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Veutezahlen unter wiMaßichem Gesichtspunkt

w. Jahrgang Nr. 250

Epcherm täglich, außer Smntags und feiertags

Beilagen:

DRV. Aus dem Aührerhauplquartier, 20. Oktober. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Südteil der Ostfront rücken die deut- fchen, italienischen, ungarischen und slowakischen Di­visionen unaufhaltsam gegen das Industrie- gebiet im Donezbecken vor. Auch an den übrigen Frontabschnitten verlaufen die Operationen erfolgreich.

Die Luftwaffe richtete au der gesamten O st - front wirksame Angriffe gegen wichtige Lisen- bahnlinieu und Verkehrs Verbindung en.

3m Südosten, Süden und Südwesten der britischen Insel wurden Häfen und kriegswichtige Anlagen bombardiert. 3m Seegebiet des St.- Georg-Kanals warfen Kampfflugzeuge ein größeres Handelsschiff in Vrand.

3n Nordafr.ika griffen deutsche Kampfflug­zeuge am 19. Oktober und in der Rächt zum 20. Ok­tober mit guter Wirkung die Hafenanlagen von Tobruk an.

Det Feind flog nicht in das Reichsgebiet ein.

Belaqerungszustand über Moskau.

Stockholm, 20.. Dttpber. (DNB.) Im Mos­kauer Rundfunk wurde am Montagfrüh em Erlaß

vnlck und Verlag: vrühlfche UniverfilÄrd rwderti L Lange

Richtung Donez.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Während die Kämpfe im Raume von Moskau die Welt in Atem halten und in London die Der- Hängung des Belagerungszustandes über die sowje­tische Hauptstadt durch Stalin geradezu als Schock empfunden wurde, da diese Tatsache die deutschen Meldungen vom Fortschritt der deutschen Truppen bestätigt, hat sich im Südteil der Ostfront ein Er­eignis abgespielt, das wohl ebenso schwerwiegend ist wie die Bedrohung der Sowjethauptstadt. Die Krim ist endgültig vom Festland a b g e s ch n i t - ten, der industrielle Nachschub für die Sowjetbe- festigungen aus der Krim ist unterbrochen, und über Mariupol hinaus haben wir bereits Tagan­rog, einst in Deutschland bekannt, weil von dort aus der südrussische Hartweizen für gewisse Nudel­orten exportiert wurde, genommen. Diese südliche Umflügelung des Donezbeckens aber hat diesen wehr­wirtschaftlichen Schwerpunkt der Sowjetunion dem Griff unseres rechten Zangenbackens im Zusammen­hang mit dem nördlichen über Drei preisgegeben, und der Wehrmachtbericht vom Montag berichtet, daß die Deutschen und die ihnen verbündeten Di­visionen unaufhaltsam gegen das Do­nezbecken vorrücken.

Die Bedeutung dieser Rüstungskammer für die Sowjets ist gewaltig. Der englische Minister Mor­rison hat offen ausgesprochen:Die deutschen Hilfs­quellen haben sich erhöht. Unsere Kriegserzeugung an Waffen liegt zusammen mit der Euren also der amerikanischen noch unter dem, was Deutsch­land mit seinen ausgedehnten Hilfsquellen und Er- zeugungszentren produziert. Wir haben noch viel verlorene Zeit einzuholen. Unsere Kriegsindustrie kann noch einigen Fortschritt erzielen, aber ihre Höchstleistung wird in nicht allzu grgßer Entfer­nung erreicht sein." Der Londoner Gewerkschaftsrat hat zwarim Namen von fünf Millionen britischer Arbeiter" die Regierung aufgefordert, sofort auf der Errichtung einer zweiten Front zu bestehen, aber weshalb diese nicht zustande kam und warum Eng­land, wenn es jetzt den Versuch machte, sie zu er­richten, ein Fiasko erleben würde, das ist eine Frage, die einfach die Beantwortung findet: Eng­lisches Unvermögen.

Womit sich alle Welt in den englisch sprechenden Ländern beschäftigt, das hat die ernsthafte britische ZeitschriftNew Statesman and Nation" geschil­dert. England befände sich im Zustande derIrrita­tion" gegen Churchill und gegen jedes Regierungs­mitglied. Weshalb habe man nicht im Juni eine zweite Front errichtet? Die Zeitschrift sagt, die Sow- letunion habe jetzt, nach dem Verlust an ausgebil­deten Männern, der Ausrüstung und großer Teile ihrer industriellen Kapazität trotz Hilfszusagen keine Aussicht, jemals so stark zu werden, wie sie es in diesem Sommer war. Eine Gelegenheit, den mili­tärischen Einsatz Englands mit dem de^ Sowjets zu vereinigen, .habe sich nur einmal, im Sommer 1941, geboten, er werde aber nie wiederkehren. Die Frage, wer schuld an dieser englischen Unter­lassung sei, hat Lord Halifax zum Entsetzen der

llnaushaltsamesVorrückengegendasDonezbeüen

Auch an den übrigen Frontabschnitten erfolgreiche Operationen.

Am 3 Oktober gab der Führer in seiner Rede zur Einleitung des Kriegs-WHW. die Gefangenenzahl an der Ostfront mit 2,5 Millionen, die der erbeuteten und vernichteten Geschütze mit rund 22 000, die der vernichteten oder erbeuteten Panzer mit bereits über Allein" in der ' Doppelschlacht Wjasma- Brjansk sind dazu gekommen: 657 948 Gefangene, 1241 Panzerkampfwagen, 5396 Geschütze und un­übersehbare andere Beute. Dabei ift die Doppel­schlacht Wjasma-Brjansk nur ein wenn auch er- beblicher Teil der 1200 Kilometer langen Ost­front die nach dem Wehrmachtbericht vom 12. Okw- ber vom Asowschen Meer bis zum Waldai-Gebirge in voller Angriffsbewegung nach Osten vorgeht. An diesem Tag wurden vom Sudflugel 64 32o Ge­fangene, 126 Panzerkampfwagen und 519 Geschütze ^^Recknen wir nur diese Zahlenreihen zusammen, so ergeben sich am 19. Oktober Gesamtresultate:

3122 273 Gefangene,

19 367 Panzerkampfwagen, 27 879 Geschütze.

Die vielen Einzelergebnisse auf der riesigen Front von 1200 Kilometer sind dabei nicht berücksichtigt.

Der Verlust für die Sowjets liegt auf der fianb- er braucht nicht bewiesen zu werden. In diesem Zusammenhang wird erst das volle Gewicht der Tatsache deutlich, daß etwa 75 v. h. d e r sowjetischen E r z e u g u n g s st a t t e n ent­weder in deutscher Hand oder durch die sehr nahe deutsche Front tatsächlichimmobilisiert" sind, rote

Von Antonius bis Auchinleck

Von unserem L.-Korrespondenten.

die Sowjets selbst in ihrem fremdwörterreichen Jargon zu sagen pflegen. Die blutigen Ver­luste der Sowjets liegen noch über der Ge­fangenenzahl. In diesen blutigen Verlusten und unter den Gefangenen finden sich vor allem die tech­nisch (für Sowjetverhältnisse) bestausgebildeten Elemente. Vergessen wir nicht, daß bei dem Ver­such, die ganze Landwirtschaft des sowjetischen Rie­sengebietes zu motorisieren, auch der sehr mili­tärische Wunsch mitgesprochen hat, die im landwirt­schaftlichen Betrieb ausgebildeten Traktorenführer militärisch als Piloten oder als Panzerwagenführer einzusetzen!

Was bedeuten diese sowjetischen Verlustzahlen, die für uns Gewinn zahlen sind, für Deutsch­land? Man braucht nicht eine Reise durch Deutsch­land oder durch das besetzte Ostland anzutreten, um einen Schimmer von der weittragenden Bedeutung dieser Zahlen zu gewinnen. Auf jedem Spaziergang in Stadt und Land sieht man Gefangene, bei der Feldbestellung, beim Bau von Straßen und Gelei­sen, als Hilfskräfte in Fabriken aller Art. Im Ost- lanb werden sie hinter der deutschen Front sofort eingesetzt, um jene Verwüstungen zu beseitigen, die sie selbst auf Befehl der Kremlherren anrichten muß­ten. Die erbeuteten Geschütze, Panzerwagen und die übrige Kriegsbeute sind vom wirtschaftlichen Ge­sichtspunkt aus sehr hoch zu veranschlagen.

Dann unb wann erinnert man sich bei uns, alte Lumpen für eine Spinnstoffsammlung abzugeben oder Altpapier abzuliefern. Die Schrottsamm­lung liegt schon weit hinter uns: sie fiel noch in die Friedenszeit. Das ist fern ganz selbstverständ­

licher Zustand. Die Engländer, die sich vor zwei Jahren über unsere Sammlungen lustig machten, haben inzwischen einiges hinzulernen müssen. Dort wird nun alles gesammelt. Selbstverständlich Pa­pier und Spinnstofflumpen. Aber auch kein künst­lerisch noch so hochwertiges Gitter, kein Eisenportal, an dem Kunstschmiede monate- oder jahrelang ar­beitete^ ist vor dem Zugriff sicher. Die Gitter und Tore des Londoner Königspalastes, des Bucking- Ham-Palace, sind längst eingeschmolzen. Dazu die eisernen Grabkreuze, die eisernen Lichtmaste, selbst die Rasierklingen müssen abgeliefert werden. Was an Aluminiumgerät Halbwegs entbehrlich ist, muß in den großen Pott geworfen werden. Aluminium ist selbst in den USA. so knapp, daß alles entbehr­liche Haushaltsgerät mit großem Trara gesammelt wird. Ist es da nicht zu begrüßen, daß der Feldzug im Osten genau so wie der vorjährige Westfeldzug, Schrott in riesigen Massen liefert. Quali- tätsstahle aller Art, dazu stattliches Beutematerial anderer Art, das die ungeheuerlich gestiegenen deut­schen Verkehrsleistungen erleichtert? Die erbeuteten Kanonen und Panzerkampfwagen stehen nicht im Monde; sie gehen jeden von uns sehr unmittelbar an und machen uns das Leben leichter, den Feinden aber sehr viel schwerer. Dr. Ho.

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Das Ritterkreuz.

B e r li n , 20. Okt. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres, Gene­ralfeldmarschall v. B r a u ch i t s ch , das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Generalleutnant hen - rici, Kommandeur einer Jnf.-Division (mot.); Oberst Kleemann, im Stabe einer Schützenbri- gade; Oberst Kreipe, Kommandeur eines Inf.- Reg.; Oberleutnant Tennhardt, im Stabe eines Jnf.-Rgts.; Oberleutnant Bursche, Kompanie­führer in einem Jnf.-Rgt.; Oberfeldwebel Ernst Sander, Zugführer in einem Schützenregiment.

Eine Brücke

vom Volk zu seinen <5othaten/'

Berlin, 20. Okt. (DNB.) Generalfeldmarschall Keitel erließ zur Buchwoche folgenden Aufruf: Dankbar begrüßt die deutsche Wehrmacht die ge­plante dritte Büchersammlung für den kommenden Winter. In einer Zeit, in welcher das Reich im Schutze feiner Soldaten steht und das Schwert die Zukunft des deutschen Volkes gegen den Bolschewismus sichert, schlägt das von der Hei­mat an die Front geschickte Buch eine Brücke vom deutschen Volk zu seinen Solda­ten. Jeder Deutsche, der nach Kräften der Bücher- sammlung für die Wehrmacht hilft, trägt dazu bei, den Kämpfern draußen eine Freude zu machen und das ganze deutsche Volk immer noch fester zu­sammenzuschweißen."

Tanger, im Oktober 1941.

Zunächst mag es seltsam erscheinen, diese beiden Waner zusammen zu nennen. Mancher möchte die llejerschrift wohl mit dem Rückenschild eines Lexi- loivandes vergleichen. Aber dieser Vergleich trifft ichn darum nicht zu, weil zwar Antonius sich einen tzlig in der Geschichte erobert hat, Auchinleck jedoch kjgter noch nichts getan hat, um auch nur in die Msterblichkeit" der Konversationslexika einzugehen. Leches ist dann aber das bindende Glied zwischen )ess römischen Triumvir und dem britischen Oene» baß Gewiß nicht der Umstand, daß Marc Anton |nit einmal Soldaten befehligt hat. Nur in einem Lande der Welt gibt es vielleicht Menschen, denen bei Zusammenhang ohne Erklärung verständlich Ijein kann: in Aegypten. Antonius steht am Knie der ägyptischen Selbständigkeit; gemeinsam [mit Cleopatra verlor er Leben und Herrschaft durch )ie Schlacht von Aktium an Oktavian, den späteren hi er Augustus. Und Auchinleck? Kein romantischer Maz umstrahlt seinen Namen. Er ist heute briti- M Oberbefehlshaber im Mittleren Osten mit dem vitz in Kairo, und viele ägyptische Patrioten hof- llen, daß er am Ende der ägyptischen Abhängigkeit

des Staatsoerteidigungskomitees über die Verhän­gung des Belagerungszustandes in der Sowjethaupt st adt verlesen, den Stalin un­terzeichnet hat. Danach wird jeder Personenverkehr auf den Straßen während der Nacht verboten. Gleichzeitig wird angeordnet, daß Ruhestörer unver­züglich vor das Kriegstribunal gebracht werden sol­len.Provokateure, Spione und andere Agenten des Feindes" seien auf der Stelle zu erschießen. Die bewaffneten Zivilisten werden dem Militärkom­mando unterstellt.

Unter dem Angriff deutscher Kampfflugzeuge.

Berlin, 20. Oktober. (DNB.) In ununterbroche­nen Einsätzen griffen deutsche Kampfflugzeuge am 19. Oktober an der gesamten Oft front sow­jetische Truppenansammlungen, Panzer und Ver­kehrsziele mit Erfolg an. Trotz ungünstiger Wetter­lage erfolgten alle Einsätze in den befohlenen Ziel­räumen planmäßig. Wirksame Bombardie­rungen wichtiger Eisenbahnstrecken riefen mehrere Unterbrechungen hervor. Riesige Bombentrichter waren auf den Bahndämmen zu erkennen. Die Gleise wurden auf längerer Strecke auseinandergerissen. Zahlreiche Lokomotiven wurden zerstört und viele Panzer teils vernichtet, teils zum Rückzug gezwungen.

der Weltöftenllichkeit erregte, war der erste Schritt zur Errichtung der britischen Stellung im Mittleren Osten, hier wirkten vielleicht noch Zufall und staats­männischer Weitblick zusammen; bann aber trat das Gesetz der wachsenden Macht seine Wirkung an und hat bis heute nicht zu wirken aufgehört.

Den goldenen Kugeln folgten bald die Kugeln aus Blei. Die wirtschaftliche Position mußte politisch un­terbaut und militärisch geschützt werden. Eine ägyp­tische Militärrevolte bot den gewünschten Anlaß zur Beschießung und Besetzung Alexandriens (1882), und der fast gleichzeitig ausbrechende Aufstand des Mahdi im Innern des Landes rief die britischen Truppenzum Schutze des Khediven" nilaufwärts bis in den Sudan hinein. Nach Beseitigung des un­mittelbaren Anlasses blieben die Truppen einfach im Land. Die nächsten dreißig Jahre hindurch hat England jeden anderen, vor allem den französischen Einfluß in Aegypten ausgeschaltet, und sich in zäher und rücksichtsloser Arbeit zum alleinigen Herrn des Nittales gemacht.

Bei Ausbruch des Weltkrieges war das Fun­dament für die weitere Politik festgefügt. Wieder wirkte jetzt das Gesetz der wachsenden Macht. Galt ursprünglich die Besetzung Aegyptens nur dem Schutze des Seeweges über Suez nach Indien, so entwickelte jetzt Lord Curzon , früherer Vizekönig von Indien und nachmals Außenminister, eine völlig neue Konzeption; ganz Vorderasien, d. h. der gesamte Mittlere Osten mit Ausnahme höchstens Kleinasiens sind das Vorfeld der indischen Verteidi­gung und müssen darum unter britische Herrschaft ober Vormundschaft gebracht werden. Der Zerfall des osmanischen Reiches bot die willkommene Ge­legenheit zur Verwirklichung des ersten Teiles die­ses Programms. Die Gelegenheit erschien so ver­lockend, daß die Versprechungen, die man Arabern und Juden gemacht hatte, einfachvergessen" wur­den; die Uneinigkeit der Araber kam den Briten noch zu Hilfe. So entstand das Halbsouveräne Ge­bilde des Irak und die Mandate Syrien mit dem Libanon und Palästina mit Trans­jordanien. Die Rücksicht auf den französischen Partner verhinderte die vollständige Durchführung des Programms, aber die Gedanken Curzons und das Gesetz der Macht wirkten weiter. Dabei schlug man neue Wege ein und wählte weniger brutal

erscheinende Methoden. Der Irak wurde 1932 zum selbständigen" Staat gemacht. Aegypten 1936 scheinbar aus der Vormundschaft entlassen, und Transjordaniens Emir Abdullah wurde noch im Sommer 1939 das dürftige Mäntelchen einer faden­scheinigen Souveränität um die Schultern gelegt.

Die tatsächliche Macht Englands blieb von allen diesen Dingen unberührt. Der neue Krieg, der von Englandfür die Freiheit der unterjochten Völker" geführt wird, bot nun endlich die Gelegenheit, das Stückwerk von 1919 zu vollenden. Palästina mar schon kurz vorher durch rücksichtslose Gewaltanwen­dung unterworfen worden. Der arabischen Frei­heitsbewegung im I r a k erging es nicht besser. Jetzt aber sollte endlich ganze Arbeit geleistet werden. Der Zusammenbruch des französischen Alliierten hatte jede Rücksichtnahme überflüssig gemacht; Sy r t en wurde erobert und dem Glacis der Festung Indien einverleibt. Die Allianz mit den Bolschewisten er­möglichte schließlich die Krönung dieses Werkes, mit der Besetzung Irans wurde der Schlußstein m das Verteidigungswerk eingefügt. Sollte es noch zu der hier und da schon angekündigten Besetzung Afghani st ans kommen, so würde das höchstens noch eine kleine Verzierung, aber kein wesentlicher Zusatz mehr fein. DieBefriedung" des Mittleren Ostens ist abgeschlossen. Curzons umfassende Konzep­tion ist verwirklicht worden.

Aber um welchen Preis? Und für welche Dauer? Beides sind Fragen, die sich vielleicht noch nicht der Londoner Regierung stellen, die aber sicherlich den General Auchinleck beunruhigen müssen, der aus der Nähe Wirkung und Gegenwirkung besser ver­folgen kann und als Oberbefehlshaber für dieses riesige Gebiet verantworllich ist. Er sitzt immer noch am Nil, Aegypten ist immer noch Basis der briti­schen Position im Mittleren Osten. Auchinleck kam aus Indien nach Kairo; gewiß keine schlechte Vor­schule für die Beherrschung fren*er Nationen. Trotz­dem wird dieser kühle Schotte sich manchmal die Frage vorlegen, ob er die ihm gestellte Aufgabe lösen kann. Vielleicht denkt er sogar einmal an An­tonius, der auf so seltsame Weise zum Wegbereiter der römischen Herrschaft und zum Totengräber der ägyptischen Unabhängigkeit wurde. Aber Antonius kam nach Kairo, als die Sonne des römischen Im­periums sich eben anschickte, den Zenith zu erreichen, lieber den weiten Gebieten des britischen Reiches liegt heute aber der rötliche unheilvolle Schein der sinkenden Sonne, und die Völker des Mittleren Ostens wissen dieses Zeichen wohl zu deuten.

1 inglani) rühmt sich gern, der Erbe Roms zu fein. Un Aegypten hat es gewiß die Erbschaft angetreten, Loi kann man nicht sagen, daß es sie gut oder im 5ime des Erblassers verwaltet habe; denn während lit römischen Cäsaren Aegypten als organischen

| M ihres um das Mittelmeer gelegenen Imperiums I jedachteten und behandelten, war den Briten das tzmd am Nil immer nur militärische Bastion und lütifaüs noch Objekt der wirtschaftlichen Ausbeu- iiiß. Allerdings waren, als die Engländer die Herr- ttyrt in Kairo antraten, die Bewohner Aegyptens jchva so sehr der Frecheit entwöhnt, daß erst Jahr- Mte vergehen mußten, ehe die nationale Selbst- k(hnung sich wieder politische Geltun-g verschaffen lernte.

Xie Zeit der ägyptischen Unabhängigkeit teilt sich Trier Hauptabschnitte, die hier nur genannt, nicht üe dargestellt werden können. Fast siebenhundert \ $re hindurch (30 v. Chr. bis 640 n. Chr.) war Hupten Provinz des römischen und byzantinischen Asches. Der junge Islam brach die reiche Nilprovinz ab eine* der ersten und Kostbarsten Juwelen aus btt Krone der christlichen Kaiser, lieber acht Jahr­hunderte lang blieb das Land unter der Herrschaft btt Kalifen in Bagdad, bis deren Macht auf das

I osmanische Reich überging (1517). Wieder saß der fjzrr Aegyptens am Bosporus, doch minderte die a?ie Entfernung immer mehr die unmittelbare Nicht; Allah ist groß und der Sultan ist weit. So entoidelte sich im 18. Jahrhundert das eigenartige ZVschenftadium der Mameluckenherrfchaft, die bei- nob zur vollständigen Selbständigkeit des Landes fitste. Ihr folgte Mohamed Ali, der zwar die von Sultan befohlene Beseitigung der Mamelucken borgte, sich aber selbst zum Herrn Aegyptens mchte und 1841 vom Sultan als erblicher Dize- ßmg anerkannt werden mußte. Seither war die 0b«rherrschaft der Türken nur noch eine leere Form, Dor einigen Monaten feierten die Aegypter die buhcrtfte Wiederkehr des Tages, an dem Mohamed W Dizekönig wurde, als den Tag ihrer Unabhän- , gefeit. Die äußeren Umstände dieser Feiern dürften ifan allerdings zum Bewußtsein gebracht haben btfi Mohamed Ali, wenn er auch nur den Xitel eines Khediven ober Dizeköniqs trug, sehr viel uscbhänqiger war, als derrichtige König Faruk wsirer Tage: denn an die Stelle des fernen Groß­hirn in Istanbul ist der sehr nahe General Lchinleck getreten. , .

tie Geschichte der englischen Herrschaft in Aegyp- tci beginnt mit der gleichen seltsamen Zufälligkeit dir so viele Erwerbungen des britischen Wettreiches w-zeichnet. Es ist allerdings hier wie meistens nur eine scheinbare Zufälliakeit, während tatsächlich das C-sitz der wachsenden Macht dahinter steht, im Falle Alands das Gesetz der Seemacht. Das Mittelmeer Mann den Engländern bis weit ins 19. Jahrhun- d e t hinein nur geringes Interesse ab. Sie besaßen tor: keine Position und wären ohne Napoleon sicher tre sehr viel später dorthin vorgedrungen; denn SoTta, das Napoleon den Ordensrittern nahm, trrbe ihm zwar wiederum von Nelson ab genom- neu, zunächst jedoch nichfroegen feines eigentlichen Wertes, sondern einfach um dem Gegner fchadem 6; verdient Beachtung, daß Napoleon, der sich nach z > Schlacht von Abukir ziemlich mühelos zum 30er 2-aiptens hätte machen können, darauf verachtet bl aewiß spielte die Rücklicht auf den türkischen ^&ünbeten auch eine Rolle babei, aber für ^bte klmacht Enalanb war Aegypten bamals in der -tat l -Ärmlich bebeutunaslos.

Tas änderte sich mit dem Rau bes Sue^j h Teils allerbinqs grundlegend. Jnbien, damals ve heute bas "igentliche Kernstück bes ^mmre, me Plötzlich näher an Europa unb bas Muttes leib heran. Das Mittelmeer, bis dahm «leich^am j riefiges Binnenaewäsfer, würbe Teil des W w-res unb bamit Objekt ber S-emachtpolitik. Ae- frtren, burch hoffen Gebiet ber Suezkanal verlaust, leAlelt beträchtliche Bebeutung für England. 4>as Cücksal ober ber Zufall tarnen mieber einmal zu Mss. Der Khebive Ismail, ein tnemg würdiger Schfolqer bes großen Mohammeb Ali, war durch frn? Vergnügungssucht in Gelbfchwleriaketten ge- phn und sprach davon, die in feinem Besitz P. Hn Aktien der Kanalgesellfchaft verkaufen. Tsiald D i s r a e l i, damals U876) britischer P - tiie-minifter. davon hörte, griff er zu unb ft der Finanzhilfe des Bankhauses REcbW Ihfcbritannien die Aktienmehrheit in der fuezra Gesellschaft. Für die heute geradezu lächerlich qe- r/e erscheinende Summe von vier MckUonen Bsimd ; te-Iing (1938 hatten die gleichen Aktien den Dori über 45 Millionen) erwarb England ö

Wigften Positionen ber Welt. D^ses Geschäft, $5 damals kaum einige Tage die Aufm r s

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