zu fragen, sich aüf den Bettrand setzte, ebenso fremd fein müßte, wie sie selbst. Hinter seiner Stimme lag eine andere härtere Sprache.
Aber sie hätte nicht sagen können, weshalb ihr das in diesem Zustand, in dem sie die Dinge nur halb spürte, auffiel. Sie mußte sich beinahe Mühe geben, ihn nicht immer anzuschauen. Wenn sie dann die Augen schloß, war ihr, als wäre in dem Zimmer, von dessen weihen Wänden das Licht unbarmherzig
über sie hinwegflutete, ein Schatten, der alles mit einer gütigen Hand milder machte.
Doktor Vincento Collinari hatte ein paarmal mit den Schultern gezuckt: „Es ist eine Deutsche, Herr Bröger, und im übrigen eben erst aufgewacht. Vielleicht helfen Sie mir ein bißchen bei der Verständigung. Aeußerlich scheint alles in Ordnung zu ssirn Aber innerlich."
„Nanu! Eine Deutsche? Wo kommt beim die her?* fragte Bröger noch italienisch zurück, wandte sich aber bann mit weichem fränkischem Dialekt an Karin: „Ich muß schon sagen, einfach so aus bem Himmel zu fallen, ist eine etwas ungewohnte Art, unserer schönen Insel einen Besuch abzustatten. Diesmal scheint es ja noch gut gegangen zu fein!"
Als Karin bie ersten beutfchen Worte hörte, wurde sie von bem Gefühl einer befreienben Dankbarkeit überströmt. Seitbem man in bem für sie völlig unverständlichen Italienisch über sie h.ergefallen war, auf Französisch ben Versuch machte, sich mit chr zu verständigen, ergab sie sich fast hllflos in ihr Schicksal. Um sie selbst ging es ja nicht, aber sie mußte wissen, wo Günther mar! Wie eine heiße Flamme schoß in ihr die entsetzliche Vorstellung hoch, daß er um- gekommen fein' konnte. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie Bröger an, krallte ihre noch kraftlosen Hände in die Bettdecke: „Wissen Sie, wo Günther ist?"
Die kleine Pause, in der Bröger den Arzt ansah, schien ihr wie eine Ewigkeit. In dieser Sekunde preßte sich der Sturz in die unendliche Leere zu einem Würgegriff um ihre Kehle. Oh Gott — wenn Günther — schrie es in ihr ... Warum sagt der Arzt nichts ... Warum schauen sie sich so fragend an? Nein — nein — es darf ihm nichts passiert sein!
Als müßte sie einen Hott suchen, streckte sie ihre Hand aus und tastete mit zitternden Fingern über die rote Decke, bis sie Brögers Arm spürte.
„Sie können unbesorgt sein, Fräulein. Ganz unbesorgt! Außer ein paar gebrochenen Rippen, bito rechtem Arm unb sonstigen aber unbedeutenden Schäden ist Ihr Herr Günther wohlaufi Wir haben ihn zwar in ein Krankenhaus bringen müssen, nach Spaccaforno, aber bas war nur eine Vorsichtsmaß« nähme!"
(Fortsetzung folgt)


