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Abschied von Christian.

Von Herbert Dörr.

Marita stand am Bahnsteig und sah dem ab fah­renden Zuge mit starrem Bick nach. Bis zuletzt hatte sie sich bemüht, tapfer in Christians lachende Augen zu schauen, als er an der Seite seiner Ka­meraden wieder hi naus fuhr.

Doch jetzt, als die unzähligen flatternden Taschen­tücher nur noch als kleine, weiße Pünktchen am Firmament sichtbar waren und sie die Gewißheit hatte, daß Christian auch sie im Gewimmel der Zurückbleibenden wicht mehr erkennen konnte, füll« ten sich ihre Augen plötzlich mit Tränen, die unauf­hörlich über ihr feines, blasses Gesicht liefen. Sie stand noch eine Weile regungslos, bis der Zug ihrem Blickfeld entschwunden war, und ihre Arme hingen schlaff herab, als sie ein wenig später lang­sam und mit schleppenden Schritten den Bahnhof verließ.

Sie ging nach Hause, versuchte an nichts zu den­ken und konnte doch darüber nicht hinwegkommen, daß Christian auch beim Abschied das entscheidende Wort nicht gesprochen hatte. Nur ihre Hände wollte er schier nicht auslassen und hatte sie fest und im­mer wieder gedrückt. Aber die stumme Frgge, die er doch in ihren Augen gelesen haben mußte, die hatte er unbeantwortet gelassen und nichts mehr gesagt.

Maria schritt durch die Straßen und spürte das Leben nicht, das sie ringsum umgab. Sie sah den Menschen verständnislos ins Gesicht und wunderte sich, daß manche heiter und unbekümmert drein- schauten und andere hastig und geschäftig vorüber­eilten, daß jeder irgendein Ziel zu haben schien, das »ihn bewegte und chm Triebkraft gab, und sie fühlte doppett die grenzenlose Leere in ihrem Inneren und flüchtete rascher ihrer Behausung .zu.

In ihrem Zimmer lag das Buch, das Christtan ihr gestern zum Abschied geschenkt hatte. Er war so ernst und feierlich dabei gewesen, wie es gar nicht zu ihm paßte und schon gar nicht zu dem unbe­schwerten Titel dieses Werkes.

Sie mochte das Buch nicht und tat es fast un­willig in eine Lade, ohne auch nur einen Blick darauf zu verschwenden. Gin paar Blumen als letzte Gabe wären ihr lieber gewesen, die hätten ihr mehr

britischen Kriegsschuldigen auch in der Labour Party dahin beantwortet, England sei nicht stark genug, um eine Offensive auf dem Kontinent zu unternehmen, und Minister Morrison sieht be­reits jetzt das Maximum der englischen Kriegs­rüstung erreicht. Auch dasArsenal der Demokra­tien", die USA., kann nicht helfen.

Nun ist es psychologisch verständlich, daß die Bri- ten auch diesen Krieg mit anderen Nationen führen wollten und zuletzt Stalin als Söldling gewannen. Wenn dieser letzte Ausgehaltene am Boden liegt, dann kommt, das verspürt man jetzt in England, das bittere Ende für das perfide Albion. Daher die Wut über die Unterlassungssünden, daher auch der Schreck über die Bedrohung des Donezbeckens, da mit dessen Besitz die Sowjets den Rest ihrer euro­päischen Kriegsindustrie verlieren. Damit hat sich das Verhältnis der amerikanisch-englischen Rüstungs­fabrikation zur deutschen nämlich grundlegend um­gekehrt. Die deutsche hat sie endgültig überflügelt, und daher wohl das Wort des Londoner Gewerk­schaftsrates, wenn die Sowjetregierung falle, falle auch England.

Das Industriegebiet im Oonezbecken.

Das Donezbecken liegt in dem weitausholenden Bogen, den der Donez, ein Nebenfluß des Don, nach Osten bildet. Früher wurden besonders die Salzgruben von Bachmut ausgebeutet. Vor 50 Jah­ren wurden die großen Kohlenvorkommen entdeckt, die sich von Schachty nach Westen hin in abnehmen­der Qualität erstrecken. In Schachty, das vor knapp zehn Jahren durch einen vornehmlich gegen eng- lische (!) Ingenieure gerichteten Schauprozeß be­kannt wurde, wird hochwertigster Anthrazit gefun­den, weiter nach Westen zu die in der Sowjetunion seltene verkokbare Fettkohle, und ganz weit nach dem Westen hin Magerkohle für den Hausbrand. Diese Kohlenfunde trugen zur Entwicklung der Ei- senoerhüttung sowohl westlich des Dnjepr, als auch im Donezgebiet selbst wesentlich bei. Daran schloß sich die verarbeitende Industrie, z. B. die Traktoren­werkeOrdschonikidse" in Charkow und .Dser­schinsk" in Stalingrad-Zarizyn, Lokomo- tiv- und Waggonfabriken, die allein etwa 60 v. H. des gesamten Jahresbedarfs der ganzen Sowjet­union decken, Röhrenfabriken, Maschinenbauanstal­ten und in R o st o w auch eine Schuhfabrik, die 1938 213 Millionen Paar Lederschuhe herstellte. In dem­selben Jahr wurden in diesem Industriegebiet 1626 Lokomotiven, 49100 Güterwagen, 211400 Kraft­wagen gebaut!

Mariupol ist eine Stadt von 225 000, T a - ganrog eine Stadt von 190 000 Einwohnern. Ta­ganrog hat eine bemerkenswerte Metall-, Leder- und Papierindustrie. Noch wichtiger ist seine Lage. Nur 50 Kilometer entfernt liegt das Mündungsdelta des Do n, dessen wichtigster Nebenfluß der Do­nez (kleiner Don) ist. Der Don ist nach Wolga und Dnjepr der größte Strom der europäischen Sow­jetunion. Oberhalb seines Mündungsdeltas liegt auf feinem West ufer die wichtige Industrie- und Han­delsstadt R o st o w, die in ihrer heutigen Form eine verhältnismäßig moderne Stadt ist, nach Odessa als bestgebaute Stadt der Ukraine gilt, aber auch sehr nüchtern ist. lieber Rostow führt die einzige und darum sehr wichtige Großbahnverbrndung nach dem Kaukasus. Dr. Ho.

Island den Amerikanern.. /'

England sträubt sich noch.

Genf, 20. Oft. (DNB.) Wie man aus amerika­nischen Kreisen erfährt, ist von den Amerikanern kürzlich an die Engländer die Forderung gestellt worden, Island den Amerikanern für die alleinige Benutzung freizugeben. Die Amerikaner weisen darauf hin, daß die be­schränkten militärischen und technischen Möglichkeiten auf dieser Insel nicht ausreichen, um genügende Massen von Truppen und Kriegsmaterial dort in ge­eigneter Weise unterzubringen. Amerika beabsichttge, Island zu einem großen amerikanischen Stapelplatz und Truppenlager auszu­bauen und müsse daher daraus bestehen, daß sich die Engländer zurückziehen. Es sei auch unerträglich, daß die amerikanischen Truppen auf Island weiter­hin unter einem britischen Oberbefehlshaber stehen. Aus englischer Seite sei diese Forderung bisher ab­gelehnt worden, weil Churchill mit dem Widerstand derjenigen englischen Kreise rechnen müsse, die eine weitere Preisgabe englischer Empireinteressen nicht mehr für tragbar halten.

Das Ziel der europäischen Zusammenarbeit.

Rede des Reichsministers Funk in der Universität Rom.

Rom, 20. Oktober. (DNB.) Reichswirtschaftsrni- nifter und Reichsbankpräsident Funk, der einer Einladung des Kgl. Italienischen Außenhandelsrni- nisters Riccardi Folge geleistet hat, hielt am Mon­tag in der Kgl. Universität in R o m eine Rede, in der er zunächst die einmalige geschichtliche Größe der beiden Führer der Achse würdigte und das gewal­tige Ausmaß ihrer politischen Zielsetzung die Neuordnung und Befriedung des europäischen Rau­mes umriß.

Italien fällt dabei die besondere Rolle zu, so führte Reichsminister Funk im einzelnen aus, in seinem naturgegebenen Lebensraum, dem Mittel- meergebiet, für eine gesunde Neuordnung der polttischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu sor­gen. Die immense Bedeutung des Mittelmeergebie­tes mit feinen außerordentlichen großen Möglichkei- ten liegt vor allem darin, daß es die natürliche Brücke zwischen Europa, Afrika und Dorderasien bildet und dadurch den gewaltigen Güteraustausch zwischen drei Kontinenten zu vermitteln vermag.

In feinen weiteren Darlegungen kennzeichnete Reichsminister Funk das Weltwirtschaftschaos der Zeit nach dem Weltkriege und kam ,zu dem Ergeb­nis, daß ein Wiederaufbau der zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen nach diesem Kriege nur un­ter völliger Abkehr von ben liberalistischen Handels­und Wirtschaftsmethoden mit Erfolg durchgeführt werden kann. Als erstes Ziel der europäischen Zusammenarbeit hob der Redner hervor, den unter dem Zwang der britischen Blockade entstande­nen europäischen Großwirtschaftsraum weitgehend von der Einfuhr lebensnotwendiger und wehrwirt­schaftlich wichtiger Waren unabhängig zu machen, womit keineswegs einer überspitzten Autarkie das Wort geredet werden soll. Denn wir sind fest üder- Ö, so betonte der Reichsminister, daß sich die illschbeziehungen mit anderen Wirtschaftsräu­men nach Beendigung dieses Krieges sehr schnell an­bahnen werden, weil die überseeischen Rohstoffpro- duzenten einfach nicht auf die Dauer auf ihren Pro- duktionsüberschüssen sitzen bleiben können und wol­len.

Dor allem aber sehen wir es als müßig, ja sogar als unwahrhaftig an, die Frage des Wirt­schaftssystems als Hemmnis für einen künftig blühenden internationalen Handel propagandistisch herauszustellen, wo doch die Welt heute mit Stau­nen wahrnimmt, wie die demokratischen Länder, insbesondere England und die USA., die angeblich für die Beibehaltung freier Wirtschaftsmethoden kämpfen, in zunehm^dem Dfaße zu einer ft a a t 1

lichen Lenkung ihrer Innen- und Außenwirt­schaft schreiten. Wir müssen daher diese Propaganda als fadenscheinigen Vorwand für imperialistische Ziele dieser Staaten werten.

Der GrundsatzGesunde Währung nur bei ge­sunder Wirtschaft" gilt auch für die Lösung der internationalen Währungsfragen. Wir müssen es als eine Irreführung der Weltmei- nung bezeichnen, wenn unsere Gegner das Clea­ringsystem als Hindernis für eine Neuordnung des internationalen Handels- und Zahlungsverkehrs hinftellen. Es kann zweckmäßig fein, das Gold als Mittel zum Ausgleich sich vorübergehend bildender Zahlungsspitzen zu verwenden. Das hierzu er­forderliche Gold werd en wir nach Be­endigung dieses Krieges besitzen.

Durch eine intensive und fortwährend weiterent­wickelte Zusammenarbeit ist die politische Achse Ber­linRom auch eine wirtschaftliche Achse mit dem Erfog geworden, daß der Umfang unse­res Außenhandels sich während des Krieges nahe­zu verdreifacht hat.

Reichsminister Funk begründete sodann näher die bewährte Synthese: Freie Wirtschaftsini­tiative unter staa11ich er Gesam11en - ku n g. Nur in einer so verpflichteten Volkswirtschaft können dem ganzen Volk die besten Lebensbedin­gungen geschaffen werden. Darin liegt für uns der Sinn allen Wirtschaftens überhaupt!

Die Zukunft gehyrt den Völkern, so betonte Reichsminister Funk abschließend, die ebenso die Fehler der Vergangenheit wie die extreme Reaktton darauf durch eine sinnvolle Synthese überwinden. Daß und wie die beiden Achsenmächte eine solche Synthese für unseren Lebensbereich befunden haben, hat der bisherige Verlauf des Krieges der Welt mit aller Eindringlichkeit bewiesen, das beweist aber auch die Tatsache, daß das neue Europa, das nach unseren Ordnungsprinzipien aufgebaut wird, be­reits weitgehende Realität geworden ist.

Wenn England bisher noch immer Hoffnungen auf die wirtschaftliche Erschöpfung der Achsen­mächte zu haben glaubte, so muß jetzt auch der größte Illusionist klar erkennen, daß diese Hoffnung zunichte ist. Die englische Blockade ist heute endgültig zerbrochen: Je länger der Krieg dauert, desto schwächer wird England, desto stärker aber werden wir. Mit dem, was im europäischen Ostraum in den letzten Monaten ae- schah, ist der Endsieg um ein gewaltiges Stück nähergerückt. Wir wissen heute, daß er uns nicht mehr entrissen werden kann, komme, was da wolle.

60000 BRT. - Zwei Zerstörer.

Oer große Ll-Boot-Erfolg im Blockadegebiet.

Von Kriegsberichter Dr. Wolfgang Frank.

DNB.....20. Okt. (PK.) Dunkle Nacht im M i t.

telatlantif, eine frische Frühbrise weht aus Westsüdwest und führt Böen mit prasselnden Regen- chauern vor sich her. Die Sicht wechselt von Minute zu Minute, und die Männer auf dem Turm eines deutschen Unterseebootes müssen alle Wachsamkeit zusammennehmen, um die Augenblicke freier Sicht Ür ihr unablässiges Spähen voll auszunutzen.

Es ist gegen %9 Uhr abends, die Wache noch risch, vor knapp einer halben Stunde aufgezogen. Plötzlich erkennt einer der Ausgucks buckelförmige Erhebungen an der Kimm, sieht noch einmal näher hin, meldet dann dem Wachoffizier tatsächlich einen Geleitzug. Der Kommandant kommt eilig auf die Brücke, sieht und setzt sofort zum Angriff an. Größer und mächtiger wachsen die Schatten aus der Nacht, Silhouetten von mehr als 20 Schiffen, dazu die niedrigen Umriffe von Bewachern und Zer- törern, die umgangen werden. Dann schießt das Boot, und noch nicht eine Stunde nach dem Jnsicht- fommert des Geleitzuges sind bereits an drei Frach­tern die Todesfäulen der Treffer aufgestiegen. Sin­kend bleiben die Schiffe zurück, mit ihren Stich­lammen und Detonationen das Alarmsignal für andere suchende U-Boote gebend.

Der Morgen graut, das Wetter verschlechtert sich laufend. Der Wind nimmt zu, es wird diesig, Re­genböen prasseln immer dichter und arten schließ­lich in Dauerregen aus, in dem die Fühlung an den Geleitzug kaum noch zu halten ist. Dazu stoßen

immer wieder die feindlichen Zerstörer nach allen Seiten heraus, um die U-Boote abzudrängen und wenn möglich zu vernichten. Stunden um Stunden reißt das dröhnende 91 amumm der wild und planlos geworfenen Wasserbomben nicht ab.

Trotz aller Schwierigkeiten bleiben die Boo- t e dran. Abends sinkt ein weiterer Dampfer. Die britische Luftwaffe, inzwischen alarmiert, ist mit schweren Sunderland-Flugbooten ver- treten. Dennoch lassen sich die Boote nicht abschüt­teln. Immer wieder in dieser zweiten Nacht stoßen sie zum Angriff heran, lösen ihre Torpedos und spähen sofort nach neuen Opfern aus. Detonationen gellen. Rauch und Feuer steigen mit den Spreng- fäulen an getroffenen Schiffen auf, ein Tanker steht als riesig und gespenstisch lodernde Fackel in der stürmischen Nacht. Deutlich gerät der Geleitzug in Unordnung und zieht sich weit auseinander. Wie gehetzte Hunde jagen die Zerstörer umher, in immer neue Richtungen stoßend, doch die Boote las­sen nicht locker.

Im Morgengrauen braust einer dieser lästigen Schäferhunde", plötzlich aus Dunst und Regen einem Boote vor die Röhre. Auf ihn! Der Tor­pedotreffer sitzt genau mittschiffs. Wie unter einem unerhört wuchtigen Faustfchlag bricht der Zerstörer in zwei Teile. Heck und Bug heben sich steil aus der See, schlagen zusammen und fahren in Sekunden auf Tiefe. Der wirft keine Wasserbomben mehr. Weiter geht die Jagd, ein

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im Kernen Osten.

Von Karl Tagert, Konteradmiral a. D.

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Englische Gorgen I®

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gelandet und im Kriegshafen von Saigon, vielleicht ig Lchlo auch in der Camranh-Bucht liegen heute japanisch M, 11: und französische Truppen friedlich nebeneinander. Men

Der Name der letztgenannten Bucht gemahnt an den russisch - japanischen Krieg von. 1904/05. Im Mai 1905 lief dort die riesige russisch | Aschen Ersatzflotte des Admirals R o d j e st w e n s k i zun i Mt Kohlennehmen ein, bevor sie ihre Weiterfahrt naij ] eil dem Norden antrat, auf der sie dann bei der Inst J gege Tsushima fast restlos von den Japanern vernicht-t v« Berei wurde. Es war die zweite Flotte, welche die Russe!, verloren. Die eigentliche russische Ostasien-Flotte war bereits bei der Einnahme von Port Artur in japo Nische Hand gefallen. Niederlage auf Niederlage hatte auch die 500 000 Mann starke russische Arm« in Ostasien einstecken müssen. Alles ernste Mahnun- gen, ein leidenschaftliches, stolzes Kriegervolk wir die Japaner nicht zu reizen und dies zu tun, tt die englische Presse jetzt wieder eifrig am Werk.

Die amerikanische Flotte soll gegen di« Japaner helfen. Wenn diese Flotte von Singapur aus gemeinsam mit den englischen Geschwader, operieren würde, so werde sich die japanische Flott« im Süden in ein verzweifeltes Unternehmen ver wickelt sehen. So schrieb derDaily Telegraph", un) die übrigen englischen Zeitungen äußern sich äbnti» Man lieft aus den drohenden Worten die schwer, Sorge heraus, die England aus dem neuen ener gischen Vorgehen Japans erwachsen ist.

Jndochina grenzt unmittelbar an Burma. Di« Burma-Straße, der berühmteKanonenweg" der in Tausenden von Kilometern von Rangun bi; nach Tschungking am oberen Jagtse führt uni) Heuti fast den alleinigen Kriegsmaterial-Zufuhrweg für den Marschall Tschiangkaischek bildet, liegt jetzt iir festen Zugriffsbereich japanischer Flugzeuge. Vo« den Malaienstaaten und deren Kernpunkt Singapur, das England mit ungeheurem Kostenaufwand z» einemGibraltar" des Fernen Ostens ausgebaur f)at, ist die französische Kolonie nur durch schmale Gebiete des Königreichs Thailand getrennt. Auf beir Seewege find die indochinesischen Südhäfen von Singapur nur etwa 500 Seemeilen (1000 Kilometer) von den reichen Oelgebieten in Britisch- und Nieder- ländisch-Borneo etwa gleich weit entfernt.

Japan hat in Jndochina ein reiches Land oorge- funden. Reis, Gummi, Erz, Kohle und andere Roh-

Für Frankreich find die Probleme des Still«,, Ozeans nicht die Knochen eines französischen Sol« baten oder Matrosen wert ... Ueberlassen wir «g den Engländern, Amerikanern, Japanern obtr Russen, sich darum gegenseitig aufzufressen. M haben andere Sorgen." So schrieb noch vor acht Jahren der französische Admiral C a st e x in feinem BuchStrategische Theorien". Nach seiner Ansicht war es das beste, das reiche Jndochina gegen eine englische Kolonie, vielleicht Nigeria, auszn, tauschen, da es sich gegen einen starken Gegnix doch niemals halten lasse.

Die Zeiten haben sich geändert. Japan, bcs Castex als den in Frage kommenden starken Oegntr betrachtete, ist jetzt der geschätzte Freund Frankreich;, der versprochen hat, Jndochina gegen jeden Angriff zu schützen. 70 000 japanische Soldaten sind frort

Tasten und Fühlen in Diesigkeit, Dunst, Regeir, Sturm und rollender, hoher See. Einmal scheint er-, als sei der Geleitzug, der hart nach Norden ab» gezackt ist, den U-Booten entkommen, aber bann hart ih^plötzlich eines roieber in Sicht.

Wieder zieht ein fahler Tag herauf, und wie­der sieht ein Kommanbant plötzlich aus Dunst unö Dreck einen sichernben Zerstörer heraus- toßen, diesmal anfd)einjenb einen der sog. Churchill- Klasse, der ehemaligen Amerikaner, die an (Eng- lanb verkauft wurden. Weg mit ihm, Rohr klar. Rohr los, und Treffer achtern. Eine Stichflamme ch'eßt gen Himmel. Wie vom Schlag getroffen 'leibt der Gegner liegen, sinkt tiefer, richtet ben djarfen Bug auf und ratüjü nach Minuten über das Heck in die Tiefe. Das U-Boot weichlt einem zweiten Zerstörer aus, der heranbraust, um Ueberlebenbe zu fischen, und stößt dem Geleitzug, nach.

Sieb en Frachter und drei T a n k e r mitt insgesamt 60 000 BRT. und zwei Zerstörer' bucht der Brite nach diesem U-Bootangrifs auf bas« Verlustkonto. Die Schlacht im Atlantik geht weitem pausenlos und unerbittlich.

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gesagt und anders zu ihrem Herzen gesprochen, als einige Blätter bedruckten Papieres. Doch so war Christian und nicht anb-ers. Um nichts in der Welt hätte er Worte gesprochen ober Dinge geschenkt, die ihr Klacheit ober Hoffnungen bringen konnten.

Und doch, es war eine glückliche Zeit gewesen, die sie mit Christian verlebt hatte, seine Urlaubs­tage, die er ihr ganz gewidmet hatte und die sie an feiner Seite verbringen durfte. Sie war ihm dank­bar dafür. Es war eine schöne Zeit gewesen.

Dann gab es auch besinnliche Stunden, in denen sie still seinen Worten gelauscht hatte, wenn er von ber Zukunft sprach, von seinen Wünschen und Plä­nen für später, wenn das mächtige, stolze Vater- land seine siegreich heimgekehrten Söhne zu neuen Taten rufen würde, zu Taten des Friedens und der Größe. Da konnten feine Augen sprühen, und er zog sie wohl fester an sich, sie aber merkte im­mer bestürzter, daß er ihr selbst in diesen Zukunfts­träumen keinen Raum gegeben hatte. Das spürte sie in chrer Hellhörigkeit für alles, was Christtan betraf, immer wieder heraus und wollte doch die Weihe solcher Stunden nicht durch selbstsüchtige Fra­gen stören. Sie lauschte nur vergebens auf die kleinste Andeutung, doch es kam nichts, bis zum Abschied wartete sie umsonst auf ein Wort aus fei­nem Munde, bas ihre gemeinsame Zukunft betraf.

Ein leises Frösteln kroch in ihr hoch. Mutlos ftieg sie endlich ins Bett und zog die Decke fester über sich. Doch als der Schlaf sich nicht einstellen wollte, fiel ihr plötzlich Christtans Buch ein, und auf blo­ßen Füßen lief sie zur Lade, um feine verschmähte Gabe zu holen.

Lesen wollte sie freilich nicht. So wett war sie noch nicht, um sich in fremdes Geschehen vertiefen und dabei Vergessen finden zu können. Noch wollte sie, daß ihre Gedanken ausschließlich und allein um Christtan, den bösen Christian, kreisen sollten.

Sie hatte sein Buch nur hervorgeholt, um zärtlich barüberstreichen zu können, denn sie entsann sich, wie er es gestern so langsam und zögernd aus sei­nen Händen gegeben hatte. Aus seinen lieben Hän­den! Und ein wenig traurig hatte er dabei geschie­nen, weil sie das Buch sogleich beifcitelegte.

Nun entschloß sie sich doch, den Band zu öffnen, fuhr aber gleich daraus hoch und rückte naher zur Nachttischlampe, denn auf der ersten Seite stand da

in Christians steiler, fester Handschrift etwas zu lesen. Das überflog Maria erst einmal, dann noch einmal und schließlich immer wieder, bis sie es fassen konnte und die Worte fest in ihr Herz ge­schrieben waren:

Meiner liebsten Braut zum Abschied von ihrem Christtan!"

Und als am anderen Morgen ein schüchterner Sonnenstrahl ins Zimmer fiel und Marias Nasen­spitze küssen wollte, da sprang er gleich erschrocken weiter, denn niemals hatte er ein junges Mädchen- antlitz von so tiefen Runen durchfurcht gesehen. Er konnte ja nicht ahnen, der kleine Sonneustrcchl, daß ein dunkler Mädchenkopf es vorgezogen hatte, in dieser Nacht statt auf einem weichen Kissen auf einem grausam harten, kantigen Buch zu ruhen.

Das neue Zriselschiff.

s. ueue Heft der Zeitschrift für die Freunde bes Insel-Verlags zu Leipzig wirb eingeleitet mit Kants TraktatVon ber Würbe des Menschen" aus bem von Hans Thoma herausgegebenen Kant-Bre- vier ber Insel-Bücherei; der Verlag hofft, daß mancher, der sich nicht an die großen Werke des Königsberger Philosophen wagt, vielleicht durch dieses Brevier den Zugang finden werde. Ungemein lebendig und anziehend wirkt das in denBegeg- nungen mit Adalbert Stifter" sich spiegelnde Bild der Persönlichkeit des Dichters. Nicht minder reiz- voll, überdies ganz aktuell, erscheint Max Schön­auers liebevoller Rilke-BeitragDer ,Cornett in Frankreich". Im Paracelsus-Jahre wird es vielen Lesern willkommen sein, die Stimme des großen Arztes einmal unmittelbar zu vernehmen: hier lieft man feine AbhandlungDon den drei Gründen der Arznei" aus feinemBuche Paragranum". Der Dialog von den Büchern" aus der neuen Novalis- Ausgabe der Insel erscheint im Hinblick auf die kommende Kriegs-Buchwoche bemerkenswert. Aus dem übrigen Inhalt des tadellos ausgestatteten Heftes feien noch die ErzählungDas Gesicht des Meeres" von Gertrud von le Fort, Gedichte von Frida Bettingen und Achim von Akerman, endlich das Bild Carosias im Garten einer römischen Villa hervorgehoben.

3m antiken Zirkus.

heute hat der Zirkus noch nicht feinen Zau­ber verloren. Schon vor bald 2000 Jahren, im alten Rom, waren die Zirkusspiele ein wichtiger Bestand­teil des Volkslebens, und ber antike Zirkus hatte manches mit bem unseren gemein. In ber Blütezeit bes römischen Zirkus gab es verschobene Formen bes Baues: runbe Amphitheater, in benen bie Gla> btaiorenfampfe, die Tierhetzen und Wafserschrachien ftattfanben, und langgestreckte Bauten mit einer Doppelten Bahn für bie Pferberennen und Reiter« kunststücke. Eingeleitet wurden die Wettrennen burd) eine feierliche Prozession; bann warf ber Leiter ber Spiele, der feinen Platz über bem Hauptein- gang hatte, ein Tuch in bie Bahn als Zeichen zum Beginn. Darauf fuhren bie Wagen gewöhnlich zu vieren durch die Pforten am Ende der Bahn und jagten siebenmal bie Strecke hin und zurück. Hat sich diese Art Wettfahren bis auf ben Nachklang in unseren Pferberennen verloren, so sind die Dor- führungen, die in den Pausen zwischen ben Wagen- rennen ftattfanben, im Zirkus noch heute in Hebung; da zeigten Kunstreiter ihre Fertigkeiten im Aus- unb Abspringen, sie ritten im Liegen, sprangen über Viergespanne hinweg und zeigten auch beim Reiten künstliche Figuren, wie wir sie noch heute bei Reiterfesten sehen.

Die Hauptspiele fanden in ben mächtigen Amphi' Heatern statt. Hier versammelten sich schon in ber Frühe vor Sonnenaufgang zahllose Männer und' Frauen, die einen gewaltigen Lärm vollführten, so daß einmal der Kaiser Caligula, als er von bem ßärm gestört würbe, bie Menge auseinanber trei­ben ließ, wobei Tausenbe ums Leben kamen. Der Aufwand an Pracht und Massenwirkungen wurde immer maßloser. Im Vordergrund standen dabei die Gladiatorenspiele. Ursprünglich waren sie zu Ehren der Toten aufgeführt worden, aber schließ* lich war ein reines Schauspiel übrig geblieben, beffen Darsteller sich aus Kriegsgefangenen, Ver­brechern unb Sklaven zufammensetzten. Verzweifelte unb Verkommene ließen sich freiwillig anroerben, neben ihnen auch wilde Gesellen, für deren rohe Tapferkeit das Gladiatorenwefen ein gewinnbrin* gendes Handwerk bedeutete. Q L

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